Martin-Luther-Stiftung debattierte über evangelische Anfälligkeit für Ideologien

Im Protestantismus fehlen „klare Strukturen“

Wie prägt eine christliche Erziehung und was bedeutet es, evangelisch zu sein?  – Darüber diskutierten vier prominente Protestanten auf Einladung der Internationalen Martin-Luther-Stiftung (Erfurt) am 10. September in Berlin.  1523

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung und Kommunikationsberater, Michael Inacker, wuchs im pietistischen Siegerland auf. Er hat den Protestantismus nach eigenen Worten als „bieder“ und wenig humorvoll erlebt. Er vermisse beim Protestantismus die Lebensfreude.

Das Fehlen von klaren Strukturen, wie es sie in der katholischen Kirche gebe, bedeute für den Protestanten eine große Freiheit. Diese erkläre beispielsweise eine große Neugierde auf die Welt und eine größere Reiselust der Protestanten, wie sie der Religionssoziologe Gerhard Schmidtchen nachgewiesen habe.

Allerdings verführe das Fehlen klarer Strukturen auch dazu, innerweltliche Ersatzstrukturen zu suchen. Deshalb seien Protestanten auch ideologieanfälliger als Katholiken und dankbare Abnehmer linker und rechter Ideen gewesen.‎

Zudem habe der Protestantismus oftmals etwas politisch Missionarisches an sich, bei dem Andersdenkenden immer wieder die moralische Begründung ihrer Meinung abgesprochen werde. Inacker kritisierte die politische Einseitigkeit vieler „Funktionärseliten“ der evangelischen Kirche auf Synoden und Kirchentagen. Diese unterlägen oftmals rot-grün Parteilichkeit.‎ Bürgerlich-konservative Christen suchten vergeblich ein klares geistig-geistliches Profil.

Die Reformationsbotschafterin des Rates der EKD, Margot Käßmann, berichtete, dass sie im nordhessischen Stadtallendorf „in einem kirchlichen Milieu mit ganz großer Freiheit“ aufgewachsen ist. Sie sei mit Kindergottesdienst, Posaunenchor und Jugendgruppe groß geworden. Inspiriert habe sie der Baptistenpastor und Bürgerrechtler Martin Luther King (1929 – 1968). Durch ihn habe sie erkannt, dass man fromm und zugleich politisch sein könne.

Frau Käßmann zufolge sind die meisten Kinder, die im Pfarrhaus aufgewachsen sind, stark sozial ausgerichtet. Der bekannte Ausspruch „Pfarrers Kinder, Müllers Vieh, geraten selten oder nie“ müsse daher ergänzt werden: „Wenn sie aber wohlgeraten, spricht die Welt von ihren Taten.“

Quelle und Fortsetzung des Berichtes hier: http://www.idea.de/glaube/detail/inacker-protestanten-sind-anfaelliger-fuer-ideologien-92074.html


OFFENER BRIEF von Peter Helmes an die evang. Ex-Bischöfin Margot Käßmann

Grüß Gott, Frau Käßmann *) ,

Sonntag für Sonntag erfreuen  –  oder verärgern  –  Sie die Leser der Bild am Sonntag (BamS) mit Ihren Kommentaren, die niemand braucht. Aber da sind Sie hartnäckig. Ihre „Botschaft“ muß raus; denn es ist immer eine „Botschaft des Friedens“  –  wie Sie wohl meinen.

Heute aber haben Sie meinen Sonntag empfindlich gestört. Schon die Überschrift über Ihrer Kolumne verheißt nichts Gutes: „Müssen wir uns schämen, weil wir im Frieden leben?be0bebf8b6

Was soll dieser Nonsens-Text?  –  Glauben Sie ernsthaft, daß sich irgendwo auf der Welt jemand dafür schämen müßte, in Frieden zu leben?

Aber Sie wären nicht Käßmann, wenn Sie hinter dieser unsinnigen Frage nicht etwas verborgen hätten.

Ich will es gleich vorweg sagen: Mein Frieden ist nicht Ihr Friede! Mein Gott hat mir nicht befohlen, mich als Christ abschlachten zu lassen! Mein Gott hat mir befohlen, mich zu wehren und Christi Erbe zu verteidigen!

