Prophetien zum „Gegenpapst“ Franziskus?

Auf dem katholischen Internetseite „Tradition und Glauben“ wird über die Frage gemutmaßt, ob Franziskus überhaupt ein gültig gewählter Papst sei  – und nicht vielmehr ein Gegenpapst   –  und folglich Benedikt noch rechtmäßig im Amte. Foto Michaela Koller

Nun kann man über alles Mögliche bis Unmögliche diskutieren, selbstverständlich kann man auch Sachkritik an Äußerungen von Franziskus üben (wozu aus meiner Sicht ohnehin reichlich Anlaß besteht), doch die Voraussetzungen, unter denen man eine bestimmte steile These aufstellt, sollten schon Hand und Fuß haben.

Im Artikel „Die Stimme des Gegenpapstes“ vom 17. August 2016 wird die erwähnte Behauptung mit „Prophetien“ eingeleitet, welche u. a. die eigene Begründung untermauern sollen. 

Zunächst heißt es, daß Gott uns „Prophetien“ schenke, um uns in „außergewöhnlichen Zeiten um Umständen zu helfen“. Freilich fragt man sich, ob nicht fast jede Phase der Geschichte sich gleichsam als „außergewöhnlich“ empfunden hat  – aber sei es drum.

La Salette und Fatima unzutreffend zitiert

Weiter heißt es, Gott habe sogar „seine eigene Mutter“ gesandt, um uns vor gegenwärtigen Ereignissen zu warnen. Zitiert wird u.a. folgende „Botschaft“ aus La Salette:

Rom wird den Glauben verlieren und der Sitz des Antichrist werden.”

Was allerdings unerwähnt bleibt: Es handelt sich bei dieser Aussage nicht um den kirchlich approbierten (genehmigten, gebilligten), also den ersten und „eigentlichen“ Teil der La-Salette-Botschaft, sondern um ein Zitat aus späteren Visions-Anmerkungen der Seherin Melanie, welche von der Kirche ausdrücklich abgelehnt wurden.

Zur Sache selbst sei zugleich angemerkt, daß jener Satz auch in sich selber unlogisch ist: Radio Vatikan

Was heißt hier „Rom“? Die Haupstadt Italiens? Was spielt es gesamtkirchlich für eine Rolle, ob diese Stadt vom Glauben abfällt oder nicht?

Sollte aber mit Rom der Vatikan gemeint sein, so träfe diese Prophetie auf die These von Franziskus als einem Gegenpapst durchaus nicht zu, denn der Vatikan besteht beileibe nicht nur aus dem Papst, sondern aus zahlreichen Kurienkardinälen, Würdenträgern, Bischöfen, Prälaten usw.  – Haben diese etwa alle „den Glauben verloren“?  – Zudem: Damit Rom der Sitz des Antichristen werden kann, muß dieser erst einmal existent sein bzw. öffentlich aufgetreten sein, wovon  –  jedenfalls derzeit  –  keine Rede sein kann.

Noch kurioser ist die Behauptung, daß „Unsere Liebe Frau von Fatima“ angeblich folgende Ansage verkündigt haben soll: 

Satan regiert sogar an den höchsten  Stellen und bestimmt die Richtung der Dinge. Er wird es schaffen, sich seinen Weg sogar in die höchsten Gipfel der Kirche zu schlängeln…”

Dieser Satz findet sich jedoch nirgendwo in den Botschaften von Fatima – und auch nicht in den sonstigen Äußerungen der Hauptseherin Lucia. Es handelt sich dabei lediglich um eine willkürliche Spekulation über das „3 Geheimnis von Fatima“, wobei die diesbezügliche Gerüchteküche vor der Veröffentlichung im Jahre 2000 ohnehin ins Kraut schoß.

