Historiker Karlheinz Weißmann sprach beim AfD-Neujahrsempfang in Düsseldorf

Von Felizitas Küble

Wie bereits im CHRISTLICHEN FORUM berichtet, hat die AfD-Fraktion in Nordrhein-Westfalen am 11. Januar 2019 ihren Neujahrsempfang im Düsseldorfer Landtag veranstaltet. 

Die Hauptrede auf dieser gut besuchten Versammlung hielt der evangelische Theologe, Philosoph und Historiker Dr. Karlheinz Weißmann (siehe Fotos).

Der konservative Buchautor sprach bereits vorigen April bei der AfD in Münster über das Thema 68er-Bewegung und ihre Folgen: https://charismatismus.wordpress.com/2018/04/26/dr-weissmann-ueber-den-kulturbruch-der-68er-revolte-und-die-fatalen-folgen/

Dr. Weißmann begann seinen Vortrag mit dem Hinweis auf Janus, jene doppeldeutige Gestalt aus dem antiken römischen „Götterhimmel“ mit zwei Gesichtern, wobei eines die Vergangenheit und das andere die Gegenwart symbolisierte, Krieg ebenso wie Frieden anzeigte und insgesamt als der „Gott des Ursprungs“ angesehen wurde.

Weil dies zum ersten Monat im Jahr paßt, in welchem die Menschen sowohl „rückwärts wie vorwärts“ blicken, von Hoffnungen ebenso wie von Ängsten geprägt sind, nannten sie ihn „Januar“.

Der Untergang Roms und unsere Zeit

Der Geschichtsphilosoph übertrug dieses Sinnbild in unsere Zeit und erinnerte daran, daß es nach dem Mauerfall so schien, als sei unser Land nun gleichsam „von Freunden umzingelt“, alles in Butter und die Zukunft ebenso friedlich wie verheißungsvoll. 

Diese Phase sei inzwischen – auch durch massive Fehlleistungen seitens der Politik  – einer viel größeren Besorgnis gewichen, erläuterte Dr. Weißmann. Nicht wenige Zeitgenossen würden unsere Zeit inzwischen mit dem Niedergang Roms vergleichen, denn manche Kennzeichen der Dekadenz träfen auch auf die heutige Lage zu.

Damals hätten die „Barbaren vor den Toren Roms“ gestanden  – und derzeit könne man sich fragen, ob sie die Tore nicht schon durchschritten hätten.

Sodann befaßte sich der Historiker mit dem  – wie er es nannte – „geradezu kometenhaften Aufstieg“ der AfD, wodurch die Parteienlandschaft in nur zwei Jahren wesentlich verändert worden sei.

Der schnelle Erfolg der Grünen Anfang der 80er Jahre sei zum Teil auch der Tatsache zu verdanken gewesen, daß die Medien diese neue Partei „hochgeschrieben“ hätten, während hinsichtlich der AfD das genaue Gegenteil der Fall sei.

Alle anderen Partei-Versuche „rechts von der Mitte“ seien daran gescheitert, teils auch an internen Querelen. Zudem habe es teils „Generäle ohne Soldaten“ (Elitepartei) oder „Soldaten ohne Generäle“ (fehlende kompetente Führung) gegeben. 

Die AfD verfüge über beides – zudem habe sie ihre Krisen, Abspaltungen und Personalstreitigkeiten überstanden und sei nicht daran zerbrochen.

Das Thema Masseneinwanderung sei nicht neu, sondern seit dreißig Jahren intensiv auf der Tagesordnung, ebenso die wachsende Bedrohung durch den politischen Islam. Allerdings seien diese drängenden Fragen zuvor von keiner konservativen Partei kraftvoll gebündelt worden.

Politische Wende durch die Grenzöffnung 2015

Der AfD seien die Probleme der Grenzöffnung 2015 zugute gekommen und sie habe die Gelegenheit gut genutzt, um den wachsenden Unmut im Volke aufzufangen und ihm eine deutlich vernehmbare Stimme zu geben. Viele Menschen seien fassungslos gewesen und hätten sich angesichts der unkontrollierten Massenmigration wie ohnmächtig gefühlt, zumal Kanzlerin Merkel einfach lakonisch erklärte: „Nun sind sie halt da.“

Doch die anderen Parteien wollen sich, so Weißmann, nicht von den „Futterkrippen der Macht“ verdrängen lassen, daher die scharfen Attacken gegen die AfD.

