Durch Leiden und Tod ist Christus der Urheber unseres Heiles geworden

Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche: Hebr 2,9-11.

JESUS, der nur für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war, sehen wir um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
Es war nämlich Gottes gnädiger Wille, dass ER für alle den Tod erlitt.
Denn es war angemessen, dass Gott, durch den das All ist und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen wollte, den Urheber ihres Heiles durch Leiden vollendet hat.

Denn ER, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle von Einem ab; darum scheut ER sich nicht, sie Brüder zu nennen.

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Paulus erträgt seine Leiden für die Kirche

Aus der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche: Kol 1,24 ff.

Ich freue mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Ich ergänze in meinem irdischen Leben, was an den Leiden Christi noch fehlt für seinen Leib, die Kirche.

Ihr Diener bin ich geworden gemäß dem Heilsplan Gottes, um an euch das Wort Gottes zu erfüllen.
Er ist jenes Geheimnis, das seit ewigen Zeiten und Generationen verborgen war – jetzt aber seinen Heiligen offenbart wurde.
Ihnen wollte Gott kundtun, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Völkern ist:
Christus ist unter euch, die Hoffnung auf Herrlichkeit…

In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.

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TROST bedeutet: Gottes Gegenwart im Leid

Von Peter Hahne

Die „Bild am Sonntag“ berichtet über einen katholischen Pfarrer im deutschen Flutkatastrophengebiet, der nicht mehr beten kann und mit Gott nicht mehr redet. Nicht nur die Leser sind erstaunt.

Viele Menschen fragen sich heute: Wo bleiben eigentlich die Bischöfe in solch einem Fall? Ja, wo sind sie überhaupt in dieser Katastrophe? Das Flutkatastrophen-Gebiet sei doch eine Hochburg des Katholizismus.

Und selbst Margot Käßmann, sonst dem Zeitgeist wohl zugetan, ist erstaunt: Ob es denn dem Herrn Kollegen noch nichtmal zum Psalm 23 gereicht hätte – so berichtet die Bild am Sonntag. Die Zeitung hatte das Ganze überhaupt erst ins Rollen gebracht mit einer Balkenüberschrift auf der Titelseite: „Pfarrer: ich rede nicht mehr mit Gott.“

Eine Woche lang habe ich überlegt, ob man das thematisieren soll. Ich fasse es einfach nicht, wie jemand so denken, ja vor allem so reden kann.

Natürlich gibt es Momente, wo man mit Jesus Christus schreien möchte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?!“. Doch als Christ weiß man doch aus der Heiligen Schrift, was danach kam, die letzten Worte Jesu am Kreuz, Worte der Gewißheit in allem Zweifel und der Zuflucht im größten Elend: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“.

Ihm kann ich mein Leben, mein Schicksal, ja sogar meinen Unglauben bringen. Weiß das alles der Herr Pfarrer nicht, Seelsorger in dem meist betroffenen Ort des Katastrophengebietes.

„Beten Sie?“ fragt die Reporterin. Antwort: „Nein, ich rede im Moment gar nicht mit Gott…. Die Worte, die ich sonst gebraucht habe, passen nicht.“ – Ich wäre hier der Letzte, der einen Stab über diesem armen Mann brechen würde. Nein, wir alle können in eine solche Lage kommen.

Doch genauso wenig wie ein Kanzlerkandidat, wenn er jemals als Autorität ernst genommen werden will, mitten in den Trümmern des Elends lachen darf, so darf um alles in der Welt ein Pfarrer so etwas öffentlich nicht sagen.

Denn der Zeitung ging es ja darum, die Menschen zu trösten. Deshalb der Anruf beim Pfarrer. Er habe am Telefon geweint, hieß es. Ja, das verstehe ich. Aber ich kenne auch das Lied von Julie Hausmann, das aus tiefster Not geboren ist:


„Wenn ich auch gleich nichts fühle
von deiner Macht,
du führst mich doch zum Ziele,
auch bei der Nacht.
So nimm denn meine Hände….“

Karl Carstens, einer der großen unter den Bundespräsidenten, erzählte mir als blutjungem Reporter einst, wie er durch das Zeugnis seiner Frau Veronika zum lebendigen Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Sie war eine angesehene Ärztin. Und dann sein Rat an den Jungspund: „Christen müssen immer identifizierbar bleiben, egal ob Schüler oder Lehrer, ob Ärztin oder Hausfrau.“

Und es würde die Zeit kommen, dass das Evangelium nicht mehr von Kanzeln und Funktionären zu den Leuten gelangt: „Es ist der normale Mensch in seinem Alltag, der Jesus bezeugen wird und die Menschen zum Glauben ruft. Wie es die Bibel sagt: Wenn der Klerus verstummt, schreien die Steine.“ Und wie die schreien!

