Indien: Kerala als „Wiege“ der Charismatik

Von Felizitas Küble

In Indien sind die Christen eine minimale Minderheit von nur 2%; die Mehrheit davon ist katholisch. Lediglich in Kerala – einem süd-indischen Bundesstaat – gehen die Uhren anders, denn dort beträgt der christliche Anteil an der Bevölkerung das Zehnfache, nämlich 20%.

Die Katholiken dort bezeichnen sich auch als „Thomas-Christen“, denn sie berufen sich auf den Apostel Thomas, der ihnen das Evangelium verkündet haben soll. Die meisten Inder sind Hindus, sodann gibt es eine buddhistische und islamische Minderheit.

Allerdings ist gerade die Provinz Kerala besonders stark von der protestantischen Pfingstbewegung und der katholischen Charismatik geprägt; von dort aus verbreiten sich zahlreiche „Heilungsprediger“ über Indien und vor allem über Europa.

Anfang der 70er Jahre begann die Ausbreitung der pentekostalen Bewegung in Südindien – und zwar meist durch Katholiken, die in den USA an protestantischen Pfingstler-Seminaren teilnahmen, dort die „Geisttaufe“ empfingen und nun ihre Euphorie weitertrugen. Am bekanntesten ist hierbei Pater Rufus Pereira, der die Charismatik von Bombay aus verbreitete.

In den 80er Jahren wurden die ersten großen Seminarhäuser für charismatische Exerzitien gebaut, wofür sich Pater Mathew Naikomparambil besonders einsetzte. Inzwischen gibt es über dreißig solcher Exerzitienzentren in Kerala.

Ab Mitte der 90er Jahre zog es schwarmgeistige Heilungsprediger vermehrt nach Europa, besonders in die deutschsprachigen Länder. 

Zu den bekanntesten Ordenspriestern dieser Art zählen James Manjackal, Joseph Vaddakel, James Mariakumar, Josef Bill (+), Zacharias Thudippara; sodann die indisch-deutschen Nonnen Margaritha Valappila (Bad Soden-Salmünster) und ihre Kollegin Schwester Usha.

Während die protestantische Pfingstbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA entstand, dauerte es bei der katholischen Kirche 60 Jahre länger und war erst nach dem 2. Vatikanischen Konzil möglich, von dem viele Leute als einem „zweiten Pfingsten“ schwärmten.

Am 17. Februar 1967 nahm die katholische Charismatik ihren Anfang an der Duquesne-University in Pittsburgh, wo kath. Studenten einige Pfingst-Protestanten darum gebeten hatten, ihnen die Hände aufzulegen und sie dann von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt wurden, z. T. in Zungen redeten und sangen oder „im Geiste ruhten“ (Rückwärtskippen in Trance, Hammersegen).

Danach gab es mehrere Konferenzen der Charismatischen Erneuerung; der 3. Internationale Kongreß wurde sogar in Rom abgehalten, wobei der belgische Kardinal Suenens die hl. Messe im Petersdom zelebrierte. Auch in Deutschland fand die Bewegung unter Katholiken seit 1972 eine gewisse Basis, blieb aber zunächst ohne größere Bedeutung.

Erst durch den – kirchlich nicht anerkannten –  Erscheinungsort Medjugorje und durch das verstärkte Eindringen indischer Heilungsprediger gewann die Charismatik unter Katholiken hierzulande erheblich an Boden.


Spiritueller MISSBRAUCH durch Alan Ames und seinen „Hammersegen“

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten reist der australische Starprediger Alan Ames durch die Lande, auch durch die deutschen  –  und er „spendet“ bei seinen Veranstaltungen, die leider sogar öfter in katholischen Kirchen stattfinden, fleißig den „Hammersegen“  –  gemeint ist damit ein ohnmächtiges Rückwärtskippen in einer Art Trance, von Charismatikern als „Ruhen im Geist“ verherrlicht. (In den USA spricht man dabei passender von „Slain in the spirit“ = Erschlagenwerden im Geist.)

Im Laufe der letzten zwanzig Jahre haben sich bei mir reihenweise  Geschädigte gemeldet, die von Alan Ames, der indisch-deutschen Nonne Sr. Margarita Valappila (Haus St. Raphael in Bad Soden-Salmünster) oder anderen Schwarmgeistern „flachgelegt“ wurden  –  seien sie katholisch-charismatisch oder evangelisch-pfingstlerisch. Die belastenden Folgen für die Betroffenen halten teilweise jahrelang an.