Er habe mit einem solch wirksamen Aufstieg einer konservativen Partei nicht gerechnet, auch eingedenk der Erfahrung, wonach die Bürgerlichen „im Zweifel feige“ seien. Gleichwohl habe er sich jahrzehntelang publizistisch für eine seriöse konservative Partei rechts der Mitte eingesetzt. Die AfD sei für ihn gleichsam „eine Antwort auf meine Gebete“ (starker Beifall der Anwesenden).

Die AfD sei aber kein Selbstläufer, sondern müsse fundierte Leistungen vorweisen; sie dürfen nicht resignieren gegen einen übermächtig erscheinenden Gegner in Politik und Medien.

„Es läuft grundsätzlich etwas schief“

In diesem Land laufe „grundsätzlich etwas schief“, betonte Dr. Weißmann. Als Beispiel erwähnte er, daß die Töpfe der EU gefüllt würden, aber zugleich die deutsche Infrastruktur vernachlässigt werde. Zudem habe man bei der vielgepriesenen „kulturellen Bereicherung“ durch Migration übersehen, daß damit auch „religiöser Extremismus“ importiert worden sei.

Das Verhältnis zur eigenen Nation sei gestört; man lasse den „elementaren Zusammenhalt verkommen“, beklagte der Redner. Seit 1968 werde der Patriotismus diffamiert und eine  volksverbundene Haltung als „Populismus“ abgetan, dabei gehöre ein recht verstandener Populismus wesentlich zur Demokratie als einer Volksherrschaft.

BILD: Eines der zahlreichen Sachbücher von Dr. Weißmann: „Kulturbruch 68“

Europaweit gäbe es immer mehr „populistische“ Kräfte, die eine festgefahrene Parteienlandschaft in Bewegung bringen.

Der Historiker schilderte seine Begegnungen in Dänemark mit Vertretern patriotischer Bewegungen und konservativen lutherischen Pastor/innen, die ein positives Verhältnis zu ihrem Land pflegen – aber auch mit Wertschätzung auf Deutschland schauen, die deutsche Kultur und Literatur wertschätzen. Viele junge Dänen studieren in Deutschland. Man hoffe auf eine patriotische Veränderung in Europa, zugleich höre er immer wieder die Aufforderung: „Deutschland muß vorangehen!“

Allerdings sei der Populismus  – das Aufgreifen von Volksstimmungen – nur ein erster Schritt. Es sei eine bleibende Herausforderung für die AfD, so der Historiker, sich gründlich zu fundieren und zugleich ein breites Meinungsspektrum abzubilden. Der Partei müsse es gelingen, weiterhin die verschiedenen Flügel zu integrieren. Außerdem sei es wichtig, weder die parlamentarische Sacharbeit noch den Aktionismus an der Basis zu vernachlässigen.

Klugheit ist die „vornehmste politische Tugend“

Klugheit, so mahnte er die Versammelten, sei die „vornehmste politische Tugend“. Daher sollten interne Streitigkeiten und Personalquerelen nicht an die große Glocke gehängt werden. Nur so sei es möglich, die AfD „in der Mitte der Gesellschaft zu verankern“.

Angesichts des massiven Gegenwinds solle niemand vorschnell resignieren. Manchmal drehe sich der Wind des Zeitgeistes ganz überraschend. Er erinnerte an das alte Wort, wonach die „Dämonen von gestern die Götter von morgen“ sein könnten.

Als nüchterner Konservativer beschränke er sich auf einen „vorsichtigen Optimismus“. Ein dauerhafter Sieg sei keineswegs unausweichlich, sondern müsse hart erarbeitet werden.

Dr. Weißmann erinnerte an den deutsch-jüdischen Politiker Walter Rathenau, der nach dem Versailler Vertrag einen „flammenden Appell“ für den Zusammenhalt der Deutschen veröffentlicht habe. Seinem Schlußwort wolle er sich anschließen: „Sursum corda – Hoch die Herzen!“

Abschließend scherzte der Redner: „Das Büffet ist eröffnet – trinken Sie mindestens ein Glas auf das Wohl unseres Vaterlandes!“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 

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Interview mit dem Philosophen Dr. Robert Rolle über Thomas von Aquin

Der heilige Thomas von Aquin gilt als großer Kirchenlehrer. Wer war dieser Mann, was insbesondere kennzeichnet seine wissenschaftliche Methodik?

