Erdogans Bedauern zum türkischen Völkermord an Armeniern genügt nicht

Zum 99. Jahrestag des türkischen Massenmords an den Armeniern hat Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erstmals sein Bedauern zu diesem Genozid in der Endphase des Osmanischen Reiches ausgesprochen.

Dazu erklärt die menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach (siehe Foto): 

E. Steinbach

E. Steinbach

„Der türkische Regierungschef Erdogan hat in seiner Erklärung die Tragödie von 1915 weiterhin nicht als Völkermord bezeichnet. Seine Geste ist vor allem dem internationalen Druck geschuldet. Mit Blick auf den 100. Jahrestag der Ereignisse im nächsten Jahr müssen weitere konkrete Schritte folgen.

Dass Erdogan das Schicksal der Armenier in den geschichtlichen Zusammenhang mit dem Leid stellt, das viele Volksgruppen beim Zusammenbruch des Osmanischen Reiches erdulden mussten, hat seine Aussagen stark relativiert.

Die Gewalt richtete sich damals gegen alle autochthonen christlichen Gemeinden des Landes. Neben den Armeniern waren auch die aramäischen Christen betroffen. Das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel ist bis heute ein Symbol für den Kampf der religiösen Minderheiten um eine Zukunft in ihrer Heimat, der noch immer nicht abgeschlossen ist.

Es genügt nicht, einer Historikerkommission die Verantwortung für die Aufarbeitung der Verbrechen zuzuweisen. Es bleibt unabdingbar, die Ereignisse von 1915 klar als Völkermord zu benennen und damit die Grundlage für eine wirkliche Aufarbeitung dieses Kapitels der türkischen Geschichte zu legen. Dieser Prozess wird erst dann wirklich zu einem Ende kommen können, wenn die heutige Türkei das Menschenrecht auf Religionsfreiheit uneingeschränkt umsetzt.

Solange aber türkische Schulbücher den Völkermord an den Armeniern so verzerrt darstellen und ein türkischer Generalkonsul in Deutschland wie gerade in Konstanz wegen der Aufführung eines Theaterstücks über die Tötung von Armeniern im Osmanischen Reich interveniert, sind die neuen Töne Erdogans nicht glaubwürdig.“

Hintergrund:

Am 24. April 1915 begann die Vertreibung der Armenier im Osmanischen Reich, dem Vorgänger der heutigen türkischen Republik. Bei Massakern und Todesmärschen starben bis zu eineinhalb Millionen Menschen.  Armenien, mehr als 20 andere Länder und zahlreiche Historiker stufen die Vorgänge als Völkermord ein. Die Türkei lehnt diese Einschätzung dagegen bislang entschieden ab.


Aramäer wollen Rückgabe des Klosters Mor Gabriel und Minderheitenrechte in der Türkei

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland hat den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgefordert, enteigneten Grundbesitz an das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel im Tur Abdin im Südosten des Landes zurückzugeben.

Anlaß ist ein Besuch Erdogans in Berlin. In der Türkei finden im März Kommunalwahlen statt. Auch 1,5 Millionen in Deutschland lebende Türken sind wahlberechtigt. IMG_4794

Im September 2013 hatte Erdogan in Aussicht gestellt, die Enteignung zurückzunehmen. Er wolle „ein Unrecht beseitigen“. 2011 hatte ein Gerichtshof in Ankara dem Staat große Teile des klösterlichen Grundbesitzes übertragen.

Mor Gabriel ist das wichtigste syrisch-orthodoxe Kloster in der Türkei. In dem Gebiet leben noch etwa 3000 Aramäisch sprechende syrisch-orthodoxe Christen.

Erdogan hat Ankündigungen nicht umgesetzt

Wie der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, erklärte, hat Erdogan auf seine Ankündigung vom September bisher keine Taten folgen lassen: „Die Klosterleitung und die aramäische Gemeinschaft weltweit warten weiter auf die Umsetzung.“

Man fordere die Rückgabe sämtlicher enteigneter Klosterländereien. Die Aramäer seien in der Türkei nicht als Minderheit anerkannt und könnten auch „das elementare Menschenrecht der Religionsfreiheit“ nicht ausüben.

Demir rief Erdogan zu einer neuen, glaubwürdigen Minderheitenpolitik auf. Nötig sei „eine neue Verfassung, in der auch die offizielle Anerkennung der Aramäer als Minderheit verankert ist“.

Das Kloster Mor Gabriel wurde im Jahr 397 gegründet und ist eines der ältesten Klöster der Christenheit. Aus dem Tur Abdin sind in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 300.000 syrisch-orthodoxe Christen nach Europa geflohen, um Verfolgung und Ermordung durch Türken und Kurden zu entgehen. 

Quelle: http://www.idea.de


Türkei: Der Existenzkampf des Klosters Mor Gabriel spitzt sich zu

Das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel hat seinen jahrelangen Rechtsstreit gegen das Schatzamt der Türkei verloren. Damit verliert das Kloster Besitzrechte an rund 28 Hektar Land. Dies bestätigt der Anwalt des Klosters, Herr Rudi Sümer.

Dazu erklärt die Menschenrechtsbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach, die zugleich Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) ist, in einer heutigen Pressemeldung:

„Die Niederlage für das Kloster Mor Gabriel vor dem Berufungsgerichtshof in Ankara ist nicht nur ein Rückschlag für das Kloster, sondern für die gesamte syrisch-orthodoxe Gemeinschaft in der Türkei.

Der Kampf des Klosters gegen seinen Untergang spitzt sich damit deutlich zu. Besonders bizarr ist, daß Steuerbelege, die in erster Instanz vor Gericht noch zu Gunsten des Klosters berücksichtigt wurden, vor dem Berufungsgerichtshof in Ankara keine Berücksichtigung fanden.

Es fragt sich, ob dieses Urteil nicht politisch motiviert sein könnte und sich bewußt gegen die christliche Minderheit in der Türkei richtet. Daher sollte das Kloster nach Auswertung der schriftlichen Urteilsbegründung vor das türkische Verfassungsgericht oder vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg ziehen.“