Das Kirchenvolk hofft auf Ermutigung durch glaubensstarke Persönlichkeiten

Von Dr. Hubert Gindert

Die Christen sind vom Evangelium her aufgefordert, für die Wahrheit einzustehen und auch dafür zu kämpfen. 0000009699_3

Die katholische Kirche in Deutschland steht in einer Krise. „Die Kirchen sind leer, die Ansichten der Getauften zu Ehe, Familie, Sexualmoral und Glück unterscheiden sich kaum noch von denen der Nichtchristen“. (George Weigel, vgl. Kathnet vom 22.5.15)

FOTO: Prof. H. Gindert spricht beim Kongreß „Freude am Glauben“

In dieser Situation sehnen sich die Gläubigen nach Hoffnungsträgern, die sich nicht mit der Krise abfinden, nach Hirten, die mit Bekennermut vorangehen und die Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Lähmung und Verzagtheit in Hoffnung, Mut, neues Selbstbewusstsein und Aufbruchsstimmung umwandeln. Manchmal kann die Kirche etwas von der „Welt“ lernen.

Ein Beispiel:

Am 18. Juni 1940 richtete General de Gaulle einen Appell an die Franzosen. Das war ein historisches Ereignis mit weitreichenden Folgen. Frankreich hatte den Kampf gegen Deutschland eingestellt. Das ganze Land stand unter einer Schockwirkung.

Der gebrochene Widerstandswille hatte eine Vorgeschichte. Die historische Erfahrung, dass ein Land bereit sein muss, seine Freiheit gegen aggressive Nachbarn zu verteidigen und das auch deutlich zu machen, war vergessen worden. Trotz der von Hitler befohlenen Aufrüstung waren die Verantwortlichen in Frankreich nicht bereit, die Armee zu modernisieren.

De Gaulle hatte vier Denkschriften verfasst, um auf die Dringlichkeit dieser Aufgabe hinzuweisen. Nachdem Hitler Österreich dem Reich einverleibt hatte und die Tschechoslowakische Republik zwang, seine erpresserischen Forderungen zu akzeptieren, nahm Frankreich diesen Vorgang hin, obwohl es vertraglich zum Beistand verpflichtet war. 0022

Als dann Hitler einen Korridor von Polen forderte, um einen Landzugang zu Danzig herzustellen, bestand erneut Kriegsgefahr. Von französischen Gazetten wurde das Geschehen mit der Überschrift „Mourir pour Danzig?“ (Sterben für Danzig?) kommentiert.

Wegen des gelähmten Widerstandswillen und der unzureichenden Bewaffnung waren die französischen Streitkräfte dem deutschen militärischen Ansturm nicht gewachsen; sie kapitulierten. Da wandte sich De Gaulle von London aus an die Franzosen:

„Die Regierung hat den Kampf gegen die Deutschen eingestellt. Aber ist damit das letzte Wort gesagt? Muss deswegen die Hoffnung verschwinden? Ist deswegen die Niederlage endgültig? Nein! Glaubt mir, der in Kenntnis der Ursachen spricht, Frankreich ist deswegen nicht verloren. Denn Frankreich ist nicht allein! Es hat ein gewaltiges Imperium hinter sich. Es kann mit Großbritannien, das den Kampf fortsetzt und die Meere beherrscht, einen Block bilden. Frankreich kann wie Großbritannien die gewaltige Industriemacht der USA nutzen. Dieser Kampf ist nicht auf unser unglückliches Land begrenzt. Es ist ein Weltkrieg. Die Flamme des Widerstandes darf nicht erlöschen!“

General Jaques Massu beschreibt die Situation. Er war damals als junger Kolonialoffizier in Afrika. Zusammen mit anderen Offizieren hatte er im fernen Tschad mit Entrüstung und tiefer Niedergeschlagenheit von der Niederlage erfahren. Als sie den Appell De Gaulles hörten, stellten sie sich ihm sofort begeistert zur Verfügung, um den Kampf von Afrika aus fortzusetzen. bildma1

Das liest sich alles sehr „säkular“ und hat scheinbar nichts mit der religiösen Krisensituation in Deutschland zu tun. Aber der Aufruf De Gaulles ist ein Beispiel dafür, wie Menschen wieder aufgerichtet werden.

