Jung und selig: Der Märtyrer Marcel Callo

Heute  – am 19. April  –  ist der Gedenktag des im Jahre 1987 seliggesprochenen Märtyrers Marcel Callo, geboren am 6. Dezember 1921 in Rennes in Frankreich, gestorben am 19. März 1945 im KZ Mauthausen in Österreich

Er war das zweite von acht Kindern einer gläubigen katholischen Familie. Er wurde Schriftsetzer/Buchdrucker, zudem war er Ministrant und Pfadfinder, später bei der CAJ (Christlichen Arbeiter-Jugend).

Nach der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht verhalf er vielen Franzosen, die zur Zwangsarbeit abkommandiert waren, zur Flucht in die freie Zone des Landes. Selber wählte er die Unfreiheit in Deutschland, um vor allem durch dieses Opfer ein Vorbild zu sein: Er ging nach Deutschland, um andern zu helfen, diese schwere Zeit durchzuhalten.

1943 kam Marcel Callo ins Arbeitslager Zella-Mehlis, wo er trotz seiner stets labilen Gesundheit 10 bis 11 Stunden in einem Rüstungsunternehmen arbeiten musste. Am 19. April 1944 wurde er wegen seines religiösen Einsatzes unter den Kameraden verhaftet: Durch seine katholische Einstellung hatte er sich als Ärgernis für die NS-Diktatur erwiesen. 

Er kam erst ins Gefängnis nach Gotha, dann ins KZ Flossenbürg und im Oktober 1944 ins KZ Mauthausen. Dort starb er an den Folgen von Entbehrungen und Misshandlungen.

Marcel Callo wurde im Jahr 2004 mit eigenem Gedenktag in den Regionalkalender der deutschsprachigen Diözesen aufgenommen. In Frankreich sind ein Dutzend Kirchen seinem Patronat geweiht.

In Andechs hat die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) eine Reliquie des Seligen deponiert, mit der bei einer jährlichen Wallfahrt der Segen erteilt wird.

Er ist Patron der Betriebsseelsorge, der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) und KAB.


Zentralrat der Juden: Kriminalstatistik soll islamischen Antisemitismus mehr beachten

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat die Bevölkerung aufgefordert, sich im Alltag gegen Antisemitismus zu engagieren.

Die Mehrheit der Deutschen denke nicht antisemitisch, unterstrich Schuster in der Gedenkstätte des früheren NS-Konzentrationslagers Dachau. Deutschland sei ein Land, in dem Juden gut leben könnten.

BILD: Menora (siebenarmiger Leuchter) in der Synagoge von Münster

Während der Gedenkfeier beklagte Schuster den Antisemitismus unter Moslems in Deutschland. Es liege ihm fern, Moslems generell zu verurteilen: „Es nützt aber nichts, die Augen davor zu verschließen, daß es bei einigen Muslimen ausgeprägten Antisemitismus gibt.“  – Dieser werde von Eltern und teilweise auch Imamen so weitergegeben. Ein übriges täten arabische Fernsehsender und das Internet.

In seiner Rede schlug der Zentralratspräsident erneut vor, ein bundesweites Meldesystem für antisemitische Vorfälle einzurichten und kritisierte dabei die polizeiliche Praxis, Straftaten mit antisemitischem Hintergrund, zu denen kein Täter ermittelt werden kann, automatisch dem rechtsradikalen Spektrum zuzuordnen.

Die dabei entstehende Zahl von 90 Prozent aller entsprechenden Taten, für die angeblich Rechtsextremisten verantwortlich seien, stimme „mit den Erfahrungen“ von Juden „nicht überein“.

Quelle und Fortsetzung des Artikels hier: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2018/zentralratspraesident-beklagt-moslemischen-judenhass/


Ein großer Held der Kirche – der albanische Pfarrer Ernest Simoni – ist Kardinal geworden

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am 19. November 2016 hat Papst Franziskus 17 neue Kardinäle ernannt. Diese Kardinäle spiegeln, noch mehr als schon bisher, den Charakter der katholischen Weltkirche wider. gindert

Das kann man an den Personen der neuen Kardinäle aus Malaysia, Lesotho/Afrika, Bangui, Mauritius, Papua-Neuguinea und Bangladesch ablesen. Auch ein Brennpunkt des „Dritten Weltkrieges“, nämlich Syrien bekam einen Kardinal.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Es war schon bisher so, dass bei Kardinalsernennungen neben Bischöfen auch verdiente Männer  –  wie Theologen oder Kirchenhistoriker, z.B. Walter Brandmüller  –  die Kardinalswürde bekamen.

