„Jesuskind“-Visionen in Sievernich fordern zu Sühnegebeten am 11. Juni 2021 auf

Von Felizitas Küble

Der katholische Publizist und Historiker Michael Hesemann betätigt sich seit Jahrzehnten als Sprachrohr angeblicher Erscheinungen und wundersamer Mirakel – ob es dabei um die kirchlich abgelehnten, einstigen Phänomene von Heroldsbach geht oder um etwas ungewöhnliche Wolkenbildungen, die flugs als Madonnenfigur gedeutet werden usw.

Nun hat der Autor am heutigen Tage (9. Juni) auf dem charismatisch bewegten Portal „Kath.net“ ein besonders dringliches Anliegen vermeldet, denn es geht ihm in seinem Artikel um einen Gebetsaufruf der „Seherin“ Manuela Strack aus Sievernich, die seit über 20 Jahren übernatürlicher Gnaden gewürdigt wird (glaubt man ihrer Fangemeinde).

Dazu heißt es im Hesemann-Bericht, die „Christuserscheinungen“ in der Voreifel-Gemeinde „dauern an“.

Es wird zwar erwähnt, daß Christus der Visionärin „in Gestalt des Prager Jesuskindes“ erscheint, allerdings wird wohlweislich nicht dazugeschrieben, daß Manuela das Christkind in einer Hostie schaut. Wie bereits früher hier im CF klargestellt, handelt es sich dabei von vornherein um ein – gelinde gesagt – merkwürdiges Phänomen:

Warum sollte denn unser Erlöser ausgerechnet im Sakrament des Altares, in dem ER als das „Lamm Gottes“ gegenwärtig ist – somit als der Geopferte und verklärte Auferstandene, so wie ER heute im Himmel lebt – in Form eines kleinen Kindes erscheinen? – Der theologische Unsinn einer solchen Schau ist offenkundig für jeden, der katholisch noch bis drei zählen kann.

BILD: Eines der Bücher über die Phänomene von Sievernich: „Alle Nationen rufe ich zu mir!“

Nun zurück zu dem besonderen Sühneanliegen für den 11. Juni 2021. Die Seherin hatte – so Hesemann – am 13. Mai „während der Eucharistischen Anbetung eine erneute Christuserscheinung“.

Später habe sie „die Worte des Herrn“ notiert, darunter folgende: „Liebt das Gebet der Wiedergutmachung; denn in diesen Tagen wurde gegen den Vater im Himmel gesündigt.“ – Dabei soll es um jene Homopaar-Segnungen gehen, die einige Tage zuvor in etlichen Kirchen abgehalten wurden.

Wir wissen auch ohne Jesuskind-Visionen allein schon aufgrund der Heiligen Schrift und der kirchlichen Lehre, daß derlei Praktiken abzulehnen sind. Aber wer vom Glauben zum Aberglauben“ fortschreitet“, braucht hierfür vielleicht auch noch eine himmlische „Botschaft“ aus Sievernich.

Es stellt sich ohnehin die Frage, warum denn nur „in diesen Tagen“ gegen Gott „gesündigt“ worden sein soll. Dies ist in Wirklichkeit seit Adam und Eva der Fall und wird sich aufgrund der Erbsünde und ihren Folgen auch nicht ändern.

Nach dem in derlei Visionen üblichen Lamentos (z.B. „Wie wird Mir Meine Liebe vergolten?“) wünscht sich der Erscheinungs-„Jesus“ für den 11. Juni ein weiteres „Gebet der Wiedergutmachung“: „Seht, mit eurem Beten und Opfern erreicht ihr das Erbarmen des Ewigen Vaters.“

Es sind wieder einmal die speziellen „Sühneseelen“, die den Himmel besänftigen – obwohl Katholiken wissen müßten, daß bei aller Wichtigkeit persönlicher Gebete der Gläubigen vor allem die heilige Messe ein besonders wirksames Heilsmittel der Kirche ist.

Weiter heißt es: „Betet und leistet Sühne! Dass Ich zu euch spreche, ist ein Akt Meiner Barmherzigkeit; denn Ich will euch nicht verloren sehen, sondern erretten.“

Hat Christus etwa nicht seit 2000 Jahren durch Bibel und apostolische Tradition zu uns „gesprochen“? – Weiß der Verfasser nicht, daß die Offenbarung Gottes – laut amtlicher kirchlicher Lehre – mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist?!