Auch die religiöse Auseinandersetzung, in der wir stehen, ist ein Kampf, wenn auch ein geistlicher – und es gibt Parallelen: Auch die lehramtstreuen und romverbundenen Katholiken Deutschland sind nicht allein. Sie sind nicht isoliert, sondern Teil der weltumspannenden Universalkirche.

Es gibt eine Minderheit der deutschen Bischöfe, die sich nicht dem Druck der veröffentlichten Meinung und der im ZdK vertretenen katholischen Organisationen beugen. Es gibt Bischofskonferenzen in Europa, so in Polen, der Slowakei, Italien, Spanien, in Afrika, Asien und Lateinamerika, die dem Zeitgeist widerstehen.

Die Ursachen für die religiös-kirchliche Situation in der deutschen Ortskirche sind bekannt. Sie wurden aber nicht abgestellt.

Die Stimmen der deutschen Ortsbischöfe, die aussprechen, was der Glaube der katholischen Kirche ist, werden von den Gläubigen begeistert aufgenommen. Die neuen Medien helfen, dass es neben den offiziellen Kanälen auch andere Möglichkeiten der Information für die Gläubigen gibt. Hinzu kommen Ressourcen, die im säkularen Bereich nicht zur Verfügung stehen. Das sind die tausende von Katholiken, die heute mit ihrem Leben Zeugnis für den Glauben geben.

Es ist aber vor allem die Zusage des HERRN, dass der Hl. Geist über die Wahrheit wacht und dass die Mächte der Unterwelt die Kirche nicht überwältigen können.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum deutscher Katholiken“ und die kath. Monatszeitschrift DER FELS.

 


Osnabrück: Bischof Bode beurteilt die Lebenswirklichkeit als „Stimme Gottes“

Von Felizitas Küble

Bekanntlich läuft seit Wochen eine grundsätzliche Debatte in der katholischen Kirche über die Frage, welchen theologischen Stellenwert die sogenannte „Lebenswirklichkeit“ der Menschen von heute einnimmt.

Man könnte auch die damit verwandte Frage aufwerfen, ob der Zeitgeist einen konkreten Einfluß auf den Inhalt der kirchlichen Lehre  – etwa bei der Sexualethik – ausüben darf oder nicht.

Kar0022dinal Müller (siehe Foto) erklärte kürzlich ohne Wenn und Aber, daß die „Lebenswirklichkeit“ der Menschen keine „Offenbarungsquelle“ für das kirchliche Lehramt sein kann. (Quellen der Offenbarung Gottes sind vielmehr die Heilige Schrift und die apostolische Tradition bzw. urchristliche Überlieferung.)

Hierauf antwortete jetzt der Osnabrücker Oberhirte Franz Josef Bode gegenüber „katholisch.de“ (Portal der Dt. Bischofskonferenz) wie folgt:

„Dem hörenden Herzen wird die Wirklichkeit nicht zur Offenbarungsquelle, wohl aber zu einer Stimme Gottes, zu einer Äußerung seines Willens durch die ,Zeichen der Zeit‘, die zu tieferen theologischen Einsichten führen können.“  1523

Bischof Bode fügte hinzu: „Mit einer Alles-oder-nichts-Moral, die jede Abweichung zu schwerer Sünde macht, werden wir kaum Menschen erreichen.“

Hierzu stellen wir fest:

1. Dem auf GOTT hörenden und IHM gehörenden Herzen wird die „Lebenswirklichkeit“ keineswegs zu einer Stimme Gottes. Auch erfahren wir die „Äußerungen seines Willens“ bereits in den Zehn Geboten und der Lehre Christi, so daß es sicherlich nicht zu „tieferen theologischen Einsichten“ führt, wenn nicht mehr die göttlichen Gebote, sondern die menschlichen Wünsche zum Maßstab der Sittenlehre mutieren.

2. Die Zehn Gebote bestehen offensichtlich aus einer „Alles-oder-nichts-Moral“ (Du sollst…! – Du sollst nicht…!). Ob die Kirche mit diesem Grundgesetz Gottes die Menschen schlichtweg „erreicht“?  – Dies war natürlich immer schon schwierig, nicht etwa erst heute, denn der menschliche Wille zum Guten ist durch die Erbsünde geschwächt, zudem durch viele unchristliche Fremdeinflüsse weiter erschwert.  Deshalb ist eine klare Verkündigung aber umso nötiger!