Sie aber rufen  –  nach allerlei verbalen Verrenkungen, bei denen auch das „Mütterlein im Zweiten Weltkrieg“ nicht fehlen darf  –  dazu auf, auch noch die rechte Wange hinzuhalten, wenn die linke schon geprügelt wurde.

Sie rufen dazu auf  –  was begrüßenswert ist  –  humanitäre Hilfsorganisationen zu unterstützen, um im gleichen Schriftzug (Ihr Lieblingsthema) deutlich zu machen, daß „Waffenlieferungen nicht (Ihre) Option“ sind. DSC00254

Es gebe, resümieren Sie, „schon viel zu viele Waffen auf der Welt“ und es wäre „doch auch ein Zeichen von Hilflosigkeit, wenn im Namen des Friedens immer mehr Waffen eingesetzt werden sollen“.

Sind Sie wirklich so blind? Da werden Tag für Tag, also auch heute, im Nahen Osten nicht nur Christen, sondern überhaupt alle „Ungläubigen“ abgeschlachtet, aus ihren Häusern vertrieben, ihrer Güter beraubt, ihre Frauen und Töchter geschändet, bei lebendigem Leibe ihre Kehlen aufgeschlitzt und ganze Dörfer und Gemeinschaften zerschlagen, weil vollkommen ausgerastete Islamisten ein neues Kalifat errichten und deshalb seit Monaten „mit Schwert und Feuer“ die Länder im Nahen Osten erobern wollen.

Das berührt Sie wohl gar nicht? Oder wie sonst ist Ihr Satz zu verstehen: „Doch wir dürfen froh und dankbar sein über die Freiheit, in der wir leben können…“?

Was glauben Sie denn, wie lange wir diese Freiheit noch haben, wenn wir den islamistischen Horden nicht entgegentreten?

Und übrigens: diese Freiheit garantiert Ihnen heute noch die Freiheit, einen so blühenden Unsinn zu schreiben wie in der BamS von heute. Ob Sie auch morgen diese Freiheit noch genießen können, dürfen Sie sich heute schon ´mal im Irak anschauen.

Völlig abgehoben erscheinen Sie mir, wenn Sie zum Schluß Ihres „Wortes zum Sonntag“ von einer Vermittler-Position unseres Landes faseln: „Meine Hoffnung bleibt, daß die Menschen irgendwann den Frieden lernen und Deutschland vielleicht der Ort wird, an dem Vermittlung und Versöhnung möglich wird…“  –   und Ihren Beitrag schließen mit Matthäus 5,9: „Selig sind, die Frieden stiften…“ IGFM_Scharia

Frau Käßmann, es gibt (böse) Menschen auf der Welt, die Ihren Frieden nicht wollen und denen auf dem Weg zur Durchsetzung ihres Glaubens jedes Mittel  –  selbst das grausamste  –  recht ist. Und denen müssen wir entgegentreten  –  wenn´s nicht schon zu spät ist.

 Sie sollten sich ins Flugzeug setzen, nach Mossul fliegen und dort  –  mit dem Zweig einer Friedenspalme „bewaffnet“  –  die ISIS-Terroristen in „friedfertiger Absicht“ dazu überreden, ihren Koran mit Ihrer Bibel zu tauschen! Ein Rückflugticket werden Sie dann wohl nicht brauchen.

Ihnen, Frau Käßmann, die Sie so gerne und für alle hörbar von „Beten“ reden, gebe ich den Rat: Gehen Sie ins Kloster! Da können Sie den ganzen Tag beten und  –  wie Sie zitieren  –  eines der „Kinder Gottes“ werden.

Tun Sie uns einen letzten Gefallen, ehe Sie sich in die wohlverdiente Einöde zurückziehen: Verschonen Sie uns künftig mit ihren nichtsnutzigen Sonntags-Artikeln!

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Sonntag.
Mit freundlichem Gruß
Peter Helmes
www.conservo.wordpress.com
Peter Helmes@t-online.de

*) Margot Käßmann war Bischöfin der evangelischen Kirche und ist jetzt Luther-Botschafterin für das Jahr 2017


Führende Evangelikale widersprechen den pazifistischen Thesen von Margot Käßmann

Auf Widerspruch bei  Evangelikalen bzw. theologisch konservativen Protestanten aus Politik, Kirche und Publizistik sind die jüngsten pazifistischen Äußerungen der früheren EKD-Ratsvorsitzenden, Margot Käßmann, gestoßen.

