Irak: Der IS zerstörte ca 100 Kirchen bzw. jesidische Tempel in Mossul & Ninive

Mindestens 100 Kultstätten wurden im Stadtgebiet von Mossul und in der Provinz Ninive seit dem Vormarsch des Islamischen Staates (IS) im Juni 2014 geschändet oder demoliert.

Orientalische Ikone

Dies teilt der Sprecher des Ministeriums für Religiöse Angelegenheiten der Autonomen Provinz Kurdistan, Mariwan Naqshbandi, mit. Er nannte damit vorab einige Details aus einem Bericht über die Verbrechen des IS in diesen Regionen.

Der Bericht, so der Sprecher der kurdischen Regierung, weist darauf hin, dass es sich bei einem Großteil der verwüsteten Kultstätten um christliche Kirchen und jesidische Tempel oder Kultstätten anderer religiöser Minderheiten handelt.

Die Kommission, die den Bericht über die Verbrechen des IS untersucht, sammle Informationen mithilfe der kurdischen Peschmerga-Einheiten, die an der Befreiung der Gebiete vom IS beteiligt sind. Die Kommission sammle auch Daten zur Gewalt gegen Frauen, insbesondere Jesidinnen, während der Besetzung.

Quelle: Fidesdienst


Wie weit geht die „Toleranz“ mit Erdogan?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Bemühungen des türkischen Staatspräsidenten Erdogan, seine schon jetzt großen Machtbefugnisse weiter auszubauen, sind mit dem missglückten Militärputsch einen Schritt weiter gekommen. Der Versuch von Teilen der türkischen Armee, das zu verhindern, ist am 15. Juli gescheitert. Dies war der fünfte Versuch seit 1960. Die türkische Armee sieht sich traditionell als Hüterin der Verfassung, wie sie mit einer strikten Trennung von Religion und Kirche von Staatsgründer Kemal Atatürk eingeführt wurde. 0000009699_3

Staatspräsident Erdogan schlug sofort zurück. Innerhalb von nur zwei Tagen fielen 2745 Justizbeamte, 7899 Polizisten, insgesamt mehr als 13.000 Staatsbeamte sowie 7500 Soldaten aller Ränge der „Säuberung“ zum Opfer (Augsburger Allgemeine Zeitung 19.7.2016). Inzwischen kommen rd. 30.000 Lehrer und Professoren hinzu.

BILD: Prof. Gindert bei einer Rede auf dem von ihm geleiteten Kongreß „Freude am Glauben“

Die Schnelligkeit des Handelns, schließt man Willkür aus, lässt auf vorbereitete Dossiers mit den politischen Gegnern schließen. Werden Putschisten und politisch Andersdenkende mit einem fairen rechtsstaatlichen Verfahren rechnen können?

Die Rechtsorgane sind „gesäubert“, die parlamentarische oppositionelle Minderheit ist eingeschüchtert, die Straße mit den Erdogan-Anhängern, die lautstark die Einführung der Todesstrafe fordert, ist mobilisiert. Und die höchste Staatsspitze bezeichnet die politischen Gegner öffentlich als „Krebsgeschwür“.

Vertreter der EU und die deutsche Bundeskanzlerin begrüßten die Niederschlagung des Militärputsches. Hoffentlich ist die Anmahnung der Rechtsstaatlichkeit mehr als ein Feigenblatt. Bei dieser Gelegenheit sollten wir uns erinnern, dass auch Adolf Hitler 1933 legal an die Macht kam. Er benutzte den Reichstagsbrand, um das Ermächtigungsgesetz durchzubringen. Hätte die Reichswehr 1933 oder 1934 und nicht erst 1944 geputscht, dann stünde sie wohl heute in der geschichtlichen Einschätzung positiv da.

Auch nach 1933 haben westliche Staatsmänner und auch Vertreter der katholischen Kirche immer wieder Dialogbereitschaft und Einhaltung der bürgerlichen Freiheiten angemahnt, wie wir das jetzt ganz ähnlich hören. Im Interesse des Erhalts des Friedens wurde in Kauf genommen, dass Juden und politische Gegner unterdrückt, Österreich und das Sudetenland „kassiert“ wurden. Das geschah, nachdem die Tschechoslowakei trotz bestehender Bündnisverpflichtungen von Frankreich und Großbritannien zerschlagen war.

