Esoterischer „Marienorden“ propagiert Erscheinungen und einen „Rosenkranz für Tiere“

Repräsentiert Maria die „weibliche Seite Gottes“?

Ein selbsternannter „Marienorden“ aus Ingolstadt, der weitaus eher esoterisch als katholisch geprägt ist, beruft sich auf Erscheinungen der „Mutter Gottes“ auf der Burg Raiffershardt in Herchen.

Angeblich habe sich die Madonna  –  so der „Orden der Königin des Himmels“  – mehreren Personen auf besagter Burg im Kreis Windeck  gezeigt und dabei versprochen, Gebete und Bitten an dieser „geweihten Stätte“ zu erhören; inbesondere gelte dies bei Fürbitten für Tiere, zumal wenn diese erkrankt seien.

Außerdem habe die Himmelserscheinung eine Statue ihrer selbst gewünscht und eine Stelle gekennzeichnet, worunter eine wundersame „Heilquelle“ entspringe. Hier solle ein Brunnen gebohrt werden, dessen Wasser für Mensch und Tier hilfreich sei.

Die „Weihe“ der Grotte fand am 22.12.1997 statt, wie der „Marienorden“ mitteilt; er fügt hinzu: „Noch immer berichten Menschen ständig von Erscheinungen, Begegnungen und Heilungen.“  – Genau fünf Jahre später, am 22.12.2002, wurde dann die Heilquelle „feierlich eingeweiht“.

Die „Äbtissin“ des kirchlich nicht anerkannten Marienordens ist Vera von Reumont-Liesegang, wie das Impressum der ordenseigenen Webseite (www.marienorden.de) kundtut.

Maria ist aus Sicht dieser gnostisch angehauchten Gemeinschaft „der Weg, der mich nach innen führt“ und das „Ohr, das meine Seele hört„. Empfohlen wird besonders ein „Rosenkranz für Tiere“.

Unter all jenen Spezial-Rosenkränzen, die auf angebliche Erscheinungen und Visionen zurückgehen, ist dieser Rosenkranz sicherlich etwas ganz Besonderes:

Im zweiten Teil des Ave Maria heißt es statt dem üblichen „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“  –  nunmehr also:

„Heilige Maria, Mutter Gottes, Königin meines Herzens,
hilf uns, mit allen Tieren liebevoll umzugehen
und gib uns die Erkenntnis, daß alles Leben vom Vater kommt.“
 

Von „Sünde“ und „Tod“ ist hier nicht mehr die Rede…

Der Marienorden wird  –  so heißt es  – „von Frauen geführt und gestaltet“, weil dies so „Mariens Wunsch“ sei.

Zudem wird klargestellt: „Wir leben nicht in Klostermauern, auch müssen wir nicht die Armut oder Ehelosigkeit versprechen.“ –  Und wie steht es mit dem Gehorsam, dem dritten Gelübde? Das evtl. wohl doch?  Gegenüber den „Äbtissinnen“?

Unter der Rubrik „Glaube“ schreibt der Marienorden, wie er über die Madonna denkt:

„Wir glauben an die Auserwählung von Maria, die dem Hause David entstammte, den Sohn Gottes auf die Welt zu bringen, damit er der Menschheit die Liebe und das Licht wieder zuteil werden lässt.“

Klingt das  etwa nicht brav-christlich, gar fromm katholisch?

Der Klang trügt: Christus kam durchaus nicht in erster Linie auf die Welt, um uns „die Liebe und das Licht“ zu bringen, sondern Rettung und Erlösung von Sünde, Hölle, Tod und Teufel.

Seine wahre Heilstat wird also durch fromm-anmutende Floskeln verdrängt!

Außerdem verkündet der kuriose Marienorden: „Wir glauben, daß die Mutter Gottes jeden einzelnen Menschen genauso liebt wie ihren Sohn Jesus.“  – 

Was Gott verhüten möge!

Denn es wäre schwer sündhaft, wenn wir Gott nicht über alles lieben, mehr als alle Geschöpfe, auch mehr als unsere Eltern, Kinder, Ehepartner usw.

Da Christus die zweite Person der Gottheit selber ist, wird Maria ihren Sohn sicherlich weitaus mehr lieben als alle Menschen, auch mehr als z.B. ihren heiligen Ehemann Josef.

Die esoterische Basis des Marienordens zeigt sich auch angesichts der Aussage, die Madonna repräsentiere „die Marienkraft, die weibliche Seite Gottes“.

Die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria ist ein Geschöpf des Ewigen und keineswegs eine Art mythischer Repräsentantin der „weiblichen Seite Gottes2, zumal die Gottheit kein Geschlechtswesen, sondern Geist ist:

„Gott ist Geist  –  und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.  (Joh 4,24)

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Foto: Dr. Bernd F. Pelz