Zur Causa Wagner beide Seiten beachten

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Im Konradsblatt, der Kirchenzeitung der Erzdiözese Freiburg, wird in der Ausgabe Nr. 7/2019 auf S. 3 im Artikel „Medienarmada mit wenigen Erwartungen“ über Missbrauch von Ordensfrauen gesprochen. 

Im Text heißt es u.a.:  “Für weitere Aufmerksamkeit sorgt das jüngst erschienene Buch der Ex-Ordensfrau Doris Wagner über „spirituellen Missbrauch in der katholischen Kirche“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Kongreß „Freude am Glauben“ und das Forum Deutscher Katholiken

Auf der gleichen Textseite ist als „Zitat der Woche“ abgedruckt: „Macht Ungleichgewicht ist das Prinzip, das Missbrauch in der Kirche möglich macht. Sobald Augenhöhe in einer Beziehung fehlt, wird die Beziehung anfällig dafür, dass es auch Missbrauch gibt, dass der Part, der mehr Macht hat, sich über den anderen hinwegsetzt.“

Unter diesem Text ist ein Foto von Doris Wagner mit der Bildunterschrift zu sehen: „Die ehemalige Ordensfrau Doris Wagner, die sexuellen Missbrauch erlitt, in einem Fernsehgespräch mit dem Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn“.

Damit wird behauptet, Frau Wagner habe „sexuellen Missbrauch“ erlitten.

Frau Doris Wagner war von 2003 bis 2011 Mitglied der geistlichen Gemeinschaft „Das Werk“. Der Redaktion des Konradblatts wäre es –  nach dem alten Rechtsgrundsatz: „Audiatur et altera pars – Auch die andere Seite ist zu hören!“ –  möglich gewesen, die Stellungnahme der geistlichen Gemeinschaft, in der Doris Wagner lebte, einzuholen. Warum geschah das nicht?

Die Erklärung der Gemeinschaft „Das Werk“ liegt vor und lautet:

„Frau Doris Wagner, jetzt Reisinger, war von 2003 bis 2011 Mitglied unserer geistlichen Gemeinschaft. Im Jahre 2008 hatte sie eine einvernehmliche sexuelle Beziehung mit einem Pater, mit dem sie anschließend noch drei Jahre einen von Herzlichkeit und mitmenschlicher Sorge geprägten schriftlich und mündlichen Kontakt unterhielt. Von Vergewaltigung konnte nicht die Rede sein und war auch nicht die Rede. Im Jahre 2012 stellte sie dann Anzeige wegen Vergewaltigung erst bei der Staatsanwaltschaft Erfurt, die den Tatbestand der Vergewaltigung nicht erfüllt sah, dann noch bei der Staatsanwaltschaft in Österreich in Feldkirch, die das ebenso als einvernehmlichen Geschlechtsverkehr zwischen Erwachsenen ansah. Auch eine gerichtliche Überprüfung kam zu demselben Ergebnis.“ (vgl. Kath.net. vom 9.2.2019)

Gelegentlich ist von Politikern wie auch von Vertretern der Kirche die Rede von „unseren Werten“. Ist es nicht die einseitige Berichterstattung, die nur eine Seite – die bevorzugte – zu Wort kommen lässt, die das Klima vergiftet?

Wir erleben das zunehmend, wenn von politischen Vorgängen, aber auch von kirchlichen Ereignissen die Rede ist. Die Medien sollten sich an der Wahrheit und nicht an ihrer Agenda ausrichten!


Innerkirchliche Ver(w)irrung in der Debatte um das Frauenpriestertum

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der Zustand der katholischen Kirche (Gottesdienstbesuch, Sakramentenempfang, Berufungen) ist aus der Statistik gut ersichtlich. Das ist aber nur die quantitative Seite.

Über die qualitative Dimension hat sich der junge Theologieprofessor Joseph Ratzinger 1958 (!) geäußert, wenn er schreibt:

„Die Statistik täuscht. Das dem Namen nach christliche Europa ist seit langem zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen heraus auszuhöhlen droht“… d.h., dass die Betroffenen „sich nicht mehr einfach den Glauben zueignen, sondern eine sehr subjektive Auswahl aus dem Bekenntnis der Kirche zu ihrer eigenen Weltanschauung machen“ („Hochland“ Nr. 1/59).