Da ist der Tiefbau-Unternehmer, der einen ganzen Landstrich vor dem Untergang bewahrte. Er zog unter Lebensgefahr den „Stöpsel“ einer Talsprerre: „Ich habe gebetet, ich habe mich segnen lassen. ich wußte: Gott hilft mir.“

Oder der Feuerwehrmann, der sich in reißender Flut an ein steinernes Grabkreuz klammerte, sechs lange Stunden: „Das Kreuz von Jesus hat mir das Leben gerettet.“

Ja, es ist die Stunde der „Laien“. Eine tief gläubige Frau aus Ahrweiler berichtet, wie einzig ihr Haus in der ganzen Straße von allem Schaden bewahrt blieb: „Wir leben mit Jesus. Und er läßt uns nicht im Stich.“

Glaube ist keine Leid-Verhinderungs-Versicherung. Das ist wahr. Und Gott macht das Leid vielleicht nicht erklärlicher. Aber auf jedenfall erträglicher. Trost heißt: Gegenwart Gottes im Leid.

BUCHTIP: Peter Hahne: Leid – Warum lässt Gott das zu?  – 160 Seiten

Wir danken dem ehem. ZDF-Moderator, evangelischen Theologen und Bestsellerautor Peter Hahne für die freundliche Abdruckserlaubnis. – Den vollständigen Text seines Artikes lesen Sie hier: https://www.kath.net/news/75904

Gemälde: Evita Gründler


Kolumbien: Kath. Bischöfe protestieren gegen Euthanasie auf Verlangen

Die Kirche Kolumbiens hat sich besorgt über die weitere Legalisierung der Euthansie in ihrem Land geäußert. Dies stelle einen „schweren Verstoß gegen die Würde der menschlichen Person“ dar und leiste „der Zersetzung der Grundwerte der sozialen Ordnung Vorschub“, schrieb der Vorsitzende derBischofskonferenz, Luis Jose Rueda Aparicio.

In Kolumbien hat das Verfassungsgericht vorige Woche über eine Ausweitung des Rechts auf „Sterbehilfe“ entschieden. Der „Straftatbestand der Tötung aus Gnade“ treffe nicht auf Euthanasie an einem Patienten zu, der „infolge einer Körperverletzung oder einer schweren und unheilbaren Krankheit schwere körperliche oder seelische Leiden erleidet“, hieß es im Urteilsspruch. Der Eingriff müsse von einem Arzt und mit der „freien und informierten Zustimmung“ des Patienten durchgeführt werden.

Die Bischöfe schreiben, die Entscheidung des Gerichtshofs stelle „eine große Gefahr für die schwächsten und verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft“ dar. Werde Druck auf ihr Leben ausgeübt, beschränke dies ihre Freiheit deutlich. Als Gegenmaßnahme sei dringend eine „solidarische Haltung gegenüber der Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit des Menschen“ nötig.

Quelle und vollständige Nachricht hier: https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2021-07/kolumbien-kirche-kritik-sterbehilfe-verstoss-menschenwuerde-not.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE


Wie uns die Leiden Christi zuteil geworden sind, so auch überreicher Trost durch Christus

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 2 Kor. 1,1-7.

Paulus, durch Gottes Willen Apostel Christi Jesu, und der Bruder Timotheus an die Kirche Gottes, die in Korinth ist, und an alle Heiligen in ganz Achaia.
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem HERRN Jesus Christus.

Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres HERRN, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes.
ER tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott gestärkrt werden.
Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, so wird uns durch Christus auch überreicher Trost zuteil.

Sind wir aber in Not, so ist es zu eurem Heil, und werden wir getröstet, so geschieht auch das zu eurem Trost; er wird wirksam, wenn ihr geduldig die gleichen Leiden ertragt, die auch wir ertragen.
Unsere Hoffnung für euch ist unerschütterlich; wir sind sicher, dass ihr mit uns nicht nur an den Leiden teilhabt, sondern auch am Trost.

