Mutter Meera und ihr esoterischer Segen, den ihre Anhänger auf Knien empfangen

Von Felizitas Küble

Wenn Mutter Meera – eine indisch-deutsche „Erleuchtete“ – die Menschen mit ihrem Lichtsegen beglückt bzw. wohl eher hypnotisiert, dann gibt sie ihnen einen „Darshan“, also gleichsam Anteil an ihrer „göttlichen“ Inkarnation (Avatara) bzw. als „Lichtbringerin“.

Aber erst der Reihe nach: Die „Avatara“ wurde 1960 in Indien mit dem Namen Kamala Reddy geboren. Ein Onkel meinte, in ihr jene „göttliche Mutter“ erkannt zu haben, die ihm durch Visionserlebnisse gezeigt wurde. Er brachte sie in den Ashram, zu dem er selber gehörte. 

Immer mehr Anhänger wollten ihren „Darshan“ erhalten; sie wurde auch im Ausland eingeladen, gab mehrfach Audienzen in Kanada. Seit 1982 lebt sie im Westerwald und heiratete einen Deutschen.

Auf Schloß Schaumburg finden in einem Nebengebäude ihre abendlichen Segensveranstaltungen statt, zu dem nicht nur in Deutschland lebende Hindus oder Esoteriker, sondern auch Christen einströmen, oft mehrere hundert Besucher.

Ihre Darshan-Abende sind völlig stumm, sie spricht kein einziges Wort. Stattdessen schaut sie den Teilnehmern, die erst die Schuhe ausziehen und dann auf Knien zu ihr nach vorne rutschen, tief in die Augen und berührt sie an den Schläfen – was stark an Hypnose erinnert. Diese wird dadurch begünstigt, daß die Verehrer/innen ständig einen „göttlichen“ Namen wie ein Mantra wiederholen sollen.

Daß man sich der Erleuchteten auf Knien nähern soll, scheint ihren Fanclub nicht zu stören, im Gegenteil.

Auf der esoterischen Seite „Dimensionssprung“ lesen wir eine begeisterte Schilderung des Darshan-Segens der „göttlichen Mutter“:  https://www.dimensionssprung.de/verzeichnis-4-48,Mein_Besuch_bei_Mutter_Meera.html

Darin heißt es u.a.:

„Als sie ihren Platz auf dem Podest, auf dem mittleren Stuhl eingenommen hatte, begannen die Diener eine Reihe nach der anderen auf dem Gang aufzustellen, niederknien zu lassen…Und der Darshan begann, Reihe um Reihe, Mensch um Mensch wurde aufgestellt, kniete nieder, bewegte sich kniend auf das Podest zu, empfing den Segen und nahm in Stille wieder seinen Platz ein…

Als ich den Podest erreichte, schlug mir das Herz bis zum Hals. Ich kniete vor Mutter Meera, beugte meinen Kopf, so dass sie ihn leicht mit ihren Händen berühren konnte. Sie legte ihre Finger oberhalb der Ohren seitlich links und rechts und hielt dies einige Sekunden. Lichtvolle Energie durchfloß mich, am ersten Abend bis etwa auf Höhe der Brustwirbelsäule, am zweiten Abend bis hinunter zum Steißbein.

Wie geschrieben, hob ich meinen Kopf, als sie ihre Hände von mir nahm und sah sie an. Ihr in die Augen. Ihr Lieben, ich habe niemals in meinem bewußten Leben solche Augen gesehen. Es ist als wenn Du in die Ewigkeit schaust, unendliche Liebe, kein Ego darin zu erkennen. Es ist schlicht wunderschön, dieser Blick bleibt Dir im Geiste verankert, Du siehst diese Augen immer wieder.“

Manchen Teilnehmern kann es freilich auch anders ergehen. Eine Betroffene berichtete mir, daß sie Bedenken bekam, als sie an dieser Veranstaltung teilnahm. Sie bat Gott um innere Hilfe, bevor sie auf dem Teppich nach vorne rutschte.

Der Blick der 59-Jährigen, den sie erlebte, sei alles andere als freundlich gewesen. Sie wurde danach von Ordnern quasi eingekreist und nach draußen „geleitet“.

 


Gottes Geist stellte mich auf die Füße

Heutige liturgische Sonntags-Lesung der kath. Kirche: Ezechiel 1,28b.2,1-5:

Wie der Anblick des Regenbogens, der sich an einem Regentag in den Wolken zeigt, so war der helle Schein ringsum. So etwa sah die Herrlichkeit des HERRN aus. Als ich diese Erscheinung sah, fiel ich nieder auf mein Angesicht. Und ich hörte, wie jemand redete.
ER sagte zu mir: Stell dich auf deine Füße, Menschensohn; ich will mit dir sprechen.
Als ER das zu mir sagte, kam der Geist in mich und stellte mich auf die Füße. Und ich hörte den, der mit mir redete.
ER sagte zu mir: Menschensohn, ich sende dich zu den abtrünnigen Söhnen Israels, die sich gegen mich aufgelehnt haben. Sie und ihre Väter sind immer wieder von mir abgefallen, bis zum heutigen Tag.
Es sind Söhne mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen. Zu ihnen sende ich dich. Du sollst zu ihnen sagen: So spricht Gott, der HERR.
Ob sie dann hören oder nicht – denn sie sind ein widerspenstiges Volk – sie werden erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war.

Prälat Imkamp zum Sonntagsevangelium: „Aufs Knie!“

Prälat Dr. Wilhelm Imkamp ist Wallfahrtsdirektor von „Maria Vesperbild“ (Bistum Augsburg). – Hier folgt sein „Wort zum Sonntag“ bzw zum Evangelium am kommenden Sonntag (Mk 11,1):

Das waren noch Zeiten, als das Knie eine langjährige Staats– und Vertrauenskrise auslösen konnte. Genau einen Tag vor dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, am 14.8.1838 erließ König Ludwig I seine „Kriegsministerialordre“, in dem das Kommando „Aufs Knie“, das 1803 abgeschafft worden war, wieder eingeführt wurde.

Wenn dieses Kommando gegeben wurde, mussten alle Soldaten und Offiziere sich hinknien, z. B., wenn das Allerheiligste Altarsakrament in der Fronleichnamsprozession vorbeigetragen wurde, während der hl. Messe, bei der Wandlung und beim feierlichen Schlusssegen. Die Ordre galt für die ganze Armee, ob evangelisch oder katholisch spielte keine Rolle. Es löste eine jahrelange Kontroverse aus und ging als „Kniebeugeaffäre“ in die Geschichte ein.

Heute spielt das Knie eigentlich nur noch bei Modeschauen der „Haute-Couture“ (frei, knielang, knieumspielt usw.) oder in der Orthopädie (Gonarthritis, Gonarthrose, usw.) eine Rolle.

Tatsächlich aber hat das Knie in unserem Alltag, auch und gerade wenn es gesund ist, eine ganz besondere Bedeutung, nämlich beim Knien. In der hl. Messe z. B., haben die Gläubigen mindestens bei der Wandlung zu knien. Lobenswert ist es, vom Sanctus bis zum Ende des Hochgebetes zu knien (Grundordnung des römischen Messbuches, Nr. 43).

Das Knien hat „unter allen übrigen gottesdienstlichen Haltungen einen besonderen Rang“, denn: „Das Knien ist körperlicher Ausdruck einer unerlässlichen geistigen Grundhaltung allen Betens: der Demut, was die Seele bei allem Beten tun muss, in welcher Körperhaltung es immer geschehen mag, das tut beim knienden Beten auch unser Leib: er macht sich klein; er sagt gleichsam: „O Gott, ich weiß, ich bin ein nichts vor dir, ein armer Sünder, erbarme dich meiner!“

So schrieb 1952 einer der Architekten der liturgischen Erneuerung, Balthasar Fischer.

Mit diesen Worten des Liturgiewissenschaftlers sind wir genau beim heutigen Tagesevangelium: der Aussätzige fällt auf die Knie; sein Gebet, seine Bitte bestimmt seine Körperhaltung; tatsächlich liegt hier eine Geste der Unterwerfung vor.

Gegenüber dieser Unterwerfungsgeste wird die absolute Souveränität des Willens Jesu („wenn du willst“) betont, ja, diese Anerkennung der absoluten Souveränität des Willens Jesu hat den entscheidenden Willensakt Jesu zur Folge, der die Heilung bewirkt („ich will es“).

Jesus steht über der Natur- und der Gesetzesordnung, aber, er steht nicht gegen diese Ordnungen. Deshalb schickt er den Geheilten in das vom Gesetz vorgeschriebene Anerken-nungsverfahren mit allen Formalitäten.

Absoluter Wille, Unterwerfung, Niederwerfung, Demut, Knien  –  ist das nicht eine „Schreckensvision“?
Sind das nicht Begriffe, die man nur mit Schaudern lesen kann?
„Was für ein Gottesbild wird uns hier vor Augen gestellt?“

So wird kritisch gefragt. Die Antwort ist ganz einfach: Jesus ist eben nicht der gute Kumpel, der Wegbegleiter in die Beliebigkeit. Gott verlangt Unterwerfung!

„Dein Wille geschehe“ beten wir und sollten diese Worte auch ernst nehmen. Immer ist der ganze Mensch angesprochen. Gebet kann, darf, soll und muss sich deswegen auch in der Körperhaltung ausdrücken. Deswegen gibt es ja auch kirchliche Anordnungen für die liturgischen Körperhaltungen.

In der bayerischen Armee galt das Kommando nur von 1838 bis 1845, für unser Leben und unseren Gottesdienst bleibt es auf immer gültig: „Auf’’s Knie!“: Der berühmte „Kniebeugeerlass“ Königs Ludwigs I. hatte keinen Bestand. Bestand aber hat das Beispiel des knienden Aussätzigen, Bestand hat das Beispiel des knienden Stephanus, Bestand hat das Beispiel des knienden Jesus selbst.

Da, wo das Knien be- und verhindert wird, da beginnt die Religion der „steifen Knie“. Der „deutsche Jungmann steht vor seinem Herrgott“  – so hieß es in den 30ger Jahren  – und wer heute nicht knien will, denkt oft genug, er könne auf gleicher Augenhöhe mit Gott verhandeln.

Luzifer dachte ähnlich, die Folgen sind bekannt  –  deswegen gilt: „Aufs Knie