2. Teil: Bilder über Pater Lothar Groppe SJ

Von Felizitas Küble

Bereits am Montag haben wir hier im CF den ersten Teil unserer Fotoserie über das Leben und Wirken des am Volkstrauertag (!) verstorbenen Jesuitenpaters Lothar Groppe veröffentlicht, mit dem wir jahrzehntelang eng verbunden waren: https://charismatismus.wordpress.com/2019/11/18/1-teil-bilder-ueber-pater-lothar-groppe-sj/

Der Geistliche gehörte zu den hervorragenden und zu den  – heutzutage längst nicht mehr selbstverständlich – theologisch konservativen Theologen seines Ordens.

Mein erstes Bild zeigt ihn Anfang August 2009 bei der Festmesse anläßlich seines Goldenen Priesterjubiläums (50 Jahre Weihe) im Kölner Jesuitenheim. Er trug ein feierliches, goldfarbendes Meßgewand entsprechend der Würde dieses Festtages.

Das zweite Bild habe ich aufgenommen, als einige Freunde und Verwandte des Jubilars nach der Festmesse zu Fuß zum Gasthaus gingen.

Vorneweg mit flottem Schritte Pater Groppe in der Mitte.  – Außen rechts sehen wir Odila Carbanje, die Bundesgeschäftsführerin der CDL (Christdemokraten für das Leben).

Sodann habe ich Pater Groppe im Gespräch mit seinem evangelischen Freund Dr. Bernd F. Pelz nach dem Mittagessen fotografiert.

Dr. Pelz ist den Lesern des CHRISTLICHEN FORUM durch viele großartige Fotos bekannt (häufig – wie jetzt – auch das Bild auf der Startseite), die er uns seit vielen Jahren kostenlos zur Verfügung stellt.

Dr. Pelz hat gerne mal das Blatt gewendet und mich mit Pater Groppe fotografiert – wie etwa hier zwei oder drei Jahre später: damals wirkte Pater Groppe noch im hohen Alter als Seelsorger in einem Mutter-Kind-Heim am Timmendorfer Strand.

Dies waren nur einige Streiflichter aus dem Leben dieses glaubensstarken, warmherzigen und geistreichen Jesuiten, dessen tapferes und vielseitiges Wirken wir in unserem Nachruf ausführlicher geschildert haben: https://charismatismus.wordpress.com/2019/11/17/wir-trauern-um-pater-lothar-groppe-sj/

Der 3. Teil dieser FOTO-Serie zu Pater Groppe folgt alsbald.

 

 

 

 

 

 


Über Gnade und Auftrag, Würde und Bürde des Priestertums

Gedanken von Pater Lothar Groppe SJ
anläßlich seines 90. Geburtstags    
                                                

Niemand ist groß vor seinem Kammerdiener. Dieses alte Wort will sagen, daß der gewisse Nimbus, der Menschen in bestimmten Stellungen wegen ihres Amtes oder gesellschaftlichen Ranges umgibt, vor dem Auge derer, die Tag für Tag um sie herum sind, oft in ein Nichts zerstiebt. Fehler und Schwächen werden da offenbar, die andere für gewöhnlich nicht sehen, weil sie den Träger des Amtes nur im Rampenlicht, nicht aber hinter den Kulissen erblicken.

Am 16. August 1938 weckte ein Militärkonzert um 7 Uhr morgens meinen Vater zu Ehren seines Geburtstages. Der Standortälteste hatte nicht bedacht, daß zu jener Zeit Urlaub und Ferien waren und wir alle etwas länger schlafen konnten.

Alle stürmten zum Fenster, um die Huldigung entgegenzunehmen. Mein Vater zog hastig seinen Uniformrock an, er mußte ja für das Platzkonzert danken. Meine Mutter und wir Kinder konnten uns das Lachen kaum verbeißen, denn unterhalb des Uniformrocks guckte das Nachthemd hervor. Schließlich ging alles gut, die Soldaten hatten nichts bemerkt und bekamen in der Küche noch jeweils einen Schnaps. Für uns war diese Situation besonders bemerkenswert, denn sonst sahen wir den Vater nur im Glanz der Uniform.

Dieses Erlebnis widerfuhr mir auf andere, aber analoge Weise mit Priestern in allen Garnisonen. Meine Eltern und natürlich auch wir Kinder hatten stets engen Kontakt zu den Priestern. Das wurde vom damaligen Regime mit Argwohn und Mißtrauen betrachtet.

