Vom grünen „Veggie-Tag“ und dem katholischen Freitagsgebot: Die Kirche war 2000 Jahre „früher dran“

Bekanntlich wollen die Grünen den Donnerstag als fleischlosen Tag in öffentlichen Kantinen einführen, was ihnen den kritischen Titel „Verbotspartei“ einbrachte.  Wie die grüne Fraktionschefin Renate Künast erklärte, geht es bei der erwünschten Senkung des Fleischkonsums um Klimasorgen und „artgerechte Tierhaltung“.

Unser BILD zeigt ein Plakat der CDU Thüringen, die sich über den Veggie-Vorstoß der Grünen lustig macht, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte.1148855_656287451066182_480058002_n

Das grundsätzliche Anliegen der Grünen und anderer Öko-Freaks ist inhaltlich zum Teil durchaus berechtigt  – doch die „Obrigkeit“ hat sich nicht in die Eßgewohnheiten der Bürger einzumischen; sie kann hierbei Empfehlungen aussprechen, aber keine Verordnungen erlassen, sonst landen wir noch mehr als bisher schon im Bevormundungs-Staat.

Etwas ganz anderes sind die Fastengewohnheiten christlicher Glaubensgemeinschaften, zumal der katholischen Kirche, denn diese bestehen aus freiwilligen Mitgliedern; immerhin ist ein Austritt jederzeit möglich.

Die Grünen gebärden sich mit ihrer Verbotsmanie nicht zum ersten Mal wie eine Öko-Ersatzreligion.

Eben dies hat der deutsch-jüdische Autor und Satiriker Henryk M. Broder in seiner Glosse auf WELT-online vom 2. März 2013 bereits trefflich formuliert:

„Die „Donnerstag ist Veggie-Tag!“-Intiative ist Teil eines Programms, das Deutschland geradewegs in die Erziehungsdiktatur führen soll:

Wir werden angehalten (…),unseren Fleischkonsum zu reduzieren oder am besten ganz einzustellen. Hurra, wir retten die Welt! (…) Bei den Katholiken war das schon immer freitags der Fall, aber da ging es ja nur um einen religiösen Brauch, nicht um „Klimaschutz und Ernährungssicherheit“.

Verglichen mit den Grünen und ihrem Hang zum alltäglichen Totalitarismus ist die katholische Kirche eine libertäre Organisation mit Sinn für menschliche Schwächen.“

Tatsächlich: Die katholische Kirche kennt den Fleisch-Verzicht am Freitag schon seit der apostolischen Zeit, wie die älteste christliche Gemeindeordnung („Didache“) aus dem Ende des 1. Jahrhunderts belegt.

Typisch „grün“ ist es natürlich, nicht an das kirchliche FREITAGS-Gebot anzuknüpfen, wie es naheliegend wäre angesichts einer zweitausendjährigen bewährten Tradition, sondern den Donnerstag als Kampagnentag einzuspannen. Vermutlich will die Partei nicht daran erinnern, daß die fromme „Konkurrenz“ mit ihrer Idee eines fleischlosen Tages immerhin zweitausend Jahre „schneller“ war…

Die Orthodoxen   –  den Katholiken theologisch sehr nahestehend  – fasten zudem noch viel länger, ebenso viele kontemplative Ordensgemeinschaften. Wenn sich also jemand in Sachen „Fleischverzicht“ rühmen kann, dann die katholische und die orthodoxe Seite  – und nicht etwa die Öko-Fraktion.

Wir haben über den „Fleischlosen Tag“ der Ökobewegten und das katholische Freitagsgebot bereits im vorigen Juni ausführlich berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2012/06/28/fleischloser-tag-montag-mittwoch-donnerstag-und-warum-nicht-der-freitag-wie-seit-2000-jahren/

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Fleischloser Tag am Montag, Mittwoch, Donnerstag? – Warum nicht am Freitag wie seit 2000 Jahren?

