PREDIGT von Bischof Algermissen zur Eröffnung des Glaubenskongresses in Fulda

Wir dokumentieren hier den vollen Wortlaut der Predigt von Bischof Heinz Josef Algermissen, dem Oberhirten von Fulda, beim Pontifikalamt am 7. Juli 2017 im Dom zur Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“. Wir danken dem Bistum Fulda für die freundliche Abdruckserlaubnis:

In seinem Schreiben an die deutschen Bischöfe, am 20. November 2015 im Rahmen des Ad-limina-Besuchs ihnen übergeben, stellt der Hl. Vater „eine Erosion des katholischen Glaubens in Deutschland“ fest und mahnt zu einer pastoralen Neuausrichtung der Kirche.

Foto: Leupolt, Bistum Fulda

Angesichts der festgestellten Erosion, die sich im leisen Auszug von mittlerweile zwei Generationen aus der Kirche darstellt, wollen manche kirchlichen Gruppierungen und Verbände aus der Not eine Tugend machen. Sie behaupten, die Entkirchlichung sei ein Preis der Freiheit.

Die Menschen hätten sich autoritärer Lenkung im Religiösen entzogen, hätten sich aus dem Zwangssystem einer gesellschaftlich verordneten Christlichkeit befreit. Moderner Glaube verdanke sich eben freier Wahl, er sei ein Glaube der Entscheidung: souverän und notwendig plural.

Ich halte diese Interpretation für eine Beschwichtigung, gar einen gefährlichen Irrtum.

Ganz anders und im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass die nächste Generation von Christen eine der Synkretisten sein wird ─ nach dem Motto lebend: „Ich mache mir meine Religion selbst, stelle mir zusammen, was ich glauben möchte und was nicht.“

Liebe zum Kongress versammelte Schwestern und Brüder im Glauben!

Ich sehe ihn nicht, diesen Typ des freien, entschiedenen und profilierten katholischen Christen, der selbstbewusst und in Kenntnis zum katholischen Glauben steht. Als Bischof sehne ich mich nach ihm, entdecke ihn bei Visitationen und in Diskussionsveranstaltungen nur sehr selten in unseren Gemeinden und im Alltag fast gar nicht.

Stattdessen nehme ich häufiger Christinnen und Christen wahr, die alles daransetzen zu relativieren, was sie von anderen unterscheiden könnte. Unbestimmtheit und Indifferenz greifen um sich und die erbärmliche Entschuldigung, dass man katholisch ist. Die verschämten Bekenntnisse, die auf Nachbohren kommen, sind geprägt von Teilidentifikation und Unwissen: Der Papst ist schon in Ordnung, auch zu Jesus mag man noch irgendwie stehen. Aber muss man deshalb an einen persönlichen Gott glauben? Engel? Schon eher, weil daran auch Prominente glauben. Ewiges Leben? Keine Ahnung!

Das Resultat nach Umfragen zum Glaubenswissen in unseren Gemeinden ist deprimierend. Sie offenbaren eine Realität, die wir gerne verdrängen: Die Kirche stirbt schleichend in den Seelen ihrer Mitglieder, wenn nicht entschlossen gegengesteuert wird.

BILD: Bischof Algermissen als aufmerksamer Zuhörer im Gespräch mit Teilnehmern des Kongresses

Mir ist durchaus bewusst, dass dieser Befund präzisiert werden muss. Gott sei Dank gibt es die „kleine Herde“ bekenntnisstarker und beispielhafter Christinnen und Christen.

Es gibt lebendige Gemeinden mit Glaubensfreude im Bistum Fulda und in anderen Bistümern. Es gibt auch Glaubenszellen, kleine geistliche Gemeinschaften, Bibelkreise und soziale Projektgruppen im Sinne der Nachfolge Jesu. Es gibt die spirituellen Zentren der Orden, in denen die Glut des Glaubens gehütet wird.

Und ich nehme auch junge, entschiedene Christen wahr, die sich bei eucharistischer Anbetung und im Bußsakrament Kraft holen, und auf die das Wort des hl. Augustinus zutrifft: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“

In der breiten Fläche indes sieht es ganz anders aus. Monokausale Erklärungen dafür bringen uns nicht weiter. Zugegeben, der Zerfall vieler Familien und gewachsener Strukturen, die Mobilität der Menschen, die sogenannten sozialen Netzwerke mit ihren Enthemmungen spielen eine große Rolle.

