MARIA in BRASILIEN: Broschüre über Herkunft und Legenden zu APARECIDA

Besprechung von Felizitas Küble

Das Marienheiligtum zu Aparecida ist das größte in Brasilien. Dort wird seit Jahrhunderten eine kleine schwarze Madonnenstatue verehrt. Voriges Jahr wurde in dem lateinamerikanischen Land mit großer Begeisterung die 300-Jahr-Feier der Wallfahrtsstätte begangen. 

Über die Herkunft dieser „schwarzen Madonna“ gehen die Meinungen auseinander. Am wahrscheinlichsten ist wohl jene Geschichte, wonach arme Fischer erst den Rumpf einer Marienstatue und dann ihren Kopf aus dem Wasser zogen, was sie noch mehr begeisterte als ein großer Fischfang – der dann hinterher ebenfalls eintrat. Das Ereignis soll sich am 17. Oktober 1717 zugetragen haben.

Die 50-seitige Broschüre „Maria in Brasilien: Aparecida“ von Paul Baldauf erzählt in bewegenden Worten und anschaulicher Weise diese Entstehungsgeschichte – und ergänzt sie danach mit einigen Legenden über Heilungen und wundersame Gebetserhörungen.

Vor allem die unterdrückte schwarze Bevölkerung nahm in großer Not seine Zuflucht zur Madonna von Aparecida. Dies zeigt auch das Titelbild: Ein schwarzer Sklave bittet die Gottesmutter verzeifelt um Hilfe – und seine Ketten fallen wunderbar auseinander.

Das Marienheiligtum wurde ab 1734 zunächst in einer kleinen Kapelle untergebracht  – und etwa hundert Jahre später, als die Volksverehrung weiter wuchs, ist eine Kirche errichtet worden, die später zur „Basilica minor“ (kleinen Basilika) ernannt wurde.

Prinzessin Isabella überreichte der Statue im Jahre 1888 einen blauen Mantel und eine schöne Krone. 1929 ernannte Papst Pius XI. die hl. Jungfrau (Senhora Aparecida) zur Schutzpatronin Brasiliens. 1884 erklärten die Bischöfe des Landes den Wallfahrtsort zum katholischen Nationalheiligtum.

Die Buchbroschüre schildert diverse Traditionen und Legenden um Aparecida sehr lebendig und spannend.  Auch die Zeichnungen der Künstlerin Manon Massari wirken recht ansprechend.

Statt der  – sicherlich ergreifenden  –  Wundererzählungen wäre eine stärkere historisch orientierte Darlegung allerdings insgesamt sinnvoller gewesen. Trotzdem mag die Publikation aus dem Mediatrix-Verlag als Einstieg zum Thema hilfreich sein.

Die Broschüre kostet 5,90 € und kann hier direkt bestellt werden: https://www.mediatrix-verlag.at/Buecher/Glaube—Heilige/APARECIDA—MARIA-IN-BRASILIEN.html

 

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MARIA: Die Gesegnete unter den Frauen

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Lk 1,39-45:

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.

Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme:

Du bist gesegnet unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines HERRN zu mir kommt?

In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.

Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der HERR ihr sagen ließ.

 


Der Weihnachtsfilm „Es begab sich aber zu der Zeit“ eignet sich für die ganze Familie

DVD-Besprechung von Cordula Mohr

Der anrührende Spielfilm „Es begab sich aber zu der Zeit…“ mit dem Untertitel „Eine Geschichte für die Ewigkeit“ zeigt die Weihnachtsgeschichte auf beeindruckende Weise.

Bei den vielen Ereignissen rund um die Geburt Jesu wird besonders das Leben Mariens herausgestellt; sie lebt als junges Mädchen in ihrem Heimatdorf Nazareth und führt dort ein tugendhaftes und religiöses Leben.

Der Film schildert danach die Verkündigung des Herrn bzw. die Botschaft des Engels Gabriel an Maria und ihre Verlobung mit Josef.

Authentisch wirken die Kostüme und Gewänder, die der Zeit Jesu entsprechend getragen werden.

Sehr anschaulich werden die Hl. Drei Könige als Weisen aus dem Morgenland in Szene gesetzt. Dem Zuschauer wird mehrfach erläutert, wie die Sterne zur Geburt Christi am Firmament standen und wie sich so eine biblische Prophezeiung erfüllt.

Die Angst des machtgierigen Herodes um seinen Königsthron und die List, womit er die Hl. Drei Könige dazu bringen will, ihm den Ort des Geschehens zu verraten, sind realistisch dargestellt.

Maria und Josef bleiben jedoch die Hauptpersonen in diesem ergreifenden Streifen; ihre liebevolle  und religiös geprägte Beziehung macht den Film besonders sehenswert.

Deutlich wird die schwere Belastung für das heilige Paar und deren Eltern Joachim und Anna, als sich die Schwangerschaft der Madonna sichtbar zeigt  – und wie standhaft  sie zu ihrem JA steht, das sie dem Boten Gottes gab.  Erleichtert ist man, als Josef endlich den erlösenden Traum bekam, Maria und das Kind zu sich zu nehmen.

Auch die beschwerliche Reise nach Bethlehem und die Geburt Christi sind authentisch dargestellt.

Nachdem die Geburt des Gottessohnes in einer Höhle stattfand, kommen die umliegenden Hirten durch den Ruf der Engel zum göttlichen Kind und huldigen ihm. Die Sehnsucht nach dem Erlöser prägte ihr einsames Leben als arme Schäfer.

Der grausame Bethlehemer Kindermord, den König Herodes befahl, wird zum Schluss des Films   – ohne Details zu zeigen – dargestellt. Josef und Maria sind derweil mit dem Christuskind nach Ägypten geflohen.

Damit endet der gänzlich beeindruckende Film, der sich für einen Abend in der Weihnachtszeit innerhalb der Familie bestens eignet. Jedoch sollten ihn kleinere Kinder nicht alleine anschauen, weil er doch auch grausame Zusammenhänge der damaligen Zeit anreißt, z. B. gekreuzigte Männer und die Verschleppung eines Mädchens durch Steuereintreiber in Nazareth.

Die Altersangabe von 6 Jahren ist gerechtfertigt. Deshalb eignet sich der Film für die ganze Familie.