3. Für die Kirche darf es nicht entscheidend sein, was heute „ankommt“, sondern worauf es ankommt  –  auf den Willen Gottes nämlich. Was Erzbischof Johannes Dyba aus Fulda einst dazu sagte, trifft den Kern: Die Kirche ist nicht zeitgemäß, sondern ewigkeitsgemäß!

Quelle für die Zitate von Bischof Bode: http://www.tagesspiegel.de/politik/katholische-kirche-plant-zweite-familiensynode-sex-ist-keine-offenbarungsquelle/11691394.html

 


Brasilien: 130.000 Unterschriften für eine Seligsprechung von Zilda Arns

Rund 30.000 Brasilianer nahmen am 10. Januar an einem Gottesdienst im WM-Stadion in Curitaba (Bundesstaat Paraná) teil, bei dem an den fünften Jahrestag des Erdbebens in Haiti erinnert wurde. afc127c26a

An der Gedenkfeier nahmen zahlreiche Kirchenvertreter aus Brasilien teil, wobei auch die mögliche Eröffnung eines Seligsprechungsverfahrens für die katholische Laienmissionarin und Medizinerin Zilda Arns auf den Weg gebracht wurde.

Zilda Arns Neuman, die bei dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 starb, war Gründerin und Präsidentin der “Pastoral da Criança”, die Kinderpastoral der kath. Kirche in Brasilien, die fast 1,3 Millionen Kindern in 20 Ländern in Lateinamerika, Afrika und Asien unterstützt.

Im Rahmen der Gedenkfeier überreichte das Kinderhilfswerk ein entsprechendes Gesuch an die Erzdiözese Curitiba. Für diesen Antrag auf die Eröffnung eines Seligsprechungsprozesses wurden fast 130.000 Unterschriften gesammelt. media-374158-2

Erzbischof José Antonio Peruzzo von Curitiba wird den Antrag bei der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse einrichten.

Seit der Gründung durch Zilda Arns 1983 wurde das die Kinderpastoral der kath. Kirche mehrfach für die eigene Tätigkeit gewürdigt: u.a. wurde das Werk 2002 mit dem UN-Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Zilda Arns starb mit 75 Jahren bei dem Erdbeben in Haiti, wo sie Projekte zur Bekämpfung der Unterernährung bei Kindern plante.

Quelle: Fidesdienst


Eichstätt: Kardinal Cordes betont, daß der geweihte Priester „unersetzbar“ ist

Als „bedeutsames Datum nicht nur der Diözese Eichstätt, sondern mindestens der katholischen Kirche Deutschlands, wenn nicht der Universalkirche“ hat Kardinal Paul J. Cordes das 450-jähriges Bestehen des Eichstätter Priesterseminars gewürdigt.

Er nahm als päpstlicher Legat an den Feierlichkeiten teil und zelebrierte einen Festgottesdienst am Samstag, 11. Oktober, in der vollbesetzten Seminar- und Universitätskirche, der Schutzengelkirche. e06b4ca165

In seiner Predigt hob Kardinal Cordes den Wert des Priesteramtes hervor und ging auf die aktuelle Situation der geistlichen Berufungen ein.

Priesteramtskandidaten seien in den deutschen Diözesen anscheinend auf eine verschwindende Minderheit reduziert. Ihr Mangel laste heute kaum weniger drückend auf Bischöfen, Priestern und Gläubigen als zur Zeit der Gründung des Collegium Willibaldinum.

Kardinal Cordes betonte, wie wichtig der Einsatz der katholischen Laien ist. Auch Strukturerneuerungen seien in der Kirche immer wieder nötig. Zugleich fügte er hinzu:

„Aber all das kann das geweihte Amt, das Gott selbst uns schenkt, nicht aufwiegen. Ersatzlösungen setzen auf Irdisches und machen oft Gott vergessen.“

Darum sei das Seminarjubiläum auch Anlass, „uns neu daran zu erinnern, dass der geweihte Priester unersetzbar ist“.

