Die hl. Katharina von Siena erlebte eine irrtümliche „Marienerscheinung“

Von Felizitas Küble

Zu den solidesten theologischen Standardwerken über Grundfragen der Mystik  – also der außergewöhnlichen „Gnadenerweise“   –  gehört das „Handbuch der Mystik“, das der französische Jesuitenpater August Poulain SJ verfaßte.

Das Buch wurde seinerzeit vom hl. Papst Pius X. ausdrücklich empfohlen sowie  in der quasi-amtlichenvierge_pellevoisin, jesuitischen Vatikanzeitschrift „Civilta Cattolica“ gewürdigt.

Das tiefgründige, systematisch durchdachte Werk wurde 1925 beim Herder-Verlag in deutscher Sprache herausgebracht und umfaßt 564 Seiten.

Der Autor beschäftigt sich in seinem katholischen Kompendium sehr fundiert auch mit dem Themenkreis Privatoffenbarungen / Erscheinungen.

Dabei räumt er unter Auflistung seitenlanger Beispiele ungeschminkt ein, daß auch Selige und Heilige nicht selten durch irrige Visionen getäuscht wurden.

Hierbei ist zu berücksichtigen, daß jene vorbildlichen Katholiken, die zur „Ehre der Altäre“ erhoben wurden, ohnehin keineswegs als unfehlbar zu gelten haben, geschweige sind ihre Ansichten etwa automatisch irrtumsfrei.

Noch viel weniger kann man davon ausgehen, daß bei den von diesen Personen erlebten außerordentlichen Begleiterscheinungen der Mystik immer eine göttliche Einwirkung bzw. himmlische Ursache vorhanden war.

Sogar bei solchen Visionen oder Einsprechungen, die wahrscheinlich durchaus einen übernatürlichen „Kern“ enthalten, haben sich nicht selten menschliche bzw. allzu menschliche Irrtümer eingeschlichen, weil derlei Offenbarungen auch durch individuelle Sinneseindrücke, die Besonderheiten der jeweiligen Sprache und Gefühlswelt geprägt sind.

Aus den zahlreichen Beispielen irriger Erscheinungen bei Heiligen, welche Pater Poulain offen und konkret anspricht, erwähnen wir nun ein Beispiel, das die hier behandelte Problematik anschaulich aufzeigt:

Hl. Katharina: Maria „nicht unbefleckt empfangen“

Die heilige Katharina von Siena gehört zu den bekanntesten Mystikerinnen des Mittelalter; sie wurde 1939 von der Kirche zur „Schutzpatronin Italiens“ erklärt und 1970 von Papst Paul VI. (ebenso wie die hl. Theresa von Avila) sogar zur „Kirchenlehrerin“ erhoben.

1999 hat Papst Johannes Paul II. sie (zusammen mit der hl. Brigitta von Schweden und der hl. Edith Stein) zur „Patronin Europas“ ernannt.

Diese Ehrentitel ändern jedoch nichts daran, daß Katharina von Siena zumindest eine Erscheinung für echt hielt, die aber sicherlich nicht von „oben“ stammte:

Die stigmatisierte Ordensfrau erklärte nämlich, die Gottesmutter sei ihr im Jahre 1377 erschienen und habe ihr unmißverständlich erklärt, sie sei keineswegs unbefleckt empfangen. 

Nun muß man hierzu wissen, daß jene Auskunft damals keineswegs eine allgemeine Empörung auslöste, denn das Dogma von der Immaculata  – also der makellosen Empfängnis Mariens (Bewahrung vor der Erbsünde)   – wurde erst 1854 von Papst Pius IX. verkündet.  P1020947

Im Mittelalter und der beginnenden Neuzeit war dieses Thema eine unentschiedene Streitfrage unter Theologen, wobei der Dominikanerorden sich an dem namhaften Kirchenlehrer Thomas von Aquin orientierte, welcher die Immaculata-These wegen seiner strikten Auslegung von der Universalität der Erbsünde ablehnte.

Stattdessen plädierte er für eine „Reinigung“ bzw. Heiligung Mariens im Mutterschoß (als sie im Leib ihrer Mutter Anna lebte). Ähnlich argumentierte bereits zuvor der große Marienverehrer und Zisterzienser-Ordensgründer Bernhard von Clairvaux.

Die Wortführer dieser theologischen Richtung nannte man „Makulisten„.

Hingegen vertraten vor allem führende Franziskaner mit zunehmendem Eifer die Auffassung von Johannes Duns Scotus, daß die selige Jungfrau Maria durch einen besonderen Gnadenakt Gottes und im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi von vornherein vor jedem Makel der Erbsünde bewahrt blieb.