Nach nunmehr fast 21 Jahren als Bischof ist mir besonders in letzter Zeit durch persönliche Erfahrungen in meinem Amt immer deutlicher klargeworden, dass der Zerfall christlicher Identität und der Glaubensabbruch in der Kirche Folgen einer Selbstsäkularisierung und Indifferenz sind, die zum Profilverlust führten.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Der Glaube der Kirche hat verbindliche Inhalte. Er ist nicht denkbar als bloße Haltung, als ergebnisoffene unbestimmte Gläubigkeit. Wir haben zwei wesentliche Quellen, nämlich die Schrift und die Tradition, aus denen durch die Führung des Hl. Geistes der Kirche als Leib Christi im Laufe der Glaubensgeschichte Wahrheiten zugewachsen sind.

Die großen mittelalterlichen Kirchenlehrer Albert der Große, Thomas von Aquin, Duns Scotus und Bonaventura haben allesamt gelehrt, dass zu einer verantwortbaren Glaubensentscheidung Vernunftgründe gehören. Das ist eine fundamentale Einsicht angesichts der fatalen Meinung, um zu glauben, müsse man vorher den Verstand ausschalten, Glaube sei eine Art vorwissenschaftliche Einstellung.

Die erste Enzyklika von Papst Franziskus „Lumen Fidei“ („Über den Glauben“) vom 29. Juni 2013 nimmt die Lehre der großen Theologen auf und führt sie durch die Aussage weiter: „Da der Glaube ein Licht ist, lädt er uns ein, in ihn einzudringen, den Horizont, den er erleuchtet, immer mehr zu erforschen“ (Nr. 36).

Und später heißt es: „Da der Glaube eine Einheit ist, muss er in seiner ganzen Reinheit und Unversehrtheit bekannt werden. Gerade weil alle Glaubensartikel in Einheit verbunden sind, kommt die Leugnung eines von ihnen… der Beschädigung aller gleich“ (Nr. 48).

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben! Wenn wir feststellen, dass der Grundwasserspiegel des Glaubenswissens erschreckend gesunken ist, und so viele auf Fragen hinsichtlich von Glauben und Kirche keine Antwort mehr zu geben imstande sind, dann gehört dieses an die Substanz gehende Defizit endlich auf die Tagesordnung der deutschen Bistümer und der Bischofskonferenz.

Wenn die Herde kleiner wird (vgl. Lk 12,32), so ist das nach Jesu Zusage kein Grund zur Furcht, denn ihre Stärke liegt nicht in weltlicher Repräsentation, sondern in der Erwählung zur „Herde Gottes“ (Ps 80,2; Jes 40,11). Das „Kleinerwerden“ darf allerdings nicht in verschämtes Schweigen und Indifferenz ausmünden, muss sich vielmehr verbinden mit einer erkennbaren Profilierung durch einen Glauben, der durchdacht ist und auskunftsfähig und im Gebet vertieft wurde.

Diese Gesellschaft braucht wirklich Menschen, die Auskunft darüber geben können, was sie glauben und warum. Und die jedem Rede und Antwort stehen, der nach der Hoffnung fragt, die sie erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15). Kurzum: Menschen, die von der Wahrheit des Glaubens überzeugt und von ihrer Mission beseelt sind.

Liebe Schwestern und Brüder im Forum deutscher Katholiken! Auf dem Hintergrund dieser dringenden Notwendigkeit und angesichts der Defizite in den Gemeinden unserer Bistümer bin ich dankbar für die Sammlungsbewegung des „Forums deutscher Katholiken“, in der sich glaubenstreue Frauen und Männer aus verschiedenen Generationen zusammengeschlossen haben, denen der Glaube an Jesus Christus und die Verbindung zu seiner Kirche Quelle der Hoffnung und Freude ist.

