Zur Aufarbeitung des Missbrauchs: Warum die Kirche strenger als der Staat ist

Von Dr. Josef Bordat

Oft begegnet einem der Vorwurf, die Kirche arbeite den sexuellen Missbrauch in ihren Einrichtungen, wie er vor allem im 20. Jahrhundert in erschreckendem Ausmaß stattfand, nicht oder nicht angemessen auf – häufig wird dieser Vorwurf genau dann erhoben, wenn mal wieder ein neues Gutachten präsentiert wird, wie am Donnerstag in Köln.

Dagegen stehen die Fakten.

Seit 2010, als das Thema zu einem öffentlichen wurde, gab es mehrere Gutachten mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielsetzungen zur Aufarbeitung der Vergangenheit sowie eine Verschärfung der kirchenrechtlichen Lage zur Prävention von Missbrauch in der Zukunft.

Für die MHG-Studie („Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“) aus 2018 wurden im Bearbeitungszeitraum von 2014 bis 2017 fast 40.000 Personalakten untersucht.

Auf diözesaner Ebene gibt es neben dem strafrechtlichen Gutachten der Kanzlei Gercke Wollschläger zum Erzbistum Köln (2021) auch ein Rechtsgutachten der Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl zum Erzbistum München und Freising („Sexuelle und sonstige körperliche Übergriffe durch Priester, Diakone und sonstige pastorale Mitarbeiter im Verantwortungsbereich der Erzdiözese München und Freising in der Zeit von 1945 bis 2009. Bestandsaufnahme – Bewertung – Konsequenz“ ), das bereits 2010 vorgelegt wurde, sowie ein seit 2019 laufendes Aufarbeitungsprojekt im Bistum Limburg unter Supervision der Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller („Betroffene hören – Missbrauch verhindern“).

Das RECHT schützt die JUGEND

Ferner wurden die seit 2002 bestehenden Leitlinien zur Prävention von sexualisierter Gewalt und Missbrauch 2010 verschärft.

Die normativen Grundlagen dafür, dass Missbrauch in Einrichtungen der Katholischen Kirche verfolgt wird, ist damit gegeben, sogar in weit größerem Maße als in weltlichen Institutionen oder in nicht-institutionellen Kontexten.

Denn: Während eine generelle Anzeigepflicht im Hinblick auf Sexualstraftaten gegenüber der Polizei oder Staatsanwaltschaft im weltlichen Recht grundsätzlich nicht existiert, führte die Deutsche Bischofskonferenz diese 2010 ein.

Das Kölner Gutachten dazu:

„Auch im Kirchenrecht war eine Anzeigepflicht gegenüber den Strafverfolgungsbehörden lange unbekannt. Erst in den Leitlinien 2010 wurde eine Pflicht zur Anzeige eines Sachverhalts an die Strafverfolgungsbehörden verbindlich aufgenommen. Es konnte danach nur noch dann von einer Anzeige abgesehen werden, wenn eine solche Anzeige dem Willen des Opfers eindeutig zuwiderlief“ (S. 279).

Das heißt: Die Kirche verlangt seit 2010 mehr als der Staat, die Wahrscheinlichkeit einer Anzeige im Verdachtsfall ist aufgrund der unterschiedlichen Rechtsgrundsätze in der Kirche höher als überall anderswo.

FORTSETZUNG des Beitrags von Dr. Bordat hier: https://jobosblog.wordpress.com/2021/03/20/aufarbeitung-des-missbrauchs-tut-die-kirche-genug/

Jetzt ist dieses Buch des Philosophen Dr. Bordat erschienen: Würde, Freiheit, Selbstbestimmung. Konzepte der Lebensrechtsdebatte auf dem Prüfstand


WamS: Vatikan steht hinter Kardinal Woelki

Von Felizitas Küble

In einem vierspaltigen Artikel schreibt Rom-Korrespondent Lucas Wiegelmann in der aktuellen Ausgabe der WELT am SONNTAG (WamS) sehr aufschlußreich über die Causa Woelki.