BILD: In diesem Buch propagiert Ames den Hammersegen

Noch heute erhielt ich den Anruf einer Dame, die vor einigen Jahren diesen charismatischen Hammersegen bei einem Auftritt von Ames in Heroldsbach erhielt. Als sie dann wieder aufstand, fühlte sie sich wie „beschwipst“, das war aber noch das wenigste: Danach machten sich bei ihr nämlich keine wunderbaren „Geistesgaben“ bemerkbar, sondern zahlreiche seelische und sprituelle Probleme.

Leider ist sie nicht das einzige Opfer dieser irrgeistigen Praktik; allein in diesem Jahr haben sich wieder mehrere Betroffene bei mir gemeldet.

„Wundervolle Dinge: Die Leute fallen um…“

Daß Alan Ames die Gläubigen, die von ihm einen „Einzelsegen“ erhalten, reihenweise flachlegt, wurde in vielen Zeitungsberichten vermerkt, manchmal mit Erstaunen, selten in Sorge, oft leider sogar in naiver Zustimmung.

Ein Beispiel hierfür ist dieser Artikel aus der „erneuerungsbewegten“ kath. Szene: http://www.goodnews-wien.at/2014/09/hoppala-ist-denn-da-los-heilungsgebet-mit-alan-ames/

Darin heißt es über einen Auftritt von Alan Ames:

„Ein Abend voller wundervoller Dinge, die Leute fallen um, als sie von Alan Ames gesegnet wurden. Was ist da los?

Außenseiter mögen sich das fragen. Insider erfahren es. Gottes Geist ist lebendig, unberechenbar und wirkt auch heute. Und das mitten in der konservativen Katholischen Kirche.

Tja, da ist was los! Übrigens, die da am Boden liegen, ruhen im Geiste.

Niemand ist verletzt, im Gegenteil, all jene stehen erfrischt und oft geheilt bald wieder auf ihren Beinen.“

So wird den Gläubigen dieses irrgeistige Vorgehen schmackhaft gemacht und wie eine wertvolle Perle serviert, statt vor dieser Sumpfblüte, diesem Zerrbild des Glaubens zu warnen.

Wirkt der Heilige Geist etwa ohne oder gar gegen den Verstand und das menschliche Bewußtsein? Erleuchtet Gottes Geist nicht vielmehr unsere Erkenntnis und unsere Vernunft mit dem Licht des Glaubens?

GOTT ist ein Freund der menschlichen Freiheit

Die Gnade baut auf der Natur auf –  und Gott überwältigt sie nicht, er „wirft sie nicht um“, denn Gott ist ein Freund der menschlichen Freiheit, die ER selber uns verliehen hat.

Als Katholiken sind wir überzeugt, daß uns durch das Sakrament der Firmung die Sieben Gaben des Heiligen Geistes geschenkt werden, wobei wir diese Gnadengaben in unserem Leben fruchtbar machen sollen.

Zu den „7 Gaben“ gehören interessanterweise auch die Gabe des Verstandes und der Wissenschaft (Erkenntnis) sowie der Stärke und Weisheit.

BILD: Durch den Hammersegen flachgelegte Teilnehmer eines Charismatiker-Seminars auf den Philippinen

Soll man wirklich davon ausgehen, beim quasi-ohnmächtigem Umkippen seien Verstand, Weisheit, Stärke und Wissenschaft wirksam?

Es ist in zweitausend Jahren in keinem einzigen Fall bezeugt worden, daß bei einem Sakrament, das speziell den Heiligen Geist bzw. seine Gaben vermittelt (Taufe, Firmung, Priesterweihe) jemals ein Mensch „im Geist geruht“ hat.

Nun wissen wir aber im Glauben, daß bei der sakramentalen Begegnung mit Gott tatsächlich auch seine wirksame Gnaden verliehen werden. Freilich kommt es hierbei keineswegs zu charismatischen Manifestationen wie dem Toronto-Segen, „Heiligem Lachen“, „Heiligem Weinen“, Zungenreden, „Prophetengabe“ usw.