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Heute kommt hinzu, dass Glaubenswahrheiten, z.B. zu Interkommunion, Wiederverheiratung nach Scheidung, Frauenpriestertum, die bisher unumstritten waren, aus dem Innern der Kirche, z.B. von Theologieprofessoren, kirchlichen Verbänden (ZDK, KDFB, kfd, etc.) offen abgelehnt bzw. uminterpretiert werden. Das lässt sich am Beispiel der Forderungen nach dem Frauenpriestertum leicht näher darlegen.

Die Ablehnung von Glaubenswahrheiten trägt zur Verunsicherung und Lähmung der Gläubigen bei und erklärt auch, dass die Neuevangelisierung nicht Tritt fassen kann.

Die Kirchenzeitung der Erzdiözese Freiburg (Konradsblatt,Nr. 10/2018, S. 24/25) berichtet über eine Tagung, die mit dem Titel „Frauen in kirchlichen Ämtern, Reformbewegungen in der Ökumene“ vom 7. bis 9. Dezember 2017 an der Universität in Osnabrück stattfand.

Dabei wurde der Zugang zu allen kirchlichen Ämtern, einschließlich des Priestertums für Frauen gefordert. Die Hauptthesen der Osnabrücker Tagung werden im Artikel des Konradsblatt auf sieben Sprechblasen abgedruckt.

Dort heißt es beispielsweise: „Das erklärte Ziel der ökumenischen Bewegung, die sichtbare Einheit der Kirchen, ist nicht zu erreichen ohne eine Verständigung über die Präsenz von Frauen in allen kirchlichen Ämtern“ (These 1), „Nicht der Zugang von Frauen zu den kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern deren Ausschluss“ (These 3), „Die Diskussion darüber, ob Gott eine unveränderliche Anweisung gegeben habe, wie oder durch wen Gott durch das kirchliche Amt bezeugt werden soll, kann und muss offen bleiben“ (These 4), „Die Unterscheidung von spezifischen Diensten innerhalb des einen (sakramentalen) Amtes (Episkopat Presbyterat und Diakonat) hat sich geschichtlich entwickelt und kann in ökumenischer Perspektive weiterentwickelt werden. Alle Dienstformen sollen für Frauen geöffnet werden“ (These 5).

Im Bericht des Konradsblatts kommen vier Frauen aus dem Erzbistum Freiburg zu Wort, die alle im kirchlichen Dienst stehen und sich im Sinne der „Osnabrücker Thesen“ äußern, z.B. dass „die Argumente, die gegen das Frauenpriestertum angeführt werden, nicht haltbar sind“.

Der Osnabrücker Bischof war lt. Artikel „fast die ganze Zeit anwesend“. Es wird nicht berichtet, dass er die Gelegenheit wahrnahm, die vorgebrachten Thesen zu korrigieren. Der Relativismus ist tief in die Kirche eingedrungen.

Die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe ist seit 2000 Jahren unbestrittene und praktizierte Glaubenswahrheit. Dass Joh. Paul. II. mit dem Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ vom 22. Mai 1994 das in Erinnerung bringen musste, hat mit der Tatsache zu tun, dass heute alle Glaubenswahrheiten bis hin zu den Fundamenten, auf denen die Kirche steht, z.B. die Auferstehung Christi, bestritten werden.

Versuche, die Aussagen von Joh. Paul II. in „Ordinatio sacerdotalis“ in Frage zu stellen, hat die Glaubenskongregation 1995 eindeutig beantwortet. Dort heißt es:

„Diese Lehre fordert eine endgültige Zustimmung, weil sie, auf dem geschriebenen Wort Gottes gegründet und in der Überlieferung der Kirche von Anfang an beständig bewahrt und angewandt, vom ordentlichen und universalen Lehramt unfehlbar vorgetragen worden ist“… „Unfehlbarkeit betrifft nicht nur feierliche Ankündigungen eines Konzils oder Papstes, wenn dieser ‚ex  cathetra‘ spricht, sondern auch das normale und universale Lehramt der Bischöfe weltweit, wenn sie etwas in Gemeinschaft untereinander und mit dem Papst, als katholische Lehre definitiv festzuhalten vorlegen“ (zitiert nach Konradsblatt 24/2018, S. 5).

