Lucia und Jacinta am 13. Oktober 1917 in Fatima: „Der Krieg geht heute zu Ende“

Von Felizitas Küble

In Europa sind zwei kirchlich genehmigte Marienerscheinungsorte besonders bekannt, nämlich Lourdes und Fatima.

Wenn die Kirche eine Privatoffenbarung approbiert (billigt, gestattet, „anerkennt“), dann bedeutet dies keine Glaubensverpflichtung für Katholiken, sondern lediglich eine Erlaubnis zur Zustimmung. Erscheinungen sind also weder heilsnotwendig noch Bestandteil des Glaubensgutes („depositum fidei“) oder der amtlichen kirchlichen Verkündigung.fatima-von-anfang-an Daher ist den Gläubigen eine sachliche Kritik an Privatoffenbarungen seit jeher erlaubt.

Das 360 Seiten starke Buch „Fatima von Anfang an“ gehört zwar durchaus zur Fatima-begeisterten Literatur, ist aber nicht in allem stromlinienförmig; so wird zB. den Aussagen von Sr. Lucia nicht immer voll zugestimmt und die Erzählweise der Publikation ist insgesamt recht nüchtern.

Dieses Buch von Pater Joao de Marchi schildert u. a. die Befragung von Seherkindern durch Prof. Dr. Formigao am Abend des 13. Oktober 1917, also einige Stunden nach dem spektakulären Sonnenwunder in der Nähe von Fatima.

Dabei wird das damalige Protokoll des portugiesischen Geistlichen zitiert  –  auch das Gespräch mit Jacinta (S. 201):

Der Priester fragte das Seherkind: „Was hat die Dame gesagt?“  – „Sie sagte, wir sollen jeden Tag des Rosenkranz beten, und daß der Krieg heute zu Ende geht.“  – „Zu wem sagte sie das?“ – „Zu Lucia und mir, Francisco hörte nichts.“

Was nun das Interview mit Lucia am selben Abend betrifft, so ist die entsprechende Stelle gestrichen worden. Auf die Frage, was Maria ihr kurz vor dem Beginn des Sonnenwunders mitgeteilt habe, antwortete die Seherin demzufolge (S. 199):

„Sie sagte, wir sollen unser Leben bessern und unseren Herrn  nicht mehr beleidigen, der sei schon so viel beleidigt worden und daß wir täglich den Rosenkranz beten und um Verzeihung unserer Sünden bitten sollen.“

In Wirklichkeit geht es an dieser Stelle in Dr. Formigaos Protokoll wie folgt weiter: „….daß der Krieg heute aufhören werde und daß wir unsere Soldaten sehr bald erwarten sollen.“

„Ernsthafte Zweifel an der Echtheit“

Nachdem der Krieg an diesem Tag des Sonnentanzes keineswegs zu Ende ging (sondern erst im nächsten Jahr), fragte Dr. Formigao die Seherkinder am 19. Oktober 1917 noch einmal. Dieses Protokoll wird in dem erwähnten Buch ab S. 205 wiedergegeben. 0022

Eingangs heißt es: „Am 13. Oktober sagten beide, Lucia wie auch Jacinta, daß sie aus dem Mund der Seligen Junfrau die Worte „Der Krieg wird heute zu Ende gehen“ gehört hatten.“ – Der Verfasser dieses Pro-Fatima-Buches räumt ein: „Diese Aussage der Seher konnte ernsthafte Zweifel an der Echtheit der Erscheinungen hervorrufen“.

Daher habe sich Dr. Formigao am 19. Oktober zu den Kindern aufgemacht, um sie erneut zu befragen.

Jacinta reagierte eher ausweichend („sie sagte, der Krieg würde zu Ende gehen“) und verwies auf Lucia, weil diese die Erscheinung besser verstanden habe. Lucia hingegen blieb subjektiv aufrichtig und beharrte zweimal auf ihrer Version („Ich weiß nur, daß ich sie sagen hörte, der Krieg gehe an diesem Tag zu Ende“), wobei bereits klar war, daß diese Ankündigung falsch war.

„Widersprüchliche oder unklare Aussagen“

Abschließend schreibt Pater Joao de Marchi, der Buchautor, trotz seiner sonstigen Fatima-Anhänglichkeit folgendes dazu: „Wie man sieht, handelt es sich bei der Frage, das Ende des Krieges betreffend, um widersprüchliche oder unklare Aussagen.“

Auf S. 211 schildert der Verfasser noch die kirchenamtliche Befragung der Untersuchungskommission vom 8. Juli 1924. Auch dort habe Lucia  – ca sieben Jahre nach dem Ereignis – daran festgehalten, daß die Madonna betreff des Kriegsendes von „heute“ gesprochen habe. 

Zugleich erwähnte sie damals eine ganz neue Variante hinsichtlich ihrer Cousine Jacinta, denn diese habe ihr „später“ gesagt, die Gottesmutter habe am 13. Oktober 1917 folgendes mitgeteilt: „Die Menschen müssen sich bekehren, der Krieg wird innerhalb eines Jahres zu Ende gehen.“ 

Diese Version taucht allerdings in den drei diesbezüglichen Gesprächen von Dr. Formigao mit Jacinta überhaupt nicht auf. Dort hat beim ersten Mal „heute“ gesagt, dann beim zweiten Interview (wie bereits erwähnt) verunsichert auf Lucia verwiesen, beim dritten Mal (am 2. November 1917) plötzlich wieder eindeutig „heute“ gesagt (vgl. S. 213).   Titel

Vom schwierigen Umgang mit einer Schwierigkeit

Im Fatima-Schrifttum wird das offensichtliche Problem größtenteils auf zweifache Weise umgangen:

Teilweise bleibt diese HEUTE-Aussage einfach unerwähnt, so etwa in dem weitverbreiteten Buch „Rom – Moskau – Fatima“ von Pater Dr. Otto Bohr. Dort werden die Ereignisse des 13. Oktober 1917 zwar auf 14 Seiten breit geschildert, dieser Satz aber ausgelassen.