Unter dem Titel „Hirt ohne Herde“ heißt es in dem Bericht vom 7. Februar, durch eine „Nachricht aus Rom“ könne dieser sensationelle Fall eine „Wende“ erleben.

Dazu schreibt der Autor, der zuvor erwähnt, Kardinal Woelki erwecke keineswegs den Eindruck eines Mannes, „der bald zurücktreten will“, Folgendes:

Die Causa Woelki sei im Vatikan geprüft worden, nachdem der Erzbischof von Köln selber den Papst darum ersucht habe, seinen „Fall“ zu untersuchen und klarzustellen, ob er sich in der umstrittenen Mißbrauchsgeschichte um den inzwischen verstorbenen Geistlichen O. damals kirchenrechtlich korrekt verhalten habe oder nicht.

Wiegelmann erklärt, diese Prüfung sei „mittlerweile abgeschlossen“ worden und das Ergebnis „bestätigt Woelkis Sicht der Dinge“, wonach er sich keineswegs fehlerhaft verhalten habe, als er jenen schwer dementen Priester, der nicht mehr vernehmungsfähig gewesen sei, nicht nach Rom gemeldet habe.

Dies habe die Bischofskongregation unter dem kanadischen Kurienkardinal Quellet entschieden, die vom Papst den Auftrag einer Klärung der Sachlage erhalten habe. Nach Rücksprache habe die Glaubenskongregation diese Sichtweise bestätigt.

Der Ball sei jetzt wieder bei Papst Franziskus, der sich vermutlich dem positiven Urteil seiner Kurie anschließen werde. Eine amtliche Antwort aus Rom ist freilich noch nicht erfolgt.

Interessanterweise benennt der WamS-Korrespondent auch glasklar die Hintergründe der Kampagne gegen Woelki:

„Die öffentliche Wut trifft einen Mann, der vielen Gläubigen, Journalisten und auch manchem Amtsbruder schon lange ein Dorn im Auge ist wegen seiner konservativen Positionen im Allgemeinen, wegen seiner Bremsversuche im derzeit laufenden Reformprozess „Synodaler Weg“ im Besonderen.“

Damit ist alles gesagt!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag in Münster und ehrenamtlich das als gemeinnützig anerkannte Christoferuswerk e.V., das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Petition: Fairness auch für Kardinal Woelki

Das Faktum sexualisierter Gewalt und ihr in den vergangenen Jahren ans Licht gekommene Ausmaß in der katholischen Kirche erschüttert uns. Wir sind entsetzt über das unsägliche Leid, das vor allem Kindern und Jugendlichen angetan wurde und fordern eine angemessene Untersuchung aller Sachverhalte…..

Fairness und Gerechtigkeit aber sind – gerade in emotionalisierten Zeiten – gegenüber allen Personen geboten. Vor diesem Hintergrund setzen wir Vertrauen in die Aufklärungsarbeit, die Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern seit Jahren leistet…

Kardinal Woelki hat als erster deutscher Bischof ein solches Gutachten auf der Grundlage der eigenen Akten der Diözese in Auftrag gegeben. Dies ist eine gute Entscheidung und die Einholung eines Gutachtens ein bewährtes Verfahren. Der Kardinal hat darüber hinaus vorgegeben, dass das Gutachten veröffentlicht werden soll und sich als Zeichen der Transparenz und der Wahrhaftigkeit seines Aufklärungswillens verpflichtet, dieses auch selbst nicht vor der Veröffentlichung einzusehen.

Daher ließ Kardinal Woelki von zwei verschiedenen Fachjuristen die äußerungsrechtliche Zulässigkeit des vorliegenden ersten Gutachtens prüfen und erhielt die übereinstimmende Einschätzung, dass dieses die gestellten Anforderungen nicht erfüllt.

Der Vorwurf, Kardinal Woelki würde das erstellte Gutachten zurückhalten, ist also letztlich der Vorwurf, er sei bereit, die Rechtsordnung zu achten. Die Bereitschaft, das geltende Recht zu beachten, ist eine Selbstverständlichkeit, die auch und besonders von einem Bischof erwartet werden muss….

Deswegen unterstützen wir Kardinal Woelkis Initiative, ein zweites Rechtsgutachten über den Umgang mit sexualisierter Gewalt in Auftrag gegeben zu haben, das auch äußerungsrechtliche Rechtssicherheit bieten soll. Dieses zweite Gutachten, das die Kanzlei von Prof. Dr. Björn Gercke derzeit erstellt und am 18. März 2021 veröffentlichen wird, wird nach heutigem Kenntnisstand alle 236 bislang bekannt gewordenen Fälle untersuchen. Demgegenüber hatte das erste Gutachten nur 15 Fälle herausgegriffen und begutachtet…

Wir wissen, dass die Maßnahmen von Kardinal Woelki, das Evangelium glaubwürdig in Wort und Tat zu verkünden, von vielen Menschen wahrgenommen und anerkannt werden. Wir fordern, dass es auch in der gegenwärtigen Auseinandersetzung zu einem gerechten Umgang mit Fakten und der Person des Kardinals kommt, der mehr Solidarität und Loyalität, aber auch Respekt und Fairness verdient hat, als er sie in diesen Tagen zuweilen erfährt.

VOLLER TEXT und Unterzeichnungs-Möglichkeit hier: https://fairness-in-der-kirche.de/

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz


Münster: Vertuschung am Kirchenrecht vorbei

Auf der kirchenamtlichen Seite „Katholisch.de“ wurde in einem Interview mit dem Historiker Dr. Thomas Großbölting über sexuellen Missbrauch und seine Vertuschung durch Kirchenobere in der Diözese Münster gesprochen. Der Professor arbeitet an einer Studie und hat unlängst einen Zwischenbericht vorgelegt.

Wie der Historiker erläutert, haben sich Bistumsleitungen in Münster und anderswo häufig bei der Aufarbeitung nicht einmal an das kanonische Kirchenrecht – den sog. CIC – gehalten:

„Die Bistumsleitungen gingen über die Jahrzehnte hinweg dezidiert andere Wege, als es sowohl das weltliche als auch das Kirchenrecht vorsah.

Das gilt auch für den früheren Bischof von Münster, Dr. Reinhard Lettmann. Es gäbe bei ihm „eine Reihe von Fällen, in denen er nicht nur moralisch, sondern auch juristisch und kirchenrechtlich nicht korrekt gehandelt hat.“

Dabei existieren durchaus Unterschiede zwischen den katholischen Oberhirten in Deutschland, erklärt Prof. Großbölting: „Es gibt emeritierte Bischöfe, die in ihrer Amtszeit sensibler mit dem Thema umgegangen sind und solche, die damit weniger sensibel umgegangen sind.“

Hierbei hat Rom die Kirchenleitungen weltweit bereits vor 40 Jahren zu mehr Wachsamkeit ermahnt:

Seit den 1980er Jahren hat der Vatikan die Zügel angezogen und Ortsbischöfe verpflichtet, sexuellem Missbrauch stärker nachzugehen.

Quelle für die Zitate: https://www.katholisch.de/artikel/27832-leiter-der-missbrauchsstudie-in-muenster-der-zoelibat-stand-ueber-allem


Neue Ordensgründungen nur noch mit Erlaubnis des Vatikan gültig

Bisher war es nicht verpflichtend, dass der Vatikan seine Einwilligung zur Gründung eines neuen Ordens gibt. Das Kirchenrecht (can. 579) schrieb nur eine Beratung mit dem Vatikan vor. Das ändert sich jetzt.

Mit seinem Motu proprio (so heißen wichtige Dekrete des Papstes) macht Papst Franziskus solche Neugründungen von der Zustimmung des Vatikans abhängig. Das Dekret, das an diesem Mittwoch veröffentlicht wurde, tritt am 10. November in Kraft.

Der im Original lateinische Text betont zwar, dass auch künftig die Ortsbischöfe über den kirchlichen Charakter und die Vertrauenswürdigkeit neuer „Institute des geweihten Lebens“ bzw. „Gesellschaften apostolischen Lebens“ zu befinden haben. In dieser Hinsicht büßen sie also keinerlei Macht ein. Allerdings mache es sich der Vatkikan zur Aufgabe, die Bischöfe „beim Prozess der geistlichen Unterscheidung zu begleiten“.

Auch künftig wird der Ortsbischof neue Institute des geweihten Lebens „mit einem formalen Dekret einrichten“ – nur dass er dazu eben „die vorige schriftliche Erlaubnis“ aus Rom braucht, denn es müsse verhindert werden, dass „unnütze oder kraftlose Institute“ entstehen, dass es zu einer „übermäßigen Vervielfältigung von einander sehr ähnlichen Einrichtungen“ kommt oder zu einem „Zerfall in zu kleine Gruppen“.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2020-11/vatikan-motu-proprio-papst-orden-gruendung-rom-kirche-recht.html


Das katholische Kirchenrecht über den seelsorglichen Beistand für die Eheleute

Kapitel I, Seelsorge und Vorbereitung zur Eheschließung:
Can. 1063:

Die Seelsorger sind verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die eigene kirchliche Gemeinde den Gläubigen die Hilfe bietet, durch die der Ehestand im christlichen Geist bewahrt wird und in der Vollkommenheit vorankommt. Dieser Beistand ist besonders zu leisten:

1° durch Predigt, durch Katechese, die den Kindern, den Jugendlichen und den Erwachsenen angepaßt ist, sogar durch den Einsatz von sozialen Kommunikationsmitteln, durch die die Gläubigen über die Bedeutung der christlichen Ehe und über die Aufgabe der christlichen Ehegatten und Eltern unterwiesen werden;

2° durch persönliche Vorbereitung auf die Eheschließung, durch welche die Brautleute in die Heiligkeit und in die Pflichten ihres neuen Standes eingeführt werden;

3° durch eine fruchtbringende liturgische Feier der Eheschließung, durch die zum Ausdruck kommen soll, daß die Ehegatten das Geheimnis der Einheit und der fruchtbaren Liebe zwischen Christus und der Kirche darstellen und daran teilnehmen;

4° durch eine den Ehegatten gewährte Hilfe, damit sie den Ehebund treu halten und schützen und so zu einer von Tag zu Tag heiligeren und vollkommeneren Lebensführung in der Familie gelangen.

Can. 1064 — Aufgabe des Ortsordinarius ist es, dafür zu sorgen, daß dieser Beistand gebührend geordnet wird; wenn es angebracht scheint, soll er auch Männer und Frauen hören, die sich durch Erfahrung und Sachkunde bewährt haben.

Can. 1065 — § 1. Katholiken, die das Sakrament der Firmung noch nicht empfangen haben, sollen es noch vor der Zulassung zur Eheschließung empfangen, wenn dies ohne große Beschwernis geschehen kann.

§ 2. Damit die Brautleute das Sakrament der Ehe fruchtbringend empfangen, wird ihnen dringend empfohlen, zur Beichte und zur Kommunion zu gehen.

Quelle und weitere Canones hier: https://www.codex-iuris-canonici.de/cic83_dt_buch4.htm

Gemälde: Evita Gründler


Papst Franziskus stärkt Priestern den Rücken gegenüber bischöflichen „Reformen“

Von Felizitas Küble

Seit etwa zwei Jahrzehnten werden in Deutschland immer mehr Pfarreien zusammengelegt und Kirchen geschlossen – nicht selten ohne notwendigen Grund oder unter dem Vorwand des Sparens (obwohl die Kirchensteuern in den letzten Jahren sprudelten).

Gleichzeitig wurde in manchen Bistümern im Zuge dieser Fusionen die Stellung der Pfarrer zurückgestutzt:

Pfarrer und sogar Dekane bzw. Dechanten wurden plötzlich in einem Rutsch zu Hilfspriestern degradiert, die zwar gegenüber den Gläubigen noch den Titel „Pfarrer“ oder „Pastor“ tragen durften, die aber schwuppdiwupps keine Pfarrer im kirchenrechtlichen (!) Sinne mehr waren – und daher sowohl gegenüber dem Bischof wie gegenüber ihren Laiengremien an Autorität und Machtbefugnissen deutlich einbüßten.

Manche Priester wurden sogar aus diesem „Anlaß“ in den vorzeitigen Ruhestand gedrängt.

Im Zuge dieser unseligen Entwicklung wurden viele Pfarrer von der Leitung ihrer Gemeinden „freigestellt“. Stattdessen wurde die Pfarrei nicht selten von einem „Leitungsteam“ geführt, das auch aus Laien bestand – teils sogar mehrheitlich aus denselben.

So kam es verstärkt zu einer Klerikalisierung der Laien und zugleich einer Laiisierung des Klerus – ganz im Sinne progressiver „Reformvorstellungen“ oder sogenannter „pastoraler Prozesse“, wie dieses Abbruchunternehmen gerne schöngeredet wurde.

Diesem priesterfeindlichen Treiben, das von etlichen bischöflichen Ordinariaten ausging und von linkskirchlichen Gruppen und Gremien unterstützt wurde, hat der Vatikan nun endlich einen Riegel vorgeschoben:

In einer vom Papst ausdrücklich gebilligten Instruktion der römischen Kleruskongregation wurde jetzt ein Machtwort gesprochen. Das wegweisende Dokument trägt den Titel: „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“.

Ihm zufolge ist eine Auflösung oder Zusammenlegung von Kirchengemeinden nicht mehr wie selbstverständlich möglich, sondern erfordert eine „begründete“ Einzelfalls-Entscheidung des Bischofs.

Auch das Überhandnehmen von Laien-Funktionen wird eingeschränkt, denn die Leitung der Pfarrei wird ihnen nicht erlaubt.

Hinsichtlich einer Schließung von Kirchen (im Bistum Essen oder Münster war dies zu dutzendfach der Fall) wird ebenfalls ein überfälliger Riegel vorgeschoben. Der Hinweis auf knappe Kassen oder weniger Gläubigen reicht in Zukunft nicht mehr aus, um ein Gotteshaus zu profanieren oder einer Zweckentfremdung zuzuführen (z.B. Turnhalle, Verlagsgebäude, Altenwohnungen etc – wie in Münster geschehen).

Sodann wird die Stellung des Pfarrers auch dadurch von Rom gestärkt, daß erklärt wird, er habe gegenüber seiner Gemeinde keine Rechenschaftspflicht.

Besonders wichtig ist, daß die vatikanische Instruktion klarstellt, die Zukunftsperspektiven des Pfarrers dürften „nicht mit der Berufung auf unumgängliche Reformnotwendigkeiten oder gar mit dem Verweis auf den priesterlichen Gehorsam abgetan werden“ – was aber bislang häufig der Fall war, wenn Priester amtlich herabgestuft wurden (vom Pfarrer zum Hilfsgeistlichen usw.) – oder gar vorzeitig zur Amtsniederlegung angehalten wurden.

Die Kleruskongregation bezeichnet ihr Einschreiten ausdrücklich als Antwort auf die in Deutschland von vielen Bistumsleitungen betriebenen „Strukturreformen“, die zu Lasten von Pfarrern und Pfarreien gingen, also sowohl den Hirten wie die Herde beschädigten.

Quelle für die Zitate: https://www.domradio.de/themen/vatikan/2020-07-20/rom-spricht-ein-deutliches-machtwort-vatikan-setzt-pfarreireformen-grenzen


Die Bistumsleitung Essen polemisiert gegen das Vigano-Manifest und Kardinal Müller

Von Felizitas Küble

Mit dem Kirchenrecht pflegen einige Bistumsleitungen kein sehr inniges Verhältnis, stattdessen umso mehr mit dem Zeitgeist – oder dem, was diese Herren dafür halten.

Am 11. Mai 2020 erschien z.B. auf der amtlichen Internetpräsenz der Diözese Essen eine scharfe Attacke auf den „umstrittenen“ Vigano-Aufruf, der auch von Kardinal Müller unterzeichnet wurde: https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischof-overbeck-und-generalvikar-pfeffer-wenden-sich-gegen-corona-aufruf-konservativer-bischoefe/

Das großformatige Foto dort zeigt Bischof Franz-Josef Overbeck und rechts neben ihm seinen Generalvikar Klaus Pfeffer, wobei dieser Geistliche erkennbar seine kirchenrechtliche Pflicht mißachtet, als Priester eine Klerikerkleidung zu tragen (mindestens Kollar = römischer Kragen). Eine Krawatte und ein Kreuzlein am Revers sind beileibe kein Ersatz dafür.

Aber nicht „nur“ das Kirchenrecht wird links liegen gelassen. sondern auch das ABC der Fairneß:

Unter dem Titel „Bischof Overbeck und Generalvikar Pfeffer wenden sich gegen Corona-Aufruf konservativer Bischöfe“ wird dem Vigano-Manifest vorgeworfen, es enthalte „krude Verschwörungsmythen“ (gemeint ist damit wohl vor allem die Warnung vor einer Weltregierung), wobei „keine Fakten und Belege präsentiert“ würden.

Hierzu sei klargestellt:

1. Ein öffentlicher Appell ist keine Doktorarbeit und enthält üblicherweise keine Fußnoten. Vielmehr handelt es sich um einen „Weckruf“, der zum Nachdenken anregen, zu Diskussionen aufrütteln und zu diesem Zwecke sicherlich auch „provozieren“ will.

2. Generalvikar Pfeffer veröffentlichte seinen Rundumschlag ausgerechnet im „Spiegel“. Bernhard Zand, der Auslandskorrespondent dieses Hamburger Magazins, hat selber am 19.3.2020 eine Weltregierung vorgeschlagen, um die Corona-Pandemie besser zu bewältigen:

„Krisen wie diese bräuchten eine Art Weltregierung – so vorläufig und unvollkommen sie unter dem Druck der sich überschlagenden Ereignisse auch sein mag. Solche Krisen brauchen Abstimmung und Zusammenarbeit weit über nationale Grenzen, ja über Kontinente hinweg.“  (Quelle: https://www.spiegel.de/politik/ausland/coronavirus-krise-wir-brauchen-eine-weltregierung-a-058a25cf-646a-466f-a969-7a40a517feb0)

Auch von anderer Seite ertönt jetzt verstärkt der Ruf nach einem Weltstaat  –  wie kürzlich hier im CF aufgelistet: https://charismatismus.wordpress.com/2020/05/13/weltregierung-eine-verschwoerungstheorie/

Weiter heißt es auf der Bistumsseite Essen, den Generalvikar mache es „fassungslos“, wenn „hochrangige Vertreter“ der Kirche „so etwas“ verbreiten. Danach werden Kardinal Müller sowie der chinesische Kardinal Zen namentlich erwähnt, die das Vigano-Manifest unterzeichnet haben.

Sodann wird auf einen Text von Ruhrbischof Overbeck verwiesen, der den speziellen Beitag der Kirche in der Corona-Krise wie folgt beschreibt: „Solidarität zu üben als deutliches Zeichen der Entschlossenheit, sich für das Gemeinwohl und für soziale Gerechtigkeit einzusetzen“.

Geht es dem Oberhirten von Essen nur noch um das „Gemeinwohl“ und die „soziale Gerechtigkeit“? – Von Gott und seinem Reich steht hier kein Wort.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Bistum Regensburg (1), Dr. Bernd F. Pelz (2)


Brasilien: Bischof Rifans Brief an die Gläubigen

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Der katholische Bischof Fernando Areas Rifan leitet die Apostolische Personaladministratur St. Johannes Maria Vianney in Campos, Brasilien, für die altrituellen Gemeinden und Gläubigen.
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Instruktion und Hinweise
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Allen Priestern und Gläubigen unserer Apostolischen Administratur Gruß, Frieden und Segen in Jesus Christus, unserem HERRN!
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In Anbetracht der Bundes-, Landes- und Kommunalverordnungen gegen die Corona-Epidemie,
aufgrund des Dekretes Sr. Eminenz Orani Joao Tempesta, Kardinalerzbischofs von Sao Sebastiao do Rio de Janeiro, sowie der Richtlinien der anderen Bischöfe unserer Region; 
in Anbetracht dessen, daß ich als Bischof dieses kirchlichen Zuständigkeitsbereichs (Can. 368, gemäß Can. 87, § 1 des Kirchenrechts) die meiner Gerichtsbarkeit unterstehenden Gläubigen von der Einhaltung allgemeiner oder partikularer Disziplinargesetze dispensieren (freisprechen) kann;
in Anbetracht der großen Ansteckungsgefahr im Falle großer Menschenansammlungen; in Zusammenarbeit mit den Regierungsbehörden sowie in Ergänzung zu unseren „Normen für die Gemeinschaft der Gläubigen“ vom 3. März 2020
verfügen wir bis auf weiteres Folgendes:
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1. Alle Gläubigen sind von der in Canon 1247 des Kirchenrechts (Kodex des Kanonischen Rechtes) vorgesehenen Verpflichtung zur Teilnahme an Messen an den Sonntagen und gebotenen Feiertagen dispensiert. Wir empfehlen insbesondere älteren Menschen, zuhause zu bleiben.
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2. Denjenigen, die sich dafür entscheiden, nicht an der Feier der Messe teilzunehmen, wird dringend empfohlen, sie über die katholischen Medien zu verfolgen, und dabei die Geistliche Kommunion zu üben, die ein wichtiges Mittel kirchlicher Einheit und persönlicher Frömmigkeit ist. 
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3. Die Gläubigen, die an der Messe teilnehmen, müssen gemäß den Richtlinien des Gesundheitsbehörden sorgfältig einen Abstand voneinander einhalten, um eine Ansteckung zu verhindern.
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4. Trotz eventueller Abwesenheit der Gläubigen bitten wir die Priester, täglich die heilige Messe zu feiern, gemäß Canon 904 des Kodex des Kanonischen Rechtes, der uns an den Wert dieser Feier als einer Handlung Christi und der Kirche erinnert. Sie ist der Mittelpunkt des priesterlichen Lebens. Diese Messen werden, wenn möglich, über die Medien übertragen.
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5. Die Priester stehen weiterhin zur Verfügung, um die Beichten der Gläubigen zu hören und den Kranken beizustehen, wobei sie die notwendige Vorsicht walten lassen.
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6. Alle, Priester und Gläubige, mögen um das Ende dieser Pandemie beten, und für alle Leidenden.
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7. Nachhaltig wird jetzt das persönliche Gebet und das Gebet in den Familien empfohlen, vor allem der Rosenkranz, sowie das Lesen der Heiligen Schrift.
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Wir nehmen unsere Zuflucht zu den heiligen Schutzpatronen gegen solche Epidemien, wie dem hl. Rochus und dem hl. Sebastian.
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Möge Gott alle, die arbeiten, um die Schmerzen der Leidenden zu lindern, und alle, die eine Lösung für diese ernste Situation suchen, belohnen und segnen.
Insbesondere beten wir für die Verstorbenen, die Kranken und ihre Familien.
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Campos dos Goytacazes, den 16. März 2020
+ Bischof Fernando Areas Rifan
Übersetzung: Paolo D’Angona, Priester der Diözese Roermond

HINWEIS: Inzwischen gibt es eine weitere Erklärung des Bischofs mit restriktiveren Vorgaben: https://www.adapostolica.org/comunicado-aos-sacerdotes-e-ao-povo-de-deus/


Priester-Seelsorge in Zeiten von Corona

Von Dr. Gero P. Weishaupt (Kirchenrechtler)

Die Corona-Pandemie verlangt eine angepasste Weise der Sakramentenspendung. Hier folgen einige kurze Hinweise für die Priester in Bezug auf die heilige Eucharistie, die Beichte und die Krankensalbung.

