Enkopresis: Das Kleinkind im Spannungsfeld von Anpassung und Selbstbehauptung

Von Christa Meves

Aus meiner Praxiserfahrung als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin fällt mir eine Verhaltensstörung von Kleinkindern ein, die wenig respektierlich erscheint, weil sie sich auf die Ausscheidungsvorgänge bezieht. Es gibt z. B. bei ihnen eine Phase, in der die Pflegenden ein besonderes Interesse daran haben, dass Ordnung eingewöhnt wird, indem sie um die „Stubenreinheit“ des Kindes bemüht sind.

Russische Forscher haben allerdings festgestellt, dass das eigentlich nicht nötig sei: denn jedes gesunde Kind käme spätestens im 5. Lebensjahr auf die Idee, dass es allgemein die Stimmung verbessert, wenn man den Eigenabfall an einem dafür vorgesehenen Ort ablegt. Und dennoch kommt es bei diesen Bemühungen durch die verantwortlichen Erwachsenen heute gehäuft bei den Kindern zu Störungen, die umso drängender in Erscheinung treten, je mehr man ihnen eine vorrangige Beachtung zubilligt.

Das Kind kommt unverständlicherweise auf die Idee, den Stuhl – oft über lange Zeit – zurückzuhalten, wodurch es zunächst scheinbar zu Verstopfungen kommt. Aber dann – beim fortgesetzten Zurückhalten über Tage hinweg – bricht sich ein unaufhaltbarer Stuhldrang explosionsartig die Bahn und es kommt zum Einkoten. In der medizinischen Fachwelt bezeichnet man das als Enkopresis.

Begreiflicherweise löst diese Gegebenheit bei den Pflegenden Wut aus; denn Kinder, die sich so verhalten, haben die Gewöhnung an eine geregelte Abfall-Abgabe bereits gelernt gehabt und schon beherrscht. Wie verständlich ist es deshalb, dass die Erwachsenen diesen Vorgang nicht begreifen. Sie fassen ihn dann meistens als einen unverschämten Ungehorsam auf.

Nicht wenige der Pflegenden beantworten dann das stinkende Desaster mit Schimpfen und Schlagen. Andere versuchen, durch Befragen des Kindes die Ursache herauszufinden, wodurch dieses geradezu verzweifelt wird – denn schließlich kennt es in diesem Alter die Ursachen der Störung ebenso wenig wie die Erwachsenen. Das Befragen des Kleinkindes danach bleibt ergebnislos, ja, es ist sogar absolut kontraproduktiv und schreibt das Fehlverhalten dadurch geradezu fest.

Um der Schwierigkeit an den Kragen zu gehen, muss der Erwachsene das Kind besser verstehen als es sich selbst mit seinem noch nicht voll ausgebildeten Verstand. Was also treibt das Kind mit solcher Energie dazu, einen natürlichen Vorgang zu verhindern? Böse Feindschaft gegen Mama, frecher Ungehorsam, Ausdruck des Sündenfalls trotz Taufe? Es ist gefährlich, das zu unterstellen; denn es wird der wachsenden Not des Kindes nicht gerecht.

Entwicklungspsychologische Erwägungen führen hier eher zum Ziel: In diesem Alter steht es an, das eigene Ich zu konstituieren, um sich später in den Stürmen des Lebens besser behaupten zu können.

Das ist ein Wachstumsgebot aus Gottes Schöpfungsordnung! Es gibt nun aber – oft tragischerweise gerade bei intensiv bemühten Pflegenden – die Tendenz, das Verhalten des Kindes auf Schritt und Tritt steuern zu wollen. Dadurch können sich in diesem Alter für einige Kinder die Chancen mindern, den natürlichen Entwicklungsschritt zur Selbstbehauptung und damit die Entfaltung seiner Eigenständigkeit hinreichend einzuüben.

Solche Kinder haben aber meistens bereits im Säuglingsalter eine Bindung an die Hauptbezugsperson entwickelt. Durch allzu vieles überreichliches Fordern und Lenken der Erwachsenen gerät nun das Kind in einen Konflikt; denn es möchte einerseits lieb sein, aber andererseits selbstständig werden, und zwar mit einem innerseelischen Bedürfnis danach. Es ist in diesem Alter also ein Zeitfenster vorhanden, sich in Selbstbehauptung einzuüben.

Wenn aber das individuelle Lebensgesetz des Kindes zur Selbstbehauptung in ihm fortgesetzt behindert wird, sucht es unbewusst eine Lösung des Konflikts und findet sie in der Verweigerung der Stuhlentleerung. Äußerlich scheint es, als wenn das Kind lediglich von einem dummen, egoistischen Trotz beherrscht wird. In früheren Zeiten meinte man dann sogar, den „bösen“ Willen des Kindes mit langem Topfsitzen oder mit Schlägen brechen zu müssen, handelt sich aber eher eine Verschiebung auf andere Störfelder ein.

Um dem Kind helfen zu können, bedarf es also zunächst einmal des Wissens um die in diesem Alter vor sich gehenden Entfaltungsvorgänge der Seele und des kleinen Leibes. Das Kind hat sein Sein zu festigen, es strebt z. B. nach Eigenbesitz und es ist in diesem Alter wichtig, dass es – in Grenzen – seinen eigenen Willen erproben und einüben darf, am besten an langer Leine in harmonischem Umfeld. Je nach Anlage der verschiedensten Eigenschaften bekommt das Kind in diesem Alter den Impuls zu eigenem Handeln. Und das geschieht vorrangig beim Spielen mit vielen oft originellen Einfällen.

Das heißt in dieser Phase für die Erziehenden, sich in das Kind einzufühlen, die vitalen Hintergründe zu erlauschen, um ihm dadurch angemessen gerecht werden zu können. Das ist besser als barsches Anordnen und Befehlen!

Ein Enkopresis-Kind sollte die Vorgänge um den Toilettengang in die eigene Regie nehmen dürfen und es sollte ihm lobend über den Kopf gestrichen werden, wenn es damit von sich aus Erfolg hat. Und man sollte sorgfältig darauf achten, dass es weder in der Anerkennung noch in kleinen Besitztümern hinter seinen Geschwistern zurücksteht. Je mehr ein Erzieher das Aufblühen von Seele und Leib seines Kindes als Erziehungsziel im Auge hat, umso geduldiger wird er sein, um dieses Ziel zu erreichen.

Es ist für den Erziehenden eher besser, abzuwarten und zu beobachten, als zu kommandieren. Das ist erfolgreicher, als zu versuchen, das Kind wie Spalierobst im eigenen Garten aufzuziehen. Gewiss heißt das auch, dass das Kind lernen muss, sich in die Umstände seines Umfeldes einzupassen.

Aber die Enkopresis ist ein Zeichen dafür, dass wir als Erziehende uns nicht selbst als Alleinherrscher im Kinderzimmer verstehen sollten, sondern dass auch wir zu erfragen haben, was das richtige Maß und die richtige Einstellung in unserem Bemühen um das Kind ist. Vor zweitausend Jahren schon hat der HERR uns zugerufen: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht“ (Mt. 19, 14).

Vorschläge zur Stärkung der Eigenständigkeit des Kindes finden Sie in meinem Taschenbuch (siehe Foto): „Problemkinder brauchen Hilfe“, S. 22, 11. Aufl. 2015, Christiana Verlag im Fe-Medienverlag, Kisslegg.


Sievernicher Wunderkreis: Vom Rosenduft und dem „Jesulein“ in der Hostie

Von Felizitas Küble

Um die Jahrtausendwende und noch ein paar weitere Jahre erregten die Erscheinungen von Sievernich bei Düren in frommen Kreisen viel Aufsehen, es wurden Bücher und Broschüren über die „Botschaften“ der angeblichen Himmelsmutter veröffentlicht. Der kleine Ort im Bistum Aachen wurde zum „magischen“ Anziehungspunkt von Gläubigen, Leichtgläubigen und Abergläubischen.

Die junge Seherin und Ehefrau Manuela Strack erklärte damals, die Madonna habe sich ihr als „Maria, die Makellose“ bezeugt. Pünktlich erschien sie in Sievernich stets am ersten Montag im Monat und gab „große Botschaften“ zum Besten, die allerdings im Jahre 2002 aufhörten.

BILD: Eines der vielen Sievernicher Empfehlungsbücher

Dennoch gingen die Erscheinungen bis Anfang 2005 weiter, wenngleich nur noch mit „kleine Botschaften“ für Manuela Strack und ihren Umkreis. Das genügte freilich, um die „Blaue Gebetsoase“ der Visionärin weiter am Leben zu erhalten.

Interessanterweise wurde die Erscheinungs-Maria mehrfach durch den Erzengel Gabriel vertreten:
Das wurde „notwendig“, weil die Gottesmutter damit beschäftigt war, ihre Seherin auf Reisen zu begleiten, z.B. nach Rom, wo Manuela angeblich Papst Johannes Paul II. in einer Audienz in „versiegelter“ Form ihre „drei Schlüsselgeheimnisse“ überreichte. (Der Nachahmungs-Trick mit den „drei Geheimnissen von Fatima“ ist unverkennbar.) Diese Privatwallfahrt nach Rom wurde als „Auftrag der Himmelskönigin“ (miß)verstanden und die ganze Sache mächtig aufgebauscht.

Zeitweise ist Ortspfarrer Heribert Kleemann der Beichtvater Manuelas gewesen; er war der Seherin anfangs gewogen, später wurde er kritischer und starb tragischerweise durch einen Unfalltod.
Auch Dr. Johannes Bündgens  – der spätere Weihbischof von Aachen  – war als Seelenführer der Seherin eingesetzt.
Dieser hohe Geistliche ist derzeit mit massiven Finanzvorwürfen konfrontiert, die aber nicht Gegenstand dieses Artikels sind (siehe hier: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/aachener-weihbischof-buendgens-muss-vor-gericht/).

Hier geht es vielmehr darum, den speziellen „Wundern“ von Sievernich näher auf den Zahn zu fühlen.

Dabei fällt auf, daß in den Jubelberichten der Fangemeinde über die wundersamen Geschehnisse dort in der Pfarrkirche vor allem zwei Phänomene besonders hervorstechen: Ein besonderer „Rosenduft“ und das kleine „Christkind“ in der hl. Hostie oder direkt davor.

Wir finden die „Zeugnisse“ daüber dutzendfach auf dieser Seite: https://maria-die-makellose.de/zeugnisse.html

ROSENDUFT:

Ein „besonderer Duft“  – meist wird er als Rosenduft beschrieben – spielt häufig im Umfeld von fragwürdigen Vorkommnissen eine große Rolle, z.B. bei den – kirchlich nicht anerkannten – Erscheinungen von Heroldsbach, Schio, von Medjugorje und vor allem von Montichiari (Rosa Mystica).

Auch unter den Sievernich-Anhängern, die hier ihr „Zeugnis“ von Sonderlerebnissen geben, befinden sich Fans von Heroldsbach, Schio und Medjugorje. Damit schließt sich wieder einmal der Wunderkreis.

Anscheinend stellt sich keiner dieser Duftnoten-Verkünder die naheliegende Frage, welchen theologischen SINN denn ein solches Phänomen haben könnte. Oder hat der Allmächtige es etwa nötig, mit einer „Duftnote“ auf sich aufmerksam zu machen? Spielt er auf dem Klavier der „Sinnlichkeit“? Warum gibt es den „Rosenduft“ kein einziges Mal als Wunderzeichen in der Heiligen Schrift?

JESUSKIND in der HOSTIE:

Bei den „Zeugnissen“ der Sievernich-Bewegten geht es allerdings meist um die Wahrnehmung eines Kleinkindes (oft einige Monate bis 1 Jahr alt), das sich in oder vor der Hostie im Tabernakel befindet und von vielen Betenden wahrgenommen wird – interessanterweise aber nicht von allen. Spielt also die Erwartungshaltung der jeweiligen Personen eine Rolle? Die (Sehn-)Sucht nach etwas Außergewöhnlichem? Ein schwacher Glaube, der nach „Zeichen“ sucht?

Wie dem auch sei, eines steht fest:

Christus ist nicht als Säugling im Altarsakrament zugegen, sondern so, wie er im Himmel lebt und wirkt – folglich als der Gekreuzigte und Auferstandene, als Gottmensch in seiner verklärten Leiblichkeit und Herrlichkeit. So lehrt  und verkündet es seit jeher die Kirche.

Weder „Seherin“ Manuela – die ebenfalls von diesen Jesuskind-Visionen in der Hostie berichtet – noch die anderen Schaulustigen machen sich klar, wie theologisch sinnlos, ja sinnwidrig ihre diesbezüglichen Erlebnisse sind, mögen sie davon auch noch so sehr entzückt sein.

Wenn Christus, der Erlöser und HERR aller Zeiten, als Kleinkind buchstäblich verniedlicht wird, ist dies im Zusammenhang mit seiner Realpräsenz im Altarsakrament eine religiöse Irreführung im „Gewand“ eines frommen Kitsches.

HIER unser ausführlicher Artikel über die Vorgänge von Sievernich aus dem Jahr 2013: https://charismatismus.wordpress.com/2013/07/20/gab-es-in-sievernich-botschaften-des-himmels-an-die-seherin-manuela/

 


Hamburg: Auf Bahnsteig Messerattacke gegen Ex-Frau und Kleinkind – beide sind tot

Die POLIZEI HAMBURG hat heute folgende Meldungen mit ihren jeweiligen Aktualisierungen veröffentlicht:

Heute Vormittag hat ein Mann im Bereich des U-Bahnhofs Jungfernstieg eine Frau und ein Kind mit einem Messer verletzt.

Nach derzeitigen Erkenntnissen griff der Ex-Mann die Frau und das gemeinsame Kind mit einem Messer an. Das Kind verstarb aufgrund der erlittenen Verletzungen. Die Mutter wurde schwer verletzt. Der Täter wurde festgenommen.

BILD: Tatort des Verbrechens ist der Bahnsteig Jungfernstieg (Foto: Polizei Hamburg)

Die Mordkommission (LKA 41) und die Staatsanwaltschaft Hamburg werden die weiteren Ermittlungen übernehmen und sind derzeit auf dem Weg zum Tatort.

2. Teil:

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 33-Jährigen aus Niger. Der Mann hat nach der Tat selbst den Notruf gewählt. Er wurde von den alarmierten Kräften des Polizeikommissariats 14 auf dem Jungenfernstieg vor einem Geldinstitut vorläufig festgenommen.

Die Geschädigte wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus transportiert. Dort erlag sie ihren Verletzungen.

3. Teil:

Nach derzeitigen Erkenntnissen handelt es sich bei den Getöteten um eine 34-jährige Deutsche und deren 1-jährige Tochter. Die Tat ereignete sich auf dem Bahnsteig der S-Bahn.

4. Teil (Foto-Veröffentlichung des Tatorts)  –  5. Teil:

Die Tatwaffe konnte auf dem Fluchtweg des Täters, in einem Mülleimer im Bahnhof Jungfernstieg, aufgefunden und sichergestellt werden.

Entgegen der ersten Erkenntnisse wurde der Tatverdächtige nicht am Jungfernstieg, sondern in der Mönckebergstraße von Polizeibeamten angetroffen und vorläufig festgenommen.

Der Tatverdächtige wird nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen der Untersuchungshaftanstalt überstellt und am 13.4.2018 einem Haftrichter vorgeführt.

Quelle (Text/Foto): https://www.presseportal.de/blaulicht/nr/6337