Widersprüchliche Phänomene in Coronazeiten

Von Felizitas Küble

Am 7. April 2020 beschwerte ich mich in einem Artikel darüber, daß das Sprüchlein „Wir bleiben daheim“ nicht nur in aller Munde ist, sondern z.B. in Münster zig-fach auf großen Plakatwänden prangt  – dies wurde durch zwei Fotos belegt: https://charismatismus.wordpress.com/2020/04/07/neues-deutsches-mantra-wir-bleiben-daheim-aber-nein-sich-regen-bringt-segen/

Hier sehen sie nun ein weiteres Bild aus Münster, das zwar nicht dieses Mantra enthält, aber im Grunde noch verrückter ist: Die Getränkefirma „Hohes C“ bedankt sich bei allen, „die dieses Plakat nicht sehen“ – die also schön brav „daheim bleiben“. Dummer gehts nimmer!

Einige dieser Stubenhocker-Werbeflächen sind jetzt nach zwei Monaten immer noch zu sehen –  und dies, obwohl jeder, der bis Fünf zählen kann, wissen dürfte, wie unsinnig diese Aufforderung gerade in Coronazeiten ist:

Erstens geht das Virus draußen am schnellsten zugrunde (im Unterschied zu geschlossenen Räumen), zweitens ist für den Corona-Schutz die Stärkung des Immunsystems besonders wichtig – und dies geschieht nicht in den eigenen vier Wänden, sondern vielmehr durch Bewegung, frische Luft, viel Sauerstoff und Sonne!

Vier Wochen später schreibt der FAZ- und WELT-Autor Dr. Gerd Held in seinem Artikel ganz in diesem Sinne: „Vor diesem Hintergrund ist die Leichtigkeit erstaunlich, mit der in Deutschland der Satz „Wir bleiben zu Hause“ die Macht erobert hat.“    (Quelle: http://wordpress.gerdheld.de/?p=2272)

Während also auf der einen Seite übertriebene Ängste geschürt werden, kann man andererseits genau die gegenteiligen Vorgänge beobachten, nämlich z.B. eine absurde Leichtfertigkeit in Sachen Maskentragen:

Die Stadt Münster kümmert sich – soweit sehr erfreulich – um die Beköstigung von Wohnungslosen und sozial Schwachen bzw. Bedürftigen, die seit vielen Wochen täglich im Eltrop-Heim von 10 bis 16 Uhr essen können (das Mittagessen 1 Euro, sonst alles gratis).

Dort am Eingang sind zwei Kisten auf je einem Stuhl  plaziert: eine enthält Masken mit der Aufschrift „NEU“  –  und daneben eine andere Kiste Masken mit der Aufschrift „ALT“. Die dort gelagerten Exemplare sehen auch entsprechend aus.

Daß ein gebrauchter Mund-Nasen-Schutz ziemlich das Letzte ist, was man in Corona-Zeiten tragen sollte, dürfte sich von selbst verstehen.

Selbst wenn die Kiste vielleicht als Entsorgungsidee gedacht ist (was aus der Beschriftung aber nicht hervorgeht), so wirkt dies für Besucher zumindest irreführend – zumal im Eßraum bereits mehrere Müllsäcke herumstehen.

Seltsame Sumpfblüten in Corona-Zeiten: Auf der einen Seite diese spießige Panikmache mit Bleibt-daheim-Appellen, andererseits ein derartiger Masken-Leichtsinn.

HINWEIS: Inzwischen wurde die Situation mit den alten Masken im Eltrop-Heim verbessert und unserer Beschwerde Rechnung getragen: Die kritisierte Kiste steht an einem Platz im Flur und ein erklärender Zettel an der Wand weist auf den Entsorgungszweck hin. Auf Nachfrage erklärte eine Ordnerin, die Änderung sei wegen einer „Kritik im Internet“ erfolgt.

 

 


Pseudomystische Botschaften an Justine Klotz

Von Felizitas Küble

Wie bereits in unserem ersten Teil geschildert, gehört die 1888 geborene Justine Klotz zu den „begnadeten Seelen“, die angeblich Einsprechungen von himmlischer Seite erhalten.

Die 1984 im hohen Alter verstorbene „Mystikerin“ (siehe Foto) hinterließ zahlreiche Botschaften von Jesus, Maria, Engel und Heiligen.

In dem von Pfr. Hubert Hintermaier verfaßten Buch „Gott spricht zur Seele“ (siehe 2. Foto) sind zahlreiche „Offenbarungen“ enthalten, die Frau Klotz zuteil geworden sind.

(Quelle: http://www.nachfolgejesu.com/restarmee/Botschaften/Gott%20spricht%20zur%20Seele%20-%20Ausz%C3%BCge%20aus%20den%20Offenbarungen%20an%20Justine%20Klotz.pdf)

Wir haben uns im 1. Teil bereits mit einigen theologisch fragwürdigen Aussagen aus dem Vorwort der Publikation befaßt.

Fast jede weitere Seite regt zu neuen Fragezeichen und Verwunderungen an.

Betrachten wir in diesem 2. Teil als Beispiel die Seiten 7 bis 12.

Auf S. 7 und 8 heißt es, Frau Klotz habe ihre Einsprechungen stets sorgfältig aufgeschrieben: Sie musste zuerst alles ihrem Beichtvater zur Prüfung vorlegen, bevor es ihr gestattet war, die Texte anderen vertrauenswürdigen Personen, vor allem Priestern, weiterzugeben.“

Auf S. 9 wird erneut betont, daß die Mystikerin den Priestern, die sie kannte, nur das weitergab, „was der Beichtvater freigegeben hatte“.

Das bedeutet, daß die veröffentlichten Botschaften bereits eine Art „Vor-Zensur“ durchlaufen haben.

Umso mehr erstaunt es, daß die vermeintlichen Aussagen des Himmels immer noch viele theologische Unstimmigkeiten und Unsinnigkeiten enthalten (siehe dazu auch unser 1. Teil).

Auf S. 10 wird berichtet, Jesus habe zu einem „Bund der Hingabe“ animiert, „um den Bruder zu retten, der verloren ging“.

Die Gebetsgemeinschaft solle Mitchristen „geistlich beistehen können“. Dieser Weg sei, so der Autor, auf eine „einfache Formel“ zu bringen – und diese laute: “Alles mit Maria, für alle Seelen und mit allen Seelen.”

Auf S. 12 heißt es ähnlich hinsichtlich der „guten Meinung“ bei den Gebeten und guten Werken, man solle “für alle Seelen und mit allen Seelen beten bzw. das je Gute tun”.

Was bedeutet in diesen Zusammenhängen „mit allen Seelen“?

Ist es eine sinnlose „fromme“ Formel? Oder wird unterschwellig gar eine Allerlösung suggeriert?

Wie steht es denn mit den verlorenen „Seelen“ in der ewigen Verdammnis?

Natürlich kann auf Erden grundsätzlich jeder Mensch noch „die Kurve kriegen“, solange er lebt, kann sich also bekehren – hier ist aber nicht von Menschen, sondern vno „Seelen“ die Rede – und diese gibt es auch in der Ewigkeit (und zwar keineswegs allein in Himmel oder Fegefeuer).

Merkwürdig erscheint auch der Abschnitt auf Seite 11:

„1. Empfang des Bußsakramentes: Wenn wir beichten, können wir Gnade schöpfen für alle Seelen. Jesus sagte neben vielen anderen Worten über das Bußsakrament zu Justine Klotz: „Was einer tut, tun alle! So groß ist dieses Sakrament! Das heißt man: Berge versetzen!“

Wieso können wir durch die Beichte „Gnade schöpfen für alle Seelen“? Was bedeutet gar die eigenartige Formel: „Was einer tut, tun alle!“?

Sodann heißt es auf dieser Seite weiter:

„2. Empfang der hl. Kommunion. Dem Wunsch Jesu folgend, sollten wir die hl. Kommunion in das Herz der Gottesmutter legen, damit sie Jesus an alle Seelen weiterschenke. Jesus sagte diesbezüglich: „Schließt Mich nicht eng in euer Herz ein! Legt Mich in das Herz Meiner Mutter und folget ihr von Seele zu Seele insgeheim…!“

Erstens ist der Eucharistie-Empfang eine Begegnung des Gläubigen mit seinem Erlöser Jesus Christus – und nicht mit der Gottesmutter.

Zweitens ist auch hier das Mantra „alle Seelen“ schlicht unsinnig.

Drittens kommt Christus in unser Herz, um läßliche Sünden zu vergeben und uns mit seiner helfenden Gnade zu stärken  – und nicht, damit wir IHN „in das Herz Mariens legen“ und ihr dann „von Seele zu Seele insgeheim folgen“. Derlei Anwandlungen sind pseudomystischer Unsinn.

Die Krönung all dieser Botschaften ist freilich der vielgerühmte „Liebesakt“ (vgl. S. 12), ebenso übertrieben und verstiegen wie die anderen Besonderheiten:

“Jesus, Maria, ich liebe Euch! Rettet Priesterseelen, rettet Seelen. – Ich liebe euch mit der großen Bitte, diesen Liebesakt mit jedem Atemzug, mit jedem Pulsschlag tausendmal wiederholen zu dürfen.”

Natürlich gehören zu dieser Spezial-Anrufung wieder die bei „Sühneseelen“ gängigen Verheißungen (Seelenrettung, „sicherer Weg der Erneuerung“ etc) – und vor allem einige kuriose Reklamesprüche“, die angeblich von Christus selber stammen , wie z.B. „Liebesrakete“ oder „ein Atommeiler wie keiner sonst„.

Man fragt sich allerdings, warum dem Botschafts-Jesus diese Super-Anrufung erst nach zweitausend Jahren eingefallen sein soll. Mußte dazu erst Frau Klotz als Mystikerin zur Verfügung stehen?