Die erste „Marienerscheinung“ des Sehers Mario D´Ignazio am 5.8.2009 in Brindisi

Von Felizitas Küble

Seit einigen Jahren zieht ein angeblich begnadeter Visionär und „Stigmatisierter“ aus dem süditalienischen Brindisi auch in Deutschland von Stadt zu Stadt und hält Gebetstage ab, in denen er sogar „Live-Erscheinungen“ der Madonna präsentiert.

Wir haben uns bereits vor über zwei Jahren im CHRISTLICHEN FORUM skeptisch dazu geäußert.

Nachdem wir kürzlich erfuhren, daß der zuständige Erzbischof und die vatikanische Glaubenskongregation die „Privatoffenbarungen“ dieses Sehers Mario D´Ignazio (siehe Foto) entschieden ablehnen und er aus der kirchlichen Sakramentengemeinschaft per Interdikt ausgeschlossen wurde, haben wir die entsprechenden Dokumente veröffentlicht (bitte herunterscrollen): https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/mario-aus-brindisi-italien/

Nun wird bekanntlich jedes Hemd mit dem ersten Knopf zugemacht – und wenn schon zu Beginn etwas schief läuft, muß man sich über die weitere Fehlentwicklung nicht wundern.

So ging es auch bei diesem Visionär vonstatten, dessen erste „Marienerscheinung“ vom 5. August 2009 bereits eine Menge kritischer Fragen aufwirft.

Diese „übernatürliche“ Ersterfahrung des jungen Mannes, der –  dem Vernehmen nach –  einst Geistlicher werden wollte, wird auf der Werbe-Seite der Brindisi-Bewegten ausführlich geschildert: https://brindisi-marienerscheinungen.jimdo.com/

Jene erste Marienerscheinung beginnt nach einem Bericht Marios folgendermaßen:

„Während ich beim Haus Unkraut jätete, sah ich drei Lichtkugeln, die um einen Ölbaum in der Nähe wirbelten. Ich war von diesem Phänomen angezogen und ging näher hin. Ich sah, dass die drei Kugeln sich in einer einzigen leuchtenden Kugel vereinigten. Kurz darauf zerplatzte sie und erleuchtete dabei den Ölbaum, und in dem unermesslich hellen Licht erschien eine sehr schöne Frau, die nicht auf dem Boden, sondern auf einer Wolke stand.“

Das Phänomen der Lichtkugeln ist nicht gerade neu; es gab diese ähnlich bereits in Heroldsbach (kirchlich abgelehnt) oder auch in La Salette (nur der 1. Teil davon ist anerkannt).  

Sodann fordert ihn die angebliche Madonna auf:

„Tu Buße und bete für die Bekehrung der Sünder, um die schweren Gotteslästerungen vieler Menschen zu sühnen und bete für den Frieden in der sehr bedrohten Welt…Mein Kind, in Zukunft wirst du mein Sprachrohr und mein Vertrauter sein.“

Es ist zwar richtig, daß wir für die „Bekehrung der Sünder“ beten sollen (hierbei aber nicht vergessend, daß wir selber  – die Frommen im Lande – ebenfalls Sünder sind!)  –  doch die eigentliche Sühne für die Sünden hat unser göttliche Erlöser selbst durch sein Leben, Leiden und Sterben auf sich genommen. Wir können uns als Geschöpfe lediglich in einer „un-eigentlichen“, also indirekten Weise an einer „Entsühnung“ beteiligen. 

Problematisch erscheint zudem die anschmiegsame Vertraulichkeit dieses Marienphänomens, die den erwachsenen Seher als „Mein Kind“ anspricht und ihn als „mein Sprachrohr“ und „mein Vertrauter“ (!) würdigt. Ob dies zur Bescheidenheit und Besonnenheit eines „Begnadeten“ beiträgt, darf bezweifelt werden. 

Dann kommt das in solchen Fällen oftmals übliche Lamento über die böse Verfolgung, die dem Auserwählten des Himmels zuteil werde, wobei die Kritiker natürlich von vornherein des Teufels sind:

„Die Gefolgsleute der Schlange werden sich gegen dich richten und sie werden dich verfolgen, aber sie werden damit keinen Erfolg haben, weil mein Sohn und ich dich immer in unseren Herzen behüten werden.“

Typisch ist auch das anpreisende Reden von einer „neuen Menschheit“, ja sogar von einer „großen geistlichen Renaissance auf der Erde“, die zu erwarten sei. Biblisch betrachtet ist das wohlklingender Unfug, denn die Heilige Schrift spricht von wachsendem Glaubensabfall und Verwirrung – und nirgendwo von einer künftigen großen christlichen Erneuerung auf dem Erdenrund.

Ebenfalls bezeichnend ist die Geheimniskrämerei, die der „Himmel“ mit seinen erwählten Sühneseelen betreibt: „Mein Kind, was ich dir jetzt sage, soll ein Geheimnis bleiben, das du nie jemanden enthüllen darfst.“

Während in anderen Fällen (z.B. La Salette, Fatima, Medjugorje) das Rätselraten wenigstens irgendwann ein Ende nahm oder dies zumindest in Aussicht gestellt wird (Medju), darf Seher Mario sein Geheimnis „nie“ enthüllen – und zwar niemandem. Als ob wahre Gottesmutter einen solchen Kinderzauber vornehmen würde!

Sodann proklamiert das Erscheinungsphantom einen heiligen Ölbaum im sogenannten „gesegneten Garten Mariens“, einem parkähnlichen Gelände des Visionärs:

„Ich trage dir auf, an diesem heiligen Ort die Gläubigen aufzunehmen, die in besonderer Weise an jedem Freitag kommen werden, dem Tag, an dem ich möchte, dass man den Rosenkranz zu Füßen dieses Ölbaumes betet, den ich heute für geheiligt erkläre…Dieser Ort, ein gesegneter Garten meines göttlichen Sohnes Jesus, wird meine Bleibe auf Erden sein, und die Menschen, die hierher kommen, werden Gnade und Trost erfahren.“

Der geheiligte Ölbaum im gesegneten Garten des Herrn Mario war dann auch die künftige Stätte weiterer Erscheinungen – aber nicht nur das: „Maria“ erklärt gar, hier werde ihre „Bleibe auf Erden“ sein, als ob sie sich dauerhaft auf Marios Gelände niederlassen wolle.