Dieses Mal wurde ein einfacher Priester, der 88-jährige albanische Pfarrer Ernest Simoni, zum Kardinal ernannt. Ihm war Papst Franziskus bei seinem Albanien-Besuch am 21. September 2014 begegnet.

Ernest Simoni ist ein Märtyrer der kommunistischen Unterdrückung, ein leuchtendes Vorbild und ein wahrer Held, auf den die Katholiken der Weltkirche stolz sein können! Warum?

Glaubensstärke auch in schwerster Zeit

Glaubenszeugen wie Simoni stellen so existentielle Fragen wie diese: Woher nimmt ein Mensch die Kraft, brutale Unterdrückung, die Verweigerung aller Menschenrechte und selbst Folter zu ertragen, ohne einzuknicken – jahrzehntelang?

Wir bewundern zu Recht die Bezwinger des Nangaparbat. Eine solche Expedition kann Wochen dauern. Wir bewundern die Ironmänner- und -frauen, die in 6 – 8 Stunden Wettkämpfe absolvieren, die vier Kilometer schwimmen, die den Teilnahmern eine Marathonstrecke von 42 km und noch 200 km Radfahren abfordern.

Foto: Evita GründlerErnest Simoni hat von 1948 bis 1990 die brutale Unterdrückung des ersten atheistischen Staates der Welt ertragen, den der kommunistische Diktator von Albanien Enver Hodscha ausgerufen hat. Übrigens ein Hinweis dafür, was die Menschen in einem gottlosen Staat erwartet. Doch darüber reden die Gutmenschen von heute nicht.

Ernest Simoni wurde am 18. Oktober 1928 in Troshani/Albanien geboren. Mit zehn Jahren trat er in ein Franziskanerkolleg ein und nahm seine Studien auf. Er wollte Priester werden.

Aus dem Kloster wurde ein Folterzentrum

1948 wurde das Franziskanerkloster von den Kommunisten geplündert. Die Franziskaner wurden erschossen. Die Novizen wurden vertrieben. Das Kloster wurde in ein Folterzentrum für Gefangene umgewandelt.

Simoni wurde vom Regime in ein verlassenes Nest in den Bergen geschickt. Er sollte dort Schulunterricht geben. Er nutzte aber die Möglichkeit, um die Menschen dort religiös zu unterweisen. Nach seiner Militärzeit (1953 – 1955) schloss er im Untergrund seine theologischen Studien ab und wurde zum Priester geweiht.

Am Weihnachtstag 1963 wurde er verhaftet und eingekerkert. Zuerst zum Tode verurteilt, wurde die Strafe in 25 Jahre Zwangsarbeit umgewandelt. In der Kerkerhaft wurde Simoni zum geistlichen Vater und zum Bezugspunkt der Mitgefangenen.

Am 27. Mai 1973 wurde Simoni als „Anstifter einer Revolte“ erneut zum Tode verurteilt. Wegen des Zeugnisses seiner Mitgefangenen für ihn wurde aber das Urteil nicht vollstreckt. Kerkeraufenthalt und Zwangsarbeit dauerten insgesamt 18 Jahre. 12 Jahre davon musste er im Bergbau arbeiten.

Nach der Haftentlassung 1981 wurde er als erklärter „Feind des Volkes“ in den Kanalisationsarbeiten von Skutari bis zum Untergang des kommunistischen Regimes eingesetzt. Nach der Befreiung forderte er nicht die Bestrafung der Unterdrücker, sondern setzte sich in ganz Albanien für die Aussöhnung seiner Landsleute ein.


Nachdenklicher israelischer Spielfilm „Aviyas Sommer“ am 7.12.2015 in Berlin

Im Montagskino und im Rahmen des Begleitprogramms zur Kabinettausstellung „Im fremden Land“ zeigt das Jüdische Museum Berlin am 7. Dezember den Film „Aviyas Sommer“ von Eli Cohen.
„Aviyas Sommer“ (Ha-Kayitz Shel Aviya), Regie: Eli Cohen, Israel 1988, ca. 95 Min., Hebräisch mit deutschen Untertiteln

In den Sommerferien 1951, kurz nach der Gründung Israels, besucht die zehnjährige Aviya ihre depressive Mutter Henya in einem kleinen Dorf bei Tel Aviv.