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte sie ihre Vision von einem Deutschland ohne Streitkräfte entfaltet und ein kategorisches Nein zu Waffenexporten ausgesprochen. 0

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann bezeichnet dies in einer politischen Stellungnahme als „abwegig“.

Die Botschafterin des Rates der EKD für das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017 verlasse „den Konsens der EKD“. Diese habe 1967 die „hilfreiche Formel“ vom „Friedensdienst mit und ohne Waffen“ geprägt.

Käßmann knüpfe jetzt an die „polemischen Parolen“ der damaligen Kritiker dieser Haltung an, etwa „Ohne Rüstung leben“ oder „Frieden schaffen ohne Waffen“.

Die studierte evangelische Theologin und Pädagogin Motschmann erinnert Käßmann an eine Äußerung des früheren EKD-Ratsvorsitzenden Prof. Eduard Lohse aus dem Jahr 1981:

„Prüft man das Schlagwort vom ‚Frieden schaffen ohne Waffen’ an der politischen Realität, so wird man sagen müssen, dass die Aufgabe, Frieden in der Welt wirklich zu sichern, viel zu schwierig ist, als dass mit dieser These, die die Aufgabe derartig vereinfachend darstellen will, ernsthaft geholfen werden könnte.“

Pastor Rüß: Radikaler Pazifismus unterstützt die Gewalt

Scharfe Kritik an Käßmanns Haltung übt ebenfalls der Präsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg).

„Radikalpazifismus im Gewand von Frömmigkeit fördert Terror, Verfolgung, Vernichtung und Folter“, schreibt er in einer Stellungnahme für die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA. gebet_irak

Er vermisst einen Aufschrei von Pazifisten angesichts des Völkermords an Jesiden und Christen im Nordirak.

Die EKD, die vielfach „ungefragt zu allen möglichen gesellschaftlichen Entwicklungen ideologische Stellungnahmen abgibt“, verhalte sich vergleichsweise „unsolidarisch mit den Glaubensgeschwistern, die den Märtyrertod vor Augen haben“.

Dem „satanischen Wirken des Islamismus“ könne man nicht allein mit frommen Sprüchen und Gebet entgegentreten. Pastor Rüß: „Hier gibt es eine Form von Pazifismus und Frömmigkeit, die das Böse, das Satanische fördert und sich als purer Zynismus erweist.“

Im Blick auf Käßmann fügt Rüß hinzu:

„Gott bewahre die von Verfolgung, Vertreibung, Hinrichtung und Folter bedrohten Menschen und Glaubensgeschwister vor Menschen, die unter Berufung auf Waffenlosigkeit und Frieden unbewusst die satanische Wirkungsweise der Islamisten fördern.“

Peter Hahne: Keine „Bla-Bla-Solidarität“

Der Fernsehmoderator, evangelische Theologe und Bestsellerautor Peter Hahne entrüstet sich ebenfalls über pazifistische Äußerungen aus der evangelischen Kirche angesichts der Vertreibung und Verfolgung von Christen im Nordirak.

„Kirchen in Deutschland diskutieren derweil in der Ferienhitze ihrer sicheren Sandburg eiskalt, wie schrecklich doch Drohnen (die irakischen Christen gerade das Leben retten!) sind, dass man eigentlich die Armee abschaffen müsse (Margot Käßmann) und der Ex-Pfarrer Joachim Gauck doch kein echter Bruder mehr ist, weil er „im äußersten Notfall“ Militäreinsätze befürwortet“, schreibt Hahne in einem IDEA-Kommentar.

Massenmord an Christen erfordere „keine kalte kirchliche Blabla-Solidarität von Multikulti-Moralisten, sondern beherztes Eingreifen mit Waffengewalt, um zu retten, was noch zu retten ist.“

Hahne signalisiert Verständnis für jene Bürger, die enttäuscht der Kirche den Rücken kehren. Er war von 1992 bis 2009 Mitglied des Rates der EKD (Evangelischen Kirche in Deutschland).