Damit nicht genug, erklärt die vermeintliche Himmelsmutter sogar:Diese Erscheinung wird die Erscheinung der Erscheinungen sein.“

Das läßt sich gewiß nicht mehr steigern – und man braucht sich nicht wundern, daß der Abschied der visionären Dame von ihrem gesegneten Mario sich auch in direkten Zärtlichkeiten ausdrückt:

„Bevor sie mit ihrem ganzen unendlichen Licht verschwand, umarmte sie mich zärtlich und ich empfand großen Frieden und heitere Gelassenheit.“

 


Der Bestseller eines Pfarrers segelt voll im Trend einer Zeitgeist-Kirche

Rezension von Thomas May

Buchdaten: Pfarrer Rainer M. Schießler. Himmel, Herrgott, Sakrament. Auftreten statt austreten. – Kösel-Verlag 2016, 15. Auflage, 256 Seiten, gebunden, ISBN-10: 3466371473 / ISBN-13: 978-3466371471.  – 19.99 €

Der inzwischen in 15. Auflage seit 2016 im Kösel Verlag erscheinende Bestseller „Himmel, Herrgott, Sakrament. Auftreten statt austreten“ des Pfarrers Rainer Maria Schießler hat über Bayern hinaus Aufmerksamkeit und Beachtung gefun­den.

Auf 256 Seiten gibt der Leiter der Münchener Pfarreien Sankt Maximilian und Heilig Geist einen Rückblick auf seinen persönlichen und beruflichen Werdegang vom kleinen Ministranten zum stadt- und landbekannten Geistlichen mit Promi-Status als Kellner auf dem Oktoberfest und ei­gener Talksendung im Bayerischen Fernsehen und breitet dabei, unterfüttert mit anschaulichen Beispielen aus seiner pastoralen Praxis, seine gesammelten, zumeist konträren Ansichten über die katholische Kirche aus, mit der er hart ins Gericht geht.

DOGMA und LEHRE

Um ein verlässliches Urteil über Buch und Autor zu gewinnen, wird man ihn zuerst an den „Vorgaben“ der Kirche messen, in deren Namen er zu sprechen und zu verkündigen vorgibt („meine Kirche“) – wie sie im Depositum fidei (in der „Glaubenshinterlage“) verbindlich festgelegt sind.

Gleich zu Beginn macht Pfr. Schießler gegen den „Anspruch auf ab­solute Wahrheit“ (S. 21) Front, der von der katholischen Kirche als integraler Bestandteil seit jeher vertreten wird und der die Heilsuniversalität Jesu Christi (also die ausnahmslose Gültigkeit der Wahr­heit und des Evangeliums Christi für alle) meint.

Relativierend erklärt der Geistliche den katholischen Weg als einen von vielen – und natürlich habe Christus keinesfalls „an die Grün­dung einer Amtskirche oder die Formulierung eines Katechismus oder an Enzykliken und Synoden gedacht“.

Damit stellt der Autor das Wesensverständnis der Kirche als göttliche Stiftung in Frage. Gegen seine alberne wie geschichtsunkundige Polemik ist einzuwenden, dass es die katho­lische Kirche längst nicht mehr gäbe, wenn sie sich nicht von Anfang an über die Jahrhunderte durch feste Glaubensformeln, Bekenntnisse, Dogmen und deren „Aufbereitung“ in dem Volk ver­ständlichen Katechismen ihres Fundaments und ihrer Gemeinschaft vergewissert hätte.

Entschieden lehnt der Autor die kirchliche Lehre von der „ewigen jungfräulichen Unversehrtheit Mariens“ (S. 195) ab, wegen eines „möglichen“ Übersetzungsfehlers („junge Frau“ statt „Jungfrau“), der den ahnungslosen Gläubigen verschwiegen werde und über den „nur ganz wenige Priester, die das studiert haben“ informiert seien. Selbstverständlich gehört der Autor zur Elite der Einge­weihten.

Überdies versucht er, dem Leser klarzumachen, wie diskriminierend dieses Dogma sei: „In ihrem Beharren auf der Jungfräulichkeit stempelt die Kirche Generationen von Frauen als zweit­klassig ab, die den durchaus göttlichen Prozess einer natürlichen Geburt durchlaufen und Kinder auf die Welt bringen“ (S. 196).

Zugegeben: Auf ein so abwegiges Gedankenkonstrukt muss man erst mal kommen. Grund­sätzlich gilt: Wer an der Jungfräulichkeit Mariens rüttelt, bringt auch die Zwei-Naturen-Lehre Jesu Christi (wahrer Mensch – wahrer Gott) zu Fall und beraubt die christliche Erlösung ihrer verbürgten Grundlage und Glaubwürdigkeit.

Mit der kirchlichen Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe und der katholischen Sexualmoral insgesamt steht Pfr. Schießler ebenfalls auf Kriegsfuß. Das Scheidungsverbot Jesu (z. B. Mt 19,6) ist zwar unmissverständlich, hindert den Autor aber nicht daran, „den geregelten ‚Exit'“ (S. 202) zu befürworten, frei nach seinem Motto „Du hast das Recht, zweimal geboren zu werden“ (S. 186).

Nachdruck verleiht der Autor seiner Forderung mit dem „schönen Satz“: „Eine erste Ehe kann viel­leicht nicht mehr zu retten sein – während die zweite Ehe oft ein Leben rettet“ (S. 202). So liest sich das „Evangelium nach Schießler“.

(HOMO-)SEXUALITÄT

Gleichgeschlechtliche Paare sind dem Münchener Pfarrer, der seit 23 Jahren „in einem der größten Schwulenviertel Deutschlands“ (S. 188) wirkt, besonders ans Herz gewachsen. 

Obwohl von der kirchlichen Lehrtradition und zuletzt von Papst Franziskus in „Amoris laetitia“ betont wurde, dass es „keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexu­ellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen“ (251), scheut sich Pfr. Schießler nicht, die Ringe gleichgeschlechtlicher Paare als Zeichen der „Liebe und Treue“ in seinen „Gottes­diensten“ zu segnen und ihnen damit einen quasi-ehelichen Status zuzubilligen.