BILD: Buchtitel über den Widerstands-General Theodor Groppe, den Vater des Autors

Ein katholischer General mit der höchsten Kriegsauszeichnung, die nur selten verliehen wurde, besuchte stets in Uniform den Gottesdienst, um die Katholiken in der Treue zu ihrem Glauben und ihrer Kirche zu bestärken. Für das Regime war dieser Offizier der „schwarze General“ oder –  weniger freundlich – der „katholische Hund.“

Für die Gläubigen standen Priester als Leitbilder religiösen Strebens in hohem Ansehen. Die Geistlichen selber erlebten ihre Mitbrüder aber oft anders als Außenstehende, nämlich als Menschen wie andere, mit denselben Fehlern und Schwächen wie ihre Beichtkinder. Das liegt daran, daß der Priester zunächst Mensch ist.

Der hl. Paulus hebt dies ausdrücklich im Hebräerbrief  hervor, wo er sagt, daß selbst der Sohn Gottes, Jesus Christus, in allem als Mensch erfunden wurde, ausgenommen die Sünde.

Als Mensch ist der Priester Bruder all derer, die ihm vom HERRN anvertraut wurden – und er bleibt Mensch, auch wenn er erwählt wurde zu heiligem Dienst.

Es gibt nicht wenige, die am Menschlichen im Priester Anstoß nehmen, wenn er im Auftrag Gottes vor sie hintritt. Der inzwischen seliggesprochene Bischof Graf von Galen war in den Jahren als Pfarrer in  Berlin und Münster ein leidenschaftlicher Raucher. Zu Beginn der Fastenzeit versuchte er, das Rauchen aufzugeben. Aber schon sehr bald baten ihn seine Kapläne, doch wieder zu rauchen, denn ohne Dampf sei er schwerer zu ertragen.

BILD: Dieses Sachbuch hat Pater Groppe in seinem 89. Lebensjahr herausgebracht

Auch der noch unvollkommene Seelsorger verkündet den Glauben, der die Welt überwindet, der zum ewigen Leben führt. Und obwohl selber Sünder, der des göttlichen Erbarmens bedarf, vermittelt er Gnaden, die aus Sündern und Verlorenen  Heilige und Erlöste macht.

Es ist wiederum tröstlich, zu wissen, daß auch Priester oft schwer an den eigenen Fehlern, Unvollkommenheiten und Sünden zu tragen haben. Es gibt Seelen, die unerfüllt hungern und dürsten nach einem Priester, in dem Christus, der HERR, lebt – und sie finden oft nur einen bloßen Menschen. Dann wenden sie sich enttäuscht wieder ab, denn bloße Menschen finden sie anderswo auch.

Starke Menschen, die vor Gesundheit strotzen, verachten leicht die Kränklichen. War Petrus sich nicht allzu sicher vor seiner dreimaligen Verleugnung des HERRN?

Dem Priester ist das göttliche Wort anvertraut. Es ist etwas Erschreckendes um diesen Auftrag, denn er muß das Wort verkünden, ob gelegen oder ungelegen – und die Menschen  haben es bisweilen nicht gern, wenn der Priester im Namen Gottes vor sie hintritt. Vergessen wir nicht, daß etwa viertausend Welt- und Ordenspriester wegen ihres kirchlichen Auftrags von den Schergen des NS-Regimes in Konzentrationslagern  ermordet wurden.

Es ist verständlich, wenn manchem Priester bang werden will, wenn er erfaßt, wozu er bestellt ist. Heißt ihn doch Gott  reden von dem, was er  selber  nur halb begriffen hat. Und in seinen besten Stunden ist er zutiefst darüber beschämt, daß der HERR gesagt hat: „Wer euch hört, der hört mich und wer euch verachtet, der verachtet mich.“

Die Menschen wollen oft etwas ganz anderes von uns hören als die Botschaft, die wir zu verkünden haben. Sie sind leicht ärgerlich und gelangweilt, wenn man immer wieder jene Worte sagt, die in die Ewigkeit Gottes hineinwirken, deren Wert man nicht verhandeln kann auf den Börsenmärkten der Welt.