Wenn die internationale Frauenkonferenz „Voices of Faith“ vom 8. Mai 2018 in Rom oder die Konferenz mit dem Titel „Frauen in kirchlichen Ämtern Reformbewegungen in der Ökumene“ oder Theologen wie der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald („Herder – Korrespondenz“ Juni 2017) oder der Jesuit Stefan Kiechle (Maiausgabe der „Stimmen der Zeit“) diese Glaubenswahrheiten in Abrede stellen, wobei Kiechle bereit wäre, auch ein Schisma in Kauf zu nehmen („eucharistisch Austrocknung der Kirche“ wegen Priestermangel sei ein“ größerer und schwerer zu verantwortender Schaden als das Schisma einiger Gralshüter eines sehr alten Kirchenbildes“), so zeigt dies das Ausmaß des Ungehorsams in der Kirche!

Auf die Konsequenzen der Ablehnung von definierten „Glaubenswahrheiten“ weist Kardinal Walter Brandmüller in der Tagespost  vom 17.5.2018 mit folgenden Worten hin:

„Wer dennoch an der Forderung bzw. Möglichkeit der Priesterweihe – und damit auch der Diakonenweihe – für Frauen festhält, hat die Grundlagen des katholischen Glaubens verlassen. Er erfüllt damit den Tatbestand der Häresie, die den Ausschluss aus der Kirche – Exkommunikation – zur Folge hat. Auch den Ausschluss von allen kirchlichen Ämtern etc“.


Freiburg: „Konradsblatt“ stellt konservative Christen unter Extremismus-Verdacht

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Erschreckende Verbindungen“ schlägt das „Konradsblatt“, die katholische Kirchenzeitung für das Erzbistum Freiburg, jetzt regelrecht Alarm:

Es geht – wie könnte es anders sein  – um die angeblich so innigen Kontakte zwischen konservativen Christen und „rechtsextremen“ Gruppierungen. Konradsblatt 25-2015 S. 25

Oho, da hätte man gerne Roß und Reiter gewußt, doch das Bistumsblatt verweigert klare und konkrete Auskünfte.

Stattdessen bewegen sich die Vorwürfe, welche in der aktuellen Ausgabe (Nr. 25/2015) ausgiebig ausgewalzt werden, in wolkigen, schein-akademischen Schlaumeiereien, die betont abstrakt und soziologisch gestelzt präsentiert werden, um den Anschein wohlfeiler Wissenschaftlichkeit zu erwecken.

Dabei geraten nicht etwa nur vermeintlich „rechtskatholische“ Kreise ins Visier der Faschistenkeule bzw. linken Gedankenpolizei, sondern auch sogenannte „Rechts-Evangelikale“.

Das zweiseitige Interview ist leider online nicht zugänglich, liegt uns aber aus der Print-Ausgabe vor (siehe hier das Foto der Interview-Seite 24).

Der Text besteht aus einer Einführung der Konradsblatt-Redaktion und einem Gespräch mit Sonja Angelika Strube, ihres Zeichens Privatdozentin an der „interdiziplinären Forschungsgruppe „Frieden, Religion, Bildung“ (Uni Osnabrück).

Die katholische Rechtsextremismus-„Expertin“ hat unlängst ein Buch mit dem Titel „Rechtsextremismus als Herausforderung für die Theologie“ beim Herder-Verlag herausgebracht.

Auf ein Werk, das sich mit demLinksextremismus als Herausforderung….“ befaßt, werden wir wohl noch lange warten müssen, falls es überhaupt je erscheint….

„Christen und rechte Ideologie“ im Visier

Mit der katholischen Theologin Strube führte die Redaktion also ein „Gespräch über Christen und rechte Ideologie“, wie es eingangs vielsagend heißt.

Die Dame zeigt sich „schockiert“ darüber, daß „sich christlich verstehende Internetseiten“ Kontakte pflegen zu Medien der „intellektuellen Neuen Rechten“ sowie zu „extrem islamfeindlichen Medien.“

Sodann weiß die Buchautorin zu berichten, daß „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (!) sowie „rechtsextreme Einstellungen“ unter Christen sogar „etwas überdurchschnittlich verbreitet“ seien, wie „verschiedene Studien“ angeblich herausgefunden hätten. 4077304320

Merkwürdigerweise weiß man aus der breitflächig angelegten KFN-Studie von Prof. Dr. Christian Pfeiffer (dem früheren SPD-Minister) genau das Gegenteil: Je frommer, je religiöser junge Christen denken, desto friedlicher und toleranter sind sie eingestellt.

