Der polnische Pater Dominik Chmielewski zwischen Charismatik, Fatima und Medjugorje

Von Felizitas Küble

Er ist jung, sportlich, fromm, erscheinungsbewegt und charismatisch: Der polnische Salesianerpater Dominik Chmielweski. 

Wie nicht selten im „konservativen“ Spektrum, ist auch dieser Priester von dem (kirchlich nicht anerkannten) Erscheinungsort Medjugorje hell begeistert, pilgert dorthin und wirbt auch für Fahrten in diese Pfarrei in Bosnien-Herzegewina (siehe Plakat-Auszug), in welcher sich angeblich die Madonna seit über 35 Jahren ein Stelldichein gibt und tägliche Botschaften an die „lieben Kinder“ übermittelt (gemeint sind damit vor allem die Seher/innen – freilich längst erwachsene Leute).medziu-od-ks-dominika

Zugleich ist der Ordensgeistliche sehr aktiv im schwarmgeistigen Milieu tätig. Auch in Deutschland hält er tagelange Exerzitien, so auch am vergangenen Wochenende bei einem charismatischen Treffen in Geseke, an dem über 600 Leute teilgenommen haben.

Da sich daran neben vielen hierzulande lebenden Polen auch deutsche Katholiken beteiligten, wurden seine Predigten auf deutsch übersetzt. Auch bei dieser Gelegenheit lud er die Gläubigen zu einer Medju-Wallfahrt ein, worauf sich viele von ihnen sofort interessiert zeigten.

Bezeichnenderweise lautet der Titel seines neuesten Buches (Jego milosc cie vleczy) übersetzt: „Seine Liebe wird Dich heilen.“  – Die Zauberworte „Heilung und Befreiung“ stehen in charismatischen Kreisen  – ob katholisch oder protestantisch  – seit jeher besonders hoch im Kurs.

Mit „Heilung“ ist dabei nicht etwa „nur“ das Heil der Seele, sondern ausdrücklich auch eine plötzliche körperliche Genesung gemeint. „Befreiung“ bezieht sich weniger auf die Beichte, sondern vor allem auf Exorzismen (sog. „Befreiungsgebete“), welche eine vermeintliche Besessenheit beenden sollen.

Allerdings ist man in schwarmgeistigen Kreisen schnell damit bei der Hand, Gläubigen eine angebliche Umsessenheit, Besessenheit, Verfluchung bzw. dämonische „Belastung“ einzureden, um sie dann hinterher davon  zu „befreien“…chmielewski

Angeblich hat der Pater  – eigenen Angaben zufolge – früher selber schon satanische Attacken erlebt. Vielleicht hält er sich deshalb für einen besonders „vollmächtigen“ Exorzisten.

Ebenfalls in typisch charismatischer Manier pflegt er gerne das „Zungenreden“ – und dies nicht nur bei seinen eigenen Gebetsgruppen, sondern auch während des Ablaufs einer heiligen Messe.

In Geseke beteiligten sich viele Katholiken an dieser angeblich vom Heiligen Geist verursachten „Sprachengabe“ (in einer Sprache, die keiner versteht, die eher wie ein unartikuliertes Gelalle und Gemurmel wirkt).

Zudem führt er „Heilungsgebete“ und „Heilungen“ auch während der Meßfeier durch, obwohl der Vatikan bereits unter dem Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger strikt erklärt hat, daß dergleichen untersagt ist, um den stets gleichbleibenden Sinn des Gottesdienstes nicht zu verfremden oder für andere Zwecke zu vereinnahmen.  –  Näheres siehe hier (vor allem unter „Disziplinären Bestimmungen“ § 5,2 ff): https://charismatismus.wordpress.com/2013/02/18/instruktion-der-papstlichen-glaubenskongregation-vom-14-9-2000-uber-leiden-heilung-krankensalbung-und-heilungs-charisma/

An übertriebener Bescheidenheit scheint der Geistliche ohnehin nicht zu leiden. Wie dieses von ihm selbst gewählte Plakat bzw. Logo mit dem Titel „The Dominator“ (Der Herrscher/Beherrscher) zeigt, gibt er sich gerne sendungsbewußt und kriegerisch.

Natürlich geht es dabei „nur“ um einen Kampf gegen Sünde und Teufel. Immerhin war er vor seiner priesterlichen Zeit begeisterter Karate-Kämpfer. Nun führt er eben einen „Kampfsport“ gegen den Satan, wie er seinen Wirkungskreis gerne beschreibt. 2732900420_68d28f8a20

Vermessentliche Heilsgewißheit  –  auf Abwegen!