Der Kurienkardinal betonte: „Geistliche Berufe reifen, sofern der Glaube in den Herzen der Hirten und in den Gemeinden lebt.“

Sonderseite zum Jubiläum mit Videos und Beiträgen | Bericht der Kirchenzeitung | Info zur Festschrift

Quelle: http://www.bistum-eichstaett.de/aktuell/aktuelle-meldungen-details/news/kardinal-cordes-beim-seminarjubilaeum-der-geweihte-priester-ist-unersetzbar/
Foto: pde, Geraldo Hoffmann

Aufstand gegen Rom: Bischof Bonny attackiert die Ehelehre der Kirche

Von Felizitas Küble

Am gestrigen Mittwoch, den 3. September 2014, war der reformkatholische Kirchenredakteur der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Daniel Deckers, offenbar voll in seinem Element, konnte er sich doch mit seinen altbekannten modernistischen Forderungen nun auf einen Gewährsmann berufen, der ein hohes kirchliches Amt innehat: Bischof Johan Jozef Bonny. zeitungen

Das katholische Oberhaupt des Bistums Antwerpen  –  er gehört überdies zu den „Grabesrittern“ (Ritterorden vom Hl. Grab zu Jerusalem)  – war bislang nicht mit verwegenen Forderungen aufgefallen; insofern gelang Deckers journalistisch ein echter Überraschungscoup.

Für Daniel Deckers hat jetzt die Stunde geschlagen, um in puncto kirchliche Sexualmoral alle Geschütze aufzufahren, die ihm einfallen  –  und sich dabei auch sprachlich nicht mehr zurückzuhalten.

„Mit brachialer Gewalt exekutiert“

So schreibt der FAZ-Redakteur in einem seiner diesbezüglichen Artikel beispielsweise, das kirchliche Lehramt habe seit Papst Paul VI. seine Lehre über Ehe und Fortpflanzung „mit brachialer Gewalt exekutiert“.

Man beachte die Wortwahl und überlege, ob es sich etwa um die radikal-islamische Terrortruppe IS im Irak handelt, die ihre Ideologie tatsächlich „mit brachialer Gewalt exekutiert“? 1_0_809751

Nein, Herr Deckers meint allen Ernstes den Vatikan, dessen sogenannte „Gewalt“ sich allerdings ganz friedlich auf die Verkündigung von Lehrschreiben und dergleichen konzentriert.

Selbst als z.B. die deutschen Bischöfe sich seinerzeit mit ihrer höchst fragwürdigen „Königsteiner Erklärung“ kritisch von der päpstlichen Enzyklika „Humanae vitae“ (Lehrschreiben über Ehe und Fruchtbarkeit) abgrenzten, zog dies keinerlei Maßnahmen nach sich, geschweige wurden die insoweit unbotmäßigen Oberhirten „mit brachialer Gewalt exekutiert“….

Und weil Deckers sich vor Freude über den belgischen Rebellenbischof, der ihm jetzt am Reformhimmel erstand, kaum noch halten konnte, veröffentlichte er gestern neben zwei Online-Artikeln zur Causa Bonny einen weiteren Kommentar  unter dem Titel „Hartes Ringen in der katholischen Kirche“.  

Einleitend heißt es dort, Bischof Bonny habe eine angeblich brillante und jedenfalls „schonungslose“ Analyse der „Verirrungen des kirchlichen Lehramts vorgelegt“.
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Sodann wird Papst Franziskus vereinnahmt, indem ihm das „Ansinnen“ untergejubelt wird, „die Kluft zwischen Lehre und Leben zu verringern  – um  des Lebens willen.“ 

Um welchen „Lebens“ willen?  – Für ein moralisch laxes oder gar liederliches Leben ist jedenfalls der Zeitgeist zuständig, nicht die Kirche; diese wiederum ist an Christi Lehre und Leben gebunden, nicht an die Zügellosigkeit dieser Welt.

Bereits der hl. Apostel Paulus schärfte zu seiner Zeit der Christengemeinde von Rom ein: „Paßt euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist.“ (Röm 12,2)

Diese Aufforderung gilt auch für katholische Oberhirten einschließlich Bischof Bonny. Dieser Kirchenmann spielt Gottes Gebote und menschliches Gewissen gegeneinander aus, was auf die sog. „autonome Moral“ hinausläuft, die streng genommen eben keine Moral ist, sondern der subjektiven Beliebigkeit unterworfen.