Franz von Assisi und seine angeblich „prophetische“ Botschaft

Damit nicht genug, wird auch noch auf eine angebliche Privatoffenbarung des Ordensgründers Franz von Assisi zurückgegriffen. Darin heißt es über spätere Zeiten: Herz-Jesu_01

„Die Teufel werden ungewöhnliche Macht haben, die unbefleckte Reinheit unseres Ordens, und die anderer Orden, wird so sehr verdunkelt, dass es sehr wenige Christen geben wird, die dem wahren Papst und der Römischen Kirche mit treuem Herzen und in perfekter Liebe folgen werden. Zur Zeit dieser Drangsal wird ein Mann, der nicht kanonisch gewählt wurde, zum Papst erhoben werden, der durch seine Raffinesse sich nach Kräften bemühen wird, viele in Irrtum und Tod zu stürzen.

Die Skandale werden sich vervielfachen, unser Orden wird geteilt werden, und viele andere Orden  werden vollkommen zerstört werden, weil sie dem Irrtum beipflichten, statt ihn zu bekämpfen.“

Abgesehen davon, daß sich dieser Orden bereits zu Lebzeiten des hl. Franziskus geteilt hat und später zahlreiche weitere Abspaltungen erlebte, wird man wohl dem derzeitigen Papst kaum „Raffinesse“ unterstellen bzw. (je nach Standpunkt) „zugutehalten“ wollen, vielmehr äußert er sich bisweilen eher in die banale bis plumpe Richtung, die keine oder jedenfalls wenig Raffinesse aufweist.

Am Ende dieser Prognosen-Auflistung heißt es, bei diesen und anderen Botschaften sei das übereinstimmende Thema ein „massenhafter Abfall vom Glauben – von oben nach unten“.

Spielt die biblische Prophetie keine Rolle?

Interessanterweise bleibt aber völlig unerwähnt, daß man für die Vorstellung von einem endzeitlichen Glaubensabfall keiner einzigen „Privatoffenbarung“ bedarf, sondern daß diese „Zukunftsmusik“ sich vielmehr aus mehreren Stellen der Heiligen Schrift klar ergibt  –  aber die Bibel rückt bei manchen angeblich „traditionstreuen“ Katholiken wohl gleich gar nicht ins Blickfeld? 0018

Dabei schreibt schon Petrus, der erste Papst, den Christen folgendes zum Thema biblische Prophetie ins Stammbuch:

„Und so besitzen wir umso zuverlässiger das prophetische Wort  – und ihr tut gut daran, daß ihr darauf achtet wie auf ein Licht, das aufstrahlt an dunkler Stätte, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen“ (2 Petr 1,19).

Der Völkermissionar Paulus erläuterte den Thessalonichern hinsichtlich der Phase vor der Endzeit zudem Folgendes:

„Laßt euch von niemandem verwirren oder in Schrecken versetzen, weder durch eine vermeintliche Geistesoffenbarung noch durch einen Ausspruch oder einen angeblichen Brief von uns (…), als ob der „Tag des Herrn“ schon bevorstehe. Niemand soll euch in irgendeiner Weise irreführen!

Denn zuerst muß der Abfall kommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit sich offenbaren, der Sohn des Verderbens (…) Sein Auftreten erfolgt in der Kraft Satans, mit aller Macht, mit scheinbaren Zeichen und Wundern und mit aller Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben“ (2 Thess. 2 ff).

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Warum die katholische Kirche gegenüber „Privatoffenbarungen“ vorsichtig ist

Die Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“ veröffentlichte in ihrer Ausgabe Nr. 13/2005 eine Zeitschriftenkritik bzw. Besprechung von „Theologisches“ unter dem Titel „Offenbarung oder Täuschung?“. Theologisches

Werner Olles befaßt sich darin auch mit der grundsätzlichen Haltung der katholischen Kirche gegenüber Erscheinungen, Visionen, „Botschaften“, also sog. Privatoffenbarungen. Wir veröffentlichen nachfolgend die entsprechenden Abschnitte, die das Thema fundiert und zutreffend beleuchten:

Die (…) katholische Monatsschrift „Theologisches“ befaßt sich in einem aktuellen Sonderheft mit der Thematik „Neuere Marienerscheinungen“. Weil gerade unter traditionsverbundenen Katholiken die Tendenz, sich bestimmten Marienerscheinungen und Privatoffenbarungen zuzuwenden, stark anstieg, warnte der Kanonist (Kirchenrechtler) Hans Barion bereits zu Beginn der siebziger Jahre vor der Unart „naiver Anti-Progessisten“, sich auf das Gebiet der „Muttergotteserscheinungen abdrängen zu lassen“.