Neben Kürzungen gibt es unrichtige Darstellungen, die da lauten: „Der Krieg geht seinem Ende entgegen“ (das wäre ohnehin eine banale Aussage des Himmels, zumal jeder Krieg mal seinem Ende entgegengeht)  – oder „Der Krieg geht bald seinem Ende entgegen.“

Eine weitere Variante, diese Schwierigkeiten zu umgehen, besteht darin, sie in eine Wenn-Dann-Prophetie umzuwanden.  So heißt es in dem vom Clarentinerpater Abilio Ribeiro verfaßten Buch „Fatima  – Botschaft und Weihe“ auf S. 22: „Wenn die Menschen sich bessern, wird der Krieg heute noch zu Ende gehen.“  –  Es ist zwar hier zutreffend das Wort „heute“ erwähnt, aber eine ursprünglich nicht vorhandene WENN-Einschränkung vorgenommen: „Wenn die Menschen sich bessern…“Buch

Eine gewisse Glättung der Problematik wird auch darin erkennbar, bei diesem Thema nicht mehr wörtlich zu zitieren, sondern auf eine indirekte Schreibweise umzusteigen, so zB. in dem bekannten Buch „Fatima und Pius XII.“, das der katholische Verlagsleiter Johannes M. Höcht verfaßte. Dort kann man lesen: „Der Krieg gehe dem Ende entgegen.“ (S. 75)

Prof. Fonseca verbannt das Problem in Fußnoten

Das bekannteste Fatima-Buch ist wohl der Klassiker „Maria spricht zur Welt“ von Prof. Dr. Gonzaga de Fonseca.

Er schreibt in der 18. Auflage hierzu auf S. 91 hinsichtlich der Äußerungen Lucias betr. dieser Marienbotschaft: „Sie fügte hinzu, der Krieg gehe dem Ende entgegen und die Soldaten würden bald heimkehren.“Fatima

Allerdings wird immerhin in einer Fußnote erwähnt, Lucia und Jacinta hätten bei verschiedenen Befragungen geäußert, die Madonna habe gesagt: „Der Krieg wird heute zu Ende gehen….“ (Es wird danach gleichwohl versucht, diese Aussagen zu relativieren.)

In dem 1975 erschienenen Buch „Schwester Lucia spricht über Fatima“ berichtet die Seherin selbst auf S. 158 über die Ereignisse des 13. Oktobers. Dort wird die Marienbotschaft von ihr wie folgt zitiert:

„Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll; ich bin unsere Liebe Frau vom Rosenkranz; man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten. Der Krieg geht zu Ende und die Soldaten werden in Kürze nachhause zurückkehren.“

Tatsache ist also: Die Hauptseherin Lucia beharrte jahrelang bis 1924 auf dem Wort HEUTE  –  und erst Ende der 30er Jahre, als sie für den damaligen Bischof eine Niederschrift über die Fatima-Ereignisse anfertigte, kehrte sie diesen Ausdruck unter den Tisch.

Abschließend eine Bemerkung zur  –  ebenfalls von Lucia erzählten  –  Marienbotschaft vom 13. Oktober 1917, dem Tag des Sonnenwunders: „Sie sagte, wir sollen unser Leben bessern und unseren Herrn  nicht mehr beleidigen, der sei schon so viel beleidigt worden und daß wir täglich den Rosenkranz beten und um Verzeihung unserer Sünden bitten sollen.“ 

Schön und gut, aber warum ist hier nicht von der Beichte die Rede? Wäre das nicht sehr passend?  –  Natürlich ist der Rosenkranz ratsam und die Reue bzw. Bitte um Verzeihung unentbehrlich. Das ändert nichts daran, daß das Sakrament der Buße bei schweren Sünden notwendig und bei läßlichen Sünden sehr empfehlenswert ist.

WEITERE ARTIKEL zum Thema Fatima, Sonnenwunder usw. hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/fatima-und-thema-sonnenwunder/

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Frankreich: Führender Imam zurückgetreten – Hocine Drouiche gibt nach Nizza-Terror auf

Von Felizitas Küble

Hocine Drouiche, der Imam von Nimes in Frankreich, ruft Muslime schon seit einigen Jahren dazu auf, europäische Werte zu akzeptieren und gegen die Christenverfolgung in islamischen Staaten zu protestieren.Asianews

Zudem lehnt er Judenhaß ab –  und trotz deutlicher Kritik an Israel wegen des Palästinenserproblems weist er zugleich darauf hin, daß im jüdischen Staat über eine Million arabischer Muslime friedlich und unbehelligt leben können (diese Israelo-Araber sind israelische Staatsbürger arabischer Herkunft).

Nach dem Nizza-Attentat ist dieser islamische Geistliche (siehe Foto), der sich für eine Mäßigung seiner Religion einsetzt und den sog. „politischen Islam“ ablehnt, von seinem Amt als Vizepräsident der Imam-Konferenz Frankreichs zurückgetreten.

Es sei inzwischen „schwer“ geworden, so begründete er seinen Schritt, „den Islam vom Islamismus zu unterscheiden.“  – Er forderte zugleich die Muslime dazu auf, in den Moscheen über diesen Terroranschlag zu sprechen „und nicht über Dinge, die damit nichts zu tun haben“.

Bereits im Vorjahr hatte dieser hochrangige muslimische Repräsentant davor gewarnt, daß es Extremisten gelungen sei, in die europäische islamische Gemeinschaft einzudringen. Er führte dies auf einen mangelnden Einsatz für Frieden und europäische Werte in den eigenen Reihen zurück. Immer mehr Muslime würden einem irrationalen Haß auf den Westen verfallen, auf Christen und Juden zumal, beklagte der Imam.

Wie die christliche Nachrichtenseite „Asianews“ seinerzeit berichtet, hat sich Hocine Drouiche am 1. Juli 2015 in einer Rede vor dem europäischen Parlament während einer Sitzung zum Thema „Christenverfolgung in aller Welt“ scharf von jedem Radikalismus innerhalb des Islam distanziert.