Bitte gehen Sie Ihren Weg als Zeuginnen und Zeugen der Botschaft Jesu Christi weiter – wissend, dass es der beste ist und der einzige, dem Zukunft verheißen wurde. Leben Sie weiter den Mut zur Identität und zum Profil, damit der christliche Glaube in dieser Gesellschaft nicht noch konturenloser wird. Dem Kongress wünsche ich Gottes Segen. Amen.

 


Predigt von Kardinal Gerhard Müller beim Kongreß „Freude am Glauben“ in Fulda

Vom 25. bis 27. Juli 2014 fand in Fulda der alljährliche Kongreß „Freude am Glauben“ statt. Er wird vom theologisch konservativen „Forum Deutscher Katholiken“ veranstaltet.014_11

Die Eröffnungsmesse zelebrierte der Glaubenspräfekt aus Rom in Gemeinschaft mit Bischof Algermissen (Fulda) und zahlreichen Priestern aus nah und fern, von denen wir einige seit langem persönlich kennen und schätzen, darunter den saarländischen Ordensprälaten Edmund Dillinger und den bayerischen Konvertiten-Priester Peter Kemmether.

Unser Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt, war auf dem Glaubenskongreß mit einem Infostand vertreten.

Wir haben auch am Festhochamt teilgenommen und dabei diese fotografischen Eindrücke festgehalten. Das erste Bild zeigt den Glaubenspräfekten beim Einzug in den prachtvollen Fuldaer Dom.

Gerhard Kardinal Müller hielt bei diesem Pontifikalamt eine eindringliche und gehaltvolle Predigt, die hier in den wesentlichen Auszügen wiedergegeben wird:019_16 - Kopie

“Liebe Brüder und Schwestern!

Wenn uns heilige Liturgie ein Apostelfest feiern lässt, werden wir an die grundlegende Bedeutung der zwölf von Jesus erwählten Apostel erinnert.

Die Kirche ist nicht eine von Menschen ersonnene und nach menschlichem Kalkül organisierte Gesellschaft. Sie ist in Christus das Volk Gottes als die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

FOTO: Der Glaubenspräfekt bei seiner Begrüßungsansprache

Das Passwort zum Verständnis der Kirche lautet nicht “angepasst an die Welt”, sondern passend zum universalen Heilswillen Gottes in Jesus Christus, dem Sohn Gottes, der das Sakrament des Heils für die Welt ist (vgl. Lumen gentium 1; 48).

Die gläubigen Christen sind, wie es im Brief an die Epheser heißt, “Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammen gehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut” (Eph 2,19ff).

Die Kirche ist apostolisch, weil sie am Glaubensbekenntnis und an der Lehre der Apostel festhält und weil sie über die Nachfolger der Apostel im Bischofsamt lebendig-organisch mit ihrem Ursprung in der geschichtlichen Offenbarung Gottes in Christus verbunden bleib026_23t.

Der heilige Apostel Jakobus der Ältere, der erste Märtyrer unter den zwölf Aposteln, wird in Santiago de Compostela verehrt. Millionen von Pilgern aus ganz Europa waren und sind unterwegs auf dem beschwerlichen und gefährlichen Weg zum finis terrae, um auf das Zeugnis der Apostel hin in Gott das Ziel ihres Lebens, das finis vitae, zu finden.

FOTO: Kardinal Müller während seiner Predigt in Fulda

Jakobus war mit seinem Bruder Johannes und mit Petrus Zeuge der Verklärung und des Gebetes Christi am Ölberg. Im Kreis aller Apostel sah er den auferstandenen und verklärten HERRN, der ihnen an Ostern erschien.

In der Kraft des Heiligen Geistes, der auf die Apostel und die ganze Kirche an Pfingsten ausgegossen wurde, vernahm und befolgte er den Auftrag Christi, zu allen Menschen zu gehen, ihnen das Evangelium zu verkünden und sie durch die Taufe zu Jüngern zu machen.

Von seinem Schicksal und Tod erfahren wir dann in der Apostelgeschichte: “Um jene Zeit ließ der König Herodes einige aus der Kirche verhaften und foltern. Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten” (Apg 12,1ff).