Henya hat im Zweiten Weltkrieg in einem KZ die Shoah überlebt und ist nach der Befreiung nach Israel emigriert. Ihre Vergangenheit kann sie, gerade erst aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen, noch immer nicht verarbeiten. Mutter und Tochter stoßen in dem kleinen Dorf auf das Unverständnis der Einheimischen; sie werden verspottet.

Montag, 7. Dezember 2015, 19.30 Uhr
Ort: Jüdisches Museum, Altbau EG Auditorium, Lindenstr. 9 – 14, Berlin
Eintritt frei

Quelle: israelische Botschaft in Berlin


Jüdischer Autor Henryk Broder: Die Deutschen sind nicht gefährlich, sondern gefährdet

„Geduldig, opferbereit, teilweise sogar blöde“

Am 6. Oktober 2015 veröffentlichte „SPIEGEL-online“ ein Interview mit dem deutsch-jüdischen Publizisten Henryk M. Broder unter dem Titel „Ein geduldiges, opferbereites, teilweise sogar blödes Volk“ – gemeint sind damit die Deutschen.  DSC_0568

Der in Polen geborene Journalist, dessen Eltern mehrere Nazi-KZs überlebten, wohnt seit 1958 in Köln; er erhielt mehrere Auszeichnungen, zB. im Jahre 2007 den literarischen Börne-Preis. 

Der vor allem wegen seiner deutlichen Islamkritik bekannte und unter Linken unbeliebte Schriftsteller antwortet auf die „Spiegel“-Frage, ob die Deutschen ein „gefährdetes Volk“ seien, folgendermaßen: 

„Ja, nicht ein gefährliches Volk, aber ein gefährdetes Volk, auch ein schwaches Volk. Ich war im Frühjahr in Armenien. Dort würde niemand auf die Straße gehen und schreien: Armenien muss bunter werden. Nationalstolz und Nationalbewusstsein sind dort ganz selbstverständlich vorhanden. Ganz anders in Deutschland. Da gibt es eine sonderbare Form der Selbstverachtung, die andere Nationen nicht haben.“ 

Er fügt hinzu: „Die Deutschen sind heute eher gutmütig und geduldig. Wenn Sie mich vor zwanzig Jahren gefragt hätten, was die Deutschen machen, wenn ihnen die Regierung keine Zinsen mehr auf ihre Ersparnisse geben würde, dann hätte ich gesagt: Revolution! Die Minister an die Laternen.

Aber es ist nichts passiert: Sie sind ein geduldiges, opferbereites, teilweise sogar blödes Volk, weil sie sich ausnehmen lassen.“

Judenfreundliche Deutsche – deutschfreundliche Israelis

Interessant ist auch die Antwort Broders auf die Frage des Interviewers, wie die Deutschen mit ihm umgehen: 1426245_577880468934571_1029821405_n

„Ich kann mich nicht beschweren, die Zahl der antisemitischen Attacken, die ich in dieser Zeit erlebt habe, würde keine zwei Hände füllen, vermutlich eine Hand. Der Alltag ist völlig normal.“

Auf die Frage, ob er in Israel als Deutscher gelte, erzählt der Autor, daß er dort „als Deutscher durchgeht“:

„Ich trage eine Basecap mit einer deutschen Fahne drauf. Wenn Sie dort sagen, dass Sie aus Deutschland kommen, macht der Taxifahrer sofort das Taxameter aus und fährt Sie zum halben Preis. Das ist kein Witz! Bei allen internationalen Fußballspielen sitzen die Israelis am Strand und drücken Bayern München die Daumen.“

Warnung vor einem Import religiös-kultureller Konflikte

Broder hat sich überdies bereits am 25. August 2015 zur aktuellen Flüchtlingsdebatte geäußert. Unter dem Titel „Wer nur Mitleid empfindet, der hat keinen Verstand“ beginnt sein Artikel in der Tageszeitung „Die Welt“ mit den Worten:

„Deutschland gibt sich gern weltoffen, tolerant und reich. Ein Tischleindeckdich. Doch unser Urteilsvermögen scheint vor Mitleid für Flüchtlinge getrübt zu sein. Dabei müsste jetzt Vernunft herrschen.“

Der Autor schreibt zum Beispiel, wer angesichts von Flüchtlingsbildern kein Mitleid empfinde, habe kein Herz, wer aber „nur“ Mitleid empfinde, habe keinen Verstand.

Zudem warnt Broder vor den Folgen einer ungebremsten Einwanderung: „Was wir derzeit importieren“, schreibt er glasklar, seien „nicht nur „ethnische“, also kulturelle und religiöse Konflikte“, sondern  – frei nach Marx  –  auch „eine „industrielle Reservearmee“, für die es keine Beschäftigung gibt und keine geben wird, das Lumpenproletariat von morgen und übermorgen.“

In diesem Interview mit dem Nachrichtensender „N-24“ äußert sich der Publizist über die verhängnisvolle Politik der Bundeskanzlerin hinsichtlich der gegenwärtigen Einwandererschwemme; aus seiner Sicht grenzt ihre Vorgangsweise an „Untreue im Amt“: https://www.youtube.com/watch?v=NNg-VFd3M0A

Aus der Sicht eines Strafrechtsprofessors sieht diese Causa noch bedenklicher aus: http://www.focus.de/politik/deutschland/unerlaubter-grenzuebertritt-objektiv-gefoerdert-strafrechtler-kanzlerin-merkel-macht-sich-mit-fluechtlingspolitik-strafbar_id_5005328.html

Neben diesen Stellungnahmen ist auch die Äußerung des ehem. slowakischen Parlamenspräsidenten und heutigen Europa-Abgeordneten Richard Sulik interessant, der Merkels Asylpolitik   – in deutscher Sprache  –  deutlich kritisiert: https://www.youtube.com/watch?feature=youtu.be&v=p3c3dNIet-c&app=desktop

1. Foto: Dr. Bernd F. Pelz, 2. Foto: Israelische Botschaft in Berlin


Jüdischer Widerstand und Aufstand im nationalsozialistischen KZ Sobibor

Der israelische Historiker Prof. Dr. Gideon Greif widmet sich der Erforschung der NS-Judenvernichtung und der frühen Geschichte des Staates Israel.

In seinen Vorträgen vermittelt er verschiedene Unteraspekte dieser Themen, auf die er ein neues Licht zu werfen versucht. In den nächsten Monaten plant Professor Greif, für eine Reihe von Vorträgen nach Deutschland zu reisen.

Im Folgenden beispielhaft ein kurzer Text zum jüdischen Aufstand in Sobibor:

In drei von sechs nationalsozialistischen Vernichtungslagern führten jüdische Häftlinge Aufstände gegen ihre deutschen Unterdrücker durch: In Treblinka, am 2. Juni 1943, in Sobibor am 14. Oktober 1943 und in Auschwitz-Birkenau am 7. Oktober 1944.

Insbesondere für den Aufstand in Sobibor wurden von den aufständischen Häftlingen komplexe Pläne und Methoden des Aufstandes erdacht und ausgeführt. Auf diese Weise konnte der Aufstand beeindruckende Erfolge erzielen.

Zahlreichen Häftlingen gelang während des Aufstandes die Flucht aus dem Lager (…). Außerdem trug der Aufstand in Sobibor zentral dazu bei, dass die Nationalsozialisten die Ermordung der Juden in diesem Lager schnell beendeten und das Lager auflösten.

Der erfolgreiche Aufstand in Sobibor beweist eindrucksvoll, dass die Anschuldigung, die Juden hätten sich während des Holocausts „wie Schafe zur Schlachtbank treiben“ lassen, nicht zutrifft. Wann immer sich die Chance bot, kämpften Juden um ihr Leben und sie taten dies mit Mut und Würde.

Kontaktdaten von Prof. G. Greif: dr.gideon.greif@gmail.com

Quelle: Newsletter der israelischen Botschaft


Gerhard Hirschfelder: ein jugendbewegter Kaplan wurde Märtyrer in Dachau

Von Felizitas Küble

Am 19. September 2010 wurde der schlesische Jugendseelsorger Gerhard Hirschfelder im Paulusdom von Münster zur Ehre der Altäre erhoben. Es war die erste Seligsprechung in der westfälischen Bischofsstadt seit 2000 Jahren.

Der 1942 im KZ Dachau verstorbene Geistliche (siehe Foto) gilt als Vorbild christlicher Tapferkeit, als großer Bekenner der Kirche und zugleich als Brückenbauer zwischen Deutschland, Polen und Tschechien.

Der neue Selige wirkte einst als Kaplan in der schlesischen Grafschaft Glatz, damals eine deutsche Grenzregion unweit Böhmens, die kirchenrechtlich zu Prag gehörte; infolge der Vertreibung der Deutschen ab 1945 kam das Gebiet unter polnische Verwaltung.

Heute soll der Priester Hirschfelder, der ein Vorbild im Leben und im Sterben war, vor allem Deutsche, Polen und Tschechen im Glauben verbinden und zur Verständigung unter diesen Nachbarvölkern beitragen.

Mit einer Seligsprechung wird durch ein Dekret des Papstes festgestellt, daß ein von vielen Katholiken geschätzter „Diener Gottes“ besonders vorbildlich aus dem Glauben lebte und daß er regional verehrt werden darf (meist bezogen auf sein Heimatbistum).

Der am 17. Februar 1907 in der schlesischen Grafschaft Glatz geborene Gerhard Hirschfelder studierte an der Universität Breslau Philosophie und Theologie.   Am 31.1.1932 wurde er von Kardinal Bertram zum Priester geweiht. Nach seiner Kaplanszeit in Grenzeck  ernannte ihn sein Bischof zum verantwortlichen Jugendseelsorger für das ganze Bistum Glatz.

Diese Aufgabe paßte zu Kaplan Hirschfelder wie angegossen, war er doch bereits als Heranwachsender von der katholischen Jugendbewegung „Quickborn“ geprägt, die der bekannte Priester und Schriftsteller Romano Guardini leitete.

Kaplan Hirschfelders Wirken war stark vom „jugendbewegten“ Geist geprägt:   Er ging mit den jungen Leuten auf Fahrt und ins Zeltlager, spielte in froher Runde die Klampfe (Gitarre), sang Volks- und Fahrtliedern mit ihnen und machte mit bei Spiel und Sport; er traf sich mit der Jugend zu Glaubensstunden, die er stets mit dem Volkslied „Kein schöner Land in dieser Zeit“ beendete.

Nach Hitlers Machtübernahme am 30.1.1933 geriet Kaplan Hirschfelder immer wieder in Auseinandersetzungen mit der nationalsozialistischen Diktatur, vor allem wegen seiner erfolgreichen Jugendarbeit.

Schon bald erfuhr die regionale NS-Parteiführung von den unerschrockenen Predigten Kaplan Hirschfelders, in denen  er sich gegen den Ungeist des Nationalsozialismus wandte und vor allem die staatliche Hetze gegen die Kirche geißelte.

Daher verhaftete die Gestapo den Priester, den sie schon vorher bespitzelt und mehrfach verhört hatte, am 1. August 1951 während einer abendlichen Jugendstunde. Nach 4 Monaten Gefängnis in Glatz wurde Kaplan Hirschfelder ins KZ Dachau eingeliefert.

Die Aktivitäten des Geistlichen waren den braunen Schergen ein Dorn im Auge, zumal er Mädchen und Jungen zu tausenden von der staatlichen „Hitlerjugend“ fernhielt  –  zumindest innerlich. Durch Musik, Gesang, Theaterspiele, Fahrt und Lager vermittelte er jungen Christen eine „fromme Fröhlichkeit“ in schwerer Zeit.

Heinrich Himmler, Reichsführer-SS und Chef der NS-Polizei, versuchte mit allen Mitteln, die kirchliche Jugendarbeit, die durch das sog. „Staatskonkordat“ geregelt war, zu erschweren. So untersagte er katholischen Gruppen z.B. das Tragen von Fahnen, Wimpeln und Uniformen. 1936 wurde die HJ (Hitlerjugend) zur alleinigen Staatsjugend erklärt. Bereits 1937 wurde Kaplan Hirschfelder wegen seiner tapferen Predigten von Denunzianten angezeigt und mehrfach von der Gestapo verhört.

Durch seine mitreißende Verkündigung und durch eine von der kath. „Jugendbewegung“ geprägte Seelsorge konnte der Geistliche viele jungen Katholiken für die Ideale des Glaubens begeistern. Daher wurden seine Predigten bespitzelt, seine Gruppenstunden überwacht und seine Wohnung mehrfach durchsucht.

Doch der junge Geistliche ließ sich durch staatliche Schikanen nicht beirren; sein geistiges Auge richtete sich auf die Ewigkeit, auf Gottes große Zukunft und seine Verheißungen.

Damals lebte die von den Nationalsozialisten ebenfalls bedrängte katholische Dichterin Ruth Schaumann, deren Lyrik vielen Menschen neuen Mut schenkte. Eines ihrer Gedichte illustriert die damalige Situation von Kaplan Hirschfelder wohl sehr treffend:

„Eine Taube auf dem Dache                                                                                             
trinkt den Regen ohne Bangen;
stürzt das Dach, so wird sie fliegend
eine andere Rast erlangen.

Und ein Korn, vom Stein zerrieben,
wird zum Staube, wird zum Mehle,
wird zum Brot, der Ärmsten Speise,
wird Gebet. – Was zagst Du, Seele?“

Die Kirchenleitung schätzte den Seeleneifer des beliebten Kaplans und ernannte ihn daher zum Jugendseelsorger der gesamten Grafschaft Glatz. Das war sicher gut für die jungen Katholiken, aber gefährlich für den Priester selbst.

Als es ihm gelang, im Juni 1941 weit über 2000 Jugendliche in Albendorf zu einem großen „Bekenntnis-Sonntag“ zu versammeln, der von Nazis gestört wurde, nahmen die Spannungen mit der kirchenfeindlichen Staatsmacht weiter zu.

Am 1. August 1941 wurde der Geistliche wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ verhaftet und ins Gefängnis nach Glatz gebracht. Dort verfaßte der Kaplan einen nachdenklichen Kreuzweg, Gebete und Gedichte, darunter die denkwürdigen Worte:

Herr, wenn man mir auch meine äußere Ehre nimmt, so bleibe ich doch ein Kind Gottes, ein Kämpfer Gottes, ein Priester Gottes  –  das kann mir niemand nehmen.“

Der Geistliche wird schon damals mit der Möglichkeit seines Todes gerechnet haben. Vielleicht erinnerte er sich dabei an das bekannte Gedicht „Letzte Worte“ der münsterländischen Poetin Annette von Droste-Hülshoff, Deutschlands größter Dichterin:

„Geliebte, wenn mein Geist geschieden,
dann weint mir keine Träne nach,
denn wo ich weile, dort ist Frieden,
dort leuchtet mir ein ewiger Tag.

Wo aller Erdengram verschwunden,
soll euer Bild mir nicht vergehn,
und Linderung für eure Wunden,
für euren Schmerz will ich erflehen.“

Von Glatz aus überführten ihn die NS-Machthaber am 15. Dezember 1941 ins KZ Dachau. Dort waren mehr als 2800 katholische Geistliche inhaftiert, zudem hunderte Ordensleute.

In Priesterlager Dachau verfaßte der Kaplan 1941 das folgende Gebet, das seine innere Haltung bezeugt:

„HERR, wenn man mir auch meine äußere Ehre nimmt, ich bleibe doch ein Kind Gottes, ein Kämpfer Gottes,  ein Priester Gottes  –   das kann mir niemand nehmen. Laß mich deshalb froh bleiben in allem Leiden.“

Auch hinter Stacheldraht blieb sein Gottvertrauen unerschütterlich. In seinem seiner Briefe aus dem KZ an seine Pfarrjugend heißt es:

„Unseren wirklichen seelischen Reichtum kann die Welt nicht erkennen…und so kann der Christ, besonders der Priester, immer der fröhlichste Mensch sein.“    

Wenige Tage vor seinem Tod schrieb er an seinen früheren Pfarrer in Habel-schwerdt: „So wünsche ich Dir von ganzem Herzen die Kraft, die ich selbst schöpfe aus dem Vertrauen auf die Vorsehung Gottes. Damit wollen wir in die Zukunft schauen.“

Der Jugendseelsorger war zwar ein starker Charakter, jedoch nicht von kräftiger Statur. Das unmenschliche Lagerleben im KZ Dachau richtete seine Gesundheit zugrunde. Eines Tages brach er infolge des Hungers völlig entkräftet zusammen und starb am 1. August 1942 im Alter von 35 Jahren.  Sein Heimgang zum ewigen Vater erfolgte auf den Tag genau 1 Jahr nach seiner Gefangennahme. Sein Grab erhielt der Märtyrer auf dem Friedhof in Grenzeck in der Grafschaft Glatz.

Die katholische Kirche erinnerte nach dem Tod von Kaplan Hirschfelder mit einem Andachtsbildchen an den glaubensstarken Geistlichen. Darin findet sich das verheißungsvolle Gotteswort aus dem Alten Testament: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“ (Psalm 126,5)

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr.1/2011)