Die Vertreter dieser Strömung wurden als „Immakulisten“ bezeichnet.

Beide theologischen Schulen argumentierten mit biblischen und patristischen Hinweisen, hatten aber auch jeweils „ihre“ dazu passende Erscheinung. Die Immakulisten beriefen sich auf die hl. Birgitta von Schweden, der die selige Jungfrau in einer Vision bestätigt habe, sie sei die unbefleckt Empfangene.

Papst Urban VIII. wußte sich zu helfen…

Die Päpste erlaubten ausdrücklich beide gegensätzlichen Standpunkte. Urban VIII. wurde angeblich gefragt, welche der beiden heiligen Jungfrauen  – Brigitta von Schweden oder Katharina von Siena  – mit ihrer jeweiligen Marienerscheinung denn richtig liege. Er antwortete diplomatisch: Als Privatmann plädiere er für Katharina, als Papst für Brigitta…

Auch das Konzil von Trient vermied eine lehramtliche Festlegung in dieser Streitfrage. Allerdings wuchs die Zahl der bedeutenden Immakulisten beständig, auch in der Volksfrömmigkeit verstärkte sich diese Tendenz. 3068

1854 wurde sodann die Immaculata-Lehre dogmatisiert und damit der jahrhundertelange Theologenstreit endgültig entschieden.

Hätte Katharina von Siena also heute bzw. in den letzten 170 Jahren gelebt, so würde die Kirche eine solche Erscheinung sogleich als unrichtig einschätzen, zumal es sich bei der Immaculata-Lehre um ein Dogma handelt, also einen letztverbindlichen, unfehlbaren Glaubenssatz der Kirche, an dem es aus katholischer Sicht nichts zu deuteln gibt.

„Marienerscheinung“ unterstützte Dominikaner-These

Nun muß man berücksichtigen, daß die hl. Katharina von Siena dem Dominikanerorden angehörte  – und damit wohl jener theologischen Richtung nahestand, welche die Immaculata-Auffassung ablehnte.

Insofern hatte sie eine dazu passende Privatoffenbarung erhalten, die sie als Himmelsbotschaft ansah. Möglicherweise war die Erscheinung im Kern sogar „echt“, doch sie hat nicht alles korrekt aufgefaßt. Mitunter können sich übernatürliche Phänomene und menschliches Mitwirken stark durchdringen.

Seit der erwähnten Dogma-Verkündigung ist jedenfalls sonnenklar, daß sich die Heilige bezüglich ihrer Marien-Auskunft geirrt hat. Dabei ist zu beachten:

Die spezielle Schwierigkeiten besteht nicht etwa darin, daß Katharina nicht an die Immaculata glaubte (das war damals  wie gesagt kein Problem; immerhin konnte sie sich hierbei auf die namhafte Autorität des hl. Thomas berufen).

Der springende Punkt ist vielmehr, daß sie sich bezüglich ihrer Auffassung nicht etwa auf Verstandeseinsichten bzw. theologische Begründungen (welcher Art auch immer) stützte, sondern auf eine Erscheinung   –  und damit ihrer Auffassung quasi einen „himmlischen Stempel“ verleihen wollte. Zumindest wird deutlich, daß jenes Visionserlebnis von ihrem theologischen Denken und Umfeld mitgeprägt war.  023_20A

Das „Handbuch der Mystik“ erwähnte diese Causa Katharina auf S. 330 und fügt hinzu, daß bereits Benedikt XIV. (siehe Abbildung) jene Marienerscheinung kritisch beurteilt habe.

In seinem vielbeachteten Werk über die Selig- und Heiligsprechungen erwähnte der Papst hierzu die Auffassung von P. Lancicius, wonach die Heilige sich offenbar „infolge einer vorgefaßter Meinung“ selber getäuscht habe.

Der Autor, Theologe und Jesuitenpater Carlos M. Staehlin äußert sich hierzu in seinem 1954 in Spanien erschienenen Werk „Visionen, Stigmata und Offenbarungen“. Es folgt ein Zitat aus dem Skriptum der deutschen Übersetzung von Theodor Baumann SJ (S. 381 f):

„Benedikt XIV. prüfte eingehend die berühmte Vision, die der hl. Katharina von Siena im Jahre 1377 zuteil wurde. In dieser Offenbarung teilte die Muttergottes selbst mit, daß sie in ihrer Empfängnis keineswegs unbefleckt geblieben sei. Der Papst zitiert einige Autoren, die in ihrem Bemühen, den guten Ruf der Heiligen als Seherin zu wahren, nicht davor zurückschrecken, die Herausgeber dieser Visionen als Fälscher anzuklagen. Als Lösung dieses Problems bietet der Papst schließlich die Meinung von P. Lancicius dar, wonach es möglich ist, daß die Heilige sich in gutem Glauben geirrt habe und wirklich meinte, die Muttergottes wiederhole ihr in jenen Ekstasen das, was Katharina wohl öfter vorher gehört hatte.“