Besonders wichtig sind dem Salesianer zudem die Erscheinungen von Fatima; vor allem das Einhalten der dort favorisierten fünf Herz-Mariens-Sühne-Samstage empfiehlt er den Gläubigen immer wieder unverdrossen. (In der Fatima-Literatur heißt es hinsichtlich der damit verbundenen Verheißung: „Jenen, die diese Übung von fünf ersten Samstagen wenigstens einmal im Leben einhalten, verspricht Maria, ihnen in der Todesstunde mit jenen Gnaden ihres Sohnes beizustehen, die zu ihrem ewigen Heil erforderlich sind.“)

Dabei verbindet der erscheinungsbewegte Pater diese Fatima-Samstage mit erstaunlichen Heilszusagen:

So erzählte er seinen Zuhörern in Geseke, wenn jemand wenigstens diese fromme Übung praktiziere, aber ansonsten ein liederliches Leben führe, den Glauben und die Gebote nicht praktiziere, also folglich zur Hölle verurteilt sei, dann werde die Madonna bei ihrem göttlichen Sohne vorstellig für diesen Todsünder, weil er ja trotz alledem ein Marienverehrer gewesen sei. Die selige Jungfrau bewahre ihn durch ihre Fürsprache vor der sonst sicheren Hölle, so daß der unbußfertige Sünder nur ins Fegefeuer komme und so schlußendlich glücklich in den Himmel eingehen könne.

Damit treibt der Geistliche die (ohnehin schon mißverständliche) Fatima-Verheißung hinsichtlich der fünf Sühne-Samstage noch weiter auf die Spitze – in einer geradezu vermessenen und heilsgefährlichen (Un-)Art.Von Julia Kesenheimer geschickt

Die katholische Kirche lehrt ausdrücklich (vor allem auf dem Konzil von Trient), daß weder der Glaube ohne gute Werke noch irgendeine spezielle Andacht für sich allein genommen bereits selig macht – daß vielmehr auch die Einhaltung der Gebote Gottes notwendig ist, um durch die Gnade Gottes das ewige Heil zu erlangen.

Außerdem verkündete das Tridentinum, daß es für rechtschaffene Gläubige auf Erden zwar eine Heilszuversicht gibt, aber  – im Unterschied zur protestantischen Auffassung – durchaus keine absolute Heilsgewißheit. Somit leben die Katholiken hienieden in einer gewissen „Spannung“, aus der manche von ihnen gerne in eine vermeintliche Heilssicherheit flüchten.

Wer anderes behauptet als diese beiden erwähnten kirchlichen Dogmen, vertritt im Grunde einen protestantischen Standpunkt (wonach nämlich der Glaube allein schon zur Seligkeit führe)  – nur garniert mit einem katholischen bzw. marianischen Mäntelchen.

Dieses Angebot (wonach diese oder jene Sonder-Andacht zielsicher zur Seligkeit führe) wirkt auf manche Katholiken durchaus verlockend. Das erstaunt wenig  – wer möchte sich nicht gerne in einer bequemen Heilsgewißheit wiegen?

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und zudem ehrenamtlich das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Der klassische „Römische Katechismus“ und seine Verteidigung der Juden

Argumentation gegen Vorurteile vor über 400 Jahren

In und außerhalb der kath. Kirche ist kaum bekannt, dass die fatale antijüdische Kollektivschuld-These nicht etwa erst 1965 (2. Vatikanum) durch die Erklärung “Nostra aetate” verworfen wurde.

Vielmehr wurde diesem verhängnisvollen Vorurteil fast genau 400 Jahre zuvor bereits eine klare Absage erteilt: im Catechismus Romanus, dem sog. „Römischen Katechismus“.   davidstern (2)

Dieser kirchenamtliche Katechismus von 1566 war bis zur Einführung des neuen Weltkatechismus 1992 jahrhundertelang  d i e  offizielle Leitplanke für alle anderen Katechismen auf nationaler oder diözesaner Ebene.

Auch im neuen Weltkatechismus wird häufig auf den Catechismus Romanus bezug genommen. Dieser Leit-Katechismus entstand nach einem Beschluss des Konzils von Trient, mit dem die kath. Kirche auf die Herausforderung durch die „Reformation“ reagierte.

Der hl. Papst Pius V. beauftragte nach dem Trienter Konzil den angesehenen Kardinal Karl Borromäus (später ebenfalls heiliggesprochen), die Redaktionsarbeiten für den Catechismus Romanus zu vollenden. Das Werk wurde ein „großer Wurf“ und gehört zu den verbindlichen Dokumenten des kirchlichen Lehramts.