Petrusamt als Prinzip kirchlicher Einheit

Im Anschluss daran heißt es, dass Herodes auch Petrus verhaften ließ, als er sah, dass die Verfolgung der Kirche und der Mord an einem Apostel Christi bei den Gegnern Schadenfreude ausgelöst hatte. Aber Petrus wurde durch Gottes Eingreifen wunderbar errettet. 012_9

Die göttliche Vorsehung führte ihn nach Rom, wo er “Gott durch seinen Tod verherrlichen sollte” (Joh 21,19), wie es ihm der auferstandene HERR vorhergesagt hatte. 

So gehört zur apostolischen Gestalt der Kirche die Verbindung mit der römischen Kirche und ihrem Bischof, dem Nachfolger des Apostels Petrus.

Auf diese Weise bleibt die Vielheit der Kirchen mit ihren Bischöfen an der Spitze nicht ohne das konkrete Prinzip und Fundament ihrer sichtbaren universalen, das heißt katholischen Einheit und Gemeinschaft.

FOTO: Petrus-Statue im Fuldaer Dom: Der von Christus zum „Felsen“ bestimmte Apostel und seine Nachfolger sind sichtbare Gestalten der kirchlichen Einheit

Mit dem Zeugnis ihres Blutes besiegelten die Apostel das Zeugnis des Wortes. Die Kirche bleibt nicht auf der Ebene von Ideen und Idealen, gleichsam unberührt von der Not der Endlichkeit, des Leidens und des Todes.

Aufgrund der Inkarnation ist sie ge-erdet im wahrsten Sinn des Wortes. Das Kreuz Christi steht fest auf Golgata und nur in IHM gibt es die Überwindung von Sünde und Tod und aller Diabolik von Lüge und Mord. (…)

„Von der Logik Gottes leiten lassen“

Die Gottesherrschaft ist das Gegenteil der Weltherrschaft des Teufels und aller seiner Genossen, der Tyrannen, Ausbeuter, Menschenhändler, der Verführer zum Abfall von Gott, vom Glauben, vom Sittengesetz und all der Spötter auf die Gottes- und Nächstenliebe.

Wer in Glaube, Hoffnung und Liebe als Christ dem HERRN nachfolgt, wer als Priester und Bischof den Dienst des Hirten in der Kirche ausübt, muss sich von der Logik Gottes und nicht von der Vernunft der Welt und ihren Maßstäben leiten lassen.

Das Reich Gott kommt in diese Welt und verwandelt den Egoismus der Menschen in Liebe und Hingabe für andere, wenn wir 031_28Jesus gleich werden, “der gekommen ist, um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele” (Mt 20,28).

FOTOs: Der Kardinal in Konzelebration mit vielen Priestern am Altar

In den Augen der Menschen sind die Apostel Christi Toren. Sie erobern die Welt nicht mit Geld, Propaganda und imperialer Gewalt. Ihre Macht ist ganz anderer Art, weil sich der HERR in der Schwachheit und Leidensbereitschaft der Seinen als der Starke erweist.

Das Evangelium wird deshalb nicht mit den überwältigenden und betörenden Insignien irdischer Macht und messbarer Effizienz verkündet.

Wir stehen entschieden zur Freiheit der Glaubens, die mit Zwang nicht vereinbar ist. Wir möchten den Menschen mit großer Ehrfurcht vor ihrem Gewissen helfen, dass sie freiwillig Gott über alles lieben und den Nächsten lieben wie sich selbst.030_27

Statt mit Raketen und Panzern, mit raffinierter Rhetorik und Manipulation, statt mit Eisen und Stahl kommen wir Apostel mit den zerbrechlichen Gefäßen unserer Gebrechlichkeit und Schwäche.

„Das Übermaß der Kraft kommt von Gott“

Aber in der Schwachheit der Kirche ist “der Schatz der Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi” erhalten. “So wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt” (2 Kor 4,7).

Und wie aktuell sind die Worte des Apostels Paulus angesichts der weltweiten Christenverfolgung:

“Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum, wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind dennoch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird” (2 Kor 4,8-10).

Kirche ist kein Sozialkonzern von Gutmenschen

Aber warum ziehen wir uns nicht in eine verweltlichtes Christsein zurück, verwandeln die Kirche in einen humanitären Sozialkonzern, verbergen die Glaubens- und Sittenlehre ins Kleingedruckte und präsentieren uns als smarte Gutmenschen, die niemanden stören?