Wie weit wird die Toleranz mit Erdogan gehen? Er war schon bisher kein „lupenreiner“ Demokrat. Das zeigen die Einschränkungen der Pressefreiheit und weiterer bürgerlicher Freiheiten. Allen ist der brutale Krieg bekannt, den er gegen die Kurden führt, weil sie mehr Selbstbestimmung im Staat wollen.

Das Verhalten Erdogans kann ja nicht deswegen gebilligt werden, weil die Türken mit der zweitgrößten Armee ein wichtiger Bündnispartner in der NATO sind, oder weil die Türkei, nach der wenig überlegten Willkommenskultur der deutschen Bundeskanzlerin, gebraucht wird, um die Zuwanderungswelle einzudämmen.

Auch das NS-Regime wurde nach Meinung mancher als angebliches „Bollwerk gegen den Kommunismus“ gebraucht. Diese Illusionen lösten sich erst in Rauch auf, als die Nazis mit den Kommunisten den Molotow-Ribbentrop-Pakt schlossen. Aber dann war es zu spät.

Es stimmt schon: Die Deutschen haben nach den geschichtlichen Erfahrungen eine besondere Verantwortung für den Frieden – auch als drittgrößter Waffenexporteur. Es geht nicht um Waffenlieferungen nach Israel, das sich in einer ständigen Verteidigungsposition befindet, wohl aber um die in andere Länder im Vorderen und Mittleren Osten, z.B. nach Saudi-Arabien, wo man nicht weiß, in welche Hände diese Waffen weitergelangen.

Die EU und die Nato nennen sich gerne eine Wertegemeinschaft. Welche Werte sind das? Und wie weit geht unsere Bereitschaft, sie glaubwürdig zu verteidigen?


IGFM: Der türkische Präsident Erdoğan heizt die Flüchtlingskrise weiter an

„Bei Visumsfreiheit werden Hundertausende nach Deutschland fliehen“

Der kurdische Abgeordnete im Parlament der Türkei, Faysal Sarıyıldız, hat die Verbrechen der türkischen Regierung an der eigenen Bevölkerung scharf kritisiert. Auf der Jahresversammlung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Bonn erklärte er: IGFM_Logo_blau_R32 G90 B165

„In der Türkei herrscht Krieg. Krieg gegen ein Volk: Die Kurden. Nur durch die Gewalt der türkischen Regierung gegen Teile der eigenen Bevölkerung gibt es allein in der Türkei rund 400.000 Binnenflüchtlinge.

Deutschland verschließt die Augen vor den Verbrechen gegen die Minderheiten in der Türkei und macht sich damit indirekt mitschuldig. Deutschland wird die Konsequenzen davon selbst zu spüren bekommen – Wenn es eine Visumsfreiheit gibt, dann werden Hundertausende nach Deutschland fliehen.“

IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin unterstrich, dass Menschen in der Region nicht nur vor dem Islamischen Staat fliehen:

„Erdoğan hat sich durch die Militärschläge gegen Kurden in Syrien de facto zum Verbündeten des Islamischen Staates gemacht. Das türkische Militär schwächt damit den wichtigsten Gegner des IS und hat dadurch weitere zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen“.

Die 90er Jahre sind zurück  –  nur noch schlimmer

Sarıyıldız berichtete über kollektive Strafaktionen gegen kurdische Zivilisten in mehreren Städten der Südost-Türkei, die eine bisher unbekannte Zahl von Menschenleben gefordert haben: Notizblock-Stacheldraht-klein_d5cbbd6dfa

„In der Türkei rollen wieder Panzer gegen die eigene Bevölkerung. Seit Dezember 2015 sind die 90er Jahre zurück. Doch inzwischen ist die Situation noch schlimmer. Damals fanden die Übergriffe in ländlichen Gebieten statt. Heute beschießt das türkische Militär selbst größere Ortschaften und Städte“.

Sarıyıldız ist Abgeordneter der Demokratischen Partei der Völker (HDP) für den Bezirk Şırnak, der im Dreiländereck Türkei, Syrien und Irak liegt. Wegen seines Eintretens für Minderheitenrechte innerhalb der Türkei war er fünf Jahre lang im Gefängnis.