„Wechselnde Einsichten und Gefühle“

Geradezu hanebüchen, was Bischof Bonny in seiner Stellungnahme insbesondere zum Thema Unauflöslichkeit der Ehe schreibt:

„Wie Menschen an ihrer Beziehung arbeiten, wann sie sich für Kinder entscheiden, wie und wann sie eine Beziehung als ‚unauflöslich‘ betrachten und erfahren: Es handelt sich um menschliche Wirklichkeiten, geprägt von Zeit und Kultur, von Herkunft und Bildung, von wechselnden Einsichten und Gefühlen.“

Gläubige katholische Christen (und übrigens auch bibelfeste Protestanten) lassen sich jedenfalls in puncto Unauflöslichkeit nicht von „wechselnden Einsichten und Gefühlen“ bestimmen, sondern von der zeitlosen Botschaft Christi und dem 6. Gebot Gottes: „Du sollst nicht ehebrechen.“

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Zudem äußert der reformfreudige Oberhirte, er habe „mehrfach feststellen“ müssen, „wie anstößig die Sprache der Kirche gegenüber bestimmten Personen oder Situation wirken“ könne:
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„Wer sich mit Menschen in ein Gespräch begeben will, muss sich davor hüten, ethische Qualifizierungen zu verwenden, die zur gelebten Wirklichkeit quer stehen und deshalb sehrt herabsetzend klingen. Viele unserer kirchlichen Dokumente brauchen an diesem Punkt dringend eine Revision.“
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Hier werden die sittlichen Normen der Kirche und „bestimmte Personen und Situationen“ ebenfalls gegeneinander ausgespielt. Der Bischof fordert die Kirche sogar dazu auf, sich vor „ethischen Qualifikationen“ zu hüten, die „zur gelebten Wirklichkeit quer stehen“.  
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Er möge sich damit abfinden, daß sich die göttlichen Gebote nicht dem Menschen und dessen „gelebter Wirklichkeit“ anzupassen haben, sondern umgekehrt: der Mensch soll sich an Gottes immer gültigem Gesetz ausrichten, zumal der gläubige Mensch, an den sich dieser Bischof mit seiner Stellungnahme ja schließlich wendet.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Weiterer FAZ-Bericht Deckers mit Auszügen aus jener „reformkatholischen“ Erklärung Bischof Bonnys: http://www.faz.net/aktuell/politik/katholische-kirche-bischof-bonny-stellt-paepstliche-weisungen-in-frage-13133797.html

Vollständiger Wortlaut der Stellungnahme von Bischof J. Bonny: http://www.kerknet.be/admin/files/assets/subsites/4/documenten/SYNODE_UBER_DIE_FAMILIE_D.pdf

Fotos: Felizitas Küble (1), Radio Vatikan (2), Evita Gründler (3)

 


Irreführende Botschaften der „Seherinnen“ Vassula Ryden und Myrna Koubet al-Akhras

Von DDr. Wolfgang F. Rothe

„Zu allen Zeiten ist der Kirche das Charisma der Prophetie gegeben, die geprüft werden muss, aber auch nicht verachtet werden darf“,  schreibt Kardinal Joseph Ratzinger in einem Kommentar, der im Jahr 2000 zusammen mit der „Botschaft von Fatima“ veröffentlicht wurde.  Rothe_Benedikt_Lit_Vers

Der Maßstab für die Echtheit und Bedeutung einer jeden Prophetie, mystischen Erfahrung und Privatoffenbarung ist das der Kirche anvertraute Glaubensgut.

BILD: Unser Autor, der katholische Priester und Kirchenrechtler Dr. Dr. Wolfgang Rothe (München), überreichte Papst Benedikt sein Buch „Liturgische Versöhnung“

Eine Privatoffenbarung kann nur dann und nur insoweit echt sein, so der damalige Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, als sie nichts enthält, „was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht“.

Zu fragen und prüfen, ob eine bestimmte Privatoffenbarung mit dem Glauben übereinstimmt, ist daher kein Frevel, sondern ein Dienst am Charisma der Prophetie in der Kirche.

1. Einheit der Kirche / Einheit der Christen nach der katholischen Glaubenslehre

Unter den zahlreichen als Privatoffenbarung verbreiteten „Botschaften“ finden sich seit einigen Jahren vermehrt auch solche, die die Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen zum Thema haben.

