Xanten: Festmesse zum Gedenken an den seligen Märtyrerpriester Karl Leisner

Von Felizitas Küble

Karl Leisner gehört zu jenen Hunderten von katholischen Geistlichen, die wegen ihrer Glaubenstreue während der NS-Diktatur gewaltsam ums Leben kamen, viele darunter aus dem sog. „Priesterblock“ im KZ Dachau.

Dort wurde auch Leisner gefangen gehalten und als todgeweihter Diakon von dem – ebenfalls inhaftierten   – französischen Bischof Gabriel Piguet aus Clermont-Ferrand in der Barackenkapelle heimlich zum Priester geweiht.

Es handelt sich dabei um ein einmaliges Ereignis der Kirchengeschichte. Leisners Seligsprechung erfolgte am 23. Juni 1996 durch Papst Johannes Paul II. in Berlin.

Begraben ist der junge Märtyrerpriester, dessen erste heilige Messe im KZ zugleich seine letzte war, in der Krypta des Sankt-Viktor-Domes in Xanten am Niederrhein. Die Stadt gehörte einstmals zum Erzbistum Köln und später bis heute zur Diözese Münster.

Am 15. Dezember 2019, dem 3. Advent (Sonntag „Gaudete“), wurde zum Gedenken an die Priesterweihe Leisners vor genau 75 Jahren (ebenfalls am 3. Adventsonntag) ein feierliches Pontifikalhochamt im Xantener Dom zelebriert.

Die Festmesse begann um 11,30 Uhr und wurde live übertragen von Radio Horeb sowie vom katholischen Fernsehsender EWTN.TV.

Hauptzelebrant war Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg-Stolberg aus dem Erzbistum München-Freising, der zugleich die Grußworte von Kardinal Reinhard Marx überbrachte.

Konzelebranten waren u.a. der Generalvikar von Erzbischof François Kalist (der aus Krankheitsgründen verhindert war) aus dem französischen Erzbistum Clermont; zudem  Weihbischof Rolf Lohmann (Regionalbischof der Diözese Münster mit Sitz in Xanten) sowie Prälat Prof. Dr. Helmut Moll als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz für das „Martyrologium“ (zweibändies Werk über die kath. Märtyrer des 20. Jahrhunderts).

Nach dem Gottesdienst  gingen die Geistlichen, die Vertreter des Internationalen Karl-Leisner-Kreises und viele Gläubige zum Gebet an das Grab des seligen Karl Leisner in der Krypta (unterirdischer Teil) der Kirche, in der weitere Märtyrer aus der NS-Zeit ihre letzte Ruhestätte fanden, darunter auch der selige Familienvater Nikolaus Groß.

In seiner Predigt wies Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg darauf hin, daß der tuberkulosekranke Diakon Karl Leisner in der „Hölle von Dachau“ die Priesterweihe empfing, wobei alle Mitwirkenden die Todesstrafe riskierten. Der Prediger erklärte, das KZ Dachau sei mit seinen 2720 Geistlichen in 12 Jahren wohl das „größte Priestergefängnis der Geschichte“ gewesen.

Manche würden sich fragen, ob sich denn eine solch gefährliche Priesterweihe gleichsam „gelohnt“ habe, da Karl Leisner vor seinem Tod nur eine einzige heilige Messe feiern konnte.

BILD: Prälat Helmut Moll zeigt die beiden Bände des von ihm verfaßten Martyrologiums während der Feierstunde in der Marienschule von Xanten

Aber die Kirche sei, so der Weihbischof, weder ein Wirtschaftsunternehmen noch ein Wohltätigkeitsverein, sondern eine Glaubensgemeinschaft, in welcher es nicht allein auf ein oberflächliches Verständnis von „Effizienz“ ankomme.

Der Blutzeuge Leisner sei ein „überzeugender Bote Christi“ gewesen, der alles in die Hand Jesu gelegt habe, der sein Leben und Wirken der Waagschale des Ewigen anvertraute; seine „innere Freiheit“ fasziniere die Menschen auch heute noch.

Ein schlichter Kelch aus dem KZ Dachau werde beim Festhochamt im Gedenken an Karl Leisner verwendet, sagte der Weihbischof weiter.