Gemälde: Evita Gründler

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Zwischen Panikmache und Verstiegenheit: Blut-Jesu-„Heilungsgebet“ unter der Lupe

Von Felizitas Küble

Auf den Leser-Foren von Gloria-TV tummelt sich viel Frommes und Oberfrommes, viel Gläubiges und Abergläubiges, gleichsam ein buntes Allerlei kreuz und quer durch die – dort etwas simpel gestrickte – katholische Welt.

Dabei treibt die „Volksfrömmigkeit“ bisweilen seltsame Blüten bis Sumpfblüten im erscheinungsbewegtem Gewande.

Das gilt auch für ein dort empfohlenes sogenanntes „Heilungsgebet durch das Kostbare Blut Jesu“: https://gloria.tv/post/C79d7uGJH1De1GTdiLkF14ajB

Hier seien die wichtigsten Abschnitte nacheinander zitiert:

Unendlich guter Vater, gieße nun in deiner großen Zärtlichkeit das kostbare Blut deines Sohnes Jesus über mich dein Kind X…. aus, um alle Bindungen zu lösen, die Du bei deinem Kind siehst und die es in Ängsten und Krankheit, so wie den Schmerz, in Sünden, in Zweifel, in Qualen, in der Besessenheit, in Unsicherheit und in Schuldgefühl gefangen halten.“

Warum sollte jemand sich in einem Gebet z.B. zur „Besessenheit“ bekennen, obwohl diese gerade bei Gläubigen äußerst selten vorkommt? – Hier wird also unnötige und unangemessen Panik geschürt.

Unklar ist auch, was mit „Bindungen“ genau gemeint ist – der Text erinnert an gewisse charismatische Heilungsgebete mit ihren ständigen Beschwörungsformeln vom „Binden“ und Lösen“, für die es weder in der Bibel noch in der kirchlichen Tradition eine Basis gibt. (Die Stelle bei Mt. 16,18 steht in einem ganz anderen Kontext.)

Diese kritische Deutung wird durch die weiteren Anrufungen bestätigt:

Unendlich guter Vater, löse im kostbaren Blute Deines Sohnes Jesus alle Bindungen, alle diese Verfluchungen, die meinem Glück und meiner völligen Gesundheit entgegenstehen.“

Erneut wird dem Beter unsinnige Angst eingejagt, indem erstens von „Verfluchungen“ die Rede ist, zweitens der irrige Eindruck erweckt wird, als seien diese die eigentliche Ursache von Krankheiten und mangelndem Glückauch dies ist eine bekanne Vorstellung aus dem schwärmerischen Spektrum, das sich gerne in ein Karussell dramatischer Gedanken und Gefühle hineinsteigert.

Dem folgt nun ein Flehruf an Maria, der diese angstbesetzte Pseudo-Frömmigkeit munter weiterführt:

Du aber gütige Mutter Jesu, durchtrenne durch Deinen Gnadendienst alle diese Bindungen, die der Vater im kostbaren Blute seines Sohnes gelöst hat. Heilige Maria, Mutter unseres Retters, treibe das Böse aus den verletzten Bereichen meines Wesens aus und nimm alle Spuren der Mächte des Bösen, die umherschleichen, weg von mir.“

Erstens widersrpicht sich der Text schon im ersten Satz, denn wenn Gott-Vater die vermeintlich fatalen Bindungen bereits „gelöst“ hat, dann gäbe es keine Notwendigkeit zur zusätzlichen „Durchtrennung“ durch die Madonna – einmal abgesehen davon, daß sie nicht von sich aus direkt wirken, sondern lediglich durch ihre Fürsprache bei Christus helfen kann.

Sodann ist die danach folgende Formel („Treibe das Böse aus den verletzten Bereichen…..“) verstiegen und theologisch irreführend, denn wir werden unser Leben lang mit den Wirkungen der Erbsünde zu kämpfen haben – und genau darin besteht unsere Herausforderung (und nicht etwa in einer ständigen Nabelschau – hierbei über unsere „Verletzungen“ meditierend).

Gott hilft uns nicht am Leiden vorbei (das gilt auch für Versuchungen), aber er hilft uns hindurch. Man könnte auch sagen: ER nimmt uns nicht immer die Last hinweg, aber er stärkt unsere Schultern, damit wir sie besser tragen können.

Abschließend wird im typischen Stil charismatischer „Proklamationen“ , welche Gott gleichsam auf eine Gebetserhörung festlegt, Folgendes verkündet:

Vater ich preise Dich für die Wunder, die derzeit durch die Macht des kostbaren Blutes Deines Sohnes Jesus im ganzen Wesen deines Kindes geschehen. Ich bin so sicher, dass Du handelst, dass Du Dein Kind befreist, dass ich Dir jetzt schon für die Wundertaten danke, die durch dieses Gebet geschehen werden.“

Natürlich sollen wir GOTT loben und preisen für alle Hilfen, Gnaden und Wegweisungen, ihm danken für seine Fügungen, für Trost und Beistand. Aber stets sollte dabei der Wunsch aus dem Vaterunser-Gebet im Vordergrund stehen: „Dein Wille geschehe!“

GOTT ist ein persönliches Wesen und keine esoterische „Kraft“ oder Energie, die wir beliebig für unsere Interessen und Zwecke einspannen können, denn seine Gnade und seine Gaben sind unverfübar.

Nicht der Ewige hat uns und unseren Wünschen zu dienen, sondern wir sollen uns ihm als Diener zur Verfügung stellen – so wie Maria es einst bei der Verkündigung durch den Engel so treffend gesagt hat: „Siehe, ich bin die Magd des HERRN – mir geschehe nach Deinem Wort!“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Fotos: Evita Gründler, Dr. Bernd F. Pelz, Archiv


Vatikan gedenkt des Völkermords an Armenien

Der Präfekt der Ostkirchen-Kongregation, Kardinal Leonardo Sandri, hat eine ostkirchliche Liturgie im Päpstlichen Armenischen Kolleg zum Gedenken an den 106. Jahrestag des Völkermordes zelebriert.

In seiner Predigt sagte er: „Die Armenier sind Opfer eines systematisch geplanten Leidens, aber sie haben den Schatz des Glaubens nicht verloren.“

Die Liturgie wurde im Gedenken an Hunderttausenden von Männern, Frauen, Alten und Kindern, die während des sog. „Medz Yeghern“ (1915 – 16) ermordet wurden. Der Gottesdienst fand im Päpstlichen Armenischen Kolleg zum Gedenken an den 116. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern statt.

In der von Erzbischof Raphael Minassian geleiteten Feier erinnerte der Kardinal an den Schmerz dieses Volkes. Die Armenier seien das erste Volk in die Geschichte gewesen, das im Jahre 301 die Taufe empfing.

Sie seien aber auch jene gewesen, die die „unermessliche Gewalt bis zum Tod“ erlitten haben, aber wieder aufzustehen wussten. Ein „fleißiges und intelligentes Volk, Schöpfer von Kunst und Kultur“, fügte Sandri an.

Quelle und vollständige Nachricht hier: https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2021-04/vatikan-armenien-genozid-kardinal-sandri-liturgie-jahrestag-tod.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE


ER hat durch Leiden den Gehorsam gelernt

Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche: Hebr 5,7-9.

Als Christus auf Erden lebte, hat ER mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und ER ist erhört und aus seiner Angst befreit worden.

Obwohl ER der Sohn war, hat ER durch Leiden den Gehorsam gelernt.
Zur Vollendung gelangt, ist ER für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.

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Weihnachtsgeheimnis im Licht des Kreuzes

Von Hermann Rieke-Benninghaus

Zu Edith Stein fällt einem ein: jüdische Herkunft, Prof. Husserl, Phänomenologie, Philosophin, Konversion, Karmel, Teresia Benedicta vom Kreuz, Holland, Deportation, Auschwitz, Heilige und Patronin Europas.

Können wir auch heute von ihr lernen?

Setzen wir uns dazu in die Zuhörerschaft ihres Vortrags über „Das Weihnachtsgeheimnis“. Wir sind Gast beim Katholischen Akademikerverband in Ludwigshafen am 31. Januar 1931:

„Christus ist Gott und Mensch – und wer an seinem Leben Anteil hat, muß am göttlichen und am menschlichen Leben Anteil haben. Die menschliche Natur, die ER annahm, gab ihm die Möglichkeit, zu leiden und zu sterben.

Die göttliche Natur, die ER von Ewigkeit besaß, gab dem Leiden und Sterben unendlichen Wert und erlösende Kraft. Christi Leiden und Tod setzt sich fort in seinem mystischen Leib und in jedem seiner Glieder.

Leiden und sterben muß jeder Mensch. Aber wenn er lebendiges Glied am Leib Christi ist, dann bekommt sein Leiden und Sterben durch die Gottheit des Hauptes erlösende Kraft.

Das ist der objektive Grund, warum alle Heiligen nach Leiden verlangt haben. Das ist keine perverse Lust am Leiden. Den Augen des natürlichen Verstandes erscheint es als Perversion. Im Licht des Erlösungsgeheimnisses erweist es sich als höchste Vernunft.

Und so wird der Christusverbundene auch in der dunklen Nacht der subjektiven Gottferne und -verlassenheit unerschüttert ausharren; vielleicht setzt die göttliche Heilsökonomie seine Qual ein, um einen objektiv Gefesselten zu befreien. Darum: Fiat voluntas tua! [Dein Wille geschehe!] auch und gerade in der dunkelsten Nacht.“

Die Lehrerin Dr. Edith Stein benennt die Heilsmittel, um unseren Willen mit dem göttlichen Willen gleichförmig zu machen. Man muß täglich auf die Worte Gottes hören und sie befolgen. Der Heiland hat gelehrt: „Bittet und ihr werdet empfangen.“

So dürfen wir den HERRN bitten, daß sein Wille geschehe. In unserer menschlichen Schwäche kommt uns das fleischgewordene Wort zu Hilfe. „Wie der irdische Leib des Menschen nach täglicher Nahrung verlangt, so verlangt auch der göttliche Geist in uns nach dauernder Nahrung„, sagte Edith Stein.

Wer das lebendige Brot vom Himmel zu seiner täglichen Nahrung macht, in dem vollzieht sich täglich das Weihnachtsgeheimnis, die Menschwerdung des Wortes. Diese Kommunion ist der sicherste Weg, jeden Tag tiefer und fester in die Kirche, den mystischen Leib Christi hineinzuwachsen.

Wer den HERRN in seinem Haus aufsucht, wird nicht mehr nur mit den eigenen Angelegenheiten beschäftigt sein, sondern sich immer mehr für die Angelegenheiten des HERRN interessieren. Wer kann der Opferfeier beiwohnen, ohne danach zu verlangen, daß sein kleines persönliches Leben hineingestellt wird in das große Werk des Erlösers?

Dazu sagt Edith Stein: „Mit dem Menschensohn durch Leiden und Tod zur Herrlichkeit der Auferstehung ist der Weg für jeden von uns, für die ganze Menschheit.“


BETEN mit Glauben und Vertrauen

HERR,
gib mir deinen Geist zum Beten,
zum Beten ohne Unterlass,
getrost im Glauben hinzutreten,
wenn ich Dein Wort mit Freuden fass,
und auch im Glauben hinzuknien,
wenn ich in Furcht und Jammer bin.

Im Schrecken über meine Sünden
sei dies mein Ruf: Erbarme Dich!
So oft ich mich so schwach empfinde,
sei dies mein Seufzer: Stärke mich!
Sink ich, so werde dies mein Flehn:
HERR, hilf, sonst muss ich untergehn!

Fühlt Seel und Leib ein Wohlergehen,
so treib es mich zum Dank dafür;
lässt Du mich Deine Werke sehen,
so sei mein Rühmen stets von Dir;
und find ich in der Welt nicht Ruh,
so steig mein Sehnen himmelzu.

Ist der Versucher in der Nähe,
so lehr mich ihn beizeiten fliehen;
wenn ich den Bruder leiden sehe,
so lehr mich hilfreich sein für ihn;
und in der Arbeit meiner Pflicht
sei doch mein Herz zu Dir gericht’t.

Am Abend heiß mich mit Dir reden,
am Morgen auch noch bei Dir sein;
und sterb ich, lass in letzten Nöten
doch Deinen Geist noch in mir schrein.
Weckst Du mich einst, so bet ich dann
Dich ewig auch im Himmel an.

Philipp F. Hiller

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