Ein Jugendroman über Literatur und Liebe

Von Susanne Habel

Jaromir Konecny begann seine Autoren-Karriere in den neunziger Jahren in München. Der gebürtige Prager wuchs als lesebegeistertes Kind in Ostrava (Mährisch Ostrau) auf und war als Metallarbeiter, Schiffsmeister und Chemiker tätig.

Seine Erfahrungen als revoltierender und systemkritischer Teenager in der damals kommunistischen Tschechoslowakei fließen immer wieder in seine Bücher ein, ebenso wie seine Erlebnisse als freiwilliger Emigrant im Westen, wo er sich über Lektüre die deutsche Sprache „erlas“.

BILD: Der Autor Jaromir Konecny bei einer Lesung in München (Foto: Susanne Habel)

Seine Liebe zur Literatur und Faszination von Vortragskunst fühlt man lebendig in „Herz Slam“ schlagen, das er letzte Woche auf der Frankfurter Buchmesse 2015 vorstellte.

Konecnys fünfzehntes Buch ist ein Jugendroman über Sprache und Liebe, Freundschaft und Schüchternheit. Und die Protagonisten des Buches sind auch fantastische Identifikationsfiguren für jugendlichen Leser und Schreiber:

Die 16jährige, eher schüchterne Ich-Erzählerin Lea möchte Dichterin werden. Sie fährt mit ihrer selbstsicheren Freundin Sofie zu einer Projektwoche für Poetry Slams auf ein fränkisches Schloss. Poetry Slams sind eine Art Dichterwettstreit, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum künstlerisch vorgetragen werden. Die Zuhörer küren anschließend den oder die Sieger.

Bei dem Kurs, diese Kunst besser zu erlernen, treffen die beiden Gymnasiastinnen Lea und Sofie auf gleichgesinnte Textschreiber, die allerdings teilweise aus Hauptschulen kommen: Ein Kampf der beiden Kulturen beginnt. Moderierend eingreifen muss gelegentlich der tschechische Kursleiter Ivo – ein Alter Ego des Autors – oder das eher hilflose Lehrpersonal.

Lea verliebt sich schnell, Sofie auch; man intrigiert, arrangiert, malträtiert und verliert sich in der kleinen Schreiberschar. Es wird viel gesimst, gemailt, gelikt und gelitten, bis zum Schluss. Beim Finale in Würzburg gibt es drei Sieger und auch sonst unter den Teilnehmern nur Gewinner, die Vorurteile ablegen und an Wortgewandtheit zulegen konnten.

Für jeden Teenager ist das Buch ein Lesevergnügen. Für die ältere Generation bietet es sicher eine hilfreiche Erinnerung an die eigenen Gefühle als Backfisch, aber auch eine gute Einführung in die digitale Jugendwelt.

Buch-Daten: Jaromir Konecny: „Herz Slam“. Ravensburger-Buchverlag, Ravensburg 2015; 384 Seiten, 12,99 Euro, E-Book für Kindle 10,99 Euro. (ISBN 978-3473401314)

Unsere Autorin Susanne Habel ist Redakteurin und Journalistin; sie wohnt in München.


Bewegende Lesung von Ulrike Draesner: „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“

Von Susanne Habel

Derzeit stellt Ulrike Draesner (siehe Foto) ihr viel gerühmtes literarisches Werk „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ bei Lesungen im ganzen deutschen Sprachraum vor. Der Roman schildert das Schicksal zweier Familien aus Schlesien, woher auch die Autorin stammt. Ulrike_Draesner_Habel

Die Autorin verbindet die Geschichte der schlesischen Familie Grolmann mit dem Schicksal der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ostpolen nach Breslau vertriebenen Familie Nienaltowski. Vier Generationen kommen zu Wort Dabei springt die Autorin souverän von Figur zu Figur, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt.

Gleich eingangs sinniert die gegenwärtige „Heldin“ Simone Grolmann, eine erfolgreiche Professorin für Verhaltensforschung bei Primaten, über das Verhalten ihres Vaters Eustachius.

Dieser, ebenfalls ein Primatenforscher und mittlerweile „82 dreiviertel“ Jahre alt, ist ein Kriegskind. Aufgewachsen im niederschlesischen Oels, mußte der dreizehnjährige „Stach“, wie er genannt wurde, im Januar 1945 mit seiner Mutter Lilly und dem behinderten Bruder Emil aus Schlesien in den Westen fliehen.

Noch immer wird er von den Erinnerungen an die Flucht und den Tod seines Bruders heimgesucht. Eustachius ist schon fast klischeehaft traumatisiert, woran auch seine Ehe mit der Bayerin Ines gescheitert ist.

Um die Seelennöte ihres Vaters zu erforschen, der plötzlich auch noch unerklärlicher Weise Schulden macht, heuert Simone einen Psychologen an:

Boris Nienaltowski, selbst deutsch-polnisch-schlesischer Herkunft, hält u.a. Seminare für Kriegsfolgenopfer unter deutschen Vertriebenen und deren Nachkommen im niederschlesischen Kreisau ab.

Boris ist ebenfalls geprägt von dem Heimatverlust seiner Vorfahren, die nach Kriegsende aus dem Osten nach Westpolen vertrieben wurden, von verdrängtem Verlust und unterdrückten Erinnerungen. In inneren Monologen erfährt man von den Bindungs- und Beziehungsproblemen dieser Protagonisten, welche die Angst ihrer Vorfahren quasi internalisiert haben.

Vertriebene: Leidenswege im seelischen Gepäck

Wieweit die Traumatisierung über die Generationen wirkt, deutet die Autorin immer wieder in verschiedenen Szenerien an: Titel-siebenspruenge

So beschreibt sie packend und authentisch eines der Psycho-Seminare ein Kreisau: Jeder der anwesenden 32 Teilnehmer denkt an etwa vier Tote, die er verloren hat; jeder hat das Leiden der verstorbenen Vertreibungs- und Fluchtopfer im seelischen Gepäck.

Denn die Erinnerungen an diesen Horror wirken nach bis in das dritte und vierte Glied: Von der Urgroßmutter, der schlesischen Lehrerin Lilly Grolmann und deren Mann Hannes, über den Sohn Eustachius und seine Tochter Simone („Sima“) bis hin zur Enkelin Esther. 

Das Gleiche trifft auf die polnisch-schlesische Parallel-Familie Nienaltowski zu, von der Lemberger Urgroßmutter Grazyna über deren Tochter Halka, die von einem namenlosen Deutschen den Sohn Boris bekommt, bis hin zu dessen Tochter Jennifer.

Tragischer Heimatverlust bleibt nicht folgenlos

So spiegelt sich das Vertreibungs- und Heimatverlusterlebnis beider Familien, bis sie über das erzählte Erleben zu einer Verbindung finden. Menschliches Verhalten spiegelt wiederum das der Affen; denn auch hochentwickelte Primaten greifen sich gegenseitig an und löschen andere Gruppen aus.

Zur Entstehung des Buches erläuterte Ulrike Draesner bei einer Lesung in München:

„Das Thema fühlte sich nach mehr an als nach einer kurzen Erzählung: so begann meine Motivation zu einem ganzen Buch über Flucht und Vertreibung“. vertriebene_d-Kopie

Nach der Lektüre zahlreicher historiografischer Fachliteratur und der Recherche in polnischen Archiven im vergangenen Jahr begann sie so, einen Roman zu schreiben.

Das Buch weist allerdings auch viele autobiografische Züge auf:

Die väterliche Familie von Ulrike Draesner musste ebenfalls aus Schlesien fliehen: Sie spüre selbst die „Prägung durch die Seelenlandschaft“ der Eltern, wie sie erläuterte: „Eine Atmosphäre der Angst, als Kind übernommen, und ein Lebensgefühl wie auf Abruf und nirgends einheimisch“.

In München, wo sie 1962 geboren wurde, war das Flüchtlingskind Ulrike Draesner auch nicht wirklich heimisch; sie lebt nach einem Jura-, Anglistik- und Germanistikstudium seit 1996 als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin. Sie fühle sich sicher nicht bayerisch, meinte Draesner, sondern habe sich eher den reichen kulturellen Raum Ostmitteleuropas als Heimat „angeeignet“.

Das ganze Buch der großartigen Lyrikerin und an Übersetzungen geschulten Autorin ist ein stilistisches Meisterstück. In vieler Hinsicht wirkt es wie eine Sonate in mehreren Sätzen; sanft erklingt mal die eine, mal die andere Stimme der erzählenden Personen, und selbst die Primaten kommen in der von Forschern erdachten Affensprache Yerkish zu Wort.

Buch-Daten: Ulrike Draesner: „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“. Luchterhand-Verlag, München 2014; 303 Seiten, 21,99 Euro. (ISBN: 978-3-630-87372-5)

Unsere Autorin Susanne Habel  –  von ihr stammen auch die ersten beiden Bilder  –   ist Redakteurin und Journalistin in München


„GOTT krönt das Jahr mit seiner Güte“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:

Psalm 65 (64),10.11-12.13-14.

Du sorgst für das Land und tränkst es;
du überschüttest es mit Reichtum.
Der Bach Gottes ist reichlich gefüllt,
du schaffst ihnen Korn; so ordnest du alles.

Du tränkst die Furchen, ebnest die Schollen,
machst sie weich durch Regen, segnest ihre Gewächse.
Du krönst das Jahr mit deiner Güte,
deinen Spuren folgt Überfluß.

In der Steppe prangen die Auen,
die Höhen umgürten sich mit Jubel.
Die Weiden schmücken sich mit Herden,
die Täler hüllen sich in Korn.
Sie jauchzen und singen.


„Auf ewig bewahre ich ihm meine Huld“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche

Psalm 89 (88),20-22.25-26.29:

Einst hast du in einer Vision zu deinen Frommen gesprochen:
Einen Helden habe ich zum König gekrönt,
einen jungen Mann aus dem Volk erhöht.
Ich habe David, meinen Knecht, gefunden
und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt.

Beständig wird meine Hand ihn halten
und mein Arm ihn stärken.
Meine Treue und meine Huld begleiten ihn,
und in meinem Namen erhebt er sein Haupt.

Ich lege seine Hand auf das Meer,
über die Ströme herrscht seine Rechte.
Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren,
mein Bund mit ihm bleibt allzeit bestehen.


Bielefeld, 6. Mai: Lesung von Chaim Noll: „Kolja“ – Erzählungen aus Israel

Am kommenden Montag, den 6. Mai, veranstaltet die Bielefelder Stadtbücherei um 20 Uhr eine Lesung des deutsch-israelischen Schriftstellers Chaim Noll.  – Moderation: Stephanie von Thunen.

Mit ‚Kolja‘ (erschienen 2012) ist eine Sammlung von fast vierzig, meist kurzen Prosatexten entstanden, welche die heutige Gesellschaft Israels in ihrer Vielfältigkeit darstellen, originelle Begebenheiten und menschliche Schicksale authentisch beschreiben. IMG_0856

Der früher in der „DDR“ unter dem Namen Hans Noll engagierte Bürgerrechtler und politisch Verfolgte lebte danach in Westdeutschland und Rom; er wanderte 1995 nach Israel ein und lebt mit seiner Familie in der Wüste Negev.

Chaim Noll schreibt in deutscher Sprache; inhaltlich beziehen sich seine Erzählungen meist auf die Lebensverhältnisse im heutigen Israel; sie schildern den Alltag in den Städten und Siedlungen, den Kibbuzim; sie erzählen auch vom Krieg, jungen Soldaten und ultrareligiösen Elternhäusern.

Ort: Stadtbibliothek am Neumarkt, Literaturbühne im Erdgeschoß
Eintritt: 8 € / ermäßigt 5 € für Mitglieder der Literarischen Gesellschaft, Karten an der Abendkasse

 


Autorenlesung „Wir waren doch noch Kinder“ am 19. November im Sudetendeutschen Haus

EINLADUNG zur Autorenlesung mit

Walli Richter, Herausgeberin des Buches    

„Wir waren doch noch Kinder  – Erinnerungen an die Vertreibung aus dem Sudetenland“

am Montag, 19. November, 16 Uhr,

im Sudetendeutsches Haus in München (Hochstr. 8).

Mit einführendem Vortrag von

Ingrid Sauer, M.A., Bayerisches Hauptstaatsarchiv

Musikalische Umrahmung durch

Prof. Barbara Probst-Polasek

Veranstalter: Heimatpflegerin der Sudetendeutschen

Quelle: Sudetendeutsche Landsmannschaft


Matthias Matussek kommt am 16. November 2012 zu einer Lesung nach München

Am Freitag, den 16. November, kommt der bekannte katholische „Spiegel“-Redakteur und Bestsellerautor Matthias Matussek zu einer Domspatz-Soirée nach München.

Der streitbare Spitzenjournalist hat dieser Tage ein neues Buch veröffentlicht, aus dem er lesen wird: „Die Apokalypse nach Richard: Eine festliche Geschichte.“   Domspatz-Soirée am 16. November mit Matthias Matussek: Matthias Matussek

„Matussek ist immer mitreißend“, schreibt selbst die linksliberale „Süddeutsche Zeitung“- und wer würde widersprechen? Seit Jahren haben wir Katholiken unsere Freude daran, wie diese Edelfeder des deutschen Journalismus sich unbeirrbar zu Glaube und Kirche bekennt: oft mit Humor, stets kenntnisreich und leidenschaftlich.

Die Domspatz-Medienagentur freut sich sehr, daß der wohl bekannteste katholische Publizist in Deutschland im Rahmen ihrer Soirée aus seinem nagelneuen Buch liest und anschließend Fragen zum aktuellen Geschehen in Kirche und Welt beantwortet.

Ein interessanter Abend, zugleich eine auf eigene Art besinnliche, kitschfreie und doch bewegende Hinführung in den Advent.

Die Moderation teilen sich wieder Michael Ragg und Rechtsanwältin Dr. Liane Bednarz.

Die Soirée im Hansa-Haus, Brienner-Straße 39, beginnt wie immer um 19,30 Uhr.

Jeder Interessierte ist eingeladen.

Der Eintrittspreis beträgt 12,50 Euro.

Aufgrund des zu erwartenden Andrangs empfiehlt sich eine Reservierung unter Telefon: 0 83 85 / 9 24 83 37 oder buero@raggs-domspatz.de.

Das Hansa-Haus liegt zwischen dem Hauptbahnhof und der Technischen Universität nahe dem U-Bahnhof Königsplatz (U2).

 
Ragg’s Domspatz GbR Agentur für christliche Kultur
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