Forschungsfortschritte bekräftigen: Den Embryonenschutz in Deutschland erhalten!

Forschern der Rockefeller Universität (USA) und des King’s College in Cambridge (Großbritannien) ist es erstmals gelungen, menschliche Embryonen außerhalb einer Gebärmutter zu züchten und diese 13 Tage am Leben zu erhalten.

Die Pressesprecherin der Christdemokraten für das Leben e. V. (CDL), Susanne Wenzel erklärt hierzu:

„Die Entwicklung in der jüngsten Forschung anerkennt offensichtlich keine ethischen, sondern nur noch dünne rechtliche Grenzen. Nur aufgrund gesetzlicher Bestimmungen sowohl in den USA als auch in Großbritannien konnte das Experiment über diesen Zeitraum hinaus nicht ausgedehnt werden. IMG_0802

BILD: Susanne Wenzel (Foto: links) mit der stellv. CDL-Vorsitzenden Odila Carbanje an ihrem CDL-Stand beim Kongreß „Freude am Glauben“

Bislang ist die Kultivierung extrakorporal erzeugter menschlicher Embryonen durch In-Vitro-Fertilisation (IVF) über den Zeitraum von zwei Wochen hinaus gesetzlich verboten. Jedes menschliche Leben beginnt aber mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle; jeder Embryo ist also bereits ein Mensch. Nichts rechtfertigt wissenschaftliche Experimente mit menschlichem Leben, an deren Ende der Tod zu Forschungs- oder Selektionszwecken steht.

Versuche, wie sie dieser Tage in den USA und Großbritannien am Menschen durchgeführt werden, beobachten wir mit größter Besorgnis und lehnen wir ab, weil sie gegen die Menschenwürde verstoßen. Auch ein ungeborener Mensch darf nicht für Forschungszwecke missbraucht werden.

Die Gesetzgebung und auch wissenschaftliche Richtlinien mehrerer Staaten verbieten eine Ausdehnung dieser Humanversuche über 14 Tage hinaus. Auschließlich deshalb wurde das Experiment nach zwei Wochen eingestellt. Wie nicht anders zu erwarten, drängen mehrere US-Forscher und die Forschungslobby nun auf eine zügige Erweiterung der Versuche bis und auch nach dieser Frist, die je nach Stand der Wissenschaft dann immer weiter ausgedehnt werden könnte. Nach hinten wäre hierbei keine Grenze gesetzt. Der Mensch würde immer mehr zu bloßem, beliebig reproduzierbarem, wertfreiem Forschungsmaterial verzweckt.

In Deutschland verbietet § 2 Embryonenschutzgesetz (EschG) die Zeugung und Verwendung extrakorporal erzeugter Embryonen zu Forschungszwecken. Die deutsche Gesetzgebung wird international als ethisch und rechtlich beispielhaft angesehen.

Eine Aufweichung oder gar ein Aufheben des Embryonenschutzes darf es hier auch zukünftig nicht geben. Die CDL fordern deshalb die strikte Beibehaltung dieses Schutzgesetzes und eine staatliche Überprüfung der tatsächlichen Einhaltung des Schutzes von Embryonen in den immerhin 130 deutschen Reproduktionszentren und in den zahlreichen Forschungseinrichtungen.

Zwar sind hier die rechtlichen Verbote klar, aber bisher arbeiten diese Zentren weitestgehend ohne gezielte staatliche Kontrolle über die Produktion und Nutzung von zigtausenden Embryonen.“

Christdemokraten für das Leben e.V., Kantstr. 18 in 48356 Nordwalde b. Münster
Tel.: 0 25 73 – 97 99 391  /  Fax: 0 25 73 – 97 99 392

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Familienverband gegen Staatszuschüsse bei IVF von unverheirateten Paaren

Laut Pressemeldung des Bundesfamilienminsteriums vom 7. Januar 2016 tritt ab sofort eine Änderung der Bundesförderrichtlinie zur „Unterstützung von Maßnahmen der assistierten Reproduktion“ in Kraft.

Um „zeitgemäß“ zu agieren, gewährt Frau Schwesig künftig auch Paaren, die, obwohl sie ohne Trauschein zusammenleben, unter „unerfülltem Kinderwunsch“ leiden, einen Zuschuss zur Finanzierung einer IVF (In-Vitro-Fertilisation) bzw. künstlichen Befruchtung. Baby

Die Vorsitzende des Verbands Familienarbeit e.V., Gertrud Martin, sieht darin einen weiteren Schritt zur Auflösung der Familie durch ideologisch fixierte Individualisierung der Erwachsenen ohne Rücksicht auf die Interessen der Kinder:

„Trotz der schönfärberischen Aussage: ‚ …. Familie ist da, wo Menschen bereit sind, füreinander einzustehen und dauerhaft Verantwortung zu übernehmen…‘ verzichtet Ministerin Schwesig auf jede verbindliche Dokumentierung dieser „dauerhaften“ Übernahme von Verantwortung durch die beteiligten Erwachsenen. Es genügt offenbar, aktuell ein Kind zu wünschen, zu zeugen und zu gebären.

Bei völlig fehlender rechtlicher Bindung zwischen den Eltern wird es ihnen noch leichter gemacht, sich aus der gemeinsamen Verantwortung zu lösen und das Kind dem Vater Staat zu überlassen. Wie schon im Abtreibungs- und Unterhaltsrecht, beim Elterngeldgesetz und beim Rechtsanspruch auf Finanzierung der staatlichen Krippenerziehung, jedoch keinesfalls der Betreuung der Kleinsten in ihrem Elternhaus, spielen die Interessen und die grundgesetzlich festgeschriebenen Rechte eines Kindes keine Rolle. Das Kind ist zur Verfügungsmasse verkommen.

Wir brauchen nicht nur mehr Kinder, wie Frau Schwesig richtig meint. Wir brauchen auch stabile Familien als Grundlage einer gesunden sozialen Entwicklung der Kinder. Aus unserer Sicht ist es widersinnig, die künstliche Befruchtung bei unverheirateten Paaren finanziell zu fördern und gleichzeitig den Eltern, die ihr Kind selbst erziehen wollen, ein Betreuungsgeld von 150 € abzusprechen.“


Vortrag von Alexandra Linder „Wann ist ein Kind ein Mensch?“ in Berlin

Samstag, 19.9.2015, 10 bis 12 Uhr:
Vortrag von A. Linder und Buchvorstellung mit Hartmut Constien

Thema: Perfekt, gewollt, pünktlich – Wann ist ein Kind ein Mensch?

Alexandra Maria LinderEs gibt in unserer Gesellschaft keinen Konsens darüber, ab wann ein Mensch als solcher bezeichnet werden kann.

Die Entmenschlichung und Verfügbarkeit des Kindes vor der Geburt wird seit Jahrzehnten betrieben und durch neuartige, immer frühere Untersuchungsmethoden, durch künstliche Befruchtung mit Präimplantationsdiagnostik und Propagierung eines Menschenrechts auf Abtreibung weitergeführt.

Inzwischen gibt es ideologisch ausgerichtete Organisationen, die den Begriff „Kind“ erst mit der Geburt verwenden. Der Vortrag gibt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken.

Die Kärntnerin Alexandra M. Linder  ist seit 1992 in der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V., einem der mit 11.000 Mitgliedern größten Lebensrechtsverbände in Deutschland, ehrenamtlich tätig und seit zehn Jahren dessen Erste Stellvertretende Bundesvorsitzende.

Neben ihrer Vorstands- und Vortragstätigkeit schreibt sie Kolumnen, Zeitungsartikel und veröffentlicht Bücher zu Lebensrechtsthemen (2009: Geschäft Abtreibung, 2011: Klartext und Klischees: Lebensrecht). Linder hat in Köln Romanische Philologie und Ägyptologie mit Abschluß Magister Artium studiert und ist beruflich seit 1998 im Sprachenbereich selbständig.

Weitere Infos zur Veranstaltung hier: http://www.bdk-berlin.org/2015/alexandra-maria-linder-perfekt-gewollt-puenktlich-wann-ist-ein-kind-ein-mensch/


USA: Jennifer Cramblett klagte erfolglos gegen eine afroamerikanische Samenspende

Lesben-Paar unzufrieden mit künstlicher Befruchtung 

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) meldet am heutigen Dienstag, den 8. September 2015, in ihrer Rubrik „Deutschland und die Welt“ auf Seite 7 folgendes:  Book

Jennifer Cramblett, die als weiße Amerikanerin versehentlich mit Spermien eines schwarzen Spenders künstlich befruchtet wurde, ist mit einer Schadenersatzklage gegen die Samenbank gescheitert. Ein Gericht im Bundesstaat Illinois entschied gegen die Vierzigjährige, weil sie versuchte, ihre Klage mit Regelungen zu unerwünschter Nachkommenschaft und der Verletzung der Gewährleistung zu begründen. Das Bezirksgericht DuPage entschied aber, der Vorwurf des „Wrongful birth“ gegen die Midwest Sperm Bank treffe nicht zu, weil Cramblett eine gesunde Tochter zur Welt gebracht habe.

Die Amerikanerin und ihre Lebensgefährtin Amanda Zinkon hatten sich vor der künstlichen Befruchtung im Jahr 2011 für einen blonden, blauäugigen Spender mit der Nummer 380 entschieden. Durch den Lesefehler einer Mitarbeiterin der Samenbank wurde Cramblett aber mit den Spermien eines afroamerikanischen Spenders mit der Nummer 330 befruchtet. Wegen der „Belastung“, ein Kind mit dunkler Hautfarbe in einem weißen Wohnvie rtel großzuziehen, forderte Cramblett 50 000 Dollar Schadenersatz. 

Unsere Autorin, die in den USA lebende Medizinerin und Publizistin Dr. Edith Breburda, hat über diesen Fall bereits in ihrer Neuerscheinung „Reproduktive Freiheit, free for what?“ (siehe Foto) auf S. 274 berichtet; in dem bioethischen Sachbuch heißt es dazu:BookCoverImage

„Passierte es nicht neulich, dass die 36-jährige Jennifer Cramblett, eine Frau aus Ohio, eine Samenbank in Downer’s Grove, dem Mittleren Westen der USA, verklagte, weil diese aus Versehen den Samen eines afrikanisch-amerikanischen Mannes mit ihrer Eizelle befruchtet hatte. Das lesbische Paar hatte sich einen Spender ausgesucht, der blonde Haare und blaue Augen hatte. Das Baby sollte doch eine gewisse Ähnlichkeit mit den gleichgeschlechtlichen Eltern haben.

Sie bestellten das Sperma vom Donor 380, bekamen jedoch die Samenzellen von dem Spender mit der Nummer 330. Und der Mann hatte keine weiße Hautfarbe so wie sie. Im September 2012 wurde die Tochter geboren. Das Paar ist besorgt, weil sie in einer weißen Kommune wohnen, wo die Leute gegenüber Andersfarbigen sehr intolerant sind. Das Paar zog um.“

Das faktenstarke, sachkundige Buch „Reproduktive Freiheit?“ zu grundsätzlichen und aktuellen bioethischen Themen kann für 22,30 Euro  p o r t o f r e i  bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de  – Tel. 0251-616768

Genmanipulationen an menschlichen Embryonen mit unabsehbaren Folgen

Von Dr. med. Edith Breburda

In Großbritannien können Paare ab Oktober 2015 ganz offiziell In-Vitro-Fertilisationen (künstliche Befruchtungen) mit drei Spendern durchführen. Bereits am 3. Februar 2015 hatte das britische Unterhaus eine entsprechende Gesetzänderung vorbereitet.  Dr. Breburda

Genetisch modifizierte Embryos durften bisher nicht implantiert werden. Doch am 24. Februar entschied sich das Oberhaus nach einer langjährigen Debatte, der Implantation genetisch modifizierter Embryonen stattzugeben.

Viele Frauen, deren Eizell-Mitochondrien defekt sind, hoffen darauf, gesunde Kinder haben zu können. Zudem können sie sicher sein, die Erkrankung nicht an ihre Nachkommen weiterzuvererben.

Robert Meadowcroft, Geschäftsführer von Muscular Dystrophy UK, einer britischen Wohltätigkeitsorganisation, bemerkt dazu: „Wir geben Frauen die wertvolle Chance, Erkrankungen aus den Familienstammbaum zu tilgen und die Zahl derer zu reduzieren, die mit den verheerenden Folgen der Erkrankung konfrontiert sind.“

Gegner dieser Innovation sehen in der Technik eine Form der Eugenik. Sie reden von Designer-Babys und unkontrollierbaren Konsequenzen. „Wir öffnen die Büchse der Pandora“, warnt die konservative Abgeordnete des Unterhauses, Fiona Bruce. Punkt-1

Der Fertilitätsexperte der Labour-Partei, Dr. Robert Winterson, verwahrt sich gegen Anschuldigungen, dass sich Ärzte in die Natur einmischen: „Wir versuchen nicht, Gott zu ersetzen, sondern wir versuchen, sein Werk zu verbessern.“

Die Mitochondrien, die außerhalb des Zellkerns im Zytoplasma oder Zellleib liegen, werden nur von der Mutter vererbt, weil bei der Befruchtung nur der Kern der Samenzelle mit der Eizelle verschmilzt. So wird eine Dysfunktion der Mitochondrien, welche auf Mutationen der Mitochondrialen DNA (mtDNA) beruhen, ausschließlich durch die Mutter vererbt.

Bisher konnten kranke Mütter nur Kinder bekommen, wenn sie ein Kind adoptierten oder eine Spender-Eizelle künstlich befruchtet wurde. Andere Möglichkeit bestanden in der Präimplantationsdiagnostik, der Chorionzottenbiopsie, einer Diagnostik von Chromosomenstoerungen bzw. der Amniozentese, einer Fruchtwasseruntersuchung , wobei bei einem kranken Kind eine Abtreibung empfohlen wird. Book

Die britische Behörde für menschliche Befruchtung und Embryologie hatte 2014 ein Expertengremium einberufen, um die Sicherheit der verschiedenen Methoden des Mitochondrienaustausches zu untersuchen.

Die besten Erfolge wurden mit dem Maternal Spindle Transfer (MST) und dem Pronuklear Transfer (PNT) erzielt. Das Expertenteam ist der Ansicht, dass ohne diese Verfahren eine kranke Mutter die Mutationen der Mitochondrialen DNA an ihre Kinder weitervererben würde und sich dadurch eine tödliche Erkrankung entwickeln könnte.

Um dem Eingriff mehr Sicherheit zu verleihen, sollte die Spender-Mutter der biologischen Mutter so ähnlich wie möglich sein.

Wie findet der Mitochondrienaustausch statt?

Beim MST repariert man zuerst die Eizelle. Vereinfacht gesagt wird der haploide Zellkern, das heißt die Spindel mitsamt den assoziierten Chromosomen aus der mütterlichen Eizelle entnommen und in eine zuvor entkernte Spender-Eizelle, die in ihrem Zellleib gesunde Mitochondrien hat, transplantiert.

Danach findet die Befruchtung unter dem Mikroskop statt. Man injiziert eine Spermie direkt in die Eizelle. Im Fachjargon nennt man das eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion.imagesCAHIF86C

Beim PNT findet der Eingriff am bereits entstandenem Embryo statt. Nach der In-Vitro-Fertilisation wird der diploide Zellkern entnommen und in eine entkernte Eizelle eingepflanzt. Bei beiden Verfahren kann es allerdings dazu kommen, dass beim Transfer der Kerne auch Mitochondrien der Mutter aus Versehen verschleppt werden.

Die Chromsomale DNA besteht aus etwa 25.000 Genen. Sie ist völlig anders organisiert als die aus 37 Genen bestehende Mitochondriale DNA, die einen bakteriellen Ursprung hat. Die Mitochondriale DNA macht nur einen Bruchteil von 0.2 Prozent aller Gene aus. Schätzungen zufolge hat eines von 200 Neugeborenen eine krankhafte Mutationen in seinen Mitochondrien. Eine dadurch bedingte Krankheit tritt in 1:5.000 bis 1:10.000 Fällen auf.

Da die Mitochondrien, vereinfacht ausgedrückt, die Energiequellen des Organismus sind, verursachen sie meist Schädigungen des Nervensystems, der Muskeln und der Augen. Das Ausmaß und die Schwere einer Erkrankung hängt vom Anteil der Mutationen im Vergleich zur unmutierten mtDNA ab.

Eine reife Eizelle kann bis zu 100.000 Kopien der mtDNA enthalten. Der Zufall entscheidet letztendlich, ob eine Krankheit wirklich weitervererbt wird. Deshalb kann ein Kind einen sehr hohen Anteil an mutierten Genen erhalten, während seine Mutter nur geringe Mutationen aufweist. iStock_000014086034XSmall

In den USA wurden zwischen 1997 und 2002 einige Kinder, die drei Eltern haben, geboren. Durch einen Zytoplasmatransfer half man älteren Frauen, die trotz vieler In-Vitro-Fertilisationen kinderlos bleiben, mittels dieser Technik, doch noch dazu schwanger zu werden.

Gealterten Eizellen injizierte man frisches Zytoplasma und die darin enthaltenen Mitochondrien aus einer Spender-Eizelle. Mit Hilfe dieser Verjüngungs Methode wurden Kinder „geschaffen“. Dann verbot die Amerikanische Food und Drug Administration, FDA, die Technik aus Sicherheitsgründen. Großbritannien ist jetzt daran interessiert, was aus diesen Kindern von damals in Bezug auf ihren Gesundheits- und Entwicklungszustand geworden ist [1].

Das Science Magazine hatte am 13.3.2015 eine Warnung von Wissenschaftlern veröffentlicht. Don’t edit embryos hieß es in dem Artikel. Forscher sollen unter keinen Umständen weder das Genom von menschlichen Embryos noch humane Ei- oder Samenzellen manipulieren.

Es geht um eine Technik, die als CRISPR und Zink-Finger Nuklease bekannt ist und die es Wissenschaftlern ermöglicht, Gene auszutauschen bzw. ganz auszulöschen. Heutzutage kann man sehr elegante, präzise mikrochirurgische Eingriffe in das Erbgut einer lebenden Zelle vornehmen. In der Molekularbiologie bezeichnet man den Vorgang als die „clustered regularly interspaced short palindromic repeats“, kurz CRISPR-Cas 9.

Mit diesem Konstrukt kann man Nukleinsäurensequenzen aus dem Erbgut herausschneiden. Für 55 Dollars bekommt man die einschlägige Software, um die Scheren herzustellen, die man benötigt, die gewünschten Gensequenzen herauszuschneiden.

Was allerdings die Folgen eines Eingriffes sind, bei dem man Gene aus dem Erbgut entfernt, weiß man nicht. Wir kennen nicht die Gesetze, die den Organismus regulieren. Wir wissen nicht welche Gene am Ausbruch einer Krankheit beteiligt sind [2].

Die mikrochirurgischen Instrumente ermöglichten es bisher, bessere Tiere zu züchten, um an ihnen die Rolle der einzelnen Gene zu studieren. Man will dadurch auch Gen-Mutationen bei Patienten korrigieren, vor allem Mutationen in Blut-, Muskel- oder Tumor-Zellen.

Wissenschaftler nutzten diese Techniken erst kürzlich, um einen genetisch modifizierten Affen zu erzeugen. Es gibt Hinweise, dass man genau das Gleiche mit menschlichen Embryos versuchen will. Die Studie stehen kurz vor der Veröffentlichung.

„Das ist unsicher und unethisch. Vererbbare menschliche genetische Modifikationen sind sehr risikoreich; ihr therapeutischer Nutzen ist unbedeutend“, protestiert Edward Lanphier und vier andere Wissenschaftler in ihrem Kommentar am 12. März 2015 in dem Magazin „Nature“ [3].

„Man kann nur dann medizinische Eingriffe ethisch rechtfertigen, wenn sie bewiesen haben, sicher zu sein und wenn keine Gefahren auf die nachkommenden Generationen ausgehen“, schreiben einige Forscher.

Sie fordern dazu auf, alle Experimente, die es erlauben, Gene in Spermien, Eizellen oder Embryos zu manipulieren, sofort zu stoppen.

„Man solle erst einmal öffentlich über die wissenschaftlichen und ethischen Folgen derartiger Experimente diskutieren. Vor allem über den jüngsten Einsatz der mitochondrialen DNA-Ersatz-Therapie in England“, betont Lanphier, der Direktor von Sangamo BioScience in Richmond, Kalifornien.

Seine Firma will Menschen mit Gentherapien behandeln: „Es gibt einen großen Unterschied , ob ich Körperzellen genetisch therapiere oder Keimzellen. Dazwischen liegen klare ethische Grenzen“, argumentiert Lanphier.

George Daley, ein Stammzellforscher des Bostoner Kinder-Krankenhauses der Harvard Medical School stimmt damit überein.

„Eine öffentliche Diskussion ist wichtig. Selbst Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass es momentan viel zu früh ist und wir viel zu wenig über die Sicherheit wissen, um auch nur irgendwelche Anläufe zu nehmen, die Keimzellen von Embryos zu manipulieren. Wir brauchen eine ausführliche Diskussion, ob es überhaupt erlaubt sein sollte, solche Technologien zuzulassen“, beteuert er [4].

Anmerkungen:

  • [1] Aho-Ritter A.: IVF: Flotter Dreier per Gesetz. DocCheck, 30.März 2015
  • [2] Albrecht J. und Kastilan S.: Können wir es besser? Frankfurter Allgemeine Zeitung, Gentechnik, 23.3.2015
  • [3] Lamphier et al.: Don’t edit the human germ line. Nature, 12 März 2015
  • [4] Vogel G.: Don’t edit embryos, researchers warn. Science/AAAS News. 3.13.2015
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Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).
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INFOs über ihr jüngstes bioethisches Sachbuch in Romanform: https://charismatismus.wordpress.com/2014/05/22/buch-tip-dr-edith-breburdas-profunde-neuerscheinung-zu-bioethischen-themen/
 
Ediths Homepage: http://scivias-publisher.blogspot.com/

 


Neuer Trend: Späte Mutterschaft durch künstliche Befruchtung und Eizellspende

Von Dr. med. Edith BreburdaDr. Breburda

In den USA konnte man Anfang 2015 in einer Seniorenzeitung lesen, dass eine über 50-jährige Frau mit Hilfe der In-Vitro-Technologien noch Kinder bekommen hat.

Die 59-jährige Sarajean Grainson lebte in ihrer zweiten Ehe mit einem evangelischen Pastor zusammen. Ihr Mann, David Grainson, ist 46 Jahre alt. Als sie heirateten, war Sarajean über 50. Sie hatte schon drei  Kinder aus ihrer ersten Ehe.
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Dass sie noch Kinder haben wollte lag daran, dass sie ihrem Mann die Gelegenheit geben wollte, selber Vater werden zu können, weil er vorher noch nicht verheiratet war.
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Sie wollte ein Kind von ihm. Genetisch gesehen wollte sie seine Kinder, weil sie selber eine Eizellspenderin in Anspruch nehmen musste. Die Familie Grainson ist sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Den  Stress, den alle neuen Eltern mitmachen, fürchtete sie trotz ihres Alters nicht.
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Sarajean hatte allerdings vergessen, wie anstrengend es war, Mutter von kleinen Kindern zu sein. Sie bedauerte nichts und würde alles wieder genauso machen. „Mit Gott und der Technologie kann man sogar die Menopause überwinden“, strahlt die junge und doch auch alte Mutter.
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In den USA nehmen die über 50-jährigen Mütter zu. Es ist mittlerweile fast ein Trend. 2013 hatte jedes 13. Kind, das in den USA geboren wurde, eine Mutter, die 50 Jahre und älter war. Die meisten wurden durch künstliche Befruchtung schwanger.
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Sarajean G. berichtet über ihren Mann, der sich um ihre Gesundheit sorgte und das Thema Kind in ihrem Alter gar nicht erst ansprechen wollte. Dazu ihr Mann: „Wir haben 2001 geheiratet und dachten erst gar nicht an Kinder. Dann sah Sarajean eine Frau im Fernsehen, die dieses Thema behandelte.“
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Das ist meine letzte Chance“, sagte sich die Frau, die dann mit 51 und 53 Jahren noch Kinder bekam. Es ist eigentlich gar nicht so unmöglich, meint die alte Mutter. 2008 gebar die 70-Jährige Rajo Devi Lohan ein Kind in Indien. Sie wurde die bisher älteste Mutter. 
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Die Geburten bei Frauen im Alter zwischen 50 und 54 Jahren verdreifachten sich. 2000 waren es noch 255 Geburten in dieser Altersklasse. 2013 hatten 677 Kinder eine alte Mutter. Die Geburtenrate ist mit der In-Vitro-Fertilisation (IVF), also der künstlichen Befruchtung verbunden.
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Die gesellschaftliche Einstellung gegenüber Technologien, die so etwas ermöglichen, ist gespalten. Eine Umfrage im Jahr 2014 mit 2000 Probanden in Groß-Britannien zeigte, dass 75 Prozent der Befragten es unakzeptabel finden, wenn Frauen jenseits des gebärfähigen Alters noch Kinder bekommen. US-Bürger wurden diesbezüglich noch nicht interviewt. Experten vermuten aber, dass auch in den USA keine andere Meinung vorherrscht.
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Skeptiker fragen sich, wie lange wohl eine über 50-jährige Mutter fähig sein wird, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern. Bonnie Steinbock, eine Bioethikerin der Universität in Albany im Staat New York, fürchtet, eine Mutter diesen Alters verfüge nicht über die dazu notwendige Kondition:
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Wie wird sie einem bockigem Zweijährigen behandeln? Vor allem aber, wie fühlt sich das Kind, Eltern zu haben, die so alt sind wie die Grosseltern ihrer Spielgefährten?“, fragt die Ethikerin. Andere Menschen glauben schlichtweg, es sei unnatürlich, im Alter noch eine IVF in Anspruch zu nehmen.  
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Prof. Steinbock sieht bei den älteren Damen, die sich noch zu einem Kind entschließen, eine Zunahme der „prokreativen Freiheit“: „Die Leute sollen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Auch wenn ihre Mitmenschen das beanstanden sollten. Es ist dies letztlich keine Angelegenheit von Nörglern“, behauptet Frau Steinbock. Es gibt einige, welche die Meinung der Bioethikerin teilen.
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Es handelt sich doch um intelligente Frauen. Sie sind nicht dumm oder leichtsinnig“, sagt Dr. Mark Sauer, ein Befürworter der IVF.  Er ist Direktor der Gynäkologie und Geburtshilfe der Universitätsklinik von New York. Er hat sich auf die IVF bei älteren Damen spezialisiert. „Die Frauen sind gesund. Sie verstehen das Risiko, das eine späte Schwangerschaft mit sich bringt. Sie können dadurch auch sterben.“ IMG_5830_ergebnis-150x150
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Die Schauspielerin Laura Leggett Linney wurde mit 49 Jahren schwanger, Halle Berry mit 47, Kelly Peterson war auch schon 48, als sie ein Kind austrug. Die meisten der über 50-Jährigen verdanken ihre Schwangerschaft einer Eizelldonation. Die Fruchtbarkeit der Frau nimmt schon im Alter von 30 Jahren ab, sagen Medizinexperten.
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Auch Sarajean nahm die Eizelle einer viel jüngeren, anonymen Frau in Anspruch. Die Universitätsklinik von Columbia bietet Spenderinnen 8000 Dollars für eine Eizellengewinnung.
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Für die schwierige Entscheidung, eine Risikoschwangerschaft auf sich zu nehmen, stehen Experten zu Seite. Medizinische Tests geben letztendlich Aufschluss darüber, ob es für die über 50-Jährigen mit Kinderwunsch sicher ist, diesen Schritt zu wagen. 
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Ich würde sagen, bei weniger als zehn Prozent der über 50-jährigen Frauen, die zu uns kommen, ist es keine gute Idee. schwanger zu werden. Das liegt meist an einem hohen Blutdruck. Auch ein fibröser Tumor des Uterus ist ein Hindernisgrund.“

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Eine Studie von 2012 ergab, dass die Gesundheitsrisiken einer Schwangerschaft bei über 50-Jährigen, die eine Spendereizelle benötigen, kaum von denen bei einer jungen Mutter abweichen.
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Allerdings ist eine gute medizinische Betreuung notwendig, die noch lange nach der Geburt anhält. Trotzdem existieren medizinische Risiken. Im Alter ist die Möglichkeit von  Bluthochdruck, Diabetes oder Präeklampsie gegeben. Die Ursachen der Präklampsie, d.h. erhöhter Blutdruck, vermehrte Eiweissausscheidung im Urin, sind unbekannt. Der Bluthochdruck kann zu einer Schädigung anderer Organe führen.
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Manchmal kann man der Schwangeren und dem Kind nur durch einen sofortigen Notkaiserschnitt helfen. Auch sind Fehlgeburten, Frühgeburten oder Mehrlingsschwangerschaften mit einer In-Vitro-Fertilisation verbunden.
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Deshalb sollte jede Frau über 50, die noch ein Kind haben will, zuallererst einen Maternal-Fetal Mediziner aufsuchen Danach steht der Fortpflanzungs-Endokrinologe auf der Liste, empfiehlt Irina Burd, von der John Hopkins School of Medicine.
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Sie können die Gesundheits-Risiken benennen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt. Manchmal sind die „Schäden“ irreversibel. Ein hoher Blutdruck oder ein sich entwickelnder Diabetes Mellitus könnte bis ans Lebensende bestehen bleiben“, sagt Burd.
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Krankheiten, die das Kind betreffen, wie Down Syndrom oder genetische Abnormalitäten, werden durch eine Spendereizelle von einer jungen Frau reduziert. Manchmal lassen junge Frauen deswegen ihre Eizellen einfrieren, um sie später zu nutzen. vaccine_2_360_250_s_c1
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Mehrlingsgeburten sind durchaus eine Folge der In-Vitro-Fertilisation, da die Ärzte empfehlen, bei Frauen über 40 bis zu vier Embryos einzupflanzen, um die Möglichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft zu erhöhen.
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Eine unter diesen Bedingungen induzierte Schwangerschaft für über 50-Jährige ist nicht billig. Sie kann pro Versuch bzw. Zyklus zwischen 25.000 bis 30.000 US-Dollars kosten, zusätzlich entstehen Kosten für die Eizellspende.
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Versicherungen in den USA tragen meist nicht die Kosten. Trotzdem spielen für einige Paare die Kosten keine Rolle, wenn ihr Ziel darin besteht, noch im hohen Alter Kinder bekommen zu können.
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Elisabeth Gregory, Autorin der Zeitung Ready, geht der Frage nach: „Warum begrüssen Frauen den neuen Trend zu einer späten Mutterschaft?
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Gregory, Direktorin der Gender und Sexual Studien-Programme, ist der Meinung, dass Frauen, die spät im Leben schwanger werden, sehr optimistisch, körperbewusst und fit sind. „Diese Leute sind sehr energiegeladen und meinen, sie hätten die entsprechende Energie, eine Schwangerschaft durchzuziehen“, sagt Gregory, die selber im Alter von 48 Jahren ein Kind adoptiert hat. „Ein Baby zu haben, hält einen fit“, ist ihre Auffassung.
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Einige der älteren Frauen sind zum ersten Mal Mütter. Sie hatten sich entweder auf ihre Karrieren konzentriert oder sind gerade eine neue Partnerschaft eingegangen. Einige bleiben auch weiterhin Single. Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind unter den älteren Müttern zu finden. Alle wollen die biologische Mutter sein und nicht Kinder adoptieren, wenn sie älter als 50 sind.
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Eigentlich ist dieser Satz so nicht richtig. Denn ihre Gene sind in dem Kind, welches sie austragen, ja oft nicht vorhanden. Sie greifen meist auf Eizellen einer viel jüngeren Spenderin zurück. Es handelt sich im besten Falle nur um die Gene ihres Partners. Er ist der biologische Vater.
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Einige Paare wollen eine neue Familie gründen, nachdem ihre Kinder aus erster Ehe oder auch aus der gleichen Partnerschaft schon lange erwachsen sind. „Ältere Ehepaare möchten einfach kein leeres Nest haben“, bemerkt Dr. Sauer. Im Grunde wollen sie permanent Eltern bleiben.
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Nicht jede ältere Mutter möchte über ihre Erfahrungen reden, da die Leute so viele Vorurteile haben. Sie fragen sich, warum tut diese Frau so etwasSie ist zu alt. Sie könnte doch leicht die Grossmutter des Kindes sein“, sagte die Psychologin Susan Newman aus New York.
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Cyma Shapiro, Schreiber des Blogs Motheringinthemiddle.com, der speziell Eltern in der Mitte ihre Lebens anspricht, weiß über die vielen Gründe, die ältere Mütter bewegt, nicht in die Öffentlichkeit zu gehen.
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Cyma hat viele von ihnen überall in den USA aufgesucht, um sie zu interviewen. Jedes Mal baten sich die älteren Damen höchste Diskretion aus. Sie fürchteten, ihre Arbeitgeber, Freunde oder Verwandte könnten ihnen Schwierigkeiten bereiten.
In zehn Jahren wird man anders über alte Frauen reden, denen die modernen Technologien ein so spätes Mutterglück bescherten. Dann wird so etwas das Normalste von der Welt sein“, glaubt Shapiro.
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Literaturhinweis: Saraceno J.: Last Chance Babies. Sure they Do it- but should They? AARP Bulletin. Vol 56. 1, January-February 2015

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).
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Künstliche Befruchtung, Third-Party-Reproduktion und das Leid der Betroffenen

Von Dr. med. Edith Breburda

Bruce Feiler schrieb 2013 einen Artikel in der New York Times, worin er sich über das schlechte Miteinander seiner Familie bei Familienfeiern beschwert. Nach so einer Zusammenkunft fragt sich Bruce immer, wie lange seine Familie noch zusammenhalten und nicht doch bald auseinander fallen wird. Dr. Breburda
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So fing er an nachzuforschen, was eine glückliche Familie ausmacht. Er fand die Studie: Do you Know? des Psychologen Marshall Duke von der Emory-Universität, der Kindern 20 Fragen über ihre Familie vorlegte.
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Sie wurden u.a. gefragt, ob sie wüssten, wo ihre Eltern zur Schule gegangen sind, wo ihre Grosseltern aufgewachsen waren und wem sie in ihrer Familie am ähnlichsten sehen.
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Eine gute emotionale Gesundheit und eine glückliche Kindheit hatten jene Kinder, die die Fragen am besten beantworteten, stellte Duke überrascht fest: “Je besser die Kinder ihre Familienverhältnisse kannten, desto selbstbewusster und erfolgreicher waren sie. Sie hatten ihr Leben unter Kontrolle, wenn ihre Familie funktionierte.“
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Diese Ergebnisse sind nicht verwunderlich, wenn man sieht, wie populär in Amerika die Webseite Ancestry.com ist. Auf dieser Seite werden die Benutzer eingeladen, ihre Herkunft zu erforschen. Der Satz „Wer denkst Du, wer du bist“ zeigt, dass unsere Identität in unseren Vorfahren verwurzelt ist.
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So gesehen ist es unverständlich, dass die heutige Gesellschaft eine Technologie als ganz selbstverständlich annimmt, die Kindern absichtlich ihre Vorfahren, ihre Familiengeschichte und einen Teil ihrer Familie vorenthält.
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Donor-Samen oder -Eizellen von anonymen Spendern für die künstliche Befruchtung eines Wunschkindes in Anspruch zu nehmen: dies ist heute gang und gäbe.
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Die Reproduktionsmedizin kann bei der sog. „Third-Party-Reproduktion“ nur durch Spendergameten, die bei der künstlichen Befruchtung, der In-Vitro-Fertilisation und bei Leihmüttern angewendet wird, ein Kind erzeugen.
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Viele dieser Third-Party-Reproduktions-Kinder sind heute erwachsen und äussern sich entsetzt darüber, was ihnen wiederfahren ist. Sie fühlen sich schrecklich, weil ihnen mit Absicht verweigert wird, was den Schlüssel für eine erfüllte wohlbehütete und frohe Kindheit darstellt: das Wissen um seine Familiengeschichte, wie Dr. Duke das ausdrückt.
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Die Öffentlichkeit erkennt oft nicht diese Ungerechtigkeit und ist der Meinung, diese Kinder sollten eher froh sein, überhaupt am Leben zu sein, anstatt sinnlos über ihren Stammbaum nachzuforschen.
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Man denke nur an die Kinder von Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die von ihren Vätern gezeugt wurden, als sie auf Heimaturlaub waren. Nicht wenige der heute 70 bis 75-Jährigen fragen sich noch Jahrzehnte nach ihrer Geburt, ob es wirklich ihr Vater war, den sie erst nach  dem Krieg kennen gelernt haben. Kann man es ihnen verdenken zu zweifeln?
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Wir versuchen, für die Kriegskinder Verständnis aufzubringen, obwohl die heutigen Donor-Kinder oft hören: „Seid still und froh über euer Leben“.  –  Dies sind die Standardworte, die Third-Party-Kinder erhalten, wenn sie versuchen über ihren Schmerz und ihre Trauer zu berichten.
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Alana New, das Kind eines anonymen Samenzellspenders, gründete das Anonymous US Project. Sie beabsichtigt, ehrliche und sichere Informationen über die third-party-reproduction zu vermitteln und sammelt Berichte von Eltern, Spendern und Leihmüttern. Jede Geschichte beleuchtet spürbar die Empfindungen der Kinder:  media-389705-4
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„Danke vielmals, dass Du mir ermöglicht hast zu leben, anonymer Vater. Auch für die Technik, die Dir ermöglichte, anonym zu bleiben. Ich fühlte mich niemals so sehr meiner Rechte beraubt und über den Tisch gezogen“, schreibt eine Betroffene.
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„Ich verabscheue die Frage, woher ich komme. Welche Nationalität habe ich, oder warum bin ich ein Einzelkind? Das Wunschkind mit Hilfe eines Samenspenders zu sein, macht meine Situation nicht leichter. Im Gegenteil, die Frage, woher ich komme, wird immer bohrender.“
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Das California Assembly Committee on Health ist überzeugt: es handelt sich um einen Verstoß gegen die Menschenrechte, wenn Kindern aus der third-party-reproduction die Beziehung zu mindestens einem ihrer biologischen Eltern vorenthalten wird. 
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Anonymous US ist nicht die einzige Webseite, auf der Kinder, die durch eine Samen- oder Eizellspende empfangen wurden, auf ihre Situation aufmerksam machen können.
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Jo Rose, gehört zu ihnen. Sie ist empört, wie unsensibel die englische Zeitung The Guardian war, die ihren Bericht, ein Kind eines anonymen Spenders zu sein, einfach abgewiesen hatte:
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„Was mich bei der ganzen Angelegenheit, wie ich erzeugt wurde, am meisten erschüttert, ist die offenkundige doppelte Moral. Meiner Mutter wurde zugestanden, einen Einblick in das genetische Erbe des Samenspenders zu erhalten. Ich hingegen werde niemals erfahren, wer mein Vater ist, dessen Gene ich in mir trage.“
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Keiner kann mehr daran zweifeln, dass Kinder einer third-party-reproduktion zu dem Schluss kommen, dass sie um ihre Naturrechte beraubt wurden. Unglücklicherweise sieht das die Gesellschaft nicht so. Sie tut sich schwer, die Perspektiven dieser Kinder nachzuvollziehen.
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Die Geschichte von Gracie Cane, einem Teenager aus Großbritannien, verdeutlicht die Situation am besten. Gracie hatte Angst. Es handelte sich bei ihr aber nicht um die Verzweiflung, die jeder Teenager in seinem Stadium durchmachen muss. Nein, sie wurde als Embryo adoptiert, weil sie aus einer In-Vitro-Fertilisation übrig geblieben war. Sie fühlte den Verlust ihrer genetischen Wurzeln besonders deutlich. Aufgrund der Gesetze ihres Staates wird sie niemals in Erfahrung bringen können, wer ihre biologischen Eltern sind.
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„Mein Schmerz darüber ist so akut, dass ich mir oft wünsche, ich wäre niemals geboren worden“, sagt sie. Leute, die von Gracie’s Geschichte hörten, bezeichneten sie als egoistisch. Sie schimpften, sie solle doch dankbar sein, Eltern zu haben, die sie lieben. Viele verglichen ihre Situation mit der einer Adoption eines neugeborenen Babys und betrachteten Gracies Kommentare als widerlich. Scannen0001 (22)
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Es handelt sich in ihrem Fall jedoch nicht um eine klassische Adoption. Trotzdem musste sie versuchen, das Beste aus einer nicht optimalen Situation zu machen. Doch muss man in Betracht ziehen: Gracie war eigentlich kein Wunschkind. Sie wurde nicht absichtlich im Labor gezeugt. Sie war ein Extrakind, auf das man zurückgegriffen hätte, falls ihre Geschwister nicht die Prozedur der In-Vitro-Fertilisation überstanden hätten.
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Das war eigentlich die einzige Chance, die sie ursprünglich hatte, um ihr Leben zu erlangen. Sie weiß, irgendwo da draußen ist die perfekte Familie, die in ihren Brüdern und Schwestern ihre Wunschkinder sehen. Aber sie hat da nicht hineingepasst, obwohl alles in ihr danach verlangt, ihre Eltern und Geschwister kennen und lieben zu lernen.
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Gracie hat wundervolle Adoptiveltern. Doch man sollte wahrnehmen, wie sehr sie den Schmerz fühlt, als Restposten oder Leftover geschaffen worden zu sein. Als eine Art Versicherung, falls ihre Brüder oder Schwestern sich nicht im Uterus ihrer Mutter eingenistet hätten.
Können wir nachvollziehen, was es heißt, im Stich gelassen worden zu sein? Eingefroren darauf zu warten, dass eine Frau kommt, die sie aus dem Gefrierschrank rettet und austrägt?
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Wir müssen in Betracht ziehen, dass sie absichtlich verstoßen wurde. Mit einbegriffen ist auch ihr Familien-Stammbaum, der ihr vorenthalten wird. iStock_000014086034XSmall
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Die katholische Kirche sieht den Schaden, den eine third-party-reproduktion anrichtet. Sie betont die Rechte der Kinder auf ihre biologischen Eltern und betrachtet die Ehe als den Ort, wo Kinder durch die Liebe der Eltern hervorgebracht werden sollten.
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Der Katechismus der Katholischen Kirche hebt hervor, wie schädlich und unmoralisch es ist, wenn eine dritte Person in die natürliche Zeugung von Mann und Frau involviert ist. Künstliche Befruchtung  oder eine Inseminierung führen dazu, dass das Kind seinen wahren Erzeuger niemals kennen lernt.
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Es ist nicht die Absicht der Kirche, unfruchtbare Ehepaare zu belehren. Es geht ihr vielmehr darum, dass bei der third-party-reproduction Kindern das fundamentale Recht genommen wird, glücklich und wohlbehalten in einer Familie aufwachsen zu können.
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Wir können den so entstandenen Kindern kein Stillschweigen über ihre Herkunft auferlegen. Im Gegenteil, sie sind die Personen per se, die uns über die Nebenwirkungen der modernen Reproduktionsmedizin aufklären sollten.

Literatur: Taylor R.: ‘Shut Up, and be grateful for your life’. We need to listen to children conceived through third-party reproduction. National Catholic Register. 20. December 2014
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Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).

Die Zerstörung der klassischen Familie durch neue reproduktive Techniken

Von Dr. med. Edith Breburda

Am 14. November 2014 veröffentlichte Carl Djerassi, der „Miterfinder der Antibabypille“, einen Artikel über die Rechte der Frauen. Die Trennung von Sex und Fortpflanzung sei ein bedeutender Schritt in diese Richtung. Dr. Breburda

Die Social-Freezing-Methode, mit der Frauen ihre Fruchtbarkeit konservieren können, lobt Carl Djerassi als richtungsweisend für die Zukunft.

Als Meilensteine der Reproduktionsmedizin sieht Djerassi die Erfindung der Pille von 1960, die In-Vitro-Fertilisation 1977 (10 Jahre nach der päpstlichen Enzyklika „Humanae Vitae“) und die Möglichkeit, dass sich Frauen unbefruchtete Eizellen entnehmen und einfrieren lassen.

Für all diese Techniken stand die Tiermedizin Pate. Ursprünglich hatte man Ziele in der Tierzucht damit verfolgt. Wen wundert es, dass viele bekannte humane embryonale Stammzellforscher  –   wie James Thompson von der Universität Madison/Wisconsin  – Tiermediziner sind? –  Carl Djerassi hat auch an der Universität Madison geforscht.

Über 5 Millionen Reagenzglas-Kinder

In den vergangenen drei Jahrzehnten sind mehr als fünf Millionen Babys aus dem Reagenzglas geboren worden. Die genannten reproduktionsmedizinischen Methoden können nicht nur unfruchtbaren Frauen, sondern auch homosexuellen Paaren zu Kindern verhelfen. Kinder 3

Einige Mediziner sprechen davon, dass sie auch Unfruchtbarkeit heilen können. Physiologisch hat sich allerdings bei den betroffenen Frauen nichts verändert, sie bleiben auch nach dem Eingriff unfruchtbar.

Trotzdem können moderne reproduktive Techniken Frauen helfen, ihre biologische Uhr auszuschalten.

„Errungenschaften der Reproduktionsmedizin“?

Selbst Frauen, die schon lange unfruchtbar sind, können wieder schwanger werden. Das Risiko, wegen fortgeschrittenen Alters ein behindertes Kind zu bekommen, soll durch das Einfrieren der Eizellen umgangen werden. All das bezeichnet Djerassi und viele seiner Kollegen als die größten Errungenschaften der Reproduktionsmedizin der letzten Jahrzehnte.

Gebildete Frauen bekommen meist erst mit 35 Jahren Kinder. Hingegen liegt das Durchschnittsalter der werdenden Mütter ohne Studium bei 25 Jahren. Im Alter von 35 Jahren sind bei Frauen nur noch fünf Prozent ihrer Eizellen vorhanden. Ältere Frauen können mit Hilfe der modernen Medizin trotzdem auch im fortgeschrittenen Alter Kinder bekommen. 
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Durch Hormonbehandlung zur Vorbereitung auf die künstliche Befruchtung können bis zu einem Dutzend Eizellen entnommen werden. Allerdings sei es besser, wenn die Frau für eine künstliche Befruchtung Eizellen benutzt, welche bereites im Alter von 20 Jahren entnommen und dann eingefroren werden. Junge berufstätige Frauen können sich so in jungen Jahren ganz dem Beruf widmen, so Djerassi.

Carl Djerassi verteidigt „Social Freezing“

Der Wissenschaftler begrüßt es daher, dass Facebook und Apple ihren Mitarbeiterinnen  anbieten, die Kosten für das Einfrieren ihrer Eizellen zu übernehmen Damit würde auch armen Frauen, die sich die modernen Reproduktions-Techniken nicht leisten können, geholfen. Das Leben der Frauen könne so erleichtert werden.

Frauen könnten damit Karriere machen und Kinder bekommen, und das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern könnte damit verhindert werden. Diese Option sollte allerdings nicht aufgedrängt werden.

Denn Carl Djerassi weiß, was zu erwarten ist, wenn man anderen seine Meinung aufdrängt: Viele seien aus der katholischen Kirche allein wegen des Verbots, Antibabypillen zu benutzen, ausgetreten [1].

Verantwortung für die Zukunft

Über die Verantwortung, die wir gegenüber künftigen Generationen haben, wird heute kaum noch nachgedacht.

Die Aussagen von Djerassi treffen vor allem für Individualisten zu. Dabei gehören wir doch alle zu einer riesengroßen Familie. Gott hat uns von Anfang an als soziale Wesen geschaffen, die sich um ihre Mitmenschen zu kümmern haben. IMG_1183

Eltern, Geschwister, Lehrer, Professoren, sie alle haben ihre Zeit und Liebe gegeben. Wir sollten der Gesellschaft doch zumindest das zurückgeben, was wir unverdient empfangen haben.

Djerassi erkennt offensichtlich nicht mehr den Wert der Familie als Grundlage der Zivilisation an. Die Würde der Person baut auf ihrer Natur auf. Keine Gesellschaft kann sie ihr geben. Im Gegenteil, viele moderne Regime verwehren die Freiheit und die von Gott zugedachten Rollen von Mann und Frau.

Die Attraktion zwischen den Geschlechtern, die sich gegenseitig ergänzen, ist die Basis einer Beziehung. Es handelt sich nicht um ein Konstrukt. So sind auch Kinder keine Produkte oder Objekte der Gesellschaft, eines Staates oder einer Computerfirma. Kinder haben ein Recht auf Vater und Mutter und ein Recht darauf, natürlich empfangen zu werden [2].

Die Argumentation, armen Entwicklungsländern durch die Errungenschaften der modernen Reproduktionstechniken zu helfen, ist sehr fraglich. Djerassi’s Artikel erschien zur gleichen Zeit wie eine Abhandlung vom 5. November 2014 mit der Überschrift:

„Arme und Minderheiten sterilisieren“

„As marriage Culture collapses, liberals want to sterilize poor and minority Women. And the victims are women and their children.“ (Weil die Ehe-Kultur zugrunde geht, wollen Liberale sich dafür einsetzen, Arme und Minderheiten zu sterilisieren. Die Leidtragenden sind die Frauen und ihre Kinder):frage

„Die Folge eines Zusammenbruchs der Ehe sind außereheliche Kindern. Deshalb geben sich liberale Politiker nicht damit zufrieden, jungen Frauen aus der Armen und Mittelklasse sowie Minderheiten nur eine kurzwirkende chemische Sterilisation durch die üblichen Kontrazeptiva zukommen zu lassen. Sie fordern eine dauernde Sterilisation.“

Eheschließungen haben ihren Tiefpunkt erreicht. Das US-Zentrum für Disease Control veröffentlichte Studien, wonach die Hälfte der 15- bis 44-Jährigen Frauen ohne Trauschein zusammenleben.

Zwischen 2006 bis 2010 wurden etwa 20% von ihnen schwanger. Ihre Kinder wurden im ersten Jahr ihrer Kohabitation geboren. 40 Prozent aller Kinder, die in den USA geboren werden, und 48 Prozent der Erstgeburten haben eine unverheiratete Mutter.

Ehe-Experten sehen darin eine Trendwende. Die neue Realität besteht darin, dass in den Vereinigten Staaten die Ehe nicht mehr als notwendig betrachtet wird, um Kinder in die Welt zu setzten. Unverheiratete Mütter findet man in allen Schichten.

Sollten wir deshalb besorgt sein?  – Die Antwort ist ein eindeutiges ,,Ja“. Kinder leiden, wenn sie keine Familie haben. Das Phänomen der unverheirateten Frauen ist nicht nur ein statistischer Kennwert. Es prägt die Kinder und bedeutet einen schwierigen Lebensweg. Heute bereits existieren viele herzzerreissende Lebensberichte der Kinder von Single-Eltern [3].


[1] Djerassi C.: Unbefleckte Empfängnis; Einfrieren von Eizellen. Süddeutsche, 14. Nov. 2014
[2] Pentin E.: Cardinal Müller: Attack on Marriage are a ’suicide of humanity‘. Daly News, National Catholic Register, 19.Nov. 2014
[3] Hasson M. R.: As marriage culture collapses, liberal want to sterilize poor and minority woman, Politics, Aleteia 5. November 2014
 
Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Buchautorin, Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin); von ihr stammen auch die ersten beiden Fotos.

„Johnny Designed“: Ansprechendes Jugendbuch voller Spannung und Tiefgang

Von Inge M. Thürkauf

„Zurzeit lebt sie als Family-Managerin mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Wien“, lautet die kurze Beschreibung der beruflichen Tätigkeit von Veronika Grohsebner auf der vierten Seite ihres Buches „Johnny Designed“. index

Wer mit gewissen Formulierungen vertraut ist, geht richtig in der Annahme, daß die Autorin das Humanvermögen Familie als Hausfrau und Mutter zusammen mit ihrem Mann Christoph, dem „unerschütterlichen Felsen dieses Unternehmens“, managet.

Als „Nebenprodukt“ sind aus diesem Management bereits vier Jugendbücher hervorgegangen, eine Trilogie über eine abenteuerliche Berufungsgeschichte  – und als neuestes Werk der Roman „Johnny Designed“.

Pro Jahr erscheinen im deutschen Sprachraum tausende Kinder- und Jugendbücher. Es ist nicht zu vermuten, daß ein beachtenswerter Teil der Publikationen sich mit der geistig-sittlichen Ordnung bzw. Unordnung unserer Zeit beschäftigt oder die Jugendlichen mit der Notwendigkeit vertraut macht, sich auf die religiösen und moralischen Grundwerte des Lebens zu besinnen. 

Mit „Johnny Designed“ hat Veronika Grohsebner genau diese Fragen aufgegriffen und damit ein Spektrum von Problemen angesprochen, mit denen sich Jugendliche in ihrem unmittelbaren Umfeld heute konfrontiert sehen: frühe Freundschaften, allzu frühe sexuelle Beziehungen, Verhütung, Abtreibung, künstliche Befruchtung, Hirntod, die ganze Skala der Reproduktionsmedizin.

Die zentrale Gestalt in diesem Roman ist der Gymnasiast Johnny, einziger Sohn einer alleinerziehenden Karrierefrau, begabt, gut aussehend, athletisch, mit einem altersgemäß lässig überlegenen Gehabe, kurz: der sogenannt „angesagte Typ“ der sechsten Klasse. vaccine_2_360_250_s_c1

Nach der Matura will er Jura studieren, danach in die Politik, um auf EU-Ebene nicht nur für das Recht auf Leben der Ungeborenen, Alten und Kranken zu kämpfen, sondern auch gegen die ethisch und politisch umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) sowie gegen Euthanasie.

Ein erstaunliches Zukunftsprogramm, das die Frage aufwirft: Wer oder was gab Anlaß zu dieser für einen Sechzehnjährigen doch bemerkenswerten Zielstrebigkeit?

Ein Schlüsselerlebnis waren die Biologiestunden, in der außer den Risiken und Nebenwirkungen verschiedener Verhütungsmethoden auch Abtreibung und künstliche Befruchtung kontrovers behandelt wurden.

Klug und sachlich führte die Lehrerin die Klasse durch die Diskussion, legte die Fakten unaufdringlich, aber eindeutig fest und gab klare Antworten auf die teilweise provokant vorgetragenen Meinungen der Schüler.

Wenn man weiß, daß ein Leben von vornherein nicht lebenswert ist, z. B. bei einem behinderten Kind, sollte man nicht unter allen Umständen gleich etwas dagegen unternehmen? media-389705-4

Johnny und mit ihm das Gros der Klasse waren sich einig, daß in diesem Fall natürlich abgetrieben werden muß, um dem Kind, den Eltern und damit auch der Gesellschaft Leid und Kosten zu ersparen. Einzig Lisa widerlegt mit stichhaltigen Argumenten die Einwände ihrer Mitschüler.

Welches sind die Kriterien für ein lebenswertes Leben? Die Leistungsfähigkeit? Oder die Intelligenz vielleicht? „Dann dürfte die halbe Menschheit nicht existieren…Jeder Mensch hat das Recht auf Leben“ (S. 52).

Kurz nach diesem Schlagabtausch wird Johnny Zeuge, wie eine Gruppe von Zwölfjährigen einen kleinen Jungen drangsimagesCAHIF86Caliert. Als er sich schützend vor ihn stellt, bringt ihn das Gesicht des Kleinen aus der Fassung: vor ihm steht ein Kind mit Down Syndrom.

Johnny, dessen Mutter in ihrem Leben nur Platz für ihre eigene Karriere hat, erlebt ein Wechselbad von Empfindungen, als er mit der fünfköpfigen Familie des Jungen und dessen älteren Schwester Lisa in näheren Kontakt kommt. Sie wurde ihm Anlaufstelle, als er im Zusammenhang mit seinem Vater, von dem er seit seinem fünften Lebensjahr nichts mehr gehört hat, in ein Geheimnis seiner Mutter eindrang, das ihm den Boden unter den Füssen wegzog.

Die weiteren Ereignisse stellten ihm die Dringlichkeit eines beruflichen Weges vor Augen, der es ihm ermöglichen würde, Einfluß zu nehmen auf den weltweit eklatant zunehmenden Kollaps von Moral und Ethik.

Einfühlsam und packend von der ersten bis zur letzten Zeile erzählt Veronika Grohsebner die Geschichte eines jungen Menschen in einer Welt, die Regeln, welche seit Jahrtausenden gültig waren, heute nicht mehr für verbindlich hält. Mit ihrem Stil trifft sie die Sprache der Jugend, ohne in deren häufig mit Vulgarismus durchdrängten Idiomen zu verfallen.

Ich wünsche dem Buch eine große Verbreitung. Es ist längst überfällig und sollte zur Pflichtlektüre werden für alle, denen die Zukunft der Kinder und Jugendlichen ein Anliegen ist.

In ihren Dankes-Anmerkungen gedachte die Autorin nicht nur den engsten Vertrauten und Wegbegleitern, sondern auch ihrem himmlischen Fürsprecher, dem hl. Josef von Copertino.

Buch-Daten: Veronika Grohsebner: Johnny Designed, Wien 2013, 315 Seiten, 12 €

Bestellung des Buches hier: http://www.sarto.de/product_info.php?info=p7619_Johnny-Designed.html


USA: Bundesstaat Wisconsin erlaubt Homo-Partnerschaften / Gouverneur Jindal (Louisiana) gegen Leihmutterschaft

Von Dr. med. Edith Breburda

Im Bundestaat Wisconsin/USA wurde am Freitagnachmittag, dem 6.6.2014, völlig unerwartet ein Gesetz verabschiedet, das Homosexuellen eine staatlich registrierte Partnerschaft erlaubt.  Dr. Breburda

Wenige Zeit später fanden sich die ersten Paare vor dem Gerichtsgebäude in Madison und Milwaukee ein. Schon lange hofften sie, dass der Bann, der auf der gleichgeschlechtlichen „Ehe“ ruhte, von einem Richter aufgehoben wird und sie ihre Zulassung erhalten.

Einige der Paare hatten solche Eile, vor einem Standesbeamten zu erscheinen, dass sie gar ihr Geld vergaßen und so die anfallenden Gebühren nicht bezahlen konnte. Ein Beamter half schließlich aus und übernahm die Kosten.

Ein anderes Paar, das schon lange zusammen lebt, ließ seine adoptierten Kinder zuhause bei Nachbarn, um sich zwei Stunden nach dem Urteil vor dem Standesbeamten ihr „Ja-Wort“ zu geben.

nzwischen hatten sich viele Paare vor dem mittlerweile geschlossenem Gerichtsgebäude eingefunden. Die Standesbeamten waren noch bis in die Nacht hinein beschäftigt, ihres Amtes zu walten.

Der 42-jährige evangelische Pastor Warner von der Plymouth-Kirche in Milwaukee hatte schon vor 17 Jahren mit seinem 52-jährigen Partner „kirchlich“ geheiratet. Seitdem wartet das Paar auf die staatliche Anerkennung. Auch sie haben 2 Kinder adoptiert (vgl. Sentinel Journal, Milwaukee Wisconsin: „Scores of gay couples married in Milwaukee, Madison“ vom 7.6.2014).

Veto des Gouverneurs gegen Leihmutterschaft

Gouverneur Bobby Jindal aus Louisiana hatte sich am 2. Juni 2014 gegen ein Gesetz ausgesprochen, das Paaren erlaubt hätte, Leihmütter zu benutzen.

Jindal argumentiert, Leihmütter würden dazu beitragen, dass man den Respekt vor dem Leben verliert. Louisianas Familien-Forums Präsident Gene Mills gab zu bedenken, dass durch die Techniken der In-Vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung) unweigerlich Embryonen (also die kleinste Erscheinungsform des Menschen) zerstört werden. imagesCAHIF86C

Dies sei das eigentliche moralische Dilemma der IVF. Auch würden Leihmütter den Begriff und die Institution der Familie neu definieren. Wenn der Staat Louisiana Leihmütter anerkennen würde, wäre es für gleichgeschlechtliche, aber auch Einzelstehende legal, „Kinder“ zu bekommen, bemerkt Mills. 

Das Veto des Gouverneurs bewirkt nun, dass es strafbar ist, eine Leihmutter „einzustellen“.

Die US-Bischofskonferenz äußerte sich am 28. März 2014 zu diesem Thema. Sie verurteilte die Kommerzialisierung, Objektivierung und die utilitaristische Absicht, die eine Leihmutterschaft ausmacht und damit die Frau degradiert.

In dem Dokument „Donum Vitae“ wird darauf hingewiesen, dass eine Leihmutter nicht im Einklang mit der Würde der Frau ist . Der Wert der Frau wird damit auf eine Art Dienstleistung herabgestuft. 

Auch die Bischöfe heben hervor, dass durch die Option einer Leihmutterschaft das entstandene Leben nicht geschützt wird. Die Technik, die hinter der Leihmutterschaft steht, ist die künstliche Befruchtung.

IVF: Das Problem der überzähligen Embryonen

Die Zukunft der überzähligen Embryos ist ungewiß, da man ihnen nicht ihre menschliche Würde zugesteht und sie oft „entsorgt“ werden (vgl. S. Siggins: Bobby Jindal: Surrogate Motherhood lessens „the way we value human life, 2. Juni 2014).

Die moderne Medizin spricht zwar davon, die künstliche Befruchtung „sicherer zu machen“. Doch die Wissenschaftler verstehen darunter vor allem die Ausschaltung von Erbkrankheiten. images

Ein Bericht in Science Magazin vom 3. Juni 2014 mit dem Titel „U.K. report says proposed IVF technique is likely safe“ beschreibt eine ganz neue Methode. Man bezieht sich auf die „mitochondrial-DNA replacement therapy“.

Mitochondrien, die als das Kraftwerk der Zelle bezeichnet werden, befinden sich im Zellplasma. Sie besitzen ihr eigenes Erbgut, ihre eigene DNA. Mitochondrien versorgen die ganze Zelle mit der nötigen Energie.

Mitochondrien stammen von der mütterlichen Eizelle. Die Mitochondrien der Spermien dringen bei der Befruchtung nicht in die Eizelle ein. Sie werden von Enzymen abgebaut. Bei Spermienzellen bleibt nur die DNA des Zellkerns erhalten und sorgt für die Rekombination des Erbgutes. D.h. alle Kinder erhalten nur die Mitochondrien-DNA der Mutter, der Mann kann seine Mitochondrien nicht weitervererben.

So konnte man die DNA zurückverfolgen bis zu einer Ursprungsfrau, die man die „Mitochondriale Eva“ nennt. Sie lebte vor 200.000 Jahren in Afrika.

Künstliche Befruchtung per Mitochondrien-DNA

Mitochondrien-Eiweiße und Kerneiweiße müssen miteinander harmonieren. Sowohl der Zellkern als auch die Mitochondrien im Zellplasma verfügen über Erbinformationen. Die Mitochondrien haben ihre eignen Gene und stellen rund ein Dutzend eigener Eiweiße her.

Die meisten anderen Proteine, die sie zum Arbeiten brauchen, werden ihnen von den Genen des Zellkerns geliefert.

Es gibt Berichte über Antikörper, die gegen die Kerneiweiße gerichtet sind und so zum Zelltod führen können. Mitochondrien-Gene können krebserregend sein und zum septischen Schock beitragen (siehe das Buch „Globale Chemisierung- Vernichten wir uns selbst?“, Amazon, 2014).51CbuMSEzzL__BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_

Um mitochondriale Erbkrankheiten auszuschalten, versuchen Wissenschaftler, das genetische Material einer Eizelle mit defekten Mitochondrien in eine Spendereizelle mit gesunden Mitochondrien zu transferieren. 

Der Embryo besitzt die mütterliche und väterliche Kernzell-DNA und die mitochondriale DNA von einer Eizellspenderin. Somit könnte eine Mutter, die „defekte“ Mitochondrien hat, ein gesundes Kind gebären.

Momentan ist ein derartiges Verfahren in Groß- britannien noch verboten, da das gesamte genetische Material aller Nachfahren der so entstandenen Menschen verändert würde.

Auch könnten aus Versehen dennoch kranke Mitochondrien bei einem Transfer „verschleppt‘ werden und damit die Gesundheit des so entstandenen Menschen beeinträchtigen.

In Großbritannien bemüht sich die „Human Fertilisation and Embryology Authority“, damit das Parlament die „mitochondrial DNA replacement therapy“ baldmöglichst genehmigt.

Die Regierung verlangt vorerst mehr Versuche, um das Verfahren ’sicher‘ zu machen. So will man mehr Embryos herstellen, die durch die „3 Mitwirkenden“ (Samen-Eizellen-Kern und Spender-Eizellenkörper mit gesunder mitochondrialer DNA) entstanden sind.

Die Embryos sollen nicht implantiert werden. Man benötigt sie zum Vergleich mit Kontroll-Embryos und ihren Stammzellen. Nur durch solche Studien könnte man ein „o.k.“  für das neue Verfahren beschleunigen, heißt es in dem Artikel von Gretchen Vogel im Science-Magazin.

Unsere Autorin Dr. Edith Breburda ist Veterinär-Medizinerin (Tierärztin) und kath. Sachbuch-Autorin vor allem zu biotechnischen Themen; sie lebt in den USA.

Dr. Breburdas Bücher:
 
Globale Chemisierung
https://charismatismus.wordpress.com/2014/05/22/buch-tip-dr-edith-breburdas-profunde-neuerscheinung-zu-bioethischen-themen/
 
Promises of New Biotechnologies
https://www.createspace.com/3698701
 
Dr. Breburda als Buchautorin:
https://www.amazon.com/author/breburda
 
Ediths Webseite: http://scivias-publisher.blogspot.com/