Warum geben wir uns nicht ein neues Outfit, um endlich als aufgeklärt, neuzeitlich, menschennah und dialogbereit willkommen geheißen zu werden im Club der Ton angebenden und Platz anweisenden Meinungsführer dieser Welt? 005_2

Ja, die Antwort ist einfach. Weil der Geist Gottes sich nicht in die engen Schubladen des weltlichen Denkens, des Denkens ohne Gott zwingen lässt.

Wir wollen lieber mit Maria unter dem Kreuz stehen als mit den Spöttern an ihm vorbeigehen!

BILD: eines unserer Plakate pro Kirche an unserem Infostand beim Glaubenskongreß in Fulda

Wir sind davon überzeugt, dass Menschen niemals Menschen retten können. Der HERR allein ist unser Erlöser. Daran glauben wir wie die Apostel, das verkünden wir freimütig wie die Apostel.(…)

Krise des Menschen, Krise des Glaubens und Krise der Kirche ist sicher eine Kategorie zur Situationsbeschreibung der globalisierten Welt von heute.

Sind Verkaufsstrategen und Werbeagenturen die Lösung?

Aber biblisch meint Krise auch Zeit der Unterscheidung, der Neugewinnung der Urteilsmaßstäbe für unsere Überzeugungen und Handlungen, der klaren Abgrenzung der Lüge von der Wahrheit und des Bösen vom Guten.

Unsere Antwort auf die Säkularisierung des Denkens, die Entchristlichung und die Aushöhlung der kulturellen und ethischen Identität Europas, die Entfremdung vieler Getaufter von Gott, vom Evangelium und von der Kirche ist nicht der Rückzug und schon gar nicht die Resignation.

Wir brauchen auch nicht Werbe-Agenten oder Verkaufs-Strategen anzuheuern, große Programme zu erfinden oder uns einen Maßnahmenkatalog auszudenken.

Es ist viel einfacher  –  und zugleich viel fordernder. Jesus hat bei der Berufung von Simon und Andreas, von Jakobus und Johannes gesagt: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten IHM“ (Mt 4,19).“

Quelle und vollständiger Wortlaut der Predigt hier: http://www.fuldaerzeitung.de/artikelansicht/artikel/2793679/kardinal-muller-eroffnet-14-kongress-freude-am-glauben  /

Fotos: Felizitas Küble


Unser Volk braucht die Umkehr zu Gott und eine Erneuerung in Christus

Resolution des Kongresses „Freude am Glauben“ in Fulda:

Die Menschen haben Gott vergessen, daher kommt alles Übel“, damit diagnostizierte schon vor Jahren der russische Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn den ethischen Niedergang der westlichen Kulturen. Deshalb ist die Erneuerung der Gesellschaft nur durch eine Rückkehr zu Gott möglich.  100_1391

Das Forum Deutscher Katholiken appelliert an die Gesellschaft, sich wieder stärker Gott zuzuwenden und an den Zehn Geboten zu orientieren. Dies muss auch in der Gesetzgebung seinen Niederschlag finden.

FOTO: Direkt neben unserem Infostand auf dem Glaubenskongreß waren katholische Pfadfinderinnen vertreten

Vor allem Politiker christlicher Parteien müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden und ihr Gewissen schärfen, um keinen Etikettenschwindel zu betreiben.

An die Mitglieder der Kirche appelliert das Forum Deutscher Katholiken, sich weniger mit innerkirchlichen Streitthemen auseinanderzusetzen als vielmehr ihren missionarischen Auftrag wahrzunehmen.

Gottes Botschaft unverkürzt verkünden

Verantwortliche wie einfache Gläubige dürfen sich nicht immer mehr dem Denken und dem Geschmack der säkularisierten Gesellschaft anpassen und deren Verhaltensweise übernehmen, sondern müssen vielmehr die Frohe Botschaft unverkürzt und auf überzeugende Weise verkünden. 100_1376

FOTO: Unsere CF-Autorin Cordula Mohr im Gespräch mit Pater Engelbert Recktenwald (St-Petrus-Bruderschaft) in der Fuldaer Kongreßhalle

In einer Zeit, in der sich kulturelles Leben und Glaube immer weiter von einander entfernen, bleiben Christen herausgefordert, erkennbar als Salz der Erde und Licht der Welt an einer christlichen Neugestaltung der Gesellschaft mitzuwirken.