Eucharistie

Öffentliche Gottesdienste sind verboten. Die Bischöfe haben mit dem Verbot zugleich implizit oder explizit die Gläubigen von der Sonntagsplicht dispensiert. Falls auch am Ostersonntag keine öffentlichen Messen stattfinden können, sind die Gläubigen außerdem von der Verpflichtung der jährlichen Osterkommunion entbunden (dispensiert).

Die Gläubigen sollten in der Seelsorge nun vermehrt auf die alte Tradition des eucharistischen Fastens, auf die geistliche Kommunion und auf die Messübertragungen in Radio, Fernsehen und Internet hingewiesen werden. Es empfiehlt sich, dabei die biblischen Texte und die Eigentexte der Messe (Proprientexte) ins Internet zu stellen. So können die Gläubigen sie lesen, meditieren und beten, sofern sie nicht schon über Texte in Print-Ausgaben zuhause verfügen.

Beichte

Für die Beichte ist die physische Anwesenheit sowohl des Priesters als auch des Beichtenden für die Gültigkeit erforderlich. Beichte über Telefon, Internet etc. ist nicht möglich und ungültig.

Anders als bei einem Sakramentale wie dem über die Medien gesendeten päpstlichen Segen „Urbi et Orbi“ setzt der Empfang eines Sakramentes die physische Anwesenheit von Spender und Empfänger voraus. Nur beim Ehesakrament gibt es in besonderen Fällen davon eine Ausnahme (Eheschließung durch Stellvertreter: can. 1071 § 1 n. 1; sie erfordert die gesonderte Erlaubnis des Ortsordinarius: can. 1071 § 1).

Die Ohrenbeichte kann in einem Beichtstuhl stattfinden, sofern der direkte Kontakt mit dem Pönitenten durch ein durch Schutzschild oder ähnliches ausgeschlossen ist. Ein offenes Gitter ist ungeignet (in einem solchen Beichtstuhl darf die Beichte nicht stattfinden).

In einem Beichtzimmer ist das Bußsakrament möglich, wenn eine Abstand von zwei Metern zwischen Spender und Empfänger garantiert ist und wenn sicher ist, dass weder der Spender noch der Empfänger Corona-Symptome aufweist. Bei Coronapatienten hingegen sollte ein größerer Abstand gewahrt und Schutzmaske getragen werden. Dabei ist immer darauf zu achten, dass das Beichtgeheimnis gewahrt wird, also niemand die Beichte mithören kann.

Wo kein Bußsakrament möglich ist, sollen die Gläubigen auf die Möglichkeit, vollkommene Reue zu wecken, hingewiesen werden. Für diese Sündenvergebung ist der feste Vorsatz erforderlich, bei Ende der Notlage so schnell wie möglich die sakramentale Beichte abzulegen.

Krankensalbung

Auch die Krankensalbung ist bei Corona möglich. Can. 1000 § 2 des Kirchenrechts sagt: „Der Spender vollziehe die Salbung mit eigener Hand, wenn nicht ein schwerwiegender Grund (nisi gravis ratio) den Gebrauch eines Instrumentes rät.“ –  Ein schwerwiegender Grund ist eine ansteckende Krankheit. Es wäre allerdings dem Priester dringend anzuraten, bei mit Corona Infizierten eine Schutzmaske zu tragen.

Quelle: https://www.kathnews.de/hinweise-fuer-die-priester-in-zeiten-von-corona