Quelle: http://www.idea.de

Fotos: Open Doors


Abschaffung der Bundeswehr? – AfD übt scharfe Kritik an Margot Käßmann

 Zur Äußerung der EKD-Luther-Botschafterin Margot Käßmann, die Bundesregierung solle die Bundeswehr nach dem Vorbild von Costa Rica abschaffen, erklärt der Spitzenkandidat der AfD (Alternative für Deutschland) in Thüringen, Björn Höcke: Atze Soldat

„Frau Käßmann hat derzeit kein wirklich wichtiges Amt. Das ist auch gut so. Denn ihre aktuelle Forderung, die Bundeswehr abzuschaffen, ist an Weltfremde nicht zu überbieten.

Es ist aber auch ein Schlag ins Gesicht unserer Soldaten, die unter Einsatz ihres Lebens für den Frieden und die Sicherheit Deutschlands unterwegs sind. Vor diesem Hintergrund zu behaupten, diese Menschen und ihr Beruf seien überflüssig oder gar unerwünscht, ist nicht nur politisch fahrlässig, sondern vor allen Dingen respektlos gegenüber unseren Soldaten.

Ich finde es unerträglich, wenn jemand wie Frau Käßmann aus ihren undurchdachten, pazifistischen Tagträumen politische Forderungen ableitet. Hier kann ich im Namen der AfD im wahrsten Sinne des Wortes sagen: Gott sei Dank, dass Frau Käßmann kein wichtiges Amt mehr innehat.“


Evangelische Kritik: Margot Käßmann leugnet die jungfräuliche Empfängnis Christi

Dipl.-Chem. Dr. Hans Penner, 76351 Linkenheim-Hochstetten

OFFENER BRIEF an Prof. Dr. Hans-Joachim Eckstein, Universität Tübingen

Sehr geehrter Herr Professor Eckstein,

wenn man eine Veranstaltung „Christustag“ nennt, steht die Frage im Mittelpunkt, wer denn Christus ist.

Wie der Liebenzeller Gemeinschaftsverband am 13.12.2013 mitteilte, „hat als prominenter Gast bereits Margot Käßmann, die Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, ihr Kommen angekündigt. Sie wird ein Grußwort zu den Besuchern sprechen.“ top8_003

Die ehem. Bischöfin Prof. Dr. Margot Käßmann hat in einem Interview mit dem SPIEGEL (22.7.2013) zur Frage nach dem Vater von Jesus gesagt:

„Da bin ich ganz Theologin des 21. Jahrhunderts. Ich glaube, dass Maria eine junge Frau war, die Gott vollkommen vertraut hat. Aber dass sie im medizinischen Sinne Jungfrau war, das glaube ich nicht… Ich denke, dass Josef im biologischen Sinne der Vater Jesu war.“

Mit ihrer Aussage zur Geburt Jesu lehnt Frau Käßmann das Apostolische Glaubensbekenntnis ab, das alle Christen einigt. Aus meiner Sicht ist Frau Käßmann deshalb keine Christin.

Es muß also nüchtern festgestellt werden, daß die Teilnehmer des Christustages 2014 durch eine Nichtchristin begrüßt werden sollen.

Sie sind der Hauptredner des Christustages 2014 und ebenfalls ein Theologe des 21. Jahrhunderts.

Zu fragen ist deshalb, ob Sie ebenso wie Frau Käßmann der Auffassung sind, daß Jesus nicht der Sohn Gottes ist, sondern der Sohn des Joseph war.

Ich nehme an, daß die geistlich wachen Christen an dieser Frage interessiert sind.  

Mit freundlichen Grüßen
Hans Penner


Präses Annette Kurschus: Frauen streben selten nach kirchlichen Leitungsämtern

Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA:

Nur wenige Frauen in Deutschland sind bereit, kirchliche Führungspositionen zu übernehmen. Das sagte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, bei einer Podiumsdiskussion am 13. März im Martin Luther Forum Ruhr in Gladbeck. kirchentag hamburg02

In der Veranstaltung ging es um die Rolle der Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft. Kurschus wies darauf hin, dass nur zwei von 20 EKD-Gliedkirchen von Frauen geleitet werden: „Es liegt nicht daran, dass wir nicht genügend geeignete Frauen hätten. Sie wollen es oft nicht.“

Eine mögliche Erklärung sei, dass sie mehr als Männer die „gesamte Lebenswirklichkeit“ in den Blick nähmen. Sie fragten stärker, was eine leitende Aufgabe für das Familienleben bedeute, was sie dafür aufgeben müssten und ob es ihnen das wert sei.

Kritik an Ex-Ratsvorsitzender Margot Käßmann

Eine Frau, die es geschafft habe, ganz vorne zu stehen, sei die Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, die ehem. EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann.

Kurschus kritisierte, dass Käßmann keine Gelegenheit auslasse zu sagen, dass sie nebenbei auch noch ihre vier Kinder erzogen habe. Es ärgere sie, wenn Frauen dies betonten: „Das würde ein Mann nicht sagen.“ Es könne keiner beides alleine leisten. Auch die Männer trügen ihren Teil zur Erziehung bei. Frauen müssten das zugeben.

Quelle: http://www.idea.de


Widerstand in der NS-Zeit: Zum Angriff Margot Käßmanns gegen die kath. Kirche

Rezension von Dr. Eduard Werner

Buch-Daten: Margot Käßmann, Anke Silomon (Hrsg.): Gott will Taten sehen. Christlicher Widerstand gegen Hitler. Ein Lesebuch. Verlag C.H. Beck München 2013. 479 Seiten, 19;95 Euro.

In ihrer Einleitung bekräftigt Margot Käßmann eine Behauptung des Historikers Hans Mommsen, wonach beide christliche Kirchen nicht zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu rechnen seien. Diese Behauptung ist  –  was die katholische Kirche anlangt  –  leicht zu widerlegen.

War es denn kein Widerstand, als der Vatikan das ideologische Hauptwerk der Nazis, den „Mythus des 20. Jahrhunderts“ von Alfred Rosenberg schon 1934 auf den Index der für Katholiken verbotenen Bücher setzte?

Deutsche Kirchenhistoriker und Theologen lehnten 1934 in ihren „Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts“ die NS-Weltanschauung entschieden ab. (Siehe Amtsblätter der Diözese Münster und der Erzdiözese Köln)  –  Damit war die nationalsozialistische Rassenlehre, auf der der Antisemitismus basiert, kirchenamtlich verurteilt.

War es auch kein Widerstand, als am 21. März 1937 alle 25.000 katholischen Priester das päpstliche Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ in allen katholischen Kirchen Deutschlands verkündeten?  – Hier wurden der Öffentlichkeit mit großem Mut die Irrtümer der Nazis aufgezeigt. Und die Rache der Nazis mit Verhaftungen und KZ-Einweisungen ließ nicht lange auf sich warten. 1_0_660406

In der ersten Kriegszeit hat Papst Pius XII. (siehe Foto) den Kontakt zwischen der deutschen Militäropposition und der britischen Regierung vermittelt. Eine hochriskante Handlung! (Siehe Peter Ludlow in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte München Jahrg. 22 (1974) S.299 – 341 und Richard Basset: „Hitlers Meisterspion- das Rätsel um Wilhelm Canaris“, Deutsche Ausgabe Wien 2008).

Europaweit haben die Nationalsozialisten immerhin 4000 katholische Priester umgebracht. Warum wohl?  –  Die beiden Pfarrer Johannes Schulz und Josef Zilliken haben beispielsweise am 27. Mai 1940 dem „Reichsmarschall“ Hermann Göring den Gruß verweigert. „Sie widerstanden ihm ins Angesicht.“  –  Dafür wurden sie sofort verhaftet und in Dachau umgebracht. War das kein Widerstand?

Oder Pfarrer Wilhelm Caroli?  – 1941 predigte er offen gegen das Euthanasie-Programm zur massenhaften Tötung kranker Menschen. Dafür musste er selbst im KZ Dachau sterben – ebenso wie elf weitere katholische Widerständler, die in Helmut Molls Martyrologium „Zeugen für Christus“ dokumentiert sind. Sie alle haben aus Gewissensgründen ihr Leben hingegeben.

Der Münsteraner Bischof von Galen hat 1941seine berühmten Predigten gegen das nationalsozialistische Mordprogramm gehalten und er hat Strafanzeige gegen die Machthaber gestellt. Das brachte die Nazis zur Weißglut und sie hoben sich die Bestrafung dieses Bischofs für die Zeit nach dem Krieg auf, der glücklicherweise anders ausging, als sich die Nazis vorgestellt hatten.  –  Die heimliche Verbreitung dieser Predigttexte war lebensgefährlich.

Pallotinerpater Franz Reinisch war unter Hitler nicht zum Kriegsdienst bereit. Wie 16 weitere Katholiken lehnte er den Fahneneid auf Hitler bzw. verbrecherische Befehle ab und zog die Hinrichtung vor. Das soll alles kein Widerstand gewesen sein?

Im katholischen Martyrologium „Zeugen für Christus“ sind über 400 katholische Priester und Laien aus Deutschland dokumentiert, die in der NS-Zeit als Märtyrer sterben mussten. Glücklicherweise ist die Zahl der überlebenden Widerständler größer.

Der bekennende Katholik Michael Lottner versuchte am 23. April 1945 dem Domprediger Maier in Regensburg zu Hilfe zu kommen, als dieser verhaftet wurde. Er wurde im Kampf erschossen, während Maier und der Helfer Josef Zirkl zur Abschreckung öffentlich erhängt wurden.

Wenn Mommsen und Käßmann die einschlägigen Dokumentationen nicht zitieren und offenbar auch nicht kennen, so ist das eine Wissenslücke ihrerseits und nicht ein fehlender Widerstand seitens der katholischen Kirche.

Überdies scheinen die beiden Autorinnen Käßmann und Silomon nicht einmal das evangelische Martyrologium „Ihr Ende schaut an“ (Leipzig 2006, erweitert 2008) benutzt zu haben.

Aber Käßmann/ Silomon arbeiten nicht nur mit einer weitgehenden Ausblendung des katholischen Widerstands. Sie behaupten auch Falsches. So steht zum Beispiel auf Seite 57, der Papst hätte auf den bekannten Bittbrief von Edith Stein geschwiegen. Das ist historisch falsch. Papst Pius XI. war allerdings vorsichtig genug, den Antwortbrief nicht der staatlichen Post anzuvertrauen. Er ließ über seinen Staatssekretär den Beuroner Erzabt Raphael Walzer über den Eingang und die Kenntnisnahme der Bittschrift informieren; nachzulesen in den Edith-Stein-Jahrbüchern und von den beiden Autorinnen auch richtig zitiert.

Frau Käßmann kann zwar nicht wissen, welchen Inhalt der Papst Edith Stein ausrichten ließ. Aber sie sollte wissen, dass der Papst das Anliegen von Edith Stein in zahlreichen Protestschreiben aufgegriffen hat. Allein zwischen 1933 und 1937 hat der Papst 55 Protestschreiben nach Berlin geschickt. Wenn die deutsche Reichsregierung nicht angemessen auf die vatikanischen Proteste reagierte, so sollte sie das nicht dem Papst anlasten. 020_16A

Käßmann erwähnt auch die Geschwister Scholl (siehe Foto: Sophie Scholl) und vergisst dabei den katholischen Anteil an der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ mit Christoph Probst, Willi Graf, Prof. Kurt Huber, Theodor Haecker und anderen Widerständlern.

Schlimmer und anfechtbarer ist ihre Behauptung, einzelne Katholiken, die tatsächlich Widerstand geleistet haben, hätten bei ihrem Widerstand „gegen ihre eigene Kirche agieren“ müssen (S.24) , da die Kirche über ein Konkordat mit der Nazidiktatur verbunden gewesen sei. Die Katholiken fühlten sich jedoch durch das Konkordat keineswegs mit der Nazidiktatur verbunden, sondern eher abgegrenzt. Schließlich lehnte Hitler die Ausdehnung des Konkordats auf das Sudetenland und auf Österreich nicht ganz grundlos ab. Wahr ist vielmehr, dass sich Widerständler mit dem Papst immer einig wussten und von den Bischöfen vielfach unterstützt wurden.

Quelle und vollständiger Text hier: http://blog.forum-deutscher-katholiken.de/?p=1281