Zur Kontroverse um Maria „Miterlöserin“ im Kontext der kirchlichen Tradition

Von Felizitas Küble

Auf dem traditionalistischen Blog „Katholisches.info“ wurde am 20. Mai 2021 ein längerer Beitrag von Pater Paolo Siano veröffentlicht, in dem sich dieser Ordensmann mächtig zugunsten des Titels „Miterlöserin“ (lateinisch: Coredemtrix /Corredemtrix) aus dem Fenster hängt.

Er zitiert gerne aus mehr oder weniger wichtigen theologischen Zeitschriften, die meist während des Pontifikats von Pius XII. erschienen waren.

Dabei sind gewisse „mariologische“ Ausführungen in diesem oder jenem Blatt, mag es auch noch so ehrenwert sein, durchaus nicht von Bedeutung für die Frage nach der lehramtlichen (!) Stellung einer solcher Bezeichnung für die selige Jungfrau.

Dies gilt selbstverständlich auch dann, wenn diese Publikationen mit Imprimatur erschienen sind, wobei eine solche „Druck-Erlaubnis“ keine kirchliche Bestätigung ihres Inhalts darstellt, sondern lediglich beinhaltet, daß seine Verbreitung gestattet ist. Solch ein Buch „darf“ also von gläubigen Katholiken gelesen werden – nicht mehr und nicht weniger.

Für die Frage nach der lehramtliche Relevanz kommt man durch haufenweises Zitieren solcher zwar genehmigter, aber keinesweges kirchenamtlicher Bücher – vornehmlich aus den 50er Jahren – nicht wirklich weiter.

Immerhin muß auch der Autor als begeisterter Vertreter der „Miterlöserin“-These einträumen, daß es vor Leo XIII. keinen Papst gab, der diesen Marientitel jemals vertreten hat – weder schriftlich noch mündlich.

Es mutet etwas merkwürdig an, wenn es ausgerechnet „Traditionalisten“ offenbar nicht weiter stört, für ihre These keine kirchliche TRADITION vorlegen zu könnenimmerhin geht es um ca 1900 Jahre.

Erst seit ca. 120 Jahren gibt es spärliche Hinweise aus päpstlichen Munde, aber sie erfolgten nicht im Rahmen einer offiziellen Lehrverkündigung.

Selbst für den betont „marianischen“ Papst Pius XII. findet während seiner gesamten Amtszeit kein eindeutig belegtes Zitat für „Maria Miterlöserin“, weshalb sich der Verfasser auf eine angebliche Aussage aus einer Ansprache „oder einem Brief“ (nicht einmal das ist klar) stürzt und stützt, von welcher nicht einmal das Datum gesichert ist und der Autor sich auf Sekundärquellen beruft, deren Beweiswert sich in Grenzen hält.

Foto: Radio Vatikan

Es fehlt also für den Corredemptrix-Titel jede lehramtliche TRADITION, die wenigstens noch bis ins Mittelalter hineinreichen würde – was doch gerade für Traditionalisten ein echtes Manko sein müßte.

BILD: Papst Benedikt bezeichnete den Miterlöserin-Titel als „irreführend“

Immerhin gibt auch der Autor selber zu, daß die Bezeichnung „Miterlöserin“ zum ersten (!) Mal von Pater Salmeron SJ ausgesprochen wurde, einem Theologen des Konzils von Trient (und somit in der Neuzeit).

Allerdings hat es erneut lehramtlich nichts zu bedeuten, wenn sich ein frommer Geistlicher auf einer Kirchenversammlung in dieser oder jener Weise geäußert hat.

Für das Mittelalter – ganz zu schweigen vom christlichen Altertum bzw. der Patristik (Kirchenväterzeit) – finden sich keine Belege, sonst hätte der findige Verfasser sie allzu gerne präsentiert.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Corredemtrix wird niemals zum Dogma erklärt werden, denn sie gehört nicht einmal zur amtlichen kirchlichen Verkündigung, ist kein Bestandteil des „depositum fidei“ (überlieferten Glaubensgut) – es fehlt ihr sogar jedwede grundlegende Verankerung in der TRADITION der Kirche und erst recht in der „göttlichen Offenbarung“ (sie wird bezeugt durch Bibel und apostolische Überlieferung).

Ergänzender Artikel hierzu: https://charismatismus.wordpress.com/2019/08/21/kann-eine-erloeste-zugleich-miterloeserin-sein/


Klartext von Kardinal Müller zum Homo-Segen und zur Kirchenkrise in Deutschland

Aus einem Artikel des ehem. Glaubenspräfekten Gerhard L. Müller:

Der kirchliche Segen für die Brautleute ist eng mit der Ehe als schöpferische Einrichtung und als ein von Christus eingeführtes Sakrament gebunden.

Der Ehe-Segen ist das machtvolle Gebet der Kirche, daß Mann und Frau an der Erlösung teilhaben mögen: daß ihre Ehe die Kirche aufbaue und das Gute für die Eheleute, ihre Kinder und die Gesellschaft fördern.

Der kirchliche Ehesegen kann nicht von seiner spezifischen Verbindung an das Ehe-Sakrament getrennt und unverheirateten Partnerschaften oder noch schlimmer zur Rechtfertigung sündiger Verbindungen gewährt und mißbraucht werden.

