Zur Feier der Kar- und Osterliturgie: Wo bleibt der Einsatz unserer Amtsträger?

Von Reinhard Wenner

Bei deutschen katholischen Bischöfen und Priestern ist das Recht auf Glaubensfreiheit (Art. 4 GG) wohl nicht mehr besonders wichtig und das Kirchengebot, an Sonn- und Feiertagen an einer Eucharistiefeier teilzunehmen (can. 1247 f. CIC), ebenfalls nicht – selbst an Ostern, einem christlichen Hochfest, nicht.

Wäre es anders, hätten Bischöfe und Priester wohl nicht ohne eine intensive öffentliche Diskussion die staatlichen Kontakt-Beschränkungen gleichsam 1 zu 1 umgesetzt. Sie hätten längst Wege gefunden wie die religiösen Pflichten der Katholiken trotz der derzeitigen gesundheitlichen Gefahren durch das Corona-Virus erfüllbar sind.

Das Angebot, sich vor der Kirchentür einen geweihten Palmzweig oder das Osterlicht zu holen, ist jedenfalls kein genügender Ersatz.

Der Staat selbst geht bei einigen Gruppen mit seinen Kontakt-Beschränkungen relativ locker um. Ein paar Beispiele:

  • Vor einigen Tagen hat eine Sitzung des deutschen Bundestages stattgefunden, bei der zwar auf genügend Abstand zwischen den einzelnen Abgeordneten geachtet worden ist – aber die Sitzung hat stattgefunden.
  • Pressekonferenzen finden weiterhin statt, so am Montag, 6. April 2020 durch die Bundeskanzlerin.
  • Manche Polizisten und Mitarbeiter von Ordnungsämtern gehen ohne Sicherheitsabstand nebeneinander durch Straßen und Parks um zu kontrollieren, ob andere die staatlich verordneten Kontakt-Beschränkungen einhalten.
  • Der Bundesgesundheitsminister hat erst am 1. April 2020 den Flugzeug-Piloten aus dem Irak, ein Land, das ziemlich stark infiziert sein soll, mit sofortiger Wirkung die Landung in Deutschland untersagt.
  • Im April und im Mai dieses Jahres können jeweils 40.000 ausländische Arbeitskräfte nach Deutschland kommen, um bei Erntearbeiten zu helfen.

Lebensmittelgeschäfte sind geöffnet, um das leibliche Wohl zu gewährleisten. Und wo bleibt die Sorge um das geistliche Wohl? Das kommt offenbar nicht einmal bei allen katholischen Bischöfen und Priestern in den Blick.

Es ist ja auch schon ca. 2.000 Jahre her, dass jemand gesagt hat: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ (Lk 4,4).

Dabei gibt es etliche Möglichkeiten, den Katholiken in Deutschland auch in Pandemie-Zeiten weiterhin das „Brot des Lebens“ zu reichen.

  • Es gibt große Dome, Pfarrkirchen, Klosterkirchen. Es wäre einfach, z. B. nur jede dritte Kirchenbank freizugeben und auf den freigegebenen Bänken mit kleinen Zetteln die entsprechenden Sicherheitsabstände zu markieren.
  • Es wäre möglich, jenen, die nicht an einer Eucharistiefeier teilnehmen können oder wollen, eine Stunde vor Beginn oder nach dem Ende der hl. Messe einen sog. Kommunion-Gottesdienst in kleinen Gruppen anzubieten, der ggf. auch von Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten geleitet werden könnte.
  • Es wäre möglich, dass jeder Priester am Sonntag zweimal zelebriert – morgens und abends. Einige tun das schon.

Wahrscheinlich haben die meisten Kirchen mindestens zwei Türen. Eine Tür könnte als Eingang benutzt werden, die andere nur als Ausgang. Bei den gottesdienstlichen Feiern könnte Nasen- und Mundschutz getragen werden.

Alle Priester könnten ab sofort auch montags zelebrieren und zumindest für einige Monate auf ihren freien Tag verzichten, damit den Gläubigen eine weitere Möglichkeit zur Mitfeier einer hl. Messe in einer kleinen Gruppe geboten wird. Wer unbedingt an seinem freien Montag festhalten will, sollte mal bedenken, was wohl passierte, wenn Eltern ihren kleinen Kindern sagten: Mama und Papa brauchen jede Woche einen kinderfreien Tag. Kinder, seht montags zu, wo ihr bleibt.

Einige Priester und Ordensleute sind bei ihrem seelsorgerlichen Dienst vom Corona-Virus befallen worden und gestorben. Da sich aber Ärzte und Pflegekräfte, Kassierer und Kassiererinnen weitgehend zu schützen vermögen, sollte dieser Selbstschutz auch den Seelsorgern möglich sein.