Dr. Robert Rolle (siehe Foto): rolle-robert-2Thomas ist sicherlich die zentrale Figur der mittelalterlichen Theologie und Philosophie. Sehr abstrakt könnte man sagen, im Werk des hl. Thomas haben sich für einen kurzen Moment diverse Gegensätze zu einer großen Synthese vereint, die sowohl vor Thomas wie auch nach ihm wieder in unterschiedliche und oft gegenläufige Richtungen liefen.

In seinem Hauptwerk, der „Summe der Theologie“, gelingt ihm die Synthese einerseits von widerstreitenden philosophischen Denkrichtungen, vor allem aber von Glaube und Vernunft. Zu Thomas‘ Zeit galten diese beiden Pole oft als unvereinbare Gegensätze.

Thomas verbindet den Offenbarungsglauben der Heiligen Schrift mit den Lehren des Aristoteles. Aristoteles galt damals als die uneingeschränkte Autorität in philosophischen Fragen – wir würden heute im weitesten Sinn von wissenschaftlichen Fragen sprechen. Dieses Spannungsfeld zwischen Offenbarungsglauben und wissenschaftlicher Erkenntnis beschäftigt uns ja auch heute noch vielfältig.

Zu Thomas‘ Methode lässt sich sagen: Man bezeichnet das Mittelalter auch als Scholastik – wobei der Begriff „Scholastik“ nun aber eine Methode der theologisch-philosophischen Auseinandersetzung mit einem Thema oder einer bestehenden Lehrmeinung bezeichnet. Bei der scholastischen Methode gliedert sich eine Abhandlung in einzelne Artikel oder Fragen (Questiones), wobei der  Autor zunächst die These nennt, Argumente dafür und dagegen aufführt und darauf jeweils eigene Antworten formuliert. Und Thomas gilt als der unbestrittene Meister dieser Methode.

Ein Merkmal der thomistischen Werke, welches für sich selbst spricht: Wenn Thomas theologische oder philosophische Argumente seiner „Gegner“ erörtert, so führt er gerade nicht deren schwächste Argumente an, um sie zu widerlegen – wie dies damals üblich war und uns auch heute noch nicht fremd ist. Nein, Thomas wählt als Ausgangspunkt der Diskussion stets die stärksten Argumente seines Widersachers, welche er dann erörtert.

Nach über 800 Jahren wird Thomas immer noch verehrt. Speziell seine Morallehre hat die christliche Lehre stark geprägt – was sind die Grundzüge der thomistischen Ethik, was unterscheidet seine Sicht von anderen?

Dr. Robert Rolle: Von Moral, Sitte oder Tugend ist heute wenig zu lesen und zu hören. Fast scheint es, als meiden Autoren diese Begriffe. Zu intim und anmaßend erscheint der Gebrauch. Wir rechnen das, was hier angesprochen sein soll, der Privatsphäre zu. Und wir erwarten, dass hier in erster Linie von  Verbotenem zu reden ist, von Pflicht, von Verzicht, von Verfehlungen und deren Konsequenzen.

Thomas aber spricht zu uns vom Menschen wie er sein kann und soll. Es geht gar nicht so sehr darum, was nicht erlaubt ist. Die Verwirklichung der Tugenden macht den Menschen nach Thomas erst zum Menschen. Und Thomas insistiert darauf, dass darin die eigentliche Natur des Menschen liege: durch ein tugendhaftes Leben erfüllt der Mensch sein Potential hin in Richtung auf seine wirkliche Natur – die Gottebenbildlichkeit.  christus

Thomas stellt den drei theologischen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung die Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung zur Seite. Diese sieben Tugenden in ihrer Gänze bilden die Eckpfeiler des christlichen Menschenbildes.

Von Aristoteles übernimmt Thomas dabei die Auffassung, dass sich tugendhaftes Verhalten als ausgewogene Mitte zwischen zwei Extremen findet. In der Sphäre der Mäßigung wie der Gerechtigkeit beispielsweise ist weder der Geizige tugendhaft zu nennen noch der Verschwender. Tugendhaft wäre ein freigiebiges Verhalten zu nennen – allerdings nur, insofern die Freigiebigkeit mit Klugheit geschieht.

Die Klugheit oder Vernunft nimmt in der Lehre des Thomas eine ganz hervorragende Stellung im Kanon der Kardinaltugenden ein: ohne die Klugheit gibt es nach Thomas kein tugendhaftes Verhalten. Tugend muss sich immer mit der Klugheit verbinden. Der Gerechte wie der Tapfere sind nur in dem Maße gerecht und tapfer, als ihr Handeln mit der Klugheit einhergeht. Ansonsten bleibt es sinnleer.

Und dies gilt freilich ebenso für die Tugend des Maßhaltens, welche ja teilweise als die christliche Tugend schlechthin hochstilisiert wird. Das entspricht aber weder ihrer Stellung innerhalb der Tugendlehre des heiligen Lehrers, noch trifft es den Kern der Sache, sofern nicht die wesensnotwendige Hinordnung einer jeden Tugend auf die Vernunft unterstrichen wird. Wer fastet, wer seine Unbeherrschtheit zügelt, wer keusch lebt und dies nur um der Entbehrung willen tut, der verfehlt nach Thomas die Tugend.  Heiliger

Die Tugend des Maßhaltens wird ja oft falschverstanden als „strenger Verzicht“. Es geht aber gar nicht darum, den Verzicht zu einem Maximum zu treiben, sondern es soll das vernünftige Maß gefunden werden. Ganz ausdrücklich sagt Thomas, das Wesen der Tugend bestehe nicht so sehr im Schweren als im Guten – und das heißt für Thomas: im Vernunftgemäßen.  

Die Vernunft entfernt den Menschen also nicht von seiner Natur, sondern führt die Natur des Menschen erst zu ihrer Vollendung. Dass der Tugendhafte dabei auf mancherlei verzichtet, ergibt sich hier als Konsequenz aus vernünftiger Überlegung.

Dabei wird Thomas in seinen Ausführungen niemals moralisierend, seine Sittenlehre gerät nie zur Ideologie: Immer steht der konkrete Mensch im Hier und Jetzt im Mittelpunkt. Für Thomas spielt eine große Rolle, unter welchen Umstände ein Mensch konkret handelt.

Thomas kennt den Menschen sehr gut: Den konkreten, mit all seinen Alltagssorgen, eingebunden in widrige Umstände, den von falschen Idealen Fehlgeleiteten. Mitunter lesen sich die Ausführungen des großen Heiligen eher wie ein freundschaftlicher Ratgeber, ganz im Gegensatz zu den weitverbreiteten mittelalterlichen Lasterkatalogen. Einer von Thomas Ehrentiteln ist der „doctor humanitatis“, der Lehrer der Menschlichkeit.

Was heißt es denn heute „thomistisch“ zu denken – wie lässt sich die Ethik des Thomas auf Alltagsthemen der unserer Zeit anwenden?

Dr. Robert Rolle: Zunächst muss man feststellen, dass sich die Morallehre des heiligen Thomas nicht 1:1 auf unsere heutige Zeit aufsetzen lässt. Die großen Prinzipien gelten weiterhin – ohne Frage. Dennoch müssen wir uns bewusst sein, dass Thomas ein Mensch des 13. Jahrhunderts war.

Er hatte Restriktionen zu achten, die uns heute eher fremd sind. Andererseits sehen wir uns heute mit Problemen konfrontiert, die Thomas so noch nicht kannte. Denken Sie an die Globalisierung der Arbeits-, Güter- und Finanzmärkte, an Umweltverschmutzung, an die atomare Gefährdung  und vieles andere mehr.  ???????

Sicherlich wäre Thomas irritiert darüber, dass sich das Reden vom Menschen heute in eine Vielzahl von Einzeldisziplinen ausdifferenziert hat, die sich aber in keiner Gesamtschau mehr vereinen lassen. Man spricht heute nicht mehr vom ganzen Menschen, von seinen wesensbildenden Tugenden, von seiner Bestimmung. Sofern heute doch noch von Ethik und Moral die Rede ist, so differenziert sie sich aus bis zur Unkenntlichkeit: wir haben für jeden Lebensbereich ein isoliertes Menschenbild und die hierfür adäquate Ethik: eine Wirtschaftsethik, eine Umweltethik, eine Ethik der Politik, eine Ethik des Sports, eine Wissenschaftsethik, eine Medizinethik usw.

Freilich stoßen wir bei solcher fraktalen Sichtweise an keine „natürliche“ Grenze. So differenziert sich die Wirtschaftsethik dann aus in eine Unternehmensethik, eine Arbeitsethik, eine Konsumentenethik, eine Finanzmarktethik usw.

Vom Menschen „an sich“ zu sprechen in seiner ganzen Wesens- und Lebenswirklichkeit passt in solches Denken dann freilich nicht mehr hinein.

Solches Denken kommt freilich nicht ohne den Menschen aus – aber er ist hier reduziert auf eine „Arbeitshypothese“. Auch das Reden von Ethik und Moral besitzt heute den Status einer wissenschaftlichen Disziplin und orientiert sich als solche an dem neuzeitlich (natur-) wissenschaftlichen Erkenntnisideal, nämlich nur die vermeintlich relevanten Phänomene in den Blick zu nehmen und gegen das Übrige abzugrenzen.jesus

In den Wirtschaftswissenschaften sprechen wir heute vom Menschen als einem Eigennutz-Maximierer. Die Maximierung des eigenen Nutzens gilt dabei sowohl individuell wie auch gesamtwirtschaftlich als wünschenswert, ja tugendhaft.  Dahinter steht die Annahme, sofern jeder seinen eigenen Nutzen maximiert, so wird die Gesellschaft hiervon in höchstem Maße profitierten. Dieses Denken geht zurück auf Bernard Mandeville und Adam Smith.

Anders Thomas von Aquin: Ganz selbstverständlich behandelt er die Thematik des guten Wirtschaftens im Kontext der Tugend der Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit im Tausch erfolgt für Thomas im Raum des sozialen Miteinanders und ist bei kluger Ausgestaltung beider/aller Tauschpartner der Garant für den sozialen Frieden.

Und da wir am Beginn der Fastenzeit stehen und die Tugend des Maßhaltens in dieser Zeit eine besondere Rolle spielt, sei noch ein letzter Gedanke des „heiligen Lehrers“ angesprochen, welcher in seiner Tugendlehre eine wichtige Rolle spielt und der so aktuell und lehrreich ist wie vor rund 800 Jahren, als er ausgesprochen wurde:

Dass sich die Tugendhaftigkeit einer Tat in erster Linie am Guten bemisst, das bewirkt wird – und nicht daran, wie groß die Entbehrungen sind, die einer auf sich nimmt. „Das Wesen der Tugend“, sagt Thomas, „liegt mehr im Guten als im Schweren. Die Größe einer Tugend ist daher mehr zu bemessen nach dem Begriff des Guten als nach dem des Schweren“.

Das Interview führte Jakob Schötz von der Bischöflichen Pressestelle in Regensburg

Dr. Robert Rolle hat Betriebswirtschaftslehre in Augsburg studiert, anschließend Philosophie und Geschichte der Naturwissenschaften in Regensburg.  Er promovierte an der Uni Regensburg  zu einem wirtschaftsphilosophischen Thema bei Prof. Dr. Rolf Schönberger. Rolle lebt in Regensburg und leitet heute die Akademie Handel e.V., eine Institution der Beruflichen Bildung.

Für jene, die sich näher mit Thomas von Aquin beschäftigen wollen, gibt Dr. Robert Rolle folgende Literaturtips:

Pieper, Josef: „Das Viergespann: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maß“, Kösel Verlag, München
Guardini, Romano: „Tugenden – Meditationen über Gestalten sittlichen Lebens“, Werkbundverlag, Würzburg
Chesterson, Gilbert: „Thomas von Aquin“, F.H. Kerle Verlag, Heidelberg


Nächstenliebe kommt vor Fernstenliebe: Zuerst den verfolgten Christen helfen

Von Prof. Dr. Walter Hoeres

Die bisherigen kirchlichen Stellungnahmen zur Flüchtlingsfrage sind unbefriedigend, ja enttäuschend. Nicht ohne Grund ist die Klugheit die erste der Kardinaltugenden und sie muss unser moralisches Handeln leiten und bestimmen!

Das gilt auch für die Nächstenliebe, die nicht mit der ‚Fernstenliebe“ und der heute auch in kirchlichen Kreisen so beliebten Einstellung zu verwechseln ist, gleich die ganze Menschheit retten zu wollen. fahne1

Sind meine Familie und mein Haus bedroht, so habe ich zuerst die Pflicht, mich um sie zu kümmern, bevor ich mich anderen zuwenden kann. Schon jetzt sind Bund, Länder und Kommunen mit dem Millionenstrom von Flüchtlingen heillos überfordert. Was werden soll, wenn der Zustrom anhält, ist völlig, ja erschreckend offen. Aber die eigentlichen Schwierigkeiten fangen erst an, wenn es darum geht, die Flüchtlinge in unser Wirtschaftsleben zu integrieren.

Viele unserer kleineren und mittleren Betriebe müssen heute schon ums Überleben kämpfen, da die ausländische Konkurrenz zum Teil viel billiger produzieren kann und längst auch über das technische „know how“ verfügt, das einst unser Vorrecht war.

Aber von diesen Sorgen und Nöten ist natürlich bei jenen Umverteilungsstrategien, die immer nur die Dritte Welt im Blick haben, keine Rede! In jedem Falle wird die Aufgabe, einen Teil der Flüchtlinge immer erneut zu integrieren, die Hektik unserer totalen Produktions- und Konsumgesellschaft, in der wir leben, noch weiter anheizen.

Zweckoptimismus: „Wir schaffen das“

Und es ist von seltsamer Ironie, dass unsere geistlichen Wortführer, die uns seit Jahren zum Konsumverzicht ermahnen, durch ihre offenbar unbeschränkte Offenheit in der Flüchtlingsfrage diese Hektik noch verstärken. Die Bundeskanzlerin hat geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, aber wie sie das mit ihrem konzeptionslosen: „Wir schaffen das!“ erreichen will, steht in den Sternen geschrieben. 032_29A

Dahinter steht ein Optimismus, der durch nichts gerechtfertigt ist. Obwohl die Bereiche verschieden sind, ist dies der gleiche Optimismus, den wir immer wieder auch bei den Bischöfen antreffen: ob es sich nun um die Flüchtlingsfrage oder um den sich abzeichnenden Zusammenbruch des kirchlichen Lebens, den Schwund der Priesterberufungen und Gläubigen, den Abriss von Kirchen und die Zerschlagung von Pfarreien handelt.

Immer wieder heißt es, man sei doch guten Mutes und könne getrost in die Zukunft schauen. Dahinter steht nicht nur die Verwechslung der zweiten göttlichen Tugend der Hoffnung mit dem innerweltlichen Optimismus, sondern auch jene schulterklopfende Attitüde: „Der Herrgott wird’s schon richten!“

Aber der „Herrgott“ hat auch die Kirchenspaltung, den Dreißigjährigen Krieg, die Französische Revolution und die beiden Weltkriege zugelassen und es besteht keine Veranlassung, mit Leibniz, der von der „besten aller möglichen Welten“ sprach, so zu tun, als habe man selbst im Rate Gottes gesessen und kenne dessen verborgene Pläne!

Was mich bei der ganzen Frage besonders empört, ist die Äußerung von Kirchenvertretern, man wolle bei der Aufnahme von Flüchtlingen keinen Unterschied zwischen den Religionen und Konfessionen machen. Sind wir schon so weit, dass wir aus Gründen der political correctness die Mahnung des heiligen Apostels Paulus vergessen haben: „Helft zuerst Euren Brüdern“?

Wir erleben in Mesopotamien eine der schrecklichsten Kirchenverfolgungen der Geschichte und sind Zeugen beispielloser Tapferkeit der dortigen Christen  –  und da sollten wir nicht zuerst daran denken, gerade ihnen beizustehen?

Unser Autor Prof. Dr. Walter Hoeres (60431 Frankfurt am Main) ist katholischer Publizist und Philosoph.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags als Leserbrief in der „Tagespost“ vom 17.10.2015

Weitere INFOS zur Migrationspolitik:

Eine libanesische Journalistin über die deutsche Flüchtlingspolitik: „Es ist unklug, so viele Flüchtlinge aufzunehmen. – Die Deutschen sind in ihrer Vergangenheit gefangen. Sie sehen nicht, was auf sie zukommen wird.“  – Siehe hier: http://www.tagesspiegel.de/politik/erfahrungen-aus-dem-libanon-es-ist-unklug-so-viele-fluechtlinge-aufzunehmen/12490358.html

Größte Probleme in Schweden: http://www.wiwo.de/politik/ausland/fluechtlingskrise-in-europa-schweden-brennt/12489020.html

Der ehem. CSU-Vize-Chef Gauweiler: Die Regierung verstößt systematisch gegen Artikel 16a Grundgesetz: http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/ex-csu-vize-gauweiler-regierung-verstoesst-systematisch-gegen-asylparagraphen-artikel-16a-grundgesetz-a1277056.html

 


Die „Weisheit“ der Welt ist Torheit vor Gott

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Kor 3,18-23:

Brüder! Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei klug in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. Herz-Jesu_01

In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Klugen in ihrer eigenen List.
Und an einer anderen Stelle: Der HERR kennt die Gedanken der Klugen; er weiß, sie sind nichtig.

Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus  –  und Christus gehört Gott.