Wenngleich dieses Anliegen in den meisten Privatoffenbarungen der Vergangenheit und insbesondere auch bei den von der Kirche anerkannten eine eher geringe Rolle gespielt hat, ist dies an sich noch kein Grund, an ihrer Echtheit zu zweifeln  –  im Gegenteil: afc127c26a

Nach dem Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel gehört die Einheit zu den Wesensmerkmalen der Kirche und bildet damit einen Bestandteil des ihr anvertrauten Glaubensguts.

Wenn eine Privatoffenbarung dazu beiträgt, das Bewusstsein der Gläubigen für die Bedeutung der kirchlichen Einheit zu stärken, ist dies durchaus zu befürworten.

Einheit ist bereits Wesensmerkmal der Kirche  

Dasselbe gilt für die Bemühungen zur Überwindung der bestehenden Spaltungen und zur Wiederherstellung der Einheit unter den Christen. Eben weil die Einheit zum Wesen der Kirche gehört, hat das Zweite Vatikanische Konzil im Dekret über den Ökumenismus erklärt:

„Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit ist Sache der ganzen Kirche, sowohl der Gläubigen, wie auch der Hirten, und geht einen jeden an, je nach seinen Fähigkeiten“.

Dementsprechend enthält auch der geltende Codex des kanonischen Rechts (Kirchenrecht) in can. 755 § 1 die lapidare Festjesus in der synagoge von nazarethstellung, dass „die Kirche kraft des Willens gehalten“ ist, die Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen zu fördern.

Wohlgemerkt: nicht die Einheit der Kirche, sondern die Einheit der Christen gilt es anzustreben.

Würde man nämlich davon ausgehen, dass die eine und einzige von Christus gegründete Kirche ihre ursprüngliche Einheit verloren hätte und in einzelne, mehr oder weniger gleichwertige Teile zerfallen wäre, dann könnte die Einheit wohl kaum länger als Wesensmerkmal der Kirche gelten.

Demgegenüber ist festzuhalten, dass es (nur) eine einzige von Christus gegründete Kirche gibt  –  und diese von ihrem Wesen her eine und einzige Kirche besteht in der katholischen Kirche.

Kein Ökumenismus des „kleinsten Nenners“

Von daher ist dem großen Anliegen der Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen kaum etwas abträglicher als die gar nicht so selten anzutreffende Vorstellung, das Ziel des Ökumenismus bestünde in der Einigung und Zusammenführung der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften (einschließlich der katholischen Kirche) in einer künftigen, neu zu bildenden (und damit von der katholischen Kirche verschiedenen) ökumenischen Kirchengemeinschaft.

Damit würde man den Ökumenismus nämlich auf ein mehr oder weniger diplomatisch-kirchenpolitisches Unterfangen reduzieren, dessen Fundament und Maßstab nicht mehr im unverkürzten und unverfälschten Glaubensgut, sondern in Einigung und Kompromiss auf der Grundlage des kleinsten gemeinsamen Nenners und damit auf Kosten der Wahrheit bestehen würde.

2. Einheit der Kirche / Einheit der Christen nach Vassula Ryden

Derartige Vorstellungen von kirchlicher Einheit und Ökumene wurden lehramtlicherseits stets entschieden zurückgewiesen  –  nicht zuletzt auch dann, wenn sie mit dem Anspruch verbreitet wurden, auf einer Privatoffenbarung zu beruhen.  

So sah sich etwa die Kongregation für die Glaubenslehre am 6. Oktober 1995 veranlasst, eine Mitteilung (Notifikation) zu den angeblichen Privatoffenbarungen zu veröffentlichen, die eine gewisse Vassula Ryden empfangen zu haben behauptete.

Die in den „Botschaften“ dieser „Seherin“ enthaltenen Irrlehren bestanden nicht zuletzt in der zukünftigen Erwartung einer Art „panchristlichen Gemeinschaft“, einem ökumenischen Zusammenschluss aller christlichen Konfessionen unter Einbeziehung der katholischen Kirche.

VASSULA und die „ökumenische Unordnung“

Darüber hinaus rief Frau Ryden mitunter auch dadurch Verwirrung unter den Gläubigen hervor, dass sie  –  obwohl der griechisch-orthodoxen Kirche angehörend  –  unterschiedslos an den Sakramenten der katholischen Kirche teilnahm. 1547 - Kopie

Offenbar hielt sie sich für berechtigt, die von ihr propagierte künftige Kirchengemeinschaft gleichsam im vorauseilenden Gehorsam vorwegzunehmen und sich über jede kirchenrechtliche Ordnung hinwegzusetzen.

Auf diese Weise, erklärte die Kongregation für die Glaubenslehre unter ihrem damaligen Präfekten Kardinal Joseph Ratzinger, verursache Frau Ryden „ökumenische Unordnung“. In Anbetracht all dessen wurden die Gläubigen eindringlich ermahnt, die angeblichen Privatoffenbarungen von Frau Ryden „nicht als übernatürlich zu betrachten und den Glauben, den der Herr der Kirche anvertraut hat, rein zu bewahren“.

3. Einheit der Kirche und Einheit der Christen nach Myrna Koubet al-Akhras

„Einigt euch!“ – so lautet die zentrale und zunächst einmal unverdächtige „Botschaft“ von Myrna Koubet al-Akhras, die seit geraumer Zeit auch im deutschsprachigen Raum großer Bekanntheit erfreut.

Die Spirale von Hass und Gewalt in der Welt könne nur dadurch unterbrochen werden, so die aus Syrien stammende „Seherin“, dass die Menschen sich einigen, Frieden schließen und in Liebe miteinander umgehen.

Myrna, wie die „Seherin“ von ihren Anhängern kurz genannt wird, sieht sich von Gott berufen, die Menschen für das Anliegen der Einheit zu gewinnen. Die Christen sollen dabei mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie sich für die Überwindung der konfessionellen Unterschiede und die Wiederherstellung der Einheit einsetzen.

Der an und für sich löbliche Aufruf, sich zu einigen, ist in diesem Zusammenhang jedoch zumindest missverständlich.

MYRNA und die ersehnte „Kirche der Einheit“

Das Ziel des Ökumenismus ist nicht Einigung, sondern Einheit, nicht Kompromiss, sondern Erkenntnis der Wahrheit. Sayn-Abteikirche-DSC_0195-2

Die Einheit, die es anzustreben gilt, ist keine neu zu schaffende Einheit, sondern jene, die zum Wesen der einen und einzigen von Christus gegründeten Kirche gehört, die auf dem Fundament des unverkürzten und unverfälschten katholischen Glaubensguts beruht und die in der katholischen Kirche von jeher bewahrt wurde.

In den „Botschaften“ Myrnas ist hingegen immer wieder von einer erst noch zu gründenden (!) Kirche der Einheit die Rede. Dabei entsteht der Eindruck, als sei diese zukünftige Kirche etwas von den gegenwärtig bestehenden Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften Verschiedenes, etwas Verschiedenes auch von der katholischen Kirche.

Damit würde die Unzerstörbarkeit der in der katholischen Kirche bestehenden Kirche Christi ebenso in Frage gestellt wie die in ihrem Wesen begründete Einzigkeit und Einheit.

Die Kirche Christi ist nicht „gespalten“

Ganz auf dieser Linie liegt auch die in Myrnas „Botschaften“ regelmäßig enthaltene Klage darüber, dass die Kirche gespalten sei. Gespalten ist die Christenheit, nicht die Kirche. Nicht die Einheit der Kirche gilt es wiederherzustellen, sondern die Einheit der Christen. 0018

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine auf der Grundlage gegenseitiger Einigung zu gründende Kirche, wie sie in den „Botschaften“ Myrnas propagiert wird, mit dem katholischen Kirchenverständnis nicht zu vereinbaren ist.

Die diesbezüglichen Vorstellungen der syrischen „Seherin“ gleichen in frappierender Weise jener „panchristlichen Gemeinschaft“, wie sie einst von Vassula Ryden propagiert und von der Kongregation für die Glaubenslehre mit Nachdruck verworfen wurde.

Wenngleich im Rahmen der vorliegenden Ausführungen nur ein einzelner Aspekt aus den „Botschaften“ der „Seherin“ Myrna Koubet al-Akhras herausgegriffen und kritisch hinterfragt wurde, ist in jedem Fall Vorsicht vor einer neuerlichen „ökumenischen Unordnung“ geboten.

Ein abschließendes Urteil bleibt freilich dem Lehramt der Kirche vorbehalten.