GEBET von Edith Stein nach ihrer Taufe

Mein Herr und Gott,
Du hast mich einen langen,

dunklen Weg geführt, steinig und hart.
Oft wollten meine Kräfte mir versagen,
fast hofft’ ich nimmer, je das Licht zu seh’n.
Doch als im tiefsten Schmerz mein Herz erstarrte,
da ging ein klarer, milder Stern mir auf.

Er führte mich getreu – ich folgt’ ihm,
zagend erst, dann immer sich’rer.
So stand ich endlich an dem Tor der Kirche.
Es tat sich auf – ich bat um Einlass.

Aus Deines Priesters Mund
grüßt mich Dein Segenswort.

Im Inneren reiht sich Stern auf Stern.
Rote Blütensterne weisen mir den Weg zu Dir.
Sie harren Dein zur Heil’gen Nacht.
Doch Deine Güte lässt sie mir leuchten
auf dem Weg zu Dir.

Sie führen mich voran.

Das Geheimnis,
das ich im Herzen tief verbergen musste,

nun darf ich laut es künden:
Ich glaube – ich bekenne!
Der Priester geleitet mich
die Stufen zum Altar hinauf:

Ich neige die Stirn.
Das heil’ge Wasser fließt mir übers Haupt.

Ist’s möglich, HERR,
dass einer neu geboren wird,

der schon des Lebens Mitte überschritten?
Du hast’s gesagt  – und mir ward’s Wirklichkeit.
Eines langen Lebens Last an Schuld und Leiden
fiel von mir.

Aufrecht empfang’ ich
den weißen Mantel,

den sie mir um die Schultern legen,
der Reinheit lichtes Bild.
Ich trag’ in meiner Hand die Kerze.
Ihre Flamme kündet,
dass in mir Dein heil’ges Leben glüht.

Mein Herz ist nun zur Krippe worden,
die Deiner harrt.
Nicht lange!

Maria, Deine und auch meine Mutter
hat ihren Namen mir gegeben.
Um Mitternacht legt sie ihr neugebor’nes Kind
mir in das Herz.

O keines Menschen Herz
vermag’s zu fassen,

was denen Du bereitet, die Dich lieben.
Nun hab’ ich Dich und lass Dich nimmermehr.
Wo immer meines Lebens Straße geht,
bist Du bei mir,
Nichts kann von Deiner Liebe
je mich scheiden.

Gedicht von Edith Stein für ihre Schwester Rosa nach deren Taufe

 


Der Staat soll Mütter-Betreuung von Kindern in Höhe der Kitakosten bezahlen

Jenniffer Ehry-Gissel, Mutter von zwei kleinen Kindern und Vorstandsmitglied im Verband Familienarbeit, erklärt zum Muttertag am 13. Mai:

„Einmal im Jahr wird sie geehrt. Idealerweise darf die Mutter am sogenannten Muttertag, an ihrem Ehrentag, ausschlafen, Sie bekommt ein üppiges Frühstück ans Bett serviert, und ihre Familie hält Dankesreden ob der täglichen Höchstleistungen.

Kein Wunder, vollbringen Mütter doch tatsächlich Großes: Sie müssen immer präsent sein, auf Abruf rund um die Uhr, egal an welchen Wochentagen. Sie haben keinen Anspruch auf Urlaub und Krankheitstage. Sie sind ständig auf den Beinen. Sie sind Krankenschwester, Lehrerin, Chauffeur, Köchin, Waschfrau, Putzfrau, Managerin, Entertainerin.

Wie sehen die restlichen 364 Tage des Jahres für diese Mütter aus? Die Arbeit, die eine Mutter leistet, wird in der Gesellschaft schlichtweg nicht anerkannt, weder finanziell noch ideell. Betreut eine Mutter ihre Kinder selbst und ständig, wird sie müde belächelt. Gibt sie ihr Kind nach dem ersten Geburtstag in eine Kinderkrippe und geht einer Erwerbstätigkeit nach, erfährt sie Anerkennung.

Das gilt auch dann, wenn ihr Erwerbsarbeitsplatz eine Kinderkrippe ist. Wenn sie fremde Kinder betreut, ist das angesehen. Betreut sie eigene Kinder, gilt das als Nichtstun. Warum ist das so? Es ist so, weil das eine bezahlt wird und das andere nicht.“

Ehry-Gissel weist darauf hin, inzwischen sei nachgewiesen, dass sich ein Kind in den ersten Jahren zu Hause, meist bei der Mutter, am wohlsten fühlt und dort am ehesten eine feste Bindung zu den Eltern entwickelt, als beste Grundlage für eine stabile Psyche fürs ganze Leben. Durch Messung von Hormonspiegeln sei auch bekannt, dass die Fremdbetreuung in frühen Jahren meist ein gewaltiger Stress für das Kind ist, so dass es eher dazu neigt, Angstgefühle zu entwickeln, die die spätere Entwicklung belasten.

