Göttingen: AfD kritisiert linksradikale Randale gegen CDU-Politiker Thomas De Maizière

Zur Verhinderung der Lesung von Ex-Bundesminister Thomas De Maizière im Göttinger Rathaus erklärt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Dr. Götz Frömming:

„Wer geglaubt hat, man könne bei der Verhinderung der Vorlesung von Prof. Dr. Bernd Lucke noch wegsehen, ist nun eines Besseren belehrt worden.

Linksextremisten kennen kein Halten, wenn es darum geht, den Korridor des Sagbaren in Deutschland weiter einzuschränken.

Das von der Verfassung geschützte Recht auf Meinungsfreiheit darf auf keinen Fall auf dem Altar des vermeintlich Politisch-Korrekten geopfert werden. Alle demokratischen Kräfte müssen nun zusammenhalten und das Recht auf freie Meinungsäußerung in Wort, Schrift und Bild gegen jeglichen Totalitarismus entschieden verteidigen.“ 

 


Versuch von Cybergrooming wird strafbar

Ermittler stärken, Straftaten verhindern, Kinder schützen

Der Deutsche Bundestag berät am heutigen Donnerstag in 1. Lesung den Gesetzentwurf zur Einführung der Versuchsstrafbarkeit beim sog. Cybergrooming.

Hierzu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CSU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker:

„Endlich beginnen die parlamentarischen Beratungen zur Versuchsstrafbarkeit des Cybergrooming. Mit dem Gesetzentwurf stärken wir die Ermittler, verhindern ggf. weitere Straftaten und schützen somit unsere Kinder.

Cybergrooming ist die gezielte Kontaktaufnahme von Erwachsenen zu Minderjährigen im Internet zwecks Anbahnung sexueller Kontakte. Wer versucht, sich auf diese Art an Kinder heranzumachen, zeigt damit seinen Entschluss, Kinder zu täuschen und ggf. auch zu missbrauchen.

Das muss reichen, damit die Ermittler wirksam einschreiten können. Von Praktikern wissen wir, dass sie ohne die Versuchsstrafbarkeit häufig kein Ermittlungsverfahren einleiten können.

Auf Druck der Union war dieses Anliegen deshalb in den Koalitionsvertrag gekommen, nachdem es in der letzten Legislaturperiode vom Bundesjustizministerium und dem Koalitionspartner immer abgelehnt worden war. Endlich hat das Justizministerium nun den überfälligen Gesetzentwurf vorgelegt.

Die parlamentarischen Beratungen wollen wir nutzen, den Schutz der Kinder noch weiter auszubauen. Die CDU/CSU-Fraktion hat dazu bereits eine Vielzahl von weiteren Maßnahmen beschlossen.“

 


München: Buchpräsentation und Gespräch mit Alexander von Schönburg

Der Schriftsteller und Journalist Alexander Graf von Schönburg stellt am Donnerstag, 29. November, sein neues Buch „Die Kunst des lässigen Anstands. Altmodische Tugenden für heute“ in München vor.

Auf einer „Domspatz-Soirée“ im Kulturzentrum Movimento (Neuhauser Straße 15) spricht er mit dem Publizisten Michael Ragg über die Wiederentdeckung und Erneuerung christlicher Lebenskultur in Europa. Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr, Saalöffnung ist um 19 Uhr. Der Eintritt beträgt acht Euro. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Alexander von Schönburg, Bestsellerautor und Mitglied der „Bild“-Chefredaktion, ist auch Chef des gräflichen Glauchauer Zweigs des Hauses Schönburg und Bruder von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Bekannt wurde er vor allem durch sein Buch „Die Kunst des stilvollen Verarmens“.

„Die christlichen Wurzeln,“ schreibt von Schönburg in einem Beitrag für die Zeitschrift „durchblick“, „die für die Gründer der Europäischen Union noch das identitätsstiftende Element waren, … werden wiederentdeckt oder besser: Sie kommen mit Wucht zurück.“

Das Kulturzentrum Movimento findet man in der Münchner Fußgängerzone, direkt gegenüber der Michaelskirche.