So tief beeindruckt ist er von deren „respektvollem Umgang miteinander“, dass sich auch das ein oder andere „heterosexuelle Ehepaar“ ein Beispiel daran nehmen sollte (S. 190), eine Art „Nachhilfe“ von Homos für Heteros also. Für das Schneckentempo seiner Kirche entschuldigt sich der Pfarrer gar bei den „Paaren“: „Habt Geduld mit uns. Habt Geduld mit der Kirche.  Es dauert nur no a bisserl“ (S. 191). Zu dumm auch, dass es so viele Volltrottel im Bischofs- und Papstgewand gab und gibt, die noch immer nicht auf den Dreh gekommen sind!

Bei seiner Gleichschaltung aller Formen sexueller Betätigung kommt Pfr. Schießler das Spezifische des „sexu­ellen Akts“ (S. 189 f.) völlig abhanden: Dieser meint nach katholischem Verständnis die körperliche Vereinigung von Mann und Frau durch Penetration. Daher kann der Begriff naturgemäß nicht als Bezeichnung für Techniken gleich­geschlechtlicher Lusterzeugung in Anspruch genommen werden. Unsaubere Begrifflichkeit findet man in Pfr. Schießlers Buch auch an anderen Stellen.

ZÖLIBAT

Für die Öffnung des Zölibats (S. 228 ff.), den Pfr. Schießler nach seinen Worten persönlich einhält, steuert er über die ermüdend wiederholten Argumente hinaus nichts stichhaltiges Neues bei, im Gegenteil. Es ist mit Blick vor allem auf die Erfahrungen der evangelischen Kir­chen ein offenkundiges Märchen, mit Verheirateten sei der aktuelle Priestermangel nach­haltig zu beseitigen.

1. Der Behauptung, das Zölibat würde „viele andere, fähige, potenzielle Pries­terkandidaten“ (S. 228) abschrecken, somit also die Kirche um die Früchte ungenutzter Talente im priesterlichen Dienst gebracht, ist entgegenzuhalten, dass gerade die Bereitschaft für ein eheloses Leben um des Himmelreiches willen zu den Schlüsselqualifikationen des Priesters gehört. Wer im Extremfall sein Leben für seine „Schafe“ hergeben soll, sollte der nicht zumindest eine Neigung bezwingen können?

2. Entgegen den Fakten bestreitet Pfr. Schießler, dass die Ehelosigkeit den Priester von zeitraubenden familiären Aufgaben entlastet und ihn vollständig für den Dienst an der Gemeinde freistellt, mit der er „verheiratet“ ist (S. 187 f.). Die Zeit, die man sich nimmt oder nicht nimmt, ist eben nicht, wie der Stadtpfarrer behauptet, nur eine Frage „der inneren Einstellung“, sondern abhängig davon, welches Zeitbudget grundsätzlich zur Verfügung steht.

FRAUENPRIESTERTUM

Für das Priestertum der Frau zu streiten (S. 230 f.) ist müßig, da die Frage durch das Apostolische Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ (1994) von Johannes Paul II. lehramtlich entschieden wurde. Was bezweckt der Autor also, wenn er den Gläubigen vorgaukelt, hier könne sich (noch) etwas bewegen?

Aus der „Weiheunfähigkeit“ (wie es im Kirchenrecht heißt) der Frau abzuleiten, die Kirche würde damit „die Hälfte der Gläubigen – nämlich Frauen – aus der Verkündigung ausblenden“ (S. 230), ist Unfug, da die Befugnis zu verkündigen jedem getauften und gefirmten „Laien“ zusteht. An anderer Stelle deckt der Autor seinen Selbstwiderspruch auf, wenn er (zu Recht) von der „herausragende[n] Verkündigungs­aufgabe“ der Eltern (S. 219) spricht.

BIOZENTRISMUS

Schließlich ist Pfr. Schießler auch beim Thema „Mensch, Tier und Schöpfung“ auf dem Holz­weg, wenn er schreibt: „Wir müssen hin zu einem biozentrischen Schöpfungsverständnis, in dem sich nicht mehr alles um den Menschen als ‚Krone der Schöpfung‘ dreht – sondern jede [!] Form von Leben in der Schöpfung gleichberechtigt [!] neben der anderen steht“ (S. 237).

Ausgerechnet Papst Franziskus, auf den sich Pfr. Schießler gern beruft, wenn es ihm zupasskommt, widerspricht ihm in seiner Enzyklika „Laudato si“ entschieden:

„Ein fehlgeleiteter Anthropozentrismus darf nicht notwendigerweise ei­nem ‚Biozentrismus‘ den Vortritt lassen, denn dies würde bedeuten, ein neues Missverhältnis einzu­bringen, das nicht nur die Probleme nicht lösen, sondern auch andere hinzufügen würde. Man kann vom Menschen nicht einen respektvollen Einsatz gegenüber der Welt verlangen, wenn man nicht zugleich seine besonderen Fähigkeiten der Erkenntnis, des Willens, der Freiheit und der Verantwort­lichkeit anerkennt und zur Geltung bringt“ (118).

LITURGIE und SAKRAMENTE

Im liturgisch-pastoralen Bereich sind es vor allem die traditionellen Erwartungen der „normalen“ Gläubigen an einen Gemeindepriester, die Pfr. Schießler enttäuscht. Gegen seinen wieder­holt beschworenen Leitsatz „Liturgie darf nicht wehtun“ verstößt er, wenn man die Beispiele aus seinen „Gottesdiensten“ zugrunde legt, selbst in so extremer Weise, dass ihm die „Liturgiefähigkeit“ (im Sinne Romano Guardinis) rundweg abgesprochen werden muss. 

Pfr. Schießler meint in seiner Lesart mit „nicht wehtun“ vor allem, dass ein Priester seine Gläubigen nicht langweilen darf. Das tut er nun beileibe nicht, aber was Ohren und Augen des Besuchers seiner One-Man-Show alles aushalten müssen, gleicht einer Schmerzensorgie.

Nicht nur steigern sich seine Predigten mit suggestiven Verdre­hungen und Entstellungen rasch zur irreführenden Indoktrination, eine Zumutung sind auch seine optischen „Einlagen“, wenn es beispielsweise anlässlich des Christophorusfestes heißt: „Dann fahre ich schon mal im Messgewand auf Inlineskatern durch die Kirche zum Altar oder mit meinem Motorrad in voller Messmontur um die Kirche“ (S. 205).

Messe als Mordsgaudi. Da kriegt man die Kirche schon voll. Nichts von heiliger Handlung, in welcher das Kreuzesopfer Jesu Christi unblutig vergegenwärtigt wird. So tief kann „Liturgie“ stürzen!

Als Höhepunkt seiner liturgischen Entgleisungen schildert Pfr. Schießler eine Christmette, in der „zehn Mülltonen hintereinander hingestellt [wurden] mit der Aufforderung: Müll trennen! Auf den Mülltonnen stand jeweils ein Wort: HETZE, UNGERECHTIGKEIT, MISSTRAUEN, EIFER­SUCHT, NEID – die ganzen Todsünden. Jeder Besucher sollte im Gottesdienst ein Symbol seines Gedankenmülls mitbringen und in ’seiner‘ Tonne entsorgen“ (S. 205).

Was für eine erhebende, feierliche Inszenierung zum Weihnachtsfest, ökologisch korrekt und kreativ sogar noch in der Erfindung neuer Todsünden! Von der holden Appetitlichkeit ganz zu schweigen, wenn „Gott sich mitten in meinen ganzen Müll des Lebens rein[legt](S. 206).

Der Seelsorger ist von seinem „Gottesdienst“ so begeistert, dass er ihn als eine „Lehrstunde im Glauben für die ganze Familie“ (S. 207) rühmen lässt.

Das wahre Urteil über solche „Aktionen“ wird, ohne dass der selbstgefällige Autor und die schwärmenden Eltern es bemerken, wie nebenbei gesprochen, wenn es heißt, „sie wären mit ihren Kindern kaum noch nach vorne zu der eigentlichen [!] Krippe gekommen, weil ihre Kinder in jede der Mülltonnen schauten.“ (S. 206).

Genau hier liegt einer der wunden Punkte, der für die gesamte Schießler-„Pastoral“ symptomatisch ist: Vor lauter „Action“, Klamauk, Gags, Spektakel, Aufmerksamkeit heischender Projektgeilheit bleibt sie allzu häufig an der Oberfläche haften, dringt sie nicht mehr zum Eigentlichen, Wesentlichen, zum Kern vor, führt sie nicht in die Tiefe und zur Fülle des Glaubens.

Auch andere hehre Leitsätze Pfr. Schießlers sind zurechtzurücken. „Du musst die Leute mögen“ (S. 186 u. a.) – klar, aber das müssen auch Politiker, Ärzte, Lehrer, eigentlich jeder, der in seinem Beruf mit Menschen zu tun hat; daran ist nichts Besonderes, Originelles. „Sakramente musst du spüren“ – klar, aber die Leute müssen auch geistig erfassen, worum es in dem Sakrament jeweils geht, indem es ihnen katechetisch fundiert nahegebracht wird und nicht indem man Erstkommu­nionkindern (S. 214 ff.) oder Firmlingen (S. 222 ff.) die Organisation ihrer Vorbereitungskurse in ausschließlicher Ei­genverantwortung überlässt, ohne erkennbare Vergewisserung, ob die zum Verständnis führenden Glaubensinhalte auch angeeignet und verinnerlicht wurden.

FREIWILLIGKEIT und GLAUBENSANNAHME

Geradezu widersinnig ist es, wenn der Autor regelmäßig versucht, Eigenverantwortung und Freiwilligkeit gegen Regeln und Pflichten (oder „Dekrete“) auszuspielen. Es gibt keinen „Glaubenszwang“; dass in der pastoralen Praxis gelegentlich mit „sanftem Druck“ nachgeholfen wurde und wird, ist menschlicher Schwäche geschuldet.

Die Aneig­nung des Glaubens kann immer nur in Freiheit geschehen; gleichzeitig ist es Kernauf­gabe der Kirche und ihres Lehramts, den Inhalt des Glaubens, Glaubenswahrheiten, Glaubenssätze zu formulieren und den Gläubigen in möglichst verständlicher, zeitgemäßer Sprache zu vermitteln.

Wenn ich als Gläubiger in dem ein oder anderen Punkt oder vielleicht in vielen Punkten konträr dazu ste­he, ist es in erster Linie mein Part, mich um Annäherung an die Glaubenswahrheit zu be­mühen und Übereinstimmung zu erreichen.

Geistlichen Rat hierfür in Anspruch zu nehmen, ist sinnvoll, oft unausweichlich. Im äußersten Fall bleibt mir das Eingeständnis, dass ich mit der Kirche nicht „kann“ (das muss ich dann so hinnehmen und für mich daraus die Konsequenzen ziehen)  –  oder die Demut, mich in Gehorsam dem zu beugen, was die Kirche mit Hilfe des ihr zugesagten Beistands des Heiligen Geistes als wahr erkannt hat.

Keinesfalls kann ich jedoch erwarten, dass die Kirche den feststehenden Glauben inhaltlich verändert, anpasst oder schmälert, weil ich damit nicht klar­komme. Ich kann von der Kirche nicht verlangen, dass sie ihren Glauben um es mir und anderen recht zu machen „verbilligt“, frisiert oder gar verleugnet.

Hier manifestiert sich ein gravierender Irrtum der „Postmoderne“. Nicht „die Kirchenführung“ verabschiedet sich, wie Pfr. Schießler argwöhnt, „von ihren unbotmäßigen Gläubigen“ (S. 185); es sind vor allem „postmoderne“ Menschen, die der Kirche den Rücken kehren, die nicht mehr bereit sind, den von ihr verkündigten Glauben anzunehmen, weil sie  –  vom „aufgeklärten“ Zeitgeist infiziert und nicht selten von Pfarrern „kritisch“ und aufsässig gemacht  –  der völlig vermessenen Ansicht sind, sie hätten darüber mitzubestimmen, was ih­nen als „Glaube“ zugemutet werden darf und was gefälligst über Bord zu werfen ist, weil es angeb­lich nicht (mehr) „zeitgemäß“ oder schlicht anstrengend und unbequem ist. 