Abschließend schreibt Hesemann, in der „größten Krise“ unserer Kirche in Deutschland „seit der Reformation“ bekämen diese Botschaften eine „ganz eigene Brisanz“, denn nichts könne sie mehr retten „als Gottes Barmherzigkeit“.

Von daher sei es auf jeden Fall „notwendig“ (!), auch dem himmlischen Aufruf zum Wiedergutmachungs-Gebet am 11. Juni „Beachtung zu schenken„, denn – so der Autor – „nichts befreit und heilt uns alle mehr als das Gebet.“

Welcher gläubige Leser mag solch einem frommen Ansinnen widersprechen?!

Allerdings sollte noch bedacht werden, daß unser Beten durchaus frei gewählt werden kann und nicht auf Zuruf einer (noch dazu kirchlich nicht anerkannten) „Erscheinung“ auf ein bestimmtes Datum hin erfolgen muß.

Zudem ist es mit dem Gebet allein nicht getan, das gilt auch für „Sühnegebete“. Zum echten Glauben gehören auch gute Werke, Nächstenliebe, die Einhaltung der göttlichen Gebote und ein Leben aus den Sakramenten der Kirche.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Sievernich: Zwischen Zuckerbrot und Peitsche, Kitsch und „Rachemadonna“

Von Felizitas Küble

Die kleine Ortschaft Sievernich sorgte jahrelang für Schlagzeilen im Blätterwald, nicht nur im kirchlichen, auch in der weltlichen Presse, denn dort sei von der Jahrtausendwende bis zum Jahr 2005 die Himmelsmutter einer jungen Frau erschienen  – und nicht nur dies: auch Engel, Heilige und verstorbene Seelen gaben sich ein Stelldichein in der Pfarrkirche dieses unscheinbaren Dorfes. „Übernatürliche“ Phänomene sollen in der  Sievernicher „Gebetsoase“ freilich noch bis heute vorkommen.

Obwohl schon nach kurzer Zeit klar war, daß die „Botschaften“ der Seherin Manuela Strack aus Düren ebenso überflüssig wie theologisch teils geradezu abenteuerlich waren, sah sich Bischof Heinrich Mussinghoff nicht zum Einschreiten veranlaßt, sondern ließ den Geschehnissen ihren vermeintlich „frommen“ Lauf.  Zwar vermied der Aachener Oberhirte jede amtliche Anerkennung der „Privatoffenbarung“, ließ es aber z.B. zu, daß die „Erscheinungen“ in der Sievernicher Pfarrkirche stattfanden.

Zwischen Glaube und Aberglaube verwischen sich im Bereich der Volksfrömmigkeit ohnehin leicht die Grenzen – und so denken sich wohl manche Kirchenmänner: Hauptsache, die Leute beten und widmen sich religiösen Übungen – ob echt oder unecht, ist egal.

Dabei wird „vergessen“, wie häufig die Heilige Schrift uns zur Nüchternheit und Wachsamkeit aufruft, wie oft auch im Neuen Testament von „falschen Propheten“ sowie „trügerischen Zeichen und Wundern“ die Rede ist. Erinnert sei sodann an die Warnung des hl. Apostels Paulus, wonach der Satan durchaus auch als „Engel des Lichtes“ erscheinen könne, um Gläubige in die Irre zu führen.

Freilich meinen in frommen Kreisen viele Leichtgläubige, der Teufel gäbe gleichsam seine Visitenkarte ab, präsentiere sich als Bösewicht und Schreckfigur. Wenn eine Erscheinung hingegen zu Gebet und Rosenkranz auffordere, könne das nur „von oben“ kommen. Auf die Idee, daß es sich hierbei um einen „Köder“ handeln könnte, kommen die Damen und Herren nicht.

Drohbotschaften durch die „Rachemadonna“?

Zurück zu Sievernich:

Ganz typisch für falschmystische Offenbarungen sind die Drohbotschaften für jene, die nicht spuren, die Zweifel an der Echtheit äußern. So erklärte die Erscheinungs-Maria am 4. Juni 2005, derjenige werde sich „vor ihrem Sohn verantworten müssen“, der in das Rohr zum Brunnen „etwas hineinwirft“. (Es ging um eine erfolgte Bohrung für ein angebliches „Heilungswasser“.)