Pater Poulain spricht angesichts dieser Causa und weiterer Beispiele, die er anführt, auf S. 309 folgende Warnung aus:

Wenn jedoch selbst Heilige getäuscht worden sind, und die Tatsachen sich nicht leugnen lassen, da muß jeder einsehen, daß auch er nach den Regeln der Klugheit vorzugehen hat.“

Amort: „Zahlreiche Widersprüche bei Offenbarungen“

Pater Poulain zitiert zu diesem Themenkreis auf S. 319 den bedeutenden Gelehrten und Kirchenrechtler Eusebius Amort (1692  – 1775), der kritische Werke über Erscheinungen und Visionen herausgab und sich insbesondere skeptisch mit den Privatoffenbarungen der spanischen Nonne Maria von Agreda befaßte.

Amort zieht als Ergebnis seiner gründlichen Studien folgendes Fazit:

„Die Offenbarungen von Personen, deren Heiligkeit und Wissenschaft von den Doktoren und Vorstehern der Kirche approbiert (akzeptiert, gebilligt) wurden, widersprechen sich untereinander, wie jene der hl. Birgitta, der hl. Gertrud, der hl. Katharina von Siena.“

(Es gab übrigens in Bern Anfang des 16. Jahrhunderts den aufsehenerregenden „Jetzer-Prozeß„, bei dem es um betrügerische Erscheinungen ging  – und zwar zu genau demselben Thema der unbefleckten Empfängnis Mariens. Vier Dominikaner wurden infolgedessen nach einem zweijährigem, vom Vatikan selbst angestrengten Verfahren hingerichtet. Die durch jene falschen Visionen entstandene Verwirrung im Volke wirkte sich verheerend aus und begünstigte damit die dortige Ausbreitung der Reformation. Näheres hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Jetzer)

Dazu muß man wissen, daß die Kirche mit einer Heiligsprechung lediglich den heroischen TUGENDGRAD der betreffenden Persönlichkeit würdigt  –  und damit aber keineswegs ihre außergewöhnlichen religiösen Erlebnisse bestätigt.Radio Vatikan Dies bringt auch Pater Poulain auf S. 326 wie folgt auf den Punkt:

„Wenn ein Diener Gottes heiliggesprochen wird, bestätigt man seine Tugenden, nicht seine  Visionen.“

Hierzu zitiert der Autor auf S. 307 erneut Papst Benedikt XIV.: „Was hat man von Offenbarungen zu halten“, so fragt er, welche durch den Vatikan approbiert (genehmigt) wurden, also von kirchlich gebilligten Erscheinungen:

„Ich antworte darauf, daß ein Akt göttlichen Glaubens ihnen gegenüber weder notwendig noch möglich ist, sondern nur ein Akt menschlichen Glaubens nach den Regeln der Klugheit, die sie uns als wahrscheinlich und fromm glaubwürdig hinstellen.“

Auf keinen Fall eignen sich Privatoffenbarungen aber dazu (und damit wären wir wieder bei der Causa Katharina von Siena), um strittige theologische Fragen zu entscheiden.

„Katholiken ist es freigestellt, an Erscheinungen zu glauben“

Hierzu zitiert Pater Poulain auf S. 307 seines Handbuchs den sachkundigen Kardinal Pitra:

„Jeder weiß, daß man ganz frei ist, an Privatoffenbarungen zu glauben oder nicht, selbst bei den allerglaubwürdigsten. Auch wenn die Kirche sie approbiert, werden sie bloß als wahrscheinlich, nicht als absolut sicher hingestellt.

Sie dürfen nicht dazu dienen, unter Gelehrten strittige Fragen der Geschichte, Physik, Philosophie oder Theologie zRadioVatikanu entscheiden. Man darf ruhig von diesen Offenbarungen abweichen, selbst von den approbierten, wenn man sich auf solide Gründe stützt.“

Hieraus ergibt sich die (theo)logische Schlußfolgerung:

Wenn ein Katholik an irgendeine „Privatoffenbarung“ eines Seligen oder Heiligen nicht glauben möchte, so ist das sein gutes Recht  – und niemand kann daraus einen berechtigten Vorwuf ableiten, zumal die Kirche es auch nicht tut.