Der AfD-Kreisverband Münster fordert Entschuldigung von der SPD-Ratsfraktion

Pressemitteilung der AfD in Münster:

Der Kreisverband der AfD-Münster fordert eine öffentliche und schriftliche Entschuldigung von der SPD-Ratsfraktion. Ein entsprechendes Schreiben hat die Partei an deren Vorsitzenden Dr. Michael Jung gerichtet.

Der AfD-Kreisverband veranstaltete am Mittwoch eine Lesung in der Stadtbibliothek. Eine lokale Organisation hatte deswegen eine Protestveranstaltung angemeldet. Die SPD-Fraktion hat in einer Mitteilung öffentlich dazu aufgerufen, diese Demonstration zu unterstützen.

Das aber ist rechtlich nicht zulässig. Die SPD-Fraktion in Münster ist Teil der kommunalen Verwaltung. Für sie gelten daher die Grundsätze von Sachlichkeit und Neutralität in ihren Äußerungen. Wenn sie sich äußert, muss das auch einen Bezug zu ihrer Arbeit als Ratsfraktion haben.

Ein Aufruf sich an einer Protestaktion gegen eine Veranstaltung einer anderen Partei zu beteiligen, hat keinen Bezug zur Ratsarbeit. Er ist daher nicht zulässig. Der AfD-Kreisverband fordert daher eine schriftliche Entschuldigung vom SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung.

„Die SPD-Fraktion muss sich für ihr undemokratisches Verhalten bei der AfD-Münster entschuldigen. Ebenso muss sie versichern, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt“, erklärt AfD-Kreissprecher Martin Schiller (siehe Foto).

BERICHT über die Anti-AfD-Tumulte in Münster siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/04/26/muenster-linksradikale-tumulte-gegen-afd-lesung-mit-dr-weissmann-ueber-die-68er/


Münster: Linksradikale Tumulte gegen AfD-Lesung mit Dr. Weissmann über die 68er

Von Felizitas Küble

Drinnen im Lesesaal der Stadtbücherei Münster sprach der Philosoph und evangelische Theologe Dr. Karl Heinz Weissmann gestern Abend über den „Kulturbruch“ von 1968 und ihre Folgen   und draußen tobte sich genau dieser Kulturbruch samt „Folgen“ heftig aus  – genauer gesagt: die 68er Sumpfblüten in Form linksradikaler Randale, Heidenlärm und feindseliger Parolen. Eingeladen hatte dazu das ultralinke Bündnis „Keinen Meter den Nazis“.

Daher war ein riesiges Polizei-Aufgebot erforderlich (siehe Foto), um die Antifa und ihre Hilfsgruppen von der Linkspartei und den DGB-Gewerkschaften über die Grünen bis hin zu SPD-Mitgliedern im Zaum zu halten. Befremdlich war zudem, daß sogar Kinder im Grundschulalter von dieser Linksfront dazu vereinnahmt wurden, primitive Sprüche-Poster hochzuhalten.

BILD: Die Polizei sichert den Eingang zur Stadtbibliothek vor aggressiven Protestlern (hier ein Plakat der Linkspartei. „Nazis stoppen“)

Damit die vorhersehbaren Chaoten nicht auch noch im Versammlungsraum stören, blieb der AfD Münster bereits im Vorfeld nichts anderes übrig, als Eintrittskarten an die Teilnehmer/innen zu verschicken.

Die Polizei kontrollierte schon eine Stunde vor Veranstaltungs-Beginn mit dutzenden Beamten den Zugang zur Stadtbibliothek; sie hielt die heranrückenden Linken strikt vom Eingangsbereich ab und bildete auf einer Seitengasse eine Art Spalier, damit die Besucher angesichts der Tumulte überhaupt zur Veranstaltung gelangen konnten. 