Wer den Katholiken immer mal wieder sagt, die christliche Gemeinde werde vom Altar her auferbaut, sollte begründen, warum das in Pandemie-Zeiten nicht gilt bzw. nachrangig sein soll.

Natürlich ist nicht auszuschließen, dass die eine und andere staatliche Stelle, der eine und andere Politiker gegen Eucharistiefeiern Einwände erhebt. Aber in den Generalvikariaten/Ordinariaten der 27 deutschen (Erz-)Diözesen dürfte es etwa 100 Juristen geben.

Hinzu kommen die Juristen im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, im Katholischen Büro in Berlin und in den Katholischen Länder-Büros. Falls es noch nicht geschehen ist, dürfte es leicht sein, innerhalb von wenigen Stunden die juristischen Argumente zugunsten der Glaubensfreiheit im Sinne der Teilnahme an gottesdienstlichen Feiern auch in Pandemie-Zeiten zusammenzustellen.

Im übrigen sollte bei jeder Frage nach der Einschränkung von Grundrechten gelten: In dubio pro libertate!

Im vorliegenden Fall besagt das: Im Zweifel zugunsten der Glaubensfreiheit und damit der Freiheit, auch an den Kar- und Ostertagen Gott durch Eucharistiefeiern die Ehre zu geben.

Aber es hat den Anschein, dass staatliche Stellen darauf keinen oder aber nicht allzu viele Gedanken verschwendet haben und insoweit ihrer Prüfpflicht nicht genügend nachgekommen sind.


Vom grünen „Veggie-Tag“ und dem katholischen Freitagsgebot: Die Kirche war 2000 Jahre „früher dran“

Bekanntlich wollen die Grünen den Donnerstag als fleischlosen Tag in öffentlichen Kantinen einführen, was ihnen den kritischen Titel „Verbotspartei“ einbrachte.  Wie die grüne Fraktionschefin Renate Künast erklärte, geht es bei der erwünschten Senkung des Fleischkonsums um Klimasorgen und „artgerechte Tierhaltung“.

Unser BILD zeigt ein Plakat der CDU Thüringen, die sich über den Veggie-Vorstoß der Grünen lustig macht, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte.1148855_656287451066182_480058002_n

Das grundsätzliche Anliegen der Grünen und anderer Öko-Freaks ist inhaltlich zum Teil durchaus berechtigt  – doch die „Obrigkeit“ hat sich nicht in die Eßgewohnheiten der Bürger einzumischen; sie kann hierbei Empfehlungen aussprechen, aber keine Verordnungen erlassen, sonst landen wir noch mehr als bisher schon im Bevormundungs-Staat.

Etwas ganz anderes sind die Fastengewohnheiten christlicher Glaubensgemeinschaften, zumal der katholischen Kirche, denn diese bestehen aus freiwilligen Mitgliedern; immerhin ist ein Austritt jederzeit möglich.

Die Grünen gebärden sich mit ihrer Verbotsmanie nicht zum ersten Mal wie eine Öko-Ersatzreligion.

Eben dies hat der deutsch-jüdische Autor und Satiriker Henryk M. Broder in seiner Glosse auf WELT-online vom 2. März 2013 bereits trefflich formuliert:

„Die „Donnerstag ist Veggie-Tag!“-Intiative ist Teil eines Programms, das Deutschland geradewegs in die Erziehungsdiktatur führen soll:

Wir werden angehalten (…),unseren Fleischkonsum zu reduzieren oder am besten ganz einzustellen. Hurra, wir retten die Welt! (…) Bei den Katholiken war das schon immer freitags der Fall, aber da ging es ja nur um einen religiösen Brauch, nicht um „Klimaschutz und Ernährungssicherheit“.

Verglichen mit den Grünen und ihrem Hang zum alltäglichen Totalitarismus ist die katholische Kirche eine libertäre Organisation mit Sinn für menschliche Schwächen.“

Tatsächlich: Die katholische Kirche kennt den Fleisch-Verzicht am Freitag schon seit der apostolischen Zeit, wie die älteste christliche Gemeindeordnung („Didache“) aus dem Ende des 1. Jahrhunderts belegt.

Typisch „grün“ ist es natürlich, nicht an das kirchliche FREITAGS-Gebot anzuknüpfen, wie es naheliegend wäre angesichts einer zweitausendjährigen bewährten Tradition, sondern den Donnerstag als Kampagnentag einzuspannen. Vermutlich will die Partei nicht daran erinnern, daß die fromme „Konkurrenz“ mit ihrer Idee eines fleischlosen Tages immerhin zweitausend Jahre „schneller“ war…

Die Orthodoxen   –  den Katholiken theologisch sehr nahestehend  – fasten zudem noch viel länger, ebenso viele kontemplative Ordensgemeinschaften. Wenn sich also jemand in Sachen „Fleischverzicht“ rühmen kann, dann die katholische und die orthodoxe Seite  – und nicht etwa die Öko-Fraktion.

