Muss die Kirche auf „Donum vitae“ zugehen?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Augsburger Allgemeine Zeitung schreibt am 26. 1.18 unter dem Titel „Abtreibung: Kirche geht auf Donum vitae zu“:

„Nun scheint der Streit beigelegt worden zu sein. Das erklärte…der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Dies gehe aus einem Brief des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an ihn hervor.

Demnach würden die deutschen Bischöfe jetzt anerkennen, dass „Donum Vitae“ den Schutz des ungeborenen Lebens zum Ziel habe. Beschäftigte von „Donum vitae“ könnten außerdem in Zukunft auch in bischöflichen Schwangerenberatungsstellen angestellt werden.“

Die Frage ist, was hat sich bei „Donum vitae“ gegenüber bisher geändert? „Donum vitae“ stellt weiterhin dden Beratungsschein für die „rechtswidrige, aber straffreie Abtreibung“ aus. Erzbischof Dyba hat diesen Schein zu Recht eine „Tötungslizenz“ genannt. Die Kirche verurteilt Abtreibung auf dem 2. Vatikanum als „verabscheuungswürdiges Verbrechen“.

Die AZ bezeichnet die bisherige Haltung der Kirche als „rigid“ und als „umstritten“ , wohl wissend, dass diese Begriffen negativ besetzt sind.

Manches, was die Kirche fordert oder ablehnt, wird von der säkularen Welt so genannt. So erging es auch Jesus Christus. Das wissen seine Anhänger ebenfalls.

Die Ausstellung des Beratungsscheins hat jedenfalls nicht das Ziel, „ungeborenes Leben zu schützen“. Der Schein dient ausschließlich der rechtswidrigen, aber straffreien Abtreibung. Eine Aufweichung der kirchlichen Haltung wird kein „ungeborenes Leben“ retten. Das Gegenteil wird der Fall sein.

Was die Kirche aber tun könnte, wäre die massive Aufstockung der Mittel für kirchliche Schwangerenberatung!

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS


Dyba-Gedenkband: eine gelungene Würdigung des „Löwen von Fulda“

Von Uwe C. Lay

Buchdaten: Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten. 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba. Herausgegeben von Felizitas Küble, KOMM-MIT-Verlag Münster, 208 Seiten, erschienen 2015, Preis 14,80 € Fürs CF verwenden

Erzbischof Dyba war das „Entfant Terrible“ der Deutschen Bischofskonferenz:

„Der Fuldaer Bischof führte als gebürtiger Berliner in seinem bischöflichen Wappen keinen Teddy, sondern einen Bären und erwies sich oft genug als solcher. In der Bischofskonferenz galt er manchen als ‚enfant terrible‘, die zugleich froh waren, dass er sagte, was sie so deutlich nicht zu sagen wagten; anderen galt er als das Salz in der Suppe. Für die Medien gab es kein Thema, zu dem sie neben, ja oft sogar vor dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz nicht auch Johannes Dyba hören wollten.“

So würdigt das Internetlexikon Wikipedia den vor 15 Jahren so plötzlich verstorbenen Bischof Dyba, hierbei die katholische Kirchenzeitung des Erzbisstums Berlin zitierend.

Auch der „Spiegel“ markiert in seinem Nachruf deutlich, warum dieser Bischof kein Liebling der Medien war:

„Als der Vatikan-Diplomat […] 1983 Bischof von Fulda wurde, war er bereits als ironisch-bissiger Kirchen-Fundi europaweit bekannt. Diese Linie  –  es gilt nur das päpstliche Wort  –  behielt er konsequent bei. Mit griffigen Sprüchen machte der gebürtige Berliner alles nieder, was in Deutschland altbackener katholischer Theologie und Moral widersprach: Abtreibung und Beratungsschein, Gays und Grüne, kritische Theologen und zögerliche Bischöfe, selbstbewusste Laien und jeglichen Demokratieversuch der Kirche.“

Mit Bischof Dyba verbindet sich zu allererst sein großer Kampf gegen die durch katholische Beratungsstellen ausgestellten Lizenzen zum Töten von Ungeborenen. Gerade sein Engagement für den Schutz des Lebens machte ihn dann auch zu einem Oberhirten, der weit über die Katholische Kirche hinaus Freunde und Bewunder fand.

Er stand und steht für das Bewahren der kirchlichen Lehre in Zeiten, in denen viele die Anpassung an den Zeitgeist für die wichtigste Aufgabe der Kirche ansehen. Daß er deshalb oft angefeindet wurde und wird, verwundert nicht.

Wer mehr über diese beeindruckende Bischofsgestalt erfahren möchte, ist gut aufgehoben in dem jetzt neu publizierten Buch „Der Löwe von Fulda“, herausgegeben von Felizitas Küble  –  mit dem Untertitel: Ökumenische Würdigung eines guten Hirten.

33 Autoren, katholische wie evangelische, zeichnen ihr Bild von diesem Bischof. Eingeleitet wird das Buch durch ein Geleitwort seines Nachfolgers, des Bischofs Algermissen (Fulda). Es entsteht durch die Polyphonie der einzelnen Beiträge so ein vielseitiges, diesem Bischof gerecht werdendes Portrait in den schweren Zeiten des heutigen Glaubens- und Sittenverfalles.

Es entsteht das Bild eines fest im katholischen Glaubens Stehenden, der mutig und unerschrocken die Fehlentwicklungen innerhalb der Kirche im Zeitgeist der 68er kritisierte und ihnen entgegentrat. Viel Erfolg war diesem Rufer in der Wüste nicht beschieden, auch wenn er maßgeblich an dem Ausstieg der Kirche aus der Praxis der Ausstellung von Tötungslizenzen beteiligt war.  Auch das verheimlichen die Autoren nicht.

So ist sein Werk kein abgeschlossenes, auf das der Leser nun beruhigt zurückblicken kann, sondern ein Auftrag zum Weiterwirken in seinem Geiste. Gerade dies verdeutlichen die vielen facettenreichen Beiträge. In einem Wort: eine gelungene Würdigung eines großen Streiters Jesu Christi.

Der Autor Uwe C. Lay ist Theologie und Konvertit; er war vor seinem Übertritt in die katholische Kirche als evangelischer Vikar tätig. Sein Beitrag erschien zuerst in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1/2016)