Auch wenn christliche Traditionen zunehmend (ver)schwinden: Das Kreuz lebt!

Von Peter Helmes

Das bayerische Landeskabinett hat beschlossen, daß ab Juni dieses Jahres in jeder Behörde in Bayern ein Kreuz hängen muß. Dies soll nach Ansicht der bayerischen Staatsregierung die „geschichtliche und kulturelle Prägung“ Bayerns zum Ausdruck bringen und ein „sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung“ sein.

Bayern handelt damit gegen den Trend. Immer mehr christliche Symbole verschwinden aus dem öffentlichen Leben. Aber nun steht ein Mann auf und sagt „Halt! – wir bekennen uns zu unserer christlichen Tradition!“

Dieser Mann ist Markus Söder, der neue Ministerpräsident Bayerns. Schnappatmung bei den Linken und reflexartige Angriffe auf den Verursacher sind das Echo.

Der anti-christliche oder zumindest falschverstandene „christliche“ Wahnsinn hat Methode.

Das Schlimmste vorweg: Gegen das Herzeigen des Kreuzes wehren sich auch lautstark einige Kirchenmänner – und das ist skandalös! Doch der Päpstliche Nuntius in Österreich, Peter Zurbriggen, hebt sich von den Reihen der Verirrten ab und erklärt, er schäme sich für Kardinal Marx und dessen deutsche Kollegen, die lieber nicht zu viele Kreuze sehen wollten: „Das ist eine Schande!“

Ein föderales Mißverständnis: Söders Kreuz? – Unser Kreuz! Unsere Heimat!

Komme mir niemand mit dem Vorwurf, das sei doch nur ein Wahlkampfmanöver der CSU – ein Lied, das vor allem die politisch und kirchlich Korrekten jetzt ganz laut singen. Ja und? Und wenn – was wäre daran verwerflich? Die so argumentieren, verdecken nur noch schwach, daß sie offenbar nicht bereit sind, unseren Gauben zu verteidigen. Auch wenn´s um Wahlkampf ginge – das Ergebnis wäre immerhin eine Rückbesinnung auf das Kreuz – das wichtigste Symbol des Christentums!

Und noch etwas: Könnte man sich vorstellen, daß ein Aythollah – der Vergleich mit einem Kardinal sei erlaubt – erkläre, er wünsche öffentlich keinen roten Halbmond oder kein Minarett zu sehen, weil er die Christen nicht provozieren wolle? Wie lange hätte dieser Ayathollah noch zu leben? Ein Moslem läßt sich sein Bekenntnis zu Allah nicht verbieten. Schämt Euch, Ihr Christenfeiglinge!

Eine schwache Aufführung der katholischen Kirche in Deutschland! Deshalb kam, was erwartbar war: Die „geneigten Medien“ eilten den Schwach-Christen zu Hilfe. Schwupps gab es eine Umfrage in ganz Deutschland – mit dem (gewollten) Ergebnis, Söders Vorstoß fände keine Mehrheit. Kaum jemand erkannte die Hinterlist: Gefragt wurde in ganz Deutschland, also auch dort, wo das Christliche vielleicht noch 3 Prozent ausmacht.

Viel wichtiger ist jedoch, was die Menschen in Bayern darüber denken und nicht jene in den anderen Bundesländern, die es gar nicht betrifft. Die Frage hätte lauten sollen: „Wollen Sie, daß bei denen, die schon länger hier leben, die alten, tradierten Symbole bleiben dürfen?“

Die befragten Bayern haben deutlich ihre Meinung geäußert: große Zustimmung für das Kreuz in öffentlichen Gebäuden des Freistaats. Da scheinen wohl die Bürger beständiger zu sein als die Wackelpuddings aus dem Klerus.

Es geht doch gar nicht um „alle staatlichen Behörden in Deutschland“, sondern nur um die bayerischen. Natürlich kann man unterschiedlicher Meinung sein, ob diese beabsichtigte Zeichensetzung angemessen ist oder nicht. Unstrittig ist aber, daß bei vielen Menschen heute eine tiefe Verunsicherung und Befürchtung existiert, die Heimat könnte beschädigt werden oder ganz verloren gehen. Auf diese Ängste will Söder mit den Kreuzen reagieren.

Wir leben hier in einem christlichen Abendland. Weshalb sollten jetzt in Ämtern keine Kreuze hängen dürfen?

Bemerkenswert aber erscheint mir die Beachtung, die dem Symbol der abendländisch-christlichen Kultur als Teil bayerischer Lebensart derzeit zuteil wird. Seit Jesus am Kreuz gestorben ist zur Erlösung der Welt, ist das Kreuz das Zeichen und der Inhalt des Christentums schlechthin. Ein noch religiöseres Symbol gibt es nicht. Es ist ein Zeichen sowohl für unseren Glauben als auch für unsere kulturelle Identität.

Kein Wunder, daß sich die Linken aller Couleur jetzt aufregen!

Noch einmal Klartext: Nicht Söder spaltet, sondern derjenige, der Massenmigration unkontrolliert zuläßt und seine Kreuze aus falscher Toleranz und Feigheit verschwinden läßt – sowohl aus Gerichten, öffentlichen Gebäuden als auch auf dem Tempelberg.

Bei vielen Kirchenmenschen scheinen mir die Maßstäbe verrutscht zu sein. Das Kreuz muß im Mittelpunkt stehen, nicht die Anpassung an dessen Gegner! Nur so kann eine Spaltung der Kirche verhindert werden.

Und noch etwas: Für viele Menschen nicht allein in Bayern symbolisiert das Kreuz Heimat – das Umfeld, die Region, das Land, in dem ich mich wohlfühle und in dem meine „Muttersprache“ (aha!) gesprochen wird.

Man muß Markus Söder dankbar sein: Sein „Kreuzzug“ eröffnet die Gelegenheit, eine längst überfällige Diskussion zu beginnen. Es geht um das Verhältnis von Staat und Kirche, es geht um eine grundlegende Debatte um das Fundament unseres Staates!