Dass viele von ihnen ein „Bedürfnis nach Glauben“ (S. 186), nach „Heimat“ in einer Glaubensgemeinschaft haben, wie Pfr. Schießler bei seinen Gesprächen mit Austrittswilligen und Ausgetretenen erfährt, mag schon sein, nur ist es in der Regel nicht der unverrückbare Glaube der katholischen Kirche, nach dem sie sich sehnen – und Oberhirten wie Priester begeben sich auf den Teufelspfad der Dekadenz, wenn sie hier einknicken, sich anbiedern und um jeden Preis, auch den der Glaubensverwässerung, -verkürzung oder gar -preisgabe, die abwandernden „Schafe“ (vorzugsweise mit allerlei „Service“) korrumpieren und auf ihrer „Weide“ halten wollen.

SÜNDE

Ein höchst verqueres Verhältnis offenbart Pfr. Schießler zur Sünde. Mehrmals wiederholt er den populären Satz: „Die größte Sünde ist das ungelebte Leben“ (S. 186). Natürlich ist das falsch, weil undifferenziert, denn ein mit allen erdenklichen Lastern, Bösartigkeiten und moralischen „Schweinereien“ angefülltes, ausgeschöpftes, „gelebtes“ Leben dürfte keineswegs Gottes Wohlgefallen finden, ist also verwerflich. Ein sol­ches Leben überhaupt nicht gelebt zu haben, wäre ausnahmslos besser. 

Mit unerbittlicher Schärfe fällt der Münchener Pfarrer über die Autoren des Jugendkatechismus „Youcat“ her, weil sie es als „eine große Sünde“ bezeichnen, „am Sonntag nicht in die Kirche zu gehen“ (S. 133 f.). Bissig fragt er: „Woher wissen die das? Hat etwa Gott ihnen das geflüstert?“ (S. 134). Das ist nun wirklich unverfroren. Die angesprochenen „Autoren“ geben hier nichts anderes wieder als die „Sonntagspflicht“, eines der fünf Kirchen­gebote.

Im „Katechismus der Katholischen Kirche“ (1992) heißt es dazu: „Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht eine schwere Sünde“ (2181). Im „Youcat“ erklären die Autoren anhand des Vergleichs von „Sonn­tagspflicht“ für Gläubige und „Kusspflicht“ für Liebende sogar noch sehr einleuchtend, warum die Beachtung des Sonntagsgebots eine Selbst­verständlichkeit sein sollte.

Die Zehn Gebote als Normenkatalog für Christen kommen in Pfr. Schießlers Buch allerdings erst gar nicht zur Sprache. Nach ihm dient die Rede von der Sünde nur dazu, Menschen (immer noch) Angst vor Hölle und Ver­dammnis einzuflößen. Dem Herrn Pfarrer fehlt völlig das Grundverständnis, dass „Sünde“ die Grenze zieht zwischen gottgefällig und gottfeindlich, zwischen gut und böse. Die Grund-Sünde ist daher, wenn man die Sünde als Sünde nicht mehr (an)erkennen und wahrhaben will, sie nicht bekennt und nicht bereut.

FAZIT und AUSBLICK

Zusammenfassend bleibt festzuhalten:
Die zweifellos mitreißende, teilweise ergreifende sprachliche Darstellung (z. B. Tod der Mutter S. 81 ff. und des Vaters S. 174 ff.) oder gelegentliche Lichtblicke wie fein gezeichnete Milieus (z. B. Münchener Nachtleben S. 109 ff., Bad Kohlgrub in Oberbayern S. 118 ff.) machen die schwerwiegenden inhaltlichen Mängel in theologischen und Glau­bensfragen nicht wett; Pfr. Schießlers Art der „Verkündigung“ erweist sich für katholische Christen nicht nur als ein Ärgernis, sondern auch als eine Gefahr für ihr (Seelen-)Heil, weil sie verwirrt, verfälscht und unkatholische Glau­bens- und Moralvorstellungen propagiert.

Es ist ein Skandal, dass der Münchener Seelsorger mit Duldung seiner kirchlichen Oberen diesen Etiketten­schwindel in den Pfarrgemeinden Sankt Maximilian und Heilig Geist betreiben darf.

Was sind Wiedereintritte, was ist sein volles Gotteshaus wert, wenn Leute aufgrund einer unseriösen, verzerrenden „Light“-Version von katholisch die Bänke füllen? Oder weil sie von einem kernigen Selbstdarsteller, einer original bayeri­schen „Rampensau“ unterhalten werden wollen, die bestimmt wieder „a drum Watschn“ (verbal) für die  unverschämt rückständige Amtskirche auf Lager hat?

Wirklich fest im Sattel sitzt der Stadtpfarrer nicht. Die Amtsenthebung seines Vorgängers wegen Turbulenzen innerhalb der Pfarrgemeinde (S. 166) lässt aufhorchen. Auch Pfr. Schießler scheint sich seiner weiteren Sache keineswegs sicher zu sein.

Zwar hat er mit seinem Diplom als „installierter Pfarrer“ vorgebaut, stolz betrachtet er die Pfarrgemeinde Sankt Maximilian als seinen „Besitz“, sein festes „Lehen“ (S. 174), in dem er „so gut wie unkündbar“ (S. 173) seine bizarre Show abziehen kann.

Doch die Spannungen zwischen den Vorgesetzten und dem „Rebell“ (S. 240) ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Eigentlich überflüssig von ihm zu betonen, dass er sich für eine „Karriere nach unten“ entschieden habe – eine nach oben, womöglich „in vollem Ornat als Bischof“ (S. 185), hätte man ihm höheren Orts wohl kaum zugestanden.

Als publicitytaugliches Zirkuspferd im ramponierten „Stall“ Kirche lässt man ihn an der ungemütlichen „Basis“ gewähren. Zum Glück hat Pfr. Schießler ein zweites Standbein als Taxifahrer, falls man einmal den „Missliebigen aus Sankt Max[imilian] entfernen“ (S. 174) sollte.

Vorsorglich hat er seinen während der Studentenzeit erworbenen Taxischein, seine „‚Überlebensversicherung‘ für ein unabhängiges Leben in der Großstadt“ (S. 116), regelmäßig verlängert, der derzeitige „ist bis 2019 gültig“ (S. 115).