Kirchliches „Freitagsgebot“ nach wie vor weltweit gültig

Kürzlich ging die Meldung rund, daß der bekannte Musiker Paul McCartney einen fleischfreien Montag für britische Schulkinder fordert. Einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten, sei nicht nur gesund, sondern auch gut für die Umwelt, sagte McCartney, der sich selbst seit rund 40 Jahren vegetarisch ernährt.

Auch der fleischfreie Mittwoch ist bei vielen Vegetarierverbänden im Gespräch  –  und in Belgien hat sich die Stadt Gent sogar dazu entschlossen, den Donnerstag amtlich zum fleischlosen Tag zu erklären: an öffentlichen Schulen soll sich das Tagesmenü auf vegetarische Kost beschränken. An Gasthäuser der Stadt wurden kostenlose Broschüren mit vegetarischen Rezepten verschickt usw.

Wenn der Staat seine Bürger  –  etwa die Schüler  –  zum fleischlosen Mittagsmahl verpflichtet, fragt man sich nach der Berechtigung der „Obrigkeit“ zu solcher Bevormundung und Gängelung. Der Staat kann sicherlich Empfehlungen aussprechen, aber seinen Bürgern nicht das Essen vorschreiben.

Das kirchliche Freitagsgebot ist hingegen etwas anderes, da es religiös begründet ist und an die Opferbereitschaft der Katholiken appelliert, die einer freiwilligen Glaubensgemeinschaft angehören. 

Ist es zudem nicht aufschlußreich, daß ausgerechnet der FREITAG bei all diesen Überlegungen um einen fleischlosen Tag so offensichtlich ausgespart wird?

Dabei ist der Freitag schon im ersten christlichen Jahrhundert als Tag des Fastens und des Fleischverzichts bekannt (das bestätigt auch die urchristliche Zwölfapostellehre bzw „Didache“), um so an das Opfer Christi zu erinnern und den Glauben daran durch den Fleischverzicht zu bezeugen. (Die Didache erwähnt noch zusätzlich den Mittwoch, der als Fasttag in der Klostertradition teilweise weiterlebte.)

Das „Freitagsgebot“, das nach wie vor in der Weltkirche gültig ist, fordert alle Katholiken auf, am Freitag auf Fleischgenuß zu verzichten – und zwar „zur Erinnerung an den Kreuzestod Christi“.

In Deutschland und einigen europäischen Ländern wurde das Freitagsgebot von der jeweiligen Bischofskonferenz umformuliert auf dieallgemeinere Formel, man solle an diesem Tag ein „Opfer bringen“.

Man wäre aber besser bei der früheren Klarheit geblieben, denn die neue Formulierung lädt dazu ein, das Freitagsgebot nicht mehr sonderlich ernst zu nehmen, zumal nicht jedem Katholiken immer eine Idee einfällt, womit er am Freitag denn ein „Opfer“ bringen könnte.

Zudem war der Fleischverzicht der Katholiken am Freitag stets ein klares öffentliches Bekenntnis zu Christus und seinem Erlösungsopfer. Auch diese bewährte Signalwirkung im Alltag ging durch die Umformulierung weitgehend verloren.

Die Bischofskonferenz von England und Wales hat dies mittlerweile erkannt; sie erklärte den Fleischverzicht am Freitag im vorigen Jahr wieder zu einem Kirchengebot  – genauer: sie erinnerte daran, daß das universal gültige Kirchenrecht nach wie vor daran festhält.

Wer ohnehin kein Fleisch esse, weil er etwa Vegetarier sei, könne am Freitag „eine andere Art der Buße beachten“, so die Erklärung der Bischofskonferenz.

Auch Bischof Gregor Hanke aus Eichstätt befaßte sich in seinem Fastenhirtenbrief  2012 mit dem kirchlichen Freitagsgebot.

Es wird Zeit, daß die deutsche Bischofskonferenz dieser Rückbesinnung nunmehr folgt und damit das bewährte Kirchengebot wieder in Erinnerung ruft  –  und zugleich so konkret faßt, wie es jahrtausendelang gültig und  höchst sinnvoll war: Freitags kein Fleisch!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster