Schweizer Weihbischof Eleganti beklagt Tabu um kirchl. Homosexuellen-Problematik

Amtliche Erklärung von Weihbischof Marian Eleganti, Bistum Chur:

Der John Jay Report von 2010 zum sexuellen Missbrauch in der Kirche in den USA zeigt: in einem Zeitraum von 60 Jahren waren 81% aller Opfer männlich. Folglich handelt es sich bei der weit überwiegenden Mehrheit der Täter um Homosexuelle.

Der Final Report der Royal Commission in Australien von 2017 kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

Dies sind Fakten, die öffentlich nicht ausgesprochen werden dürfen, ein Tabu, dem sich viele Verantwortliche in der Kirche beugen und den Klerikalismus als Wurzel des Phänomens ins Feld führen.

Niemand leugnet, dass Klerikalismus eine Rolle spielt, trotzdem geht es in der Kirche erwiesenermassen vorwiegend um homosexuelle Täter.

Das Verschweigen dieser Tatsache ist eine weitere Form der Vertuschung, die leider auch Kirchenverantwortliche in der Schweiz betreiben. Wer immer diese Tatsache öffentlich ausspricht, wird diffamiert und als homophob psychopathologisiert.

In einem 2016 publizierten Dokument hält Papst Franziskus daran fest, keine Männer, die Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder die sog. „homosexuelle Kultur“ unterstützen, in Priesterseminare aufzunehmen. Diese Weisung wurde bereits unter Papst Benedikt im Jahr 2005 festgeschrieben.

Ich erwarte, dass die Verantwortlichen in der Kirche sich an diese Weisung halten und entsprechende Massnahmen treffen. Dazu gehört das öffentliche Eingeständnis, dass wir es im Klerus der Kirche seit Jahrzehnten mehrheitlich mit homosexuellen Straftätern zu tun haben.

Bei allem Respekt gegenüber homosexuell veranlagten Menschen, die keine sexuellen Übergriffe begehen, hilft es nicht weiter, bei der Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe die Augen vor den Fakten zu verschliessen.

Ohne volle Transparenz und Wahrhaftigkeit gibt es weder gläubwürdige Aufklärung noch wirksame Prävention.

Chur, 5. September 2018
+ Marian Eleganti
Weihbischof von Chur

Quellen-Anmerkungen:
John Jay Report (vgl. S. 9-11)
http://www.usccb.org/issues-and-action/child-and-youth-protection/upload/The-Causes-and-Context-of-Sexual-Abuse-of-Minors-by-Catholic-Priests-in-the-United-States-1950-2010.pdf

Final Report Royal Commission (vgl. S. 47 & 60)
https://www.childabuseroyalcommission.gov.au/sites/default/files/final_report_-_preface_and_executive_summary.pdf

Dokument von Papst Franziskus zur Priesterausbildung (PDF, vgl. Nr. 199)

Quelle: http://www.bistum-chur.ch/aktuelles/weihbischof-marian-eleganti-homosexuellen-tabu-ist-teil-der-vertuschung/

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Papst Franziskus warnt Bischöfe vor „Weltlichkeit im Geist“ und vor „geziertem Klerikalismus“

„Gott bewahre uns vor einem Dasein als alte klerikale Junggesellen“

Eine Kirche, die nicht aus sich selbst herausgeht, erkrankt in der stickigen Luft ihrer Enge. Das gab Papst Franziskus den argentinischen Bischöfen zu ihrer Vollversammlung mit auf den Weg. In einem Brief vom 25. März, der am vergangenen Mittwoch bekannt wurde, rät der Pontifex seinen Mitbrüdern, jede seelsorgerliche Arbeit im Licht der Mission zu sehen. 1_0_684039

Uudem entschuldigte sich das kürzlich gewählte Oberhaupt der katholischen Weltkirche bei den argentinischen Bischöfen mit einer Prise Selbstironie: Er könne „wegen kürzlich eingegangener Verpflichtungen“ leider nicht an ihrer Vollversammlung teilnehmen…

Die typische Erkrankung einer in sich selbst verschlossenen Kirche sei, so der Papst, eine unbewegliche, unmissionarische Selbstbezogenheit, welche die Bischöfe „zur Weltlichkeit im Geist und zu einem gezierten Klerikalismus“ führe und sie sodann daran hindere, „die liebliche und tröstliche Freude des Evangelisierens“ zu erfahren.

„Ich wünsche Ihnen allen diese Freude“, fuhr Franziskus fort, „die uns vor Groll, vor Traurigkeit und einem Dasein als alte klerikale Junggesellen bewahrt. Diese Freude hilft uns, jeden Tag fruchtbarer zu sein und uns im Dienst am heiligen Volk Gottes zu verausgaben und abzunutzen; diese Freude wächst immer mehr in dem Maß, in dem wir ernst machen mit der pastoralen Bekehrung, die uns die Kirche abverlangt

Der HERR  befreie uns davon, unser Bischofsamt zu beschönigen mit dem Flitter der Weltlichkeit, des Geldes und eines wohlfeilen Klerikalismus…

Ich bitte Sie, für mich zu beten, damit ich zu hören verstehe, was Gott will  –  und nicht, was ich selbst will.“

Quelle (Text/Foto): Radio Vatikan