Doch Priester müssen das Gotteswort verkünden, unbeirrt von Menschengunst und Menschenlaune  – und wehe ihnen, wenn sie es nicht tun. Wehe ihnen, wenn sie  vom Wort Abstriche machen, um bei den Menschen anzukommen, denn sie müssen einmal Rechenschaft ablegen von dem Auftrag, den ihnen der HERR anvertraut hat.

Bischof Karl Lehmann war einst Gast in einer „Wetten daß“-Show  von Thomas Gottschalk. Der damalige Mainzer Oberhirte war davon so angetan, daß er den Sunnyboy des Fernsehens einlud, beim Aschermittwochsgottesdienst der Künstler zu sprechen. Dabei fühlte sich Gottschalk ganz zu Hause.

Es ging um die Frage, ob christliche Verkündigung unterhaltenden Charakter haben könne. Gottschalk hatte die Lösung parat: „Unterhaltung ist, wenn keiner wegläuft.“ –  Ihn habe es als kleinen Jungen schon fasziniert, daß Jesus stundenlang, ja sogar zweimal zu tausenden Menschen gesprochen habe und niemand weggegangen sei.

Allerdings  vergleicht Gottschalk Äpfel mit Birnen. Eine Show ist etwas anderes als die Verkündigung des Wortes Gottes. Eine Show will Spaß bereiten, die Zuschauer amüsieren. Das ist zwar legitim. Aber es ist nur eine Art der Unterhaltung, die den Menschen nicht zum ewigen Heil hinführt.

Johannes der Täufer und auch der gütige Gottessohn Jesus wollten nicht unterhalten, sondern den Ernst der Nachfolge hervorheben. Das  Evangelium ist eine Forderung zum Wesentlichen: „Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

Im Gegensatz zur Show ist Christentum eine Herausforderung, die dem Ungläubigen als blanker Unsinn erscheint (vgl. 1 Kor 1, 18). Das mußte auch Jesus erfahren: Bei der Brotvermehrung, die für die Menschen so etwas wie eine Show war, zeigten sich die Leute begeistert. Von der Nachfolge wollten sie aber nichts wissen.

Das flotte Sprüchlein von der „fröhlichen Botschaft“ klingt zwar recht „locker“, hat aber mit den einschneidenden Anforderungen des Evangeliums wenig zu tun. Man denke etwa an die Seligpreisungen und Weherufe bei Lukas 6, 20 ff.

Nach dem Zweiten Vatikanum wurden in einzelnen Bistümern Synoden gehalten, die überlegen sollten, wie die Liturgie so gestaltet werden könnte, daß sie den modernen Menschen besser zum Verständnis der Gottesdienste hinführen könne. So wurde etwa in der Diözese Aachen ein Arbeitskreis für die Verkündigung gegründet. Ihm gesellte sich ein Theologieprofessor dazu, der Anregungen für die Meßgestaltung erhoffte. Auf seine Frage, was an der Verkündigung verbessert werden müsse, der Inhalt oder die Form, wurde ernüchternd erklärt: Beides.

Dennoch gibt es auch immer wieder Menschen, die aus der Verkündigung das Wort Gottes heraushören, in deren Herz das Wort Frucht bringt, obwohl nur er es sagt, obwohl er das Wort unzulänglich  verkündet.  

Dazu erzählte eine katholische Frau: Unser Pfarrer ist fromm und eifrig, aber seine Gedankengänge sind oft schwer nachzuvollziehen. Aber ich bin noch aus keinem Gottesdienst nach Hause gegangen, aus dem ich nicht einen Gedanken, eine gute Anregung bis zum nächsten Gottesdienst empfangen hätte.

Diese Frau hat sich vom Wort Gottes ansprechen lassen. Sie hat etwas getan, was ich unseren Gottesdienstbesuchern empfehlen möchte. Frauen, die öfter religiöse Vorträge besuchen, sind leicht dazu geneigt, beim sonntäglichen Mittagessen festzustellen, was der Pfarrer hätte besser machen können. Beim nächsten Gottesdienst sah der 15jährige Sohn, was die Mutter ins Körbchen gelegt hatte – und  meinte: „Für 50 Cent, Mama, kannst du beim besten Willen nicht mehr verlangen.“

Schließlich ist dem Priester das sakramentale Opfer anvertraut, die unblutige Feier des Kreuzesopfers Christi. Hier ist der HERR inmitten seiner Gemeinde, die der Priester hinführt vor den Thron der Gnade, damit in der Gemeinschaft mit dem HERRN Gott, dem allmächtigen Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Ehre und Verherrlichung zuteil werde.

Und wenn der Priester in diesem heiligen Amt am höchsten über alle Menschen erhoben ist,  muß er zutiefst hineinwachsen in dieses Opfer, um sich im Dienst Gottes für die Menschen zu verzehren. Denn nicht dafür, daß er erhoben würde, ward ihm die Vollmacht über den Leib und das Blut Christi anvertraut, nicht einmal zur Mehrung der eigenen Frömmigkeit, sondern damit Heil werde den vom Herrn Erlösten.

Mensch ist der Priester, Künder des göttlichen Wortes, Vollzieher des Opfers Christi. Dies ist sein Los, ganz nahe zu sein bei Gott. Ein seliges und furchtbares Los zugleich. Selig, weil Gott allein selig ist; furchtbar, weil es der Mensch nur schwer aushält im erschreckenden Glanze Gottes.

So ist es nicht verwunderlich, daß aus dem Beruf des Priesters Spannungen entstehen, daß die hohe Berufung auch die Gefahr tiefen Falles in sich birgt. Die Gefahr, daß der Priester sich über die anderen erhebt; der Mitleidslosigkeit mit den Sündern, wo er doch selber des göttlichen Erbarmens bedarf; die Gefahr der Flucht vor Gott, in die uns vertrautere Nähe der Menschen, um bei ihnen Trost zu suchen, während doch der HERR allein ihm Kraft und Heil sein sollte; die Gefahr eines armseligen Kompromisses zwischen Gott und der Welt, des Versuchs, durch billige Mittelmäßigkeit mit der Überforderung des priesterlichen Berufes fertig zu werden.

Wenn man dieses selige und zugleich furchtbare Los des Priesters erwägt, könnte man erschrecken, weil einst in jugendlicher Begeisterung begonnen wurde, was kein Mensch allein vollenden kann. Aber wir dürfen auf die göttliche Gnade vertrauen, die der HERR allen, die er erwählt hat, schenken wird. Denn er, der seine Priester berufen hat, ist getreu und er wird keinen über seine Kräfte versucht werden lassen. Wir aber müssen bei der Feier des heiligen Opfers für und miteinander beten, daß alle Berufenen aushalten im göttlichen Dienst.

Der Bischof von London fragte einmal den berühmten Schauspieler Freddy Quinn: „Wie ist es möglich, daß wir mit den erhabenen Wahrheiten meist nur geringen Eindruck machen, während ihr Schauspieler mit euren Dichtungen auf der Bühne so viele Leute bewegt?“ –  „Das kommt wohl daher”, entgegnete Quinn, “daß wir von erdichteten Dingen wie von wahren sprechen, die Prediger dagegen von den wahren wie von erdichteten.“

Es scheint, daß letztlich – wie auch zur Zeit Jesu –  nur relativ wenige Menschen bereit sind, das Wort Gottes anzunehmen. Der HERR sprach von der kleinen Herde. Billige Mätzchen und Gags, die ohnehin schnell verbraucht sind, dürften auf Dauer niemanden gewinnen. Gewiß ist das Evangelium Frohbotschaft, aber zur Show nicht geeignet. Wichtiger als die Frage ob sie heute noch „ankommt“, ist, ob die Verkünder der Frohen Botschaft bereit sind, gelegen oder ungelegen das zu verkünden, worauf es ankommt. Es ist nicht die Aufgabe der Kirche, ihre Mitglieder zu beschäftigen oder zu unterhalten, sondern sie zu Gott zu führen.

In einer mittelalterlichen Handschrift aus Salzburg erfahren wir, was die Menschen vom Priester erwarten:

