Wie die Causa Maaßen zum Fall Nahles wurde

Von Freddy Kühne

In der Causa Maaßen hatte Andrea Nahles verbal so hoch gepokert („Er muss gehen. Er wird gehen“), dass sie sich selbst und die Regierungskoalition in eine extrem schwierige Lage hineinmanövierte, durchaus wissend, dass Horst Seehofer sich eindeutig hinter Maaßen gestellt hatte, bevor sie sich in eine solche Äusserung verstieg. 

Nun hätte man das ganze Theater als interessantes Kabarett einordnen können, sofern die von den Dreien gefundene Lösung wenigstens Bestand gehabt hätte und jeder der Drei auch den Mumm besäße, zu seinem Wort zu stehen.

Doch nun bleibt selbst den härtesten Regierungskritikern der Mund offen und die Spucke weg, denn Nahles bringt auch noch die ganze Koalition ins Wanken: Nach dem Salto-Mortale-Vorwärts versucht sie nun den dreifachen Rittberger Rückwärts.

Die Gründe dafür sind einfach: Nahles und die SPD forderten den Rücktritt Maaßens als Präsident des Verfassungsschutzes – und damit zugleich die Entblößung von Seehofer (siehe Foto) und der CSU. Diese wehrten die politische Belästigungsattacke  – aus ihrer Sicht betrachtet –  einigermaßen ohne allzugroße Schrammen ab: Maaßen sollte als Staatssekretär ins Innenministerium befördert werden und vorübergehend kommissarischer Leiter des Verfassungsschutzes bleiben.

Zugleich musste dafür ein anderer Staatssekretär mit SPD-Ticket im Innenministerium einen Stuhl freimachen. Aber der Zorn der Parteibasis an der SPD kocht nun derart über, dass Nahles innerparteilich selbst auf die Abschussliste zu geraten scheint.

Die höchste Kunst in der Politik besteht heute scheinbar vor allem darin, dem Gegner – egal ob ausser- oder innerparteilich – den größtmöglichen Schaden zuzufügen, dabei den eigenen Schaden so gering wie möglich zu halten und vor allem den eigenen Gesichtsverlust absolut zu vermeiden.

Während es früher noch Anstandsregeln gab, die ehrenhalber beachtet wurden, wird heute vermehrt mit Intrigen, Lügen und Legendenbildung gearbeitet – und das bloß, um selbst an den Honigtopf zu gelangen.

Meistens bleiben dabei die ehrlicheren und idealistischeren Menschen auf der Strecke, also jene, die nicht in erster Linie die Vorteile für sich suchen, sondern die tatsächlich eine dienende und verantwortliche Vorstellung zum Vorteil für Volk und Land praktizieren.

Nahles jedenfalls hat mit ihrem Ausruf „Er muss gehen“ zwei Abgründe aufgerissen: Vor sich den Abgrund der Regierungskoalition und hinter sich den innerparteilichen SPD-Abgrund, in den man sie jetzt hineinzustürzen droht.

Noch nie zuvor gab es seit 1949 eine Regierung in Deutschland mit einer solch dramatisch schlechten Performance – sowohl inhaltlich wie dramaturgisch.

Quelle und vollständiger Artikel von Freddy Kühne hier: https://99thesen.com/2018/09/22/wir-haben-uns-alle-drei-geirrt/

 


Vatikanexperte Nersinger über die Causa Müller und die päpstliche „Spontanität“

Die „Badische Zeitung“ (BZ) veröffentlichte am heutigen Samstag (5.8.) ein Interview mit Ulrich Nersinger, einem katholischen Buch-Autor, Theologen und Vatikanexperten.

Unter dem Titel „Seine Spontanität ist mitunter kontraproduktiv“ äußert sich der 60-jährige Publizist auch zu der  –  im Ablauf sehr ungewöhnlichen  –  Entlassung von Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation.

Auf die Frage von BZ-Redakteur Sebastian Kaiser, ob es sich hierbei um den Höhepunkt eines vatikanischen Machtkampfs handelt, sagt Nersinger, „natürlich“ habe es zwischen Papst und Müller Meinungsverschiedenheiten gegeben, aber durchaus auch Gemeinsamkeiten (z.B. eine „positive Sicht auf die Befreiungstheologie“).

Ob die inhaltlichen Differenzen ausreichen, um das Ende von Müllers Amtszeit zu erklären, sei aber fraglich: „Man darf die Konflikte und Intrigen im Vatikan, die auf den Papst einwirken, nicht unterschätzen.“

Nersinger fügt  – auch im Hinblick auf andere Entlassungen – hinzu: „Grundsätzlich sind die Personalentscheidungen des Papstes von sehr harten Schnitten gekennzeichnet – obwohl er doch eigentlich für Barmherzigkeit steht.“  –  Der Theologe erinnert sodann an die „Spontanität“ von Franziskus, die zu seinen „charakteristischen Wesenszügen“ zähle.

Zugleich sei sowohl in der Öffentlichkeit wie innerhalb der Kirche die „Betrachtung“ dieses Pontifikats in eine „neue Phase“ getreten und offenbar kritischer geworden: Man fragt sich, was dieser Papst möchte und was er überhaupt durchsetzen kann. Nicht alles ist offenbar so einfach, wie es sich Franziskus ursprünglich gedacht hat.“

Am gestrigen Freitag (4.8.) erschien in der linksgerichteten „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) ein gegen Kardinal Müller gerichteter Online-Artikel mit den in diesen Kreisen üblichen Seitenhieben gegen den Ex-Glaubenspräfekten und früheren Oberhirten von Regensburg.

Wenig erstaunlich, daß sich die von der SZ zitierte Initiative „Wir sind Kirche“  –   für ihre „progressiven“ Ansichten seit langem bekannt   –  intensiv über Kardinal Müller beschwert.

Interessant freilich auch, was die SZ im nächsten Absatz einräumt:

„Wer die Geistlichen im Bistum fragt, hört dagegen nur Nettes über Müller. „Ich habe den Eindruck, dass sich alle freuen“ auf seinen Besuch, sagt Walter Karger, Diakon in Donaustauf. Für Karger war Müller immer „wie ein Bischof von nebenan, mit dem man gern am Tisch sitzt“.

Fotos: Radio Vatikan, Bistum Regensburg


Erzbischof Robert Zollitsch stichelt weiter gegen Kardinal Gerhard L. Müller

Von Felizitas Küble

Seit Monaten betreibt der emeritierte Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, zugleich scheidender Vorsitzender der Dt. Bischofskonferenz, einen geradezu verbissenen Machtkampf gegen den kürzlich vom Papst zum Kardinal ernannten Glaubenspräfekten Gerhard Ludwig Müller (siehe Foto), dem früheren Oberhirten von Regensburg. AL-0005

Dabei kommen Zollitschs Seitenhiebe nicht von ungefähr; sie sind keine spontanen Ausrutscher, sondern vielmehr Teil einer medienpolitisch orientierten Strategie mit dem Ziel, die theologisch klaren Stellungnahmen Müllers in ihrer öffentlichen Wirksamkeit zu torpedieren.

In einem Interview mit dem „Mannheimer Morgen“ vom heutigen Donnerstag, dem 6.3.2014, erklärte der (Noch-)Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz ironisch zur Limburger Causa und im Hinblick auf Glaubenspräfekt Müller, der Bischof Tebartz-van Elst gegen Anfeindungen in Schutz nahm:

„Es wundert mich, dass der alte Satz von Wittgenstein: ‚Wovon man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen‘ nicht beachtet wird.“

Es wundert uns noch mehr, daß Erzbischof Zollitsch diese Aussage des Philosophen Wittgenstein (die sich ohnehin konkret auf Sprachlogik bezog und nicht als allgemeines Sprichwort zu verstehen ist) gegen den Präfekten der Glaubenskongregation ins Feld führt, statt sich endlich selber daran zu halten.

Der Beginn der österlichen Bußzeit wäre für den Freiburger Kirchenmann doch ein passender Start für sein eigenes überfälliges „Sprachfasten“.????????????????????????????????????????????

Damit nicht genug, hat sich Erzbischof Zollitsch jetzt erneut gegen die theologisch fundierte Erklärung von Kardinal Müller gestellt, wonach geschieden-Wiederverheiratete nicht zum Tisch des HERRN eingeladen sind. (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/11/11/vatikan-glaubensprafekt-muller-fordert-rucknahme-der-freiburger-handreichung/)

Der Freiburger Altbischof verteidigt erneut die umstrittene „Handreichung“ seines Ordinariats, die nicht „nur“ die hl. Kommunion für jenen Personenkreis vorsieht, sondern sogar kirchliche Segensfeiern im Fall einer Zivilehe nach Scheidung vorschlägt, ein geradezu unfaßbares Unterfangen.

Zollitsch äußert hierzu wörtlich: „Die Handreichung unseres Seelsorgeamtes versucht, die Praxis in den meisten deutschen Diözesen, in Österreich und im Elsass zu umschreiben. Dabei geht es auch darum, wie wir im Einzelfall danach suchen, wie wir die volle Gemeinschaft anbieten können.“

Abgesehen davon, daß eine kirchenrechtswidrige Praxis nicht dadurch besser wird, daß man sie auf geduldigem Papier „umschreibt“ und schönredet, sind solche Segensfeiern, wie in jener „Handreichung“ vorgeschlagen, nicht einmal im Deutschland, Österreich und dem Elsaß bekannt  –  und das will etwas heißen!

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster

1. Foto: Bistum Regensburg  – 2. Foto: Evita Gründler