Fulda: Bischof em. Algermissen spendete einer Gemeindereferentin die Jungfrauenweihe

Ein besonderer Tag für die Kirche von Fulda wurde am Hochfest der ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria gefeiert: In der Michaelskirche in Eckweisbach empfing die Gemeindereferentin Eva-Maria Baumgarten durch den früheren Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen die Jungfrauenweihe.

Durch das Versprechen, dass Eva-Maria Baumgarten dabei abgab, habe sie einen eigenen Stand (Ordo virginum) als „Virgo consecrata“ (Gott geweihte Jungfrau) in der Kirche erlangt, betonte Algermissen in seiner Predigt.

Die Liturgie und der Weiheritus waren eindrucksvolle Zeichen der Jungfrauenweihe. Mit bewegenden Bildern wurde in der vollbesetzten Michaelskirche die Bedeutung nicht nur für die Weihekandidatin, sondern auch für die Gemeinde und die ganze Kirche in den Blick gerückt und ausgedeutet.

„Die Verkündigung über die Berufung zu einem Leben in Jungfräulichkeit und auch die liturgische Ausgestaltung der Jungfrauenweihe erinnern immer wieder an das Bild der bräutlichen Liebe zwischen Christus und seiner Kirche. Durch Ihren Verzicht auf die Ehe suchen Sie einzig das, was das Sakrament der Ehe bedeutet: die Verbindung Christi mit seiner Kirche“, so Bischof Algermissen.

Zu Beginn der Messfeier konnte Pfarrer Carsten Noll neben dem Bischof und der Kandidatin und ihrer Familie auch zahlreiche konzelebrierende Priester begrüßen. Danach wurde die Kandidatin vorgestellt und die Weihekerze entzündet.

Nach der Predigt des Bischofs fand die eigentliche Jungfrauenweihe statt. Sie wurde eingeleitet mit einem Heilig-Geist-Lied und dem Versprechen der Jungfrau, sich und ihr Leben Gott zu weihen. Danach wurde knieend die Allerheiligen-Litanei gebetet, während der die Kandidatin als Zeichen der Ganzhingabe lang ausgetreckt auf dem Boden lag.

Nach der Erneuerung des Vorsatzes der Jungfräulichkeit und dem Weihegebiet überreichte der Bischof der Jungfrau als Insignien den Ring (Zeichen der bräutlichen Bindung) und das Stundenbuch (Zeichen der kirchlichen Bindung). Das Glaubensbekenntnis schloss den Ritus ab.

Eva-Maria Baumgarten habe die zarten Klopfzeichen („Gott klopft nicht pochend“) nicht nur wahrgenommen, sondern sie habe sich auch auf den Ruf Gottes („ein reines Gnadengeschenk seiner Liebe“) eingelassen, sagte der Bischof. „Ihre Entscheidung ist tatsächlich mit funktionalen Erwägungen nicht zu begründen. Hinter Ihrem Entschluss steht viel mehr Ihre ganz persönliche Lebens- und Heilsgeschichte“, so der Bischof.

Dabei sei das Versprechen der Jungfräulichkeit nicht so zu verstehen, als wäre der damit verbundene Verzicht auf Ehe und Familie schon in sich selbst gut und wertvoll, sagte Algermissen. „Er wird erst verständlich und sinnvoll, wenn er Ausdruck einer größeren Liebe ist. Nur die Liebe zu Jesus Christus kann die christliche Jungfräulichkeit sinnvoll begründen und rechtfertigen.“

Zugleich machte der Bischof deutlich, dass das Versprechen von Eva-Maria Baumgarten, dass er als Bischof der Kirche annehmen darf, „mehr ist als ein Akt persönlicher, individueller Frömmigkeit“.

Baumgarten stelle in besonderer Weise und in offizieller Sendung die Kirche dar. Die Jungfrauenweihe sei dabei nicht eigenes, menschliches Tun, sondern Gottes Handeln an Menschen, betonte Algermissen. „Gott weiht und heiligt einen Menschen. Durch sein Leben ist ein Zeichen der Verfügbarkeit für Gott, für die Kirche, für die Menschen in den Gemeinden des Pastoralverbundes und die Menschen Ihrer Umgebung überhaupt“, sagte er.