Im Anschluß an das Pontifikalamt und das Gebet in der Krypta wurde in der Aula der benachbarten Marienschule  – einer kirchlichen Mädchen-Realschule  –  ein mehrstündiger Festakt veranstaltet, an der sich mehrere Schülerinnen aktiv beteiligten (siehe zweitletztes Foto), sei es musikalisch oder durch ihre gelungenen Ansagen und Ankündigungen der verschiedenen Redner aus Kirche und Welt.

Im nördlichen Seitenschiff des Viktor-Doms war eine sehr informative Karl-Leisner-Wanderausstellung dzu sehen, die das Stifts-Museums Xanten gestaltete.

Die eindrucksvollen Schautafeln erläuterten das Leben Leisners in seinen wichtigsten Stationen und stellten sie in den Rahmen der damaligen Geschichte zwischen 1915 und 1945.

Die Leisner-Wanderaustellung des Internationalen Karl-Leisner-Kreises (IKLK) wurde in der Marienschule präsentiert. Diese Schautafeln des IKLK werden zudem ab dem 26. Dezember 2019 für zwei Wochen im Kreuzgang des Paulus-Domes in MÜNSTER gezeigt. 

Am 26.12. beginnt im Dom um 10 Uhr das Pontifikalamt mit Bischof Dr. Felix Genn zum Gedenken an die Primiz Leisners vor 75 Jahren im KZ Dachau.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den Jugend-Verlag KOMM-MIT und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Fotos: Felizitas Küble

 


Pilgerfahrt von Münster nach Herzfeld zum ältesten Wallfahrtsort Westfalens

Von Felizitas Küble

Herzfeld liegt im östlichen Münsterland und ist der älteste Wallfahrsort Wesfalens. Dort gab es zugleich die älteste Kirche des Bistums Münster, deren Grundmauern z.T. heute noch erhalten sind bzw. im Jahre 1975 unter der St.-Ida-Basilika ausgegraben wurden.

Die älteste Pfarrgemeinde Westfalens und zugleich das erste Gotteshaus weit und breit wurde von einer adeligen Ehefrau und Mutter erbaut, der heiligen Ida von Herzfeld, einem Städtchen, das ursprünglich als sächsisches Dorf „Hirschfelder“ (Hirutfeldun) hieß.

BILD: Idas Steinkirche im ländlichen Lippetal begründete die erste christliche Gemeinde Westfalens

Ida, diese frühmittelalterliche „Mutter der Armen“ – wie sie verehrt wird – war die Nichte von Kaiser Karl dem Großen und zugleich die Ehefrau des Sachsenherzogs Ekbert; er war einer der ersten bekehrten Gläubigen aus dem heidnischen Stamme der Sachsen, die sich lange der Christianisierung widersetzt hatten.

Doch während Kaiser Karl die „Sachsenkriege“ führte, gab es gottlob auch friedliche Wege, die zur allmählichen Evangelisierung dieses hartnäckigen Germanenstammes führten.

BILD: Darstellung der hl. Ida und der von ihr gestifteten Kirche im Altarraum der Herzfelder Basilika

Eine ganz herausragende Rolle spielt dabei die heilige Ida von Herzfeld, denn sie war volksverbunden, tiefgläubig und zugleich von tätiger Nächstenliebe erfüllt.

Dabei war zwar ihr Mann ein Sachse, sie selber jedoch eine fränkische Grafentochter, im Jahre 765 im Raum Köln geboren; sie gehörte als Verwandte von Kaiser Karl zum Stamm der Franken, der als erster den katholischen Glauben angenommen hat. Es gab zwar schon vorher christianisierte Germanen wie die Westgoten oder Vandalen, doch diese waren arianisch geprägt (die Arianer verehrten zwar Christus als höheres Wesen, leugneten jedoch seine Gottheit).

Herzfeld ist der älteste Wallfahrtsort in Westfalen. Bereits seit 825 pilgern Gläubige von nah und fern zum Grab der hl. Ida. Am 15. Oktober 2011 wurde die Pfarrkirche sogar zur päpstlichen Basilika erhoben.

