Warum der FATIMA-Zusatz nicht zum eigentlichen Rosenkranz gehört

Von Felizitas Küble

Jeder Gläubige kann den kirchlich überlieferten Rosenkranz privat beten, wie er will: mit Zusätzen, Anrufungen und Anfügungen noch und nöcher, angereichert freilich am besten durch weitere biblische Betrachtungen, Impulse aus der Hl. Schrift, Psalmen-Verse etc.

Hierbei sind der katholischen Fantasie im Grunde keine Grenzen gesetzt, solange alles noch mit rechten bzw. rechtgläubigen Dingen zugeht.  3068

Allerdings dürfte es sich in frommen Kreisen allmählich herumsprechen, daß der öffentlich in Kirchen und Kapellen gebetete Rosenkranz vor „kreativen“ Zusätzen verschont bleiben sollte.

Anfügungen aus Botschaften kirchlich anerkannter Privatoffenbarungen mögen für manche Katholiken eine hilfreiche Anregung für ihr persönliches Gebetsleben sein, doch sie gehören nicht zum „amtlichen“, seit Jahrhunderten bewährten und überlieferten Rosenkranz der Kirche.

Das gilt erst recht für Anmutungen oder gar Zumutungen aus kirchlich nicht genehmigten „Erscheinungen“, diversen „Botschaften“ und sonstigen trüben Quellen.

Häufig wird nicht nur in der Familie, in Fatimakreisen und Gebetsgruppen, sondern auch beim öffentlichen Rosenkranz in Gotteshäusern der sogenannte „Fatima“-Zusatz gebetet. Dies ist bei Licht betrachtet allerdings nicht korrekt  – und auch die weit verbreitete Gewohnheit macht diese „Übung“ nicht besser.

Aus dem Psalmengebet entstanden

Der Rosenkranz hat sich seit dem 15. Jahrhundert aus den besten Quellen biblischer und monastischer (klösterlicher) Gebetstradition entwickelt und zu einem beliebten Volksgebet entfaltet.

Dabei ist er vor allem aus dem Psalmengebet der Mönche und Kleriker (Geistlichen) entstanden:2_atk2926-170x115

Da das einfache Kirchenvolk oft nicht lesen und schreiben konnte, waren ihnen die 150 Psalmen des Alten Testaments nicht ohne weiteres zugänglich. Dies empfanden viele Gläubige zu Recht als schmerzlichen Mangel.

So wurde der Rosenkranz mit seinen ebenfalls 150 Ave-Marias gewissermaßen der Ersatz, das „Psalterium“ des Kirchenvolkes. So entstand auch das Wort „Psalter“ für die drei Rosenkränze: den freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen.

Diese Herleitung ist deshalb so wichtig, weil dieses Gebet zutiefst vom biblischen Geist geprägt ist:

Es ist „durchwirkt“ von der Betrachtung der Heilsgeheimnisse, wie sie uns im Neuen Testament bezeugt (und vielfach im AT angekündigt) sind. Es ist entstanden aus der unerfüllten Sehnsucht des Volkes nach dem Psalmengebet der Heiligen Schrift!

Kurzformel biblischen Glaubens

So ist der einerseits erfreulich schlichte und zugleich theologisch so gehaltvolle Rosenkranz eine optimale „Kurzformel des Glaubens“, denn er verbindet uns in nachdenklich-meditativer und einprägsamer Weise mit dem Erlösungsgeschehen und dem Leben unseres HERRN Jesus Christus, Mensch geworden durch den Heiligen Geist und geboren aus Maria, der Jungfrau. 011_7A

Wir „wandern“ und wandeln gleichsam an der Hand der Madonna, begleitet vom Gruß des Engels, durch die Evangelien. Wir betrachten die Heilsgeschichte Gottes durch die „Brille“ Mariens  – womit wir uns die beste Sicht aneignen, denn die Gottesmutter ist das höchstbegnadete Geschöpf des Ewigen, die „erste Christin“ und zugleich die Vor- und Erst-Erlöste des Neuen Bundes (Immaculata).

In diese vertiefende Betrachtung, die sich um die zentralen Glaubenswahrheiten „rankt“ und diese betend „umkreist“, paßt der Fatima-Zusatz nicht ohne weiteres  –  diese Anrufung fügt sich kaum in den vorgegebenen Rahmen, weder sprachlich noch der Sache nach. Zudem ist der Fatima-Zusatz noch nicht einmal 100 Jahre alt, der Rosenkranz aber entstand vor weit über 500 Jahren!

Der Rosenkranz ist „aus einem Guß“

Doch der springende Punkt ist das grundsätzliche Anliegen, den klassischen Rosenkranz, wie ihn die Kirche seit alters her überliefert, zumindest beim öffentlichen Beten nicht durch Zusätze zu verändern bzw. zu verlängern, welcher Art auch immer, denn dies führt unweigerlich zu einer „Verschlimmbesserung“.

Schließlich ist der Rosenkranz ein Gebet „aus einem Guß“, keine freie Vorlage für schöpferische Gestaltungen nach frommer Lust und kreativer Laune. pic_526a50cce0863 Zudem ist er ein betrachtendes Gebet, wobei Christus und die biblischen Heilsgeheimnisse im Mittelpunkt stehen.

Dazu kommt, daß der sog. Fatima-Zusatz durchaus erklärungsbedürftig ist teilweise bzw. theologisch mißverständlich bis irreführend wirkt.

Hier folgt zunächst sein Wortlaut (Linien zur Hervorhebung merkwürdig erscheinender Stellen):

„O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe  a l l e  Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.“

Viele Katholiken stellten sich selbst und mir schon die Frage, warum eigentlich jene, welche die göttliche Barmherzigkeit am „meisten“ nötig haben, „besonders“ in den Himmel geführt werden sollen. Welchen logischen und theologischen Sinn hat diese „Bevorzugung“? Kann das Hinführen in den Himmel irgendwie noch „gesteigert“ werden? Läßt sich die ewige Seligkeit „optimieren“?

(Abgesehen davon ist nicht einmal sicher, ob es wirklich heißt „Bewahre uns  v o r  dem Feuer der Hölle“ –  oder sogar in ganz irriger Weise: „…rette die Seelen aus der Hölle“. – Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/11/unklarheiten-um-den-fatima-zusatz-aus-der-dritten-erscheinung-vom-13-7-1917/)

Auf Bewahrung vor Todsünde kommt es an!

Zudem erscheint es seltsam, daß es in der Anrufung nicht heißt: „Bewahre uns, HERR, vor der schweren Sünde“, denn darauf  kommt es an. Die Hölle ist lediglich die jenseitige Auswirkung des unbußfertigen Verbleibens im „Stand“ der Todsünde.

Nun könnte man einwenden, in unserer heutigen Zeit, in welcher vielfach die Existenz der ewigen Verdammnis geleugnet wird, sei die Erwähnung der Hölle besonders wichtig.

Das mag insoweit richtig sein. Freilich stellt sich auch dann die Frage, warum es im Fatima-Gebet nicht heißt: „Bewahre uns vor der Hölle“, sondern: „…vor dem Feuer der Hölle“.

Warum diese Betonung eines Aspektes, der nicht der entscheidende ist?  –  Das eigentlich Entsetzliche an der Hölle ist aber die ewige Gottesferne, das ist die eigentliche Tragödie der Verlorenen – weniger die scheinbar „sinnlichen“ Strafen, wobei der Weltkatechismus das „Feuer“ ohnehin als Bild/Symbol auslegt.  kreuz1

Wird hier also die bloß menschliche (allzumenschliche) ANGST angesprochen, statt den Beter in die theologische Tiefe zu führen? Warum sollte dies denn pastoral sinnvoll sein?

Vielmehr gehört es zur göttlichen „Pädagogik“, die Menschen schrittweise zur Hochform der Gottesliebe zu führen.

Die menschliche Reue kennt im wesentlichen drei Qualitäts-Stufen:

1. Die emotionale, oberflächliche Angst-Reue aus bloßer Furcht vor den möglichen Folgen der Sünde, den damit verbundenen Peinlichkeiten, Strafen, Nachteilen etc. 
2. Die Furcht-Reue aus Ehrfurcht vor Gott und aus dem  – durchaus schon religiös geprägten  –  Vermeidenwollen der Hölle als einem Zustand ewiger Gottesferne.
3. Die Liebes-Reue: Abscheu vor der Sünde aus Liebe zu Gott und seinen Geboten, auch aus Liebe zum Nächsten als einem Gottesgeschöpf.

Welche Stufe wird nun mit der Betonung des „Feuers“ der Hölle angesprochen?  –  Nicht einmal ernsthaft die zweite, sondern eher die erste, die „primitivste“ also. Bei der zweiten Stufe würde der Satz immerhin lauten: „Bewahre uns vor der Hölle“, besser noch: „Bewahre uns vor der ewigen Gottesferne der Hölle“.

Gegen eine Kombination von Stufe 2 und 3 wäre übrigens durchaus nichts einzuwenden, etwa mit folgender Formel: „Bewahre uns vor Todsünde und Hölle.“

Insgesamt wirkt die Hervorhebung von Himmel und Hölle in einer solch kurzen Anrufung fast wie eine Art Zuckerbrot-und-Peitsche-Mentalität. Eine solche religiöse „Achterbahn der Gefühle“ findet sich aber weder im Vaterunser-Gebet, das Christus selbst uns lehrte, noch im Ave Maria, auch nicht im Glaubensbekenntnis.

Ähnlichkeiten mit Koran-Äußerungen

Auch deshalb paßt der Fatima-Zusatz weder der Sache noch der Sprache nach in den Rosenkranz-Kontext.

Er paßt aber durchaus zum Islam bzw. Koran. Dort ist in zahllosen Suren vom „Höllenfeuer“ die Rede (hingegen in der Heiligen Schrift meist von „Hölle“ oder „Verdammnis“, weitaus seltener vom Höllenfeuer).

Der Feuerhöllen-Satz aus dem Fatima-Zusatz findet sich zudem fast wörtlich im KORAN: in Sure 3, dort am Ende von Vers 191: „Bewahre uns vor der Strafe des Höllenfeuers!“ 

Die Lieblingstochter Mohammeds hieß übrigens „Fatima“ (es handelt sich hier um einen arabischen Begriff). Auch sie wird nebst anderen Verwandten von ihrem Vater gewarnt, wie in der Hadithe Nr. 303 überliefert ist, wonach Mohammed zu seiner versammelten Sippe sagte: 

„O ihr Söhne des `Abdel Mottalib, rettet eure Seelen vom Feuer! O Fatima, rette deine Seele vom Feuer! Denn ich kann euch vor Allah nicht retten. Ich werde aber immer meine verwandtschaftliche Beziehung zu euch bewahren und pflegen.“  (Quelle: http://islamische-datenbank.de/option,com_bayan/action,viewhadith/chapterno,2/min,100/show,10/

Was bedeutet „Führe alle Seelen in den Himmel?“

Überdies ist auch der Satz „Führe  al l e  Seelen in den Himmel“ im Grunde unlogisch, weil eine Erfüllung dieser „Aufforderung“ schlicht nicht möglich ist, denn es gibt auch verworfene „Seelen“ in der Hölle, die Gott nur zwangsweise in den Himmel führen könnte, denn die Hölle ist quasi von innen verschlossen: geistig und faktisch „zugeriegelt“ durch die absolute Verweigerungshaltung jener verdammten Seelen gegenüber Gott.

Der HERR wiederum respektiert die Freiheit des Menschen in Zeit und Ewigkeit  –   auch die Freiheit und Verantwortung des Gottlosen und verstockten Todsünders. Die Hölle ist die logische Folge dieser Achtung Gottes vor der von ihm selbst geschaffenen und gewollten FREIHEIT des Menschen.

Daher ergibt die Anrufung „Führe alle Seelen in den Himmel“ keinen Sinn, wenn man sie beim Wort nimmt  – und warum sollte man sie nicht beim Wort nehmen?

Es müßte also zumindest einschränkend heißen: „Führe alle Menschen in den Himmel“, wobei hier die Formulierung „Hilf allen Menschen in den Himmel“ theologischer klarer wäre, damit keinerlei Allerlösungs-Fantasien auftreten.

Denn genau genommen ist der Aufruf an Christus, alle (!) Seelen (!) in den Himmel zu führen (!), irreführend, denn Gott will zwar, daß alle Menschen gerettet werden, aber das erlaubt nicht die Aufforderung an ihn, auch  a l l e  in den Himmel zu   f ü h r e n , denn der Mensch selber muß auch zum ewigen Heil bereit sein  – das sind aber erwiesenermaßen eben nicht „alle“. Also können sie auch nicht alle in den Himmel „geführt“ werden!

Der Aufruf „Führe alle Seelen in den Himmel“ ist auch deshalb merkwürdig, weil sich die Seelen der Heiligen und Seligen doch ohnehin bereits im Himmel befinden.

Zudem stehen beide Gebets-Aussagen in einem unlogischen Zusammenhang: Denn wenn doch ohnehin „alle Seelen“ in den Himmel kommen sollen, wozu dann jene, die es am meisten „nötig“ haben, ganz „besonders“? Welchen Sinn soll dieser Nachsatz haben? Soll er die vorgehende Aussage etwas verschleiern, damit die Tendenz zur Allerlösungslehre im Empfinden des Beters verundeutlicht wird?

Dazu kommt, daß die kleine Fatima-Seherin Jacinta gerne ein Gebet sprach, das die Anrufung an Maria enthält, die Seelen „aus“ der Hölle zu „erretten“. Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/11/unklarheiten-um-den-fatima-zusatz-aus-der-dritten-erscheinung-vom-13-7-1917/

Wie man es auch dreht und wendet, eines steht fest:

Der Rosenkranz ist in seiner kirchlich überlieferten, biblisch geprägten Weise unschlagbar gut, er benötigt keine „Zusätze“ aus Privatoffenbarungen, Erscheinungen, Visionen, kreativen Erleuchtungen usw.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster

Zur weiteren Lektüre empfehlen wir diesen ausgezeichneten Artikel der “Ankerperlenfrau”: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/falsche-anleitung-zum-rosenkranzbeten/

Fatima-Kritik des traditionsorientierten Theologen Prof. Dr. Wigand Siebel: http://www.monarchieliga.de/index.php?title=Fatima-Kritik_%28Siebel%29#Gebetssturm

Grundsätzliches zum Thema kirchlich approbierte („anerkannte“) Privatoffenbarungen HIER: https://charismatismus.wordpress.com/2013/10/29/was-bedeutet-die-kirchliche-approbation-einer-privatoffenbarung-genau/


Warum der kirchlich überlieferte Rosenkranz der beste ist

Visionäre Varianten verdrängen den klassischen Rosenkranz

HERR, leite mich auf dem altbewährten Weg!“ (Ps 139,24)

Von Stefan Vucina

Es gibt mittlerweile eine Menge verschiedener Rosenkränze im Angebot; etwa 50 sind mir der Benennung nach bekannt, andere auch inhaltlich.

Darunter findet sich eine ganze Reihe „geoffenbarter“ Rosenkränze (die also auf angebliche Visionen bzw. „Privatoffenbarungen“ zurückgehen), z.B. der „Tränenrosenkranz“, der „Endzeitrosenkranz“, der „Heilig-Geist-Rosenkranz“, der „Rosenkranz für die Armen Seelen“ oder der „Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit“. media-372515-2

Alle diese „visionär“ entstandenen Rosenkränze bergen gewisse Gefahren in sich, die man bei oberflächlicher, unreflektierter Betrachtung nicht unbedingt erkennt.

Ein Problem liegt zunächst darin, dass man den klassischen Rosenkranz mit seinen Christus-Geheimnissen (das Evangelium!) letztlich verdrängt, wenn man sich den Sonder-Rosenkränzen widmet, die diese wichtigen Geheimnisse nicht oder nur geringfügig enthalten.

Wenn man z.B. in einer Offenbarung an die hl. Schwester Faustina über den „Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit“ liest: „Bete unablässig den Rosenkranz, den ich dich gelehrt habe“, dann stellt sich die Frage, wann dann überhaupt noch der klassische Rosenkranz gebetet werden soll, der doch wegen seiner erhabenen Glaubensgeheimnisse (eine Art Kurzform des Evangeliums) weit höher steht  –  und wenn man laut anderen Privatoffenbarungen weitere visionär 3068entstandene Rosenkränze beten soll, etwa den „Rosenkranz für die Armen Seelen“.

„Jede Seele, die diesen Rosenkranz betet, verteidige ich in der Stunde des Todes wie meine Ehre“ (ebenfalls offenbart an Sr. Faustina)  –  oder den „Heilig-Geist-Rosenkranz“, welcher der Seherin Katharina Vogl von Maria verkündet worden sein soll:  „Ich bin die Braut des Heiligen Geistes. Rufe mich, sooft es dir möglich ist, im Heilig-Geist-Rosenkranz an.“

Wo also bleibt bei so vielen „visionären“ Rosenkränzen noch Zeit und Raum für den klassischen, kirchlichen Rosenkranz mit dem Evangelium von Jesus Christus?

Wenn man nämlich alle diese Sonder-Rosenkränze beten wollte – und laut dieser Privatoffenbarungen sollen sie alle gebetet werden  –  der „Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit“ sogar unablässig und der „Heilig-Geist-Rosenkranz“ sooft wie möglich etc., dann bleibt für den bewährten, jahrhundertealten Rosenkranz schlicht  keine Zeit  übrig.

Es liegt also auf der Hand, was mit der Flut der geoffenbarten Rosenkränze erzielt wird: Der kirchlich überlieferte Rosenkranz wird verdrängt    –  stattdessen wird man gelockt und gebunden mit Aussagen wie etwa den folgenden:

„Jede Seele, die dieses Rosenkranzgebet betet, verteidige ich in der Stunde des Todes wie meine Ehre. Auch wenn andere bei einem Sterbenden so beten, erhält er den gleichen Ablass.“

„Ich bin die Braut des Heiligen Geistes. Rufe mich sooft es dir möglich ist im Heilig-Geist-Rosenkranz an. Diese Bitten, die darin enthalten sind, werden auf meine Fürbitte hin von der heiligen Dreifaltigkeit ganz besonders erhört.“

„Wer auch immer ihn beten wird, erfährt in seiner Todesstunde meine große Barmherzigkeit.“

Solche Versprechen bzw. Verheißungen sollen den Katholiken an diese visionären Rosenkränze binden, wobei  der klassische Rosenkranz, den der Heilige Geist seiner Kirche geschenkt hat, mehr oder weniger vernachlässigt wird.

Teil II

Im ersten Teil war die Rede von den geoffenbarten Rosenkränzen, die auf Kosten des kirchlichen Rosenkranzes verbreitet werden. Hier im zweiten Teil geht es um ein sehr wichtiges Detail, das mehr Licht darauf wirft.

Der klassische Rosenkranz ist wegen seiner erhabenen Glaubensgeheimnisse christuszentriert. Diese Geheimnisse über die wichtigsten Lebensstationen Christi sowie über Christi Wirken über seinen Tod hinaus stehen im Mittelpunkt und ziehen den Blick des Betenden auf das Evangelium, das Wort Gottes, das beim Beten und Betrachten die Seele mit seiner Kraft und Weisheit nährt (Röm 1,16), denn lebendig ist es, „kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens“ (Hebr 4,12).

In den visionären Rosenkränzen nehmen dagegen spezielle Anliegen bzw. Bitten im wesentlichen den Platz des Evangeliums ein, so dass der Betende sich nicht mehr auf das Evangelium konzentriert,  sondern auf diese speziellen Anrufungen.

Hier geschieht letztlich etwas Unerhörtes:

Diese Bitten verdrängen oder ersetzen gar das Evangelium. Für einen gläubigen Christen ist das eine Sackgasse, ist doch das Evangelium Gottes Wort, „das Wort der Wahrheit“, des Heils (Eph. 1,13), des Friedens (Eph. 6,15), der göttlichen Herrlichkeit (1 Tim. 1,11), des Lebens (2 Tim. 1,10), das für das Seelenheil von so großer Bedeutung ist (Röm. 1,16). Deshalb hat Christus seinen Aposteln aufgetragen, der ganzen Menschheit das Evangelium zu verkünden:

„Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet.“ (Mk. 16,15)

Das Evangelium rettet uns, denn es ist Gottes Kraft, göttliches Leben, das von keinem Christen verdrängt werden darf,  weil es so erhaben ist, dass man sogar sein Leben dafür geben muss, wenn es darauf ankommt:

„Wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“ (Mk. 8,35)

Deshalb schreibt der hl. Paulus im Heiligen Geist an Timotheus: „Leide mit mir für das Evangelium.“ (2 Tim. 1,8)

Wenn also das Evangelium nach der Heiligen Schrift, dem größten göttlichen Offenbarungsbuch aller Zeiten, so groß ist und so viel höher steht als unser Leben, wie könnte es dann sein, dass Christus oder seine Mutter Maria in geoffenbarten Rosenkränzen das Evangelium durch spezielle Bitten ersetzen und so letztlich verdrängen?

Sagt uns doch der hl. Paulus, von Gott inspiriert:

„Halte Jesus Christus im Gedächtnis …, von den Toten auferstanden; so lautet mein Evangelium, für das ich zu leiden habe und sogar wie ein Verbrecher gefesselt bin; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt.“ (2 Tim. 2,8f.)

„Halte … im Gedächtnis“ heißt es, denke an das Evangelium – auch im Rosenkranzgebet!

Es darf auch aus dem Rosenkranz nicht verschwinden! Und wer es durch Bitten (welcher Art auch immer)  ersetzt, der bereitet dem Evangelium Christi ein Hindernis!

„Damit wir dem Evangelium Christi kein Hindernis bereiten“ (1 Kor. 9,12), sollen wir die Bitten, die meist in Form von Gesätzchen vorkommen, aus dem Rosenkranz verbannen bzw. uns eben an den überlieferten, klassischen Rosenkranz halten.

Wer also ist es, der hier durch Offenbarungen von Bitt-Rosenkränzen dem Evangelium Christi ein Hindernis bereitet? Ist es Christus selbst? Seine Mutter? Nach dem Urteil der Heiligen Schrift unmöglich! Deshalb hören wir auf die Warnung der Apostel:  „Seid nüchtern und wachsam!“ (2 Petr. 5,8)  –  „Liebe Brüder, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind“ (1 Joh. 4,1)  –  „Prüft alles und das Gute behaltet! Meidet das Böse in jeder Gestalt!“ (1 Thess. 5,21-22)

Deshalb: Jede „Erscheinung“, die auf welche Art und Weise auch immer das Evangelium verdrängt oder es zu verdrängen versucht, auch im Rosenkranz, ist ein Geist, der nicht aus Gott sein kann.

Das bestätigen nicht nur das fehlende Evangelium in den geoffenbarten Rosenkränzen und diese „Visionen“ solche, die zum beständigen Beten dieser Spezial-Rosenkränze auffordern, so dass für den echten Rosenkranz und sein Evangelium keine Zeit und kein Raum bleibt, sondern zudem meine eigenen Erfahrungen, die ich mit diesen „visonären“ Rosenkränzen gemacht habe: sie haben mich nicht nur vom Beten des kirchlichen Rosenkranzes abgehalten, sondern in mir kam auch ein schlechtes Gewissen auf, als ich sie dann doch nicht mehr beten wollte, weil mir der echte Rosenkranz fehlte.

Hinzu kam eine unterschwellige Angst, weil ich nun befürchtete, dass mir die entsprechenden Verheißungen nicht zuteil würden, die an diese geoffenbarten Rosenkränze gebunden sind. Mit Hilfe von Felizitas Küble bin ich  aus dieser Sackgasse herausgekommen!

In Anbetracht dieser Erfahrungen, die mich unter Druck setzten, und der Analysen, die ich gemacht habe, kann ich nur jedem raten, in aller Gelassenheit den kirchlichen Rosenkranz mit dem Evangelium zu beten und zu betrachten  –  und zwar so als ob es die geoffenbarten Rosenkränze gar nicht gäbe – denn was soll größer, stärker und mächtiger sein als Gottes Wort, das Evangelium von Jesus Christus?!

Lassen wir uns also nicht von irgendwelchen Privatoffenbarungen binden, gefangennehmen und in die Irre führen. Christus hat uns nämlich zur Freiheit der Kinder Gottes berufen  –  und nichts und niemand soll sie uns nehmen!

Teil III

Die Bitten, die in den geoffenbarten Rosenkränzen anstelle des Evangeliums im Mittelpunkt des Betrachtens stehen, können im echten Rosenkranz, den uns der Heilige Geist durch die Kirche geschenkt hat, ggf. vor dem jeweiligen Gesätz vorgetragen werden. Warum sollen sie nun ihren Platz im Gesätz haben  – also dort, wo sonst ein Glaubensgeheimnis aus dem Evangelium steht?

In diesem dritten Teil will ich an einigen Beispielen aufzeigen, dass die geoffenbarten Rosenkränze noch in einer anderen Hinsicht problematisch sein können, nämlich wenn sie durch die „Visionen“ mit Irrlehren bespickt sind; ob diese nun offensichtlich oder weniger offensichtlich sind.

So wird zB. im „Tränenrosenkranz“ hinsichtlich der Madonna zu Jesus gebetet:  „…die dich auf Erden am meisten geliebt und dich am innigsten liebt im Himmel“

Der zweite Teil des Gebets ist eine massive Irrlehre, die darauf abzielt, den Betenden zu dem Irrglauben zu führen, Mariens Liebe zu Christus sei inniger und damit größer und stärker als die des Vaters und des Heiligen Geistes.

Doch tatsächlich ist es so, dass im Himmel nicht etwa die Gottesmutter Jesus am innigsten liebt,  sondern der Vater und der Heilige Geist!

Durch diese Irrlehre, vermittelt durch einen Irrgeist, der sich als „Engel des Licht“ tarnte, wird Mariens Liebe über die Liebe Gottes gestellt  – und damit das Geschöpf über den Schöpfer!  – Eine Gotteslästerung, die von nicht wenigen Katholiken gebetet wird (bis vor kurzem auch von mir) und die vom Unterbewusstsein aufgenommen wird, auch dann, wenn sie einem nicht bewusst ist, was die Sache noch gefährlicher macht!

Als weiteres Beispiel nehme ich den „Heilig-Geist-Rosenkranz“ mit seinen fünf Bitt-Geheimnissen. Beim Lesen dieser Geheimnisse habe ich nicht nur den Eindruc, als wäre der Heilige Geist bloß eine unpersönliche Kraft, die Jesus Christus für uns erst erbitten und zum Wirken anregen müsse, sondern es wird durch den Gebetstext letztlich auch verhindert, dass man den Heiligen Geist, der die dritte göttliche Person ist, im Namen Jesu Christi selbst um seine Gnaden und sein Wirken bittet:

Erstes Anliegen-Geheimnis: Jesus, der unser Herz für die Gnadenfülle des Heiligen Geistes empfänglich machen wolle.

Zweites Anliegen-Geheimnis: Jesus, der uns den Heiligen Geist erbitten und in uns die drei göttlichen Tugenden vermehren und stärken wolle.

Drittes Anliegen-Geheimnis: Jesus, der uns durch den Heiligen Geist stärken, erleuchten, leiten, regieren, führen und heiligen wolle.

Viertes Anliegen-Geheimnis:  Jesus, der unser Herz, mit der Liebe des Heiligen Geistes entzünden und mit tiefster Demut, Sanftmut, Geduld, Ergebung, Hingabe, Kraft und Heiligkeit erfüllen wolle.

Fünftes Anliegen-Geheimnis:  Jesus, der uns die sieben Gaben und zwölf Früchte des Heiligen Geistes erflehen, alles Gute verleihen und alles Böse abhalten wolle.

Im zweiten Geheimnis wird indirekt gesagt, dass wir Katholiken den Heiligen Geist nicht hätten, also sollen wir darum bitten, dass Jesus ihn uns erbeten wolle. Die Lehre unserer Kirche lautet aber: Jeder empfängt den Heiligen Geist durch die Taufe!

Zudem werden in der fünften Heilig-Geist-Bitte die „Sieben Gaben“ des Heiligen Geistes erfleht, obwohl uns diese im Sakrament der Firmung verliehen werden.

Also Finger weg von geoffenbarten Rosenkränzen, die den überlieferten Rosenkranz verdrängen (der eine Kurzform des Evangeliums darstellt)   – und die mitunter sogar Irrlehren enthalten – unsere Seele soll aber auch beim Rosenkranzgebet von der Wahrheit, vom Wort Gottes genährt werden!

Also was bleibt uns nach all diesen Überlegungen?

Nicht mehr und nichts weniger als das, was uns der Heilige Geist über Jahrhunderte hinweg geschenkt hat: der klassische, der bewährte, der kirchlich verkündete Rosenkranz! So können wir mit dem von Gottes Geist inspirierten Psalmisten beten:

HERR, leite mich auf dem altbewährten Weg!“ (Ps 139,24)

ERGÄNZENDER HINWEIS auf einen ausgezeichneten Artikel der „Ankerperlenfrau“: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/falsche-anleitung-zum-rosenkranzbeten/