Wir haben über den „Fleischlosen Tag“ der Ökobewegten und das katholische Freitagsgebot bereits im vorigen Juni ausführlich berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2012/06/28/fleischloser-tag-montag-mittwoch-donnerstag-und-warum-nicht-der-freitag-wie-seit-2000-jahren/

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Fleischloser Tag am Montag, Mittwoch, Donnerstag? – Warum nicht am Freitag wie seit 2000 Jahren?

Kirchliches „Freitagsgebot“ nach wie vor weltweit gültig

Kürzlich ging die Meldung rund, daß der bekannte Musiker Paul McCartney einen fleischfreien Montag für britische Schulkinder fordert. Einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten, sei nicht nur gesund, sondern auch gut für die Umwelt, sagte McCartney, der sich selbst seit rund 40 Jahren vegetarisch ernährt.

Auch der fleischfreie Mittwoch ist bei vielen Vegetarierverbänden im Gespräch  –  und in Belgien hat sich die Stadt Gent sogar dazu entschlossen, den Donnerstag amtlich zum fleischlosen Tag zu erklären: an öffentlichen Schulen soll sich das Tagesmenü auf vegetarische Kost beschränken. An Gasthäuser der Stadt wurden kostenlose Broschüren mit vegetarischen Rezepten verschickt usw.

Wenn der Staat seine Bürger  –  etwa die Schüler  –  zum fleischlosen Mittagsmahl verpflichtet, fragt man sich nach der Berechtigung der „Obrigkeit“ zu solcher Bevormundung und Gängelung. Der Staat kann sicherlich Empfehlungen aussprechen, aber seinen Bürgern nicht das Essen vorschreiben.

Das kirchliche Freitagsgebot ist hingegen etwas anderes, da es religiös begründet ist und an die Opferbereitschaft der Katholiken appelliert, die einer freiwilligen Glaubensgemeinschaft angehören. 

Ist es zudem nicht aufschlußreich, daß ausgerechnet der FREITAG bei all diesen Überlegungen um einen fleischlosen Tag so offensichtlich ausgespart wird?

Dabei ist der Freitag schon im ersten christlichen Jahrhundert als Tag des Fastens und des Fleischverzichts bekannt (das bestätigt auch die urchristliche Zwölfapostellehre bzw „Didache“), um so an das Opfer Christi zu erinnern und den Glauben daran durch den Fleischverzicht zu bezeugen. (Die Didache erwähnt noch zusätzlich den Mittwoch, der als Fasttag in der Klostertradition teilweise weiterlebte.)

Das „Freitagsgebot“, das nach wie vor in der Weltkirche gültig ist, fordert alle Katholiken auf, am Freitag auf Fleischgenuß zu verzichten – und zwar „zur Erinnerung an den Kreuzestod Christi“.

In Deutschland und einigen europäischen Ländern wurde das Freitagsgebot von der jeweiligen Bischofskonferenz umformuliert auf dieallgemeinere Formel, man solle an diesem Tag ein „Opfer bringen“.

Man wäre aber besser bei der früheren Klarheit geblieben, denn die neue Formulierung lädt dazu ein, das Freitagsgebot nicht mehr sonderlich ernst zu nehmen, zumal nicht jedem Katholiken immer eine Idee einfällt, womit er am Freitag denn ein „Opfer“ bringen könnte.

Zudem war der Fleischverzicht der Katholiken am Freitag stets ein klares öffentliches Bekenntnis zu Christus und seinem Erlösungsopfer. Auch diese bewährte Signalwirkung im Alltag ging durch die Umformulierung weitgehend verloren.

Die Bischofskonferenz von England und Wales hat dies mittlerweile erkannt; sie erklärte den Fleischverzicht am Freitag im vorigen Jahr wieder zu einem Kirchengebot  – genauer: sie erinnerte daran, daß das universal gültige Kirchenrecht nach wie vor daran festhält.

Wer ohnehin kein Fleisch esse, weil er etwa Vegetarier sei, könne am Freitag „eine andere Art der Buße beachten“, so die Erklärung der Bischofskonferenz.

Auch Bischof Gregor Hanke aus Eichstätt befaßte sich in seinem Fastenhirtenbrief  2012 mit dem kirchlichen Freitagsgebot.

Es wird Zeit, daß die deutsche Bischofskonferenz dieser Rückbesinnung nunmehr folgt und damit das bewährte Kirchengebot wieder in Erinnerung ruft  –  und zugleich so konkret faßt, wie es jahrtausendelang gültig und  höchst sinnvoll war: Freitags kein Fleisch!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster