Papst: „Christus war kein Philantroph“

Die 38. Katechese vom heutigen Mittwoch bei der Generalaudienz von Papst Franziskus stand unter dem Motto „Das hohepriesterliche Gebet.“ – Dabei käme dem Paschamysterium eine besondere Bedeutung zu, erklärte der Papst: Das Ereignis von Jesu Tod und Auferstehung werfe nämlich auch Licht auf sein ganzes Leben.

„Jesus war kein Philanthrop, der sich des menschlichen Leids, der Krankheiten der Menschen angenommen hat: Er war und ist viel mehr,“ so Franziskus weiter.

„In ihm gibt es Rettung, und zwar keine momentane Rettung – eine, die mich vor einer Krankheit oder einem Moment der Entmutigung rettet –, sondern die vollkommene, messianische Rettung: jene Rettung, die Hoffnung schenkt auf den endgültigen Sieg des Lebens über den Tod.“

Am Kreuz trete der HERR beim Vater als wahrer Fürsprecher für alle ein, betonte das Oberhaupt der katholischen Kirche:

„Jesus betet auch am Kreuz, eingehüllt in die Stille Gottes. Und doch kommt das Wort ,Vater` noch einmal auf seine Lippen. Es ist das kühnste Gebet, denn am Kreuz ist Jesus der wahre Fürsprecher: Er betet für andere, für alle, sogar für seine Peiniger: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2021-06/papst-franziskus-generalaudienz-katechese-gebet-jesus.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE


Der Heilige Geist in Schöpfung und Erlösung

Von Pater Eugen Mederlet OFM

Wir singen und beten so oft am Schluss der Orationen „in der Einheit des Heiligen Geistes“ und im Hochgebet der Messe flehen wir, dass wir „ein Leib und ein Geist“ werden mögen. Was bedeutet das?

Bedeutet es nur, dass wir gesinnungsmäßig übereinstimmen? Wie man so sagt: „ein Herz und eine Seele“, in einem Zusammenklang unserer Seelen? Ist das schon genug?

Jesus fleht zum Vater und gibt es an als Frucht seines Kreuzesopfers, dass wir so eins seien, wie er mit dem Vater eins ist. Die Einheit kann ja nicht nur unter jenen sein, die enger zusammenleben – und die anderen gehen mich nichts an. Das wäre nicht die ganzen Schöpfung.

Dann wären auch im Himmel lauter Einzeleinheiten, so wie man im großen Speisesaal um kleine Tische herum zu Sechsen sitzt, man hat gute Gespräche untereinander, aber mit den anderen ist keine Verbindung vorhanden.

Selbst wenn wir mit allen Menschen, die jetzt leben, in einer inneren Gemeinschaft stehen würden, dann wären wir es noch nicht mit allen vergangenen Generationen und mit den kommenden.

Es ist auf alle Fälle eine Einheit, die alles Psychische übersteigt, denn alle sollen miteinander eins werden, auch die Engel mit den Menschen; denn sonst wären ja wieder zwei Kammern im Himmel, so wie in einer Regierung zwei Kammern sind: Das Oberhaus und das Unterhaus. Da wären die Engel für sich eine Gesellschaft und die Menschen wieder für sich eine Gesellschaft.

Die Schöpfung ist eine. Was bedeutet dies? Wie können wir es vielleicht ein wenig erahnen?

Die gesamte Schöpfung ist eins und ist von Anfang an von Gott so erschaffen, dass sie ein unvorstellbares Kunstwerk der Harmonie darstellt. Beginnen wir einmal mit den Engeln im Himmel, den Ersterschaffenen. Wenn in einem Engel ein Gedanke aufsteigt, ist dieser Gedanke einklingend in alle. Die Gedanken und die Liebesglut eines jeden klingt zusammen in eine einzige, unendliche Fülle, ein nicht mehr vorstellbares Kunstwerk der Harmonie.

Wenn wir uns die herrlichste Symphonie, die je auf Erden komponiert worden ist, von den schönsten und vollendetsten Künstlern gespielt, vorstellen würden, wo dann die eine Geige eine Melodie spielt, aber nicht für sich. Der Geiger wird auch nicht sich selbst wie ein Solo hören. Er spielt sich hinein ins Ganze und klingt zusammen mit der Trommel, mit der Klarinette, mit der Oboe, mit der Bratsche, mit dem Cello, mit der Bassgeige, alles klingt in eine einzige, unerhörte Harmonie, eben das wunderbare Kunstwerk.

Wenn ich eine einzelne Melodie hören würde, wäre das vielleicht schon ganz schön, besonders wenn es die von ersten Geiger wäre, aber ich würde nicht herausspüren, was es eigentlich ist. Der erste Geiger wäre trostlos, wenn er das als Einzelner vorspielen müsste. Er erkennt sich selbst und den Wert seines Spielens in dem, was es im Ganzen wird.

Dieses Zusammenspiel der Musik auf Erden müssen wir als winzig kleines Ahnungsfünklein hineinübersetzen, hineinahnen in die Engel, wo jeder Spieler ja selbst seine Melodie spielt und jeder persönlich denkt, empfängt aus Gott, anbetet, strahlt Ihn wider in allen Variationen herrlichster Kunstwerke des Singens, immer neuer Dichtung höchster Lyrik und höchster Anbetung und Musik, Licht, Farbe.

Alles, was wir hier unten ahnen können, ist in einem unerhörten Zusammenklang, wo nichts allein ist, sondern alles eins, ein einziges Leben, und das zuströmend aus Gott, zuströmend aus der unendlichen Zeugung, in der der Vater seinen Sohn ausspricht.

ER ist ja der Urheber aller Kunstwerke in Seinem Wort, das ER spricht. Dieses eine WORT strömt im Heiligen Geist in die Engel und wird dort zu diesem unendlichen Kunstwerk, wo jeder berufen ist, seine Partie zu spielen, zu singen und zu leben, ein unerhörtes Leben, ein Drama. Die Engel leben ja! Wir sehen doch, in welche Prüfung sie gestellt werden. Die einen stürzen in den Abgrund und vom Abgrund aus durchqueren sie mit Getöse, mit dem Lärm die Harmonie. In der Hölle gibt es keinen Klang mehr, nur noch Lärm. Lärm kommt aus der Unterwelt.

Bei Hildegard von Bingen haben die Teufel immer nur ein Geplärr, sie können nicht singen. Eine Störungsfunktion üben sie aus gegen diese unaussprechliche Harmonie.

Und nun ist in den Engeln gleichsam die ganze Schöpfung schon vorgespielt. Das ganze Schöpfungsdrama, auch das ganze Werden der Schöpfung, jeden Geschöpfes, jeder Blüte, jeder Form der Kristallisation, jedes Windhauchs, der durch die Jahrmillionen und Milliarden geht, und jede Formung der Sterne und ihre Bewegungen, und ihre Gluten, und das Werden der Menschen und ihre Geschichte, alles ist schon vorgeformt in den Engeln und wird nun hineingespiegelt, dass es Erde wird, dass es Mensch wird.

Und der Mensch bekommt nun selbst seine Partie mitzuspielen mit den Engeln zusammen als Mensch, nun noch eine viel größere Herrlichkeit dieses Gesamtgesanges, des gesamten Dramas, des gesamten herrlichen Spieles Gottes. Er spielt auf dem Erdenrund noch herrlicher, es zu gestalten durch das menschliche Einklingen in das Klingen der Engel.

So war es im Paradies bis zum Menschen in der Zeit, da er noch in der Einheit Gottes ist, ist alles ein einziges unendliches Werden eines gesungenen, herrlichen Dramas, einer Oper, eines Welttheaters im tiefsten, herrlichsten Sinn, von Gott erfunden und gespielt durch seine Diener, die Knechte.

Nichts hat gestört, nichts konnte irgendeinen Misston geben, und der Mensch hat, solange er auf Gott so einging, wie die Engel eingehen, in der freien Zustimmung der Liebe auch jeden Gedanken, jede Regung ganz aus Gott empfangen und singend, klingend, handelnd, sprechend, denkend hineinklingen lassen in die immer voranschreitende Symphonie. Die Symphonie wird erst vollendet sein und dann erst eigentlich klingen, wenn die Schöpfung bei der Wiederkunft Christi vollendet ist.

Aber im Paradies begannen die ersten Takte der Ouvertüre, und die waren schon unerhört herrlich und ohne jeden Fehler, makellos gespielt von jeder Regung des Herzens, und deshalb war eben die Liebe zwischen Adam und Eva reinste Gottesliebe. Das Leibhaftige war nur Ausdruck des Brautgeheimnisses, der Leib des Menschen offenbart das Geheimnis der göttlichen Liebe, die als Mann und Frau sich gegenseitig schenkt. So hätte es eingeklungen mit den Kindern, so wäre alles immer weiter eingeklungen.

Natur Mensch Umwelt

Und nun kommt der unheimliche Misston, dass nicht nur irgend einer, sondern der Mensch, der alle Symphonie in sich trägt, aus dem alles hervorgehen soll, sich von Gott, vom Komponisten und vom Dirigenten, von der gesamten Einheit des Kunstwerkes losreißt und es an sich reißt und querdurch falsch hineintönt, und so das ganze Orchester durcheinanderbringt, so dass nichts mehr tönen kann, dass alles Missklang ist, so dass die Engel allein noch im Himmel singen und die Erde verloren außerhalb des Kunstwerkes gefallen ist ins Draußensein. Das ist das Werk Adams. Unheimlich! Wir können uns das nicht vorstellen. Das heißt, wir könnten es ja, wir leben es doch.

Und nun – wie geht es weiter?

Ich möchte zuerst noch einmal zurückkehren zur Einheit des Paradieses und des Himmels. Dieses Einssein ist eben das eine Leben aus Gott. Da ja alle am göttlichen Leben teilnehmen, sind alle inwendig in einem Leben, das aus sich selbst zusammenklingt, wie in einem Leib von selbst alles ein Leben ist. Die Einheit ist real, das eine Leben des Dreieinen Gottes.

Dass die gesamte Schöpfung so in dieser Gnade, der Paradiesesgnade und der himmlischen Gnade der Engel, so von Gott, aus Gott ein Leben hat, dass wir hineingenommen sind in die Heiligste Dreifaltigkeit. Wir haben das Leben des einen Gottes und deshalb ist es ein Leben. Wie Vater und Sohn eines Wesens sind und ein Leben haben, alles gemeinsam in einer Fülle, so besitzen wir alle gemeinsam in einer Fülle den Anteil am göttlichen Leben.

Und das ist zerstört. Das Leben ist ausgelöscht. Das ist der Tod, das ist das Reich der Sünde, das Reich der Finsternis, das der beherrscht, der es herbeigeführt hat mit seinem Missklang, in den er den Menschen hineingerissen hat. Der Mensch hat es aber gewollt.

Und nun – wie geht es weiter?

Nun kommt Gott selbst in diese zerstörte Schöpfung. Wir können nun denken, jetzt macht ER alles wieder gut. ER erlöst uns, und jetzt klingt alles wieder schön. So geht es nicht.

Gott selbst geht den umgekehrten Weg: Weil der Sohn Gottes in dieses Leben hineinsteigt, geht nun die gesamte Zerstörung, der herzzerreißende Missklang und Tod, alles geht auf Jesus, das Lamm, das nun das Sündenlamm wird, beladen mit der ganzen Weltsünde. Dieses Zerrissensein der ganzen Symphonie geht auf Jesus. ER nimmt unsere Last an – und in dieser Zerrissenheit nun stimmt ER ein neues Lied an, das noch viel herrlicher ist als alles, was bisher, als die Welt noch in der Unschuld war, erklungen ist.

Weil jetzt aus diesem Zerstörtsein, aus diesem Tragen von aller Krankheit, von aller Weggeworfenheit, von aller Verdemütigung und Verspottung, das unendlich herrlichere Lied der Liebe erklingt. Darin sagt Jesus: Ja, das soll jetzt mein Loblied des Vaters sein, dass ich von dieser zerstörten, rebellischen, verlorenen Erde aus Ihm das Lob darbringe in all diesen Schmerzen.

Es ist das neue Lied der gekreuzigten Liebe, das viel herrlicher ist, schwerer, aber herrlicher als das Lied der Engel. Sie beneiden uns, dass wir dieses viel herrlichere Lied singen dürfen als sie.

Dieses Lied des Sohnes Gottes am Kreuz, das erfüllt nun auch die Engel, dass sie das gleiche Lied, dieses schmerzvolle Lied der Liebe singen können, weil sie hinabgestiegen sind zu uns Menschen, unsere Schutzengel und alle Engel, in diese zerrissene Welt dienend herabgestiegen sind. So lernen sie ebenfalls das herrliche Lied des Gottesknechtes, der alle Schuld der Welt und alle Krankheit trägt, den Gott zerschlagen hat um unserer Missetaten willen.

Seht, in diese Einheit sind wir hineingestellt.

Wir müssen heute drum beten und auch, wie es uns gegeben ist, darum ringen im Herzen, aus der Isolierung herauszukommen, um uns nicht mehr als Einzelne zu sehen: Ich und Gott – und dann sind andere auch noch da, mit denen ich halt schauen muss, wie ich fertig werde, sondern wir, die gesamte Schöpfung.

Der verborgenste Gedanke, das verborgenste Beten, Opfern oder ein Lied, das in mir erklingt, das ich so gern in Worte fassen und singen möchte, dass es die Welt höre, das ist schon längst gehört. Sobald es aufsteigt, vom Heiligen Geist angeweht, ist es bereits in der ganzen Schöpfung, ist es Einklang in die Symphonie – und einmal wird es als herrlicher Gesang offenbar sein bei der Wiederkunft Christi, wenn die erlöste Schöpfung ins Lied der Liebe einstimmen wird.

Deshalb dürfen wir in unseren Gebeten ganz still verborgen sein, brauchen unsere Opfer von keinem Menschen gesehen werden. Darum sagt Jesus, die linke Hand soll es nicht einmal wissen. Und in dein Kämmerchen schaut der Vater hinein.

Wenn wir die heilige Eucharistie feiern, strömt das in die gesamte Schöpfung. Es ist ja das Opfer für alle, das Jesus hier darbringt in unserem Herzen, und wir es als unser Opfer im Schoß der Kirche darbringen.

Wir meinen immer, wir müssen Solo spielen, wir wollen eine Solo-Geige. Und dann meinen wir: Ich muss wichtig sein, damit meines ebenso gut ist wie das andere. Das muss doch neben dem konkurrieren können. Der spielt ja nur Bratsche, ich will Geige spielen, die erste Geige!

Du bist aufgeblasen, wie es in der Fabel heißt, wie der Frosch, der so groß sein wollte wie der Ochse. Er hat sich aufgeblasen, bis er geplatzt ist. Das ist genau unser Stolz. Wir alle blasen uns auf, und dann ist nichts da als ein missklingendes Quaken. Damit ist die ganze Symphonie zerstört.

Wenn ich aber aufgeben würde, Solo zu spielen, sondern nur meinen schlichten Klang, was jetzt eben in meinem Leben als Beten, als Opfern, als Tun, als Werk gegeben ist, Füße waschen oder eine Krankheit tragen, ja: die ganze Mühe des Belastetseins, weil ständig in mir alles nach unten zieht und ich in jedem Gebet nur Zerstreuungen habe – und zu all dem Ja sage, ist dies mein wahrer Einklang in die herrlichste Harmonie. Sie kommt aus dem Kreuzesopfer Jesu, aus dem Lobgesang des Sohnes, eine Melodie, die ins Ganze hineingehört und die nun im Ganzen zum Glanz gelangt.

Das ist, was der Heilige Geist in uns wirkt, dass ER uns entfacht zu dieser Glut der Liebe, dass ER uns entzündet zu dieser Bereitschaft, das mühevolle, verletzte Leben des Lammes Gottes zu tragen und deshalb jetzt verborgen ein Liebeslied vorzubereiten, das Lied des Lammes, wie es heißt in der Geheimen Offenbarung, dass sie das Lied des Lammes singen werden, das Lied, das Jesus bereitet hat für die ganze Schöpfung.

Wie würden wir dann so vieles leichter tragen, alles, was mich so belastet und wo ich schließlich nur noch Scherben in der Hand habe. Und aus diesen Scherben, die mich so erniedrigen und gering machen, ertönt in meinem Herzen das Loblied, das Anbetungslied, das Lied des Lammes, das die gesamte Schöpfung in eine noch herrlichere Symphonie hineinführt, als es je im Stand der Unschuld hätte sein können.

Bei diesem Text handelt es sich um eine Pfingt-Predigt von Pater Eugen Mederlet OFM. Der Franziskaner und Schriftsteller lebte vom 18.1.1912 bis 5.7.1992. Dieser Beitrag wurde uns von unserem Leser Gerhard Kumerics freundlicherweise zur Verfügung gestellt – er ist stellv. Leiter der von Pater Mederlet gegründeten Stifung St. Bonaventura. (Der hl. Bonaventura war ein großer Theologe des Franziskanerordens.)


Trost des Glaubens in Wunden des Lebens

Von Pfarrer Felix Evers

Das Stephanusfest verbindet das Weihnachtsfest mit der Karwoche.

Wer an der Krippe kniet, steht unter dem Kreuz. „Warum?“ schreien viele in diesem Coronajahr gen Himmel, auch weil sie vor den Scherben ihrer Existenz stehen, finanziell nicht weiter wissen oder ihr altehrwürdiges Gewerbe aufgeben mussten.

Die Zahl der Suizide wird sehr hoch sein, Gott sei es geklagt. Die Leidfrage hat deshalb am 26. Dezember ihren richtigen Platz.

Wie viele Menschen verlieren ihren Glauben, weil sie nicht verstehen können, weshalb uns ein Gott der Liebe leiden lässt.

Maria bietet uns die Antwort als Pietá: Sie trägt den Gekreuzigten in ihrem Schoß. Dadurch stellt die Frage nach dem „Warum“ nicht länger Gott infrage, sondern wir stellen mit Maria diese Leidfrage Gott – und Gott schenkt uns seinen Sohn, der mit uns leidet und unser Trost wird.

BILD: Schmerzhafte Mutter im westfälischen Wallfahrtsort Telgte

Mit Dietrich Bonhoeffer können wir deshalb zur Jahresneige singen: „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.“

Die Antwort auf die so bittere Theodizeefrage wird uns also nicht theoretisch gegeben – Hiob verzweifelte schier an den theoretisch möglichen Antwortversuchen auf die Frage nach dem letzten Grund für all seine Lebenswunden – , sondern personal: Wir finden Gottes Antwort auf alle Ölbergschreie dieser Welt, weshalb uns Gott verlassen habe, in der Krippe liegen und am Kreuz hängen.

So sehr liebt Gott seine Schöpfung, dass er zu unserem Trost persönlich in unser Leben tritt, sich all seiner Gewalt entäußert (wie aktuell in Zeiten aufzuarbeitenden Machtmissbrauchs kirchlicher Würdenträger) und uns bettelarme Geschöpfe in heiligem Tausch zu einer Königshochzeit einlädt, in der die Dornenkrone Jesu gewandelt wird in einen Lorbeerkranz bzw. eine Krone persönlichen Mitleidens Gottes, die er dem verwundeten Geschöpf behutsam aufsetzt; das Kirchenlied „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ deutet Weihnachten ja genau auf diese mystisch-innige Weise.

Im evangelischen Schweden hat sich bis heute der Brauch erhalten, am 13. Dezember das Fest der „Lichtbraut“ (Lucia bedeutet „die Leuchtende“) zu feiern. Weiß gekleidete Mädchen tragen einen Kranz mit brennenden Kerzen auf dem Kopf, einen zweiten in den Händen.

Zu Epiphanie, dem Höhepunkt der Weihnachtszeit, ziehen die Kinder als Sternsinger, in Königsgewänder gekleidet und mit Kronen auf dem Haupt, von Haus zu Haus und offenbaren – den Luciamädchen gleich – jedem Zeitgenossen, worum es in der Taufe geht: Wir ohnmächtige Kreaturen sind alle Könige, Priester und Propheten, weil der himmelreiche Gott zu unseren Gunsten auf seine Königswürde verzichtet. Jeder Kinderwagen wird so zu einer Krippe, und Erlösung geschieht durch hautnahe Zuwendung, Umarmung und Liebkosung.

Die steinernen Krüge für die Unmengen an Wasser, die Jesus auf der Hochzeit zu Kana in Wein wandelt, können aus gutem Grund als Lakrimarien gedeutet werden, in denen alle Tränen auch dieses „Jahres der Wunden 2020“ vom „sympathischen“, also „mit uns leidenden“ Gott behutsam gesammelt werden, ohne dass ein Tropfen verlorengeht.


Soli Dei Gloria: Alles meinem Gott zu Ehren!

Jeden Faden, den ich drehe,
jeden Schritt, den ich hier gehe,
jede Scholle, die ich grabe,
jede Arbeit, die ich habe:
Alles meinem Gott zu Ehren,
hier und dort Sein Lob zu mehren.
Soli Deo Gloria!

Alle Lasten, die ich trage,
alle Worte, die ich sage,
alle Werke, die ich tue,
alle Stunden, die ich ruhe:
Alles meinem Gott zu Ehren,
hier und dort Sein Lob zu mehren:
Soli Deo Gloria!

Jede Speis, die ich genieße,
wenn ich andre freundlich grüße,
wenn ich nur ein Blümlein pflücke,
mich nach einem Strohhalm bücke:
Alles meinem Gott zu Ehren,
hier und dort Sein Lob zu mehren:
Soli Deo Gloria!

Alles: vom Geringsten, Kleinsten
bis zum Höchsten, Größten, Reinsten,
mags die ganze Welt erbauen,
mags nur still ein Engel schauen:
Alles meinem Gott zu Ehren,
hier und dort sein Lob zu mehren:
Soli Deo Gloria!

Einst an meinem letzten Ende,
wenn mein brechend Aug ich wende
hin zum Kreuz, den Trost genieße,
und dann ruhig mein Leben schließe:
Alles meinem Gott zu Ehren,
hier und dort Sein Lob zu mehren:
Soli Deo Gloria!

Christliches Volksgedicht aus dem 19. Jahrhundert,
Verfasser unbekannt


Gedicht: GOTTES PLAN von Lothar Gassmann

Gottes Plan muss sich erfüllen.

HERR, Du nimmst den Tod in Kauf. 

Du ziehst nach des Vaters Willen

nach Jerusalem hinauf.

 

Freunde werden Dich verlassen.

Einer gibt sich Satan hin.

Dich, den Retter, wird man hassen

und vor die Gerichte zieh‘ n.

 

Quälen, jagen, geißeln, plagen

und verspotten wird man Dich.

An das Kreuz wird man Dich schlagen,

dass Dein Wort erfülle sich.

 

Doch der Tod kann Dich nicht halten.

Du wirst herrlich aufersteh`n,

und die teuflischen Gewalten

müssen in die Hölle geh‘ n.

 

Jesus, Dir sei Lob gesungen,

dass Du diesen Weg nicht scheust

und mich aus den Dämmerungen

meiner Sündennot befreist.

Dr. Lothar Gassmann

Aus dem Andachtsbuch: JESUS CHRISTUS ALLEIN: https://www.amazon.de/gp/product/1701763923/ref=dbs_a_def_rwt_bibl_vppi_i66

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz


Sind das echte (Ober-)Hirten? – Vor dem Kreuz fliehen und die Herde im Stich lassen

Von Thomas May

Dieses Jahr erleben wir in der Karwoche das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus unter veränderten Vorzeichen, die zur vertiefenden Meditation anregen.

Vor allem haben viele unserer deutschen (Ober-)Hirten den „Karfreitag“ nicht begriffen. Sie fliehen vom „Kreuz“ und lassen die ihnen anvertraute „Herde“ im Stich; aus Furcht vor dem Virus verbarrikadieren sie sich hinter verschlossenen Türen.

Sie werden einen Teufel tun und „ihre“ Juristen losschicken, um gegen das generelle Verbot der Gottesdienste vorzugehen!

Im Grunde sind sie heilfroh, dass die Bundesregierung diese heikle, grundgesetzwidrige Maßnahme festgeschrieben hat – so können sie sich bedeckt halten.

Als Beispiele für die innere religiöse Verwahrlosung des deutschen Episkopats mögen der Zeitgeist- und Wohlstandsbischof Kardinal Reinhard Marx und sein Kollege, der oberste protestantische Amtskirchenatheist Bedford-Strom, gelten, denen schon vor dreieinhalb Jahren am Tempelberg in Jerusalem der Hahn krähte. Von bitteren Tränen öffentlicher Reue wurde allerdings nichts bekannt. (Dank Dorothee Sölle wissen wir, wie der gottlose Gottesglaube des „modernen“ Menschen funktioniert.)

In der Begründung der Verwaltungsgerichte, die bisher Klagen wie die des Philipp-Neri-Instituts in Berlin abgewiesen haben, kommen unter anderem auch deren theologische Minderbemittlung und fachliche Überforderung zum Ausdruck: Die Gläubigen könnten schließlich ersatzweise an Online-Gottesdiensten, von manchen wegen ihrer Entleertheit auch „Geistermessen“ genannt, „teilnehmen“, heißt es.

Dass ihnen durch die vereinten Kräfte von Staat und Kirche faktisch der wahre Leib Christi in der Eucharistie verweigert wird, liegt nicht nur außerhalb des Fassungsvermögens von Juristen, sondern scheint auch Kirchenvertretern glaubensfremd geworden oder zumindest nicht von Belang zu sein.

Unser Autor Thomas May aus Sendenhorst (Münsterland) ist Religionspädagoge und Publizist


Unser PLAKAT zur KARWOCHE: Des Königs Fahne tritt hervor!

POSTER aus dem KOMM-MIT-Jugendverlag:

Dieses PLAKAT kann bei unserem KOMM-MIT-Verlag bestellt werden. Es ist im großen DIN-A-2-Format erschienen (60 x 40 cm) und kostet 3 €, vier Stück nur 6 €  – jeweils inkl. Porto (Betrag bitte in Briefmarken voraussenden). – Per Tel. 0251 – 616768 oder Mail: felizitas.kueble@web.de

 


Schwärmerisches Halleluja-Christentum will am Kreuz vorbei zum „Sieg“ gelangen

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Insofern war es naheliegend, daß sich der Blog auch einmal mit der wachsenden charismatischen Bewegung und den damit verwandten Strömungen befaßt.
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Der Autor Josef Jung bezeichnet diese Richtung in einem älteren, aber sehr lesenswerten Artikel kurzerhand als „Hurra-Katholizismus“: https://www.thecathwalk.de/2016/07/18/die-falsche-mission/
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Wir nennen dieses Phänomen im CHRISTLICHEN FORUM mitunter das „Halleluja-Christentum“ (es ist ja genauso im Protestantismus präsent, dort sogar noch stärker) oder sprechen schlicht von religiöser „Schwärmerei“.
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Dieser Text von Jung erregt derzeit einige Gemüter, denn auch in traditionelleren Kreisen gibt es durchaus Befürworter der Charismatik oder zumindest MEHR-Versteher (Verteidiger der MEHR-Konferenz und ähnlicher Gruppen).
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Vielleicht ist Cathwalk im Titel von Jungs Beitrag etwas zu stark mit der Tür ins Haus gefallen: „Die falsche Mission: „Warum Hurra-Katholizismus“ gefährlich ist“.
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Gleichwohl ist seine kritische Analyse durchaus treffsicher und in wesentlichen Punkten berechtigt. 
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Eingangs erklärt er, wie auch „romtreue“ Kreise sich zunehmend des Erfolges wegen mit „Methoden der modernen Film- und Popindustrie“ anfreunden. Er fügt hinzu: „Was sich eigentlich abstößt, soll sich vermischen: Tradition in der Moral und Moderne in der Methode.
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Allerdings meint er, diese Kombination habe auf Dauer keinen Bestand, weil sie einander fremde Bereiche zusammenfügen wolle.
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Grundsätzlich bzw. theologisch hat der Verfasser zwar recht, aber äußerlich-formal leider nicht: Es hat sich gezeigt, daß bei dieser Verschmelzung – die nicht zuletzt durch Medjugorje vorangetrieben wurde –  nicht etwa der „Lack ab“ ist (wie ich selber auch vor zwanzig Jahren noch erhoffte), sondern vielmehr mit wachsendem Erfolg zu rechnen ist.
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Der Autor meint sodann:
„Die Inszenierung kann – wegen ihrer Methoden – nur eines sein: Show. Und das ist das große Problem. Gefährlich wird diese Show, weil sie mit dem Anspruch auftritt, rechtgläubig zu sein und dadurch emotionalen Druck aufbauen kann. Wahrheit mit Gefühl zu verbinden birgt eine kaum zu überschätzende Gefahr. Die Inszenierung ist oberflächlich, über den Seelenzustand soll man aber in der Tiefe sprechen. Es kommt zusammen, was nicht zusammen gehört. Wahr kann etwas nur sein, wenn es vernünftig ist und mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Das Gefühl kann hier genauso täuschen wie helfen. Es ist wie der Apostel Paulus sagt: „Der Glaube kommt vom Hören“ – nicht vom Fühlen.“
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Hierzu kann man nur sagen: Gut gebrüllt, Löwe!  – und ein weiteres Pauluswort hinzufügen: Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen!
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Trotzdem unterschätzt Kritiker Jung dieses Halleluja-Christentum, wenn er meint, es beruhe auf oberflächlichen Show-Effekten. Dann wäre das Problem halb so wild, dann hätte er zudem recht, daß sich diese (Mode-)Welle irgendwann von selber auflöst.
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Doch bei der Charismatik  – und das gilt weitgehend auch für die MEHR-Konferenz – geht es (wie der vielsagende Name schon andeutet) um   m e h r  als nur einen emotionalen Event, nicht etwa nur um ein popartiges Festival mit „frommer“ Hochstimmung auf Wolke 7. Das wäre zwar auch schon bedenklich, befände sich aber noch im eher harmlosen Vorfeld des Schwarmgeistigen.
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Das grundsätzliche Problem liegt vielmehr darin, daß sich die starke Sehnsucht nach dem religiösen „Erleben“, gleichsam nach einem emotionalen „Gottesbeweis“, leicht in eine Art Sucht steigern kann, die gerade kein Zeichen eines starken, sondern eines schwachen (!) Glaubens darstellt – denn ein in sich ruhender, ein wirklich fester Glaube benötigt keine ständigen „Bestätigungen“ durch Gefühlserfahrungen oder „außergewöhnliche“ Phänomene.
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Wenn Christen sich in diese irrgeistige Haltung hineinbegeben, verwechseln sie  – ohne dies zu bemerken  – gerne ihre Gefühlserlebnisse mit „Gotteserfahrungen“, sie verlagern den Glauben insgesamt von der objektiven auf die subjektive Ebene.
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Natürlich ist auch eine bodenständige, nüchterne Frömmigkeit nicht frei von Glaubenserfahrungen – und soll es auch nicht sein. Aber diese bilden nicht das Fundament des Glaubens, sondern sind eine „Zugabe“ von oben, die dankbar angenommen, aber nicht erwartet, geschweige verlangt wird.
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Sehr treffsicher stellt der Autor sodann  in puncto Halleluja-Christentum Folgendes fest:
„Der Glaube rückt zudem gefährlich nahe in den Bereich des Totalitären, wenn Zweifel und Widerspruch nicht erlaubt sind. Als „Praise-the-Lord-Anhänger“ kann man Menschen gefügig machen, indem man sie emotional beeinflusst. Das ist immer dann der Fall, wenn man fühlen soll, was Gott will – statt auf objektive Kriterien zu achten und diese mit dem eigenen Leben zu verbinden.“
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Seit Jahrzehnten melden sich bei mir geistlich und seelisch geschädigte Personen aus der Charismatik, auch in dieser Woche wieder ein halbes Dutzend. Oft werden mir bis tief in die Nacht erschütternde Lebensgeschichten erzählt, nicht selten sind es Tragödien mit psychischen, sprituellen und gesundheitlchen Langzeitfolgen.
Hierzu gibt es im CHRISTLICHEN FORUM dutzende Artikel über geistlichen Missbrauch (ein Themenkreis, im Grunde eine Zeitbombe, welche die konservative Schwärmerszene fast völlig ignoriert): https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/
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Dabei geschieht genau das, was der Verfasser äußert, daß nämlich die Spiritualität in die Nähe des „Totalitären“ abgleiten kann, weil man mit „emotionalem Einfluß“ Menschen gefügig machen kann.
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Ich nenne es anders, meine aber im Grunde dasselbe: Es handelt sich häufig um eine verderbliche Mischung aus Schwarmgeisterei und Fanatismus, Sentimentalität und Panikmache, um eine Achterbahn der Gefühle, die viele Gläubige in Abhängigkeit von selbsternannten Propheten und falschen Heilungsversprechen führt.
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Dazu kommt die „Magie der großen Zahl“ – oder mit anderen Worten: Es gibt bekanntlich nichts Erfolgreiches als den Erfolg.
Hierzu schreibt der erwähnte Verfasser ebenfalls: „Die anscheinend vollen Kirchen und Events werden mitunter herangezogen, um den Weg zu rechtfertigen. Wer Erfolg hat, muss sich nicht hinterfragen lassen.“
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Eben das ist der springende Punkt: Kritische Rückfragen sind nicht angesagt, wenn 10.000 Leute die Halle füllen, das haben gefälligst alle Leute ganz toll zu finden!

Geradezu genial bringt Jung die Substanz des Problems auf den Punkt: „Das Kreuz ist unser Weg zum Heil, nicht das Gefühl.“

Genau an diesem Kreuz können sich die Halleluja-Lobpreissänger gleichsam verbeimogeln, wobei dieser Schwärmerweg vielen als besonders starker Glaube erscheinen mag, man also in bester Absicht irregeht, worin aber gerade die verhängnisvolle Tragik liegt.

Diese Gläubigen suchen so sehr die „Tabor-Stunden“, sie wollen die Herrlichkeit des HERRN sehen und erleben, konzentrieren sich auf „Sieg“ und „Segensfülle“ von oben, auf Triumph und Verherrlichung im Glauben, auf „Heilung“ und „Befreiung“ (die Zauberworte des Charismatismus).

Die sogenannte „Heilung“ erscheint wichtiger als das Heil, Befreiung wird vor allem innerseelisch verstanden, das Kreuz im Christenleben (z.B. Krankheit, Schicksalsschläge) in manchen Kreisen sogar als dämonischer Einfluß mißdeutet. 

Als wachsame und bodenständige Christen sollten wir darauf achten, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen:

Nicht nur der Unglaube ist eine Gefahr, sondern auch der Aberglaube und der Schwarmglaube – nicht nur der Modernismus und Rationalismus ist vom Übel, sondern auch der Irrationalismus und eine ungesunde Wundersucht.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Von den Konflikten unterm Christbaum und einer (Er-)Lösung unter dem Kreuz

Von Christa Meves

Weihnachten ist vorüber und jeder Nachdenkliche unter uns schaut dankbar zurück: Die Kirchen waren wieder voll. Hoffnung brandet neu darüber auf, dass sich so viele Hände trotz aller Wohlstandsgefährdungen voll Andacht gefaltet hatten.

Großer Anlass zur Dankbarkeit besteht doch auch darin, dass wir hierzulande immer noch weiter ein Fest in politischem Frieden erleben durften.

Doch der Alltag im neuen Jahr zwingt dazu, zumindest im privaten Bereich, spätestens am 2. Januar zur Kenntnis zu nehmen, dass sich unsere Probleme nicht einfach aufgelöst haben, sondern nach wie vor – ja, meist mehr als in den früheren Jahren – im Raum stehen:

Die unruhigen Kinder z. B. werden eher mehr als weniger zappelig, obgleich viele von ihnen mit einem reichlichen Potenzial an Geschenken bestückt wurden, ohne jetzt ruhiger, zufriedener damit beschäftigt zu sein.

Ein 14-Jähriger z. B. antwortete auf die Frage seiner Großmutter, ob er denn schon ihr Buchgeschenk gelesen habe: „Wie soll das gehen, ich habe allein dreimal Harry Potter Nr. 4 und 5 bekommen, dazu drei Kinderbibeln und eine für Jugendliche. Das alles zu lesen, schaff ich sowieso nicht, da fang ich doch gar nicht erst an!“

Kürzlich berichtete mir eine andere Großmutter, dass sie ihren Enkel vorher nach seinen Wünschen gefragt habe, und der 5-Jährige erbat sich einen neuen Stoffdackel. Wie enttäuscht war sie aber, als sie damit konfrontiert wurde, dass eine der weiteren Großmütter dem Kind einen lebendigen Dackel präsentierte. Wütend habe sie gefragt, warum er denn bei allen den gleichen Wunsch geäußert habe. „Na, bei einer meiner vier (4!) Großmütter wird es denn doch wohl klappen – ist doch toll“, habe er mit dem Dackel auf dem Arm geantwortet.

Wodurch entstehen diese absurden neuen Schwierigkeiten?

In manchen Fällen jedenfalls handelt es sich um die Konkretion unserer Bevölkerungspyramide: Alte Menschen in sich steigernder Lebenserwartung gibt es reichlich, junge Familien hingegen werden immer seltener. Wechseln Eltern während der Erziehungszeit ihrer Kinder – und in der Mehrzahl sind das Einzelkinder – mehrere Male den Partner, so entsteht eine Umkehrung der Normalität:

Einst hatten viele Kinder der damals üblichen Großfamilien allenfalls zwei Großelternpaare – oft sogar nur eine einzige verwitwete Großmutter – , heute hat das Einzelkind einer Scheidungsfamilie eher – durch die neu hinzukommenden neuen Partner – eine Vielzahl von Großelternpaaren. Durch weihnachtliche Pflichtbesuche bei mehreren Großeltern (vorrangig in der Hoffnung auf Geschenke) bleibt die Zeit, sich besinnlich in ein Buch, in eine Bastelei oder in ein neues Spiel zu vertiefen, auf der Strecke.

Zunehmend häufiger wird das Kind auch nur mit einem Geldschein abgespeist. Flüchtigkeit und diffuse Unruhe werden so weiter verstärkt; denn diese – so wissen wir Kinderpsychologen heute – werden durch den unbewussten seelischen Hunger und die Suche des Kindes nach Bergung, Anregung, nach liebevollem Kontakt, ja, nach einem festen Platz hervorgerufen.

Manchmal gibt es seit der „Öffnung unserer Ehen zur Vielfalt“ Bemühungen, die verschiedenen neuen und alten Verbindungen unter einen Hut zu bekommen und die Ex-Partner mit „Rücksicht auf die Kinder“ an den Weihnachtstagen alle gemeinsam einzuladen – in der Hoffnung, eine friedfertige Patchwork-Familie aus dem Boden zu stampfen.

Aber wie oft erweist sich das als Überschätzung menschlicher Souveränität! Oft branden die alten Konflikte während der direkten Konfrontation in verschärfter Form wieder auf.

Eine großmütterliche Gastgeberin ist zum Beispiel über eine neue Schwiegertochter verärgert. Dieser will das Hauptgericht nicht munden, und sie bringt das mit lauter Kritik über die „alten, fetten Essgewohnheiten“ zum Ausdruck. Der darüber erregten Gastgeberin fällt darauf die Nachspeise beim Auftragen aus den Händen. Die Schüssel zerschellt am Boden.