Diese spezielle Frömmigkeit sei dabei, die dringend notwendige geistige Auseinandersetzung mit der als bedrückend empfundenen Glaubenskrise zu ersetzen.

Inzwischen verschwimmen gar esoterische Themen und Thesen mit Visionen und Privatoffenbarungen und haben längst Eingang in die Verlagsprogramme einstmals gut katholischer Verlage gefunden.  media-372515-2

Und in Internetpublikationen wird nicht nur für Medjugorie und Heroldsbach, zwei kirchlicherseits nicht anerkannte Erscheinungsorte, sondern auch für Salzkristall-Lampen und ähnlichen Esoterik-Tand geworben.

Zwar besagt die grundlegende theologische Lehre, daß private Offenbarungen, marianische Erscheinungen und wunderbare Heilungen, aber auch Erscheinungen Jesu Christi und mit ihnen verbundene Zeichen möglich sind, das Grundproblem ist jedoch die Frage nach ihrer Authentizität. Massensuggestion und die Kraft des Unterbewußtseins machen es oft nicht leicht, eine wahre Erscheinung von einer Illusion oder Täuschung zu unterscheiden.

Dabei läßt sich die Kirche von dem Prinzip leiten, daß bei Privatoffenbarungen die übernatürliche Wirkung nicht vorausgesetzt werden darf, sondern nach strengen Regeln überprüft werden muß.

Bis heute sind von der (vatikanischen) Ritenkongregation nur Lourdes, La Salette, Fatima und Guadalupe als echte marianische Erscheinungen anerkannt worden.

Um jegliche Autosuggestion, Sinnestäuschung und subjektive Wahrnehmungsphänomene auszuschließen, die beispielsweise durch das Eindringen des Charismatismus in die Kirche zugenommen haben, werden inzwischen bei Privatoffenbarungen auch Psychiater und Mediziner eingeschaltet. Halluzinationen, Simulationen, Hysterie und Geltungssucht können so besser dargestellt werden, ohne sich damit verengte materialistische Denkweisen zu eigen zu machen oder vorschnell von „religiösem Wahn“ zu sprechen.

Quelle und vollständiger Text hier:  http://jungefreiheit.de/service/archiv/


Michael Hesemanns Buch über Fatima

1. Teil der Rezension von Felizitas Küble

Das 330 Seiten starke Sachbuch von Michael Hesemann mit dem Titel „Das Fatima-Geheimnis“ und einem Vorwort von Kardinal Joachim Meisner erschien merkwürdigerweise im esoterischen Kopp-Verlag.

Vielleicht bestehen inhaltliche Überschneidungen zwischen Verlag und Autor wegen der früheren UFO-Schriften Hesemanns (wobei er sich noch im Jahre 2008 öffentlich zu UFO-Überzeugungen bekannte).

Offenbar wurde sein etwas reißerisch aufgemachtes Fatima-Buch nicht schlecht verkauft, denn im Dezember 2009 erreichte es bereits die vierte Auflage.

Der Untertitel deutet an, daß darin außer Fatima auch weitere Privatoffenbarungen thematisiert werden: „Marienerscheinungen, der Papst und die Zukunft der Menschheit.“

Auf S. 89 erklärt der Historiker, sein Buch solle „untersuchen, was damals in Fatima tatsächlich geschah, „sine ira et studio“ (ohne Zorn und Eifer) und ohne Wertung.“

Zweifellos ein hoher Anspruch, dem der Autor nur zum Teil gerecht wurde. Mag das Buch auch ohne Zorn geschrieben sein, so doch nicht ohne Eifer – und schon gar nicht „ohne Wertung“.

Allerdings muß man dem Verfasser zugutehalten, daß er sein Thema stellenweise immerhin differenzierter beleuchtet, als dies sonst in der Fatima-Publizistik üblich ist.

Der „Eifer“ Hesemann nimmt mitunter pathetische Formen an, die das Ereignis Fatima überstark dramatisieren, etwa wenn er davon ausgeht, daß die dortigen Erscheinungen „letztendlich Weltgeschichte machen sollten“ (S. 26) oder wenn er vom Erscheinungsjahr 1917 schreibt, es sei für die drei Seherkinder das Schicksalsjahr geworden „und durch sie das Schicksalsjahr der Menschheit“ (S. 31). Warum nun gleich der „Menschheit“?

Ähnlich heißt es auf S. 13: „Durch Fatima war das große Wunder des 20. Jahrhunderts, die friedliche Öffnung des Eisernen Vorhangs, das Ende des Kalten Krieges, der Fall des atheistischen Kommunimus, erst möglich.“ (S. 13)  Auch wenn, wie der Autor meint, Papst Johannes Paul II. hiervon überzeugt war, so hätte man für diese recht steile These, daß Fatima den Untergang des Kommunismus „erst möglich“ gemacht habe, doch gerne eine einleuchtende Begründung gelesen.

Ebenfalls auf S. 13 schreibt Hesemann zu Fatima: „Keiner himmlischen Manifestation der Neuzeit fühlten sich die Päpste seit Pius XII. so eng verbunden“.  – Diese Behauptung trifft ersichtlich allein auf Johannes Paul II. zu, keineswegs aber allgemein auf „die Päpste seit Pius XII.“.

Es scheint, als ob der Verfasser die Bedeutung des von ihm gewählten Buch-Themas mit solch überzogenen Äußerungen bekräftigen wolle.

Wesentlicher Unterschied zur göttlichen Offenbarung

Auffallend ist, daß er den Ausdruck „Privatoffenbarung“ vermeidet und lieber von „Offenbarung“ oder „Marienoffenbarung“ schreibt. Sein einführender Grundsatzartikel trägt sogar den pauschalen Titel „Die Offenbarung“ (S. 10).P1020947

Die kath. Kirche ordnet aber auch die von ihr anerkannten Erscheinungen als „Privatoffenbarung“ ein, um sie dadurch klar von der göttlichen Offenbarung (auch „öffentliche“ Offenbarung genannt) abzugrenzen. 

Diese „Offenbarung Gottes“ ist uns durch die Hl. Schrift und die apostolische Überlieferung bezeugt; sie gehört daher zum verbindlichen Glaubensgut der Kirche, nicht jedoch Privatoffenbarungen, zumal sich diese von der „öffentlichen Offenbarung“ nicht nur graduell, sondern wesentlich unterscheiden.

(Näheres dazu siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/10/29/was-bedeutet-die-kirchliche-approbation-einer-privatoffenbarung-genau/)

In puncto Bibelexegese bietet Hesemann mitunter eine eher oberflächliche Schmalspur-Theologie, garniert mit phantasievollen Legenden aus apokryphen „Evangelien“ (z.B. S. 14 und 15), die bekanntlich nicht zum biblischen Kanon zählen.

So verengt er die bekannten Abschnitte aus der Johannes-Apokalypse (Offb. 12,1 ff) über das „große Zeichen am Himmel“ und über die „Frau, mit der Sonne bekleidet…“ auf seine verkürzte Marien-Deutung: „Johannes wußte, dass diese Frau Maria war.“

Die SONNENFRAU ist vor allem die KIRCHE

Selbst unter betont marianischen Theologen   –  erinnert sei zB. an die mariologischen Schriften des Kardinals und Professors Dr. Leo Scheffczyk   –   ist es unbestritten, daß die primäre, die wesentliche Bedeutung des „großen Zeichens“ sich auf die Kirche bezieht  –  genauer: auf das Gottesvolk des Alten und des Neuen Bundes. bildma1

Die selige Jungfrau ist als Mutter des HERRN und als personifizierte Brücke vom Alten zum Neuen Bund natürlich das edelste Glied des Gottesvolkes, die höchstrangige Tochter der Kirche. Insofern bezieht sich die sekundäre, nachrangige Deutung dieser Bibelstelle tatsächlich auf die Gottesmutter.

Der hl. Kirchenvater und bedeutende Bibelexeget Hippolyt von Rom schrieb am Ende des 2. Jahrhunderts in seiner Schrift „De Antichriste“ (Kapitel 61):

„Mit der Frau, die von der Sonne bekleidet ist, meint Johannes  ohne Zweifel die Kirche. Denn sie ist angetan mit dem Logos (Christus), dem vom Vater gezeugten, der heller leuchtet als die Sonne.“

Auch der „Hirte des Hermas“ (verfaßt von Hermas von Rom um 145 n. Chr.), eine der wichtigsten frühchristlichen Schriften, bezieht das „große Zeichen“ auf die Kirche  – und die „12 Sterne“ deutet er auf die 12 Apostel (wie bei den Kirchenlehrern üblich).

Der bekannte mittelalterliche Mönch Rupert von Deutz erläutert ebenfalls: „Die sonnenumkleidete Frau ist das Symbol der Kirche, deren bester Teil die selige Jungfrau Maria ist, durch die glückselige Frucht ihres eigenen Leibes.“

Daß Hesemann diese primäre Kirchen-Auslegung betr. der „Sonnenfrau“ völlig unerwähnt läßt und stattdessen munter mit apokryphen Legenden fortfährt, erlaubt einige Zweifel an seinem mariologischen Kenntnisstand.

Dort, wo es darauf ankäme, Mariens biblisch bezeugte Vorrangstellung angemessen zu betonen, läßt es der Autor hingegen an Sorgfalt fehlen:

So benennt er auf S. 16 den Gruß des Engels wie folgt: „Sei gegrüßt, Begnadete, der Herr ist mir Dir.“  –  Doch was heißt schon „Begnadete“? –  Begnadet sind alle Christen, alle Getauften! 

Ave Maria: „Sei gegrüßt, du Gnadenvolle!“3068

Mag dieser flache Ausdruck so auch in der ökumenischen Einheitsübersetzung zu lesen sein, so haben orthodoxe und sogar evangelische Bibelausgaben an dieser Stelle das Wort „Hochbegnadete“ verwendet.

In bewährten katholischen Übersetzungen (z.B. in jener von P. Konstantin Rösch oder der Keppler-Bibel) wird zu Recht meist das Wort „Gnadenvolle“ verwendet, zuweilen auch „Gnadenreiche“.

Papst Benedikt zitiert Lk 1,28 (griechischer Urtext: Chaîre kecharitomene) ebenfalls mit „Freue dich, du Gnadenvolle“, z.B. bei seiner Generalaudienz am 19.12.2012 und in seinen Büchern.

Wenn sich Hesemann mit weiteren Erscheinungen befaßt, die er teils im Schnelltempo durchläuft, führt dies manchmal zu mißverständlichen Darstellungen.

So schreibt er betreff La Salette von der „großen apokalyptischen Botschaft“ (S. 18), welche die beiden Hirtenkinder Melanie und Maximin  empfangen haben wollten. Dies klingt deshalb irreführend, weil jene „apokalyptische“ Botschaft (das sog. „Große Geheimnis“), mit dem Melanie erst Jahrzehnte später herausrückte, kirchlich abgelehnt wurde  –  lediglich die bereits 1846 verkündeten Worte Mariens fanden die Zustimmung des zuständigen Bischofs.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster

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Das „Große Geheimnis“ von La Salette: Kommt ein weltweites „Gottesreich“ ?

Die bekannte Marienerscheinung im französischen Bergdorf La Salette wurde zwar im Jahre 1851 durch den Bischof von Grenoble genehmigt, allerdings bezog sich dies allein auf die sog. „Botschaft“ von La Salette, nicht jedoch auf das ellenlange „Große Geheimnis“, das von der „Seherin“ Melanie erst etliche Jahrzehnte nach der kirchlichen Anerkennung veröffentlicht wurde, nämlich 1879 unter dem Titel „Das Geheimnis von La Salette“.  vierge_pellevoisin

Dieses sog. „Große Geheimnis“ füllt ganze Seiten und enthält derartig viel theologischen und (un)logischen Unsinn, daß der Vatikan dessen Verbreitung mehrfach untersagte.

Dies geschah zunächst in einem Schreiben von Kardinal Caterini am 8.8.1880, worin es heißt, das im Jahre 1879 erschienene Melanie-Buch habe dem Hl. Stuhl „mißfallen“, weshalb die bislang unter den Gläubigen verbreiteten Exemplare möglichst eingezogen werden sollten.

Die Schriften der „Visionärin“ Melanie kamen sodann auf den „Index“, also in die Liste kirchlich abgelehnter Bücher. Priester wurden mit Kirchenstrafen belegt, wenn sie Melanies „Großes Geheimnis“ verbreiten.

Das Problem ist nun freilich, daß diese phantasievollen Texte Melanies oftmals mit dem Hinweis verbreitet werden, La Salette gehöre zu den kirchlich anerkannten Erscheinungen, so daß Leser allzu leicht in die Irre geführt werden, denn für dieses „Große Geheimnis“ gilt die kirchliche Genehmung eben gerade nicht  (sondern vielmehr das genaue Gegenteil).

Diese irrgeistigen „Erleuchtungen“, die Melanie erst etliche Jahrzehnte nach der kirchlichen Anerkennung von La Salette veröffentlichte, sind sogar in traditionellen Kreisen recht weit verbreitet, obwohl sie doch von der „vor-konziliaren“ Kirche verboten wurden.

Es würde den Rahmen dieses Artikels erheblich sprengen, jede Merkwürdigkeit aus diesem „Großen Geheimnis“ aufzuspießen.

Daher wenden wir uns einem besonderen Aspekt zu, nämlich der dortigen Ankündigung,  nach einer schlimmen Zeit von Krieg, Mord und Totschlag allerorten gäbe es auf Erden dann endlich ein weltweites christliches Friedensreich, wobei dies  noch  v o r  dem Erscheinen des Antichristen stattfinden werde.Herz-Jesu_01

Dieses irdische „Gottesreich“ beginnt allerdings recht unsanft, doch lassen wir diesen zweiten, kirchlich nicht anerkannten Teil von La Salette selber sprechen:

„Dann wird Jesus Christus durch eine Tat seiner Gerechtigkeit und seiner großen Barmherzigkeit für die Gerechten seinen Engeln befehlen, alle seine Feinde dem Tode zu überliefern. Plötzlich werden die Verfolger der Kirche Jesu Christi und alle der Sünde ergebenen Menschen zugrunde gehen, und die Erde wird wie eine Wüste werden. Dann wird der Friede, die Versöhnung Gottes mit den Menschen werden.

Man wird Jesus Christus dienen, ihn anbeten und verherrlichen. Die Nächstenliebe wird überall aufblühen. Die neuen Könige werden der rechte Arm der heiligen Kirche sein, die stark, demütig, fromm, arm, eifrig und eine Nachahmerin der Tugenden Jesu Christi sein wird. Das Evangelium wird überall gepredigt werden, und die Menschen werden große Fortschritte im Glauben machen, weil es Einigkeit unter den Arbeitern Jesu Christi geben wird und die Menschen in der Furcht Gottes leben werden.“

Nach diesem 25-jährigen Friedensreich gehe es dann wieder rasant abwärts bis hin zum Erscheinen des Antichristen usw.

Hierzu ist aus biblischer und kirchlicher Sicht folgendes festzuhalten:

1. Christus hat vor Pilatus ausdrücklich erklärt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

2. Die Heilige Schrift weiß nichts von einem solchen christlichen „Friedensreich“, geschweige davon, daß dieses mit einem angeblich von Christus selbst bewerkstelligten Blutbad an den „Feinden“ der Kirche und allem „der Sünde ergebenen Menschen“ beginne.  Zudem sind alle Menschen mehr oder weniger „der Sünde ergeben“ – und auch die Frommsten sind nicht frei von Sünden.

3. Vor dem Kommen des Antichristen wird es  – wie das Neue Testament klar verkündet  – gewiß kein von Christus errichtetes Welfriedensreich geben, im Gegenteil:

Die Phase vor dem Kommen des Antichristen wird laut Bibel durch wachsenden Glaubensabfall, falschen Frieden, irrgeistige Propheten und vor allem durch trügerische „Zeichen und Wunder“ geprägt sein.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster