S. Caputa, Julius Möhler & Co. erhalten in Walpertskirchen den „Kuss der Madonna“

Von Felizitas Küble

Auf der erscheinungsfixierten Webseite „Herz Mariens“ finden sich reihenweise Zeugnisse von selbsternannten Visionären und „Begnadeten“, die nicht nur von einer Erscheinungsstätte zur anderen laufen, sondern auch selber ein Stelldichein mit der Jungfrau Maria erfahren haben wollen.

So berichtet dort z.B. ein Julius Möhler aus Wertingen (https://herzmariens.ch/Zeugnisse_persoenlich/22.htm) im „Zeugnis Nr. 22“, wie er am 12. September 2015  im bayerischen Walpertskirchen eine „Erscheinung unserer Himmelskönigin“ erlebte.

Dies geschah anläßlich eines Treffens der (aber)gläubigen Anhängerschar des italienischen „Sehers“ Salvatore Caputa. (Unsere ausführliche Kritik an diesen kirchlich abgelehnten Caputa-Erscheinungen siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/04/24/seher-caputa-aus-sizilien-erwartet-am-samstag-auf-dem-schlosberg-von-st-leonhard-in-karnten-wieder-eine-marienerscheinung/)

Der Ort dieser übersinnlichen Geschehnisse war  – so Möhler –  „ein Bauernhof mit einer eigenen Kapelle und einem neu geweihten Gnadenbrunnen“.

Möhler stand nach eigenen Angaben neben der Kapelle, als er um 15,40 Uhr etwas Besonderes erlebte:  „Der Heilige Geist wirkte in mir mit dem Gedanken, unsere Himmelskönigin ist bereits anwesend unter der Menschenmenge!“

Er sah sodann in ca 15 m Entfernung „genau vor der weißen Wand der Garage“ eine gar wunderhübsche Frau mit einem „creamfarbenen Schleier“ und einem  „sandfarbenen Kleid“, deren Blick laut Bericht „unaufhörlich auf mich gerichtet“ war.

Allerdings war dies nicht die erste Vision Möhlers: „In Marpingen hatte ich am 20. Juni 1999 unsere Liebe Frau, unsere aller Mutter Gottes schon einmal gesehen.“

Daß die Kirche bzw. der zuständige Trierer Bischof jene offensichtlich unsinnigen Erscheinungen zu Mapringen  nicht anerkannt hat, ficht die erscheinungsbewegte „Restarmee“ freilich nicht an. Der Autor bezeichnet Maria sodann als „unsere Mitterlöserin-Himmelskönigin Mutter Maria“ (der Ausdruck „Mitterlöserin“ mit zwei „t“ steht im Original). – Näheres über die Causa Marpingen hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/08/07/erschien-die-himmelskonigin-in-marpingen/

Jene angebliche „Himmelskönigin“ hatte sodann  –  wie der wundersüchtige Verfasser weiter schreibt  –  „jeden anwesenden Pilger auf die Stirn geküsst, mit der Bitte, diese Liebe an die Familien und nahestehenden Menschen weiterzugeben!“

So macht in diesen Kreisen also der Madonnen-Kuß die Runde  –  denn so entspricht es ja dem erwähnten Wunsche jener vermeintlich himmlischen Dame.

 


Die „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach und das Sonnenwunder vom 8.12.1949

Von Felizitas Küble

Bekanntlich hat die katholische Kirche die angeblichen Marienerscheinungen von Heroldsbach, die von 1949 bis 1951 nicht nur im Frankenland, sondern in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz für großes Aufsehen sorgten, entschieden abgelehnt. Radio Vatikan
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Die Verwerfung einer übernatürlichen „Echtheit“ erfolgte nicht allein durch den zuständigen Diözesanbischof von Bamberg, sondern später auch durch das Hl. Offizium (Glaubenskongregation in Rom) und schließlich sogar durch Papst Pius XII. selber.
Im Römischen Dekret vom 25. Juli 1951 wird erklärt: “Es steht fest, daß die genannten Erscheinungen nicht übernatürlich sind. Daher wird der entsprechende Kult am erwähnten Ort und auch anderwärts verboten.“
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Die sieben „Sehermädchen“ wurden  –  da sie auch nach dem kirchlichem Urteil eisern an dieser „Privatoffenbarung“ festhielten  – exkommuniziert, also vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen.
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Die kirchliche „Obrigkeit“ ging damals tatsächlich sehr streng gegen „Wundersucht“ und erscheinungsbewegte Kreise vor, die mit dem Phänomen Heroldsbach verbunden waren: Katholische Geistliche, die an diese „Erscheinungsstätte“ pilgerten oder positiv darüber predigten, wurden vom Bischof  – mit der Zustimmung des Vatikan  –  kurzerhand suspendiert (ihrer priesterlichen Funktionen enthoben); sogar die Zelebration der hl. Messe war ihnen untersagt.
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Zu diesen „ungehorsamen“, weil überaus erscheinungsorientieren Priestern gehörte der Theologe Prof. Dr. Johann Baptist Walz.
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Sein Schicksal ist geradezu tragisch zu nennen, zumal der angesehene Alttestamentler zuvor durch nüchterne Gelehrsamkeit auffiel, keineswegs durch schwärmerische oder naiv-wundersame Anwandlungen.
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Dennoch entwickelte er sich zu einem hartnäckigen Anhänger von Heroldsbach, deren Ereignisse die Kirche hierzulande viele Jahre lang in Atem hielten, zumal hunderttausende von Pilgern in diese fränkische Ortschaft fuhren, ja ganze Sonderzüge unterwegs waren – und all dies auch nach dem strikten kirchlichen Nein.
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Ein wichtiger Grund für die unbeirrbare Haltung von Professor Walz war das Heroldsbacher „Sonnenwunder“ vom 8. Dezember 199, dem Hochfest der makellos empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.
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Nun ist ein derartiges Phänomen sicherlich aufsehenerregend, aber durchaus nicht so einzigartig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

„Sonnenwunder“ gab es häufig bei irrgeistigen Erscheinungen

Solche sensationellen Mirakel werden auch von anderen kirchlich nicht anerkannten   Privatoffenbarungen berichtet, z.B. von Montichiari und San Damiano (beide Italien), von Marpingen (Saarland), Penablanca (Chile) oder Medjugorje (Bosnien-Herzegowina), zudem im neueren Erscheinungsort Bad St. Leonhard (Österreich), wo einem Seher Caputa viele Visionen zuteil werden, wie seine Anhängerschaft glaubt.
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In Agoo (Philippinen) sollen Tausende von Menschen eine „tanzende Sonne“ am Firmament während einer Marienerscheinung gesehen haben (Info: http://www.diewunderseite.de/marienerscheinungen/).  –  In Marmora (Kanada) bestätigten angeblich 30.000 Wallfahrer die dortigen „Phänomene des Sonnenwunders“, wie die Nachrichtenseite „Kath.net“ im Nov. 2005 berichtete: http://www.kath.net/news/12003
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Im Falle von Montichiari (Erscheinungen der „Rosa Mystica“) gab es einige Pilgergruppen, darunter auch Priester, welche dort mehrfach außergewöhnliche Vorgänge und einen „Sonnensturz“ am Firmament erlebten; dadurch fühlten sie sich  in ihrer Meinung bestätigt, Montichiari sei eine Art Fortsetzung von Fatima. (Näheres dazu in dem Buch „Maria, Rosa Mystica“ von Pfarrer Weigl ab S. 66.)
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Auch im saarländischen Erscheinungsort Marpingen soll sich die Sonne eine halbe Stunde lang gedreht und sogar in eine Herzform verwandelt haben; dies schildert jedenfalls Pater Dr. Jörg Müller in seinem Taschenbuch „Von Maria zu reden ist gefährlich“.
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Von einem Lichtspektakel als Naturereignis wird bisweilen auch ohne religiösen Zusammenhang berichtet; erinnert sei z.B. an das sog. „Elmsfeuer“ in der Schweiz (Buch dazu hier: http://www.ebay.com/itm/ELMSFEUER-Ein-phantastisches-Lichtspektakel-im-Kanton-Glarus-Stephan-Baum-/171643371027)
Buchtitel
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Prof. Walz und die Faszination Heroldsbach

Zurück zu Professor J. B. Walz, der seine Beobachtungen, Eindrücke und Erfahrungen in dem zweibändigen Werk „Die „Muttergottes-Erscheinungen“ von Heroldsbach-Thurn“ veröffentlichte (siehe Foto: 1. Band).
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Die Heroldsbacher Ereignisse begannen am Sonntag, den 9. Oktober 1949  – und schon nach zwei Monaten wurden die vermeintlichen Erscheinungen von Maria, Jesus und zahlreichen Heiligen durch ein aufregendes Sonnenwunder von oben her „bestätigt“, wie es scheint.
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Der Verfasser schreibt in seinem Bericht auf S. 26 ff., daß er an jenem Tage gegen Mittag nach Heroldsbach fuhr, wo er bis abends 20,30 Uhr verweilte.
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Prof. Walz begab sich gegen 14 Uhr mit einer Reihe weiterer Priester, darunter Pfarrer Gailer von Heroldsbach, zum Erscheinungshügel, auf dem sich bereits etwa zehntausend Personen befanden, zumal Heroldsbach längst in aller Munde war.
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Bald danach schauten die Sehermädchen –  seinem Bericht zufolge  –  die Gottesmutter erneut mit weißem Kleid, goldener Krone und einem „schwarzen“ (!) Rosenkranz an der rechten Seite. Die „Madonna“ trug ein weißgewandetes Jesuskind mit Heiligenschein. Nun begann eine Prozession zum Birkenwäldchen-Altar, der von Heroldsbach-Pilgern errichtet worden war.
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Der Priester schreibt sodann, er habe plötzlich in der Menschenmenge „ein großes Durcheinander“ gesehen:
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„Ich hörte auch erregte Rufe, die ich aber wegen der zu großen Entfernung nicht verstehen konnte.“  –  Wenig später habe eine „panikartige Unruhe unter der betenden Menschenmenge“ eingesetzt, denn die Prozession „löste sich jetzt gänzlich auf, alles lief durcheinander, ich hörte Rufe von Menschen: „Feuer! Feuer! Das Sonnenwunder! Das Sonnenwunder! Wie in Fatima!“
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Prof. Walz schildert die weiteren Ereignisse folgendermaßen: ???????
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„Auf einmal sah ich rechts von mir durch die Birken die Sonne auf uns zustrahlen in einer ganz außergewöhnlichen Stärke und Lichtfülle, es wurde immer heller und heller, immer greller, die Sonne schien mir immer größer zu werden und näher an den Altar und an uns heran zu kommen, ich war wie geblendet, glaubte bestimmt eine ganz außergewöhnliche Helligkeit und Stärke der Sonne zu verspüren, ich hatte den überwältigenden Eindruck eines außergewöhnlichen Ereignisses und glaubte, es kommt jetzt schlagartig etwas Außergewöhnliches, Furchtbares, ich erschrak“.
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Nun habe der Heroldsbacher Ortspfarrer mit dem Vorbeten des Rosenkranzes aufgehört, weil „die Unruhe unter der Menschenmenge immer größer wurde und das Rufen immer lauter und häufiger“; er  kam zu Prof. Walz herüber und sagte: „Wir wollen hinaus ins Freie gehen, damit wir die Sonne besser sehen, was eigentlich los ist.“
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Der Autor erzählt weiter: „Wir gingen ungefähr 20 bis 25 Meter hinaus ins Freie, wo wir die Sonne ganz frei, ohne Überdeckung durch den Birkenwald sehen konnten. Nun blickten wir hin zur Sonne, da plötzlich fing die Sonne sich zu drehen an, ganz schnell im Kreise herum, und die Drehungen so deutlich erkennbar, so schnell, dass ich die Vorstellung hatte, wie wenn ein Motor die Sonnenscheibe rhythmisch (in gleichmäßiger Geschwindigkeit) sehr rasch drehen würde.
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Dabei erschien die Sonnenscheibe in den herrlichsten Farben, ein wunderschönes Weiß, dann orange, dann rosa mit blau und grünlich wechselnd, in schönster Farbenpracht, die so auffallend wohltuend und mild und lieblich auf uns einwirkte, dass wir während der ganzen Rotationsdauer von fast einer Viertelstunde trotz der außerordentlichen Helligkeit ruhig hineinsehen konnten, ohne geblendet zu werden, wie man auch überall reden hörte. media-372515-2
In der Sonne sah ich mehrere Figuren sich ebenfalls ziemlich rasch bewegen, bald oben, bald unten, bald rechts oder links, die ich nicht näher erkennen konnte.
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Die (Seher-)Kinder gaben an, schon während dieser Himmelserscheinung, wie auch nachher im Pfarrhof beim Einzelverhör, sie hätten die Gottesmutter in der sich drehenden Sonne gesehen, auch noch in der untergehenden Sonne, die wir nicht mehr rotieren sahen.
 
Ich war von der Rotation der Sonne so erschüttert, dass ich glaubte, es würde noch ein großes Naturereignis nachfolgen, dass entweder ein großer Erdriss entstehen würde oder ein sonstiges außergewöhnliches Naturereignis, da kam der ruhig wandelnde Stern.
 
Die Menschen waren alle bestürzt und tief ergriffen, mehrere weinten, auch Kinder, welche die Erscheinung hatten… Man hörte oft aus der Menge die Rufe: „Jetzt ist alles wahr! Die Gottesmutter hat das Zeichen dafür gegeben! Jetzt glauben wir an die Erscheinung.“
 
Wir beobachteten diese Erscheinung der rotierenden Sonne, die ungefähr eine Viertelstunde dauerte, 15.30 bis 15.45 Uhr, während das erste Sonnenwunder nach Angabe der Leute kurz nach 15 Uhr begann und um 15.15 Uhr endete…

Nach Aufhören der Rotation der Sonne gegen 15.45 Uhr begab ich mich mit Herrn Pfarrer Gailer, den übrigen Priestern und den Kindern wieder hinauf zum Wagen, alle tief ergriffen über die noch nie beobachteten Ereignisse!

Jeder von uns sprach die persönliche Überzeugung aus, dass dies eine Bestätigung der Gottesmuttererscheinungen sei.“

0022Die „Marienerscheinung“ wird befragt

Am späten Nachmittag habe er, schreibt Prof. Walz weiter, die „Seherkinder“ beauftragt, folgende Fragen an die Erscheinung zu richten: „Liebe Gottesmutter, hast Du die sich drehende Sonne und den wandelnden Stern uns als Zeichen Deiner wunderbaren Erscheinung gegeben?“  –  Dies sei durch die Madonna bestätigt worden, so der Autor, denn diese habe geantwortet: „Das habe ich gemacht, weil noch so viele Ungläubige dabei sind, dass sie es auch glauben.“
 
Tatsächlich schreibt der Verfasser, nach diesem Sonnenwunder seien „auch die Ungläubigen gläubig geworden“. (Er meint mit „Ungläubigen“ solche, die nicht an jene Erscheinungen glaubten, ihre Meinung aber nach diesem „himmlischen“ Sonnensturz änderten).
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Übrigens: Die Antwort des Erscheinungsphantoms („Das habe ich gemacht…“) ist auch rein theologisch gesehen schlichtweg falsch, da allein GOTT selbst ein Wunder wirken kann. Heilige können durch ihre Fürbitte nur indirekt dazu beitragen, sind aber selbstverständlich nicht allmächtig, was auch für die Madonna gilt, zumal sie ebenfalls ein GESCHÖPF ist (wenngleich das heiligste von allen).
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Abschließend heißt es in dem Bericht von Professor Walz:
„Ich möchte noch ausdrücklich bemerken, dass ich über Fatima noch keine nähere Darstellung gelesen habe außer einem kurzen Bericht im Heinrichsblatt 1949, auch den Bernadette-Film nicht gesehen habe, als Dogmatiker mich mit Privatoffenbarungen nicht näher befasst (war nicht in Konnersreuth) und seit 1938 alttestamentliche Wissenschaften und Orientalia zu vertreten hatte.“
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Sein Protokoll jener wundersamen Ereignisse vom 8. Dezember 1949 wird inhaltlich von mehreren weiteren katholischen Geistlichen ausdrücklich bestätigt, darunter dem bereits erwähnten Pfarrer von Heroldsbach.

Welche Schlußfolgerungen ziehen wir daraus?

Man kann es sich angesichts dieser Sachlage wohl nicht allzu leicht machen, indem man das „Sonnenwunder“ von Heroldsbach von vornherein als erfundene Geschichte, menschliches Betrugsmanöver oder Massenhysterie abwertet.
Gleichwohl kommen rein natürliche Erklärungen grundsätzlich durchaus in Betracht.  So berichtet zB. der spanische Jesuitenpater Carlos M. Staehlin in seinem Buch „Apariciones“ (Erscheinungen) von einem vermeintlichen „Sonnentanz“, der allein durch seelische Suggestion hervorgerufen wurde:
Dabei erlebten „beinahe hundert Jungen und Männer, ohne daß dabei ein Mädchen oder eine Frau als Auslöserin des Phänomens mitgewirkt hätte“ mehr als drei Minuten lang ein „astronomisches Wunder“, denn sie schauten einen „Tanz der Sonne“, den sie danach jeweils „in vollständiger Übereinstimmung auch der Einzelheiten“ beschrieben hätten. „Alle, die diese Halluzination hatten…,gehörten jener Gegend an, in der es damals eine Reihe von Erscheinungen gab“, berichtet der Geistliche weiter. (Quelle: Pater Carlos Maria Staehlin S.J., APARICIONES. Madrid 1954, S. 90)
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Aber selbst dann, wenn sich ein derartiges Sonnenphänomen nicht ohne weiteres natürlich erklären läßt, muß es nicht von „oben“ bewirkt sein. Die kritischen Fragen, die sich dann stellen, sind eher theologischer Natur: DSC06228
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Macht der erhabene Gott wirklich mit derartigen Massenspektakeln auf sich aufmerksam?  Hat ER solche theatralischen Zeichen wirklich „nötig“?
Und worin soll der religiöse Sinn eines „Sonnentanzes“ bestehen? – Außerdem bedeutet z.B. ein Lichtphänomen nicht automatisch etwas Positives, schließlich warnt der Apostel Paulus davor, daß  Satan auch als „Engel des Lichts“ erscheint (vgl. 2 Kor 11,14)
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Wir kennen den bekannten Spruch: „Wunder sind des Glaubens liebstes Kind.“  –  Man könnte hinzufügen: „Und Schauwunder sind des Aberglaubens liebstes Kind.“ – Demgegenüber sagte unser Erlöser: „Selig, die nicht sehen und doch glauben!“ – Und Paulus erklärte: „Wir leben im Glauben, nicht im Schauen!“
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Hat nicht Christus bei der Versuchung in der Wüste ausdrücklich jenes Sensationswunder, das Satan von ihm forderte, strikt zurückgewiesen?(Jesus lehnte den Vorschlag ab, sich aufsehenerregend von der Zinne des Tempels zu stürzen.  –  Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/09/mit-der-wahrheit-lugen-die-charismatische-versuchung-christi-in-der-wuste/)
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Sind solche mirakulösen Naturschauspiele wirklich geeignet, den Glauben sinnvoll zu vertiefen? Oder dienen sie nicht vielmehr einer  – wenngleich religiös verbrämten  –   „Sinnlichkeit“, Schaufreude und Sensationsgier?

Sind wir als Christen quasi „Sonnenanbeter“?

Reagierten damals nicht sogar viele Menschen   – wenngleich eher unfreiwillig  –  gleichsam wie heidnische „Sonnenanbeter“, als sie sich in ihrer Mischung aus Faszination und Erschrecken spontan auf die Knie warfen  – und dann dieses aufregende Lichtspektakel verehrten?
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Es liegt jedenfalls auf der Hand, daß ein solches „Schauwunder“ für sich genommen kein Beweis für die himmlische Herkunft eines Ereignisses ist, zumal da es mehrfach auch bei solchen Phänomenen auftritt, die von kirchlicher Seite abgelehnt werden, wie dies in puncto Heroldsbach eindeutig der Fall ist.
Zudem treten „Sonnenwunder“ erst ab dem 20. Jahrhundert auf  –  warum gab es vorher über 1900 Jahre lang keine derartigen Ereignisse in der Kirchengeschichte?!
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In der Heiligen Schrift heißt es zwar bei Lk 21,25 „Und es werden Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen“, doch dies gilt als negative Ankündigung, als drohendes Gerichtszeichen am Ende der Zeiten  –  und nicht etwa als eine glorreiche Bestätigung von Erscheinungen oder dergleichen.
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Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Erschien die Himmelskönigin in Marpingen?

Von Felizitas Küble

Zu jenen „Botschaften“, die in der erscheinungsbewegten Szene hierzulande oft und gern zitiert werden, gehören auch die Worte der „Madonna“ zu Marpingen.

In jener saarländischen Gemeinde, in der schon einst zur Bismarckzeit angebliche (kirchlich nicht anerkannte) „Erscheinungen“ stattgefunden haben,  soll sich die Gottesmutter Ende der 90er Jahre erneut einigen Mädchen im Erwachsenenalter gezeigt und ihnen „Botschaften“ übermittelt haben. Diese Privatoffenbarungen aus dem vorigen Jahrhundert wurden kirchlich ebenfalls nicht bestätigt. 1069810

Doch das ficht die Schar der Getreuen nicht an, unter denen sich auffallend viele Medjugorje-Anhänger befinden, zumal hinsichtlich des Schrifttums über Marpingen, darunter zB. Pater Jörg Müller oder Pfarrer Albrecht von Raab-Straube.

Ein immer wiederkehrendes Plädoyer für die Marpingen-Visionen findet sich in einem Buch, das den rational klingenden Titel trägt: „Visionen und die Frage ihrer Echtheit“.

Diesen Sammelband mit sechs Autoren hat der erscheinungsgeneigte Oros-Verlag in Münster-Altenberge herausgebracht.

Wer nun aufgrund des Buchtitels ein eher distanziertes, zumindest wissenschaftlich zurückhaltendes Werk erwartet, sieht sich weitgehend enttäuscht, geht es doch vor allem um Empfehlungen für Medjugorje und Marpingen, stellenweise sogar um Zustimmung für Heroldsbach.

Diese „Marienerscheinung“ (Bistum Bamberg) aus dem 50er Jahren des 20. Jahrh. wurde kirchlich strikt abgelehnt  –  und dieses Nein des zuständigen Bischofs und der vatikanischen Glaubenskongregation damals sogar von Papst Pius XII. (siehe Abbildung) persönlich bestätigt. pabst-pius-xii-

So gibt Pater Jörg Müller in seinem Beitrag (S. 11 ff) schon nach wenigen Einleitungssätzen zu verstehen, daß die „Gottesmutter“ auch in Heroldsbach „Botschaften“ verkündet habe, darunter der „Gehorsam dem Papst gegenüber“  – was gerade im Zusammenhang mit Heroldsbach wohl etwas drollig wirkt.

Reichlich merkwürdig überdies die Behauptung Müllers schon auf der nächsten Seite, angeblich hätten sich die „Behörden und der Bischof“ gegen die Seherkinder von Medjugorje gestellt, „drohen mit Gefängnis und streuen Lügen unters Volk.“  –  Der haltlose Lügen-Vorwurf gegen den Bischof wird freilich ebenso wenig belegt wie die angebliche Gefängnisdrohung.

„Die Sonne verwandelte sich in ein Herz“

Natürlich ist auch Pater Müller ein begeisterter Anhänger der Erscheinungen zu Marpingen, schrieb er doch ein eigenes Buch hierüber mit dem nicht leicht nachvollziehbaren Titel: „Von Maria zu reden ist gefährlich“.

Für den Autor ist gleichwohl alles klar, zumal es in dieser saarländischen Gemeinde ein phänomenales „Sonnenwunder“ zur Bestätigung der Erscheinungen gab:

„In Marpingen zeigte das französische Fernsehen das halbstündige Drehen der Sonne mit dem Sprühen kleiner Sternchen und der Verwandlung der Sonne in ein Herz.“   media-372515-2

Herz, was will man mehr?!  – Die Frage nach der theologischen Bedeutung derartiger Mirakel wird verständlicherweise gleich gar nicht gestellt. Oder wie sollte eine einleuchtende Antwort aussehen?

Die „Botschaften“ von Marpingen sind mit den weichgespülten Dauersprüchen von Medjugorje eng verwandt bzw. kompatibel.

So läßt uns Pater Müller erfreut wissen, daß es keinen 3. Weltkrieg geben wird, weil das „Jesus“ der Marpinger Seherfrau Marion am 6.9.1991 offenbarte: „Hab keine Angst, es wird keinen dritten Weltkrieg geben…Ich bin kein strafender Gott.“

Zweifellos ein merkwürdiger Zusammenhang: Gott ist sehr wohl laut biblischem Zeugnis und kirchlicher Lehre auch ein strafender Gott (der das Gute belohnt und das Böse bestraft) –  und zwar unabhängig von der Frage nach einem 3. Weltkrieg.

Freilich vergißt der Verfasser nicht zu erwähnen, daß auch die Madonna zu Medjugorje am 12.7.1982 verkündet habe: „Es wird keinen dritten Weltkrieg geben.“

Wohlgemerkt: Unsererseits wird nicht das Gegenteil behauptet, sondern diese Frage vielmehr offen gelassen.

Immer dasselbe: Zuckerbrot oder Peitsche?

Es fällt freilich bei der Betrachtung der immer zahlreicher werdenden „Erscheinungen“ auf, daß die meisten davon entweder nach Zuckerbrot („Gott straft nicht…“) oder nach Peitsche (Drohbotschaften) klingen  –  es fehlt der gediegene, bodenständige Glaube jenseits von Panikmache und Süßholzgeraspel.

Ebenfalls auf S. 14 zitiert Pater Müller folgende Medju-Botschaft vom 12.10.1981: „Rußland verehrt Gott am meisten.“  – Abgesehen davon, daß der Allmächtige (im Unterschied zu den Heiligen) nicht nur „verehrt“, sondern angebetet wird, ist dieser Superlativ für Rußland angesichts der Realitäten nicht nachvollziehbar: Die Kirchenbesucherzahlen sind dort auch Jahrzehnte nach dem Ende der kommunistischen Diktatur sehr niedrig, die Faszination des Aberglaubens, der Scharlatanerie und der Esoterik aber umso stärker.

Natürlich hadert der Autor wie so viele Erscheinungsbegeisterte mit den „kirchlichen Behörden“, weil diese sich in aller Regel gegenüber außergewöhnlichen „mystischen“ Vorkommnissen reserviert geben.

Wenngleich er ihre grundsätzliche Berechtigung bejaht, beanstandet er, daß viele  Untersuchungskommissionen von vornherein „von Ablehnung und Widerstand geprägt“ seien: „Hier zeigt sich aber regelmäßgi das Unvermögen der Geistlichkeit im Umgang mit Mystik und Prophetie.

Der Geistliche ist davon überzeugt: „Das Volk hat die bessere Nase“   – und er zitiert den früheren israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion mit seinem bekannten Spruch: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“

Weder Wundersucht noch Wunderflucht

Offenbar ist dem Verfasser nicht klar, daß es zwischen Wundersucht und Wunderflucht eine gediegene Grundhaltung gibt, welche sehr wohl die biblisch bezeugten Wunder bejaht, aber gleichwohl nicht bald jeder nachbiblischen Privatoffenbarung oder Vision hinterherläuft.

Sodann befaßt sich Pfarrer Albrecht von Raab-Straube ebenfalls mit der kirchlichen Einordnung von Erscheinungen unter dem sachlich-nüchternen Titel „Kriterien der Unterscheidung“ (S. 18 ff). 023_20A

Viele Passagen seines Beitrags, vor allem seine einleitenden Ausführungen sind  –  soweit sie das Thema allgemein beleuchten  –  größtenteils zutreffend. 

Immerhin wird Kardinal Prosper Lambertini (siehe Abbildung) zitiert, der spätere Papst Benedikt XIV., der bekanntlich auf klassische Weise die kirchliche Stellung gegenüber Privatoffenbarungen festlegte.  

Dabei stellte Lambertini schon vor vielen Jahrhunderten klar, daß auch kirchlich genehmigte Erscheinungen durchaus nicht verbindlich für die Gläubigen sind:

„Eine Zustimmung des katholischen Glaubens wird anerkannten Privatoffenbarungen in diesem Sinne nicht geschuldet und sie ist auch nicht möglich.“

Natürlich gilt dieses Prinzip erst recht für kirchlich nicht-anerkannte Erscheinungen.

Warum ist nun ein katholischer verpflichtender Glaube auch bei „anerkannten“ (gebilligten, genehmigten) Privatoffenbarungen weder nötig noch „möglich“? 

Weil die Kirche jene Privatoffenbarungen nicht mit ihrer übernatürlichen bzw. unfehlbaren Autorität bestätigt, sondern lediglich aufgrund von sog. „Regeln der Klugheit“, welche jene Erscheinungen als glaubwürdig und „wahrscheinlich“ darstellen, wie Lambertini erläuterte.

Kann Maria die Welt „retten“?

Ab S. 68 zitiert der Autor  eine Reihe „Botschaften“ von Marpingen, wobei er sicherlich jene Worte des „Himmels“ auswählte, die ihm theologisch besonders gut und ansprechend erscheinen.  media-443490-2

So soll Maria z.B. am 26.5.1999 der jungen Seherin Judith gesagt haben, daß der Rosenkranz ihr (der Madonna) „viel Macht in die Hand gebe“ – und zwar „um die Welt zu retten, um die Welt dem Vater zurückzugeben“.  

Maria ist aber keine „Retterin“, sondern als Königin der Heiligen unsere größte Fürsprecherin. Die Welt „gerettet“ hat allein Christus, der HERR, durch seinen Opfertod am Kreuz.

Sodann erfolgt die häufige Aufforderung, für die „Bekehrung der Sünder“ zu beten, wobei sich die Frage stellt: Sind wir etwa nicht alle „Sünder“? – Wäre daher nicht besser von einer Bekehrung der „Ungläubigen“ die Rede?!

Am 5.9. desselben Jahres soll die Himmelsmutter gesagt haben: „Ihr habt zwei sehr schlimme Kriege erlebt. Ich habe dies zugelassen, um zu zeigen, was geschieht, wenn ihr euch euch selbst überlaßt.“  – Etwas „zulassen“ (oder nicht zulassen) kann allein der allmächtige Gott, nicht jedoch ein Geschöpf wie die selige Jungfrau, selbst wenn sie das am meisten begnadete Geschöpf ist.

Am 8.8.1999 wendet sich die Erscheinungsmadonna von Marpingen wie folgt an die Seherin Judith: „Ich kenne auch jede Einzelheit eures Lebens, jeden Augenblick, jeden Herzschlag, jeden Atemzug, alles, alles was ihr tut, um all das weiß ich.“  –  Hierbei ist aber daran zu erinnern, daß die Gottesmutter als Geschöpf nicht allwissend ist, denn diese Eigenschaft ist allein göttlicher Natur.

Keine Angst mehr vor dem Tod?

Während Christus seinen Aposteln wirklichkeitsgetreu gesagt hat: In dieser Welt habt ihr Angst, aber siehe: Ich habe die Welt überwunden“  –  womit ER die kreatürliche (geschöpfliche) Angst bestätigt  – klingt dieser Punkt in Marpingen ganz anders, noch dazu ausgerechnet hinsichtlich der stärksten, einer existentiellen Furcht des Menschen: seiner Angst vor dem Tod.

Hierzu heißt es ganz locker durch die Visionärin Marion: „Man braucht keine Angst vor dem Tod zu haben, das ist so schön! Wir brauchen nichts zu fürchten.“

Die ebenfalls noch junge Seherin Judith bläst in dasselbe Horn mit folgender „Botschaft“ vom 17.10.1999: „Vor dem Tod braucht man keine Angst zu haben. Der Tod ist nur ein Übergang, ein Hinübergehen… Es gibt einen Himmel und es gibt eine Hölle, nur die Entscheidung, wo jeder einmal sein wird, trifft jeder Mensch selbst, Gott verdammt niemanden.“   0018

Abgesehen davon, daß es vor dem Endgericht neben Himmel und Hölle auch noch ein Fegefeuer gibt,  heißt es in der Heiligen Schrift ganz realistisch, daß der Tod ein großer Feind des Menschen ist. So stehen die Aktien! 

Und in 1. Kor 15,26 ist hinsichtlich der Wiederkunft Christi davon die Rede, daß „der letzte Feind, der vernichtet wird, der Tod ist“.   –  Es handelt sich also sehr wohl um einen „Feind“  – und vor einem solchen hat die Kreatur (dsa Geschöpf) eine ganz natürliche Furcht, Christen nicht ausgenommen, wenngleich sie durchaus von zuversichtlicher Himmelshoffnung geprägt sein dürfen und sollen. Das hebt aber die „existentielle“ Angst vor dem Tod nicht einfach auf.

Damit soll keineswegs Panik erzeugt, sondern nur die Lebenswirklichkeit der Menschen (auch der Gläubigen) nüchtern zur Sprache kommen.

Endzeitlicher Chiliasmus läßt grüßen!slider3-640x360

Typisch für diese weichgespülte Erscheinungtheologie ist dann auch die Irrlehre vom christlichen Paradies auf Erden, von einem universalen irdischen Friedensreich noch vor der Wiederkunft Christi.

Auch dieser  – von der Kirche seit jeher abgelehnte  –  Millenarismus bzw. Chiliasmus wird in Marpingen am 8.9.1999 verkündet:

„Ihr dürft euch dann auf die „neue“ alte Welt freuen. Dann nämlich wird es keine Gottlosen mehr geben. Alles wird im Einklang mit den 10 Geboten sein und das Böse wird es eine Zeitlang nicht mehr geben. Habt keine Angst.“

Abschließend kommt das viel strapazierte Wort von den „Früchten“ der Erscheinungen, wobei es aufschlußreich ist, was der Autor hauptsächlich unter „Früchten“ versteht, nämlich auffallende Phänomene und Schauwunder, die kirchlicherseits zu prüfen seien, wie er schreibt: „….oft behauptete Wunder, Heilungen und Sensationen wie Veränderungen an der Sonne, tränende Figuren, Düfte usw.“

Schon die bisherige Auswahl an Erscheinungs-Zitaten (die noch dazu allesamt von der Pro-Marpingen-Seite ausgewählt wurden!) zeigt zur Genüge, daß diese „Botschaften“ nicht vom Himmel kommen können, weshalb dort auch keine Madonna erschienen ist.

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MiT-Jugend-Verlag und das Christoferuswerk in Münster

 


Panik-Botschaften: „Ich bin so erleichtert, daß ich daran nicht mehr glauben muss…“

Seit Jahren erhält unser Christoferuswerk (das dieses Webmagazin „Christliches Forum“ betreibt) immer wieder Anrufe und Briefe, aber auch persönliche Mitteilungen zB. bei Veranstaltungen und an Infoständen, in denen sich Menschen erleichtert darüber äußern, daß sie an diese oder jene Erscheinung, Panikbotschaft oder „Spezial-Andachten“ (wie zB. die „Birgittengebete“) nicht mehr glauben müssen.

Viele Katholiken wissen zudem immer noch nicht, daß selbst die kirchlich anerkannten Privatoffenbarungen nicht verpflichtend sind, sondern lediglich eine Erlaubnis bedeuten. rosa-mystica6

Auf der kath. Internetseite „Forum: Zeugen der Wahrheit“ wurde eine Stellungnahme von „Judith“ veröffentlicht, die vielfach typisch für gewisse Vorkommnisse im erscheinungsfrommen Lager ist, die aber auch aufzeigt, wie froh und entlastet viele Menschen sind, wenn sie gewisse Zerrbilder des Glaubens hinter sich lassen können.

Hier folgt nun Judiths Erlebnisbericht:

„…ich war immer etwas ängstlich und berunruhigt. Als ich meine Bekehrung vor 16 Jahren hatte, war es ähnlich, eine fromme Frau aus frommen Kreisen erzählte mir und meiner Freundin damals, an dem und dem Tag um 3 Uhr nachts soll die große Warnung stattfinden. Das einzige, was passierte: ich konnte nicht schlafen. So wurde ich direkt mit solchen Sachen „eingeführt“. Man muss so aufpassen!

Ich habe einiges an komischen Sachen hinter mir, gerade diese Botschaften und ein gewisser Mann, der in christlichen katholischen Kreisen
sehr vereehrt wird , dem bin ich hinterher gelaufen; das Ganze hat mich nach und nach in eine tiefe Krise gestürzt, so dass ich zu
zweifeln begann  –  und das ist auch Sinn und Zweck des Ganzen, denn diese Sachen sind nicht von Gott! sievernich

Ich zweifle mittlerweile auch an Garanbandal und Amsterdam, für mich hört sich das mitlerweile sehr kitschig an.

Marpingen scheint auch nicht echt zu sein, obwohl ich zwei Mal anwesend war während einer „Erscheinung“. Und ich bin so erleichtert, dass ich daran nicht glauben muss, denn ich hatte immer das Gefühl wenn ich die BOtschaften ablehne, lehne ich Jesus ab.

Letztes Jahr bin ich auf die „Warnung.net“ gestossen, zuerst hielt ich sie für echt und war ergriffen, aber dann begann ich, immer mehr zu zweifeln; ich schrieb den Betreiber der Seite an, aber der ließ keine Kritik zu und konnte jede Frage irgendwie erklären, auch wenn es noch so komisch war.

Ich beschloss für mich, nicht mehr daran zu glauben, nachdem ich einen Artikel von Felizitas Küble las.

Man muss einfach mal mit Abstand diese Seite lesen, und zwar ganz langsam, dann bekommt man mit, wie irrsinnig das alles ist. Dann die ganzen Leser, sie sind so fanatisch, dass sie noch nicht mal das Wort eines Bischofs in Betracht ziehen. Man muss einfach aufpassen.“

Quelle: Hier der dritte Kommentar: http://kath-zdw.ch/forum/index.php/topic,2184.0.html

 


Erscheinungsbewegter „Gebetstag“ in Marpingen am 18. August 2012

Im Sommer und Herbst 1999 machte der kleine Ort Marpingen im Saarland deutschlandweit von sich reden, denn es sollen sich dort im Härtelwald mehrfach Erscheinungen ereignet haben, die drei jungen Frauen zuteil wurden: Christine Ney, Judith Hiber und Marion Guttmann.

Dabei „sahen“ sie nicht allein die Madonna, sondern zahlreiche Engelscharen, den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube, das Christkind auf dem Arm Mariens sowie natürlich Pater Pio.

Zu den „Erscheinungstagen“ kamen tausende von Pilgern und Schaulustigen in die völlig überlaufene Gemeinde Marpingen im Bistum Trier.

Diese „Privatoffenbarung“ ist kirchlich nicht anerkannt.

Nach 13 Jahren ist es ruhiger geworden im Härtelwald, doch die „Unentwegten“ fahren nach wie vor jährlich zu ihrem „internationalen Gebetstag“ an die dortige Grotte und zu einem Brunnen, der – so wörtlich!  – „Gnadenwasser“ spendet, das Kranken an Leib und Seele helfen könne.

Im Vorjahr sollen es 700 Pilger gewesen sein, die dort jener aufsehenerregenden Ereignisse Ende der 90er Jahre gedachten und sich in einem gemeinsamen Gebetsakt der „Miterlöserin der ganzen Menschheit“ geweiht haben, wie Wallfahrtsorganisator Pater Dominique die Gottesmutter nennt.

Freilich waren die „Botschaften des Himmels“  im Härtelwald zu Marpingen von ähnlich banaler Naivität wie jene in Medjugorje, wobei die „übernatürlichen“ Kundgaben im Saarland zum Teil selbst den kindlichen Sinn und Unsinn zu Medjugorje noch übertrafen, was in gewisser Hinsicht eine stramme Leistung darstellt  – denn auch ein derart putziger Unfug will „gekonnt“ sein.

Zudem war die Stimmungslage der „Himmlischen“ dort offenbar sehr abwechslungsreich: von tränenreichen Auftritten bis hin zu „lustigen“.

Als Beispiel für diese wahrlich weltbedeutenden „Botschaften“ seien einige Auszüge aus der Erscheinunge vom 6.9.1999 wiedergegeben:

Eine der drei Visionärinnen wurde gefragt:  „Was siehst du denn?“

„Die Mutter Gottes, die ist ganz lieb. Die ist heut so ganz so bisschen lustig und der Pater Pio ist so ganz lustig. Die sind richtig gut drauf – richtig lustig“.

Den Fans gefällt dieses Niveau offenbar, denn es heißt im Protokoll der Marpingen-Webseite wörtlich:  „Ein heiteres Lachen und Schmunzeln geht durch die Reihen der Pilger.“

Die Seherdamen bekommen freilich nicht allein die Madonna geboten, sondern auch einen ganz gutgelaunten Jesus:

„Und Jesus auch, richtig, richtig lustig – aber im positiven Sinn, richtig freundlich, richtig gut gelaunt, voller Freude, unheimliche Freude  –  was die ausstrahlen, unheimlich schön.“

Danach sehen die begnadeten Mädels wieder die „Taube“: 

„Die Taube steht wieder dort über uns und strahlt….und die Taube dreht sich, um die Taube gehen Stahlen und die drehen sich wie eine Sonne. Wie sonst sollen sie sich drehen – wie ein Rad so schön, sie drehen sich.

Auch die himmlische Engelschar gibt sich im Härtelwald ein Stelldichein. Eine Seherin berichtet:

Ich sehe nur, dass die Grotte wieder voller Engel ist,  die mitkommen. Sie haben …. so goldene Panzer an und goldene Helme … aber die sehen ganz gütig aus – ganz gütig.“

Aber auch bei diesen überirdischen Boten gibt es solche von einfacherem Zuschnitt  –  ohne goldene Helme und Panzer, aber dafür mit wehendem Haar bei windstiller Wetterlage: 

Und dann gibt es noch Engel, die ganz normal sind. Ganz viele  –  und die Haare wehen, als würde Wind gehen, die Haare gehen sogar vor die Augen, so als würde Wind gehen – verstehe ich nicht.“

Wenn selbst die mystisch begnadete Seherin das „nicht versteht“, dann wollen wir uns dem voll und ganz anschließen.

Die Zitate haben wir dieser Fan-Webseite entnommen: http://www.gottesmutter.de/  (Dort auf die Rubrik „neue Erscheinung“ klicken.)

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

 


Papst Benedikt: Der Titel „Miterlöserin“ verdunkelt den wesentlichen Vorrang Christi

Was sagen Heilige Schrift, Tradition und kirchliches Lehramt zur „Miterlöserschaft“ Mariens?

In einigen erscheinungsbewegten Kreisen wird vermehrt dafür geworben, daß die Kirche bzw. der Papst ein neues marianisches Dogma verkünden solle, nämlich den Titel „Miterlöserin“ (Co-Redemptrix) für die Gottesmutter.

Manche fügen zwei weitere Ehrenbezeichnungen hinzu, nämlich „Fürsprecherin und Mittlerin„, weil dies in den innerkirchlich umstrittenen“Marienerscheinungen“ von Amsterdam gefordert wurde.

(Wobei das Vertrauen auf die Fürsprache Marias ohnehin seit jeher zur kirchlichen Verkündigung, Liturgie und Volksfrömmigkeit gehört, also unstrittig ist. Auch der Titel „Mittlerin“  ist  –  in recht verstandener Weise  –  in Gebet und Theologie nichts Außergewöhnliches.) Wetzlar-DSC_0640-2 - Kopie

In den angeblichen „Botschaften“ von Marpingen im Saarland wurde das Dogma „Maria Miterlöserin“ ebenfalls gewünscht; zudem von der selbsternannten „Seherin“ Anne aus Gütersloh (sog. „Anne-Botschaften“): dort soll Christus selbst dies in einer Vision zugunsten seiner Mutter verlangt haben.   –  Bei den „Marienerscheinungen“ von San Damiano wurde ebenfalls die kirchliche Verkündigung der „Miterlöserin“ gefordert. (Diese drei Privatoffenbarungen sind alle kirchlich nicht anerkannt.)

Am bekannsten ist der energische Wunsch nach diesem Dogma  jedoch im Zusammenhang mit den sog. Amsterdamer „Botschaften„:

Am 15. April 1951 soll sich die „Madonna“, die dort als „Frau aller Völker, die einst (!) Maria war“ erscheint, vor das Kreuz gestellt und der „Seherin“ Ida Peerdemann das Folgende gesagt haben:

„Der Sohn kam in die Welt als der Erlöser der Menschen. Das Erlösungswerk war das Kreuz. Er war vom Vater gesandt. Nun aber will der Vater und der Sohn die Frau in die ganze Welt senden. Sie ist ja dem Sohn auch früher vorausgegangen und gefolgt. Darum stehe ich jetzt auf der Welt, auf der Erdkugel. Das Kreuz steht dort fest verankert, eingepflanzt. Nun stellt sich die Frau davor als die Mutter des Sohnes, die mit Ihm dieses Erlösungswerk vollbracht hat. Dieses Bild spricht eine deutliche Sprache und soll jetzt schon in die Welt gebracht werden, weil die Welt das Kreuz wieder braucht. Die Frau aber steht als die Miterlöserin und Fürsprecherin vor dem Kreuz.“

Hierzu wollen wir gern zwei Punkte klarstellen:

1. Christus ist prä-existent: als Sohn Gottes existiert er vor aller Zeit (vor seiner Menschwerdung): „Ehe Abraham ward, bin ich“, sagte Jesus von sich selbst. ER ist die zweite Person der dreieinigen Gottheit. Daher ist ihm „die Frau“ keineswegs „vorausgegangen“, denn Maria ist ein Geschöpf, entstanden in der Zeit;  Christus hingegen ist Gott selbst, geboren aus dem Vater vor aller Zeit.

2. Das Bild einer Madonna, die sich vor das Kreuz stellt, weil sie angeblich „mit ihm“ (Christus) dieses „Erlösungswerk vollbracht“ habe, ist theologisch abwegig und widerspricht sowohl der Form wie dem Inhalt nach der Heiligen Schrift, die uns berichtet, daß Maria unter dem Kreuze stand, als ihr göttlicher Sohn, der einzige Erlöser des Menschengeschlechtes, sich für das Heil der Welt hingab.

Die Vorstellung einer direkten und eigentlichen „Miterlöserschaft“ der Madonna gehört nicht zur überlieferten kirchlichen Mariologie; selbst der Ausdruck „Miterlöserin“ war bis ins hohe Mittelalter unbekannt; er ist erst in der frühen Neuzeit stärker zum Vorschein gekommen.  

Gemälde: Evita GründlerIm Hoch- und Spätmittelalter wurde die Gottesmutter vor allem als Fürsprecherin, Beistand und Hilfe der Christen verehrt, zudem als „Schutzmantel-Madonna“  und oft als Mitleidende, als „Schmerzensmutter“  unter dem Kreuz oder vor der Grablegung: erinnern wir uns an die zahlreichen Pieta-Darstellungen in Kirchen und Kapellen, die Maria mit ihrem verstorbenen Sohn auf ihrem Schoß zeigen.

Der große Franziskaner-Theologe Bonaventura bezeichnete die Gottesmutter gerne als Advokatin  bzw. als „Anwältin des Menschengeschlechtes“.

Dem Titel „Miterlöserin“ fehlt die Beheimatung in der kirchlichen Tradition, also die Kontinuität, die Beständigkeit in der Lehrverkündigung, ganz zu schweigen von einem Vorhandensein in der apostolischen Überlieferung oder wenigstens im Frühchristentum (Kirchenväterzeit, Spätantike).

Ein solches Eingebettetsein ist aber für eine Dogmatisierung nicht nur wünschenswert, sondern unerläßlich. Ohne eine nachweisbare Überlieferung bis in die Frühzeit der Kirche führt kein Weg zu einem Dogma.

Selbst für das allgemeine katholische Glaubensgut gilt das bekannte Prinzip, das der spätantike Kirchenlehrer Vinzenz von Lerin aufstellte: „Katholisch ist das, was immer, was überall und was von allen geglaubt wurde.“   – „Katholisch“ bedeutet schon rein sprachlich betrachtet soviel wie „allumfassend“.

Angesichts dieses „Traditions-Befundes“ kann es demzufolge kaum jemals zu einem Dogma „Maria Miterlöserin“ kommen.

Noch Mitte des 18. Jahrhunderts untersagte das Hl. Offizium (Vorläufer der vatikanischen Glaubenskongregation) ausdrücklich den Ausdruck „Miterlöserin des Menschengeschlechtes“ bei der Zensur einer Franziskaner-Schrift. Danach war dieser Titel zwar erlaubt, er gehört aber bis heute nicht zur amtlichen kirchlichen Verkündigung.

Es gibt freilich durchaus eine „un-eigentliche“ Miterlöserschaft der Madonna hinsichtlich ihrer einzigartigen Mitwirkung am göttlichen Erlösungswerk, beginnend von der übernatürlichen Empfängnis des HERRN bis hin zu Marias Treue unter dem Kreuz; deshalb ist die selige Jungfrau zugleich das ideale Vorbild und Urbild der Kirche  – und die geistliche Mutter der Christgläubigen. Radio Vatikan

Im KKK (Katechismus der Kath. Kirche) heißt es unter Nr. 967, daß Maria dem Erlösungswerk ihres Sohnes „voll und ganz zustimmte“; dadurch sei sie das „Vorbild des Glaubens und der Liebe“ geworden und damit „das Urbild der Kirche“.

Klar ist also in der katholischen Verkündigung, daß Maria  auf geschöpflicher Ebene  aktiv mitwirken durfte am Heilswerk des Ewigen  – freilich in völliger Abhängigkeit von Christus und ermöglicht durch die Gnade Gottes selbst; insofern ist die Gottesmutter zweifellos die vorzüglichste  „Mithelferin“ und „Mitarbeiterin“ unseres göttlichen Erlösers.

Maria ist nun freilich selbst eine Erlöste; sie ist aufgrund ihrer makellosen Empfängnis in einzigartiger Weise die Voraus-Erlöste, Erst-Erlöste und Voll-Erlöste des Neuen Bundes  – sie nimmt unter allen Erlösten also den höchsten Rang ein, doch ändert dies nichts daran, daß auch die Madonna zur erlösungsbedürftigen Menschheit gehört. Dies wird besonders am Dogma von der makellosen Empfängnis deutlich – hier folgt der  Wortlaut des Immaculata-Dogmas:

„Die Lehre, daß die allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis aufgrund einer besonderen Gnade und Auszeichnung des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers der Menschheit, von jedem Makel der Erbsünde bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und muß deshalb von allen Gläubigen fest und unabänderlich geglaubt werden.“

Die Kirche hat mit diesem Dogma verdeutlicht, daß die Auszeichnung der makellosen Empfängnis ein besonderer Akt der „Gnade“ Gottes ist, der im Hinblick auf die „Verdienste Christi“ geschah, welcher der Erlöser des Menschengeschlechtes ist  – vorzüglich der Erlöser Mariens, seiner Mutter.

Die Madonna war sich dieser hohen Begnadigung bewußt, wie die Heilige Schrift bezeugt, denn sie jubelt in ihrem dankbaren Lobgesang, dem Magnificat, über „Gott, meinen Retter„.

Der Ewige ist auch  i h r  Erlöser, ihr Heiland, wobei sie sich als „die Magd des HERRN“ versteht und stets auf Christus verweist, so auch bei der Hochzeit zu Kana, als Jesus sein erstes öffentliches Wunder wirkte, indem er Wasser in Wein verwandelte. 

Foto: Dr. Bernd F. PelzVorher sprach die Madonna zu den Knechten: „Was ER euch sagt, das tut!“  – Dies ist im Grunde das Leitwort aller kirchlichen Verkündigung: Was Christus euch sagt, das tut!

Der Ausdruck „Miterlöserin“ für die Madonna ist weitgehend mißverständlich und stark auslegungsbedürftig  – und er könnte leicht irreführend wirken, als ob mit diesem Titel die einzige Erlöserschaft Christi, des Sohnes Gottes, zumindest indirekt infrage gestellt würde.

Manche kirchlichen Würdenträger oder Theologen sehen das freilich anders: einige vielleicht wegen einer gewissen Anhänglichkeit an die Amsterdamer „Botschaften“, andere eher aufgrund spekulativer theologischer Überlegungen.

(Was die kirchliche Stellung zur Amsterdamer Privatoffenbarung der „Frau aller Völker“  betrifft, so verweisen wir auf unsere folgende Dokumentation)

Zu den Befürwortern des Titels „Miterlöserin“ gehört beispielsweise der St. Pöltener Bischof Klaus Küng: Er erklärte am 22.8.2009 in einer Predigt im bekannten Wallfahrtsort Mariazell, die Gottesmutter verdiene mit Recht den Titel „Miterlöserin“.

Papst Benedikt XVI. beurteilt dies allerdings anders. Er würdigt zwar durchaus die wohlmeinenden Intentionen bzw. Absichten vieler Miterlösungs-Anhänger, aber gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht.

In dem im Jahr 2000 erschienenen Buch „Gott und die Welt“ (Interview mit Peter Seewald) äußerte sich der damalige Kardinal Joseph Ratzinger im Abschnitt „Von den Dogmen“  wie folgt zum Thema „Maria Miterlöserin“ (Taschenbuch-Ausgabe: S. 329 f):

„Die Antwort der Glaubenskongregation darauf lautet, daß das, was damit gemeint ist, in anderen Titeln Marias schon auf bessere Weise ausgesagt ist, während die Formel „Miterlöserin“ sich von der Sprache der Schrift und der Väter zu weit entfernt und daher Mißverständnisse hervorruft.

Was ist richtig daran? Nun, richtig ist, daß Christus nicht außerhalb von uns oder neben uns stehenbleibt, sondern mit uns eine tiefe, neue Gemeinschaft bildet. Alles, was sein ist, wird unser, und alles, was unser ist, hat er angenommen, so daß es sein wurde:

Dieser große Austausch ist der eigentliche Inhalt der Erlösung, die Entschränkung des Ich und das Hineinreichen in die Gemeinschaft mit Gott.

Weil Maria die Kirche als solche vorwegnimmt und sozusagen Kirche in Person ist, ist dieses „Mit“ in ihr exemplarisch verwirklicht.

Aber über diesem „Mit“ darf man nicht das „Zuerst“ Christi vergessen. Alles kommt von ihm, wie besonders der Epheser- und der Kolosserbrief sagen; auch Maria ist alles, was sie ist, durch ihn.

Das Wort „Miterlöserin“ würde diesen Ursprung verdunkeln. Eine richtige Intention drückt sich in einem falschen Wort aus.

Für die Dinge des Glaubens ist gerade die Kontinuität mit der Sprache der Schrift und der Väter wesentlich; die Sprache ist nicht beliebig manipulierbar.“

Ähnlich sieht es der Präfekt der römischen Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen, Erzbischof Angelo Amato:

In einem Interview mit der italienischen Zeitung ‘Avvenire’erklärte der Kurien-Erzbischof im Juli 2008, eine Dogmatisierung der Gottesmutter als „Miterlöserin“ sei weder biblisch noch patristisch (von der Lehre der Kirchenväter her gesehen) noch überhaupt theologisch gerechtfertigt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Pater Jörg Müller zwischen Mystik und Magie

Buchkritik von Felizitas Küble

Der Münchner Priester und Psychotherapeut Jörg Müller steht in der „frommen“, zumal in der charismatischen Szene seit langem im hohem Ansehen. Im erscheinungsmarianischen Spektrum ist er ebenfalls gern gesehener Autor oder Referent.

Der Ordensgeistliche schreibt Bücher und gibt Interviews, in denen er sich auch für solche „Erscheinungen“ einsetzt, die kirchlich nicht anerkannt sind, darunter Medjugorje und Marpingen. 51PPKZWPTJL__

Im Mittelpunkt charismatischen Wirkens stehen seit jeher zwei Begriffe: „Heilung“ und „Befreiung“.

Das Zauberwort „Heilung“ bezieht sich teils auf Krankenheilungen, die man besonderen charismatischen Kräften von „Begnadeten“ zuschreibt, teils auch auf die sog. „Innere Heilung“, die angeblich dadurch geschieht, daß man seelische Verletzungen ans Licht bringt und mittels „Phantasiereisen“, Imaginationen oder gar einer „Geist-Taufe“ bzw sonstiger charismatischer Praktiken aufarbeitet und dadurch „heilt“.

Mit dem Ausdruck „Befreiung“ meint das charismatische Lager eine Heilung von dämonischen „Belastungen“ bis hin zur Besessenheit durch sog. „Befreiungsgebete“, wobei nicht selten auch der eigentliche Exorzismus angewandt wird, der in Befehlsform gehalten ist und den Dämonen direkt „gebietet“. Daß Priester für den Exorzismus eine bischöfliche Genehmigung benötigen, wird hierbei oft verschwiegen.

P. Jörg Müller empfiehlt Priestern zur Befreiung von „Besessenen“ einen sog. „Kleinen Exorzismus“, den er Papst Leo XII. zuschreibt – und behauptet, dieser bedürfe keiner bischöflichen Erlaubnis, zumal die „Trennung“ von „Befreiungsdienst“ und „Exorzismus“ aus seiner Sicht ohnehin „künstlich“ sei, wie er auf S. 18 seines Buches “Verwünscht, verhext, verrückt oder was?“ mitteilt.prolifeusa

Dieses im Betulius-Verlag (Stuttgart) mehrfach aufgelegte Werk bietet ohnehin eine merkwürdige Mischung aus Mystik und Magie, aus Charismatik und Erscheinungsgläubigkeit.

Die Kirche unterscheidet bei der seelsorglichen Hilfe für dämonisch Belastete klar zwischen liturgischen bzw. privaten Gebeten, Fürbitten und Litaneien, die sich an Gott wenden und ihn um Hilfe und Befreiung anrufen  –  und andererseits dem „amtlichen“ Exorzismus, der dem Dämon in kirchlicher Vollmacht direkt befiehlt, die besessene Person zu verlassen.

Das Kirchenrecht regelt, wie ein Bischof diese heiklen Eisen behandeln soll. In Canon 1172 (§ 1) heißt es: „Niemand kann rechtmäßig Exorzismen über Besessene aus-sprechen, wenn er nicht vom Ortsordinarius eine besondere und ausdrückliche Erlaubnis erhalten hat.“

Sodann heißt es (§ 2): „Diese Erlaubnis darf der Ortsordinarius nur einem Priester geben, der sich durch Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und untadeligen Lebenswandel auszeichnet.“

Dem gültigen römischen „Rituale“ von 1999 liegen dieselben Bestimmungen zugrunde, wonach der Exorzismus grundsätzlich nur mit bischöflicher Genehmigung zulässig ist. Eine Unterscheidung von „Kleinem“ oder „Großem“ Exorzismus wird weder im Kirchenrecht noch im Rituale vorgenommen. 

Anders in Jörg Müllers vermeintlichem Sachbuch. Der Autor veröffentlicht im Anhang eine Reihe Gebete und erklärt auf S. 16, daß das „Gebet um Befreiung jeder Christ, insbesondere jeder Priester sprechen kann“, wobei er auf die „Gebete im Anhang“ verweist. images (2)

Dort befindet sich jedoch ein seitenlanger Exorzismus in Befehlsform („…gebiete ich dir, unreiner Geist….Du listige Schlange…Ich gebiete Dir, du verfluchter Drache…“), den P. Jörg Müller ausdrücklich für den „stillen und privaten Gebrauch“ empfiehlt. Diese eigenwillige Vorgangsweise widerspricht dem Kirchenrecht und dem römischen Rituale. Eine Dämonenaustreibung an kirchlichen Bestimmungen vorbei ist jedoch äußerst problematisch.

Im wesentlichen besteht das wirklich verflixte und „verhexte“ Problem heutzutage darin, daß man sich von zwei Extrempositionen gleichzeitig abgrenzen muß: Im modernistischen Lager herrscht meist ein pseudowissenschaftlicher Rationalismus, der die Existenz von Dämonen grundsätzlich leugnet.

Man denke etwa an den progressiven Theologen Herbert Haag aus Tübingen der Anfang der 70er Jahre als Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks das Buch „Abschied vom Teufel“ veröffentlichte.

Andererseits neigt man im charismatischen Spektrum dazu, überall den Teufel zu wittern und ihn dann auf eigene Faust und in vermeintlicher charismatischer „Vollmacht“ zu bekämpfen, sich also für diesen „Befreiungsdienste“ berufen zu sehen, wobei die Unterscheidung zwischen Priestern und Laien meist unbeachtet bleibt. Dieser hochmütige Irrationalismus ist mindestens genauso verheerend wie der modernistische Rationalismus, zumal er gerade das „fromme Lager“ infiziert und verwirrt.

Natürlich muß man einem Charismatiker wie Jörg Müller zugutehalten, daß er „immerhin“ öffentlich an der kirchlichen Lehre über Satan und Dämonen festhält, heutzutage gewiß nicht selbstverständlich. Doch dies allein ist noch kein Erweis für Rechtgläubigkeit, zumal es solche Positionen auch im protestantischen Raum gibt, von der schwarmgeistigen Pfingstbewegung ganz zu schweigen, die sowieso überall den Teufel an die Wand malt.Duccio

Zurück zu Pater Müllers Buch, in dem mehrfach positiv auf die „Marienerscheinungen“ in Medjugorje hingewiesen wird.  –  Auf S. 24 wird hierzu Folgendes berichtet:

„Die Seherin Mirjana hatte am 14. April 1982 eine dämonische Erscheinung: Der Teufel kam in der Gestalt der Gottesmutter. Mirjana durchschaute die Täuschung und bekam dann von der anschließend erscheinenden echten Gospa zu hören: „…Du mußt wissen, daß Satan existiert. Dieses Jahrhundert steht unter seiner Macht. Doch bald wird seine Macht gebrochen.“

Dies ist theologisch falsch und kann daher nicht von der echten Gottesmutter stammen:

1. Mirjana muß keineswegs „wissen“, daß Satan existiert, sie „muß“ es lediglich glauben, also für wahr halten. Jener Glaube, der aufgrund einer vermeintlichen oder tatsächlichen „Schau“ (also mit Hilfe von „Zeichen und Wundern“) zustande kommt, ist weniger wert als der Glaube, der sich auf Bibel und Dogma, also auf die göttliche Offenbarung stützt. Christus selbst erklärte dem skeptischen Apostel Thomas: „Selig, die nicht sehen und doch glauben!“

2. Die „Gospa“ sagt weiterhin, daß die Macht Satans „bald“ gebrochen werde. Dies ist gefährlicher Unfug, der den Leuten Sand in die Augen streut. In der Heiligen Schrift steht das genaue Gegenteil, nämlich daß in den letzten Zeiten falsche Propheten und dämonisch inspirierte Irrlehren in die Christenheit eindringen und einen großer Glaubensabfall herbeiführen, der dem Antichristen den Weg bereitet (vgl. 1 Tim 4,1 – Mt 24,10 – Mk 13,22 und 2 Thess 2).

Daher wird die Macht Satans keineswegs „bald gebrochen“, sondern sich noch steigern, bis der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ vom wiederkommenden Christus besiegt wird. Erst dann ist Satan in seinem Wirken durch Gott selber „gebunden“.

Zwei Seiten weiter sowie mehrfach danach (etwa S. 59) erwähnt der Verfasser „sehr gläubige“ Damen und Herren, die „charismatisch“ begabt seien und die ihm bei seinem „Befreiungsdienst“ hilfreich zur Seite stünden, weil sie offenbar eine negative Herzensschau besitzen, indem sie Sünden und dämonische Belastungen erkennen bzw „feinfühlen“. Pater Müller setzt diese Hellseher also wie ein Diagnosemedium ein, um zu erfahren, ob ein Hilfesuchender lediglich krank oder dämonisch „belastet“ ist.

Fast möchte man sagen: Fehlt dem selbsternannten Dämonenbefreier auch die bischöfliche Erlaubnis, so hat er „Besseres“ zu bieten, nämlich charismatisch „Begnadete“, die auf angebliche Weisung des Himmels ein „Wort der Erkenntnis“ liefern. Dieser vom Autor selbst gewählte Ausdruck ist im charismatischen Bereich seit Jahrzehnten ein stehender Begriff für die sog. „Prophetengabe“, die sich viele Personen dort zuschreiben.

P. Jörg Müller verweist in seinem Buch mehrfach auf die erstaunliche Treffsicherheit dieser hellsichtigen Personen, die er für seine „Befreiungsdienste“ zu Rate zieht. Eben deshalb handelt es sich aus meiner Sicht um Hellseherei, also um Magie und Spiritismus im „frommen“, im charismatischen Gewand. Noch merkwürdiger ist, daß P. Jörg Müller auf S. 52 selber erwähnt, „Hellsichtigkeit“ sei ein dämonisch bewirktes Phänomen, das ein Kennzeichen von „Besessenheit“ darstelle.

Sodann schreibt er trefflich, kurz nachdem er seine „Geistbegabten“ rühmte, auf S. 26: „Der Teufel steckt vielmehr im Detail; dort, wo ihn die meisten Menschen aufgrund ihrer mangelnden Unterscheidungsgabe oder geistlichen Blindheit gar nicht vermuten.“ – Wie wahr! Kreuzkuppel

Doch warum wendet der Autor diese Aussage nicht auch dort an, wo sich bei ihm offenbar ein „blinder Fleck“ befindet, nämlich bei seiner Fixierung auf „charismatische Begabungen“ und falschmystische Phänomene und „Erscheinungen“ (Medjugorje, Marpingen etc).

Apropos Marpingen: Was der umtriebige Palottinerpater in dieser Causa geboten hat, sucht seinesgleichen und spricht nicht gerade für seine „Unterscheidungsgabe“:

Er verfaßte nicht nur ein Werbebuch pro Marpingen (Titel „Von Maria zu reden ist gefährlich“), sondern betätigte sich auch als Ratgeber und Gutachter der drei „Seherinnen“, die Ende der 90er Jahre jahrelangen Wirbel verursachten, so daß bei der letzten „Erscheinung“ am 17. Oktober 1999 sage und schreibe 35.000 Menschen ins kleine Marpingen schwärmten, 5000 mehr als zum Papstbesuch in Mariazell.

Während P. Jörg Müller öffentlich beteuerte, er sei sicher, daß die Gottesmutter in Marpingen erschienen sei, schließlich habe er die Seherfrauen ausführlich befragt und beob-achtet, erklärte der zuständige Trierer Bischof Marx 6 Jahre später über die Marpinger Phänomene: „Es bestehen schwerwiegende Gründe, die es nicht erlauben, sie als übernatürliches Geschehen anzuerkennen.“

Dieses Urteil wird dem Bischof vermutlich nicht schwergefallen sein, wenn man sich einige „Botschaften“ von Marpingen vor Augen führt, so etwa folgende vom 6. September 1999: mtcarmelpic1

Eine der „Seherinnen“ auf die Frage „Was siehst Du denn?“:
„Die Mutter Gottes, die ist ganz lieb. Die ist heut so ganz so bißchen lustig und der Pater Pio ist so ganz lustig. Die sind richtig gut drauf, richtig lustig.“

Mit solchen Weisheiten wird sogar das Kindergarten-Niveau von Medjugorje noch unterboten, was der Bischof vermutlich weniger „lustig“ fand.

Das Buch von Pater Jörg enthält weitere „charismatische“ Spezialitäten, so auch die Be-hauptung auf S. 29 in Bezug auf die Zukunft der Kirche, es werde „ganz plötzlich der Umschwung und der Untergang ihrer Gegner kommen“. Hierbei verweist der Autor auf die „Träume“ Don Boscos.

Es kommt jedoch nicht auf Träume und Visionen von wem auch immer an, sondern auf Bibel und Dogma. Die Heilige Schrift lehrt, daß die Christenheit in der Endzeit verfolgt wird, somit der „Sieg der Kirche“ nicht im äußeren Triumph, auch nicht im „Untergang ihrer Gegner“ bestehen wird, sondern wie zu Anfang ihrer Existenz im Sieg des Glaubens durch Märtyrer. Erst danach kommt es zum endgültigen Triumph Christi über den Antichristen.

Es ist freilich typisch für Charismatiker, von äußeren Siegen und der Niederlage von Gegnern zu fabulieren. Ob dies etwas mit Leidensscheu zu tun hat? Mit dem Wunsch, ohne Kreuz zur Herrlichkeit zu gelangen? Wird damit nicht letzten Endes die wahre Nachfolge Christi verweigert?

Übrigens hat die Kirche schon im Hochmittelalter die charismatischen Endzeitschwärmereien eines Joachim von Fiore verurteilt, der öffentlich von einem „Dritten Reich des Hl. Geistes“ träumte, das auf das Erste Reich (AT) und das Zweite Reich (NT) folgen werde.Sayn-Abteikirche-DSC_0195-2

Was der selbsternannte Teufelsbanner dann aber auf S. 43 empfiehlt, ist selbst für cha-rismatische Verhältnisse recht ungewöhnlich. So befürwortet er ausdrücklich das Pendeln als Mittel der „Diagnose“ und lehnt es lediglich zu Zwecken der „Prognose“ ab. Damit verneint er zwar die Zukunftsdeutung, nicht jedoch die Hellseherei mittels dieser magi-schen Methode.

Überdies würdigt der Verfasser auf S. 64 f. das Autogene Training sowie die fernöstlich-heidnische Akupunkturmethode. Er berichtet, daß er selber seit langem „Kurse in Autogenem Training“ durchführt.

Hinsichtlich gewisser „Heilmethoden“ wie Akupunktur stellt er fest, man müsse „keineswegs für unchristlich erklären, was nachweislich heilt, auch wenn die Schulmedizin davon nichts hält“ (S.67). – Soll dies nun bedeuten, daß der Zweck die Mittel heiligt nach der Devise „Hauptsache, es hilft“ oder „Wer heilt, hat recht!“

Diese Haltung ist erkennbar „charismatisch“, um nicht zu sagen magisch, aber keineswegs christlich. Echte Gläubige denken stattdessen: „Alles, was Gottes Willen entspricht, ist gut, ob Krankheit oder Gesundheit, ob Freuden oder Leiden.“ – Christen orientieren sich am Vaterunser: „Dein Wille geschehe!“  –  nicht: „Mein Wille geschehe!’

Äußerst bedenklich ist es auch, daß der Palottinerpater sogar die Hypnose als Heilmittel bzw Therapie ansieht (S. 65). Offenbar ist dem jahrzehntelang tätigem Psychotherapeuten entgangen, daß die Hypnose inzwischen auch in seinem Fachbereich weitgehend abgelehnt wird (u.a. weil die „Übertragung“ und evtl. „Gegenübertragung“ von Patient und Therapeut nicht zur Sprache kommt).

Zudem wird Hypnose als Fremdsuggestion auch im Spiritismus, der Magie und in heidnischen Religionen eingesetzt. Durch die hypnotisch hervorgerufene Passivität des Verstandes entsteht ein Vakuum, in das leicht falschgeistige Einflüsse eindringen können, darunter auch dämonische Kräfte. Zudem besteht ohnehin die Gefahr einer Manipulation durch den Hypnotiseur bzw einer ungesunden mentalen Abhängigkeit von diesem.

Doch damit nicht genug. Charismatikerpater Müller erwähnt die als „Arme-Seelen-Mutter“ bekannte Maria Simma mehrfach positiv (S.62 und 104)). Wenig erstaunlich, war diese vermeintlich „Begnadete“ mit ihrer jahrzehntelangen Totenbefragung (eine spiritistische Methode, die von der Heiligen Schrift streng untersagt wird) doch zu Lebzeiten eine „gläubige“ Medjugorje-Anhängerin.

Sicherlich kann man Erscheinungen von „Armen Seelen“ nicht vorn vornherein ausschließen. Wenn jedoch jenseitige Wesen systematisch ausgefragt werden, hat dies mit

spontanen Phänomenen nichts mehr zu tun. Das Fegfeuer ist kein Auskunftsbüro und die Seelen im Läuterungszustand keine Ansammlung von Schwatzgeistern, sondern intensiv damit befaßt, ihre Seelen durch Leiden und Sehnsucht nach Gott zu reinigen, damit sie innerlich reif für den Himmel werden. Vermutlich handelt es sich bei Maria Simmas „Erlebnissen mit Armen Seelen“ entweder um Einbildung oder um Schwarzgeister.

Die Oberkrönung der Ver(w)irrungen dürfte auf S. 86 geboten werden, wobei man erfährt, daß Pater Jörg Müller „Erzbischof Milingo sehr schätzt“. weisselberg_memoriam

Das Buch aus dem Jahr 1998 ist geschrieben zu einem Zeitpunkt, als Milingo seine spektakulären Massenexorzismen in Rom veranstaltete, wobei er den Ungeist, den er zu bannen vorgab, wohl überhaupt erst herbeigerufen hat. Jedenfalls kam es dabei häufig zum Phänomen des ohnmächtigen „Rückwärts-kippens“, von Charismatikern als „Ruhen im Geist“ verherrlicht, in Wirklichkeit wohl eher ein Erschlagensein im Ungeist, denn der Heilige Geist tötet den Verstand nicht, er legt ihn (und den Menschen) nicht flach, sondern hält ihn wach und lebendig.

Noch im Mai 2001 traten Jörg Müller und Erzbischof Milingo nacheinander als Referenten im österreichischen Seminarhaus „Sonntagsberg“ auf, wobei der Pallotinerpater Priesterexerzitien hielt und der „Exorzist“ aus Rom Einkehrtage zum Thema „Heilung aus dem Leben mit Christus“.

Auch bei Pater Müller ist der charismatische „Heilungs“-Begriff fast allgegenwärtig, hat er doch ihn doch in mehreren Buchtiteln aufgeführt (zB. „Gott heilt auch dich“, „Heilung durch Versöhnung“, „Und heilt alle deine Gebrechen“). Er sieht sich auch selbst als „Leiter der Heilenden Gemeinschaft“ im Palottihaus München-Freising.

Der von ihm so sehr geschätzte Exorzist und „Heiler“ Milingo hat wenig später nicht nur den Zölibat, sondern auch den Katholischen Glauben verlassen und sich der falschpro-phetischen Mun-Sekte zugewandt, womit endgültig klar sein dürfte, daß er schon vorher von vielen guten Geistern verlassen war. Das kommt davon, wenn man sich zahlreicher „charismatischer“ Gaben rühmt, aber die notwendige Unterscheidung der Geister unterläßt.

Angesichts dieser Sachlage reibt man sich erstaunt die Augen und liest das Vorwort des Buches, stammt es doch aus der Feder von Weihbischof Franziskus Eisenbach aus Mainz, der sich gern in charismatischen Kreisen tummelte, was ihm nicht nur Freude brachte, sondern leider auch Skandale, denkt man an die Affäre mit einer Dame aus diesem Spektrum, die erst durch die Medien und dann durch die Gerichtssäle ging.

Obwohl der Weihbischof in seinem Vorwort betont, es bedürfe der „nüchternen Klarheit“ hinsichtlich der biblischen und kirchlichen Lehre „über den Dienst der Heilung und Be-freiung“, scheint ihm diese Nüchternheit abhanden zu kommen, sonst würde er nicht die „reiche Erfahrung“ würdigen, die Pater Jörg Müller „in diesem Bereich des kirchlichen Dienstes der Heilung und Befreiung“ gesammelt habe.

Dieses charismatische Zauberwort der „Heilung und Befreiung“ wiederholt der Weihbischof wie ein Mantra, wobei er die „innere Heilung“ nicht unerwähnt läßt, ja sogar von einer „nachkonziliaren Erneuerung der Kirche“ fabuliert, die darin bestände, daß man sich wieder auf „Heilung und Befreiung“ als Auftrag des Herrn zurückbesinne.

Fast entsteht der Eindruck, als sei das pastorale Rad nach 2000 Jahren neu erfunden worden, nicht zuletzt dank Psycho-Heiler Jörg Müller und seinem „Propheten“ Franziskus Eisenbach.

Felizitas Küble aus Münster leitet das Christoferuswerk in Münster

Mail-Kontakt: felizitas.kueble@web.de

Fotos: Archiv, Dr. Bernd F. Pelz