Auf ihrem Weg zur Eingangstür der Bücherei erwartete sie nicht nur ein ohrenbetäubender Lärm, sondern auch Stinkefinger und ständige Schrei-Konzerte mit „anspruchsvollen“ Parolen wie „Nazis raus!“  – „Ich hasse Rassisten!“ – „Kein Bock auf Nazis“ und „Alle Nazis sind Scheiße!“  

BILD: Typische Alt-68er Parole: „Unter den Talaren….“

Auch auf den Transparenten wurde die AfD verleumderisch mit „Nazis“ gleichgesetzt („Kein Bock auf Nazis“, „Stoppt Nazis“), was bei der linksextremen Antifa wenig überrascht.

Bedenklich ist allerdings, daß sich auch vermeintlich demokratische Parteien wie die Grünen und die SPD an diesem intoleranten Treiben beteiligten.

Die Veranstaltung begann mit einer kurzen Ansprache von Martin Schiller (siehe Foto), dem Sprecher der AfD in Münster. Er dankte der Stadtbücherei, die als staatliche Einrichtung ohnehin zur politischen Neutralität verpflichtet ist, freundlich dafür, daß die AfD den Saal mieten konnte, zumal es für diese Partei angesichts linker Umtriebe und Drohungen gegen Gasthäuser immer schwieriger wird, überhaupt noch Tagungsräume zu bekommen.

Allerdings weigerte sich das privat geführte Cafe der städtischen Bibliothek schon im Vorfeld, die Besucher der AfD zu bedienen.

Die Partei wußte sich freilich zu helfen und organisierte kurzfristig eine eigene Theke im Versammlungsraum, bot dort Getränke, Knabbereien und Süßigkeiten an. Schiller nahm es mit Humor und erwähnte, daß diese Situation der Partei-Kasse nur gut tun würde. Zugleich machte er sich über ein Transparent der Störer mit dem Titel „Enteignet Schiller!“ lustig. (Damit erinnerten die Chaoten an die 68er mit ihrer bekannten Parole: „Enteignet Springer!“)

Als die Veranstaltung nach etwa zwei Stunden zu Ende war, konnten die Besucher nicht nur den Hauptausgang wegen der immer noch anhaltenden linksradikalen Störungen nach wie vor nicht verwenden – auch der bisherige Seitenausgang konnte von der Polizei offenbar nicht gesichert werden. Daher mußten die Teilnehmer die entgegengesetze Treppe verwenden, zumal hier einige Polizeiautos in der Nähe präsent waren.

Der Bericht über den VORTRAG von Dr. Karl Heinz Weissmann siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/04/26/dr-weissmann-ueber-den-kulturbruch-der-68er-revolte-und-die-fatalen-folgen/

 


In CHRISTUS wohnt die Fülle der Gottheit

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Kol 2,6-15:

Brüder! Ihr habt Jesus Christus als HERRN angenommen. Darum lebt auch in ihm!

Bleibt in IHM verwurzelt und auf IHN gegründet und haltet an dem Glauben fest, in dem ihr unterrichtet wurdet. Hört nicht auf zu danken!

Gebt acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die Elementarmächte der Welt, nicht auf Christus berufen.

Denn in IHM allein wohnt die ganze Fülle Gottes wahrhaftig. Durch IHN seid auch ihr davon erfüllt; denn ER ist das Haupt aller Mächte und Gewalten.

Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit IHM auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.
Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; GOTT aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben.

ER hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. ER hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.

Die Fürsten und Gewalten hat GOTT entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt; durch Christus hat ER über sie triumphiert.