Söders Antwort ist klar: Für ihn sei das Kreuz „in erster Linie ein religiöses Symbol“. Es gehöre „aber auch zu den Grundfesten des Staates“. Es habe eine „identitätsstiftende, prägende Wirkung für unsere Gesellschaft“. Söder sagte, er wundere sich, daß „wir über Toleranz für andere Religionen reden und uns nicht trauen, zu unseren eigenen Werten, unserer eigenen Religion zu stehen“.

Ein würdeloser bischöflicher Kniefall vor dem Islam: Kardinal Marx kritisiert Söders Kreuz-Anordnung. Es sei deshalb „Spaltung, Unruhe, Gegeneinander“ entstanden, sagte der oberste Katholik hierzulande der „Süddeutschen Zeitung“.

Ihm sei entgegnet: „Es reicht, Eminenz, es reicht! Das Kreuz für sich selbst verleugnen (siehe Tempelberg), aber diejenigen, die das Kreuz verteidigen, aburteilen? –  Wenn ich Sie beim Wort nehmen darf: Sie haben Ihre Philippika gegen die Kreuzesfreunde auch damit begründet, das Kreuz sei „ein Zeichen des Widerspruchs gegen Sünde, Gewalt gegen andere Menschen usw. – aber kein Zeichen gegen andere Menschen.“

Einverstanden, Eminenz. Aber warum schießen Sie sich selbst von hinten durch die Brust ins eigene Bein? Denn wenn Sie mit Ihrer Begründung Recht haben, ist das Kreuz-Herzeigen gerade richtig!

Genau verstanden ist – um Ihre Gedanken aufzunehmen – das Kreuz ein Zeichen des Widerspruchs gegen Christenverfolgung, gegen die gewaltsame Versklavung und grausame Abschlachtungen von Mensch und Tier, gegen Sünden wie Zwangsehen, Kinderehen, Vielehen und so weiter.

Hätten Sie das Kreuz so verstanden, wäre ich wieder Ihr Freund. So aber kann ich als höflicher Mensch nur noch den Kopf schütteln über so viel kirchenfürstliche Borniertheit.

Papst Johannes Paul II würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er die Verleugnung des Kreuzes durch führende deutsche Bischöfe hätte miterleben müssen. Von ihm stammt das eindringliche Wort: „Sie können uns Katholiken alles nehmen – nicht aber das Kreuz!“

Deshalb sei Kardinal Marx zugerufen:

„Kehren Sie um, Eminenz! Geben Sie den Gläubigen Halt im Zeichen des Kreuzes, aber treten Sie sie bitte nicht ins Kreuz! Treten Sie aus den Reihen der Kreuzverleugner aus. Sie haben schon viel Schaden angerichtet. Das aber könnten Sie korrigieren, wenn Sie Ihre Pflicht als Oberhirte ernstnehmen.“

AUSZUG aus einem ausführlicheren Artikel von Peter Helmes – hier: https://conservo.wordpress.com/2018/05/09/die-verunsicherte-kirche-der-bischof-und-der-tritt-ins-kreuz/

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Ökumenische Erklärung von Theologie-Professoren pro Kreuzerlass in Bayern

Die folgenden aus Bayern stammenden oder in Bayern lehrenden christlichen Theologen bekennen sich zum Kreuz in der Öffentlichkeit.

Wir erklären, dass wir für jedes in öffentlichen Räumen sichtbare Kreuz dankbar sind. Denn das Kreuz steht für die in Gott gründende Würde des Menschen (vgl. Gen 1,26–27), die eines der wesentlichen Würdefundamente ist und die unsere Demokratie nicht aus sich selbst hervorzubringen vermag.

Im Christentum und damit im Symbol des Kreuzes vereinen sich göttliche Offenbarung und philosophische Humanität bzw. Aufklärung. Auch Kants Vernunftreligion kommt nicht ohne Gott aus.

Diese beiden Grundpfeiler mit ihrem sicheren Anker der unantastbaren Menschenwürde hatten auch die Gründerväter der deutschen und bayerischen Verfassung vor allem vor Augen, auch wenn selbstverständlich andere Quellen mit einfließen, wie das Judentum oder im Blick auf die christlich-scholastische Aristoteles-Rezeption des 13. Jahrhunderts der humanistische Islam.

Ganz in der Tradition unserer Verfassung ist der Blick auf das Kreuz zweifellos der Blick auf ein Wertefundament unserer pluralistischen Gesellschaft, da es für den menschlichen Zusammenhalt aus einem Geist des Miteinanders auch gegenüber dem vermeintlich Fremden steht.

Dieses Fundament freiheitlicher Toleranz ist sowohl im Grundgesetz als auch in der Bayerischen Verfassung gerade nicht auf einen gottlosen Humanismus reduziert. Es gründet im Heilswerk und in der Botschaft Jesu Christi, die er selbst auf vollkommene Weise vorgelebt hat. 

Für uns unverständlich ist die jetzt öffentlich zur Schau gestellte Solidarisierung einiger kirchlicher Stimmen oder Organisationen mit den Laizisten, die die Kreuze schon lange zumindest aus öffentlichen Gebäuden verbannen wollen. Eine solche Haltung grenzt an Selbstaufgabe, was gerade die Menschen anderer Religionen nicht schätzen und viele Christgläubige befremdet.

Wir hingegen freuen uns über die in öffentlichen und staatlichen Räumen anzutreffenden Kreuze. Das öffentlich sichtbare Kreuz hat nämlich auch dem säkularen Menschen Wichtiges zu sagen.

Wer auf das Kreuz blickt, sieht sich dabei gleichermaßen konfrontiert mit einem wesentlichen Werteanker unserer humanistischen Toleranzkultur wie mit Jesus Christus als dem Sohn Gottes. Auch wenn dies manche als anstößig empfinden, so dürfen dennoch Christen niemals Kreuze entfernen oder abhängen.