Übrigens ergab sich bei jungen Muslimen das genaue Gegenteil: Je religiöser, desto aggressiver die jeweiligen Ansichten, desto gewaltbereiter die Personen insgesamt!

(Näheres dazu im ZDF-Portal: http://www.zdf.de/forum-am-freitag/interview-mit-prof.-christian-pfeiffer-5348222.html)

Aber vielleicht befaßt sich Frau Strube lieber nur mit jenen Studien, die ihr eigenes Weltbild zu bestätigen scheinen?

Außerdem läßt sie uns gerne an ihrem weiteren Wissen teilhaben: „Aktuell lässt sich eine Zusammenarbeit zwischen rechtschristlichen und politischen  rechten Gruppierungen besonders deutlich bei den Themenbereichen Islam, Christenverfolgungen und Familie feststellen.“

Aber sicher doch: Wer sich mit derart verdächtigen „Themenbereichen“ befaßt, sollte genauer unter die Lupe der roten Oberaufseher genommen werden, damit solche Pfui-Themen ausgegrenzt und zukünftig alles mit rechten – äh: linken!  – Dingen zugeht.

„Christen sind nicht nur Verfolgungsopfer“

„Islamfeindliche Gruppen erwecken“, so behauptet die Theologin munter weiter, „den Eindruck, Christen wären immer nur Verfolgungsopfer, nie Täter, und sie würden ausschließlich durch Muslime verfolgt. Beides stimmt nicht mit den weltweiten Realitäten überein.“ IGFM-menschenrechtede-8174_01_dd53c02859

Leider versäumt es die Autorin, ihren Lesern zu erklären, wie die „weltweiten Realitäten“ aus ihrer speziellen Sicht aussehen  – und wo die Christen denn bittschön als „Täter“ agieren. Die Redaktion des „Konradsblatts“ hält es auch nicht für nötig, hierbei nachzufragen, sondern stellt dieser Dame eine Gefälligkeitsfrage nach der anderen!

Abgesehen davon ist es schlicht Unsinn, „islamfeindlichen Gruppen“ die Behauptung zu unterstellen, Christen würden „ausschließlich“ durch Muslime verfolgt. Gerade in islamkritischen Kreisen wird die Verfolgung von Christen in kommunistischen Staaten wie Nordkorea oder Rot-China ebenfalls häufig thematisiert (von Frau Stube freilich mit keinem einzigen Wort).

Einsatz für Familienwerte macht verdächtig

Auch das Eintreten für klassische Vorstellungen von Ehe und Familie ist Frau Strube nicht geheuer: „Beim Themenfeld „Familie“ treffen sich konservative Christen und rechte Gruppen inhaltlich im Kampf für ein enges traditionelles Familienverständnis.“  BILD0222

Sodann wirft die Autorin diesen familienbewegten Christen ein „bestimmtes, enges Verständnis von Schöpfungsordnung“ vor, ohne dem geneigten Publikum zu erläutern, wie sie sich selber die angeblich richtigere Sicht dieser Schöpfungsordnung vorstellt…

Auf die besorgte Frage des „Konradsblattes“, welche „christlichen Kreise“ denn in einem besonderen Maße „gefährdet“ (!) seien, weiß die Interviewte zu berichten:

„Grundsätzlich sind es Menschen, die besonders rigide Frömmigkeitsstile pflegen, strenge Regeln einhalten bzw. von anderen deren Einhaltung fordern.“

Ähnlich bedroht von rechtsextremer Einstellung sind laut Strube zudem jene Menschen, „die sehr überzeugt davon sind, dass ihre eigenen Glaubensvorstellungen die einzig wahren sind“. 

Unsereins hätte gerne gewußt, wie diese Theologin denn die offensichtliche Tatsache beurteilt, daß Christus einen klaren Wahrheitsanspruch verkündete, ja sogar rundweg erklärte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“  – Das Johannesevangelium berichtet, daß der Erlöser dieser „rigiden“ Äußerung gar noch die gewiß „fundamentalistische“ Bemerkung hinzufügte: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“

Ob ER und seine Apostel, welche diese Botschaft des HERRN unter Einsatz ihres Lebens verkündeten, aus der Sicht dieser Dame wohl in besonderem Maße „gefährdet“ und daher mindestens therapiebedürftig waren?

HINWEIS auf einen ergänzenden Artikel hierzu: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/02/das-portal-der-dt-bischofskonferenz-agitiert-gegen-christliche-konservative/

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugend-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.