GOTT hat uns erschaffen, wir sind sein Eigentum; dient dem HERRN mit Freude!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 100 (99),2.3.4.5.

Dient dem HERRN mit Freude!
Kommt vor sein Antlitz mit Jubel!
Erkennt: Der HERR allein ist Gott.
ER hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum,
sein Volk und die Herde seiner Weide.
.
Tretet mit Dank durch seine Tore ein!
Kommt mit Lobgesang in die Vorhöfe seines Tempels!
Dankt ihm, preist seinen Namen!
Denn der HERR ist gütig,
ewig währt seine Huld,
von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

MAGNIFICAT: der Lobgesang Mariens

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Lk 1,46-55:

Meine Seele preist die Größe des HERRN,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat ER geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Allmächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.

ER erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht 
über alle, die ihn fürchten.
ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
ER zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
ER stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt ER mit seinen Gaben 
und lässt die Reichen leer ausgehn.
ER nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen.
das ER unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
 


MARIA: Jungfrau aus Nazareth, Tochter Israels und Mutter des Messias

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Die selige Jungfrau Maria ist nicht allein ihrer Herkunft nach eine „Tochter Zion“, sondern auch hinsichtlich ihrer Kultur, Sprache, Religion und Lebensweise.
tochterzion.
Dies bestätigt auch das Magnificat, ihr Lobgesang auf Gott, sehr schön und deutlich, denn dieses Dankgebet ist zugleich ein Befreiungslied für Israel, das an Gottes Großtaten für sein Volk und an seine Verheißungen erinnert, die in Christus, dem Messias Israels, ihrem Höhepunkt zustrebten.
 .
Dieser Aspekt wird von christlicher Seite nicht immer ausreichend beachtet  – teils auch verdrängt durch einen unausgegorenen religiösen Anti-Judaismus, der sich in der Geschichte allerdings sehr unheilvoll auswirkte. 

Wir verehren Maria, die Mutter unseres HERRN, als Urbild und Leitbild der Kirche. Als „Tochter Zion“ ist sie zugleich die Brücke (!)  – und nicht etwa eine Trennmauer  – vom Alten zum Neuen Bund.

In diesem Sinne schrieb Papst Paul VI. in seinem Apostolischen Schreiben „Signum Magnum“ (= Das große Zeichen) Folgendes:

„Du bist die neue Eva, die erhabene Tochter Zion, der Gipfel des Alten Bundes, die Morgenröte des Neuen Bundes, in der die „Fülle der Zeit“ angebrochen ist.

Du hast in Deinem Lobgesang die Ankunft des Ewigen begrüßt. Wir erbitten von Dir Demut und Großmut, damit wir die Aufgaben erfüllen, die Gott uns stellt.“


GOTT zog mich aus der Grube des Grauens

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:

Psalm 40 (39),2-3ab.3cd-4ab.18.

Ich hoffte, ja, ich hoffte auf den HERRN.
Da neigte ER sich zu mir und hörte mein Rufen.
ER zog mich herauf aus der Grube des Grauens,
aus Schlamm und Morast.

ER stellte meine Füße auf den Fels,
machte fest meine Schritte.
ER legte mir ein neues Lied in den Mund,
einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott.

Ich bin arm und gebeugt;
der HERR aber sorgt für mich.
Meine Hilfe und mein Retter bist du.
Mein Gott, säume doch nicht!

 


Marias Lobgesang auf Gott, ihren Retter

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Lk 1,46-56:

Maria sprach:

Meine Seele preist die Größe des HERRN,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat ER geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Allmächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.
ER erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
ER zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
ER stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt ER mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehn.
ER nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das ER unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Und Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabeth; dann kehrte sie nach Hause zurück.

 


Der Lobgesang des Priesters Zacharias

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Lk 1,68-75

Gepriesen sei der HERR, der Gott Israels!
Denn ER hat sein Volk besucht und ihm Erlösung bereitet;
ER hat uns einen starken Retter erweckt
im Hause seines Knechtes David.

So hat ER es verheißen von alters her
durch den Mund seiner heiligen Propheten.
ER hat uns errettet vor unseren Feinden
und aus der Hand aller, die uns hassen;

ER hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet
und seines heiligen Bundes gedacht.
ER hat an den Eid gedacht,
den ER unserem Vater Abraham geschworen hat.

ER hat uns gewährt,
dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen
in Heiligkeit und Gerechtigkeit
vor seinem Angesicht all unsere Tage.

 


MARIA ist im Himmel auch Fürsprecherin für ihre eigenen Landsleute

Von Felizitas Küble

Es gibt in der kirchlichen Tradition den alten lateinischen Spruch: „De Maria nunquam satis“ – Über Maria kann gar nicht genug gesagt werden.

Tatsächlich ist die Mutter des HERRN ein unerschöpfliches Thema für Theologie, Kunst, Dichtung, Exegese, Musik – und erst recht für die Volksfrömmigkeit. Advocata

Was aber im Laufe der Kirchengeschichte zu kurz gekommen ist und selbst in heutiger Zeit allenfalls beiläufig bedacht wird:

Daß Maria, die dem jüdischen Volke entstammt, im Himmel sicherlich besonders für ihre „Landsleute“ betet und bittet, also Fürsprache einlegt, damit das Volk Israel ihren Sohn als Messias der Juden und Heil der Welt erkennt. 