Einen Tag später wiederholt das Madonnen-Phantom ihre Drohung: „Mein Kind, bete und tue alles, was ich Dir sage. Wer auf mein Wort nicht hört, wird dies vor meinem Sohn verantworten müssen.“

Bereits zwei Jahre zuvor, am 14. Juli 2003, wurden jene Geistlichen, die nicht an die Visionen von Manuela Strack glauben, ebenfalls in ein schiefes Licht gerückt:

„Viele Priester glauben nicht an mein Kommen und verleugnen meinen Sohn. Sie sind gegen dich, weil sie auch wider meinen Sohn sind. Sie verwunden täglich mein Herz.“ 

Am 1. März 2004 sandte die angebliche Gottesmutter folgende Kundgabe an Manuelas Verehrerschar: „So wird alles, was sich euch entgegenstellt, wie ein Windhauch vergehen.“

Da kann manchem Erscheinungsbewegten warm ums Herz werden!

Der „Himmel“ weiß auch, welch üble Beweggründe die Kritiker heimsuchen: „Es ist nicht ungewöhnlich“, so erklärt die hl. Theresa von Avila (!) am 11. Februar 2005, „dass selbst fromme Seelen dem Stolz und der Eifersucht erliegen, auf dich Kleine schauen und alles für nichtig erklären.“

Ja, das ist bitter – aber der Himmel spendet Trost.

Kennzeichend für diese Kreise ist es auch, daß nicht in erster Linie der seit Jahrhunderten bewährte Rosenkranz gebetet wird, sondern alle möglichen und unmöglichen Sonder-Varianten, die meist auf irrgeistige Visionen zurückgehen. Im Falle von Sievernich war es der „Tränenrosenkranz“ und der „Liebesflammenrosenkranz“ (vgl. die S. 47 und 57 des Sievernich-Buches „Ich bin Maria, die Makellose“ – siehe Foto).

Tränenreiche Erscheinung ohne Sinn und Verstand

Auf S. 76 des erwähnten Sievernich-Buches heißt es hinsichtlich der Marienerscheinung vom 15.10.2001:

„Ich bin heute zu euch gekommen, um euch meine Tränen zu schenken…Ich bin die Frau aller Völker. Meine Tränen lege ich in eurer Herz, damit ihr gerettet werdet, damit ihr mir wiederum meine Tränen aufopfern könnt. Diese Aufopferung ist eine große Gnade für euch.“

Dazu ist zu sagen:

1. Die Gottesmutter befindet sich im Himmel in vollendeter Glückseligkeit und weint nicht. 
2. Christus allein ist unser Erlöser, Maria kann uns auch mit ihren „Tränen“ nicht retten („…damit ihr gerettet werdet…).
3. Welchen Sinn soll eine „Aufopferung“ von Tränen Mariens haben, die sie den Gläubigen erst schenkt und dann per Aufopferung gleichsam zurückhaben möchte?

Mit anderen Worten: Die Tränen-Erscheinung ist theologisch wirres Zeug. – Doch derlei inhaltlicher Unfug ficht die erscheinungsbewegte Schar nicht an. Gegen Wundersucht scheint kein Kraut gewachsen zu sein, weder ein rationales noch ein dogmatisches.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Weitere ARTIKEL zu Sievernich gibt es hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/sievernich-manuela/


Sievernich: Unsinnige „Kernbotschaft“ an Manuela Strack, die „kleine Blume“

Die Seherin sieht sich als „kleine Gebetsperle“

Der Förderverein der Gebetsstätte Sievernich – es handelt sich wohlgemerkt nicht um eine kirchlich anerkannte Erscheinungsstätte –  wirbt seit langem mit den „Botschaften“, die der Himmel angeblich an Manuela Strack übermittelt hat (siehe hier:  https://maria-die-makellose.de/botschaften_themen.html).

Frau Strack ist die „Seherin“ von Sievernich, einer kleinen Pfarrei im Bistum Aachen unweit der Grenze zum Bistum Köln.

In den letzten Jahren ist es stiller um die selbsternannte Visionärin geworden, die mit 33 Jahren reichlich Staub in frommen Kreisen aufwirbelte, als sie zu Beginn der Jahrtausendwende mit ihren angeblichen Privatoffenbarungen viele Pilger und Neugierige in die kleine Gemeinde zog.

Obwohl selber in Düren lebend, verkündete die Familienmutter seinerzeit jahrelang einer (leicht)gläubigen Schar zu Sievernich ihre jüngsten „Botschaften“ von oben.

Merkwürdigerweise ist die kirchliche Obrigkeit – sprich: die zuständige Bistumsleitung von Aaachen – nicht gegen den offensichtlichen Unfug dieser „Botschaften“ und Phänomene vorgegangen, sondern ließ den falschmystischen Geschehnissen ungehindert ihren Lauf.
Wie dieses Nicht-Eingreifen mit dem kirchlichen Wächteramt, Gläubige vor abergläubischen Gefahren zu schützen, vereinbart werden kann, ist wohl das Geheimnis des bischöflichen Ordinariats.

Wie theologisch unsinnig viele der „übernatürlichen“ Einsprechungen und Visionen von Frau Strack tatsächlich sind, haben wir bereits mehrfach aufgelistet und erläutert: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/sievernich-manuela/

Interessanterweise veröffentlichte die erwähnte Sievernich-Werbeseite auch die „Kernbotschaft“, welche der Seherin Strack  – in ihrer Fangemeinde schlicht als „Manuela“ bezeichnt – am 19. Mai 2003 zuteil geworden sein soll.

Während die Erscheinungs-„Madonna“ Manuela bei Überreichung von drei „Schlüsselgeheimnissen“ (!) am 7.10.2002 bereits als „Kleine Gebetsperle“ würdigte, wurde sie von „Jesus“ gar als „meine kleine Blume“ angeschwärmt.

Als ob der wahre Gottessohn und Erlöser  mit solchem Kitsch jemals den Hochmut und Eigendünkel von Personen begünstigen würde, die sich ohnehin mit ihren „Botschaften“ bereits im Lampenlicht von Medien und Öffentlichkeit befinden (Sievernich wurde damals nicht nur zuhauf von neugierigen Pilgerscharen „heimgesucht“, sondern auch von Presseleuten usw.).

Die verfehlte „Kernbotschaft“ von Manuela Strack

Unter dem Titel „Die Kernbotschaft von Sievernich“ wird berichtet, Jesus sei für Manuela am 19. Mai 2003 in der Pfarrkirche von Sievernich direkt sichtbar geworden („Nun sah ich in der heiligen Hostie das Antlitz Jesu“).

Dann habe die Erscheinung („seine Stimme klang männlich, sanft, einfühlsam…“) sie mit den folgenden Worten begrüßt:

„Ich grüße und segne dich, meine kleine Blume. Erkennst du Mich?“

Danach habe jene Stimme sie aufgefordert, auf die Marienbotschaften zu hören, die sie bislang erhalten habe. Weiter heißt es, erneut der Eitelkeit der Visonärin schmeichelnd: „Durch dich dürfen die Menschen erfahren, dass Ich zu jedem von euch komme, wenn Ich nur eingeladen werde. Allen Menschen schenke Ich Heil und Segen.

Nun gibt es zwar den allgemeinen Heilswillen Gottes, aber das tatsächliche Heil wird keineswegs „allen Menschen“ zuteil, sondern hängt von ihrem Glauben und ihrer Nachfolge Christi ab. Gott wirkt grundsätzlich nicht gegen den freien Willen seiner Geschöpfe.

Diffamierung der katholischen Priesterschaft

Nachdem Frau Strack mit Lob und Preis überschüttet und ihr „Erwählungsbewußtsein“ massiv gestärkt wurde, zieht der irrgeistige „Jesus“ über die Priesterschaft her:

„Meine Priester, Meine Nachfolger, wo seid ihr? Seht Mich an, könnt ihr vor Mir bestehen? Liebt ihr Mich oder geht ihr den irdischen Genüssen des weltlichen Lebens nach? Meine Kleine, bevor Ich die Welt mit Meinen Füßen betrat, liebten die Pharisäer Meinen Vater nicht mehr… Meine Kleine, wie ist es heute?

