Erzbischof Gänswein befürwortet einen Rücktritt des Limburger Domkapitels

Pressemeldung des Hessischen Rundfunks:

Der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, hat dem Limburger Domkapitel den Rücktritt nahegelegt. „Wer Verantwortung hat und Fehler macht, sollte auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen“, sagte er in der Sendung „Horizonte“, die das hr-fernsehen an den Weihnachtsfeiertagen ausstrahlt.   1_0_809751

In dem Gespräch mit dem hr-Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard äußert sich Erzbischof Georg Gänswein zu persönlichen, aber auch zu aktuellen kirchenpolitischen und theologischen Themen.
Auf die Frage, warum er über lange Zeit den ehemaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst verteidigt habe, meinte Gänswein, der auch Privat-Sekretär des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI. ist, er habe dies aus dem klaren Gefühl heraus getan, dass Tebartz Unrecht widerfahren sei.
Auf die Frage, ob als Konsequenz der Affäre nicht auch das Limburger Domkapitel zurücktreten solle, antwortete Gänswein: „Das können Sie ja den Herren des Domkapitels einmal sagen.“  – Denn wer Verantwortung trage, müsse im Konfliktfall auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und Konsequenzen zu ziehen.

Weitere Themen der beiden halbstündigen Fernsehinterviews mit Erzbischof Georg Gänswein sind die aktuellen Finanz- und Sexskandale im Vatikan, die Spannungen zwischen Papst Franziskus und der römischen Kurie sowie das unlängst vom Papst eröffnete Jahr der Barmherzigkeit.

Beide Sendungen werden vom 24. Dezember, 12 Uhr, an unter http://www.horizonte.hr.de online abrufbar sein. Im hr-fernsehen ist der 1. Teil des Gesprächs am 25. Dezember um 10.10 Uhr und Teil 2 am 26. Dezember um 10 Uhr zu sehen.
 .

Zur Weihnachtsansprache von Papst Franziskus an die vatikanische Kurie

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Papst Franziskus hat am 22. Dez. im traditionellen Weihnachtsempfang für die römische Kurie zur Gewissenserforschung, wie sie vor dem Bußsakrament üblich ist, aufgerufen.

Die Medien haben daraus das gemacht, was der Medienexperte Prof. Norbert Bolz einmal so charakterisiert hazeitungent: 

„Wenn man über Jahrzehnte die Praxis der Massenmedien beobachtet, dann weiß man… es geht auch nicht so sehr um Aufklärung, sondern um Skandale und Sensationen, um das Empörungspotential von Entscheidungen. Dieses Potential wird ausgebeutet. Das ist die Logik der Massenmedien“.

Wer die Überschriften zu den Kommentaren der Papstansprache liest, fragt sich, ob die Journalisten den Originaltext gelesen haben.

Die Linie der Berichterstattung gaben italienische Medien an. Das Staatsfernsehen „RAINews 24“ schrieb: „Der Papst peitscht die Kurie“.  –  Deutsche Medien zogen nach. Die „Augsburger Allgemeine Zeitung“ (23.12.2014) schrieb z.B.: “Der Papst geht mit dem Vatikan hart ins Gericht“.

Tatsächlich hat Papst Franziskus von den Versuchungen gesprochen, denen die Mitarbeiter der Kurie ausgesetzt sind – und hat sich selber mit einbezogen. Franziskus hat den Mitarbeitern der römischen Kurie für ihren Dienst gedankt und damit ihre Mitarbeit anerkannt.
media-521118-2

Es ist interessant, dass sich die Medien auf die sogenannten 15 „Krankheiten“ gestürzt haben, die Versuchungen und Gefährdungen der Mitarbeiter an der Kurie darstellen, aber auch für „jeden Christ, jede Kurie, Gemeinschaft, Kongregation, Pfarrei, kirchliche Bewegung“, wie der Papst an anderer Stelle seiner Rede betont.

Indem die Medien den Teil der Ansprache vor Auflistung der 15 „Krankheiten“ weglassen, in dem Franziskus deutlich macht, worum es ihm mit der „Gewissenserforschung“ ging, nämlich „uns auf das Sakrament der Versöhnung vorzubereiten“, bekommt die Ansprache eine völlig andere Richtung. 

Die Medien stellen den Papst in Gegensatz zu seiner Kurie und versuchen ihn zu instrumentalisieren. Wenn in der Papstrede das wegfällt, was der Rede ihre Ausrichtung gibt, dann ist die Berichterstattung nicht mehr Information. Sie wird zur Desinformation, zu einem Instrument der Kirchenpolitik, die sich gegen die ungeliebte römische Kurie, das Zentrum der Universalkirche, richtet.

Es ist aufschlussreich, aus dem Vorspann der päpstlichen Ansprache, einige Passagen in Erinnerung zu bringen, die die Intention von Papst Franziskus verdeutlichen.

Papst Franziskus sagte:

„Ich möchte Euch herzlich danken für Euren täglichen Einsatz im Dienst für den Heiligen Stuhl, die katholische Kirche, die Teilkirchen und für den Nachfolger Petri“.1_0_809751

„Ich möchte gemeinsam mit Euch für das nun zu Ende gehende Jahr eine lebendige und tief empfundene Danksagung zum Herrn erheben….und ihn demütig um Vergebung für begangene Verfehlungen…bitten“.

Ich möchte, „dass diese unsere Begegnung und die Überlegungen, die ich mit Euch teilen werde, für uns alle eine Hilfe und ein Ansporn zu einer wirklichen Gewissenserforschung werden, um unser Herz auf das heilige Fest der Weihnacht vorzubereiten“.

„Es ist schön, sich die römische Kurie wie ein kleines Modell der Kirche vorzustellen, also wie einen ‚Leib‘, der täglich ernsthaft versucht, lebendiger, gesünder, harmonischer und in sich selbst und mit Christus vereinter zu sein“.

„Da die Kurie jedoch ein dynamischer Leib ist, kann sie ohne Ernährung und ohne sich behandeln zu lassen nicht leben… Ein Mitglied der Kurie, das sich nicht täglich mit dieser Speise nährt, wird ein Bürokrat (ein Formalist, ein Funktionalist, ein reiner Angestellter)…

Das tägliche Gebet, der regelmäßige Empfang der Sakramente, vor allem der Eucharistie und der Versöhnung, der tägliche Kontakt mit dem Wort Gottes und die in gelebte Nächstenliebe umgesetzte Spiritualität sind die lebensnotwendige Nahrung für jeden von uns“.

„Die Kurie ist aufgerufen, sich zu bessern, sich immer zu bessern und in Gemeinschaft, Heiligkeit und Weisheit zu wachsen, um ihre Sendung vollkommen zu verwirklichen. Und doch ist sie wie jeder Leib, wie jeder menschliche Leib, auch Leiden, Funktionsstörungen, ausgesetzt.

Und hier möchte ich einige dieser möglichen Krankheiten, Kurienkrankheiten, erwähnen…Ich glaube, dass uns der Katalog der Krankheiten….helfen wird….uns auf das Sakrament der Versöhnung vorzubereiten, das für uns alle ein guter Schritt sein wird, um uns auf Weihnachten vorzubereiten“.

Und dann zählt Papst Franziskus die sog. „15 Krankheiten“ auf und erläutert sie:

  1. „Die Krankheit, sich ‚unsterblich‘, ‚immun‘ oder sogar ‚unentbehrlich‘ zu fühlen und die notwendigen und üblichen Kontrollen zu vernachlässigen“.
  2. „Die Krankheit des ‚Martalismus‘ (das kommt von Marta), der übertriebenen Geschäftigkeit“.
  3. „Die Krankheit der geistigen und geistlichen ‚Versteinerung‘.
  4. „Die Krankheit der übertriebenen Planung und des Funktionalismus“.
  5. „Die Krankheit der schlechten Koordinierung“.
  6. „Die spirituelle Alzheimerkrankheit: Also das Vergessen der ‚Heilsgeschichte‘, der persönlichen Geschichte mit dem Herrn, der ersten Liebe (Offb 2,4).
  7. „Die Krankheit der Rivalität und der Ruhmsucht“.
  8. „Die Krankheit der existenziellen Schizophrenie. Es ist die Krankheit derer, die ein Doppelleben führen, Frucht der typischen Hypokrisie des Mittelmäßigen und einer zunehmenden geistlichen Leere…“.
  9. „Die Krankheit des Geredes, des Gemunkels, des Klatsches“.
  10. „Die Krankheit, die Dienstherren zu vergöttlichen“.
  11. „Die Krankheit der Gleichgültigkeit gegenüber den anderen“.
  12. „Die Krankheit der Leichenbittermiene. Das heißt, die Krankheit griesgrämiger und mürrischer Menschen…“
  13. „Die Krankheit des Anhäufens: Wenn der Geistliche versucht, eine existenzielle Leere in seinem Herzen zu füllen, indem er materielle Güter anhäuft…“
  14. „Die Krankheit der geschlossenen Kreise, wo die Zugehörigkeit zu einem Grüppchen stärker wird als die zum Leib und in einigen Situationen zu Christus selbst“.
  15. „Die Krankheit des weltlichen Profits, des Exhibitionismus, wenn ein Apostel seinen Dienst in Macht verwandelt und seine Macht in Handelsware, um weltlichen Profit oder mehr Macht zu erhalten“    (Quelle: Die Tagespost 24.12.2014)

Durch die Konzentration der Berichterstattung auf die „15 Krankheiten“ entstand ein falsches Bild von der Ansprache des Papstes vor der römischen Kurie. Damit war der Meinungsmanipulation Tür und Tor geöffnet.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert ist Gründer und Vorsitzender des „Forums Deutscher Katholiken“ sowie Herausgeber der kath. Monatszeitschrift DER FELS

 


Lebensrechtler weltweit entsetzt: Papst entläßt Kardinal Burke aus der Bischofskongregation

Raymond L. Burke: eine starke Stimme für das Leben!

Nachdem bekanntgegeben wurde, daß der  –  als unerschrockener Abtreibungsgegner von Lebensrechtlern hochgeschätzte  –  Kardinal Raymond Leo Burke nicht mehr der wichtigen Kongregation für die Bischöfe angehören wird, macht sich weltweit  –  vor allem in den USA  –  große Enttäuschung über diese päpstliche Entscheidung breit.  ab-burke_final-interview

Der frühere US-amerikanische Erzbischof Burke (siehe Fotos) wird zwar weiter seiner Haupttätigkeit nachgehen, nämlich der Leitung des obersten vatikanischen Gerichts (er ist Präfekt der „Apostolischen Signatur“).

Gleichwohl wird seine Entfernung aus der einflußreichen Bischofskongregation (sie ist zuständig für die Ernennung von Bischöfen in der katholischen Weltkirche) seitens führender Lebensrechtlern als unerfreuliches Ereignis aufgefaßt, denn der unerschrockene Kardinal gilt als entschiedener Verfechter einer klaren Marschroute gegen Abtreibung.

Wir haben hierüber im CHRISTLICHEN FORUM seit Jahren berichtet.

Der amerikanishe Kurien-Kardinal war es auch, der im Mai 2013 alle katholischen Bischöfe dazu aufgefordert hat, am jeweiligen „Marsch für das Leben“ im eigenen Land persönlich teilzunehmen und sich keineswegs auf das Absenden von Grußworten zu beschränken.

Zudem war der couragierte Kirchenmann in seiner Amtszeit als US-amerikanischer Bischof vor allem dadurch bekanntgeworden, daß er Pro-Abtreibungs-Politikern öffentlich ins Gewissen redete und erklärte, sie seien laut Kirchenrecht (vlg. can 915 CIC) nicht zum Tisch des HERRN zugelassen. fssp-pa00255 - Kopie

Der unerschrockene Oberhirte wurde in seinen Aussagen und seiner eindeutigen Linie vom damaligen Glaubenspräfekten Joseph Kardinal Ratzinger ausdrücklich unterstützt.

Für die Lebensrechtsverbände in aller Welt war Kardinal Burke quasi ihr „oberster Verbündete in der Vatikanischen Kurie“, wie das amerikanische  Infoportal „Life-Site-News“ erläutert.

Kardinal Burke beteiligte sich am „Marsch fürs Leben“

Auch Virginia Nunziante, die Leiterin des italienischen „March for Life“ (Marsch für das Leben), schätzt den zeitgeistkritischen, unbeugsamen Kirchenmann Burke sehr. Er habe einen besonderen Platz in ihrem Herzen, erklärte sie, weil er der einzige Oberhirte in Italien sei, der sich persönlich am Marsch für das Leben beteiligte. Andere Bischöfe aus dem Vatikan und italienischen Bistümern hätten lediglich Grußworte gesendet. untitled

Die Nachricht von Burkes Entfernung aus der Bischofskongregation beschrieb sie als „eine Tragödie“: „Kardinal Burke ist für uns eine Inspiration gewesen“, sagte sie gegenüber „LifeSiteNews“.

John Smeaton, der Präsident der UK-Gesellschaft zum Schutz ungeborener Kindern, würdigte den Kurien-Erzbischof ebenfalls:

„Furchtloser Beschützer ungeborener Kinder“

„Kardinal Raymond Burke ist ein großartiger Kirchenmann und furchtloser Beschützer ungeborener Kinder, die Mutter Teresa zu Recht die Ärmsten der Armen bezeichnete. Wir brauchen starke Männer wie Kardinal Burke und sein klares Bekenntnis, daß Abtreibung das größte Menschenrechtsproblem unserer Zeit ist.“

Jim Hughes, Präsident der „Koalition für das Leben“ in Kanada, bekräftigte ebenfalls gegenüber LifeSiteNews, Kardinal Burke sei „ein feiner Kerl“: 

„Wir bedauern, daß er nicht mehr bei der Kongregation für die Bischöfe tätig ist und hoffen, daß die päpstliche Entscheidung nicht etwa wegen Burkes starker konservativer Ansichten erfolgte.“

„Eine sehr enttäuschende Entscheidung“

Eine weitere führende Person in der US-Lebensrechtsbewegung, Deal Hudson, bezeichnete die Entfernung Kardinal Burkes von der Kongregation ebenfalls als „eine sehr enttäuschende Entscheidung.“ 

Der Kirchenmann sei von glaubenstreuen Katholiken in Amerika als „einer unserer wichtigsten geistlichen Führer“ angesehen worden. Die Entlassung bedeute in der gegenwärtigen Sitution, daß Kardinal Burke weniger Einfluß haben werde: „Das ist keine gute Neuigkeit für uns hier in den Vereinigten Staaten.“

Austin Ruse, Präsident der katholischen Liga für Familie und Menschenrechte (er betreibt familienfreundliche Lobbyarbeit bei den Vereinten Nationen) erklärte gegenüber LifeSiteNews: „Ich bin untröstlich, dass Kardinal Burke beiseite geschoben wurde.“ 

Er fügte hinzu, dies sei „die schlechteste Kirchen-Nachricht“, die er in letzter Zeit gehört habe. Kardinal Burke sei „ein guter und freundlicher Mensch“, der einen starken Eindruck und Einfluß auf den US-Episkopat (die  nordamerikanischen Bischöfe) ausübe.

Auch Pro-Life-Führer aus Lateinamerika reagierten fassungslos auf die Nachricht von Burkes Sturz:

Christine Vollmer, Präsidentin der lateinamerikanischen „Allianz für die Familie“,  hielt die Meldung zunächst für einen Irrtum und konnte sie kaum glauben. Mittlerweile meint sie, Kardinal Burke sei vielleicht das Opfer einer vatikaninternen Intrige geworden  – und der Papst von falschen Informationen beeinflußt, wie sie gegenüber LifeSiteNews erläuterte.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Quelle für die zitierten Äußerungen und das 2. Foto: http://www.microsofttranslator.com/bv.aspx?from=&to=de&a=http%3A%2F%2Fwww.lifesitenews.com%2Fnews%2Fpro-life-leaders-shocked-by-removal-of-cardinal-burke-from-important-vatica


Peter Seewald: „Der Papst hätte mehr Unterstützung aus der Kurie und der deutschen Kirche bekommen müssen.“

Der bekannte Papstkenner Peter Seewald, der mehrere Interview-Bücher mit Benedikt XVI. herausbrachte, äußerte sich jetzt in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „Corriere Della Sera“ („Abendzeitung“) über den angekündigten Amtsverzicht des Papstes.

Auf die Frage „Was sind die Charakteristika seiner Persönlichkeit?“ antwortete der kath. Publizist:

„Der Mut und die Genialität mit denen er Spirituelles einfach erklären kann, er ist eine Person von enormer Autorität, aber auch großer Leichtigkeit. Er macht es einem leicht, mit ihm ein Gespräch zu führen. Sein Pontifikat wird als das erinnert werden, das die absolute Zentralität Gottes wieder herausgestellt hat.“

Auf den Hinweis, daß das Pontifikat des Papstes kein leichtes war, verwies Seewald auf mangelnde Unterstützung aus dem Inneren des Vatikan bzw. der Kurie sowie der Kirche in Deutschland:

„Er fand sich in einer schwierigen Zeit vor die Aufgabe gestellt, regieren zu müssen. Wenn er sich entscheiden hatte zu handeln, handelte er. Aber er hätte mehr Unterstützung aus dem Inneren der Kurie und aus der deutschen Kirche bekommen müssen.“

Quelle: beiboot-petri.blogspot.de

Siehe hierzu ergänzend diesen Artikel, den wir am Tag der päpstlichen Rücktrittsankündigung veröffentlicht haben: https://charismatismus.wordpress.com/2013/02/11/papst-freund-max-seckler-muste-sich-benedikt-xvi-mit-vielen-intrigen-im-vatikan-herumschlagen/