Bei einer Gott geweihten Jungfrau könne daher mit Fug und Recht von einem „geistlichen Beruf“ gesprochen werden, der vom Geist Gottes gewirkt, von ihm geprägt und getragen sowie auf ihn hin bezogen sei.

Ausdruck des geistlichen Dienstes der Gott geweihten Jungfrau ist u.a. die Verpflichtung zum kirchlichen Stundengebet. Dieses Lob Gottes und Beten für Menschen sei ein Ausdruck der Treue“, sagte Algermissen.

Das festliche Pontifikalamt wurde musikalisch von Thomas Nüdling an der Orgel sowie von einem von ihm geleiteten Ad-Hoc-Chor gestaltet. Nach dem Gottesdienst fand ein Empfang für die Gemeinde statt, bei dem die Kinder des Kindergartens einen Glückwunsch sangen.

Bericht von Günter Wolf

Ursprung und Sinn der kirchlichen Jungfrauenweihe

Wer an Berufung in die Nachfolge Jesu denkt, denkt meist zuerst an Priester, Mönche oder Nonnen. Berufung zur Nachfolge ist aber vielfältiger und nimmt die verschiedenen Lebenswirklichkeiten der Menschen ernst. So kennt die Kirche unterschiedliche „Stände“, in denen Menschen in ihrer je eigenen Art und Weise Nachfolge leben: Eheleute, Bischöfe, Priester, Ordensleute. Eine eher unbekannte Form des geweihten Lebens in der Kirche ist das Leben als „Virgo consecrata“ – gottgeweihte Jungfrau.

Bereits Paulus erwähnt in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth, dass es in der Zeit der Urkirche Frauen gibt, die „um des Himmelreiches willen“ ehelos leben, sich ganz der Sache Jesu verschrieben haben und in der Nachfolge des Herrn leben.

In den ersten Jahrhunderten der Kirche lebten diese Frauen zurückgezogen im Kontext ihrer Familien, widmeten sich besonders der Sorge um die Armen und pflegten ein intensives geistliches Leben. Als dann die ersten Mönchsgemeinschaften entstanden, wuchs auch bei den gottgeweihten Jungfrauen der Wunsch, sich in Klöstern zusammenzuschließe, und nach und nach „verschwand“ der Stand der gottgeweihten Jungfrauen.

Erst durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) rückte diese Lebensform wieder in das Blickfeld der Kirche. Zwar entwickelten sich am Beginn des 20. Jahrhunderts sogenannte Säkularinstitute, in denen Frauen inmitten der Welt leben, aber diese bilden dennoch Gemeinschaften und leben je eigene Formen der Spiritualität. Merkmal der Berufung zur „gottgeweihten Jungfrau“ ist es, dass es sich bei dieser Lebensform um eine Einzelberufung handelt, die nicht an ein Kloster oder eine Gemeinschaft gebunden ist.

Durch die vom Bischof gespendete Weihe wird diese Lebenshingabe an Christus von der Kirche öffentlich angenommen und bestätigt. Der Ritus der Jungfrauenweihe geht auf die Zeit der Urkirche zurück und ist Ausdruck der unzertrennlichen Liebe zwischen Christus und seiner Kirche.

Quelle der Pressemeldung (Text/1. Foto): https://www.bistum-fulda.de/bistum_fulda/presse_medien/liste_pressemeldungen/2018/2018_04/bpd_2018_12/bpd_20181211_01_Jungfrauenweihe_Eckweisbach.php


Bischof Rudolf Voderholzer bekräftigt den Sinn des priesterlichen Zölibats

Regensburger Oberhirte gegen „Missbrauch des Missbrauchs“

Im Rahmen des Pontifikalamtes zum Hochfest des hl. Wolfgang nahm der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer Bezug auf die öffentliche Debatte um die MHG-Studie über den sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen von Klerikern in der Kirche, vor allem aber auf die Konsequenzen, die nach Meinung bestimmter Kommentatoren daraus gezogen werden sollten.

Die Stimmen mehren sich, die Teilen der MHG-Studie erhebliche Schwächen nachweisen. Insbesondere wird die Schlussfolgerung kritisch gesehen, dass angeblich die zölibatäre Lebensform der Priester und die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität mitursächlich für den sexuellen Missbrauch seien.

Man gewinnt den Eindruck, nicht wenigen Interessierten komme diese Schlussfolgerung gerade recht, um lange ersehnte kirchenpolitische Ziele zu verfolgen.

Es ist auch kaum mehr von den Opfern und einer Verbesserung der Prävention die Rede, sondern von grundstürzenden Veränderungen in der Kirche und der Gestalt des geistlichen Dienstamtes, erklärt der Bischof von Regensburg und fügt hinzu:

„Ich halte das für einen Missbrauch des Missbrauchs, insbesondere für einen Missbrauch der Opfer des Missbrauchs. Wenn der Zölibat ursächlich wäre für diese Verbrechen, wie erklärt es sich dann, dass 99,9 Prozent dieser Fälle von nicht zölibatär lebenden Männern getan werden?

Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist die Lebensform Jesu und der Apostel, sie stand in der Kirche von Anfang an wegen ihres Zeugnischarakters in hohem Ansehen und wurde vom Mönchtum, aber auch von Bischöfen und Priestern gelebt, lange bevor sie dann für den Bereich der Westkirche im Mittelalter verbindlich vorgeschrieben wurde. Zu behaupten, der Zölibat sei im Mittelalter ausschließlich aus ökonomischen Gründen eingeführt worden, entbehrt jeder historischen Vernunft.“

Jeder Priesteramtskandidat weiß, so der Bischof weiter, dass die Kirche die freiwillige Annahme des Zölibats als Berufung zur Christusnachfolge zum Kriterium der Berufung in den geistlichen Dienst gemacht hat. Jeder Weihekandidat bekundet ausdrücklich diese Freiwilligkeit.

Dass diese Lebensform in einer übersexualisierten Gesellschaft ein Skandalon darstellt, angefochten, verlacht und bespuckt wird, sei noch lange kein Grund, von dieser biblisch begründeten Tradition abzugehen: „Vielleicht war sie noch nie so wichtig wie heute!“, gibt Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zu bedenken.

Notwendig sei freilich eine gute Vorbereitung der Priesteramtskandidaten und eine gute Begleitung der Priester, damit diese Lebensform gut gelebt werden und ihren Zeugnischarakter auch bewahren kann, betont Bischof Voderholzer:

„Unsere Priesterausbildung berücksichtigt sehr wohl die psychologischen und menschlichen Gesichtspunkte, die notwendig sind für eine reife Persönlichkeit. Ich lege dafür meine Hand ins Feuer. Und ich möchte auch an dieser Stelle der überwältigenden Mehrheit der Priester mein Vertrauen aussprechen, die ihren Dienst eifrig und gewissenhaft tun, die unbescholten waren und sind.“

In Deutschland gibt es mit Recht ein sehr strenges Datenschutzgesetz. Gleichzeitig wird von bestimmter Seite die Forderung erhoben, die Personalakten, also einen Datenbestand von höchster Sensibilität, die Personalakten aller Priester gewissermaßen der Öffentlichkeit preiszugeben:

„Dieses Ansinnen ist ungeheuerlich! Die Priester genießen denselben Datenschutz wie alle anderen Menschen auch. Niemand käme doch auf die Idee, den Staat aufzufordern, alle  Personalakten der Lehrer offen zu legen, weil es auch in Schulen zu Fällen sexuellen Missbrauchs kommt. Wenn ein begründeter Anfangsverdacht besteht, dann hat die Staatsanwaltschaft das Recht auf Akteneinsicht und die Pflicht zur Aufklärung“, so der Regensburger Oberhirte.

Und weiter: „Aber diesen Generalverdacht, der sich hier breit macht, weise ich auf das Entschiedenste zurück! Das haben die Priester nicht verdient. Und das hat die katholische Kirche nicht verdient. Die katholische Kirche ist die erste und einzige Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland, die sich in so umfassender Weise diesem Problem stellt.

Ich kann nicht dazu schweigen, dass nun der Eindruck im Raum stehen bleibt, wir seien die einzige Institution, die dieses Problem hat. Ja, wir haben gelernt, dass die Opferperspektive absoluten Vorrang hat vor jeder Rücksichtnahme auf die Institution oder die Täter. Aber sind denn die vielen Opfer in den anderen Bereichen der Gesellschaft weniger wert oder bedeutsam?“, so Bischof Voderholzer abschließend.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/debatte-um-mhg-studie-bischof-rudolf-voderholzer-stellt-klar-zoelibat-ist-lebensform-nach-vorbild-von-jesus-christus-und-den-aposteln-6369/