Das Statement der Glaubenskongregation vom 22. Februar hat einfach ausgedrückt, was jeder katholische Christ, der die Grundlagen unserer Glaubens kennt, weiß: Die Kirche hat nicht die Macht, Partnerschaften von Menschen des gleichen Geschlechts zu segnen. 

Es erstaunt, daß Bischöfe und Theologen plötzlich auf der pastoralen Dringlichkeit, homosexuelle Paare zu segnen, bestehen – und das in Gebieten, wo die Gläubigen viele Monate lang von der Tröstung und der Gnadenwirkung der Sakramente während der Coronapandemie abgeschnitten waren.

Dies beweist, wie tief der dogmatische, moralische und liturgische Pegel inzwischen gesunken ist.

Wenn Bischöfe, die Präsenz-Messen, priesterliche Besuche bei den Kranken und kirchliche Trauungen wegen des Infektionsrisikos verboten haben, dann ist ihre Behauptung, es gäbe eine dringende Notwendigkeit, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, nicht einmal entfernt plausibel. 

Der Skandal in Deutschland dreht sich deshalb nicht um Individuen und ihr Gewissen. Auch signalisiert er nicht Sorge um ihre zeitliche und ewige Erlösung.

Was wir stattdessen erleben, ist die häretische Verleugnung des katholischen Glaubens an das Sakrament der Ehe und die Leugnung der anthropologischen Wahrheit, daß der Unterschied zwischen Mann und Frau den Schöpfungswillen Gottes ausdrückt. 

In den frühen 1930-er Jahren waren Millionen nicht nur durch den Widerstand gegen die Katholische Kirche verdorben, sondern auch durch den Widerstand gegen die „Orthodoxie“ der Protestantischen Bekennenden Kirche.

Der Nazi-Propagandist Alfred Rosenberg verleumdetet die Bekennende Kirche als von der „römischen Macht besessen“ und daß sie „Gesetz, Offenbarung, Kirche und Glaubensbekenntnis heute als höher schätzt als die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes, das um innere und äußere Freiheit kämpft.“  

Die pro-homosexuellen Gesetze – unterstützt durch eine milliardenschwere schwule Lobby – können die Wahrheit über die menschliche Natur nicht zertören. Gottes Segen kann nur durch seine Kirche gespendet werden. 

Das Spektakel der Homosexuellen-Segnung stellt nicht nur den Primat des geoffenbarten päpstlichen Lehramts in Frage, sondern auch die Autorität von Gottes Selbstoffenbarung.

Was in dieser Theologie neu ist, die zum Heidentum zurückkehrt, ist ihr impertinentes Bestehen darauf, sich selbst katholisch zu nennen, als ob man das Wort Gottes in der Hl. Schrift und die Apostolische Tradition zurückweisen könne als rein fromme Meinung und zeitgebundenen Ausdruck religiöser Gefühle und Ideale, die sich entwickeln müssen – in Übereinstimmung mit neuen Erfahrungen, Notwendigkeiten und Mentalitäten.

Vollständig übersetzter Artikel von Kardinal Müller hier: http://beiboot-petri.blogspot.com/2021/05/kardinal-muller-kommentiert.html


Kardinal Burke: Synodaler (Irr-)Weg führt de facto zum Schisma in Deutschland

Die Forderungen des Synodalen Weges stehen im Widerspruch zur katholischen Glaubens- und Sittenlehre.

Während deutsche Kirchenrechtler noch darüber streiten, ob eine Kirchenspaltung in Deutschland eingetreten ist, steht für Kurienkardinal Raymond Leo Burke (siehe Foto) fest, dass das Schisma zwar noch nicht offiziell ist, gleichwohl aber in der Praxis eingetreten sei.

Der Kardinal aus den USA ist ein weltweit führenden Kirchenrechtler und ehem. Präfekten des höchsten Berufungsgerichtes der Kirche, der Apostolischen Signatur im Vatikan.

„Meiner Ansicht nach gibt es jetzt ein Schisma, das real ist, auch wenn es nicht erklärt wurde. Es ist ein Schisma in der Praxis, wenn man es so nennen kann“, sagte Burke dem argentinischen Pater Javier O. Rabasi in einem Interview vom 2. Mai. Das sei besonders für gläubige Katholiken, die Christus und seiner Kirche treu sein wollen, sehr ernst, so Burke.

Der Kodex (Kirchenrecht) definiere ein Schisma als „die Verweigerung der Unterwerfung unter den Papst oder der Gemeinschaft mit den ihm unterstellten Gliedern der Kirche.“

Der Synodale Weg in Deutschland werde zu einem Austritt der Katholischen Kirche in Deutschland aus der universalen Weltkirche führen, befürchtet der Kardinal, denn dabei würden Positionen vertreten, die im Widerspruch zur katholischen Lehre stehen, u.a. Forderungen nach Frauenpriesterweihe oder eine Änderung der Lehre zu Ehe und Sexualität.

Der deutsche Klerus habe teilweise einen offenen Dissens zur kirchlichen Lehre gezeigt, indem er vor einer Woche homosexuellen Paaren an mehr als hundert Orten öffentliche Segnungen anbot.