Dem Vorwurf, hier werde unsere Religion instrumentalisiert, halten wir entgegen, dass der Einsatz von Symbolen ein legitimes Mittel demokratischer Politik ist. Wenn sich beispielsweise die Linkspartei am 1. Mai in Demonstrationen einreiht oder Grüne sich gegen Lebensschützer solidarisieren, wittert keiner die Instrumentalisierung der Arbeiter oder der Genderisten. Man glaubt ihnen, dass das ihrer ehrlichen Überzeugung entspricht.

Wenn aber christliche Politiker sich mit dem Kreuz solidarisieren, wird suggeriert, es müsse selbstverständlich reine Parteitaktik sein. Wir sagen nein dazu, dass hier offenbar mit zweierlei Maß gemessen wird. Wir sagen JA zum Kreuz.

Im christlich geprägten Bayern besteht seit langen Zeiten der Brauch, dass nicht nur auf öffentlichen Plätzen und Berggipfeln, sondern ganz selbstverständlich auch in staatlich-öffentlichen Amtsräumen Kreuze angebracht sind. Auf diese Weise bringt der bayerische Staat seit jeher sein Selbstverständnis zum Ausdruck, dass er zutiefst in der christlichen Tradition verwurzelt ist und sich diesem Erbe verpflichtet weiß.

Demnach sehen wir in dem zum 1. Juni 2018 in Kraft tretenden Kreuzerlass keine Neuerung mit irgendeinem gesellschaftsspaltendem Potential, sondern nur eine Ergänzung, wodurch die höchst sinnvolle und bereits hinlänglich vertraute Präsenz der Kreuze in den Amtsräumen nun flächendeckend sein wird.

Auf diese Weise werden künftig auch in jenen Amtsräumen Kreuze anzutreffen sein, wo man deren Anbringung bislang noch nicht beachtet hat oder wo im Einzelfall tatsächlich das Kreuz eigenmächtig abgenommen wurde.

Im Blick auf den inneren gesellschaftlichen Frieden wird der ergänzende Kreuzerlass bewirken, dass künftig nicht mehr der Eindruck entstehen kann, als sei das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Kreuzen in Amtsräumen eine rein private oder gar willkürliche Angelegenheit von Bürgermeistern, Schulleitern oder Amtsgerichtsdirektoren etc.

So bedeutet der Kreuzerlass eine sinnvolle Anknüpfung an eine bereits lange bestehende und bewährte Tradition. Zudem sind wir dankbar für die durch den Kreuzerlass zum Ausdruck kommende Transparenz der bayerischen Staatsregierung, dass sie sich auch künftig wie schon bisher der christlichen Tradition Bayerns verpflichtet weiß, wie es auch dem Geist der nach Kriegsende 1946 verabschiedeten Präambel der Bayerischen Verfassung entspricht, wonach es in Bayern nie mehr eine „Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott“ und damit ohne Achtung des Gewissens und der Menschenwürde geben darf.

Wir würden uns freuen, wenn sich noch weitere katholische und evangelische Professoren und Hochschullehrer der Theologie dieser Erklärung anschließen würden. In diesem Fall möge man sich per Mail an Prof. Dr. Wolfgang Vogl (wolfgang.vogl@kthf.uni-augsburg.de) wenden. Die weiteren Beitritte können auf der persönlichen Homepage „Kreuzerlass.de“ von Prof. Vogl eingesehen werden. Gerne können sich neben den Theologen auch Vertreter der anderen akademischen Fächer anschließen.

Erstunterzeichner:

Prof. Dr. Wolfgang Vogl (Theologie des geistlichen Lebens, Augsburg)

Prof. Dr. Dr. Elmar Nass (Sozialethik, Fürth)

Prof. Dr. Christoph Binninger (Dogmatik, Bischöfliches Studium Rudolphinum, Regensburg)

Prof. Dr. Christoph Ohly (Kirchenrecht, Trier; Bischöfliches Studium Rudolphinum, Regensburg)

Prof. Dr. Sigmund Bonk (Philosophie, Regensburg)

PD Dr. Dr. Giuseppe Franco (Theologie, Eichstätt)

Prof. Dr. Hans-Georg Gradl (Neues Testament, Trier)

Prof. Dr. Manfred Heim (Kirchengeschichte, München)

Pfarrer Prof. h. c. Dr. Jürgen Henkel (Ökumenische Theologie, Selb)

Prof. em. Dr. Alfred Egid Hierold (Kirchenrecht, Bamberg)

Prof. em. Dr. Wolfgang Klausnitzer (Fundamentaltheologie, Würzburg)

Prof. Dr. Josef Kreiml (Fundamentaltheologie, St. Pölten)

Pfarrer Prof. Dr. h. c. Hermann Schoenauer (Diakoniewissenschaft, Nürnberg)

Prof. Dr. Achim Schütz (Dogmatik, Rom)

Prof. Dr. Dr. Herbert Stettberger (Religionspädagogik, Heidelberg)

Prof. Dr. Thomas Stark (Philosophie, St. Pölten)

Prof. em. Dr. Anton Ziegenaus (Dogmatik, Augsburg)

Wir unterstützen diese Erklärung:

Prof. em. Dr. Hans Joachim Türk (Philosophie und Sozialethik, TH Nürnberg)

PD Dr. Artur Zuk (Pastoraltheologie, christliche Spiritualität und Homiletik, KU Eichstätt)

Prof. Dr. Harald Jung (Ethik und Soziallehre, IHL Liebenzell)

Prof. Dr. Christian Müller (Wirtschaftswissenschaften, Münster)

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Werner Lachmann (Wirtschaftswissenschaften, Nürnberg)

Prof. Dr. Johannes Brantl (Moraltheologie, Trier)

Prof. Dr. Josef Spindelböck (Moraltheologie, St. Pölten)

Prof. Dr. Lothar Wehr (Neutestamentliche Wissenschaft, KU Eichstätt)

Prof. Dr. Michael Frenkel (Makroökonomik und Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Vallendar)

Prof. em. Dr. Hermann Sautter (Wirtschaftswissenschaften, Göttingen)

Prof. Dr. Manfred Gerwing (Dogmatik und Dogmengeschichte, KU Eichstätt)

Quelle: https://www.kreuzerlass.de/


Regensburg: Bischof bekräftigt sein JA zum Kreuz in staatlichen Dienstgebäuden

Pressemitteilung des Bistums Regensburg:

„Ausdrücklich begrüße ich es, wenn in öffentlichen Einrichtungen sichtbar ein Kreuz angebracht ist.“ –  Dies betonte der Regensburger Bischof, Rudolf Voderholzer, im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamts am 1. Mai auf dem Habsberg anlässlich der Eröffnung der Wallfahrtssaison.  

Dabei verwies der Bischof auf die bekannten Überlegungen des Staatsrechtlers und Verfassungsrichters Ernst-Wolfgang Böckenförde.

Das Kreuz stehe für das vor-staatliche Fundament, auf dem unsere freiheitlich-demokratische Rechtsordnung aufgebaut ist. Ein solches Fundament könne kein Staat aus sich selbst heraus schaffen oder garantieren.

Das, was die Menschen trägt und was sie glauben, lasse sich nicht gesetzgeberisch oder autoritativ herbeiführen. Historisch und sachlich sei dieses Fundament in Bayern, Deutschland und Europa der christliche Glaube.

Bischof Voderholzer dazu: „Die Bayerische Verfassung verweist mit Recht auf das Kreuz als Fundament für das öffentliche Zusammenleben in Freiheit, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit. Unser Werteverständnis und der gelebte Glaube begründen diese unsere Gesellschaft in ihrer freiheitlichen Grundordnung.“

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Bischof in seiner Predigt zum Patronatsfest des hl. Georg in Amberg betont:

„Das Kreuz ist Inbegriff der abendländischen Kultur. Es ist Ausdruck einer Kultur der Liebe, des Erbarmens und der Lebensbejahung. Es gehört zu den Fundamenten Europas.

Wenn wir zum Kreuz aufschauen, werden wir selber groß und werden wir erhoben aus Traurigkeit und Niedergeschlagenheit. Im Kreuz erkennen wir Hoffnung und Leben – beides errungen durch die Waffen der Liebe.

Jede menschliche Gemeinschaft gewinnt Segen, Lebensfreude und Zukunft, die sich diesem Zeichen in seinem eigentlichen Sinne verpflichtet sieht.“


CSU-Generalsekretär verteidigt Kreuz-Entscheidung des Ministerpräsidenten

CSU-Generalsekretär Markus Blume hat im Interview mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) den Beschluss der Bayerischen Staatsregierung, in den Eingangsbereichen aller bayerischer Behörden ein Kreuz aufzuhängen, verteidigt:

„Unser Ministerpräsident Markus Söder hat klargestellt, dass das Kreuz für bestimmte Werte steht und für ein kulturelles Bekenntnis.“

Wer dieser Entscheidung mit Spott begegne, dem sei egal, was unser Land prägt und geprägt hat.

Das Kreuz sehe er nicht nur als religiöses Symbol: „Das Kreuz ist mehr: Es ist auch das Bekenntnis zu den Werten, die unseren Staat und unsere Gesellschaft ausmachen. Es steht für Menschenwürde, für Nächstenliebe und für Toleranz. Das Kreuz steht für die kulturelle Identität unseres Landes. Wie das Gipfelkreuz gehört es zu unserer Heimat.“

Daher sei für Blume klar: „Wer ein Kreuz aufhängt, legt damit ein Bekenntnis ab und muss sich nicht rechtfertigen. Bei den Kritikern haben wir es mit einer unheiligen Allianz von Religionsfeinden und Selbstverleugnern zu tun.“

Insbesondere die Kritik der Grünen lehnt Blume entschieden ab: „Das ist doch wieder bezeichnend für die verkehrte Weltsicht der Grünen: Aus der Multikulti-Ecke kommt kein hartes Wort gegen den neuen Antisemitismus, aber gegen christliche Symbole im Alltag wollen sie mit Vehemenz vorgehen. Das ist beschämend, wie man die eigenen Werte so verleugnen kann. Wir sollten kultursensibler sein, das heißt sensibel für die eigene Kultur.“


Wieviele Zuwanderer verträgt unser Land?

Interview mit Prof. Dr. Albert Wunsch

Die Migrations-Debatte ist besonders seit der Flüchtlings-Welle im Jahre 2015 voll entbrannt. Viele Monate vergingen, in denen sich die Presse in Lobhudelei erging und die Botschaft der Kanzlerin weitergab: „Wir schaffen das“. 

Ständig wurden im Fernsehen und in Zeitschriften Bilder von friedlichen und gebildeten Familien aus Syrien und anderen Ländern gebracht. Durch die Aufnahme dieser Menschen sollte gleichermaßen der Überalterung und dem Fachkräftemangel begegnet werden. Waren die Medien so blauäugig, die immer offensichtlicher werdenden Probleme nicht sehen zu wollen oder wurde das Volk bewusst durch eine alternative politische Botschaft informiert?

Dass viele Zuwanderer kaum gebildet waren und besonders allein reisende junge Männern zur Problemgruppe wurden, darüber wurde euphorisch hinweggesehen.

Nach und nach – erstmals nach den Silvester-Krawallen 2015/2016 – wurden auch kritische Stimmen in den öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten und der Mainstream-Presse deutlich. Etliche weiter Straftaten zwischen Vergewaltigung, gefährlicher Körperverletzung, Angriffe auf Polizisten und Mord verstärken mit Verspätung den Prozess des Umdenkens.

Das folgende Interview mit dem Schriftsteller, Erziehungswissenschaftler und Psychologen Prof. Dr. Albert Wunsch (siehe Foto) aus Neuss versucht, zur Versachlichung des Themas beizutragen und greift die Frage auf: „Wie viel Migranten verträgt eine Gesellschaft?“

Ist sozialer Friede mit einer Flüchtlings-Einwanderung ohne Grenzen möglich? Wieviel soziale Veränderungen verträgt ein Land und deren Bevölkerung bei aufgezwungenen Migrationen und wie könnte dies friedlich möglich sein?

Prof. Wunsch: Der Frageansatz ist aus meiner Sicht zu kurz gegriffen und verwischt Einiges: Erstens wäre zwischen echten Flüchtlingen und ökonomisch motivierten Einwanderen unterschieden. Damit relativiert sich auch die Frage zu einer erzwungenen Migration.

Echte Flüchtlinge können als humanitärer Akt als erstes nur mit einem Schutz gebenden Dach überm Kopf und Nahrung versorgt werden. Um bei dieser humanitären Handlung nicht gleichzeitig wichtige Selbstschutz-Regelungen zu verletzten, müssten diese Menschen als Konsequenz in abgegrenzten Territorium aufgenommen und von der übrigen Bevölkerung abgeschirmt werden.

Neben der notwendigen Erstvorsorgung stünde dann an, diese Menschen auf – vielleicht auch ansteckende – Krankheiten zu untersuchen, die Personalien soweit wie möglich aufzunehmen, diese zur Vermeidung von Irrtümern durch einen biometrischen Code zu vervollständigen und dann vor weiteren Entscheidungen die ermittelten Daten mit internationalen Datenbanken auf der Suche nach Terroristen, Sozialbetrügern oder sonst wie Gesuchten abzugleichen. Erst dann würden weitergehende Entscheidungen getroffen.

Bei positiv wirkenden Fakten würden dann in einem Erstgespräch die Fluchtgründe notiert. Vom Ausgang dieser Ersterfassung der Asylsuchenden wird dann die weitere Dauer für den Aufenthalt im Notaufnahmelager abhängen. Und erst dann, wenn klar ist, dass ein Asylgesucht große Chancen auf Erfolg hat, dürfte eine Zuweisung in verschiedene Landesteile erfolgen.

Fällt der Asylsuchende durch aggressive Handlungen, asoziales Verhalten bzw. Straftaten auf oder nimmt er nicht aktiv an sprachlichen, kulturellen oder sozialen Integrationsmaßnahmen teil, wird damit gleichzeitig das Asylverfahren gestoppt bzw. eine befristete Aufenthaltsgenehmigung verwirkt. Dann ist eine zeitnahe Rückführung ins Herkunftsland einzuleiten.

Bei Einwanderern wäre ähnlich zu verfahren. Die Überprüfung der Asylgründe würde dann durch einen Tauglichkeitstest zu Fragen des Ausbildungs-Standes, Sprachvermögens bzw. der Integrationsbereitschaft ersetzt. Hier wäre, bei positivem Ausgang eine auf 6 Monate befriste Aufenthaltserlaubnis mit erneuter Überprüfung der Tauglichkeits-Fakten vorzunehmen. Hat der Einwanderer dann kein eigenes Auskommen, wird die befristete Aufenthaltsgenehmigung in der Regel auslaufen.

Ist er/sie unter strafrechtlichen Gesichtpunkten aufgefallen, ist die befristete Aufenthaltgenehmigung zeitnah zu beenden und die Rückführung ins Herkunftsland einzuleiten. Werden diese Kriterien konsequent berücksichtigt, wird dies unser friedliches Zusammenleben positiv beeinflussen.

Wieviel Fremdes verträgt eine Gesellschaft? Oder anders: Geht Integration bei gleichbleibend hohen Zuwandererzahlen?

Prof. Wunsch: Der Umfang des verträglichen oder noch verkraftbaren Fremden hängt von mehreren objektiven Faktoren ab:

  1. Je stabiler eine Gesellschaft ist und je selbstverständlicher sie ihre Kultur lebt, je geringer ist Gefahr, dass Migranten zur Instabilität beitragen.
  2. Je größer die Integrations-Bereitschaft und -Fähigkeit von Migranten ist, je erfolgreicher und schneller entwickeln sich die die Integration-Prozesse.
  3. Wird der zu integrierende Bevölkerungsanteil zu hoch bzw. wirkt er zu geballt und fehlt zu umfänglich eine echte Integrationsbereitschaft, kommt auch eine starke Gesellschaft schnell an ihre Belastungs-Grenzen bzw. entwickeln die Migranten eine stark destruktive Kraft.

Ich breche diese Aussagen auf ein Dorf mit 1000 Einwohnern herunter: Lebt diese Dorfgemeinschaft innerhalb eines guten sozialen Miteinanders, wird es aufs Jahr verteilt sicher 4 – 5 Familien (also ca. 20 Personen) gut integrieren können, wenn diese nicht geballt in einem Teilbereich des Dorfes leben, weil sich sonst fast automatisch eine Subkultur bildet. Aber selbst diese kleine Zahl benötigt ein offenes aufeinander Zugehen von beiden Seiten.

Würden diesem Dorf ca. 10 – 12 Familien (mit ca. 50 Personen) in einem Jahr zugemutet werden, wird dies schnell zu Problem führen, umso mehr, wenn diese Migranten geballt untergebracht würden. Zeigen diese Menschen wiederum wenig oder gar keine Bereitschaft, sich integrieren zu wollen, sind handfeste Konflikte vorprogrammiert. Und je stärker das optische Erscheinungsbild der Migranten Fremdheit oder gar Angst auslöst bzw. Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede offensichtlich werden, je dramatischer werden die Probleme.

Im Grunde ist die Frage „Wie viel Fremdes verträgt eine Gesellschaft mit Fragen in der Chemie oder Bio-Chemie vergleichbar, denn auch dort gilt es zu beachten, wie viel Fremd-Substanz darf einer Basis-Substanz zugeführt werden, ohne das die Basis kippt bzw.  gefährliche Reaktionen einsetzen.

Ob es um die Integration von Migranten oder um Reaktionsprozesse in Chemie-Labors geht, wer ein verträgliches Mischungsverhältnis bzw. die Eigenheiten von Zugaben in Relation zur Grundsubstanz nicht angemessen im Blick hält, wird – durch Nativität oder als politisches Kalkül begründet – mehr oder weniger große Probleme bis hin zu beträchtlichen Katastrophen produzieren.

Sind soziale Komponenten, wie z.B. der sprachliche Umgang, die Integration von kulturfremden Werten und Religionen in die deutsche Gesellschaft möglich – wenn ja, wie?

Prof. Wunsch: Echte Integration setzt sich deutlich von ‚Multi-Kulti-Ideologien’ ab, denn sie erfordert die Infragestellung bzw. teilweise Aufgabe bisheriger kultureller Gepflogenheit und damit verbunden auch bisher tradierter Wertvorstellungen. Das fängt bei der Sprache an, setzt die  aktive Bejahung unserer Gesetze voraus, beinhaltet die Gleichberechtigung von Frauen und Männern und erfordert eine substantielle Abwendung von religiös transportierten Gewalt- und Hass-Attacken gegenüber Andersdenkenden.

Dies ist selbst dann schwer umzusetzen, wenn dies integrationsbereite Migranten vom Grundsatz her wollen. Somit  entscheidet in vielen Fällen die spezielle kulturell-religiöse Herkunft darüber, ab mit kleinen, großen oder unüberwindbaren  Problem zurechnen ist.

Demnach ist es kein Zufall, dass die meisten Migranten aus Indien, Südost-Asien, China oder Korea – trotz ganz anderer Kultur und Religion – sich recht problemlos in europäische Lebensbedingungen hineinfinden.

Letztlich sind Migrations-Prozesse auf Dauer nur dann erfolgreich, wenn die einwandernden Menschen eine große Integrationsbereitschaft mitbringen und die sie aufnehmende Gesellschaft in offener und respektvoller Weise mit den Einwanderern umgehen und beide Seiten in großer Wertschätzung die akzeptablen Eigenheiten des Gegenübers achten. Dann kann über unterschiedlichste Assimilierungs-Prozesse als Folge offener Begegnungen auf Dauer echte Inkulturation wachsen.

In welchem Umfang geht in Deutschland die hohe Wertschätzung in der Flüchtlingshilfe zu Lasten von Obdachlosen, Kinderarmut und Rentnerarmut? Werden die dort existierenden sozialen Konflikte zur Zeit übersehen?

Prof. Wunsch: Aktuell scheint mir die Situation noch recht geregelt zu sein, das ja durch die Finanzhilfen für Flüchtlingen die bestehende Richtlinien und gesetzlichen Grundlagen im Umgang mit Armutsbetroffenen nicht verändert werden. Außerdem wird der notwendige Umgang mit Kinderarmut, Altersarmut bzw. mit Obdachlosigkeit nur z.T. mit zusätzlichen finanziellen Hilfen zu reduzieren sein, weil in allen Fällen nicht die Auswirkung, sondern die Ursachen zu bekämpfen wären.

Andererseits kann ein Staat – wie auch seine Bürger – jeden vorhandenen Euro nur einmal ausgeben. So wird es ein großes Problem sein, wenn Flüchtlings-Migranten ohne Integrationsbereitschaft, Arbeitswillen und akzeptable Bildungsvorsetzungen zu uns kommen, um vom Sozialstaat – möglichst lebenslang – versorgt zu werden.

In allen Fällen wird nur der Grundsatz: ‚Fördern und Fordern’ weiterhelfen. Und wenn sich Menschen – ob schon lange hier lebende Bürger oder Migranten – darauf eingerichtet haben, ihr Haupt-Engagement auf die Vereinnahmung staatlicher Unterstützungs-Gelder zu konzentrieren, dann müssen diese Menschen die Erfahrung machen, dass Sozialhilfe-Programme keine Geschenke des Himmels an Arme in Wohlstandgesellschaften sind, sondern sich durch eigene Arbeit auf dem offiziellen Arbeitsmarkt oder in staatlichen Beschäftigungs-Programmen – ob es dabei um die Säuberung von Parkanlagen, Flussufern, Wäldern, Spielplätzen oder Straßenrändern geht – zu erarbeiten ist.

Auch hier kann ein kleines Dorf der Konkretisierung dienen. Wenn z.B. ein ‚aus der Bahn Geratener’ in diesem kleinen Ort leben würde, käme wohl kaum jemand auf die Idee, diesen Menschen für die nächsten Jahrzehnte in Haus oder Hof ‚einfach so’ durchzufüttern. Aber durch einfach leistbare Zuarbeiten würde er sich einen Schlafplatz und Nahrung verdienen und auf Dauer sogar einen anerkannten Platz in der Dorfgemeinschaft erlangen können. Und wenn dieser in Not Stehende meinen würde, er/sie hätte einen Anspruch darauf, ohne seine Mitwirkung unterstützt zu werden, die Türen im Dorf würden bald alle verschlossen sein.

In der Regel führt dann der Selbsterhaltungswille dazu, sich doch durch das Einbringen einer Leistung die Voraussetzungen zum eigenen Lebensunterhalt zu verschaffen.

Warum fällt eine sachliche Diskussion zum Themenfeld Flüchtlinge und Migration im Gespräch mit Freunden und Verwandten so schwer?

Prof. Wunsch: Einmal existiert – wie dargestellt – ein beträchtlicher Unterschied zwischen Menschen mit einer meist wirtschaftlich begründeten Einwanderungs-Absicht und den in großer Not zu uns kommenden Flüchtlingen. Das wird – ob am Stammtisch, aber auch in anderen Debatten – oft zu wenig beachtet. So ist, wenn jemand vor Krieg und Verfolgung flieht, helfen angesagt. Da bei Menschen mit Einwanderungsabsichten Nützlichkeitserwägungen anstehen, sind hier andere Aspekte zu berücksichtigen.

In beiden Fällen sollte klar sein, dass die Chance hier bleiben zu können, durch Zuwiderhandlungen gegen unsere Kultur, den gesetzlichen Rahmen oder Attacken gegen Personen unmittelbar vereitelt wird. Auf der Basis solcher Eckpunkte bzw. Klarstellungen fällt auch ein versachlichter Gedankenaustausch mit Freunden, Kollegen oder innerhalb der Familie wieder leichter.

Das Interview führte Helmut Zilliken

 


Homo-Ehe: CSU verzichtet auf Klage und paßt sich den Linksideologen an

Mathias von Gersdorff

Der Verzicht der CSU auf eine Klage gegen die sog. „Ehe für alle“ ist die letzte Episode einer längeren Liste von Kapitulationen gegenüber der linksgrünen Gesellschaftspolitik.

Kampflos übergibt die C-Partei aus Bayern die Deutungshoheit über Ehe und Familie den Grünen, die maßgeblich in den letzten Jahrzehnten die Anti-Ehe-Revolution im Geiste der 1968er gesteuert haben.

Aufgrund der Tatsache, dass die Ehe zwischen Mann und Frau (und die christliche Familie) in der christlichen Gesellschaftsethik einen zentralen Platz einnimmt, ist die de facto Akzeptanz des atheistischen und absurden Ehebegriffes der Grünen ein wahrhaft historischer Schritt der CSU in die Dekadenz.

Selbst Kardinal Reinhard Marx, der zum liberalsten Flügel der katholischen Kirche gehört, kritisierte die „Ehe für alle“ und forderte eine Klage beim Verfassungsgericht. „Die Ehe sollte auf die Beziehung zwischen Mann und Frau bezogen bleiben.“ Der Staat dürfe den Ehebegriff nicht umdefinieren, „denn er basiert ja auf der Tatsache, dass die Ehe als Verbindung von Mann und Frau und auf Weitergabe des Lebens ausgerichtet schon vor ihm da ist, sie ist gewissermaßen die Voraussetzung dafür, dass es den Staat überhaupt gibt“, so der Kardinal gegenüber der „Welt am Sonntag“ am 24. Dezember 2017.

Auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die sich in gesellschaftspolitischen Themen längst nicht mehr eindeutig christlich oder konservativ positioniert, kommentierte am 7. März irritiert die Haltung der CSU: „Auch diese Lehre gehört zur Identität der CSU: Aus dick aufgeblasenen Backen kommt auch nur heiße Luft. . . . Unbestreitbar kann der Gesetzgeber die Ehe neu definieren. . . . Aber hier wäre eine Änderung des Grundgesetzes geboten – und ehrlich gewesen. Doch was schert das die Christliche Union noch?“

Die Entscheidung der CSU, nicht gegen die „Ehe für alle“ klagen zu wollen, hat mitnichten lediglich juristische Konsequenzen. Wie Anfangs erwähnt, ist das der Verzicht, für den wahren Begriff der Ehe kämpfen zu wollen. Der Begriff der Ehe wird de facto den linksgrünen Gesellschaftsideologen und Politikern überlassen.

Für diese ist ein kultureller Sieg viel wichtiger als ein juristischer. Für rotgrüne Spät-68er ist der juristische Kampf gegen die Ehe im Grunde ein getarnter Kulturkampf.

Dieser Umstand wird besonders deutlich in der Argumentation, mit der der Bundesjustizminister in der letzten Legislaturperiode, Heiko Maas (SPD), die Öffnung des Ehegesetzes für gleichgeschlechtliche Paare ohne eine vorherige Grundgesetzänderung verteidigte.

In einem Kommentar für die „Welt“ vom 7. Juli 2017 erklärte er: „Nirgendwo im Grundgesetz steht, dass nur Mann und Frau eine Ehe eingehen können. Es kommt allein auf das Begriffsverständnis von „Ehe“ an. Auch der Ehe-Begriff ist entwicklungsoffen. Weil er sich gewandelt hat und Ehe heute die dauerhafte Lebensgemeinschaft zweier Menschen beliebigen Geschlechts ist, brauchen wir keine Änderung des Grundgesetzes, damit gleichgeschlechtliche Paare in Zukunft heiraten können.“

Heiko Maas behauptet im Grunde, dass der Begriff „Ehe“ gar nicht eindeutig definiert ist und sich ständig verändert. Konsequenterweise müsste er fordern, dass der Bundestag ständig das Ehegesetz dem sich neu etablierenden Begriff von „Ehe“ anpassen müsste. Sollte nächstes Jahr beispielsweise das Volk der Auffassung sein, dass eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden kann, so müsste der Bundestag das Gesetz vom 30. Juni rückgängig machen.

Die Argumentation von Heiko Maas kennt man auch aus einem anderen Bereich: Gender. Hier ist selbst die menschliche Natur in ständiger Veränderung. Der Einzelne ist unentwegt dabei, seine sexuelle Orientierung zu verändern. Mal ist er Mann, mal ist er Frau, mal ist er eine Mischung von beidem in unterschiedlichen Proportionen.

Wer so denkt, braucht gar keine Verfassung. Für ihn ist die Kultur oder besser gesagt der Zeitgeist die absolute Richtschnur für politisches und gesellschaftliches Leben.

Daraus ergeben sich zwei weitere Fragen: 

1. Wer definiert, was die herrschende Kultur ist?
Die Zeitungen? Das Fernsehen? Die Kulturbranche? Die Demoskopen? Der „Volkswille“? Die wissenschaftliche Dialektik wie im Kommunismus?

Sei es, wie es sei: Recht wird in dieser Welt von demjenigen definiert, der die Deutungshoheit über die Kultur besitzt. Kultureller Einfluss ersetzt geradezu das Recht. Wer gesellschaftlichen Einfluss besitzt, der definiert auch, was Recht ist. Er definiert also, was die Ehe ist, was Eigentum ist, was „Recht auf Leben“ ist etc. 

2. Wie kann sich der einzelne Bürger gegenüber einem Kultur-Hegemon schützen?
Eigentlich gar nicht: Wird die Kultur (bzw. wer bestimmen kann, was die herrschende Kultur ist) zur Richtschnur für das Recht und für das politische Leben, verschwinden im Grunde die Grundrechte und die Rechtsgüter. Alles wird zur Manövriermasse des Kultur-Hegemons.