Er mahnte eine interne Selbstprüfung unter Muslimen an und verlangte von ihnen, nicht allein den Koran zu akzeptieren, sondern auch die Vernunft und die europäischen Werte. 131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Wenn dies nicht gelinge, müsse mit einer islamfeindlichen Welle gerechnet werden. Auch deshalb sei es im Interesse der Muslime, sich zu den Grundsätzen der Religions- und Gewissensfreiheit zu bekennen, die Menschenrechte und die Gleichberechtigung der Frauen zu akzeptieren  – und so einen „europäischen Islam“ zu praktizieren. Das Nahostproblem sei ebenfalls im Geiste der Verständigung und ohne Judenhaß zu lösen, zumal dies auch im wohlverstandenen Interesse der Palästinenser sei.

Da Europa den Muslimen freie Religionsausübung gewähre, müßten dies die islamischen Staaten auch gegenüber Christen und Juden praktizieren, verlangte der Imam in seiner bemerkenswerten Ansprache.

Außerdem erwähnte er dabei den Respekt, den der Koran gegenüber Maria, der Mutter Jesu, hegen würde –  und auch gegenüber Jesus als einem Propheten. Der Imam zitierte ausführlich die lobenden Worte über Jesus und Maria im Koran – und betonte, es gäbe neben dem Trennendem durchaus auch theologische Gemeinsamkeiten mit den Christen.

Nun hat dieser führende Imam gleichsam „das Handtuch geworfen“, der Schock von Nizza sitzt offenbar zu tief.

Die erwähnte Imam-Rede im Wortlaut auf Asianews (englisch): http://www.asianews.it/news-en/For-N%C3%AEmes-imam,-the-Islamic-State-group-kills-Christians,-but-also-threatens-Islam-in-Europe-34735.html

Foto: Asianews

 

 


Regensburg: Tagung und Ausstellung zum 800-jährigen Bestehen des Dominikanerordens

Bericht zur Tagung „Mehr als Schwarz & Weiß“:

Regensburg als unerschöpflicher Ort des Miteinanders von Glaube und Kultur war – einmal mehr! – besonders während der Tagung „Mehr als Schwarz & Weiß“ zu erfahren, die am 18. Juni dort in der Minoritenkirche stattgefunden hat. GT2B5417

Die Tagung war eingebettet in die zentrale Ausstellung anlässlich des 800-jährigen Bestehens des Dominikanerordens, die derzeit in der Dominikanerkirche St. Blasius zu besuchen ist. Die Ausstellung ist deutschlandweit zentral.

BILD: Teilnehmer der Tagung zur Dominikanergeschichte

Veranstalter der Tagung waren das Akademische Forum Albertus magnus in Regensburg sowie die Katholische Akademie in Bayern.

Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor der Akademischen Forums, nannte die Kooperation mit der Katholischen Akademie in München „Freude und Auszeichnung zugleich“. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer fungierte als Schirmherr der Tagung, wie er auch Schirmherr der Ausstellung ist.

Vom Sinn der „Biblia pauperum“ 

Außerdem hielt er den ersten Vortrag der auch in ihrer Zusammenstellung einmaligen Tagung.

„Biblia pauperum – Bibel der armen Bettelmönche?“   – so lautete dazu das Thema, wobei der Regensburger Oberhirte über die typologische Schriftauslegung als Predigtgrundlage im Ringen mit den Katharern sprach. Dabei wies er die Vorstellung von der Biblia pauperum („Bibel der Armen“) als gemalte Bibel zurück, die für Menschen gemacht wäre, die nicht lesen können. Vielmehr stellte der Bischof Auszüge aus einer bebilderten Heiligen Schrift vor, die das Alte Testament und das Neue Testament miteinander verknüpfen. polskaweb

Gnostisch inspirierte bzw. sektiererische Bewegungen des Hochmittelalters in Südfrankreich, gegen welche die Dominikaner Seelsorge betrieben und predigten, hatten die Schriften des Alten Bundes hingegen ausgeschlossen, vor allem die Katharer.

Ob nun die „Biblia pauperum“ die Bibel der (armen) Bettelmönche – darunter insbesondere Dominikaner und Franziskaner – meinte, wäre nun wohl nicht uneingeschränkt zu bejahen. Allerdings sei die These Alfred Weckwerths nicht auszuschließen, der annimmt, dass die Biblia pauperum ihre Entstehung der Bekämpfung der Katharer sowie weiterer sektiererischer Gruppen verdankt.

Bedeutung der SchöpfungstheologieborMedia1847901

Dabei sei man schließlich, so Bischof Dr. Voderholzer, auf der richtigen Fährte, um die Inhalte zu bezeichnen, die die ersten Predigten des Dominikus bzw. der Dominikaner prägten. Von hier aus spannte der Bischof den theologisch einsichtigen Bogen zur Bedeutung der Schöpfung sowie der Schöpfungstheologie, wie im Anfang des Buches Genesis grundgelegt, bei den Dominikanern.v

Deren Albertus magnus, von 1260 bis 1262 Bischof von Regensburg, hatte sich der Beschreibung der Schöpfung durch die Naturbetrachtung verschrieben. Thomas von Aquin mit einem Epitheton zu versehen hätte nahegelegt, ihn „Thomas vom Schöpfer“ – Thomas a Creatore – zu nennen.

Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid vermittelte in der Folge zentrale Einsichten zur Bettelordens-Architektur der Gotik in Regensburg – anhand der Minoritenkirche St. Salvator (wo das Symposium tagte) und anhand der Dominikanerkirche St. Blasius, deren beide Westfassaden, miteinander verglichen, die Bauten als „geschwisterlich“ erschienen ließen.

Zur Architektur der Bettelorden: „Gebaute Armut“

Diese Bauwerke seien nicht dazu angetan, um am Wetteifern um den höchsten Turm in Regensburg teilzunehmen. Bemerkenswert in beiden Bauten außerdem die Zitate aus der französischen Kathedral-Architektur, die demnach aus Reims und Chartres „abgerufen“ worden sind. Prof. Dittscheid sprach beeindruckend von „gebauter Armut“, um Regensburgs Bettelordensarchitektur zu charakterisieren.

Weitere Themen waren das „Ketzerproblem“ in der frühen Geschichte des Dominikanerordens (Prof. Dr. Jörg Oberste, Regensburg), die Dominikaner in Auseinandersetzung mit Judentum, Islam und anderen Kulturen (P. Elias H. Füllenbach OP, Köln), die Auseinandersetzung der Dominikaner mit der Reformation („Vom Theologenstreit zum Überlebenskampf“, Prof. Dr. Klaus Unterburger, Regensburg), der Auftrag des Dominikanerordens heute (P. Thomas G. Brogl OP, Provinzial der Dominikaner in Süddeutschland und Österreich, Wien) sowie der liturgische Gesang bei den Dominikanern (Prof. Dr. David Hiley, Regensburg). jesus in der synagoge von nazareth

Prof. Bonk bemerkte über die Tagung in trefflicher Weise, sie sei eine „wunderbare Einheit von Ort und Wort“.

Am Ende ging man – so ein Wort Bischof Voderholzers – „vom Wort zur Tat“ und feierte die Vesper in St. Kassian Regensburg. Die Gregorianik sangen Studenten der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg unter der Leitung von Rudolf Fischer.

In seiner Predigt spann Dr. Voderholzer erneut kunstvoll die theologischen Fäden von der Ordensgemeinschaft der Predigerbrüder über die marianische Spiritualität sowie überhaupt mariologische Zusammenhänge hin nach St. Kassian, wo an der Nord- und an der Südinnenwand ein „einzigartiges mariologisches Programm“ zu betrachten ist, und zwar im Rückgriff auf typologische Zusammenhänge Mariens im Alten und im Neuen Testament.

Immerhin eignet dem Predigerorden selbst ein „starkes mariologisches Moment“, wusste der Bischof, der auf Rosenkranz, Schutzmantelmotiv und die tiefe Verehrung des Ave Maria sowie des Salve Regina verwies. Außerdem hatte Papst Pius V. (1566 – 72), der ursprünglich ein Dominikaner war, den Angelus (Engel-des-HERRN-Gebet) eingeführt.

Bei diesen Ausführungen in der Predigt ging es leitmotivisch um Schönheit und Wahrheit. So drückte der Regensburger Oberhirte abschließend den Teilnehmern der Tagung gegenüber den Wunsch aus: „Mögen Sie von diesem Tag eine Resonanz in Sachen Heiligkeit und Schönheit mitnehmen.“

Text sowie Foto 1 und 3: Bistum Regensburg


Das Bistum Regensburg veranstaltet zu Pfingsten die 187. Fußwallfahrt nach Altötting

Seit dem Jahr 1830 existiert die Fußwallfahrt von Regensburg zur Gnadenmutter von Altötting. 8000 Fußwallfahrer aus dem Bistum Regensburg sowie aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen Ländern werden am Pfingstsamstag, dem 14. Mai 2016 um ca. 9:30 Uhr in Altötting einziehen. borMedia1840101

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto) wird beim Abmarsch in Regensburg den Segen erteilen und sich selbst in den Pilgerzug mit einreihen und die erste Etappe mitgehen.

Am Pfingstsamstag wird zum ersten Mal Weihbischof Dr. Josef Graf den festlichen Abschlussgottesdienst mit den mitpilgernden Priestern und Diakonen in der St.-Anna-Basilika feiern. Alle Pilger werden durch die Heilige Pforte der Barmherzigkeit in die Basilika einziehen. Am Ende des Gottesdienstes kann der Einzelsegen empfangen werden. 

Abmarsch in Regensburg
Die Regensburger Diözesanfußwallfahrt nach Altötting, eine der größten Fußwallfahrten Europas, beginnt am Donnerstag, den 12. Mai 2016 um 7:15 Uhr mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Albertus Magnus in Regensburg (Schwabenstraße 2 in 93053 Regensburg). Von hier zieht ab 8 Uhr der Pilgerzug aus der Domstadt aus. An der Wallfahrt kann jeder teilnehmen, der in christlich-religiöser Gesinnung mitpilgern möchte.
 .
Shuttle vom Hauptbahnhof
In der Zeit von 6:45 Uhr bis 7:45 Uhr werden vom Hauptbahnhof Regensburg Sonderbusse eingesetzt, um die ankommenden Pilger zur Kirche St. Albertus Magnus  zu bringen.
.
Sonderzüge in Mangolding
Die ersten Rast-Orte für die Pilger sind Mangolding und Sünching. Hier werden zur Beförderung der Pilger zwei Sonderzüge eingesetzt. Ab Sünching verläuft die Wallfahrt zeitlich wieder wie bisher. Die Pilger werden deshalb schon im Vorfeld darauf hingewiesen, sich die Fahrkarten für die Bahnfahrt von Mangolding nach Sünching vor Beginn der Wallfahrt in der Nähe der Kirche St. Albertus Magnus an den gekennzeichneten Verkaufsstellen zu besorgen.media-374158-2
 .
Nachtquartiere für die Pilger
Jeder Pilger erhält ein Quartier für die Übernachtung (8000 Übernachtungen sind vorbereitet!). Am ersten Tag sind die Quartiere auf 20 Orte, am zweiten Tag auf 12 Orte verteilt. Pilger, die am ersten Tag nicht in Mengkofen und am zweiten Tag nicht in Massing übernachten, benötigen einen Quartierschein für einen naheliegenden Ort. Dieser Quartierschein ist im mitfahrenden Bürowagen erhältlich. Die Pilger werden mit Omnibussen in die Übernachtungsorte gefahren und zum Ausgangspunkt des Pilgerzuges zurückgebracht.
 .
Polizei, Rotes Kreuz und Ärzte helfen mit
Beamte des Polizeipräsidiums Oberpfalz – Niederbayern – Oberbayern begleiten den gesamten Pilgerweg. Das Bayerische Rote Kreuz begleitet den Pilgerzug mit 14 Sanitätsfahrzeugen, 2 Rettungswägen und ca. 60 Rotkreuzhelfern. Darüber hinaus wird vom BRK an den Rastorten kostenlos Tee ausgegeben. Für die ärztliche Betreuung der Pilger stehen während der gesamten Wallfahrt 6 Ärzte bereit.
.
Transport des GepäcksiMA00397101
Das Pilgergepäck wird von ca. 60 extra gekennzeichneten Begleitfahrzeugen transportiert. Nur diese Begleitfahrzeuge werden von der Polizei und von der Pilgerleitung akzeptiert und genießen den Sonderstatus der für sie extra reservierten Parkplätze an den Rastorten. An 16 Stationen werden jeweils 2 WC-Wägen mit insgesamt 20 Kabinen abgestellt. Die örtlichen Feuerwehren übernehmen jeweils die Versorgung dieser WC-Wägen mit Wasser.
.
Rücktransport am Samstag
Für die Rückfahrt am Samstag bietet die Pilgerleitung Busse, welche am Bahnhof in Altötting über Regensburg nach Weiden mit Haltestellen Schwandorf – Schwarzenfeld – Nabburg – Pfreimd – Wernberg und Weiden an. Abfahrt ist um 14 Uhr am Bahnhof in Altötting. Für alle Pilger, die erst am Pfingstsonntag zurückfahren, werden Busse nach Regensburg und Weiden eingesetzt. Vorherige Anmeldung zur Teilnahme an der Regensburger Diözesanfußwallfahrt ist aufgrund der umfangreichen Organisation nicht erforderlich.
.
Weitere Infos
Jeder Pilger erhält kostenlos ein Informationsblatt und ein Pilgerzeichen. Die Pilger können während der Wallfahrt bei etwa 15 Priestern beichten, die am Ende der Prozession gehen. 40 Doppel-Lautsprecher werden in entsprechenden Abständen von Pilgern mitgetragen. 30 Ordner bemühen sich um einen reibungslosen Ablauf des Geschehens. CB–Funker sorgen an den Übernachtungsorten für eine rasche Unterbringung der Teilnehmer in die Quartiere.
.
Direkter Draht zum Pilgerführer
Auskünfte erteilt Pilgerführer Bernhard Meiler, Frühlingstr. 4 in 92706 Oberwildenau,
Tel.: (0 96 07) 699, Fax: (0 96 07) 84 05 oder im Internet unter www.regensburger-fusswallfahrt.de
Motto der 187. Wallfahrt nach Altötting
Als Motto für unsere Pilgerreise gilt diesmal der Anfang des Salve Regina: „Sei gegrüßt, Mutter der Barmherzigkeit!“  – Das Pilgerzeichen wurder in Entsprechung zum offiziellen Motiv des Heiligen Jahres gestaltet. Die Organisatoren möchten damit deutlich machen, dass der Weg zu unserer lieben Frau von Altötting immer auch ein Weg zu Christus selber ist. Die Pilger bitten die Mutter um ihre Fürsprache und Zuwendung und finden hin zu ihrem Sohn, der alle am Ende ihres Pilgerweges in Altötting die „Pforte der Barmherzigkeit“ öffnet  –  ein Zeichen dafür, dass uns sein Erbarmen und seine Liebe geschenkt ist in allen unseren Anliegen und Sorgen, die wir im Gebet und Gesang entlang des Weges vor IHN bringen.

Quelle: Bistum Regensburg


Medjugorje: Neue Monatsbotschaft an Marija mit Lob- und Schauermeldungen

Von Felizitas Küble

Bereits seit dem 24. Juni 1981 erscheint angeblich die Madonna in der Pfarrei Medjugorje einigen „Seherkindern“, die natürlich inzwischen längst erwachsen und zumeist verheiratet sind und eine eigene Familie gründeten. Diese Privatoffenbarungen mtcarmelpic1 in Bosnien-Herzegowina werden vom zuständigen katholischen Bischof seit jeher öffentlich als unecht abgelehnt, was jedoch den Medju-Fanclub nicht weiter stört.

Die Visionärin Marija Pavlovic-Lunetti erhält sogar tägliche Besuche der „Königin des Friedens“, dort als „Gospa“ bezeichnet. Stets am 25. Tag eines jeden Monats empfängt sie von der Erscheinungs-„Maria“ zudem eine Botschaft, die   – so lautet die Meldung aus Medjugorje  – „in besonderer Weise an die ganze Welt gerichtet ist“.

Die Monatsbotschaft vom 25. April 2016 lautet folgendermaßen:

„Liebe Kinder! Mein Unbeflecktes Herz blutet während ich euch in Sünde und sündhaften Gewohnheiten anschaue. Ich rufe euch auf, kehrt zu Gott und dem Gebet zurück, dass es euch gut ergehe auf Erden. Gott ruft euch durch mich, dass eure Herzen Hoffnung und Freude seien für all jene, die fern sind.

Mein Ruf möge euch Balsam für die Seele und das Herz sein, damit ihr Gott, den Schöpfer, der euch liebt und zur Ewigkeit aufruft, verherrlicht. Meine lieben Kinder, das Leben ist kurz; ihr, nutzt diese Zeit aus, um Gutes zu tun. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!“

Dazu einige Hinweise: Foto: Dr. Bernd F. Pelz

  1. Trotz täglicher (!) Besuche der „Himmelskönigin“ im Laufe von immerhin fast 35 Jahren scheint es mit den (Seher-)“Kindern“ schlimm auszusehen, bestätigt sie ihnen doch „Sünde und sündhafte Gewohnheiten“  –  wobei die Grammatik des Satzes zudem auch den Schluß zuließe, die Erscheinungsmadonna selber befände sich „in Sünde und sündhaften Gewohnheiten“. Wir gehen aber davon aus, daß das Visions-Phantom sich lediglich sprachlich nicht ganz auf der Höhe befindet und sich keinesegs selbst anklagen wollte.
  2. Die „Gospa“ appelliert an ihre „Kinder“, sie sollen zu Gott und dem Gebet „zurückkehren“ – also haben sie sich offenbar zwischenzeitlich von beidem entfernt? – Die Umkehr soll bezwecken, so heißt es weiter, „dass es euch gut ergehe auf Erden“.  Ist unser einstiges Wohlergehen in Reiche Gottes nicht weitaus wichtiger?
  3. Zudem ruft uns Gott nicht „zur Ewigkeit auf“, denn diese ist ohnehin vorhanden. Auch die Hölle befindet sich schließlich im Jenseits. Gott ruft uns vielmehr in die ewige Seligkeit, also in den Himmel.
  4. Am Schluß wird das Gegenteil von dem erzählt, was zu Beginn der „Botschaft“ gesagt wird. Jetzt werden die „Kinder“ gelobt, weil sie dem Ruf der Madonna gefolgt seien. Offenbar leidet diese Erscheinungsmaria an Gedächtnisstörungen.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

2. Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Visionärer „Rosenkranz zum Jesuskind“: Herkunft unklar, Inhalt fraglich bis unsinnig

Von Felizitas Küble

Während der klassische, seit Jahrhunderten bewährte Psalter (der freudenreiche, schmerzhafte und glorreiche Rosenkranz) die biblisch grundgelegten Glaubensgeheimnisse in den Mittelpunkt des Gebetes rückt, handelt es sich bei den Extra-Rosenkränzen  –  die meist auf angebliche „Visionen“ zurückgehen  –  in der Regel um fromme Verse und Anmutungen, die zwar nicht direkt unrichtig sind, aber reichlich kindlich bis fraglich; in keinem einzigen Fall erreichen sie die gehaltvolle Qualität des überlieferten Schneeflocke-DSC_0409-3Rosenkranzes.  

Ein Beispiel dafür ist auch der sogenannte „Rosenkranz zum Jesuskind“ (nicht zu verwechseln mit dem weitaus älteren Jesuskind-Rosenkranz im Zusammenhang mit der Verehrung des Prager Jesuleins).

Hier wird diese Andacht beispielsweise propagiert: http://www.rosenkranzgebete.de/jesus/rosenkranz-zum-jesuskind/herkunft-des-rosenkranzes/index.php

Dieser „Rosenkranz zum Jesuskind“ geht auf eine Sonderbotschaft zurück, wobei die visionäre Person namentlich nicht erwähnt wird. Dies allein macht schon stutzig.

Es heißt dann weiter: „Die allerheiligste Jungfrau Maria gibt diesem Rosenkranz ein Privileg:  Wer auch immer ihn in irgendeinem Bedürfnis beten wird, wird schnell erhört werden.“

Verstiegene Zusagen und Versprechungen

Diese „Verheißung“ ist nicht nur reichlich gewagt, schlichtweg verstiegen, zumal von „irgendeinem Bedürfnis“ die Rede ist. Der allmächtige Gott läßt sich nicht durch eine bestimmte Formel oder einen Sonder-Rosenkranz gleichsam zur Gebetserhöhrung „zwingen“.

Daran ändert auch folgende Hinzufügung nichts: „Das Jesuskind wirkt schnell und unverzüglich.  Nichts verweigert der himmlische Vater dem göttlichen Kind.“  – Gerade Christus selbst lehrt uns doch im Vaterunser die Bitte: „Dein Wille geschehe!“  – Gottes Wille möge also geschehen, nicht der unsrige (auch nicht unter einem scheinbar „frommen“ Mäntelchen).

Zudem heißt es, das Jesuskind habe der visionären Person gesagt: Um was du auch immer bitten wirst, werde ich dir geben – wirst du erhalten. Merke es dir!“

Abgesehen davon, daß Gott sich nicht zu widerholen braucht („werde ich dir geben, wirst du erhalten“), entspricht auch diese Zusage nicht der Haltung, wie sie Christus gelehrt und vor seinem Leiden und Sterben selber vorgelebt („Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“) hat.christus

Falschmystisches Verdrängungsprinzip

Statt der freudenreichen, schmerzhaften oder glorreichen Glaubensgeheimnisse, die wir beim „normalen“ Rosenkranz beten, soll hier die folgende Formel gesprochen werden:

„Jesuleins Herz, geboren aus der allerheiligsten Jungfrau Maria im Bethlehems Stall – segne die ganze Menschheit, erneuere ihre Herzen, umstrahle die Familien, lehre sie Gott lieben.“

Abgesehen davon, daß die Gottesmutter nicht allein „Jesuleins Herz“, sondern den ganzen Christus geboren hat, fragt man sich, warum die Gebetsbitten theologisch eher nebensächlich sind:

„Erneuere ihre Herzen“: Welche Herzen? Etwa die der „ganzen Menschheit“?

Was heißt sodann: „Umstrahle“ die Familien?  – Und warum sollen allein die Familien „Gott lieben“? 

Weshalb ist hier nirgends von Erlösung die Rede? Das wichtigste Heilsgeschehen durch Christus ist nicht der Segen oder die „Herzenserneuerung“, auch nicht das „Umstrahlen“ der Familien, sondern die Rettung der Menschen aus ihrer Verlorenheit.   media-390606-2 - Kopie

Wie so oft bei fromm klingenden  „visionären“ Botschaften wird also das Wesentliche, das Entscheidende durch etwas weniger Wichtiges oder gar Fragwürdiges  v  e  r d r ä n g t  (falschmystisches Verdrängungsprinzip).

Die angeblich „begnadete“ Person, welche diesen Extra-Rosenkranz angeblich von „oben“ erhielt, berichtet außerdem, daß der „ganze Himmel“ diesen Rosenkranz ebenfalls bete, ja sogar folgendes wird geschildert: „Das Jesuskind kniete in der Luft nieder, faltete die Händchen zum Gebet und betete zusammen mit mir den Rosenkranz.“

Dies ist offensichtlich blühender Unfug, zumal auch das Vaterunser zum Rosenkranz gehört; der Gott-Mensch hat es natürlich nicht selber gebetet, sondern seine Jünger aufgefordert: „So sollt ihr beten!“  – Wie sollte denn Christus z.B. sagen: „Vergib uns unsere Schuld“ oder „Und erlöse uns von dem Bösen“.  – ER bedarf ja keiner Erlösung, sondern ER ist selber der Erlöser.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Predigt von P. Bernward Deneke zum Tod des katholischen Philosophen Walter Hoeres

Beim Requiem (Totenmesse) für Prof. Dr. Walter Hoeres (siehe Foto) am Dienstag, den 26. Januar 2016, hielt Pater Bernward Deneke von der Priesterbruderschaft St. Petrus eine gehaltvolle Predigt in der Deutschordenskirche in Frankfurt-Sachsenhausen, die wir hier mit seiner freundlichen Erlaubnis dokumentieren:

Liebe Frau Hoeres, liebe Kinder und Enkelkinder unseres Verstorbenen, liebe hochwürdige Mitbrüder, liebe Verwandte, Freunde und Bekannte, liebe Trauergemeinde! 2
 
Unvergesslich ist mir ein Tag im Jahr 1984. Damals hörte ich eine Kassette, die mir, einem Gymnasiasten mit aufkeimendem Interesse an allem, was Glaube, was katholisches und kirchliches Leben betrifft, eine freundliche Dame aus der Pfarrei gegeben hatte – gewiss nicht ohne Hintergedanken gegeben hatte.
 .
Auf dem Tonband war der Vortrag eines mir bis dato völlig unbekannten Autors zu hören: „Abschied von Plato“. Eine ruhige, sonore Stimme erklärte, wie das große Erbe der antiken Philosophie, namentlich des Plato und des Aristoteles, mit der göttlichen Offenbarung eine Symbiose gebildet und das christliche Abendland geformt und geprägt habe.
 .
Die Gesamtschau war überzeugend und herrlich. Nur hatte sie mit dem, was ein junger, praktizierender Katholik in den Kirchen erlebte, herzlich wenig zu tun. Daher war das, was auf der Kassette über die Zerstörung dieser Synthese gesagt und beklagt wurde, für mich evident richtig. Zum ersten Mal vernahm ich da etwas über die nachkonziliare Krise der Kirche, über progressistische Theologie, über die Leugnung der Seele und den verdiesseitigten Gottesdienst.
Ich hörte die Kassette immer wieder an, mit immer größerer Zustimmung. Und es entstand auch der Wunsch, jenen „Prof. Dr. Walter Hoeres“, der als Verfasser angegeben war, kennenzulernen.
 
Von der Zeit dieser ersten Begegnung trennen uns nun über 30 Jahre. Heute wird der Leichnam des Mannes zu Grabe getragen, der unentwegt von der menschlichen Geistseele und ihrer Bestimmung sprach und schrieb – zuletzt in seinem Buch „Die Sehnsucht nach der Anschauung Gottes“.
P1020947 - Kopie.
Dabei hat gerade er niemals unterschlagen, dass wir sündigen Menschen das himmlische Ziel nicht automatisch erreichen. Sein Artikel „Wiederkehr des Pelagianismus“ über die falsche Heilsgewissheit, der kurz nach seinem Tod in der „Kirchlichen Umschau“ erschien, kritisiert deutlich die praesumptio, diese  –  so Hoeres wörtlich  –  „Untugend der Vermessenheit“ und „dreiste Vorwegnahme des Heils“, die in der „bewußte(n) Leugnung der heiligen und unter Umständen auch strafenden Gerechtigkeit“ Gottes liegt.
 .
Wir täten dem Verstorbenen also keinen Dienst, wollten wir diese ernste Wahrheit ausklammern. Und doch sind wir, liebe Trauergemeinde, von der christlichen Hoffnung erfüllt, dass seine Seele, die Seele eines treu- und tiefgläubigen Katholiken, eines liebenden Ehemannes, Vaters und Großvaters, eines guten Freundes vieler, die Seele eines Kämpfers für Gott, für seine Wahrheit und sein Reich, zu der ersehnten beseligenden Anschauung des dreifaltigen Gottes gelangen wird. Darum beten wir. Und dafür bringen wir jetzt dem himmlischen Vater das Opfer seines menschgewordenen Sohnes Jesus Christus dar.
 
Dabei geht unser Blick zurück in die Vergangenheit, in die mit dem Verstorbenen verbrachte Zeit. Erlauben Sie mir noch einige Erinnerungen. Am 22. September 1985 begegnete ich ihm zum ersten Mal persönlich am Rande einer katholischen Glaubenskundgebung in Mainz. 027_24
 .
Ich war zunächst erstaunt, aus seinem Mund eine ganz andere Stimme zu vernehmen als die, die mir von der Kassette her so vertraut und die in Wahrheit die eines Rundfunksprechers war. Was ich nun hörte, hatte einen unverkennbar hessischen Klang. Da ich gerade an einem Schriftenstand jenes Buch erworben hatte, aus dem der Radiovortrag „Abschied von Plato“ stammte  –  „Der Aufstand gegen die Ewigkeit. Die Kirche zwischen Tradition und Selbstzerstörung“ lautet sein Titel  – , konnte ich den Autor um ein Autogramm bitten.
 .
Er schrieb neben sein Bild und über seinen Namen die lateinischen Worte: In perpetuam rei memoriam, „zum steten Gedenken an die Sache“. Was mit „der Sache“ gemeint war und weiterhin gemeint ist, steht außer Zweifel. Es ist das große Anliegen seines Lebens, seines Leidens, seines Kämpfens: die Errettung der Kirche aus einer Situation, die er als Selbstzerstörung kennzeichnete.
 
Walter Hoeres sprach diese „Sache“ immer wieder an, widmete ihr ungezählte Seiten in Büchern, Artikeln, Leserbriefen, schilderte sie in großen geistesgeschichtlichen Zusammenhängen ebenso wie an aktuellen Beispielen, nannte Ross und Reiter beim Namen. Schonungslos realistisch war seine Analyse. Daher erfüllte ihn eine tiefe Abneigung gegenüber allen Versuchen, den Ernst der Lage mit wohlfeilen Floskeln abzuwiegeln: „Es wird schon wieder werden“, „Gott lässt seine Kirche doch nicht im Stich“, „Die Kirche hat sich bisher aus allen Krisen erholt“ und „Es gibt ja auch so viel Gutes“.
Treffend kennzeichnete er die Kirchenvertreter, die so reden, als „Beschwichtigungshofräte“. Es war unserem lieben Verstorbenen wichtig, dass ein derartiger Optimismus nicht mit der wahren Hoffnung verwechselt werde. Diese kann und muss unter gegebenen Umständen die Gestalt einer spes contra spem, einer „Hoffnung gegen jede (menschliche) Hoffnung“, annehmen. Sie ist überdies nicht ein Betäubungsmittel, sondern eine wahrhaft kämpferische Tugend. P1020947
 .
Prof. Hoeres hat  –  bei allem scheinbaren Pessimismus  –  in dieser Hoffnung gelebt. Sie erklärt uns nicht zuletzt, weshalb ihm die beklagenswerten Zustände niemals seinen einzigartigen Humor rauben konnten; einen Humor, der diejenige in Erstaunen versetzte, die ihn nur von seinen Schriften her gekannt hatten und dann persönlich trafen.
Bei den Studenten des Priesterseminars in Wigratzbad, wo der Professor noch bis vor zwei Jahren einen großen Teil der Philosophievorlesungen stemmte, ist denn auch, neben der meisterhaften Fähigkeit plastisch-anschaulichen Erklärens abstrakter und hochkomplexer Sachverhalte, dieser Humor mit seinen hintergründigen, ironischen und schelmischen Facetten weiterhin legendär.

So sehr Walter Hoeres ein Streiter in des Wortes bestem Sinne war, so wenig war er doch ein Mann der hässlichen, rechthaberischen, kleinkarierten Gefechte, hinter deren scheinbarem Einsatz für die Wahrheit sich doch nur Ressentiment und menschlich-allzu-menschliche Befindlichkeiten verbergen.

Ein Buch wie „Der Aufstand gegen die Ewigkeit“ bietet keine chronique scandaleuse der nachkonziliaren Wirren, sondern spricht über die „Welt als Spiegel und Gleichnis“ und als „Widerschein göttlicher Herrlichkeit“, über die „Angleichung an Gott“, über „Erkenntnis als liebende Teilnahme“ und „Wahrheit als Heil“, auch über „Liturgie als Schauspiel“, als „vollkommene Anbetung“ und als „Kontemplation“ (um nur einige Stichworte zu nennen). image001

Allein auf dem Hintergrund dieser katholischen Gesamtschau wird der  –  allerdings entschiedene und kompromisslose  –  Kampf des Verstorbenen verständlich, dieser Kampf für die philosophische Tradition, für die Glaubens- und Sittenlehre, für die überlieferungstreue Liturgie, für die sozialen und politischen Implikationen und Folgerungen des Glaubens – und daher notwendigerweise auch gegen diverse Modephilosophien, gegen die Uminterpretation des Glaubens, gegen die Abschwächung der sittlichen Anforderungen, gegen die Horizontalisierung und Verschandelung des Kultes, gegen Anpassung und Anschluss der Kirche an gesellschaftliche Entwicklungen, die ihrer Sendung diametral entgegengesetzt sind.

Das allzu vordergründige Bild des wortgewaltigen Kritikers darf uns auf keinen Fall den tief- und feinsinnigen Philosophen, den Freund der Weisheit verdecken, der sich auf ausgedehnten, einsamen Wanderungen zugleich auf den „Weg der Anschauung“ (so ein Buchtitel) begab und über „Landschaft zwischen Ästhetik und Metaphysik“ (so der dazugehörige Untertitel) nachdachte.
.
Nicht in Vergessenheit geraten soll sein Bemühen, gegenüber neuzeitlichen, subjektivistisch einengenden Erkenntnistheorien die grenzenlose Offenheit der menschlichen Seele für die Wirklichkeit selbst herauszustellen. Und entgleiten darf uns nicht das Bild des homo religiosus, der nicht nur eindringlich über die Heiligkeit Gottes sprach, sondern ihm auch beständig nahte in Gebet und Betrachtung, in der heiligen Messe und in der Verehrung der Heiligen, allen voran der Gottesmutter; sie rief er vor den Vorlesungen stets mit Anrufungen der (von ihm in lateinischer Sprache auswendig gekonnten) Lauretanischen Litanei an. media-390606-2 - Kopie
 .
Von dem kurzen Rückblick kehren wir zurück in diese Stunde. Den Verlust eines großen Menschen erfahren wir umso schmerzlicher, je mehr und inniger wir mit ihm verbunden waren. Vor allem seine Frau, von der er immer mit so viel Liebe sprach, seine Kinder und Enkelkinder werden das erfahren und bedürfen des Trostes, den Gott durch seine Gnade und auch durch andere Menschen geben will und wird.
.
Mit der Familie verbinden wir alle uns im Gebet für die Seele des Verstorbenen, dass sich für ihn nun die Sehnsucht nach letzter Erfüllung, nach der Anschauung Gottes in liebender Erkenntnis und erkennender Liebe von Angesicht zu Angesicht erfülle. Denn „was kein Auge gesehen, was kein Ohr vernommen und was in keines Menschen Herz gedrungen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“
 
HERR, gib der Seele Deines treuen Dieners Walter Hoeres die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm. HERR, lasse ihn ruhen in Frieden. Amen.
 .
Siehe hierzu auch unseren NACHRUF auf Prof. Hoeres: https://charismatismus.wordpress.com/2016/01/15/wir-trauern-um-einen-freund-und-mitstreiter-prof-dr-walter-hoeres/
Eine seiner letzten öffentlichen Stellungnahmen: https://charismatismus.wordpress.com/2015/10/26/naechstenliebe-kommt-vor-fernstenliebe-zuerst-den-verfolgten-christen-helfen/
 Hoeres-Foto: http://www.spes-unica.de/

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 382 Followern an