HERR, nimm auch dieses Jahres LAST – und wandle sie in SEGEN

Evangelisches Gesangbuch 64

Der du die Zeit in Händen hast,
HERR, nimm auch dieses Jahres Last
und wandle sie in Segen.
Nun von dir selbst in Jesus Christ
die Mitte fest gewiesen ist,
führ uns dem Ziel entgegen.

 Da alles, was der Mensch beginnt,
vor seinen Augen noch zerrinnt,
sei du selbst der Vollender.
Die Jahre, die du uns geschenkt,
wenn deine Güte uns nicht lenkt,
veralten wie Gewänder.

 Wer ist hier, der vor dir besteht?
Der Mensch, sein Tag, sein Werk vergeht:
nur du allein wirst bleiben.
Nur Gottes Jahr währt für und für,
drum kehre jeden Tag zu dir,
weil wir im Winde treiben.

 Der Mensch ahnt nichts von seiner Frist.
Du aber bleibest, der du bist,
in Jahren ohne Ende.
Wir fahren hin durch deinen Zorn,
und doch strömt deiner Gnade Born
in unsre leeren Hände.

 Und diese Gaben, HERR, allein
laß Wert und Maß der Tage sein,
die wir in Schuld verbringen.
Nach ihnen sei die Zeit gezählt;
was wir versäumt, was wir verfehlt,
darf nicht mehr vor dich dringen.

Der du allein der Ewge heißt
und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt
und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.

Jochen Klepper

Quelle: Evangelisches Gesangbuch, Nr. 64
HIER kann man die MELODIE abspielen

 


Bischof Dr. Rudolf Voderholzer über den Beschluss des Bundestags zur „Sterbehilfe“

„Das neue Gesetz ist nur eine sehr schwache Hürde auf einer insgesamt abschüssigen Bahn“

Das Abstimmungsergebnis des Deutschen Bundestages vom 6. November 2015 zur Frage der Sterbehilfe muss differenziert betrachtet werden. Was war politisch möglich und mehrheitsfähig? Und was war unter der Rücksicht eines umfassenden Lebensschutzes maximal zu erhoffen? borMedia1840101

Der mehrheitlich verabschiedete Gesetzesentwurf stellt die geschäftsmäßige Suizidbeihilfe unter Strafe und sorgt dafür, dass „Suizidbeihilfe-Firmen“, wie wir sie aus der Schweiz kennen, in Deutschland keine Arbeitsgrundlage haben. Insofern ist das Gesetz zu begrüßen.

Was aber den Lebensschutz insgesamt betrifft, muss befürchtet werden, dass das neue Gesetz nur eine sehr schwache Hürde ist auf einer insgesamt abschüssigen Bahn. Die Haltung der deutschen Bischöfe war in unserem Flyer „Sterben in Würde“ (2014) präzise formuliert: „Aus ethischer Sicht ist die Beihilfe zur Selbsttötung – sowohl durch Organisationen als auch durch Ärzte und andere nahe stehende Personen – abzulehnen.“

Ich sehe nicht, wie mit der verabschiedeten Gesetzgebung verhindert werden kann, was wir Bischöfe auf dem Flyer als Befürchtung geäußert haben, dass nämlich „der innere und äußere Druck auf alle Alten, Schwerkranken und Pflegebedürftigen zunimmt.“

Werden sich alte, bedürftige und schwerkranke Menschen wirklich noch „von einer selbstverständlichen Solidarität und Hilfe ihrer Mitmenschen getragen“ wissen oder müssen sie sich nicht doch eher als Last und als unnütz empfinden, wenn sie ihren Platz nicht legal und unter straffreier Mithilfe eines Angehörigen oder Nahestehenden räumen (vgl. Flyer „Sterben in Würde“ der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2014).

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de/news/bischof-dr-rudolf-voderholzer-zum-beschluss-des-bundestages-zum-thema-sterbehilfe-vom-6-november-2015-4166/

Foto: Bistum Regensburg