Die Familienmutter sagt daher: „Es besteht für den Staat kein sachlicher Grund, für eine Betreuung in der Krippe mehr Geld auszugeben als für eine Betreuung zu Hause. Eine Arbeit darf nicht danach bewertet werden, wie sie bezahlt wird, sondern muss danach bezahlt werden, was sie wert ist.

Ein Erziehungsentgelt in den ersten drei Jahren in Höhe der Krippenkosten  – also etwa von 1000 €  –  ist sachlich gerechtfertigt und ermöglicht die Gleichberechtigung aller Mütter. Unsere Politik fordert dagegen die Gleichstellung der Frauen im Erwerbsleben und verhindert so echte Gleichberechtigung. Und was noch schlimmer ist: Sie schadet in vielen Fällen den Kindern. – Das Erziehungsentgelt kann dagegen auch dazu verwendet werden, eine Fremdbetreuung eigener Wahl zu finanzieren.“


Was unsere Kinder seelisch stark macht

Im Web-Magazin „Das Milieu“ führte Bele Krüger ein Interview mit dem bekannten Erziehungswissenschaftler und Eheberater Prof. Dr. Albert Wunsch. albert_wunsch

Unter dem Titel „Der instabile Mensch ist Quelle der Konflikte“ beantwortet der Psychologe vor allem Fragen über die nötige Ich-Stärke unserer Kinder und die ungünstigen Folgen einer Überbehütung oder Vernachlässigung in der Erziehung.

Hier folgen einige Auszüge aus dem aufschlußreichen Interview:

DAS MILIEU: In ihrem Buch „Mit mehr Selbst zum stabilen ICH!“ erwähnen Sie an einer Stelle den fiktiven Charakter Pippi Langstrumpf: Was hat Pippi Langstrumpf, was deutschen Kindern fehlt? 

Dr. Wunsch: Bei Pippi Langstrumpf muss ein sehr wohlwollendes und ermutigendes Elternhaus existiert haben, welches zu einer ‚Das Leben meint es gut mit mir Weltsicht’ führte. Ein solch positiver Blickwinkel ist sicher auch bei etlichen deutschen Kindern vorhanden, aber zu viele wuchsen bzw. wachsen ohne eine altersgemäße – durch Fördern und Fordern – geprägte Zuwendung in guter Begleitung auf.

Entweder werden Sie verwöhnt, indem möglichst viele Unannehmlichkeiten bzw. Herausforderungen von ihnen fern gehalten werden, oder sie werden vernachlässigt, weil sie zu umfangreich sich selbst – vor allem emotional – überlassen werden. So kann keinesfalls das wichtige Urvertrauen als Basis einer soliden Selbstwirksamkeit wachsen. 

Eine normale Kindheit in Deutschland ist heutzutage vermehrt von Distanz und Ansporn, etwa für gute schulische Leistungen, gekennzeichnet. Anders ausgedrückt: Ausbildung statt Herzensbildung, wie es bereits Götz Werner, Gründer und Aufsichtsratsmitglied der dm-Drogeriemarktkette anmerkt. Was sind die Folgen? 

Wenn zu stark auf die Ausbildung Wert gelegt wird, bleibt meist die Seele der Kinder als Basis eines guten sozialen Miteinanders auf der Strecke. Anstelle von Empathie wächst dann eine Mischung aus Apathie und Egoismus. Der Druck auf die Kinder wird dann unerträglich. So nehmen in meiner Beratungspraxis die Fälle von überforderten 13 – 18 jährigen (Mädchen) zu. Mutter-Kind

Wenn eine Gesellschaft auch ihre Kinder dem Leistungsbegriff zu stark unterwirft, wird die Situation unerträglich. Diese Entwicklung hat der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf in seinem Buch (2015) „Burnout-Kids. Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert“ aufgegriffen: „Sie kommen aus der Schule und lernen. Sie sagen Treffen mit Freunden ab und lernen. Für sie zählt nur die Note Eins in jedem Test und ein sehr gutes Abitur. Spielen? Spaß? Gute Laune? Selten. Was auf den ersten Blick nach vorbildlichen Schülern klingt, bereitet vielen Eltern Sorgen.“

Bedeutet das für mich als berufstätige Frau folgelogisch, dass meine Kinder keine Resilienz in ihrem Charakter aufnehmen werden? 

Diese Frage muss differenziert beantwortet werden. Wenn ein Baby bzw. Kleinkind zu viel Zeit in einer Krippe verbringt, fehlt ihm zu umfangreich die mütterlich/elterliche Geborgenheit. So wurde über Speicheltests festgestellt, dass Krippenkindern eine so hohe Stressreaktion zeigten, wie diese bei Managern häufig üblich ist. Das müsste bei den Eltern alle Warnsirenen schrillen lassen.  

Weiterhin kommt es auf die Art der Berufstätigkeit an. Denn je stärker diese  –  was die Zeiten und Tätigkeitsorte angeht  –  fremdbestimmt ist, je weniger wird dies den emotionalen Bedürfnissen des Kindes nach Nähe entsprechen. Ein 6-jähriges Mädchen: „Mama, jetzt möchte ich mit dir schmusen, nicht übermorgen.“ Natürlich kann sich auch bei Kindern berufstätiger Eltern Resilienz entwickeln, aber die Rahmenbedingungen sind meist ungünstiger. 

Können Sie konkrete Beispiele nennen, in denen sich eine fehlende Stabilität des Ichs bemerkbar macht?

Foto: Mechthild Löhr, CDLWenn Kinder laut eigener Einschätzung als überbehütete Prinzen oder Prinzessinnen in die Welt hineingeboren wurden, dann fehlt diesen in der Schule der umsorgende Hofstaat. In einer kleinen Auseinandersetzung mit anderen Kindern fühlen sie sich sofort angegriffen und bei kleinen Leistungsanforderungen überfordert, weil ihre Ich-Stärke unterentwickelt ist.

Auch beim ‚Koma-Saufen‘ wird ein fehlendes Rückgrat deutlich, wenn die Instabilen laut „Weiter, weiter“ grölen, wo ein klares STOPP erforderlich wäre. Im Beruf z.B. führt fehlende Ich-Stärke häufig zum Wegducken, wenn klare Reaktionen einzubringen wären. Ein Kurz-Fazit: ‚Der instabile Mensch ist die Quelle fast aller Konflikte’! 

Die FORTSETZUNG des Interviews lesen Sie hier: http://www.dasmili.eu/art/dr-albert-wunsch-der-instabile-mensch-ist-quelle-der-konflikte/#.WIW5sbnGC9Z

Dr. Albert Wunsch ist Psychologe, Diplom Sozialpädagoge, Diplom Pädagoge und promovierter Erziehungswissenschaftler. Bevor er 2004 eine Lehrtätigkeit an der Katholischen Hochschule NRW in Köln (Bereich Sozialwesen) begann, leitete er ca. 25 Jahre das Katholische Jugendamt in Neuss. Im Jahre 2013 begann er eine hauptamtliche Lehrtätigkeit an der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Essen / Neuss. Außerdem hat er seit vielen Jahren einen Lehrauftrag an der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf und arbeitet in eigener Praxis als Paar-, Erziehungs-, Lebens- und Konflikt-Berater sowie als Supervisor und Konflikt-Coach (DGSv). Er ist Vater von 2 Söhnen und Großvater von 3 Enkeltöchtern.

Seine Bücher: “Die Verwöhnungsfalle” (auch in Korea und China erschienen), “Abschied von der Spaßpädagogik”, “Boxenstopp für Paare” sowie “Mit mehr Selbst zum stabilen ICH – Resilienz als Basis der Persönlichkeitsbildung” lösten ein starkes Medienecho aus und machten ihn im deutschen Sprachbereich sehr bekannt.

Weitere Infos: www.albert-wunsch.de  


Bundesfamilienministerin Schwesig will das Betreuungsgeld für Kitas umzwecken

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat gefordert, das vom Bundesverfassungsgericht gekippte Betreuungsgeld für Kitas auszugeben. „Wir brauchen zunächst Klarheit in der Koalition, daß die frei werdenden Mittel weiter Kindern und Familien zugute kommen“, sagte Schwesig der ARD. 159481-3x2-teaser296

Nach ihren Angaben geht es dabei um etwa eine Milliarde Euro. „Die frei werdenden Mittel sind in der Kita-Betreuung gut aufgehoben“, betonte die SPD-Politikerin. Grundsätzlich müsse das Geld auf jeden Fall im Familienministerium bleiben. Eine Grundsatzentscheidung der Koalition stehe jedoch noch aus.

Die Geldleistung, mit der Familien unterstützt wurden, die ihre Kinder zu Hause betreuen, war am 21. Juli vom Bundesverfassungsgericht gestoppt worden. Die Richter begründeten dies mit der fehlenden Kompetenz des Bundes in dieser Frage. Die bayerische Landesregierung hatte daraufhin angekündigt, daß Betreuungsgeld erhalten zu wollen. Die SPD-regierten Länder lehnen dies ab.

Quelle: http://www.jungefreiheit.de


LICHT, das aus der Krippe glutet, GOTT in kindlicher Gestalt…

Wenn in Schnee und Winterkälten draußen Baum und Strauch erklingt

und der Schein der Sternenwelten wie Kristall vom Himmel dringt,

stehn wir vor der Krippe stille und wir fühlen jene Hand,

deren Führung, Kraft und Wille aus der Jugend hellem Land

uns ins Heute hat getragen, hin durch Krieg und Dunkelheit,

Widerstreben und Versagen, auf dem ew´gen Strom der Zeit.

Stephan_Lochner_Adoration_of_the_Magi

Licht, das aus der Krippe glutet, Gott in kindlicher Gestalt,

die Jahrtausende durchflutet Deiner Liebe Allgewalt!

Wunder, Du bist nicht zu fassen, daß wir alle durch dies Kind

nicht dem Abgrund überlassen, aus dem Strom gerettet sind!

Ja, wenngleich durch Krieg und Leiden sich zu Tod die Menschheit quält,

strahlt doch hell durch alle Zeiten uns das Licht der Neuen Welt.

Anbetend sich die Kniee beugen in den Völkern fern und nah;

Durch das weihnachtliche Schweigen klingt der Engel Gloria!

Siegfried Ernst

Aus dem Gedichtband „Sprechende Steine, Lebendiges Glas, Vermächtnis aus Holz“ – Die Botschaft des Ulmer Münsters an unsere Zeit

 


Bewährtes Weihnachtslied (englisch-deutsch): O LITTLE TOWN OF BETHLEHEM

Hier folgt ein wunderbares englisches Weihnachtslied aus dem 19. Jahrhundert, verfaßt von Phillip Brooks. Im deutschen Sprachraum ist das schöne Lied leider noch kaum bekannt. Die Übertragung ins Deutsche erfolgte durch den Ulmer Arzt und Lebensrechtler Dr. Siegfried Ernst.

Es gibt mehrere Melodien zu diesem Weihnachtsgedicht; eine sehr ansprechende musikalische Darbietung hören Sie hier von Linda Blackmore: https://www.youtube.com/watch?v=S40BrphJBOk&feature=share

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O LITTLE TOWN OF BETHLEHEM

O little town of Bethlehem, how still we see thee lie.
Above thy deep and dreamless sleep the silent stars go by.
Yet in thy dark streets shineth the everlasting light;
The hopes and fears of all the years are met in thee tonight.

For Christ is born of Mary, and gathered all above,
While mortals sleep, the angels keep, their watch of wondering love.
O morning stars, together proclaim the holy birth,
And praises sing to God the king, and peace to men on Earth.

How silently, how silently, the wondrous gift is giv’n!
So God imparts to human hearts the blessings of His heav’n.
No ear may hear His coming, but in this world of sin,
Where meek souls will receive Him still, the dear Christ enters in.

O holy child of Bethlehem, descend to us we pray,
Cast out our sin and enter in, be born in us today.
We hear the Christmas angels the great glad tidings tell:
O come to us, abide with us, our Lord Emmanuel.

Stephan_Lochner_Adoration_of_the_Magi

O kleine Stadt von Bethlehem

O kleine Stadt von Bethlehem, ganz still wir vor Dir stehn,

auf Deinen traumlos tiefen Schlaf die Sterne schweigend sehn.

Die dunklen Gassen schimmern licht in überirdschem Schein,

als strahlte Gottes Angesicht in unsere Welt hinein.

 

Drauß´vor der Tür um Mitternacht in einem dunklen Stall

ward als ein Kind zur Welt gebracht der HERR von Erd und All.

Kein Ohr vernimmt´s, kein Aug kann sehn, wenn in die finstre Welt,

in Herzen, die IHM offen stehn, Christ seinen Einzug hält.

 

Kein Mächtiger ahnte, was geschah, nur Hirten auf dem Feld

hörten der Engel Gloria am hohen Sternenzelt.

Sie eilten zu der Krippe froh und fanden Licht und Glanz,

O Kind, erleucht´ uns ebenso, erfüll die Herzen ganz!

 

Erscheine uns in dieser Zeit, die alles Heil verlor´n ,

werd Du in unserem Volke heut´ von neuem doch gebor´n!

O laß aus aller Engel Mund die Botschaft klingen hell!

Komm zu uns in der Christnacht Stund, komm, HERR Immanuel!

 


Kritik an kath.-evang. „Sozialinitiative“: Wo bleibt das Wohl der Familie?

Pressemeldung des Verbands Familienarbeit eV:

Die am 28.2.2014 vorgestellte Initiative der beiden großen deutschen Kirchen mit dem Titel „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft liest sich, abgesehen von einigen eingangs erwähnten Bibelzitaten, wie eine Koalitionsvereinbarung der Großen Koalition.

Probleme, die auch von der Regierung erkannt wurden, werden erwähnt. Was von der Politik vernachlässigt wird, wird auch von den Kirchen nicht gesehen. b (11)

So werden zehn Thesen aufgestellt, die eine breite gesellschaftliche Diskussion anregen sollen. Die desolate Situation der Familie kommt dabei nicht vor. Familie wird nur zweimal am Rande erwähnt.

Bei These 6 zum demographischen Wandel wird zwar Familienpolitik genannt, aber nur um festzustellen, dass auch eine engagierte Familienpolitik zur Problemlösung kaum etwas beitragen könne. Die Folgen der jahrzehntelang verfehlten Familienpolitik werden zwar erwähnt (z.B. Absenkung des Netto-Rentenniveaus), die verfehlte Politik selbst als Ursache aber nicht einmal thematisiert.

Richtig abenteuerlich wird es, wenn die Rentenreform 1957 als großer Erfolg gepriesen wird, der doch die Rentenhöhe spürbar angehoben habe (These 6). Den Verfassern der Schrift ist offensichtlich noch gar nicht klar geworden, dass die Minderung der Altersarmut durch die Rentenreform mit der zunehmenden Familienarmut bezahlt wurde.Couple photo - ADJ

Schließlich wurde gerade durch diese Reform der natürliche wirtschaftliche Kindernutzen in Form der Alterssicherung durch eigene Kinder den Eltern weggenommen und an Erwerbsarbeit gebunden. Nur die Kinderkosten wurden bei den Eltern belassen. Eine solche Politik musste nicht nur eine zunehmende Verarmung der Familien erzwingen, sondern auch Familie als Lebensform immer unattraktiver machen.

Unter These 8 wird eine breite Beteiligung an Erwerbsarbeit als wichtigem Ausdruck gesellschaftlicher Teilhabe gepriesen. Ignoriert wird, dass die Attraktivität der Erwerbsarbeit auch dadurch entstand, dass der von den Eltern erarbeitete Kindernutzen in Form der Alterssicherung an Erwerbsarbeit gebunden wurde. 

Seitdem wird Erwerbsarbeit doppelt bezahlt (durch Lohn und Rente), während Elternarbeit seither keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr erbringt (weder Lohn noch Altersversorgung).

Unter These 9 werden frühkindliche Bildungsangebote gelobt, womit offensichtlich Kinderkrippen gemeint sind. Familie wird zwar auch als Bildungsort erwähnt. Die Tatsache, dass es der Staat den Eltern durch seine elternfeindliche Sozialgesetzgebung (Stichwort Rentenreform 1957) immer schwerer gemacht hat, ihre Kinder befriedigend zu erziehen, wird ignoriert.

Ignoriert wird auch, dass alle Bildungsangebote in Krippen, Kindergärten und Schulen weitgehend nutzlos sind, wenn das Kind in den ersten Lebensjahren kein Vertrauensverhältnis zu engen Bezugspersonen gewinnt. Erst dann entsteht die persönliche Sicherheit als Voraussetzung eines Neugierverhaltens, das späteren Bildungswillen erst möglich macht.

Kurzum: Die Schrift wird von den gleichen Ideologien getragen, die seit Jahrzehnten durch eine verfehlte Gesellschaftspolitik die Familie an die Grenze ihrer Lebensfähigkeit geführt haben. An keinem Punkt der Schrift werden angemessene Lösungsansätze für die seit Jahrzehnten vernachlässigten gesellschaftlichen Probleme erkennbar.

Quelle: http://familienarbeit-heute.de/?p=3802