Dieses Gotteshaus ist der dritte Kirchbau an dieser Stelle: erst gab es das frühmittelalterliche Kirchlein, das von der Herzogin Ida gestiftet wurde, danach einen romanischen Bau im Hochmittelalter  – und zuletzt im Jahre 1903 eine neugotische Kirche aus hellem Stein, weshalb sie auch als „weißer Dom an der Lippe“ bezeichnet wird.

Die alt-rituelle Gottesdienstgemeinschaft St. Aegidii in Münster pilgerte am Samstag, den 22. Juni, mit rund 30 Teilnehmern zur hl. Ida von Herzfeld. Pater Dr. Chrysostomus Ripplinger feierte in der Basilika die heilige Messe im überlieferten Ritus (siehe Foto).

Der Benediktiner aus der Abtei Gerleve organisiert seit Jahren Pilgerreisen mit seinen Gläubigen zu altehrwürdigen und bewährten Wallfahrtsstätten im Münsterland.

Nach der hl. Messe erklärte ein freundlicher Ehrenamtlicher aus der Gemeinde der Gruppe aus Münster die Krypta der Kirche, denn unterhalb der Basilika liegen die Gebeine der Herzogin Ida in einem wertvollen Schrein hinter Glas (siehe Foto).

Unter dem Sarkophag befinden sich der Original-Sarg der Heiligen, die am 4. September 825 starb. Die Wallfahrer dürfen den fast 1200 Jahre alten Steinsarg mit der Hand berühren.

Ida wurde neben ihrem schon früher verstorbenen Mann Ekbert beigesetzt. Nach seinem Tod wohnte sie in einem Vorbau direkt an der von ihr gestifteten Kirche, kümmerte sich um die Armen und widmete sich dem Gebet und der weiteren Bekehrung des Volkes. Zugleich wirkte sie als Friedensstifterin zwischen Franken und Sachsen.

Das BILD zeigt einige Gläubige aus der Pilgergruppe; sie hören aufmerksam den Worten des Kirchenführers zu

Schon bald nach ihrem Tod setzte ein wachsender Pilgerstrom zu ihrem Grabe ein. Die Verehrung der hl. Ida begann aus der Mitte des Kirchenvolkes, so daß Bischof Dodo von Münster sie im Jahre 980 zur „Ehre der Altäre“ erhob. (Damals wurde eine Heiligsprechung noch nicht vom Papst vorgenommen, sondern vom jeweiligen Oberhirten des Bistums, indem die Gebeine der/des Heiligen in die Kirche  – meist in den Altar  –  übertragen wurden.)

Eindrucksvoll ist auch das uralte Kreuz in der Krypta, von dem überliefert wird, es enthalte einen Splitter vom Kreuz Christi (siehe Reliquien-Kästchen unter der Brust des Kruzifixes).

Nach der Kirchenführung stärkten sich die Pilger aus Münster in einem nahegelegenen Cafe, wo sie gemeinsam ihre Eindrücke austauschen konnten.

Danach wurde in der Lippe-Au unweit der Basilika gemeinsam der Kreuzweg gebetet. Allerdings waren die einzelnen Stationen, die sich als Holzdarstellungen in den Bäumen entlang der Allee befanden, meist derart stark von Efeu umrankt, daß zwei Männer jeweils vorausgingen, um den Kreuzweg mit Handarbeit überhaupt sichtbar zu machen.

BILD: Zwei Teilnehmer beim Freimachen einer Kreuzwegstation – hinter ihnen Pilgerleiter Pater Chrysostomus Ripplinger.  Das weitere Bild zeigt die Grablegung Jesu

Beim gemeinsamen Beten des Kreuzwegs wurde auch die hl. Ida als Fürsprecherin für die Anliegen von heute angerufen.

Sie ist eine zeitlose Heilige, weil sie als Ehefrau, Mutter und Witwe die Gottes- und Nächstenliebe beispielhaft lebte und zugleich mit Mut und Demut der Kirche diente. So hat sie einst diese Region im Zeichen des Kreuzes Christi wesentlich mitgeprägt.

Beim Gang zu den einzelnen Kreuzwegstationen fiel der Pilgerschar auf den umliegenden Wiesen ein großes, hochgelegenes Storchennest auf, in dem sich eine Storchenfamilie (in der Mitte sieht man den Abkömmling) aufhielt.