Ist das hier beschriebene übertrieben? Wer die Debatte um die sog. „Homo-Ehe“ begleitet hat, konnte sehen, mit welcher Aggressivität die Gegner behandelt wurden. Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt verstieg sich sogar zu der Behauptung, wer gegen die „Ehe für alle“ sei, sei ein „A…loch“  –  ähnliche Aussagen gab es zu Hauf. Dass man homophob sei, war noch das Mildeste.

Im Grunde ging es gar nicht um Argumente, sondern um die Ausgrenzung des Andersdenkenden – unter dem Vorwand der Bekämpfung von Diskriminierung! Man muss deshalb davon ausgehen, dass die politischen Auseinandersetzungen in Zukunft mit zunehmender Aggressivität geführt werden, denn es geht nicht mehr um die Suche nach der Wahrheit und darum, was rechtens ist, sondern um die brutale Durchsetzung der eigenen Sicht der Dinge. Egal, wie falsch diese sein kann.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt ist katholischer Publizist und leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“; aktuelle Kommentare veröffentlicht er u.a. hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/


Wollen wir unsere christlich-abendländische Kultur neu entdecken und wertschätzen?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Zunächst eine alte Geschichte: Im Jahre 476 n. Chr. hat der germanische Söldnerführer Odoaker den letzten römischen Kaiser Romulus Augustulus abgesetzt. Damit endete die letzte Epoche des Weströmischen Kaiserreichs.

Odoaker verlangte vom römischen Senat, dass die kaiserlichen Insignien nach Byzanz, d.h. nach Ost-Rom, geschickt wurden. Das war das Zeichen des auch formalen Endes einer 800-jährigen ruhmreichen Vergangenheit, in welcher Rom die Hauptstadt (caput mundi) des Römischen Weltreichs war.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Der Senat, der sich noch immer versammelte, um die Entscheidungen des jeweiligen Machthabers formal abzusegnen, betrachtete den Vorgang als einen gewöhnlichen Verwaltungsakt. Ein solches Verhalten der Senatoren gegenüber einem welthistorischen Vorgang ist bezeichnend. War doch der Römische Senat jene Einrichtung, welche die Autorität des Römischen Weltreiches verkörperte. Aber im Jahre 476 raffte sich keiner der Senatoren zu einem Nachruf auf die einstige Größe Roms auf.

Diese Imperium Romanum war trotz seiner Schwächen und Fehler ein großartiges Reich, in dem die Pax Romana den Frieden sicherte und den Bewohnern, woher sie auch kamen, Aufstiegsmöglichkeiten in die höchsten Ämter gab, wenn sie bereit waren, sich die Errungenschaften einer großen Kultur anzueignen.

Nur einer empfand die Tragik der Katastrophe, die im Untergang Roms lag und drückte seine Empfindungen in Worten aus. Es war kein gebürtiger Römer, sondern ein geborener Gallier, wahrscheinlich aus Narbonne. Er hieß Rutilius Numancius, kam aus der Verwaltung, war Präfekt in der Toskana und in Umbrien. 

Bevor er in seine Heimat zurückkehrte, wollte er seine Dankbarkeit gegenüber Rom, das aus ihm einen zivilisierten, gebildeten Menschen gemacht hatte, zum Ausdruck bringen. Vielleicht ist sein Buch „Über die Rückkehr“ ein letztes großes Werk in klassischem Latein. Dort heißt es u.a.:

„Höre, schönste Königin einer Welt, die du zu deiner gemacht hast. Rom, Mutter der Menschen und Götter, höre im gestirnten Himmel: Wir sind nicht fern vom Himmel, wenn wir uns in deinen Tempeln befinden. Du spendest deine Gaben an die Strahlen der Sonne, überall wo der Ozean uns umspült.

Du hast aus unterschiedlichen Völkern eine Heimat gemacht, wer kein Gesetz hatte, ist zu deinem Schuldner geworden, weil du Menschen zu Bürgern und das was nur ein Globus war, zu einem Gemeinwesen gemacht hast“.

Und wir heute? Die Frage heute lautet: Ist uns bewusst, in welch großartiger Kultur wir leben, die sich in den vergangenen 13 Jahrhunderten in Europa in Musik, Literatur, Malerei und Baukunst entfaltet hat? Haben wir noch Bezug und eine innere Bindung zu ihr? Oder ist unser Verhältnis zu ihr wie zu weit entfernten Verwandten, deren fehlende Nähe wir nicht vermissen?

Ein Nicht-Europäer, der jüdische Professor Joseph Weiler aus den USA, hält den Europäern fehlende Wertschätzung, ja Abneigung und sogar Hass auf die eigene Kultur vor.

Wenn wir zu den Wurzeln zu unserer christlich geprägten Kultur nicht zurückkehren, so hat das auch Konsequenzen. Wir können von Menschen, die aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen, nicht erwarten, dass sie sich in unsere Kultur integrieren, wenn wir sie selber nicht mehr wertschätzen.

Unsere Kultur beruht auf einem christlichen Fundament, deswegen ist die Rückkehr zum Christentum auch für die Erhaltung der Kultur entscheidend.

Erzbischof Johannes Dyba (siehe Foto) erklärte vor rund 20 Jahren:

„Wir sind im freien Fall und überlegen: Wie schaffen wir es, dass das Ganze trotzdem funktioniert? Es gibt nur zwei Möglichkeiten, wenn die Entwicklung so weitergeht:

Entweder unsere Gesellschaft verfällt in eine politische Barbarei oder aber sie erkennt, dass sie zu unserem gemeinsamen Fundament, zum Christentum zurückehren muss. Die dritte Möglichkeit ist, dass der Islam uns überrennt“.  (Quelle: „Der Spiegel“, 22.12.1997.)

Der englische Dichter T.S. Eliot hatte bereits vor Bischof Dyba folgendes prognostiziert: „Sollte das Christentum verschwinden, so verschwindet die gesamte Kultur… Wir müssen durch Jahrhunderte der Barbarei gehen…“.

Sollten wir Europäer unsere Kultur nicht wieder entdecken, z.B. in Kirchen, in einem Konzert, im Besuch von Museen und wieder wertschätzen und weiterentwickeln?