Niemand schafft es, die Großmutter, die es mit diesem Arrangement so ganz besonders gut gemeint hatte, zu trösten – erst recht nicht, als die Schwiegertochter nun zwecks Rechtfertigung ihrer Unverschämtheit einen Großangriff gegen die Gastgeberin wegen derer „übersteigerten Eingriffe in die Belange der jungen Familie“, speziell bei der Kindererziehung, startet. Ein Urproblem um die Macht im Kral eskaliert zur Lachnummer – aber niemandem der Anwesenden ist zum Lachen zumute!

Oft werden auch finanzielle Unvereinbarkeiten der Geschiedenen oder alte massive seelische Störungen beim einen oder anderen von ihnen neu aktiviert.

Nicht selten branden beim Fest sogar Konflikte zwischen der Tochter und ihrer leiblichen Mutter auf. Immer hocken die Kinder um die Großmutter herum! Aber das bringt es nun eben beim Feiern an den Tag, dass sich die Kinder dominant an die Großmutter gebunden haben, weil diese die hauptsächlich Betreuende der Enkel ist, während die junge Frau bald schon nach der Geburt des ersten Kindes ihre außerhäusliche Erwerbstätigkeit wieder aufgenommen hatte.

Beim gemeinsamen Weihnachtenfeiern war ihr das nun schmerzhaft sichtbar geworden und wurde von ihr sogleich mit stichelnden Bemerkungen beantwortet. „Im nächsten Jahr werde ich Deine Mutter nicht wieder einladen“, so eskaliert nach dem Fest die Enttäuschung der jungen Mutter mit einer Forderung an ihren Mann – und erzeugt so bei dem getreuen Sohn einen gefährlichen Ehekonflikt.

Aber unter dem Tannenbaum können auch Schwägerinnen eine ursprunghafte Feindseligkeit gegeneinander aktivieren, indem die eine die andere in modischen Neuheiten zu übertrumpfen sucht. Aber das ist auch hier nicht die Quelle der Aversion. Vielmehr hat die Tochter der Familie bereits die eingeheiratete Frau ihres Bruders als Eingriff einer fremden Person in das väterliche Gehege erlebt, weil sie – unverheiratet – dieses als ihr und der Ursprungsfamilie Eigenes, das ihr allein Zustehende versteht!

Ebenso selten können Jungmänner es aushalten, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Frau ihren eigenen Vater oder ihre eigene Mutter mehr liebt als ihn. Gar nicht aushalten können es junge Ehefrauen, wenn sie den Eindruck haben, dass ihr Mann seine Mutter mehr zu lieben scheint als sie!

All diese Zerwürfnisse lassen sich im Alltag des Neuen Jahres durch Festhaken an den Kränkungen und Zerwürfnissen in einer gefährlichen Weise fortsetzen und potenzieren. Die vielen seelischen Schmerzen, die dadurch entstehen, lassen sich freilich auch nicht einfach durch Verdrängen überwinden; denn sie neigen wie jede Überbetonung von allem Naturhaften zur Wucherung.

Selbst wenn sich ergibt, dass es vorrangig ein einziger Streithammel ist, der das Feuer anfacht, ist nicht Parteinahme, sondern eher kluge Gelassenheit und telefonische Zurückhaltung gefragt. Die zerstörerischen Tendenzen des Durcheinanderwerfens durch Distanzierung auszuhungern, ist die bessere Methode, rät uns Jesus Christus in der Begegnung mit den Angehörigen in seiner Heimatstadt (siehe Lukas 4/30).

Wie kann das bei uns gehen? Zunächst durch ein Erkennen der Infantilität, hinter der Macht- bzw. Besitzansprüche, aber vor allem das Bedürfnis nach Anerkennung und Wertgehaltensein stecken.

Aus dieser Einsicht lässt sich eine liebevolle, humorvolle Souveränität vorantreiben, indem sich alle Betroffenen ihre eigenen Gefahr, in solche kindischen Ansprüche zurückzufallen, bewusst machen.

Letztlich indem wir uns bemühen, uns selbst beim Auftauchen solcher Probleme nach dem Fest die Heilsbotschaft von Weihnachten auch im Alltag des neuen Jahres zum Maßstab des eigenen Verhaltens machen zu wollen und dann vorab daran zu arbeiten; denn das heißt schlicht:

Schaue bei solchen Konflikten als Erstes hinauf; denn nur durch diese Blickrichtung kannst du in aller dann bewusst werdenden Dankbarkeit gegenüber dem HERRN selbst so liebessatt werden, dass du das vorrangige Geliebtwerden-wollen von deinen Angehörigen nicht mehr als unbewusste Ursache sich rechtfertigender Reaktionen brauchst; denn dann wächst dir die Kraft zu, deine Nächsten zu lieben, selbst sogar dann, wenn sie sich feindlich gebärden.

Die trübe Quelle, auf der Suche nach Gegenliebe mit familienzerrüttenden Rachefeldzügen antworten zu wollen, zerfällt dann. Geduldiges Reifen auf die Bereitschaft zur Versöhnlichkeit hin kann dann eher zu wachsen beginnen. Schauen wir doch hin:

Sogar auf dem Feld der Familie hat sich der HERR nicht allein als Wunderheiler, sondern auch als Ratgeber und ganz direkt als der uns Vorausgehende erwiesen.

Christa Meves ist Bestseller-Autorin und Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


GOTT schenkt uns Anteil am Los der Heiligen, die im Lichte sind

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Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Kol 1,12-20:
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Dankt dem Vater mit Freude! ER hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Lichte sind. ER hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.
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Durch IHN haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.
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ER ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung.
Denn in IHM wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch IHN und auf IHN hin geschaffen.
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ER ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand. ER ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche.
ER ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat ER in allem den Vorrang. Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in IHM wohnen, um durch IHN alles zu versöhnen.
Alles im Himmel und auf Erden wollte ER zu Christus führen, der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.