Info-Quelle: https://www.kathnews.de/kardinal-burke-schisma-ist-in-deutschland-eingetreten


Plädoyer eines mutigen Bischofs für eine glaubensstarke Erneuerung der Kirche

Rezension von Hans-Michael Müller

Seit Monaten gibt es in Deutschland einen Aufstand gegen die Einheit der römisch-katholischen Kirche:

Selbst deutsche Bischöfe vertreten öffentlich sich diametral widersprechende Positionen, einige von ihnen revoltieren – wie z. B. der Essener Bischof Overbeck zuletzt bei der Segnung homosexueller Partnerschaften – offen gegen den Vatikan, die Glaubenskongregation, Papst Franziskus.
(Gültige Segens-Feiern kann es nur in Übereinstimmung mit dem Vatikan geben! Trotzdem wurde öffentlichkeitswirksam „gesegnet“.)

Eindeutig werden damit Autorität und Hierarchie der Kirche abgelehnt.

Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK), die kfd (Katholische Frauen Deutschlands mit ihrem Logo: „die macht. für dich. für alle.“ ), Maria 2.0 und andere Gruppen mischen in diesem Aufstand gegen Struktur und Lehramt der Kirche kräftig mit.

Was die Weltkirche denkt, ist ihnen anscheinend egal. So winzig klein wir Deutschen in dieser Weltkirche sind: man macht sich selbst zu einer Autorität, suggeriert z. B., dass Schreiben der Glaubenskongregation nicht zu beachten seien und sich jeder aus der Morallehre der Kirche das heraus suchen kann, was ihm passt.

Diese Aktionen sind für die öffentlich-rechtlichen Medien ein „gefundenes Fressen“; sie berichten ausführlich, z. T. sehr einseitig über diese innerkirchlichen Auseinandersetzungen

Aber auch das gibt es: Ein Journalist schrieb dieser Tage: „Der grundsätzliche Denkfehler, der den linken Reformern nicht auszutreiben ist, besteht in der Vorstellung, Kirche und Staat hätten denselben Souverän: das Volk. Der Souverän der Kirche ist aber nicht das Volk, sondern: GOTT.“

In der derzeitigen Bewegung solle „Gott aber gleichsam gezwungen werden, seine Meinung darüber zu ändern, was richtig und was verfehlt ist, weil die Menschen es so wollen.“

Staunend und z. T. hilflos stehen viele Gläubige diesem unseligen Treiben der sog. „Reformer“ – unter ihnen Priester und Bischöfe – gegenüber.

Da ist es gut, auf ein Buch hinweisen zu können, in dem der Bischof von Regensburg, Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, mit fundiertem Wissen und in verständlichen Ausführungen geistige Impulse zum Nachdenken in einem argumentativen und spirituellen Dialog anbietet.

Darin veröffentlicht der Regensburger Oberhirte in pastoralem Anliegen eine Sammlung von Stellungnahmen, Predigten / Ansprachen und fachwissenschaftlichen Aufsätzen.

Im ersten Teil geht es um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Außerkirchliche Experten hatten in einer Untersuchung (MGH-Studie) von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in kirchlichen Einrichtungen strukturelle Änderungen in der Kirche vorgeschlagen. Das wurde im „Synodalen Weg“ zur Grundlage der Reformdiskussion gemacht.

Bischof Voderholzer sieht darin eine inakzeptable Verengung und versucht, den Blick auf die tieferen Ursachen der Kirchenkrise zu lenken. Mit den Themen „Ehelosigkeit“, „Machtmissbrauch“, „Frauen in der Kirche“ und „Sexualmoral“ habe man beim „Synodalen Weg“ eine „Instrumentalisierung des Missbrauches betrieben“, gehe damit an der „Realität der Glaubenskrise“ vorbei.

Viele Katholiken folgen dem Bischof in dieser Einschätzung, sie kommen aber in der veröffentlichten Meinung kaum vor.

Im zweiten Teil seines Buches geht es dem Autor um den apostolischen Dienst des geistlichen Amtes, nämlich darum, dass es im kirchlichen Amt nicht um Macht, sondern um das Zeugnis für den auferstandenen Christus gehen muss. (Stichworte: „Geschlechterdifferenz und Weihevorbehalt“, „Kollegialität der Bischöfe“, „Mann und Frau – symphonische Komplementarität“, „Vom Mehrwert der Sakramentalität“).

Keine abgesonderten Einzelgruppen, sondern nur die Kirche als Ganzes sei lehramtlich dazu berufen, in der Welt auf den Schöpfer zu verweisen.

Der umfangreiche dritte Teil gilt der Welt und der Kultur, in der sich der christliche Glaube heute zu bewähren habe.

Die Stichworte reichen von „Die Seele Europas ist der christliche Glaube“ über „Fritz Gerlich – ein katholischer Märtyrer im Kampf gegen Hitler“ … „Glaubensverkündigung in kirchenkritischer Zeit / Herausforderung durch Medien und Naturwissenschaften“ bis zum „Synodalen Weg“.

Den Hintergrund seiner Ausführungen sieht Voderholzer in der derzeitigen Problematik unseres kirchlichen Lebens und dem, was wir „Glaubenskrise“ nennen. Diese sei zu einem großen Teil begründet in einem modernen Lebensgefühl, „das Glauben und Wissenschaft, moderne Naturwissenschaft und eine gläubige Hinwendung zu Welt und Geschichte nicht in Einklang zu bringen vermag.“ (S. 225)

Fazit: Wer eine Hilfe sucht, um die täglich in den Medien genüsslich und oft einseitig servierten „Neuigkeiten“ aus unserer katholischen Kirche besser einordnen zu können, ist mit diesem sehr informativen Buch bestens ausgerüstet.

Buch-Daten: Rudolf Voderholzer: Zur Erneuerung der Kirche (Geistliche Impulse zu aktuellen Herausforderungen), Verlag Friedrich Pustet, 2020, 256 S., ISBN 978-3-7917-3138-4, Preis 24,95 €

Kurz-Rezensionen des Buches hier: https://www.amazon.de/Zur-Erneuerung-Kirche-Geistliche-Herausforderungen/dp/3791731386

2. Foto: Bistum Regensburg


Erklärung des „Forum Deutscher Katholiken“ zur Segnung homosexueller Paare

Am 9. Mai 2021 fanden Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare in Deutschland statt. „Über 100 katholische Gemeinden im gesamten Bundesgebiet haben ihr Mitwirken angekündigt“. (Vgl. Augsburger Allgemeine Zeitung, 10.5.2021, S. 4)

Die von den Initiatoren angekündigten Segnungsfeiern für homosexuelle Paare stellen den Protest gegen das Schreiben der Glaubenskongregation („Responsum ad dubium“) vom 22. Februar 2021 dar. Der zentrale Inhalt des Dokuments: Die Kirche hat nicht die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts (mit sexueller Konnotation) zu segnen.

Den Initiatoren dieser Segnungsfeiern ist klar, dass es sich hier um einen Akt der Auflehnung gegen das Lehramt der Kirche handelt.

Die Schöpfungstheologie spricht eindeutig davon, dass Gott Mann und Frau erschuf. Nur diese können Gottes Auftrag „Macht euch die Erde untertan“ und „Wachset und mehret euch“ erfüllen. Das können keine homosexuellen Paare, weder männliche noch weibliche.

Somit anerkennen gleichgeschlechtliche Paare weder den Auftrag unseres Schöpfers noch werden sie ihrer Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl gerecht. Die Aussagen in unserem Katechismus (KKK) und in der christlichen Soziallehre dazu sind zweifelsfrei.

Insofern kann man solche Partnerschaften nicht mit der heterogenen Ehe gleichsetzen, die als Sakrament – zurecht – eine herausragende Bedeutung hat. Die kirchliche Segnung eines Homosexuellen in einer persönlichen Angelegenheit ist jederzeit möglich, aber nicht die einer solchen Partnerschaft, die mit einer heterogenen Ehe gleichgesetzt werden will.

Wenn die Bischöfe der deutschen Ortskirche diese Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare tatenlos hinnehmen, wird unter den Gläubigen die Meinung aufkommen, dass Schreiben der Glaubenskongregation nicht zu beachten sind und sich jeder von der Morallehre der Kirche das aneignen kann, was ihm entspricht.

Forum Deutscher Katholiken                                                              
Prof. Dr. Hubert Gindert, Vorsitzender


Bischof Overbeck will die Sexualmoral ändern

Von Felizitas Küble

Am 19. März 2021 veröffentlichte die amtliche Webpräsenz des Bistums Essen einen Artikel mit dem Titel: „Bischof Overbeck wirbt für kirchliche Neubewertung der Homosexualität“.

Der dortige katholische Oberhirte, der früher als Weihbischof in Münster amtierte, wandte sich in einem Brief an die Pfarrgemeinden seiner Diözese, um dort seinen Ungehorsam gegenüber dem Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation zu unterstreichen, das eine Segnung homosexueller Partnerschaften verbietet.

Passenderweise ziert diesen Beitrag ein banales Bild mit Riesenlettern „Glaube – Sex“.

Bischof Franz-Josef Overbeck berichtet – feministisch „korrekt“ – von Zuschriften „vieler Seelsorgerinnen und Seelsorger“, die ihm eine „offene Ablehnung der lehramtlichen Position“ mitgeteilt hätten.

Statt diesen Zeitgeistlichen und Laien nun die Leviten zu lesen oder zumindest das theologische Einmaleins zu verklickern, betrachtet der progressiv ausgerichtete Würdenträger dies als eine Causa, „die nicht mehr ignoriert werden darf“.

Angesagt sei jetzt eine „ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität“, läßt der Herr Bischof ernsthaft verlauten. Wohlgemerkt: Er spricht nicht von einer Wertschätzung der gleichgeschlechtlich geprägten PERSONEN, was durchaus theologisch korrekt wäre, sondern ausdrücklich von der „Homosexualität“ an sich!

Damit von seinen Schäflein niemand auf andere bzw. vernünftige oder gar biblische Gedanken kommt, wehrt er vorsorglich gleich ab, man dürfe nicht etwa „fundamentalistischen Versuchungen“ erliegen.

Es wäre auch zu traurig, wenn Gläubige das überlieferte „Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition“ eins zu eins für voll nähmen; vielmehr müssen diese drei Säulen christlichen Glaubens – so Overbeck – in unsere Zeit mit ihren „Zeichen“ übersetzt werden, schließlich sei doch die Tradition „ein lebendiges Geschehen“.

Gewiß, Herr Bischof, lebendig schon, aber nicht widersprüchlich in den wesentlichen Aussagen der Kirche.

Was jahrtausendelang gemäß der Heiligen Schrift als Botschaft Gottes verkündet wurde, kann nicht heute plötzlich falsch sein, nur weil einige Oberhirten theologisch stärker mit dem Zeitgeist als mit dem Heiligen Geist verbunden sind.

Im übrigen wäre Overbeck nie zum Bischof geweiht worden, wenn er nicht vor diesem feierlichen Geschehen versprochen hätte, sich als Oberhirte voll und ganz an der Lehre der Kirche zu orientieren.

Sein Amt ist eben nicht nur Würde, sondern auch Bürde, nicht nur Lust, sondern auch Last – wenn man den notwendigen Widerstand gegenüber heutigen „Reform“-Forderungen überhaupt als „Bürde“ und „Last“ definieren will, womit man diesen angepaßten Hierarchen schon weit genug entgegenkäme, denn die Offenbarung Gottes und seine Schöpfungsordnung sollten für alle Kirchenvertreter höchst erfreulich sein und beileibe nicht nur Pflichterfüllung – aber selbst diese wird noch verweigert.

Ein Bischof hat grundsätzlich weder seine eigenen Spleens zu verkünden noch dubiose Pseudo-Anliegen von „Seelsorerinnen und Seelsorgern“, sondern die zeitlose Botschaft des Ewigen, die für alle Gläubigen verbindlich ist – auch und vor allem für Bischöfe.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Papst hat ein „Jahr der Familie“ ausgerufen

Ein „Jahr der Familie“ hat Papst Franziskus am Sonntag, den 27.12.2020 ausgerufen. Feierlich eröffnen will er es am 19. März 2021.

Die Federführung für die Initiativen im Familienjahr hat das Päpstliche Dikasterium für Laien, Familien und das Leben. Es kündigte an, für Pfarreien, Bistümer, kirchlichen Bewegungen und Einrichtungen Material und Vorschläge zum Familienjahr zu entwickeln. Dazu wurde eine eigene Homepage in fünf Sprachen eingerichtet – Deutsch ist allerdings nicht dabei.

Ein eigenes „Jahr der Familie“ hat bereits Papst Johannes Paul II. 1994 durchgeführt – angelehnt an ein entsprechendes Themenjahr der UNO. In einem Brief an Familien verteidigte er damals die Haltung des kirchlichen Lehramts zur Ehe- und Sexualmoral.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2020-12/vatikan-jahr-familie-amoris-laetitia-papst-franziskus-ehe-kirche.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE


Kardinal Leo Burke kritisiert private Papstäußerungen zu Homo-Partnerschaften

Von Felizitas Küble

Der amerikanische Erzbischof und Kardinal Raymond Leo Burke hat sich auf seiner Homepage am 22. Oktober mit verstörenden Aussagen von Papst Franziskus befaßt, die weltweiten Wirbel und Erstaunen sowie Kritik von theologisch konservativen Katholiken und Evangelikalen hervorgerufen haben.

Die Äußerungen sind nicht lehramtlich, sondern „privat“ und sie erfolgten im Dokumentarfilm „Francesco“. Medienberichten zufolge soll Franziskus darin erklärt haben, er befürworte die gesetzliche Absicherung homosexueller Partnerschaften; zudem hätten diese Personen das Recht auf eine Familie.

Hierzu stellt Kardinal Burke klar:

„Erstens machen der Kontext und der Anlass solcher Erklärungen sie frei von jeglicher kirchenrechtlichen Verbindlichkeit. Sie werden zu Recht als einfache private Meinungen interpretiert; diese binden in keiner Weise das Gewissen der Gläubigen.“

Der Würdenträger betont, das Kirchenvolk solle vielmehr dem folgen, was „die Heilige Schrift und die katholische Tradition sowie das ordentliche Lehramt der Kirche in dieser Angelegenheit lehren“.

Trotz fehlender Verbindlichkeit hätten die Papst-Äußerungen jedoch „große Verwirrung“ unter den Gläubigen verursacht, zumal sie der Bibel und kirchlichen Überlieferung widersprächen. Daher würden sie der Geistlichkeit die Gewissenspflicht auferlegen, „notwendige Klarstellungen“ vorzunehmen.

Kardinal Burke betont sodann, das kirchliche Lehramt habe „auf der Grundlage der Heiligen Schrift“ stets gelehrt, daß homosexuelle Handlungen unerlaubt seien, da sie gegen das Naturgesetz verstoßen, nicht wie bei Mann und Frau der gegenseitigen Ergänzung dienen und zudem in sich unfruchtbar seien.

Die bloße gleichgeschlechtliche Neigung (ohne sexuelle Verhaltensweisen) sei zwar keine persönliche Sünde, aber gleichwohl „objektiv ungeordnet“. Entsprechend dem Katholischen Weltkatechismus sei homosexuellen Personen mit Wohlwollen, Achtung und Mitgefühl zu begegnen.

Es gelte wie überall so auch hier das katholische Prinzip, die Sünde zu hassen, aber den Sünder zu lieben.

Quelle für die Zitate: https://www.cardinalburke.com/


Der Vatikan bekräftigt das moralische Verbot der Euthanasie und des assistierten Suizids

Am 14. Juli dieses Jahres erschien eine Erklärung der Glaubenskongregation unter Kardinal Ladaria, in welcher die kirchliche Ablehnung von Euthanasie und assistiertem Suizid (Selbstmord) deutlich betont, begründet und bekräftigt wird.

Wir zitieren hier aus diesem Dokument „Samaritanus Bonus“ die wesentlichen Abschnitte:

Im Rahmen ihrer Mission, den Gläubigen die Gnade des Erlösers und das heilige Gesetz Gottes zu vermitteln, das bereits in den

Bestimmungen des natürlichen Sittengesetzes wahrnehmbar ist, fühlt sich die Kirche verpflichtet, hier einzugreifen, um Unklarheiten in Bezug auf die Verkündigung des Lehramtes bzgl. Euthanasie und assistierten Suizids noch einmal auszuschließen, selbst in solchen Kontexten, in denen nationale Gesetze solche Praktiken legitimiert haben.

Insbesondere wirft die Verbreitung medizinischer Protokolle, die auf Situationen am Lebensende anwendbar sind, wie Do Not Resuscitate Order oder Physician Orders for Life Sustaining Treatment – mit all ihren Varianten in Abhängigkeit von nationalen Regelungen und Kontexten, die ursprünglich als Mittel zur Vermeidung des therapeutischen Übereifers in der Endphase des Lebens konzipiert wurden – heute ernsthafte Probleme in Bezug auf die Pflicht auf, das Leben von Patienten in den kritischsten Stadien der Krankheit zu schützen:

Einerseits fühlen sich die Ärzte tatsächlich zunehmend an die Selbstbestimmung gebunden, welche die Patienten in diesen Erklärungen zum Ausdruck bringen, und welche bereits dazu führt, die Ärzte der Freiheit und der Pflicht zu berauben, zum Schutz des Lebens zu handeln, auch dort, wo sie dies tun könnten, andererseits wirkt in einigen Kontexten des Gesundheitswesens der inzwischen breit angeprangerte Missbrauch besorgniserregend, der beim Gebrauch solcher Protokolle in der Perspektive der Euthanasie zustande kommt, wenn weder Patienten noch umso weniger ihre Familien bei der radikalen Entscheidung konsultiert werden.

Dies ist insbesondere in den Ländern der Fall, in denen die Gesetze zum Lebensende nach der Einführung der Praxis der Euthanasie viel Raum für Unklarheiten hinsichtlich der Anwendung der Fürsorgepflicht lassen.

Aus diesen Gründen ist die Kirche der Ansicht, dass sie als endgültige Lehre bekräftigen muss, dass die Euthanasie ein Verbrechen gegen das menschliche Leben ist, weil sich der Mensch mit dieser Handlung dazu entscheidet, den Tod eines anderen, unschuldigen menschlichen Lebewesens direkt herbeizuführen.

Die Definition der Euthanasie geht nicht von der Abwägung der betreffenden Güter oder Werte aus, sondern von einem hinreichend festgelegten moralischen Objekt, das heißt von der Wahl »eine[r] Handlung oder Unterlassung […], die ihrer Natur nach oder aus bewußter Absicht den Tod herbeiführt, um so jeden Schmerz zu beenden«.

»Bei Euthanasie dreht es sich also wesentlich um den Vorsatz des Willens und um die Vorgehensweisen, die angewandt werden«. Ihre moralische Bewertung und die daraus resultierenden Konsequenzen hängen daher nicht von einem Ausgleich von Grundsätzen ab, die, je nach Umständen und Leiden des Patienten, nach Ansicht einiger, die Beseitigung der kranken Person rechtfertigen könnten. Lebenswert, Autonomie, Entscheidungsfähigkeit und Lebensqualität sind nicht auf dem gleichen Niveau.

Euthanasie ist daher eine in sich schlechte Handlung, bei jeder Gelegenheit oder unter allen Umständen. Die Kirche hat in der Vergangenheit bereits endgültig festgestellt, »dass die Euthanasie eine schwere Verletzung des göttlichen Gesetzes ist, insofern es sich um eine vorsätzliche Tötung einer menschlichen Person handelt, was sittlich nicht zu akzeptieren ist.

Diese Lehre gründet auf dem Naturrecht und auf dem geschriebenen Wort Gottes, ist von der Tradition der Kirche überliefert und vom ordentlichen und allgemeinen Lehramt der Kirche gelehrt. Eine solche Handlung setzt, je nach den Umständen, die Bosheit voraus, wie sie dem Selbstmord oder dem Mord eigen ist«.

Jedwede direkte formelle oder materielle Mitwirkung bei einer solchen Handlung ist eine schwere Sünde gegen das menschliche Leben: »Es kann ferner keine Autorität sie rechtmäßig anordnen oder zulassen. Denn es geht dabei um die Verletzung eines göttlichen Gesetzes, um eine Beleidigung der Würde der menschlichen Person, um ein Verbrechen gegen das Leben, um einen Anschlag gegen das Menschengeschlecht«.

Die Euthanasie ist daher eine mörderische Handlung, die von keinem Zweck legitimiert werden kann und die keine Form von Mittäterschaft oder Mitwirkung toleriert, weder aktiv noch passiv. Diejenigen, die Gesetze über die Euthanasie und assistierten Suizid billigen, sind deswegen Mittäter der schweren Sünde, die andere begehen werden. Sie sind auch des Ärgernisses schuldig, weil diese Gesetze dazu beitragen, das Gewissen, selbst bei den Gläubigen, zu deformieren.

Das Leben hat für jeden die gleiche Würde und den gleichen Wert: Der Respekt vor dem Leben des anderen ist der gleiche, den man seiner eigenen Existenz schuldet. Eine Person, die sich völlig frei dazu entscheidet, sich das Leben zu nehmen, bricht ihre Beziehung mit Gott und mit den anderen und verleugnet sich selbst als moralisches Subjekt.

Der assistierte Suizid erhöht dessen Schwere, da er einen anderen an seiner Verzweiflung beteiligt und ihn dazu veranlasst, den Willen nicht auf das Geheimnis Gottes mittels der theologischen Tugend der Hoffnung zu richten, folglich den wahren Wert des Lebens nicht anzuerkennen, und den Bund zu brechen, den die menschliche Familie ausmacht.

Dem Suizidenten Beihilfe zu leisten ist eine unrechtmäßige Mitwirkung bei einer unerlaubten Handlung, die der Beziehung zu Gott und der moralischen Beziehung widerspricht, welche die Menschen untereinander verbindet, damit sie die Gabe des Lebens teilen und am Sinn der eigenen Existenz teilnehmen.

Selbst wenn die Forderung nach Euthanasie aus Angst und Verzweiflung resultiert und, »obwohl in solchen Fällen die Schuld des Menschen vermindert sein oder gänzlich fehlen kann, so ändert doch der Irrtum im Urteil, dem das Gewissen vielleicht guten Glaubens unterliegt, nicht die Natur dieses todbringenden Aktes, der in sich selbst immer abzulehnen ist«.Gleiches gilt für den assistierten Suizid. Solche Praktiken sind niemals eine echte Hilfe für den Patienten, sondern eine Hilfe zum Sterben.

Es geht daher um eine immer falsche Entscheidung: »Medizinisches Personal und andere Angehörige der Gesundheitsberufe – der Aufgabe treu, „immer im Dienst des Lebens zu sein und es bis zum Ende zu unterstützen“ – dürfen sich nicht einmal auf Ersuchen des Betroffenen, und umso weniger seiner Verwandten, für die Durchführung jeglichen Euthanasieaktes zur Verfügung stellen. Tatsächlich gibt es kein Recht, willkürlich über das eigene Leben zu verfügen, so dass kein Mitarbeiter im Gesundheitswesen ein exekutiver Hüter eines nicht existierenden Rechtes werden kann«.

Deshalb sind Euthanasie und assistierter Suizid eine Niederlage für diejenigen, die sie konzipieren, die sie beschliessen und die sie praktizieren.

Daher sind die Gesetze, die Euthanasie legalisieren oder Suizid und Suizidbeihilfe rechtfertigen, schwer ungerecht, und zwar wegen des falschen Rechts, einen irrtümlich als würdig definierten Tod zu wählen, der nur deshalb würdig sein soll, weil er gewählt ist.

Solche Gesetze wirken sich auf die Grundlagen der Rechtsordnung aus: das Recht auf Leben, das jedes andere Recht trägt, einschließlich der Ausübung der menschlichen Freiheit. Die Existenz dieser Gesetze verletzt tief die menschlichen Beziehungen und die Gerechtigkeit, und bedroht das gegenseitige Vertrauen zwischen den Menschen zutiefst.

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20200714_samaritanus-bonus_ge.html#1._Das_Verbot_der_Euthanasie_und_des_assistierten_Suizids


Wir trauern über den Tod des katholischen Theologen Prof. Dr. Joseph Schumacher

Von Felizitas Küble

Unser theologischer Wegbegleiter, Autor und Mitstreiter Prof. Dr. Joseph Schumacher ist am 27. September nach langer Krankheit mit 87 Jahren in der Universitätsklinik Freiburg verstorben. Die Beisetzung des Priesters erfolgt am Dienstag, den 6. Oktober, in Littenweiler (Freiburg).

Mit dem Fundamentaltheologen Schumacher verband uns vor allem das Eintreten für den vollständigen katholischen Glauben, für seine dogmatischen Grundlagen, für die Fundamente des Christseins, die uns durch die Heilige Schrift und die apostolische Tradition überliefert worden sind.

Jenseits von Skeptizismus auf der einen und Schwarmgeisterei auf der anderen Seite, frei von Neigungen zum Unglauben oder Aberglauben, betonte Professor Schumacher ebenso anspruchsvoll wie bodenständig die Bedeutung des kirchlichen Lehramtes für eine klare Glaubens-Orientierung.

Seine von Nüchternheit und Besonnenheit geprägte Kritik an Wundersucht und Erscheinungsfixiertheit geht z.B. aus den Artikeln hervor, die er im CHRISTLICHEN FORUM  veröffentlichte: https://charismatismus.wordpress.com/?s=Joseph+Schumacher

Wer heute Theologie lehrt und zugleich unbeirrbar den Standpunkt der Kirche Christi vertritt, befindet sich zwischen allen Stühlen, auch innerhalb des katholischen Spektrums. 

Davon konnte auch dieser Fundamentaltheologe ein Lied singen:  seine Positionen sind vom bibel- und kirchenkritischen Rationalismus „moderner“ Theologen  ebenso weit entfernt wie von jenem scheinmystischen Irrationalismus, der sich in einigen konservativen Kreisen leider immer größerer Beliebtheit erfreut.

Für Joseph Schumacher waren Glaube und Vernunft (Ratio) keine Gegensätze, sondern Ergänzungen, freilich stets unter dem Vorrang des Glaubens: Dieser Professor, der sich in erster Linie als Priester verstand, dachte rational, ohne rationalistisch zu sein  –  und er vertrat eine gediegene Frömmigkeit jenseits von Pseudomystik  oder einem „reformkatholischem“ Rebellentum.

Der 1934 in Nottuln bei Münster (Westfalen) geborene Gelehrte war nach 10-jähriger Dienstzeit in der Pfarrseelsorge im Bistum Münster einige Jahre als Religionslehrer in Oldenburg tätig, bis 1971 seine wissenschaftliche Laufbahn an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg begann.

1973 promovierte er zum Doktor der Theologie, ein Jahr später führte sein Weg nach Münster zurück, diesmal zur wissenschaftlichen Arbeit im Bischöflichen Generalvikariat.

1977 erfolgte Schumachers Habilitation in Freiburg mit der Arbeit „Der apostolische Abschluß der Offenbarung Gottes“, die  –  ebenso wie die Dissertation über den „Denzinger“ –  im Herder-Verlag erschien. Insgesamt umfaßt sein Publikationsverzeichnis weit über 100 Titel.

1978 begann er seine Lehrtätigkeit als Privatdozent und wurde 1983 zum Professor für Fundamentaltheologie ernannt. Noch heute ist er mit seinen Lehrveranstaltungen an der Freiburger Universität präsent. Prof. Schumacher ist stets als Priester erkennbar  –  an der Hochschule wie im alltäglichen Leben.

Der glaubenstreue Geistliche war seit 1989 ordentliches Mitglied der „Pontificia Academia Theologica Romana“ und seit 1996 korrespondierendes Mitglied der „Internationalen Päpstlichen Akademie für Mariologie“.  

Gerade die Mariologie, die theologische Lehre über die Gottesmutter, lag Joseph Schumacher stets am Herzen, wie sich aus seinen Büchern, Vorträgen und Veröffentlichungen ergibt, zudem aus seiner Mitarbeit am „Marienlexikon“, das vom bekannten Mariologen Kardinal Leo Scheffczyk herausgegeben wurde.

Auch in diesem Bereich zeigt sich die nüchterne Spiritualität Schumachers, zumal er seine große Verehrung für die Jungfrau Maria freihielt von schwärmerischen Nebengleisen  –  ganz im Sinne seiner Habilitations-Schrift über den „apostolischen Abschluß der Offenbarung Gottes“, lehrt doch die Kirche seit jeher, daß die göttliche Offenbarung mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist.

Daher gehören „Privatoffenbarungen“ grundsätzlich nicht zum Glaubensgut der Kirche, erst recht fehlt ihnen jeder dogmatische Charakter   –  das gilt auch für kirchlich approbierte (genehmigte) Erscheinungen, weil diese Billigung der Kirche keine Glaubensverpflichtung darstellt, sondern lediglich eine Erlaubnis („Es ist den Gläubigen gestattet, daran zu glauben“ – so lautet die übliche Approbationsformel).

Der glaubenstreue Theologe äußerte sich in seinen Vorlesungen und Büchern, Artikeln und Aufsätzen  – etwa in der Zeitschrift „Theologisches“ –   stets fundiert, kompakt und auf hohem Niveau,  aber auch verständlich und ohne hyperakademische Verstiegenheit.

Auch sein im Bonifatius-Verlag erschienener Klassiker über „Esoterik  – die Religion des Übersinnlichen“  ist gehaltvoll und faktenreich,  zugleich aber leserfreundlich verfaßt.

Der Esoterik-Experte Schumacher warnte bereits 1991 im Ministranten-Magazin “Turibulum“ vor dem Okkultismus und der damals aktuellen New-Age-Bewegung. Für ihn ist es selbstver-ständlich, seine Aufsätze in Fachpublikationen ebenso zu veröffentlichen wie in einer Zeitschrift für Meßdiener, die der Fe-Verlag herausbrachte. Dort erschien auch sein Buch „Beten mit der Kirche“, das die wichtigsten kath. Gebete in verschiedenen Sprachen enthält.

Für den lehramtstreuen Theologen war es auch selbstverständlich, sich moderner Medien zu bedienen, um den Glauben der Kirche zu verkünden. In seiner eigenen Internet-Präsenz www.theologie-heute.de finden sich weit über 10.000 Seiten mit Vorlesungen, Predigten, Aufsätzen, Referaten, Kommentaren und Erklärungen.

Er veröffentlichte seine Vorlesungen bereits im Internet, als keiner seiner Kollegen daran dachte. Seit Jahrzehnten setzte er auch seine Predigten auf seine Homepage.

Joseph Schumacher war stets bereit, dem Zeitgeist die Zähne zu zeigen, wenn es darum ging, sich unerschrocken zu Glaube, Kirche und Papstamt zu bekennen. Damit machte er seinem Beruf alle Ehre, denn Professor heißt übersetzt „Bekenner“.