Ja, warum eigentlich nicht wieder Taxi fahren, Herr Pfarrer?

Unser Autor Thomas May aus Sendenhorst bei Münster ist katholischer Religionspädagoge – Seine E-Mail: thw53may@aol.de

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Sept.-Okt. 2017)


Der Rosenkranz ist nicht per Erscheinung, sondern durch Ordensleute entstanden

Von Felizitas Küble

Viele Katholiken kennen jene frommen Gemälde, die den hl. Dominikus zeigen, wie er durch eine Marienerscheinung den Rosenkranz erhält.

Auch das „Informationsblatt“ der traditionsorientierten Petrusbruderschaft zeigt diesen angeblichen Ursprung des Gebets auf der Titelseite seiner Oktober-Ausgabe 2017 (siehe Foto).

Das würde im Falle einer bloßen Illustration keine Rolle spielen. Doch im Haupt-Artikel unter dem Titel „An dieser Kette scheiden sich die Geister“ befaßt sich Pater Dieter Biffart anläßlich des Fatima-Jubiläums mit der „Würde und Wirkungsgeschichte des Rosenkranzgebetes“ und preist dabei den „himmlischen Ursprung“ dieses Gebets.

Daran brauchen sich allerdings die Geister nicht scheiden, denn die Fabel von jener Marienerscheinung ist längst widerlegt – sie ist  genau genommen nicht einmal eine Legende (bei der immerhin ein historischer Kern stimmen müßte).

Der Geistliche erinnert sodann daran: „Als beispielsweise der heilige Papst Pius V. im Jahr 1571 das christliche Abendland durch die türkische Flotte bedroht sah, forderte er das gläubige Volk zum Rosenkranz und die christlichen Herrscher zum Widerstand auf. Mit Hilfe der Beter konnte das christliche Bündnis am 7. Oktober gegen die feindliche Übermacht der Osmanen den Sieg bei Lepanto erringen“.

Man beachte hier die Jahresangabe, nämlich 1571. Der heilige Dominikus, dem der Rosenkranz angeblich visionär geoffenbart wurde, lebte aber nicht in der beginnenden Neuzeit, sondern im Hochmittelalter (1170 – 1221)

Die ersten Zeugnisse für gewisse Vorformen des klassischen Rosenkranzes stammen aus dem 15. Jahrhundert. (Gebetsschnüre für Vater-Unser und Ave-Marias gab es schon früher). Da es in den vorigen Jahrhunderten kein einziges Dokument für den Rosenkranz gibt, kann er nicht vom hl. Dominikus stammen  – so einfach ist das.

Katholischerseits ist das amtlich längst bekannt und geklärt, unter Kirchenhistorikern und Mariologen sowieso. Im Brevier  – dem Pflichtgebet der katholischen Priester – findet sich daher am Rosenkranzfest der frühere Hinweis auf jene Marienvision des Ordensgründers nicht mehr.

In Wirklichkeit ist dieses biblisch geprägte Gebet mit der Perlenkette, das sich in die Heilsgeheimnisse Christi vertieft, auf dem ganz normalen Wege der Frömmigkeit entstanden – und das ist letztlich auch eindrucksvoller, zeigt dies doch, wie sich Katholiken jener Zeit in ihren Gebeten auf die zentralen Glaubenswahrheiten konzentrieren wollten – und dies an der Hand Mariens und mit ihrer Fürsprache geschehen sollte. 

Zunächst wurde an einer geknoteten Schnur das Vaterunser gebetet, später wurden die Gebetsreihen durch das Ave Maria (Gegrüßet seist Du, Maria) ergänzt, also durch den biblisch bezeugten Gruß des Engels Gabriel an die selige Jungfrau.

Der Trierer Kartäusermönch Adolf von Essen führte Anfang des 15. Jahrhunderts eine Vorform des Rosenkranzes unter dem Namen „Rosarium“ ein. Dabei wurde 50 x ein Ave Maria gesprochen und über das Leben Jesu meditiert. Er betete den Rosenkranz halb-öffentlich mit der jungen Herzogin Margareta von Bayern zusammen mit anderen Adeligen und dem Hofgesinde.

Sein Mitbruder Dominikus von Preußen ergänzte das Gebet dann weiter. Die Erscheinungsgeschichte entstand in jener Zeit, weil man damals den Ordensgründer Dominikus mit jenem gleichnamigen Kartäuserbruder verwechselte.

Im Jahre 1508 wurde dem Ave Maria schließlich der zweite Teil „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder…“ angefügt.

Später wurde es durch Dominikaner strukturiert und im Kirchenvolk verbreitet. Papst Pius V. legte 1569 im wesentlichen die Gebetsweise fest, wie wir sie heute kennen.

Der bekannte Jesuitenpater Karl J. Klinkhammer hat schon in vorkonziliarer Zeit korrekt über die Entstehung des Rosenkranzes berichtet und zuvor gründliche Quellenforschung betrieben. Später veröffentlichte er das Buch „Adolf von Essen und seine Werke“ (1972), aus welchem der Ursprung des Rosenkranzes durch jenen spätmittelalterlichen Kartäusermönch im Detail hervorgeht.

Ergänzender Artikel dazu siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/10/31/zur-entwicklung-des-rosenkranzgebetes/

 

 


Kerala (Indien): Erscheint „Maria“ in Edavanakkad mit Tiara und Jasminduft?

Von Felizitas Küble

Kerala ist ein Bundesstaat im südlichen Indien mit einem für dortige Verhältnisse überdurchschnittlich hohen Anteil von Christen. Zugleich ist bekannt, daß viele charismatische „Heilungspatres“, die seit Jahren durch Deutschland touren, aus Kerala stammen.

In dieser Region sorgten protestantische Pfingstprediger bereits in den 70er und 80er Jahren dafür, daß sich schwarmgeistige Strömungen auch in der katholischen Kirche Südindiens breitmachen.

Nun sorgt eine Pfarrgemeinde aus der Kleinstadt Edavanakkad in der Erzdiözese Verapoly für erhebliches Aufsehen, denn dort soll es vor einigen Wochen zu Erscheinungen von Jesus und Maria in der Kirche St. Ambrosius gekommen sein.

Unter den Schülern, die zur Schar der ersten „Seher“ gehören, befand sich allerdings nur ein einziges katholisches Mädchen; die meisten „betroffenen“ Kinder und Jugendlichen sind hinduistischen Glaubens.

Geistausgießung und Himmelsverheißung für Ungetaufte?

Das hinderte die vermeintliche „Madonna“ aber nicht daran, diesen Schülern anzukündigen, daß sie ihnen den Heiligen Geistes senden und sie in den Himmel führen werde.

Dergleichen paßt zwar bestens zu den bereits vorhandenen charismatischen Tendenzen in Kerala, nicht jedoch zur biblischen und katholischen Lehre, wonach der dreieinige Gott durch die TAUFE in die menschliche Seele einzieht und seine Gnadenschätze wirksam werden läßt.

Eine allgemeine Geistausgießung über Ungetauften bzw. Anhängern fremder Religionen ist daher theologischer Unsinn. Der Hinduismus ist zudem nicht einmal monotheistisch (= Ein-Gott-Glaube) orientiert, sondern beinhaltet einen fantasievollen Vielgötterkult.

Ähnliches gilt für die pauschale Verheißung der Erscheinung an die Visionäre, in den Himmel zu gelangen. Die Taufe ist auch in dieser Sicht regulär und objektiv das „Tor zum Leben“.

Soll die Bedeutung dieses Grundsakramentes und des spezifisch christlichen Glaubens geschmälert werden? Wird hier auf listige Weise einem gefährlichen Synkretismus (Religionsvermischung) Vorschub geleistet? Soll der Wahrheitsanspruch des Christentums unterschwellig und mittels „frommer“ Vorzeichen unterschlagen werden?

Theologisch unsinnige Vermischung von Attributen

Sodann heißt es in englischsprachigen kath. Agenturberichten (z.B. CNA, ETWN) weiter, die Marienerscheinung habe neben einem blauen Schal auch eine Tiara (dreifache Krone) auf ihrem Haupt getragen und somit eines der bekannten Symbole des Petrusamtes. (Die frühere Krönung der Päpste bis zu Paul VI. fand mit einer Tiara statt.)

Die Gottesmutter ist zweifellos die Königin der Apostel. Dennoch paßt eine Tiara als ein lange Zeit hindurch geläufiges (wenngleich nicht ursprüngliches) Amtszeichen des Papsttums nicht zu ihr, da sie keine Nachfolgerin des Apostels Petrus bzw. keine „Päpstin“ ist.

Zwischen persönlicher Heiligkeit auf der einen Seite und einer „amtlichen“ Aufgabe bzw. Sendung auf der anderen Seite sollte stets unterschieden werden.

Wie so häufig bei irrgeistigen Geschehnissen, ist auch diese Erscheinung von sinnlich-erfahrbaren Phänomenen begleitet, in diesem Fall dem Duft von Jasminblüten. Als ob der Himmel dergleichen zu seiner „Beglaubigung“ nötig hätte!

Natürlich nehmen die zuständigen kirchlichen Stellen  – wie in solchen Fällen üblich  – zunächst eine „abwartende“ Haltung ein.

Die erste „Seherin“ war ein Hindu-Mädchen

Die Erscheinungen sollen am 28. September begonnen haben, als eine Hindu-Schülerin in die kath. Kirche ging, um für ihr Ohrproblem zu beten und Weihwasser zu nehmen. Später erzählte sie, daß ihr dies sofort geholfen habe. Daraufhin sei das Mädchen mit weiteren Schulkameraden (darunter ein einziges katholisches Kind) in das Gotteshaus gegangen, um zu danken und zu beten, worauf sie eine Vision vom gegeißelten Christus erlebt haben wollen.

Als eine Lehrerin dazukam, schilderten die „Seher/innen“ ihr eine Erscheinung der seligen Jungfrau, die „unter dem Altar“ gestanden habe und für den Duft von Jasminblüten sorgte.

Hier erhebt sich die Frage, warum die angebliche „Madonna“ sich denn unter dem Altar (vermutlich ein Hochaltar) präsentiert. Erst trägt sie eine Tiara als Zeichen des Papsttums, nun erhält der Altar als Sinnbild des Priestertums eine zentrale Bedeutung in diesen theologisch geradezu abenteuerlichen Visionen.

Die Gottesmutter ist die größte aller Heiligen, aber weder eine geweihte bzw. amtliche Priesterin noch Päpstin. (Natürlich nimmt sie innerhalb des Laienpriestertums eine bevorzugte Stellung ein – aber das steht auf einem anderen Blatt.)

Wie der Schüler Aquenas Jomon berichtet, habe Maria ihm gesagt, dass seine Mutter geheilt werde und dass die Schulden seiner Familie verschwinden. Zudem erklärte er: „Als ich sie das erste Mal sah, musste ich weinen.“  –  Und warum weinte der Junge denn?  – Ist es zudem die Aufgabe einer Marienerscheinung, irdische Wohltaten („Schulden verschwinden“) auszuteilen? Sollte es dabei nicht gut biblisch „zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ gehen???

Eine anhängliche Maria fleht die Schulkinder an?

Die anwesenden Erwachsenen konnten von der Erscheinung ohnehin nichts sehen. Als ein Lehrer die Kinder aus der Kirche führte, soll ihnen „Maria“ laut Angaben der Mädchen gefolgt sein und sie „angefleht“ haben, nicht zu gehen. 

Als ob sich die wahre Gottesmutter derart aufdringlich bis lächerlich präsentieren würde!

Am 3. Oktober versammelte sich bereits eine große Menschenmenge in der Kirche. Der Pilgerstrom wuchs täglich an, auch Hindus kamen in großer Schar.

CNA berichtet dazu folgendes:Ein Priester forderte die Kinder auf, den genauen Punkt anzugeben. Die Gemeinde sah ein helles Licht und der Priester sagte, dass er fühlte, wie jemand seinen Kopf tätschelte.“

Zu solchen „Kindereien“ erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

Quellen u.a.: http://indianexpress.com/article/india/hundreds-flock-to-kerala-church-after-children-report-seeing-mother-mary-4895237/lite/
https://www.catholicnewsagency.com/news/in-india-schoolkids-say-virgin-mary-appeared-amid-scent-of-jasmine-73012