 


Jüdische Kulturwochen in Stuttgart 2015

Im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen in Stuttgart sind u.a. folgende Beiträge aus Israel vertreten:

Dienstag, 10. November 2015, 19.30 Uhr
Dokumentarfilm: „My German Children“
, Regie: Tom Tamar Pauer, Dt./Israel 2013


Der Film ist eine Langzeitstudie über acht Jahre hinweg. Er nimmt den Zuschauer mit auf eine spannende Reise durch vier Generationen, in der die Frage der Zugehörigkeit zentral ist und in unterschiedlichen Situationen immer wieder gestellt wird. Die Familie der Regisseurin ist sowohl israelisch als auch deutsch, sowohl jüdisch als auch christlich. Die Filmemacherin wurde in Israel geboren. Im Alter von 20 Jahren entscheidet sie sich nach Deutschland zu ziehen, wo sie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert, eine Familie mit zwei Kindern gründet und sich eine Karriere als Filmregisseurin aufbaut. Nach 16 Jahren in München kehrt sie nach Israel zurück. Doch ihre Kinder, geboren und aufgewachsen in Deutschland, sind mit dieser Entscheidung nicht einverstanden.
Nach der Filmvorführung findet ein Publikumsgespräch mit der Regisseurin statt.
Ort: Haus des Dokumentarfilms, Teckstr. 62, Stuttgart

Mittwoch, 11. November 2015, 20 Uhr
Lesung: „Juden und Worte“ mit Fania Oz-Salzberger
, Moderation: Anat Feinberg, Sprecherin: Barbara Stoll


Amos Oz und seine älteste Tochter Fania Salzberger-Oz erkunden jüdische Wortwelten, Wörter, ihre alten wie neuen Bedeutungen, Auslegungen und Wandlungen, die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Kontinuität im Judentum war immer ans mündlich geäußerte und geschriebene Wort geknüpft, an ein ausuferndes Geflecht von Interpretationen, Debatten, Streitigkeiten. In der Synagoge wie in der Schule, vor allem aber zu Hause umspannte es zwei oder drei ins Gespräch vertiefte Generationen.
Ort: Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstr. 4, Stuttgart

Samstag, 14. November 2015, 20.30 Uhr
Konzert: Yael Deckelbaum – „Enosh“

Die Medien feiern sie seit geraumer Zeit als die israelische Joni Mitchell, aber auch Vergleiche zu Ausnahmesängerinnen wie Carol King oder Björk stehen immer wieder im Raum. Yael Deckelbaum stellt in Stuttgart ihr drittes Solo-Album „Enosh“ vor.
Ort: Kulturzentrum Merlin, Augustenstr. 72, Stuttgart


Ein Jugendroman über Literatur und Liebe

Von Susanne Habel

Jaromir Konecny begann seine Autoren-Karriere in den neunziger Jahren in München. Der gebürtige Prager wuchs als lesebegeistertes Kind in Ostrava (Mährisch Ostrau) auf und war als Metallarbeiter, Schiffsmeister und Chemiker tätig.

Seine Erfahrungen als revoltierender und systemkritischer Teenager in der damals kommunistischen Tschechoslowakei fließen immer wieder in seine Bücher ein, ebenso wie seine Erlebnisse als freiwilliger Emigrant im Westen, wo er sich über Lektüre die deutsche Sprache „erlas“.

BILD: Der Autor Jaromir Konecny bei einer Lesung in München (Foto: Susanne Habel)

Seine Liebe zur Literatur und Faszination von Vortragskunst fühlt man lebendig in „Herz Slam“ schlagen, das er letzte Woche auf der Frankfurter Buchmesse 2015 vorstellte.

Konecnys fünfzehntes Buch ist ein Jugendroman über Sprache und Liebe, Freundschaft und Schüchternheit. Und die Protagonisten des Buches sind auch fantastische Identifikationsfiguren für jugendlichen Leser und Schreiber:

Die 16jährige, eher schüchterne Ich-Erzählerin Lea möchte Dichterin werden. Sie fährt mit ihrer selbstsicheren Freundin Sofie zu einer Projektwoche für Poetry Slams auf ein fränkisches Schloss. Poetry Slams sind eine Art Dichterwettstreit, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum künstlerisch vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den oder die Sieger.