Die HDP hat ihre Wurzeln in der Gezi-Park Bewegung des Jahres 2013. In ihr arbeiten Kurden, Türken und Vertreter aller Minderheiten der Türkei zusammen. Ihre 60 Abgeordneten gehören zu insgesamt 30 verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen aus der Türkei, darunter sind auch zwei Christen und zwei Jesiden.

Der Regierung Erdoğan verschärfe und instrumentalisiere den Konflikt für eigene parteipolitische Ziele. „Die HDP will überhaupt keine Veränderung der Grenzen. Wir wollen eine demokratische und rechtsstaatliche Türkei, die allen ihren Bürgern eine Heimat bietet. Das Problem der Kurden sind weder die Türkei noch die Türken. Das Problem ist die gegenwärtige Regierung und der von ihr geförderte staatliche Nationalismus“, betonte Sarıyıldız gegenüber der IGFM.

Kontakt-Daten:
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
Borsigallee 9 in 60388 Frankfurt a. Main
Tel.: 069-420108-0, Fax: 069-420108-33, info@igfm.de, www.menschenrechte.de


Türkei: Regierung verstaatlicht Kirchen

Im Rahmen der Militäroperationen in der Südtürkei gegen Stellungen der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) ordnete die Regierung in Ankara auch die Beschlagnahme von weiten Teilen der Altstadt von Diyarbakir an, wovon auch die Kirchen der einstigen Metropole am Fluß Tigris betroffen sind.

Dies berichten Beobachter gegenüber der zweisprachigen Tageszeitung „Agos“ in Istanbul. Camberg-Peter-Paul-DSC_0342

Die Anordnung der Regierung wurde auch im offiziellen Amtsblatt des Ministerrates veröffentlicht und betrifft die armenische St. Giragos-Kirche, die syrische Marienkirche und die chaldäische „Mar Sarkis“-Kirche, die armenisch-katholische Kirche und eine protestantische Kirche sowie 6000 Wohnungen in der Altstadt.

Zur Zeit finden in keiner der verstaatlichten Kirchen in Diyarbakir Gottesdienste und liturgische Feiern statt.

Der türkische Beamte Adnan Ertem von der Direktion der religiösen Stiftungen bezeichnete die Beschlagnahme als vorbeugende Maßnahme zum Schutz der Altstadt von Diyarbakir vor Verwüstung. Während der Leiter des Kulturbüros der Stadtverwaltung, Nevin Solukaya, den Stiftungen zu gerichtlichen Schritten gegen eine Beschlagnahme rät.

Am vergangenen Montag, den 28. März, hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärt, dass seit vergangenen Juli, als die Ausschreitungen mit den Rebellen in den von kurdischen Minderheiten bewohnten Gebieten wieder ausgebrochen waren, bereits 5000 Kämpfer der PKK von türkischen Soldaten getötet wurden, während die Sicherheitskräfte der Regierung in den eigenen Reihen 355 Opfer verzeichnen.

Quelle: Fidesdienst / Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Ergänzende Meldung über die Verstaatlichung der Kirchen: http://www.kath.net/news/54620


Unionsfraktion begrüßt Ausbildung von Anti-IS-Kämpfern durch die Bundeswehr

In dieser Woche haben erneut 500 kurdische Peschmerga ihre Ausbildung durch die Bundeswehr abgeschlossen, die sie zum Kampf gegen die Terrormiliz des „Islamischen Staates“ befähigen soll. Dazu erklärt der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Philipp Mißfelder (siehe Foto):

Foto: Markus Hammes

Foto: Markus Hammes

„Die Ausbildung der Peschmerga im Nordirak durch die Bundeswehr ist ein Erfolg. Dank der internationalen Unterstützung der Kurden, zu der auch die Ausbildung der Kämpfer und die Lieferung von Waffen aus Deutschland beitrug, konnten die Extremisten der Terrormiliz ‚Islamischer Staat‘ (IS) aus mehreren Gebieten des Nordirak verdrängt werden.

Damit entwickelt sich die Autonome Region Kurdistan unter ihrem Präsidenten Masud Barzani wieder zu einer Gegend der Stabilität und Sicherheit in dieser geschundenen Region.