+ Ein PRIESTER muss sein: +
+ ganz groß und ganz klein +
+ vornehmen Sinnes wie aus Königsgeschlecht +
+ einfach und schlicht wie ein Bauernknecht +
+ ein Held, der sich selbst bezwungen +
+ ein Mensch, der mit Gott gerungen +
+ ein Quell von heiligem Leben +
+ ein Sünder, dem Gott vergeben +
+ ein Herr dem eignen Verlangen +
+ ein Diener der Schwachen und Bangen +
+ vor keinem Großen sich beugend +
+ zu dem Geringsten sich neigend +
+ ein Schüler vor seinem Meister +
+ ein Führer im Kampf der Geister +
+ ein Bettler mit flehenden Händen +
+ ein Herold mit goldenen Spenden +
+ ein Mann auf den Kampfesstätten +
+ eine Frau an den Krankenbetten +
+ ein Greis im Schauen +
+ ein Kind im Trauen +
+ nach Höchstem trachtend +
+ das Kleinste achtend +
+ bestimmt zur Freude +
+ vertraut dem Leide +
+ weitab vom Neide +
+ im Denken klar +
+ im Reden wahr +
+ des Friedens Freund +
+ der Trägheit Feind +
+ feststehend in sich +
+ ganz anders als ich . . .
Betet für mich!

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nov./Dez. 2017)

 


P. Lothar Groppe SJ über den herausragenden Einsatz der katholischen Kirche für verfolgte Juden in Ungarn

Der bekannte Jesuitenpater und Publizist Lothar Groppe (siehe Foto) äußerte sich in einem jetzt veröffentlichten Leserbrief in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ faktenstark zu den zahlreichen Hilfsaktionen der katholischen Kirche für verfolgte Juden in Ungarn in der NS-Zeit.

Ausgangspunkt war ein Artikel der JF über den schwedischen Judenretter Raoul Wallenberg:  DSC_0517

„Es ist zu begrüßen, dass die Junge Freiheit den schwedischen Diplomaten würdigt, der tausende Juden 1944 in Ungarn vor der Deportation rettete und selber Opfer seiner Hilfsbereitschaft wurde.  Aber er  war keineswegs der einzige in Ungarn, der sich  für die Verfolgten engagierte.

So stellte Nuntius Rotta in Budapest ebenso wie verschiedene Bischöfe und zahlreiche Pfarrer tausende Taufbescheinigungen für Juden aus, ohne dass ein einziger getauft wurde.

Der jüdische Journalist Jenö Levai spricht in seinem Buch  „Geheime Reichssache“ von 150.000 Schutzbriefen. Diese Behauptung ist sicher nicht zu halten, es dürfte  sich um etwa  15 000 gehandelt haben. Genaue Zahlen waren im Vatikan nicht zu ermitteln.

Levai belegt  glaubwürdig, dass Papst, Nuntius, Bischöfe und zahlreiche Priester unermüdlich zugunsten der Juden tätig waren.

Unter Hinweis auf das „Land der hl. Jungfrau und des hl. Stefan“ versuchten sie, so viele Juden wie möglich zu retten.

Reichsaußenminiaster v. Ribbentrop wies den Gesandten Veesenmayer an, auf Staatschef Horthy Druck auszuüben und nicht auf die Wünsche des Papstes und der Kirche einzugehen.

Horthy bat (!) um Aufhebung der Deportationen, „da die ungarische Regierung mit Telegrammen vom König von Schweden und vom Papst überschüttet werde: der Nuntius spreche jeden Tag mehrmals vor.“

Katholische Priester und Nonnen retteten Tausende verfolgter Juden, indem sie diese unter Lebensgefahr in ihren Klöstern versteckten. Levai führt allein für Budapest 32 Klöster an.

Neben dem Lazaristenpater Köhler spielte bei der Budapester Rettungsaktion der Jesuitenpater Reile eine herausragende Rolle. Er versteckte nicht nur zahlreiche Juden, sondern besorgte  –  ohne Taufe  –  viele Taufscheine.

Zwei besonders „arisch“ aussehende Juden steckte er in Polizeiuniformen und richtete an der Klosterpforte eine „Polizeiwache“ ein, die das Gebäude vor weiteren Durchsuchungen schützte.

So berechtigt es ist, auf den Massenmord an den Juden hinzuweisen, so notwendig ist es, der  zahlreichen, meist Unbekannten, zu gedenken, die unter Einsatz ihres Lebens den Verfolgten geholfen haben.“


Christus ist der Triumph des Lebens über den Tod

Von P. Lothar Groppe SJ

Die Botschaft des Glaubens ist eine Botschaft ewigen Lebens. Daher ist Ostern für gläubige Christen der höchste christliche Feiertag, Höhepunkt des Kirchenjahres. Durch die Auferstehung wurde die Erlösungstat Christi vollendet. Ostern ist der Triumph des Lebens über den Tod.