Unser Glaube beruht nicht in erster Linie auf dem Gefühl, schon gar nicht auf ekstatischen, außer Kontrolle geratenen Emotionen oder Trance-Erfahrungen ähnlich wie bei Zen oder Yoga, also gerade jenen fernöstlichen Praktiken, welche doch von Charismatikerseite so eifrig bekämpft werden (dabei sind die strukturellen und mentalen Ähnlichkeiten unübersehbar).

Auch und gerade der Heilige Geist ist ein Gott der Ordnung, Besonnenheit und Nüchternheit, der Apostel Paulus die damaligen Gemeinden in seinen Briefen häufig ermahnt.


„Wunderliches“ aus dem „Haus Raphael“ in Bad Soden-Salmünster

Aufschlußreiches aus einem begeisterten Bericht

Dirk Winter berichtet auf seiner Webseite „Evangelisation heute“ hocherfreut über seine „geistlichen“ Erfahrungen in „Haus Raphael“ im hessischen Bad Soden-Salmünster, das von der aus Indien stammenden Nonne Sr. Margaritha Valappila geleitet wird.

Dem stark charismatisch orientierten „Evangelisationszentrum“ wurde  allerdings aufgrund mehrerer kritischer Gutachten des konservativen Priesters und Religionsphilosophen Prof. Dr. Aloysius Winter  aus Fulda (R.I.P.) bereits 2004 per bischöflichem Amtsblatt der Titel „katholisch“ entzogen. christus

Unter der Überschrift „Die Gnade Gottes“ berichtet Familienvater Dirk Winter von seinen Lebensweg über den Buddhismus hin zum „katholischen Glauben“, wie er ihn versteht.

Allerdings waren die letzten Wegstrecken vor der Konversion sehr stark von schwarmgeistigen und mirakulösen Vorgängen geprägt, die der Verfasser jedoch als Wirkungen des „Heiligen Geistes“ auslegt.

Schon sein Kennenlernen von „Haus Raphael“ durch einen Heilpraktiker (!) war sehr gefühlsorientiert geprägt; etwa wenn er meint, es sei automatisch eine „Gottesberührung“, wenn Tränen der Rührung fließen   – dabei können diese wohl auch bei Ungläubigen recht munter fließen!

Hier Winters Abschnitt über diese Vorgänge:

„Fünf Jahre nach unserem ersten Besuch bei dem Heilpraktiker im August 2004 war es dann soweit. Bei unserem Termin an diesem Tag fragte er uns, ob wir uns gemeinsam ein Video anschauen möchten, das er wiederum von einer Patientin erhalten hatte. In diesem Video ging es um eine indische Schwester mit besonderen geistigen Gaben.

Gesagt getan, noch in seiner Praxis schauten meine Frau und ich uns das Video an und bereits nach 10 Minuten mußten wir weinen, ohne jedoch die geringste Ahnung zu haben, warum.  Auf dem Video wurde das Haus Raphael in Bad Soden-Salmünster vorgestellt. Hier arbeiten zwei katholische Josefsschwestern im Dienste der Neu-Evangelisation für unseren Herrn. Durch Gott berührt (Tränen) war uns klar, dass wir dort mal hinfahren müssen.“

Also nichts wie hin, hatte Gott doch angeblich durch „Tränen“ so deutlich „gesprochen“. Hier folgt Winters Bericht über den ersten „Gebetstag“ im Haus Raphael: 

„Es ging dann gleich los mit singen (Lobpreis), dabei wurde geklatscht, gebetet und Halleluja gerufen.   Um 9.30 Uhr war dann ein Vortrag von der indischen Schwester Margaritha Valappila dran, die das Wort Gottes erklärte aber auch auf die Pille, Homosexualität und ähnliches mehr einging.

Danach war Kaffeepause und dann Eucharistischer Segen, wobei der Priester dabei durch die Reihen ging. Dabei machte ich meine erste „merkwürdige“ Beobachtung. Ein Mann der ca. drei Meter von mir entfernt kniete, fiel einfach um  –  na ja dachte ich mir, aber im Buddhismus bekommt man ja auch ein Loch im Kopf.  (…)

Als letzten Punkt des Tages kam es zur Neuausgiessung des heiligen Geistes, quasi der eigentliche Anziehungspunkt für Nichtchristen. Schwester Margaritha ist mit dem Charisma gesegnet, dass Menschen bei der Handauflegung und Segnung zu Boden sinken und kurze Zeit im heiligen Geist ruhen. Dies geschah auch an diesem Tag und viele Menschen „gingen“ zu Boden. Auch ich stellte mich in die Reihe, aber ausser einem schönen Gefühl passierte nichts.“

Damit bestätigt ein begeisterter Anhänger ungewollt die ernsten Beanstandungen von kritischer Seite, daß dort nämlich Menschen wie in Trance nach rückwärts kippen, nachdem Sr. Margaritha V. sie per Handauflegung „gesegnet“ hatte.

Dieses irrgeistige Phänomen war ein wesentlicher Kritikpunkt in den Gutachten von Prof. Dr. Aloysius Winter, die zum kirchlichen Entzug des Titels „katholisch“ führten.

Der erlebnishungrige Charismatiker Dirk Winter schildert sodann,  daß seine Frau Bedenken bekam, denn „da fallen die Leute um“  –   das kam sogar ihr ziemlich sektenhaft vor.  –  Hierzu der weitere Bericht:

Oktober 2004, noch eine Woche bis zu den Exerzitien – meine Frau beginnt zu zweifeln: Soll ich wirklich dahin fahren? Ist das gut für mich? Da fallen die Leute um, evtl. ist das doch eine Sekte? Sind die wirklich katholisch?“

Seine Frau blieb zunächst skeptisch, doch er fuhr wieder nach Bad Soden-Salmünster:

„Am dritten Tag war abends Heilungsgebet und ich mußte weinen, da ich meiner Mutter vergeben konnte, dass sie zum Zeitpunkt, als ich Kind war, berufstätig sein mußte.

Ich hatte meine Augen geschlossen und plötzlich spürte ich auf meinem rechten Oberschenkel eine Hand und ich dachte, dass mein Stuhlnachbar mich trösten wolle. Nach einigen Minuten war ich doch verwundert, dass mein Nachbar die Hand nicht mehr wegnahm und so öffnete ich die Augen und zu meinem Erstaunen sah ich keine Hand, aber spürte sie weiterhin ganz deutlich.

Ich schloß die Augen und öffnete sie wieder, aber es änderte nichts – die Hand war da. In diesem Augenblick durchfuhr es mich wie einen Blitz und mir war klar, dass Jesus mir ein Zeichen gegeben hatte  –  und so fing ich erst recht tief ergriffen an zu weinen.  Dies war meine erste Berührung von Jesus und mein Weg zu ihm begann.

Am Schluß dieser ersten Exerzitien war dann wie auf den Gebetstagen die Neuausgiessung des heiligen Geistes und diesmal war es anders als vorher: Bevor die Schwester auch nur zwei Sätze sagen konnte, lag ich schon in den Armen der Helfer und auf dem Boden.“

Nun erhielt der Autor also den „Hammersegen“  (vermutlich von Sr. Valappila)   – er kippte nach hinten und lag sozusagen ohnmächtig auf dem Boden, wie das im „Haus Raphael“ massenhaft vorkommt. – Daß auch sonst allerlei „Wunderliches“ im „Evangelisationszentrum“ vorkommt, schreibt Dirk Winter selber, findet es aber offenbar ganz in Ordnung:

„Danach besuchten wir weiterhin die Gebetstage und bereits 6 Wochen später waren meine zweiten Exerzitien und im Januar des Folgejahres meine dritten. Bevor ich von meiner zweiten Berührung durch Jesus berichte, möchte ich noch vorausschicken, das ich im Haus Raphael immer wieder „Wunderliches“ miterlebt habe, ob da eine Schwester aus Speyer berichtete, Mutter Maria zu sehen oder andere Teilnehmer in Zungen (Glosolalie) redeten  und und und…“

Nach einer weiteren „wundersamen Berührung durch Jesus“  waren wieder „Gebetstage“ in Bad Soden-Salmünster angesagt:

„Es verging kein Monat ohne Gebetstag und auch die nächsten Exerzitien wurden kurzfristig angesetzt. (Gott sei Dank, bin ich selbständig und hatte noch 700 Tage Resturlaub).“

Ob  bei den 700 (!) Tagen „Resturlaub“ vielleicht eine Null zuviel getippt wurde, sei dahingestellt     – aber recht viel Zeit scheint der Familienvater wohl zu haben, der nun allmählich mal eine kirchliche Trauung anpeilt:

„Natürlich fehlte in unsere Familie noch was ganz entscheidendes: Bereits im Dezember bei der Taufe unseres Sohnes hatten wir auch unseren Hochzeitstermin für den Juli nächsten Jahres festgelegt, um unsere Ehe auf Stein zu bauen. Wir waren zwar zu diesem Zeitpunkt bereits sieben Jahre standesamtlich verheiratet, aber das zählte jetzt natürlich nicht mehr.“

Obgleich  sich also der charismatische Autor  – objektiv gesehen  – wegen „wilder Ehe“ im Stand schwerer Sünde befand (seinen subjektiven Seelenzustand kann allein Gott beurteilen), erfuhr er ein „wundersames“ Erlebnis nach dem anderen, auch kurz vor seiner kirchlichen Trauung ging es noch einmal richtig rund, denn er erlebte das in schwarmgeistigen Kreisen durchaus bekannte, sog. „Lachen im Geist“:

„So war es also im Juli 2005 soweit, dass wir uns das Sakrament der Ehe spenden wollten und Gottes Plan wollte es so, dass eine Woche zuvor wieder ein Gebetstag in Bad Soden stattfand.

Natürlich fuhren wir da auch wieder gemeinsam hin, allerdings war dieser Gebetstag natürlich schon anders als der erste und mehr geprägt von „Routine“ als von Aufregung. Es war ja schon unser neunter oder zehnter Gebetstag und 1 Woche später war schließlich der Hochzeitstermin und da waren doch einige andere Gedanken im Spiel und nicht: Was passiert heute Außergewöhnliches?

Aber genau dann, wenn wir Menschen es nicht erwarten, handelt Gott besonders intensiv und direkt  –  so geschah es! Wie an jedem Gebetstag war von 10.30 Uhr bis 11 Uhr Kaffeepause und danach ging es direkt weiter mit dem eucharistischen Segen, in dem der Priester durch die Reihen ging.

Auch an diesem Tag kniete ich nieder und schaute zur Monstranz. Nachdem der Priester wenige Meter zurückgelegt hatte, begann es in der Mitte meines Körpers etwa um den Bauchnabel herum zu lachen. Es war seltsam, ich lachte im Bauch, aber nicht im Kopf !?!

Dieses Lachen veränderte sich immer mehr in eine Welle; die begann; meinen ganzen Körper zu durchströmen und fühlte sich immer mehr an wie elektrischer Strom.

Nach kurzer Zeit konnte ich dann meinen ganzen Körper spüren vom Nagel meines kleinen Zeh’s bis zu jeder einzelnen Haarspitze.

Als dann der Priester mit der Monstranz nur noch wenige Meter von mir entfernt waren, wurde ich von dem inneren Druck derart überwältigt; dass ich nicht mehr knien konnte, sondern mich auf den Boden kauernd hinwarf und mit aller mir zur Verfügung stehenden körperlichen Kraft gegen diese innere Bewegung andrückte.

Ich dachte, jeden Augenblick explodiert eine Bombe in mir und ich „fliege“ in tausend kleine Stücke auseinander.

Dieser „Augenblick“,  der ca. 10 bis 20 Min andauerte, war zugleich unglaublich schmerzhaft und unglaublich schön. Beide Dinge waren parallel und doch separat zu spüren, zu erfahren, einfach da!

Nachdem ich mich wieder hinknien und aufrichten konnte und meine Hände erhob beobachtete ich, wie meine Haut sich fast einen halben Zentimeter wellenförmig anhob und erzitterte.

Mit dieser dritten Berührung hat mir Jesus alle Glaubenszweifel genommen und auch Satan und mein Verstand können dies nicht mehr wegreden.

Der Moment ist nicht in Worte zufassen und auch nicht menschlich erklärbar. Halleluja – Jesus lebt.

Unsere Hochzeit fand unter dem Motto „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ statt. Die Gnaden, die Jesus schenkt, sind für uns Menschen unfassbar.“

Daß zu den „Gnaden, die Jesus schenkt“, auch das „Lachen im Bauchnabel“ gehören soll sowie ein „Durchströmen wie elektrischer Strom“ und ähnliche  – gelinde gesagt – merkwürdige Manifestationen, ist wohl ganz neu und weder in der Heiligen Schrift noch in der kirchlichen Lehre „auffindbar“.

Doch bekanntlich verfügt die charismatische Szene über einen direkten Draht zum „Heiligen Geist“  – oder was sie dafür hält. Daß der wirkliche Geist Gottes keine derartig irrgeistigen Phänomene hervorruft, versteht sich für jeden nüchternen Christen von selbst.

Hier der Quellen-Link zum vollständigen Original-Bericht:  http://www.evangelisation-heute.de/index.php?option=com_content&view=article&id=107:die-gnade-gottes&catid=41:zitate&Itemid=107

 
Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster
Kontakt: felizitas.kueble@web.de

Moderne Schwarmgeisterei unter der Lupe

Von Pfr. Winfried Pietrek

Ein Schwarmgeist ist ein Christ, für den Gefühlserlebnisse in seinem religiösen Leben an erster Stelle stehen. Es geht ihm – vielleicht unbewusst – zuerst um das Glaubens-Erlebnis, danach erst um die Glaubenslehre. Christus hat zwar gefordert, Gott aus unserem ganzen Gemüt zu lieben, doch entscheidend im Glaubensleben sind Verstand und Wille   –  gemeinsam mit dem Herzen, dem innersten Kern jeder Person.

Wenn also zum Beispiel ein charismatischer Visionär behauptet, es sei ihm von Gott das Leitwort Jesu für Petrus geoffenbart worden: „Vertraue dich deinen Gefühlen an!“, dann ist das entweder Phantasie oder dämonische Täuschung.

Im Alltag begegnet wohl jedem Seelsorger die Schwarmgeisterei der „Charismatischen Bewegung“: „Das habe ich doch selbst erlebt!“ heißt es dann. Oder: „Das spüre ich in meinem Innern!“

Welche Folgen das Schwärmertum hat, erlebe ich als Seelsorger fast täglich: Da behaupten Katholiken, zu ihnen hätte ein Engel oder Maria oder Jesus oder der himmlische Vater ganz klar gesprochen – obwohl die angeblich geoffenbarten Worte der Glaubenslehre widersprechen, verführerisch sind oder der Eitelkeit schmeicheln.  Jakobskirche-Bamberg

Solche Offenbarungs-Erlebnisse hat z.B. der charismatische Wunderheiler Alan Ames, ein Laien-Segner, der die Welt durchreist und seine Bücher verkauft – Bücher, denen auch obiges Zitat („Vertraue dich deinen Gefühlen an!“) entstammt.

Viele, die bei den „Segnungen“ von Ames – oder bei der Handauflegung anderer charismatischer Wunderheiler – auf den Rücken gefallen sind, bleiben oft lange körperlich oder seelisch belastet und erleben nach anfänglichen Hochgefühlen später Depressionen oder andere psychische Störungen, so dass sie Hilfe beim Psychiater oder Exorzisten suchen müssen.

Manche aber schwören geradezu auf solche Erlebnisse, verteidigen sie begeistert, zäh, fast wie in einem Rausch, auch fanatisch. Ganz wesentlichen Einfluss auf die Verführten hat es, dass sie in charismatischen Veranstaltungen in die Massensuggestion einer begeisterten Gemeinde eintauchen, schwarmgeistige Predigten hören und dass ihr ganzer Körper, z.B. durch Hochwerfen der Arme und Wackeln mit den Händen, in die charismatische Segnungs-Veranstaltung einbezogen ist.

Konkret wird in manchen „Heilungs-Gottesdiensten“ bekannt gegeben, wie viele Krebs-Erkrankungen, Migräneanfälle, Schmerzen oder Lähmungen angeblich geheilt wurden – ohne dass diese „Wunder“ den kirchlichen Autoritäten zur Überprüfung gemeldet werden – wie es Rom doch längst fordert.

In meinem Archiv habe ich zahlreiche Berichte über charismatische „Heilungswunder“ gesammelt, die sich als ein durch Massensuggestion hervorgerufener Placebo-Effekt erklären lassen. Wie sorgfältig die Kirche Wunderheilungen überprüft, wird an Zahlen deutlich: In Lourdes z.B. sind nur 67 von 7000 gemeldeten Heilungen kirchlich anerkannt.

Es ist das Verdienst der Broschüre Wunderheilungen und ‚Ruhen im Geist’ (94 S., 3 €), daß es charismatische Heilungswunder und das sogenannte „Ruhen im Geist“ (Umfallen nach charismatischen Segnungen) unter die Lupe nimmt, solche Heilungen zuerst als natürlich bewirkt vorzustellen, z.B. als Placebo-Effekte, Hypnose oder Trance. Sie legt darüber hinaus aber auch überzeugend dar, dass diese Phänomene teilweise als okkult, also dämonisch bewirkt erklärt werden können.

Die Leiterin des charismatischen Evangelisations-Zentrums in Bad Soden, das sich übrigens seit 2004 nicht mehr „katholisch“ nennen darf, die indische Schwester Margaritha Valappila fühlt sich nach eigenen Worten „zu Höherem berufen“ und lässt sich als „Begnadete“ ehren. Sie wirkt in einer großen Segnungs-Halle in Bad Soden und reist von dort in zahlreiche Städte, um Hunderten die Hände aufzulegen, wobei viele tranceartig umfallen – mancherorts auch der zuvor zelebrierende Priester.

Für viele Besucher sind dies handfeste Beweise für das Wirken des Heiligen Geistes, der angeblich in der so genannten Geisttaufe – der Handauflegung von Wunderheilern – durch das Rückwärtsfallen erfahrbar wird. Einer von vielen charismatischen Scheinheilern: James Manjackal. Schwarmgeister kommen von einer Begegnung mit ihm zurück und sind begeistert: „Der hat ja so eine Ausstrahlung!“

Wer sich auf charismatische „Begnadete“ fixiert hat, nicht zuletzt, weil diese Personen von Priestern begleitet werden, überschätzt – so erlebe ich es in der Seelsorgepraxis – seine subjektive Urteilsfähigkeit weit und ist oft argumentativ nicht mehr zu erreichen.

Er hat sich festgelegt, ist nicht bereit, sich korrigieren zu lassen, selbst wenn Familienbande zerreißen. Jedes Wort prallt an seinem Herzen ab: „Ich habe doch diese pure Heiligkeit selbst erlebt. Sie können gar nicht mitreden. Sie kennen diese(n) Begnadete(n) ja gar nicht persönlich! Gott wirkt, wie und wo er will. Sie sind ein Feind des Heiligen Geistes!“ wird mir dann vorgeworfen.

Die geistige Verblendung charismatisch Verführter ist geradezu erschreckend. Leichtgläubige und religiös wenig ausgebildete Personen werden nur zu oft durch Predigten und Bücher charismatischer Wunderheiler, z.B. von P. James Manjackal oder P. Joseph Vadakkel – in denen Irrlehren und Falschaussagen nachweisbar sind – in die Irre geführt. (Oft sind diese Bücher im Miriam-Verlag erschienen.)

Da die „charismatischen“ Segnungen (Charisma = Gnadengabe) seit den 1960er Jahren über die protestantischen Freikirchen in die katholische Kirche eingedrungen sind und Millionen erfasst haben, werden in der Broschüre Wunderheilungen und ‚Ruhen im Geist’ auch freikirchliche „Segner“ mit ihren Praktiken namentlich vorgestellt. Besonders interessant sind die vielen „Fall“-Berichte von persönlich Betroffenen. Hier einige Beispiele aus meiner Seelsorgepraxis:

Ich habe über viele Jahre Erfahrungen mit dem Rückwärtsfallen bei katholischen charismatischen Exerzitien gesammelt. Bei offenbar besessenen oder umsessenen Menschen war das Umfallen mit den schlimmsten Reaktionen verbunden, z.B. mit Erbrechen, tierischen Lauten, Krämpfen usw.“

Ein Priester, der das Evangelisations- Zentrum in Bad Soden aufsuchte, schildert mir: „Als ich nun partout nicht umfallen wollte, wurde vom Segnenden mit einem kräftigen Stoß nachgeholfen.“

Eine Frau berichtet von dort: „Nach dem charismatischen Segen durch Handauflegung dachte ich: ‚Ich werde bekloppt im Kopf.’ Ich konnte die Sünden hören, die mein Mann im Nebenraum dem Priester zuflüsterte.“

Eine andere Katholikin: „Während ich am Boden lag, hatte ich schöne Gefühle. Diese waren allerdings nicht von Dauer. Einigen anderen ging es wie mir.“

Ein junger Mann: „Beim zweiten Segen fiel ich wieder nach hinten, aber dieses Mal spürte ich keinen Frieden, sondern große Angst. Die negativen Gefühle steigerten sich. Total erschöpft stand ich auf… Als sich noch Depressionen einstellten und ich nahe daran war, mir das Leben zu nehmen, habe ich mich einem Priester anvertraut… Ich erholte mich langsam. Ich kann nur alle dringend warnen.“

Ein Priester schreibt mir: „Nach einem Besuch von Medjugorje bin ich in großer Gewissensnot… Zu meiner Überraschung sah ich (dort) viele von den Gläubigen umfallen… Manche fielen auf den Rücken mit lautem Schreien und wilden Gebärden.“

Ein letzter Briefauszug: „Seitdem ich mir von Sr. Margaritha die Hände auflegen ließ, fühle ich mich wie tot und meine linke Hand zittert. Vor allem beim Gebet erlebe ich dieses Zittern.“

Aus persönlichen Gesprächen mit Katholiken, die jahrelang an Sr. M. Valappilas Veranstaltungen teilgenommen haben, weiß ich, dass ganze Familien dadurch starke Belastungen und Ängste erfahren haben.

Betroffene verteidigen sich mit Bekehrungs-Erlebnissen. Doch es gehört zur Strategie des Bösen, mit „Erfolgen“ zu pokern. Wer aber erlebt, dass aus charismatischen Veranstaltungen Zurückkehrende jubeln: „Wir haben jetzt den Heiligen Geist!“, der wundert sich, mit welcher Selbstsicherheit und Heilsgewissheit von charismatischen Priestern und Laien das Sakrament der Firmung durch die sogenannte Geisttaufe ersetzt wird. Schon der Ausdruck „Geisttaufe“ zeigt, dass es dabei nicht um die Erneuerung des Firm-Gnade geht.

Bei solchen „Segnungen“ wird zugleich das Zeichen der Handauflegung missbraucht, das biblisch eindeutig der Spendung der Sakramente zugeordnet ist. Selbst der Weltkatechismus stellt fest: Je mehr aber „eine Segnung das kirchliche und sakramentale Leben betrifft, desto mehr ist ihr Vollzug dem geweihten Amt vorbehalten.“

Bereits 1989 verurteilte die Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger jene charismatische Verirrungen: „Die unechten Charismatiker des 4. Jahrhunderts identifizierten die Gnade des Heiligen Geistes mit der psychologischen Erfahrung seiner Gegenwart in der Seele. Heute scheinen sie (die Fehlformen) erneut Christen zu beeindrucken und sich ihnen als psychologisches oder geistliches Heilmittel oder zum raschen Verfahren, um Gott zu finden, zu empfehlen.“

Adelgunde Mertensacker verweist in ihrem genannten Büchlein u.a. auf die spanische Nonne Magdalena vom Kreuz (16. Jahrhundert), die in Verzückungen und Ekstasen fiel, in der Luft schwebte, die Wundmale trug und als Prophetin auftrat. Sie wurde vom ganzen Volk bis hin zum Kaiser begeistert verehrt. Priester und selbst Bischöfe holten sich ihren Rat. Als Rom den Fall auf Echtheit prüfte, gestand die „Heilige“, dass sie als junges Mädchen dem Teufel ihre Seele übergeben hatte, um von ihm die Gabe des Wunderwirkens zu erhalten. 38 Jahre lang war es dem Satan gelungen, selbst hohe kirchliche Amtsträger zu täuschen.

Ähnliches geschieht heute: Eine Seherin namens Anne verbreitet ihre Visionen über das Internet.Wann wird Rom endlich eingreifen, nachdem schon Millionen von Katholiken verführt sind?

Weitere Literatur zum Thema Schwarmgeisterei finden Sie bei: Christliche Mitte, Mail: info@christiche-mitte.de

Quelle: Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X.   – Juni-Ausgabe  2011 (S. 34-37)