Obwohl es heute noch zu früh ist, von einem Wendepunkt in diesem Konflikt zu sprechen, befindet sich der ‚IS‘ zumindest im Irak nicht mehr auf dem Vormarsch. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist daher froh, dass sich die internationale Gemeinschaft – nicht zuletzt auf Initiative des UN-Sicherheitsrates – zusammengefunden hat, um sich der Bedrohung durch den ‚IS‘ zu stellen.

Denn die Terrormiliz verletzt die Prinzipien der UN-Charta und geht brutal gegen religiöse Minderheiten wie Christen und Jesiden vor. Zahllose unschuldige Menschen sind ihr zum Opfer gefallen.

Neben der Fortsetzung der Ausbildung der Peschmerga sollte Deutschland auch die Wünsche der kurdischen Regionalregierung im Nordirak nach weiterer militärischer Ausrüstung ernsthaft prüfen. Denn die Autonome Region Kurdistan hat sich in der Vergangenheit für vertriebene Christen und Jesiden oft als letzter Zufluchtsort erwiesen.

Das Erreichte darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Besonders die irakische Zentralregierung muss sich stärker als bisher für eine Aussöhnung der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und einer gleichberechtigten Teilhabe aller am Wohlstand des Irak einsetzen. Entsprechende Bestimmungen in der Verfassung hat die irakische Zentralregierung in der Vergangenheit nicht immer eingehalten.“


Unions-Fraktionschefs Kauder und Schockenhoff reisten in den Nord-Irak

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, besucht derzeit gemeinsam mit seinem Stellvertreter im Amt, Dr. Andreas Schockenhoff, den Nordirak.

Zum Auftakt seines Besuchs in Erbil erklärt Fraktionschef Kauder:

„Den rund eine Million Flüchtlingen im Nordirak muss wirksam und schnell geholfen werden. Das Schicksal der Menschen hat mich bei meinem Besuch in Erbil tief erschüttert. 47006

Die Christen, mit denen ich gemeinsam mit meinem Kollegen Andreas Schockenhoff am Sonntagvormittag gesprochen habe, sehen nach ihrer Flucht vor dem Terror der IS oft keine Perspektive. Sie haben alles verloren.

„Zusammenhalt der Christen beeindruckend“

Sehr viele meinen, sie hätten keine Chance auf Rückkehr in ihre Heimat. Andere wollen aber trotz allem zurück ihre in angestammten Orte. Es nötigt allerhöchsten Respekt ab, wie die Kurden den Flüchtlingen helfen.

Beeindruckend ist für mich die Solidarität der Christen untereinander.

Die Hilfe muss sich in den kommenden Monaten zunächst darauf konzentrieren, den Flüchtlingen das Überleben im Winter zu sichern. Von Seiten unserer Gesprächspartner von den christlichen Kirchen wurde besonders Unterstützung für die Errichtung von festen Unterkünften angesprochen. Hier sollte sich auch Deutschland in den kommenden Monaten verstärkt engagieren. 42252-3x2-teaser190x127

Auf mittlere Sicht muss versucht werden, den Flüchtlingen in Kurdistan zu helfen, eine neue Grundlage für ihr Leben zu finden.

Klar ist, dass Deutschland seinen Beitrag leisten muss, damit sich die kurdischen Streitkräfte gegen den IS-Terror zur Wehr setzen können. Der Aspekt der humanitären Hilfe für die Notleidenden darf aber nie in den Hintergrund treten.

Militärische und humanitäre Hilfe sind zwei Seiten derselben Medaille. Wir werden in den kommenden Wochen auch darauf achten müssen, dass die Hilfe bei den Betroffenen ankommt. Das scheint noch nicht vollständig gewährleistet.“

Hintergrund:

Kauder und Schockenhoff hatten in der St. Josefs Kathedrale in Ankawa, einem Vorort Erbils, zunächst an einem Gottesdienst teilgenommen. Es schlossen sich ausführliche Gespräche mit den Flüchtlingen an, die auf dem Kirchengelände und in anderen Gebäuden in der Nähe Zuflucht gefunden haben.

Die Delegation wurde von chaldäische Erzbischof Bashar M. Warda begleitet. gebet_irak

Im Laufe des Tages wollten Kauder und Schockenhoff auch eine Schule besuchen, wo viele Jesiden untergebracht sind. Diese Religionsgruppe hatte unter dem Terror der IS besonders zu leiden.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion setzt mit vielen Aktivitäten seit Jahren für das Recht auf Religionsfreiheit ein. Dabei verfolgt sie seit Jahren mit großer Sorge und Anteilnahme auch die Lage der Christen im Irak. Bischöfe waren mehrfach zu Gast in der Fraktion.

Schon im Dezember 2010 sagte der Bischof der Chaldäisch-Katholischen Kirche von Bagdad, Shlemon Warduni, auf einer Pressekonferenz der Fraktion zur Lage der Christen im Irak:

„Wenn mir jemand sagt, er glaube nicht an die Hölle, dann antworte ich ihm: ‘Kommen Sie doch mal in den Irak für eine Woche, da werden sie sehen, ob es die Hölle gibt oder nicht.“

Am 15. und 16. September wird die Unions-Fraktion erneut einen Kongress zu dem Thema veranstalten.

Bei seinem Aufenthalt werden sich Kauder und Schockenhoff auch mit kurdischen Politikern treffen.

Quelle für Kauder-Erklärung und „Hintergrund“: CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag


Syrien: ISIS-Offensive auf die Stadt al-Hasaka Christen und Kurden bedroht

Pressemitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker:

Nach Informationen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) bereitet die extremistische islamische Gruppe „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (ISIS) offenbar eine groß angelegte Offensive im Nordosten Syriens vor.  sami wahib (2)

„Viele Anzeichen sprechen dafür, dass die Islamisten die multi-ethnische und multireligiöse Stadt al-Hasaka unter ihre Kontrolle bringen wollen“, warnte der GfbV-Nahostreferent Kamal Sido am vergangenen Freitag in Göttingen: „Die Armee des syrischen Regimes wird die Zivilisten in der Stadt weder verteidigen wollen noch können.“

BILD: Von Islamisten zerstörte koptische Kirche

Die Menschen erwarte das gleiche Schicksal wie im nordirakischen Mossul, aus dem nun alle Christen, Yeziden, Schiiten sowie viele sunnitische Kurden und Araber vertrieben wurden. Die meisten Flüchtlinge suchten im benachbarten Irakisch-Kurdistan Schutz.

In al-Hasaka und in den anderen überwiegend von Kurden besiedelten Gebieten im Norden und Nordwesten Syriens versuchen kurdische und christliche Milizen die Zivilbevölkerung vor den Angriffen der Radikalislamisten zu schützen, berichtete Sido.

Die ISIS, die über im Irak erbeutete Waffen und schweres Gerät verfügt, ist den kurdischen Milizen weit überlegen. ISIS prahlt mit der Massenhinrichtung von angeblich 1500 Irakern in dem von ihnen eroberten Gebiet in den vergangenen Tagen und hat Christen, Kurden und Schiiten zu ihren „Erzfeinden“ erklärt.

Aufgrund des bisherigen Vorgehens der ISIS muss vom Schlimmsten für die Bevölkerung ausgegangen werden.

Die allgemeine humanitäre Lage der Zivilbevölkerung in al-Hasaka ist bereits seit etwa zwei Jahren katastrophal. Trinkwasser, Lebensmittel, Strom und Gas sind sehr knapp. Immer wieder überfallen Islamisten muslimische oder yezidische Kurden sowie Christen. Entführungen, Autobomben und Selbstmordanschläge gehören zum Alltag in der Region.

Al-Hasaka war bisher auch ein Zufluchtsort für viele Christen etwa aus Deir Ezzor weiter südlich. Dort gab es hunderte christliche Familien, bevor sie vertrieben wurden.

Aktuell sollen in al-Hasaka mindestens 200.000 Menschen leben, vor allem Kurden, Assyrer/Aramäer, Armenier und Araber. Die Stadt und die gleichnamige syrische Provinz ist die Heimat vieler Christen syrisch-orthodoxer, syrisch-katholischer, chaldäisch-katholischer und armenischer Konfession.

Die Provinz beherbergte in der Vergangenheit auch viele christliche Flüchtlinge aus dem Irak und der Türkei. „Nun schweben alle Christen in al-Hasaka in Angst und Verzweiflung“, sagte Sido. „Auch dort droht, wie in Mossul geschehen, ein Ende des Christentums.“

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