Christen, die an dieser zentralen Glaubenswahrheit festhalten, werden leicht verdächtigt, auf ein Jenseits zu vertrösten. Wer jedoch aus dem Glauben an die Auferstehung lebt, entfaltet Kräfte, die dem Ungläubigen unbekannt sind.

Dieser Glaube befähigte eine Mutter Teresa und ihre Schwestern, sich täglich für die Ausgestoßenen unserer Gesellschaft zu engagieren. Er gab einem Maximilian Kolbe die Kraft, für einen Familienvater in den Tod zu gehen, ermutigte einen Dompropst Lichtenberg, jahrelang öffentlich für verfolgte Juden und andere Opfer des Nationalsozialismus zu beten.

Ohne die Hoffnung auf ein ewiges Leben nach dem Tod wird das Diesseits für viele leer und sinnlos. Nicht zuletzt daher rühren die vielen Selbstmorde bei Menschen, für die mit dem Tod alles aus ist.

Die prominente Schauspielerin Hildegard Knef hat diesen Zusammenhang erkannt. In ihrem Buch „Das letzte Urteil“ schreibt sie:

Die Welt ist geschwätzig und vorlaut, solange es gut geht. Nur wenn jemand stirbt, dann wird sie verlegen – dann weiß sie nichts mehr zu sagen. Genau an dem Punkt wo die Welt schweigt, richtet die Kirche eine Botschaft aus. Ich liebe die Kirche um dieser Botschaft willen.“

Andere jedoch versuchen, „um dieser Botschaft willen“ den Glauben an eine Auferstehung lächerlich zu machen. Selbst manche Theologen scheuen nicht davor zurück, diesen Glauben in das Reich der Fabel zu verweisen.

So erklärte der Medienstar Eugen Drewermann, die biblische Botschaft von der Auferstehung sei „kein historischer Bericht, sondern Dichtung.“  – Bei den Ostergeschichten handle es sich um „Legenden“.  – Unumwunden sagte er, ein Leichnam könne doch „nicht wieder lebendig werden und aus dem Grab steigen.“  – Auch die Lehre von Christi Himmelfahrt sei „Aberglaube“.

Doch die christliche Lehre von der Auferstehung ist kein Aberglaube, sondern ein „Aber-dennoch-Glaube“.

Trotz allen Widerspruchs der Welt, trotz „neuer“ Erkenntnisse heutiger „Schriftgelehrter“ halten Christen an dem fest, was Paulus im 1. Korintherbrief  schreibt:

„Ich habe euch überliefert, was ich selbst überkommen habe: Christus ist der Schrift gemäß für unsere Sünden gestorben, wurde begraben, ist der Schrift gemäß am dritten Tage auferstanden und dem Kephas erschienen, danach den Zwölfen  … Wenn aber gepredigt wird, dass Christus von den Toten auferstanden ist, wie können dann einige behaupten, es gäbe keine Auferstehung? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist nichtig unsere Predigt und nichtig euer Glaube … Wenn wir nur für dieses Leben auf Christus hoffen dürfen, so sind wir die beklagenswertesten aller Menschen ….. Stehen die Toten nicht auf, so laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.“ (15. Kapitel )

Folgerichtig befindet sich über dem Eingangstor eines Freidenkerfriedhofs der Spruch: „Macht euch das Leben hier recht schön, kein Hoffen gibt’s, kein Wiedersehn!“

Für gläubige Christen ist der Tod nicht das Ende, sondern Übergang zum ewigen Leben, wie schon die Makkabäischen Brüder bekannten: „Der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferwecken, weil wir für seine Gesetze gestorben sind.“ (2 Makk 7, 9)

Und der Psalmist jubelt voller Zuversicht auf Gottes Herrlichkeit: „Nicht sterben werde ich, sondern leben.“ (118, 17)

Mit dem Glauben an die Auferstehung des HERRN steht und fällt das Christentum. Deshalb wird sie heute bisweilen sogar von Theologen geleugnet. Wer aber die Auferstehung leugnet, verwirft den Kern der christlichen Botschaft.

Ohne Hoffnung auf ein besseres Jenseits würde die Welt in trostlose Finsternis versinken.

P. Lothar Groppe SJ  ist Jesuitenpater und bekannter Publizist

Foto: Dr. Bernd F. Pelz