Bei dem Kurs, diese Kunst besser zu erlernen, treffen die beiden Gymnasiastinnen Lea und Sofie auf gleichgesinnte Textschreiber, die allerdings teilweise aus Hauptschulen kommen: Ein Kampf der beiden Kulturen beginnt. Moderierend eingreifen muss gelegentlich der tschechische Kursleiter Ivo – ein Alter Ego des Autors – oder das eher hilflose Lehrpersonal.

Lea verliebt sich schnell, Sofie auch; man intrigiert, arrangiert, malträtiert und verliert sich in der kleinen Schreiberschar. Es wird viel gesimst, gemailt, gelikt und gelitten, bis zum Schluss. Beim Finale in Würzburg gibt es drei Sieger und auch sonst unter den Teilnehmern nur Gewinner, die Vorurteile ablegen und an Wortgewandtheit zulegen konnten.

Für jeden Teenager ist das Buch ein Lesevergnügen. Für die ältere Generation bietet es sicher eine hilfreiche Erinnerung an die eigenen Gefühle als Backfisch, aber auch eine gute Einführung in die digitale Jugendwelt.

Buch-Daten: Jaromir Konecny: „Herz Slam“. Ravensburger-Buchverlag, Ravensburg 2015; 384 Seiten, 12,99 Euro, E-Book für Kindle 10,99 Euro. (ISBN 978-3473401314)

Unsere Autorin Susanne Habel ist Redakteurin und Journalistin; sie wohnt in München.


Bewegende Lesung von Ulrike Draesner: „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“

Von Susanne Habel

Derzeit stellt Ulrike Draesner (siehe Foto) ihr viel gerühmtes literarisches Werk „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ bei Lesungen im ganzen deutschen Sprachraum vor. Der Roman schildert das Schicksal zweier Familien aus Schlesien, woher auch die Autorin stammt. Ulrike_Draesner_Habel

Die Autorin verbindet die Geschichte der schlesischen Familie Grolmann mit dem Schicksal der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ostpolen nach Breslau vertriebenen Familie Nienaltowski. Vier Generationen kommen zu Wort Dabei springt die Autorin souverän von Figur zu Figur, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt.

Gleich eingangs sinniert die gegenwärtige „Heldin“ Simone Grolmann, eine erfolgreiche Professorin für Verhaltensforschung bei Primaten, über das Verhalten ihres Vaters Eustachius.

Dieser, ebenfalls ein Primatenforscher und mittlerweile „82 dreiviertel“ Jahre alt, ist ein Kriegskind. Aufgewachsen im niederschlesischen Oels, mußte der dreizehnjährige „Stach“, wie er genannt wurde, im Januar 1945 mit seiner Mutter Lilly und dem behinderten Bruder Emil aus Schlesien in den Westen fliehen.

Noch immer wird er von den Erinnerungen an die Flucht und den Tod seines Bruders heimgesucht. Eustachius ist schon fast klischeehaft traumatisiert, woran auch seine Ehe mit der Bayerin Ines gescheitert ist.

Um die Seelennöte ihres Vaters zu erforschen, der plötzlich auch noch unerklärlicher Weise Schulden macht, heuert Simone einen Psychologen an:

Boris Nienaltowski, selbst deutsch-polnisch-schlesischer Herkunft, hält u.a. Seminare für Kriegsfolgenopfer unter deutschen Vertriebenen und deren Nachkommen im niederschlesischen Kreisau ab.

Boris ist ebenfalls geprägt von dem Heimatverlust seiner Vorfahren, die nach Kriegsende aus dem Osten nach Westpolen vertrieben wurden, von verdrängtem Verlust und unterdrückten Erinnerungen. In inneren Monologen erfährt man von den Bindungs- und Beziehungsproblemen dieser Protagonisten, welche die Angst ihrer Vorfahren quasi internalisiert haben.

Vertriebene: Leidenswege im seelischen Gepäck

Wieweit die Traumatisierung über die Generationen wirkt, deutet die Autorin immer wieder in verschiedenen Szenerien an: Titel-siebenspruenge

So beschreibt sie packend und authentisch eines der Psycho-Seminare ein Kreisau: Jeder der anwesenden 32 Teilnehmer denkt an etwa vier Tote, die er verloren hat; jeder hat das Leiden der verstorbenen Vertreibungs- und Fluchtopfer im seelischen Gepäck.

Denn die Erinnerungen an diesen Horror wirken nach bis in das dritte und vierte Glied: Von der Urgroßmutter, der schlesischen Lehrerin Lilly Grolmann und deren Mann Hannes, über den Sohn Eustachius und seine Tochter Simone („Sima“) bis hin zur Enkelin Esther. 

Das Gleiche trifft auf die polnisch-schlesische Parallel-Familie Nienaltowski zu, von der Lemberger Urgroßmutter Grazyna über deren Tochter Halka, die von einem namenlosen Deutschen den Sohn Boris bekommt, bis hin zu dessen Tochter Jennifer.

Tragischer Heimatverlust bleibt nicht folgenlos

So spiegelt sich das Vertreibungs- und Heimatverlusterlebnis beider Familien, bis sie über das erzählte Erleben zu einer Verbindung finden. Menschliches Verhalten spiegelt wiederum das der Affen; denn auch hochentwickelte Primaten greifen sich gegenseitig an und löschen andere Gruppen aus.

Zur Entstehung des Buches erläuterte Ulrike Draesner bei einer Lesung in München:

„Das Thema fühlte sich nach mehr an als nach einer kurzen Erzählung: so begann meine Motivation zu einem ganzen Buch über Flucht und Vertreibung“. vertriebene_d-Kopie

Nach der Lektüre zahlreicher historiografischer Fachliteratur und der Recherche in polnischen Archiven im vergangenen Jahr begann sie so, einen Roman zu schreiben.

Das Buch weist allerdings auch viele autobiografische Züge auf:

Die väterliche Familie von Ulrike Draesner musste ebenfalls aus Schlesien fliehen: Sie spüre selbst die „Prägung durch die Seelenlandschaft“ der Eltern, wie sie erläuterte: „Eine Atmosphäre der Angst, als Kind übernommen, und ein Lebensgefühl wie auf Abruf und nirgends einheimisch“.

In München, wo sie 1962 geboren wurde, war das Flüchtlingskind Ulrike Draesner auch nicht wirklich heimisch; sie lebt nach einem Jura-, Anglistik- und Germanistikstudium seit 1996 als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin. Sie fühle sich sicher nicht bayerisch, meinte Draesner, sondern habe sich eher den reichen kulturellen Raum Ostmitteleuropas als Heimat „angeeignet“.

Das ganze Buch der großartigen Lyrikerin und an Übersetzungen geschulten Autorin ist ein stilistisches Meisterstück. In vieler Hinsicht wirkt es wie eine Sonate in mehreren Sätzen; sanft erklingt mal die eine, mal die andere Stimme der erzählenden Personen, und selbst die Primaten kommen in der von Forschern erdachten Affensprache Yerkish zu Wort.

Buch-Daten: Ulrike Draesner: „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“. Luchterhand-Verlag, München 2014; 303 Seiten, 21,99 Euro. (ISBN: 978-3-630-87372-5)

Unsere Autorin Susanne Habel  –  von ihr stammen auch die ersten beiden Bilder  –   ist Redakteurin und Journalistin in München


„GOTT krönt das Jahr mit seiner Güte“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:

Psalm 65 (64),10.11-12.13-14.

Du sorgst für das Land und tränkst es;
du überschüttest es mit Reichtum.
Der Bach Gottes ist reichlich gefüllt,
du schaffst ihnen Korn; so ordnest du alles.

Du tränkst die Furchen, ebnest die Schollen,
machst sie weich durch Regen, segnest ihre Gewächse.
Du krönst das Jahr mit deiner Güte,
deinen Spuren folgt Überfluß.

In der Steppe prangen die Auen,
die Höhen umgürten sich mit Jubel.
Die Weiden schmücken sich mit Herden,
die Täler hüllen sich in Korn.
Sie jauchzen und singen.