Erklärung der Osterakademie in Kevelaer

Die zur jährlichen Osterakademie in Kevelaer (24. – 27. April 2019) versammelten Katholiken sehen eine international erschreckende Zunahme der Verfolgung von Christen.

Die nachweisbare Zahl ermordeter Christen ist von 2017 auf 2018 von 2782 auf 4136 gestiegen  – ohne Berücksichtigung der Dunkelziffer.

Das Attentat auf Sri Lanka mit mehr als 400 Toten am Ostersonntag 2019 lässt weitere Eskalation befürchten. Das grundlegende Menschenrecht auf freie Religionsausübung ist durch alle diese Vorgänge massiv verletzt.

Daher unterstützen und bejahen wir nachdrücklich die Forderung von Henryk M. Broder, hier bei und und in Europa einen Beauftragten einzusetzen zur Beobachtung und Aufdeckung der zunehmenden Christenfeidlichkeit, um die Menschenrechte und unsere Demokratie zu schützen.

Kevelaer, im April 2019
Für die Teilnehmer: Kardinal-von-Galen-Kreis e.V. als Veranstalter der Osterakademie

Reinhard Dörner, Vorsitzender

Gemälde: Evita Gründler


Die Osterakademie in Kevelaer tagte über Luther und seine „Reformation“

Von Doris de Boer

Ganz im Zeichen des 500-jährigen Jubiläums der Reformation durch Martin Luther (1483 – 1546) stand die diesjährige Osterakademie, die nunmehr zum 21. Mal im Marienwallfahrtsort Kevelaer tagte.

Acht Referenten erschlossen vom 30. März bis 2. April 2016 einige Aspekte der Person und Lehre Luthers aus historischer, philosophischer oder psychologischer Sicht. IMG_9045

BILD von links: Dr. Rudolf Kaschewsky, Prof. Peter Bruns, Prof. Harm Klueting, Prof. Klaus Berger, Michael Hesemann, Pfr. Dr. Josef Wieneke, Reinhard Dörner (Veranstalter)

Michael Hesemann, Historiker und Bestseller-Autor, führte aus, dass Luther schon in seinem Elternhaus Gewalt und Jähzorn erfahren habe. Laut eigenem Eingeständnis sei er nur deshalb ins Kloster gegangen, weil er im Duell versehentlich einen Kommilitonen tödlich verletzt habe. In seinem Ordensleben hätten ihn schwere Gewissensbisse und Depressionen geplagt.

Statt die Kirche zu reformieren, habe er später mit seiner These von der Rechtfertigung „allein aus Gnade“ (ohne Mitwirkung des Einzelnen) eine neue Lehre geschaffen. Zu Luthers Bibelübersetzung merkte Hesemann an, dass sie keineswegs jene einzigartige Neuigkeit gewesen sei, als die sie oft gefeiert werde: 14 vollständige hochdeutsche Bibelausgaben hätte es damals bereits gegeben; Luther habe zudem sehr frei und oftmals fehlerhaft übersetzt.

Luther sei später in pathologische Selbstüberschätzung gefallen; er habe sich gleichsam als zweiten Paulus betrachtet: „Luther war kein Heiliger, kein Vorbild im Glauben, aber er gab wichtige Impulse  – und mit ihm begann der Aufstieg und die Reinigung der Kirche durch das Tridentinische Konzil. Überwinden wir Luther, um zur Einheit der Kirche zu kommen“, war sein Plädoyer.

Die Philosophin Prof. Dr. Alma von Stockhausen stellte die These auf, dass Luthers Theologie letztlich eine Anpassung an sündhafte Leidenschaften gewesen sei. Für sein anklagendes Gewissen habe Luther schließlich einen „Ausweg“ gefunden und die Theorie vom unfreien Willen des Menschen aufgestellt.  0018

Auch gewisse Züge von Schizophrenie würden der Person und Theologie Luthers anhaften. Die drei „sola“ Martin Luthers („sola gratia“, „sola fides“ und „sola scripura“  =  „allein die Gnade“, allein der Glaube“, „allein die Schrift“) seien eine umfassende Kulturrevolution, die nicht nur die katholischen Sakramentenlehre, sondern auch das katholische Opfer- und Moralverständnis aufhebe.

Prof. DDr. Harm Klueting, selbst Konvertit und katholischer Priester, zeichnete das Bild Luthers, der aus echter Überzeugung ins Kloster eingetreten sei und dort nur als katholischer Ordensreformer wirken wollte. Erst im Jahr 1518 sei der Schritt vom katholischen Reformer zum evangelischen Reformator vollzogen: „Die Reformation ist als eine aus dem Ruder gelaufene Ordensreform zu sehen“, so Prof. Klueting.

Einsichten in das innere Denken Luthers vermittelte Dr. Rudolf Kaschewsky mit Ausführungen über das Lutherbild des katholischen Theologen Paul Hacker (1913 – 1979). Luthers Glauben sei reflexiv, ichbezogen und führe zu einer Säkularisierung, da bei einer Zentrierung auf das eigene Ich die Ausrichtung auf Übernatürliches überflüssig werde. Alle Werke müssten nach Luther allein Werke des Glaubens sein; die Liebe selbst diene nur dem Glauben und werde so zweitrangig.christus

Anhand der Römerbriefkommentare Martin Luthers und des seligen Zisterziensermönches Wilhelm von St. Thierry (+1131) wies Prof. Dr. Klaus Berger nach, dass die Dimension der Freiheit des menschlichen Willens und der Liebe zwischen Gott und Mensch bei Luthers Kommentar völlig fehle und der Einzelne dafür absolut gesetzt werde, während der Ordensmann Wilhelm schon Jahrhunderte vor Luther diesem voraus war. „Hätte Luther Wilhelms Kommentar gekannt, hätte er gewiss einen guten Freund in ihm gefunden“, so Berger.

Dass die Rechtfertigungslehre Luthers dem katholischen Verständnis von der Mitwirkung des Menschen mit der göttlichen Gnade widerspreche, erläuterte Prof. Dr. Manfred Hauke. Auch die bei Luther noch vorhandene Verehrung Mariens, so Pfarrer Dr. Josef Wieneke, könne kaum eine Brücke zwischen den Konfessionen bilden, da Luther trotz eines eigenen Kommentars zum Magnfikat immer betonte, dass das Ja Mariens und ihr Mitwirken nicht entscheidend sei. Maria wäre laut Luther ein „Abgott“, wenn man ihr ein verdienstliches Wirken zuschriebe.

Dass Luther auch selbst zur Gewalt aufrief, zeigte Prof. Dr. Peter Bruns anhand von Luthers Verständnis des „Türken“, den er mit Islam identifizierte. Neben dem Papst war der „Türke“ Luthers großer Hauptfeind. Der Islam sei eine Häresie und notfalls mit Gewalt zu bekämpfen.

Kurz vor dem großen Lutherjubiläum vermittelte die Tagung viele teils unterschiedliche Einsichten in das Leben und Denken Luthers. Gewiss unterscheidet sich die heutige lutherische Theologie vielfach von Luthers Theologie und ist anders zu bewerten, da sie viele Einseitigkeiten Luthers überwinden konnte.

Das bevorstehende Jubiläum könne jedoch kein Grund zum Feiern sein, sondern gebe eher Anlass zur Besinnung auf den Wunsch Jesu: „Ut unum sint!“ (Damit alle eins seien).

Unsere Autorin Doris de Boer ist katholische Theologin, Journalistin und Familienmutter; sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Kevelaer; von ihr stammt auch das Tagungs-Foto.


Erzbischof Dyba hatte viele Gegner, doch seine Anhänger waren und sind viel zahlreicher

Buchbesprechung von Doris de Boer

„Ich werde in mehr oder weniger kurzer Zeit vor Gott in der Ewigkeit stehen. Da werde ich doch jetzt keine Zeit mehr dazu verwenden, faulen Kompromissen nachzujagen oder um Mehrheiten, in welchen Gremien auch immer, besorgt zu sein. Die Stunde ist da, um Gottes Botschaft – und dazu gehören auch seine Gebote – in Klarheit und Wahrheit zu verkünden.“ Fürs CF verwenden

Erzbischof Johannes Dyba (1929 – 2000) war ein Bischof, wie man ihn sich heute wünschen würde, denn er trat mutig für die Wahrheit und das Leben auf und ging für Gott und die Kirche keine Kompromisse ein. Das trieb ihm zu Lebzeiten viele Gegner ein, aber noch zahlreicher waren und sind bis heute seine Bewunderer.

Unter Federführung der Publizistin und Verlagsleiterin Felizitas Küble ist im Münsteraner KOMM-MIT-Verlag anlässlich des 15. Todestages von Erzbischof Johannes Dyba am 23. Juli 2015 ein Erinnerungsband erschienen. Der Titel der gut 200 Seiten umfassenden Gedenkschrift lautet: „Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten.“

Darin berichten 33 namhafte katholische und evangelische Persönlichkeiten aus Kirche, Kultur, Theologie, Kunst, Wissenschaft und Publizistik über ihre persönlichen Erinnerungen an den Fuldaer Erzbischof. Sie schildern seinen Witz, Charme und Humor, seine offene, herzliche Art und seine Schlagfertigkeit, die ihn zu einem Stammgast bei öffentlichen Talkshows machten.

Sie würdigen seinen unerschrockener Einsatz für das Leben. So machte er sich besonders auch zum Anwalt der ungeborenen Kinder. Am 28. Dezember 1988, dem Tag der Unschuldigen Kinder, ließ er im ganzen Bistum Fulda die Kirchenglocken läuten als Trauerglocken für die vielen abgetriebenen Kinder.

Sein eigenes Bistum Fulda nahm er aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung heraus, denn so lautete seine Begründung: „Wir haben keine Lizenz zum Töten!“Foto von Elstrud Consoir

Vehement warnte er davor, dass die Freigabe der Abtreibung zwangsläufig auch zur Freigabe der Euthanasie führen würde, denn: „Wer Gott nicht mehr als HERRN des Lebens anerkennt, das ER uns schenkt und das ER uns nimmt, wenn ER uns in seiner Güte rufen will, der überlässt sich den Finsternissen menschlicher Willkür.“

Einige Tage vor seinem Tod musste er Attacken homosexueller Gruppen über sich ergehen lassen, da er sich ebenso vehement gegen das geplante Gesetz zur homosexuellen Lebenspartnerschaft wandte.

Viele seiner katholischen Mitbischöfe hielten ihn mehrheitlich für zu radikal, andererseits sahen viele evangelische Christen in ihm „ihren“ Bischof, der die Lehre Jesu in einer glaubensarm und glaubenslos gewordenen Zeit unbeirrt und standhaft vertrat.

In diesem sehr lesenswerten vierfarbigen Erinnerungsband mit vielen Fotos dieses großen Kirchenmannes schildern bedeutende zeitgenössische Christen aller Konfessionen diesen Bischof, der nie nur zeitgemäß sein wollte, sondern ewigkeitsgemäß und der gerade deshalb auch heute noch in den Herzen vieler Christen unvergessen ist.

Buchdaten: Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten. 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba. Feliztias Küble (Hg). KOMM-MIT-Verlag, 208 Seiten. ISBN: 978-3-921090-98-5  –  Preis: 14,80 Euro (Mengenrabatt ab 4 Expl.)

Unsere Autorin Doris de Boer aus Kevelaer am Niederrhein ist Dipl.-Theologin, Journalistin und Familienmutter

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der österreichischen Monatszeitschrift „Der 13. – Glaube und Kirche“ (Februar-Ausgabe 2016)


Am 3. April 2013 beginnt die Oster-Akademie des Kardinal-von-Galen-Kreises in Kevealer

Wie seit vielen Jahren üblich, veranstaltet der katholische Kardinal-von-Galen-Kreis auch diesmal wieder seine mehrtägige Osterakademie, die am Mittwoch, den 3. April, mit dem Kaffeetrinken um 15 Uhr beginnt.

Am Samstagvormittag, den 6. April, endet die Tagung; sie findet wie immer in Kevelaer statt, dem bekannten Marienwallfahrtsort am Niederrhein unweit der holländischen Grenze.  imm018_17A

Inhaltlicher Schwerpunkt ist diesmal vor allem das Thema Christuszeugnis und Verfolgung der Gläubigen in aller Welt. Berthold Pelster vom internationalen kath. Hilfswerk „Kirche in Not“ spricht bereits am Mittwoch über die „Theologie des Martyriums“, am nächsten Tag über „Aktuelle Brennpunkte von Bedrängnis und Verfolgung“.

Zudem werden weitere interessante Referenten auftreten, darunter am Freitag der ehem. evangelische Pastor Andreas Theurer, Autor des erfolgreichen Buches „Warum werden wir nicht katholisch?“ aus dem  Augsburger Dominus-Verlag. (Wir haben in unserem CHRSTLICHEN FORUM mehrfach über sein Buch und seine Konversion berichtet.)

Am Donnerstag gibt es nachmittags eine Exkursion bzw. Busfahrt nach Krefeld zur Pax-Christi-Gemeinde samt Besuch der dortigen Kunstausstellung mit Werken von Ewald Mataré, Ulrich Rückriem und anderen (insgesamt 25 Künstlern).

Hier der tägliche Ablauf:
7 Uhr Laudes, anschl. hl. Messe in der Kerzenkapelle
8.30 Uhr Frühstück
9.15 – 12 Uhr und 15.45 – 18 Uhr Vorträge im Petrus-Canisius-Haus
12.15 Uhr Mittagessen
15 Uhr Kaffee
18.30 Uhr Abendessen
20 Uhr Komplet in der Hauskapelle, anschl. informelles Treffen im Kachelofenzimmer

Weitere Infos siehe Programm  – eine Anmeldung eilt. Man kann bei Bedarf auch an einem einzelnen Tag teilnehmen, muß also nicht das ganze Programm mitmachen.

Webseite des Kardinal-von-Galen-Kreises: http://www.kvgk.de/


Hochamt für den Papst in Kevelaer – Die letzte Twitter-Botschaft Benedikts

Gestern fanden in vielen großen Städten Deutschlands, aber auch in einzelnen Pfarreien und vor allem in bewährten Wallfahrtsorten Dank-Andachten und hl. Messen für Papst Benedikt statt. Kevelaer-060-2

Unser evangelischer Freund und Fotograf Dr. Bernd F. Pelz war gestern in Kevelaer, der bekanntesten westfälischen Wallfahrtsstätte, die nahe der holländischen Grenze gelegen ist.

Hier sehen wir ein Bild des Altarraums, der mit einem Papstbild geschmückt ist,  fotografiert von Dr. Pelz vor dem Hochamt um 18,30 Uhr.

Die letzte Twitter-Nachricht des scheidenden Papstes lautet: 

„Danke für eure Liebe und Unterstützung. Ich wünsche, dass ihr immer Freude dabei erfahrt, Christus in die Mitte eures Lebens zu stellen.“  – Das schrieb Benedikt an seinem letzten Amtstag; der Tweet wurde gestern um 17.15 Uhr in mehreren Sprachen veröffentlicht.


Weihbischof Stefan Zekorn über die Vielfalt der Gottesdienstformen und faszinierende Wallfahrtsstätten im Münsterland

Im Februar 2011 wurde der Priester und Theologe Dr. Stefan Zekorn zum Bischof geweiht und als Weihbischof für die Region Münster-Warendorf eingesetzt.

Vorher war der 1959 in Datteln geborene Geistliche als Wallfahrtspfarrer in Kevelaer  –  nahe der holländischen Grenze –  tätig.  borMedia1859801

In einem Interview mit der Bistumszeitung Kirche und Leben (Nr. 33/2012) betont der Weihbischof, daß es in der Firmvorbereitung „entscheidend darauf ankommt, die Jugendlichen in Kontakt mit Jesus zu bringen“. 

Das Christentum sei keineswegs in erster Linie eine „soziologische Größe“, sondern vielmehr geprägt durch die „persönliche Verbindung zu Jesus Christus“.

Zudem erkärte Dr. Zekorn, wie wichtig es sei, in den Pfarrgemeinden die „Vielfalt der Gottesdienstformen neu zu entdecken“.

Das gelte nicht allein für neuere Gottesdienstformen junger Leute wie z.B. das Morgen- und Abendgebet in Früh- und Spätschichten, sondern auch für „wertvolle und tiefe überlieferte Gottesdienstformen, etwa den Rosenkranz oder den Kreuzweg.“

Der Weihbischof fügte hinzu: „Wir müssen manchmal vielleicht eine gewisse Schwelle überwinden: Nur weil etwas alt ist, ist es nicht unbedingt schlecht, sondern hat im Gegenteil einen tiefen Reichtum“.

Außerdem würdigt der Geistliche die Stadt Münster, das Münsterland und die dazugehörende Region Warendorf:

„Es lohnt sich, weil die Region in den Wallfahrtsorten und darüber hinaus viele kirchliche Schätze hat  –  und große landschaftliche Schönheiten.“  

Der Weihbischof empfiehlt, „einfach mal die Wallfahrtsorte anzusteuern“ –  und er erinnert an Buddenbaum, Freckenhorst, Herzfeld, Stromberg, Telgte, Vinnenberg oder Warendorf.