Kurz vor Meiner Wiederkunft in Herrlichkeit schaue Ich auf Meine Nachfolger. Wer liebt Mich heute noch? Wer handelt nach Meinem Wort?“

Das sind freilich skeptische Fragen an die Geistlichkeit „kurz vor meiner Wiederkunft“. Das Jesus-Phantom beklagt sich weiter wortreich über den katholischen Klerus:

„Zu Meinen Lebzeiten auf der Erde wurde Ich geschunden und gemartert…Wie ist es heute? Werde Ich von Meinen Priestern geliebt und verkündet oder werde Ich von ihnen verleugnet um ihrer selbst willen?…. Wegen eurer Vergehen wird die Kirche, Mein Leib, in Deutschland geschunden, weil ihr nicht mehr wahrhaftig seid….“

Abschließend fordert der Erscheinungs-„Jesus“ dazu auf: „Dient dem Vater im Himmel, Mir, dem Sohn, und Seiner Mutter treu und redlich.“

Hier wird Maria als die Mutter des Vaters im Himmel bezeichnet, was eindeutig verfehlt ist, denn die Madonna ist keine Muttergottheit, sondern als Geschöpf die menschliche Mutter des Gottessohnes. Es müßte also heißen: „Dient dem Vater im Himmel, Mir, dem Sohn, und meiner Mutter treu und redlich.“

Solange eine Botschaft noch nicht einmal zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn unterscheiden kann – und das gilt erst recht für eine „Kernbotschaft“  –  kann auch der ganze „Rest“ nicht von oben stammen.

Zudem wird hier eine Art „neue Dreieinigkeit“ präsentiert, die aus Gott-Vater, Jesus und Maria besteht – der Heilige Geist wird einfach ignoriert!

Während die Priesterschaft also denkbar schlecht wegkommt, ist es mit dem Mitarbeiterteam von Manuela bestens bestellt:

„Deine Helfer dürfen sich in Mir geborgen fühlen gegen Anfeindungen und Versuchungen des Feindes…Sind sie Mir und Meiner Mutter treu, so bringen sie reiche Frucht.“

Es handelt sich eindeutig um eine pseudo-konservative, in Wirklichkeit häresieverdächtige und pauschale Herabsetzung von katholischen Geistlichen, verbunden mit einer Aufwertung erscheinungstüchtiger Laien, die sich um eine kirchlich nicht anerkannte „Seherin“ gruppieren.

Im Grunde geht es hier um die Aufrichtung einer schwarmgeistigen Laienherrschaft auf spiritueller Ebene.

Noch offensichtlicher kann sich Pseudomystik und Falschprophetie kaum präsentieren!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Sievernicher Wunderkreis: Vom Rosenduft und dem „Jesulein“ in der Hostie

Von Felizitas Küble

Um die Jahrtausendwende und noch ein paar weitere Jahre erregten die Erscheinungen von Sievernich bei Düren in frommen Kreisen viel Aufsehen, es wurden Bücher und Broschüren über die „Botschaften“ der angeblichen Himmelsmutter veröffentlicht. Der kleine Ort im Bistum Aachen wurde zum „magischen“ Anziehungspunkt von Gläubigen, Leichtgläubigen und Abergläubischen.

Die junge Seherin und Ehefrau Manuela Strack erklärte damals, die Madonna habe sich ihr als „Maria, die Makellose“ bezeugt. Pünktlich erschien sie in Sievernich stets am ersten Montag im Monat und gab „große Botschaften“ zum Besten, die allerdings im Jahre 2002 aufhörten.

BILD: Eines der vielen Sievernicher Empfehlungsbücher

Dennoch gingen die Erscheinungen bis Anfang 2005 weiter, wenngleich nur noch mit „kleine Botschaften“ für Manuela Strack und ihren Umkreis. Das genügte freilich, um die „Blaue Gebetsoase“ der Visionärin weiter am Leben zu erhalten.

Interessanterweise wurde die Erscheinungs-Maria mehrfach durch den Erzengel Gabriel vertreten:
Das wurde „notwendig“, weil die Gottesmutter damit beschäftigt war, ihre Seherin auf Reisen zu begleiten, z.B. nach Rom, wo Manuela angeblich Papst Johannes Paul II. in einer Audienz in „versiegelter“ Form ihre „drei Schlüsselgeheimnisse“ überreichte. (Der Nachahmungs-Trick mit den „drei Geheimnissen von Fatima“ ist unverkennbar.) Diese Privatwallfahrt nach Rom wurde als „Auftrag der Himmelskönigin“ (miß)verstanden und die ganze Sache mächtig aufgebauscht.

Zeitweise ist Ortspfarrer Heribert Kleemann der Beichtvater Manuelas gewesen; er war der Seherin anfangs gewogen, später wurde er kritischer und starb tragischerweise durch einen Unfalltod.
Auch Dr. Johannes Bündgens  – der spätere Weihbischof von Aachen  – war als Seelenführer der Seherin eingesetzt.
Dieser hohe Geistliche ist derzeit mit massiven Finanzvorwürfen konfrontiert, die aber nicht Gegenstand dieses Artikels sind (siehe hier: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/aachener-weihbischof-buendgens-muss-vor-gericht/).

Hier geht es vielmehr darum, den speziellen „Wundern“ von Sievernich näher auf den Zahn zu fühlen.

Dabei fällt auf, daß in den Jubelberichten der Fangemeinde über die wundersamen Geschehnisse dort in der Pfarrkirche vor allem zwei Phänomene besonders hervorstechen: Ein besonderer „Rosenduft“ und das kleine „Christkind“ in der hl. Hostie oder direkt davor.

Wir finden die „Zeugnisse“ daüber dutzendfach auf dieser Seite: https://maria-die-makellose.de/zeugnisse.html

ROSENDUFT:

Ein „besonderer Duft“  – meist wird er als Rosenduft beschrieben – spielt häufig im Umfeld von fragwürdigen Vorkommnissen eine große Rolle, z.B. bei den – kirchlich nicht anerkannten – Erscheinungen von Heroldsbach, Schio, von Medjugorje und vor allem von Montichiari (Rosa Mystica).

Auch unter den Sievernich-Anhängern, die hier ihr „Zeugnis“ von Sonderlerebnissen geben, befinden sich Fans von Heroldsbach, Schio und Medjugorje. Damit schließt sich wieder einmal der Wunderkreis.

Anscheinend stellt sich keiner dieser Duftnoten-Verkünder die naheliegende Frage, welchen theologischen SINN denn ein solches Phänomen haben könnte. Oder hat der Allmächtige es etwa nötig, mit einer „Duftnote“ auf sich aufmerksam zu machen? Spielt er auf dem Klavier der „Sinnlichkeit“? Warum gibt es den „Rosenduft“ kein einziges Mal als Wunderzeichen in der Heiligen Schrift?

JESUSKIND in der HOSTIE:

Bei den „Zeugnissen“ der Sievernich-Bewegten geht es allerdings meist um die Wahrnehmung eines Kleinkindes (oft einige Monate bis 1 Jahr alt), das sich in oder vor der Hostie im Tabernakel befindet und von vielen Betenden wahrgenommen wird – interessanterweise aber nicht von allen. Spielt also die Erwartungshaltung der jeweiligen Personen eine Rolle? Die (Sehn-)Sucht nach etwas Außergewöhnlichem? Ein schwacher Glaube, der nach „Zeichen“ sucht?

Wie dem auch sei, eines steht fest:

Christus ist nicht als Säugling im Altarsakrament zugegen, sondern so, wie er im Himmel lebt und wirkt – folglich als der Gekreuzigte und Auferstandene, als Gottmensch in seiner verklärten Leiblichkeit und Herrlichkeit. So lehrt  und verkündet es seit jeher die Kirche.

Weder „Seherin“ Manuela – die ebenfalls von diesen Jesuskind-Visionen in der Hostie berichtet – noch die anderen Schaulustigen machen sich klar, wie theologisch sinnlos, ja sinnwidrig ihre diesbezüglichen Erlebnisse sind, mögen sie davon auch noch so sehr entzückt sein.

Wenn Christus, der Erlöser und HERR aller Zeiten, als Kleinkind buchstäblich verniedlicht wird, ist dies im Zusammenhang mit seiner Realpräsenz im Altarsakrament eine religiöse Irreführung im „Gewand“ eines frommen Kitsches.

HIER unser ausführlicher Artikel über die Vorgänge von Sievernich aus dem Jahr 2013: https://charismatismus.wordpress.com/2013/07/20/gab-es-in-sievernich-botschaften-des-himmels-an-die-seherin-manuela/