Dasselbe Prinzip gilt allgemein für die kirchlich approbierten Erscheinungen: Das Kirchenvolk darf ihnen seine Zustimmung schenken, muß es aber nicht, denn die göttliche Offenbarung ist mit dem Tod des letzten Apostels bzw. dem Ende der apostolischen Zeit abgeschlossen.

Dies ist nicht „nur“ ein Dogma, sondern sogar ein sog. „Axiom“, also eine Denkvoraussetzung (!) für viele weitere Dogmen und Lehraussagen der Kirche.

Wegen dieses fundamentalen Prinzips sind selbst die sog. „anerkannten“  – also die kirchlich approbierten  – Erscheinungen nicht glaubensverpflichtend, sondern diese Billigung stellt lediglich eine Erlaubnis bzw. Genehmigung dar (Benedikt XVI.: „Es ist gestattet, daran zu glauben“)  –  und bedeutet keineswegs eine verbindliche Bestätigung durch das kirchliche Lehramt.  (Näheres dazu: https://charismatismus.wordpress.com/2013/10/29/was-bedeutet-die-kirchliche-approbation-einer-privatoffenbarung-genau/)

Diese kirchlichen Grundsätze zur göttlichen Offenbarung einerseits und Privatoffenbarungen andererseits sind selbst frommen Katholiken nicht immer bekannt, weshalb es nötig erscheint, sie gelegentlich einzuschärfen.

Leider sind auch die im allgemeinen zu einer gesunden Vorsicht neigenden kirchlichen Untersuchungskommissionen durchaus nicht immer kritisch genug. Welche fürchterlichen Folgen es zeitigen kann, wenn eine bischöfliche Kommission zu wenig skeptisch vorgeht, zeigt z.B. der verhängnisvolle „Fall Stella“ aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. (Bericht hierzu: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45789205.html)

Fundierte Literatur zur Vertiefung: Vorlesung des katholischen Theologen Prof. Dr. Joseph Schumacher aus Freiburg: http://www.theologie-heute.de/MystikvorlesungIEndfassung2014_2015.pdf


Neue Ausstellung zu Hildegard von Bingen ab 5.9.: „Eine faszinierende Heilige“

Facetten der Kirchenlehrerin aus dem Hochmittelalter

Hildegard von Bingen ist eine große Gestalt der Kirchengeschichte. Ihre Schriften, Kompositionen und ihr visionär-theologisches Werk sind bis heute aktuell. Boppard-Severus-DSC_0344

„Die Auseinandersetzung mit dieser faszinierenden Frau und mit ihrer zeitlosen Theologie lohnt sich“, erklärt Johannes Oberbandscheid, Leiter des Diözesanbildungswerks Limburg.

Gemeinsam mit der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard in Rüdesheim hat das Diözesanbildungswerk die Ausstellung „Hildegard von Bingen“ erstellt. Insgesamt 15 Tafeln geben einen Einblick in die Vielfalt des Wirkens der hl. Hildegard.

Präsentiert werden auch Textpassagen aus dem umfangreichen Werk der Ordensfrau. Ihre Aussagen werden vielmehr ergänzt mit Statements von bekannten Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft.

Dadurch wird deutlich, welche Impulse diese Äbtissin noch heute zu geben vermag.

Die neue Ausstellung kann ab sofort reserviert werden. Zum ersten Mal zu sehen ist sie am 5. September bei der offiziellen Eröffnung in der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen.

Weitere Infos gibts bei der Katholischen Erwachsenenbildung, Domplatz 3 in 60311 Frankfurt, Tel.: 069/8008718450, Mail: keb.dioezesanbildungswerk@bistumlimburg.de

Quelle: Bistum Limburg / Foto: Dr. Bernd F. Pelz

 

 


Theresia von Avila warnt vor dem Wunsch nach „außergewöhnlichen Gnaden“

Die Ordensreformerin und heiliggesprochene Kirchenlehrerin Theresia von Avila hat eindringlich davor gewarnt, sich nach besonderen Charismen bzw. Gnadengaben Gottes zu sehnen. Das Verlangen danach hält sie für eine gefährliche Versuchung. 

Hierzu folgender Auszug aus ihrem Buch „Innere Burg“  (9. Kap., Abschnitte 14-16; vgl. auch Kap. 8), wobei sie sich vor allem an ihre Ordensschwestern wendet:

„Ich will euch sehr darauf hinweisen, dass ihr Gott niemals darum bitten noch von ihm wünschen solltet, euch auf diesem Weg zu führen, falls ihr erfahrt oder hört, dass Gott den Seelen diese (besonderen) Gnaden erweist.  PAX

Auch wenn dieser Weg euch genau richtig vorkommen mag, und man ihn auch hochachten und in Ehren halten soll, so ist das aus folgenden Gründen doch nicht angebracht:

Erstens, weil es ein Mangel an Demut wäre, wenn ihr wolltet, dass euch gegeben wird, was ihr niemals verdient habt, und von daher glaube ich, dass wer immer sich das wünscht, nicht viel davon hat.(…) Denn wie wird einer, der solche Gedanken hegt, in Wahrheit erkennen, dass ihm eine sehr große Gnade schon dadurch zuteil wird, da er nicht in der Hölle gehalten wird?

Zweitens, weil es ganz sicher ist, dass er sich einem Betrug oder doch großer Gefahr aussetzte, da der Böse nicht mehr braucht als nur eine kleine Tür offen zu sehen, um uns tausenderlei Dinge vorzugaukeln.

Drittens, die eigene Einbildung, also die Person selbst, bringt sich, wenn ein starker Wunsch da ist, in ihrem Erkennen so weit, dass sie sieht und hört, was sie sich wünscht, genauso wie es denen, die tagsüber mit Lust auf etwas umhergehen und viel daran denken, passiert, dass es ihnen im Traum unterkommt.

Viertens ist es eine große Dreistigkeit, wenn ich den Weg wählen wollte, ohne zu wissen, welcher mir mehr zusagt, statt es dem HERRN  – der mich ja kennt  –  zu überlassen, mich auf dem, der zu mir passt, zu führen, damit ich in allem seinen Willen tue.

Meint ihr vielleicht, fünftens, dass diejenigen, denen der HERR solche Gnaden erweist, nur wenige Prüfungen zu erleiden hätten? Nein, riesengroße und von vielerlei Art! Was wisst ihr, ob ihr fähig seid, sie zu ertragen?

Sechstens, dass ihr nicht durch eben das, wodurch ihr zu gewinnen meint, verliert wie Saul, obwohl er König war (1 Sam 15,10f.).

Glaubt mir, Schwestern, dass es am sichersten ist, nur zu wollen, was Gott will, der uns besser kennt als wir selbst und uns liebt. Geben wir uns in seine Hände, damit sein Wille an uns geschehe, und wir werden nicht irren können, wenn wir mit entschlossenem Willen uns immer daran halten.

Ihr solltet auch bedenken, dass man deshalb, weil man viele solcher Gnaden empfangen hat, keine größere Herrlichkeit verdient, denn dafür ist man mehr verpflichtet zu dienen, weil man ja mehr empfängt.“

Quelle http://invenimus.blogspot.de/2014/03/uber-den-wunsch-nach-besonderen-gnaden.html?m=1

 


Die prophetische Äbtissin Hildegard von Bingen ist jetzt Kirchenlehrerin

Die hl. Hildegard von Bingen ist  nun zur Kirchenlehrerin erhoben worden: Der Papst proklamierte die Äbtissin des 12. Jahrhunderts sowie den hl. Johannes von Avila auf dem Petersplatz feierlich zu „Ecclesiae Universalis doctores“, also zu Lehrern der universalen Kirche.

Dies geschah am gestrigen Sonntag, umgeben von mehreren hundert Bischöfen, bei einer Meßfeier zur Eröffnung einer großen vatikanischen Bischofssynode über Neuevangelisierung.

Eine riesige Darstellung Hildegards  –  sie ist die erste deutsche Kirchenlehrerin  –  sowie eine weitere des hl. Johannes von Avila, eines Priesters aus dem 16. Jahrhundert, hing während der Feier von der Fassade des Petersdomes herab.

In seiner Predigt warb Benedikt XVI. vor allem für das christliche Bild von Ehe und Familie.

Die rheinhessische Prophetin und neue Kirchenlehrerin würdigte er als eine „Frau von lebhafter Intelligenz, tiefer Sensibilität und anerkannter geistlicher Autorität“.

Die hl. Hildegard hat drei umfangreiche religiöse Bücher geschrieben: die Glaubenslehre Scivias (Wisse die Wege), sodann Liber Vitae Meritorum (Buch der Tugenden/Lebensverdienste) und Betrachtungen über Welt und  Mensch in Liber Divinorum Operum (Buch der göttlichen Werke).

Hildegard ist bereits die vierte Frau, die zur Kirchenlehrerin erklärt wurde (außerdem Teresa von Avila, Katharina von Siena und Theresia von Liseux).

Foto: Dr. Bernd F. Pelz (Das Bild zeigt ein Hildegard-Glasfenster in der Kirche St. Severin in Boppard)