Katholiken sollten sich dabei mit gesundem Selbstbewusstsein und Mut in die gesellschaftspolitischen Diskussionen einbringen und dabei den Menschen mit dienender Liebe begegnen –  ohne jeden Pessismus und ohne jede Verbitterung. Die christliche Wahrheit ist anziehend und gewinnend, denn sie antwortet auf die tiefen Bedürfnisse der Menschen. 100_1381

Die Kirche darf nicht zu einer wohltätigen NGO (Nichtregierungsorganisation) werden, sondern muss Christus als den einzigen Weg zum Vater verkündigen.

FOTO: Eine katholische Bloggerin („Beiboot Petri“) in angeregter Debatte mit dem Priester und Buchautor Edmund Dillinger

Die Gläubigen müssen sich darum bemühen, ihren Lebenswandel nach dem Vorbild Jesu und in tiefer Freundschaft zu ihm zu gestalten.

Gegenwärtig gibt es einen Anschlag gegen jede Innerlichkeit. Hier muss die Kirche den Menschen den Weg zur Transzendenz neu aufzeigen und sie zur Anbetung Gottes führen. Wenn wir als Kinder Gottes leben, können wir die Welt verwandeln.

Als Christen können wir im Gebet den HERRN der Geschichte anrufen und ihn bitten, das zurechtzurücken, was in unserer Gesellschaft aus den Fugen geraten ist.

Prof. Dr. Hubert Gindert, Vorsitzender des „Forums deutscher Katholiken“

Fotos: Felizitas Küble


JA zur Erziehungsverantwortung der Eltern

Resolution des Kongresses „Freude am Glauben“ in Fulda:

In vielfacher Weise wird versucht, die Erziehung der Kinder aus der Elternhand zu nehmen. Bildungspläne, Gendervorgaben und eine bestimmte Form des Sexualkundeunterrichts sollen die Kinder in eine enge, vorgegebene Richtung formen. t_go.php

Auf der anderen Seite gibt es viele Eltern, die ihre Erziehungsaufgabe freiwillig abgeben, nicht nur an die Schule, sondern auch an Medien und eine immer häufiger zu beobachtende erziehungslose Verwöhnstruktur.

FOTO: Demonstration in Stuttgart für das natürliche Erziehungsrecht der Eltern

Übersteigerte Mediennutzung und Bespaßung statt sinnvoller Beschäftigung, ein stetiges Kreisen über den Köpfen der Kinder anstelle von Erziehung zu Verantwortung und Selbständigkeit.

Gemäß der gängigen gesellschaftlichen Strömungen von Nutzenmaximierung, Marktstrukturen und utilitaristischen Tendenzen entsteht der Eindruck, Kinder würden nur noch als Konsumenten und zukünftige, nutzbringende Arbeitskräfte betrachtet. In der Diskussion um Ganztageseinrichtungen ab dem ersten Lebensjahr zum Beispiel spielen die Bedürfnisse und Probleme der Kinder keine Rolle.

Jegliche ideologische Ausrichtung von Bildungsplänen oder schulischen Curricula untergräbt die Erziehungsverantwortung der Eltern und entspricht nicht dem Bildungsauftrag der Schule.

Die Erziehung der Kinder gehört in den Verantwortungsbereich der Eltern. Eltern können diese Verantwortung nicht abschieben, die Schulen sind nicht für die Erziehung der Kinder zuständig und dürfen auch nicht dafür zuständig gemacht werden.

Eine menschenwürdige Erziehung beinhaltet Respekt, Liebe, die Vermittlung von Werten, Achtsamkeit, Verantwortung im Umgang mit dem anderen Geschlecht, die Übernahme von Verantwortung und die Förderung der Selbständigkeit.

Dies bildet die Grundlage für eine den Kindern zugute kommende Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Bildungseinrichtungen.

Prof. Dr. Hubert Gindert
Vorsitzender des Forum Deutscher Katholiken