Es liegt nahe, daß die vielfältigen Leiden der Juden durch die Jahrhunderte der Madonna nicht gleichgültig sein können. Wie sehr sie sich mit der Geschichte der Israeliten verbunden fühlt, zeigt zum Beispiel ihr Magnificat, der im Lukasevangelium bezeugte Lobgesang der Gottesmutter.

Dort betont sie besonders das Heilswirken des Ewigen an ihrem Volk, den Israeliten des Alten Bundes:

„ER nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,              

das ER unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

Maria ist selber in ihrer Person die entscheidende Brücke vom Alten zum Neuen Bund, denn sie gehört beiden „Bündnissen“ zugleich an; ihr Magnificat belegt, wie stark sie von den Gebeten, den Psalmen, überhaupt dem Alten Testament geprägt ist; ihr Danklied atmet die Sprache der Propheten Israels, stimmt ein in ihr begeistertes Lob auf die Größe und Herrlichkeit Gottes.

Die Mutter des HERRN sehnt sich leidenschaftlich nach dem Reich Gottes, nach „seiner Gerechtigkeit“, durchaus auch nach einer Umkehr irdischer Verhältnisse durch Gottes wunderbare Taten („ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten…“).P1020947

Doch die größte Tat des Höchsten ist die Menschwerdung seines Sohnes in der Jungfrau Maria. In ihrem Magnificat kündigt die Gottesmutter bereits an, daß sie aufgrund ihrer Erwählung durch den Höchsten in Zukunft seliggepriesen wird („…siehe, von nun an werden  mich seligspreisen alle Geschlechter…“).

Maria, das jüdische Mädchen, die Mutter aus Israel, ist eine „Tochter Zion“ – und als solche betet sie vor dem Thron des Höchsten für die Christenheit, für die Kirche, aber nicht zuletzt auch für ihr eigenes jüdisches Volk.

Leider gibt es in der Kirchengeschichte nur wenige Zeugnisse, die sich positiv mit diesem Thema befaßt haben. Ein bemerkenswertes Beispiel aus dem 12. Jahrhundert ist der britische Augustiner-Chorherr Wilhelm von Newburgh aus Yorkshire. In seiner marianischen Auslegung des Hohelieds schreibt er:

„Und wir sollen wissen, daß die Verdienste der barmherzigen Mutter auch dem Volk Israel zum Heil verhelfen. Denn wie eindringlich, glaubst du, bittet sie wohl täglich ihren allmächtigen Sohn für ihr Volk?  131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Denke daran, mein Sohn, spricht sie, daß du das Fleisch, in dem und durch das du das Heil der Welt gewirkt hat, von ihnen genommen hast – und daß sie, deren Fleisches du dich nicht geschämt hast, an deinen geistlichen Gütern teilhaben müssen. Denn sie hätten als erste erlöst werden sollen, weil das Heil aus ihnen kommt.“

(Quelle: Explanatio sacri Epithalamii in Matrem Sponsi, S. 152, hrsg. von J. C. Gormann, Fribourg 1960)

Pater Alanus von Lille, der sog. „Doctor universalis“, der ebenfalls im 12. Jahrhundert wirkte, brachte die Gottesmutter direkt mit der Synagoge in Verbindung, also mit dem jüdischen Gotteshaus. Er bezeichnete die Synagoge als die „Mutter der Jungfrau Maria“, denn sie stamme ebenso wie Christus von der Synagoge bzw. sie sei geistig-geistlich aus dem Glauben Israels hervorgegangen. Auch er lehrte eine marianische Auslegung des alttestamentlichen „Hohelieds der Liebe“.

Marienbild aus den Fäden des AT gewoben

Papst Benedikt schrieb 1977, als er noch Erzbischof von München war, ein Marienbuch mit dem vielsagenden Titel „Die Tochter Zion“. RadioVatikan

Darin  verdeutlicht er zugleich die besondere Sendung der Frau in der Heilsgeschichte: sie ist keine Priesterin, weder im Alten noch im Neuen Bund, doch ihre Bedeutung ist nicht zu unterschätzen. Hierzu heißt es in dem erwähnten Buch:

Die großen Rettergestalten Esther und Judith verkörpern die unzerstörbare seelische Kraft Israels, das nicht nach Art der Weltmächte auftrumpfen kann – und gerade so die Mächtigen zu besiegen weiß. Die Frau als Retterin ist die Verkörperung der Hoffnung Israels. Bezeichnend ist, daß immer schon die Frau zwar nicht als Priesterin, aber als Prophetin und Richterin-Retterin im Denken und Glauben Israels erscheint.“

Zugleich betont der Autor, daß „das Marienbild des Neuen Testaments ganz aus den Fäden des Alten Testaments gewoben ist, um das Geheimnis Marias auszusagen. Wo die Einheit von Altem und Neuem Testament zerfällt, geht der Raum einer gesunden Mariologie verloren.“

 

MAGNIFICAT: Der Lobgesang Marias (Lk 1,46-55)

Meine Seele preist die Größe des HERRN,

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat ER geschaut.

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Denn der Allmächtige hat Großes an mir getan,

und sein Name ist heilig.

ER erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht

über alle, die ihn fürchten.

ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:

ER zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.

ER stürzt die Mächtigen vom Thron

und erhöht die Niedrigen.

Die Hungernden beschenkt ER mit seinen Gaben

und lässt die Reichen leer ausgehen.

ER nimmt sich seines Knechtes Israel an

und denkt an sein Erbarmen,              

das ER unseren Vätern verheißen hat,

Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.