Was lehrt nun der „Römische Katechismus“ über das Thema „Wer ist Schuld an der Kreuzigung Jesu Christi?“

Er stellt nüchtern und selbstkritisch fest: in erster Linie tragen jene Christen die Schuld daran, die sich in Sünden und Lastern wälzen. Im ersten Teil orientiert sich der Katechismus am „Credo“.

Im 5. Hauptstück wird die Credo-Aussage „Gekreuzigt unter Pontius Pilatus“ erläutert. Im 11. Kapitel heißt es  dort: 1403634115528

„Wenn also einer fragt, was der Grund war, warum der Sohn Gottes das bitterste Leiden übernahm, so wird er erkennen, daß es außer der Erbschuld der ersten Eltern (Adam und Eva) vor allem die Laster und Sünden waren, welche die Menschen begangen haben und bis zum Ende der Zeiten begehen werden….Es müssen dieser Schuld (am Tod Christi) alle als teilhaftig angesehen werden, welche öfters in Sünden fallen…. Jene, die sich in Schandtaten und Lastern wälzen, kreuzigen ihn von neuem.

Und dieser Frevel wiegt bei uns Christen viel schwerer, als er es bei Juden gewesen ist, weil die Juden nach dem Zeugnis des Apostels Paulus „den Herrn der Herrlichkeit niemals gekreuzigt hätten, wenn sie ihn erkannt hätten“. – Wir legen aber das Bekenntnis ab, ihn zu kennen und verleugnen ihn dennoch durch unsere Werke und legen so gewissermaßen gewaltsam Hand an ihn.“

Der Blick der Katholiken wird also von der weitverbreiteten Vorwurfs-Haltung gegenüber Juden „umgelenkt“ in die eigene Richtung, so dass der Finger nicht mehr in erster Linie auf Juden zeigte, sondern auf die Christen selbst.

Die offensichtlich judenfreundliche Haltung des Römischen Katechismus wird auch an anderer Stelle erkennbar: So heißt es Dritten Teil (1. Hauptstück, 11. und 12. Abschnitt) in einer Aufforderung an die Pfarrer:

„Obwohl dieses Gesetz des Moses vom Herrn auf dem Berge den Juden gegeben wurde, ist es gleichwohl von sehr großem Nutzen für alle Menschen – jene Worte Gottes also, welche durch Moses als Diener und Dolmetscher den Hebräern verkündigt wurden.“

Sodann werden die Priester angehalten,polskaweb

„die Geschichte des israelitischen Volkes, welche voller Geheimnisse ist, sorgfältig zu erklären…Der Pfarrer wird zuerst erzählen, daß Gott aus allen Völkern, welche unter dem Himmel sind, eines auserkoren hat, das seinen Ursprung von Abraham herleitet.“

Dies wird kurz darauf noch einmal eingeschärft:

„Der Pfarrer hat vor allem das zu verkünden: daß aus allen Völkern nur eines von Gott erwählt worden ist, welches er „sein Volk“ nennt und welchem er sich zu erkennen gab und zur Verehrung vorstellte. Nicht als ob es die übrigen Völker an Gerechtigkeit oder Zahl überboten hätte, sondern weil es Gott eben so gefiel, lieber ein kleines und armes Volk zu vermehren und zu bereichern, damit seine Macht und Güte bei allen umso bekannter und herrlicher sein würde.“

Nachdem der Katechismus erklärte, dass der Ewige die Israeliten als „sein Volk“ bezeichnete, wird weiter erläutert, dass sich der Schöpfer den Hebräern auch als „ihr Gott“ zu erkennen gab:

„Da es also mit jenen Israeliten so bestellt war, so verband Gott sich mit ihnen und liebte sie, so daß er sich – obwohl Herr des Himmels und der Erde – nicht schämte, „ihr Gott“ zu heißen, um dadurch die übrigen Völker zur Nachahmung anzuregen, damit sich alle Menschen, wenn sie das Glück der Israeliten schauen, der Verehrung des wahren Gottes zuwenden.“

Hieraus wird erkennbar, dass der Römische Katechismus bereits vor 400 Jahren ein faires, ja wohlwollendes Bild des biblischen Volkes und seiner Erwählung verkündete und Gottes Verheißungen für die Israeliten würdigte.

Zugleich wurden Kollektivschuld-Vorstellungen gegen Juden abgelehnt und der Blick auf das Versagen jener Christen gelenkt, die Christus durch Laster und Schandtaten „von neuem kreuzigen“