Rheine (Westfalen): Lebensrechtler-Aktion der ALfA sorgt für rege Anteilnahme

Bewegende Schicksale am Infostand

Der Regionalverband Nordmünsterland der „Aktion Lebensrecht für alle“ (ALfA) war am Samstag, den 2. September, mit einem reich bestückten Infostand auf dem Borneplatz in Rheine (Westfalen) vertreten.

Die Vorsitzende Cordula Mohr und ihre Stellvertreterin Mechthild Brüning begannen bereits um 8,30 Uhr, führten Gespräche mit zahlreichen Passanten und verteilten ihre Materialien an Interessierte.

Zwei weitere ALfA-aktive Damen, darunter eine Lebensrechtlerin im Rollstuhl, waren bei der Betreuung des Standes behilflich, der bis 14 Uhr aufgestellt war.

Die Dialoge mit Fußgängern zeigten, dass der Pro-life-Verband in der Stadt bereits recht bekannt war. Oftmals wurde gesagt, man sei schon früher beim ALfA-Stand vorbeigekommen oder habe eine Unterschrift gegen die staatliche Finanzierung der Abtreibung geleistet. Auch diesmal wurde für dieses Anliegen geworben.

Fast alle Gesprächsteilnehmer hätten entweder früher oder jetzt unterzeichnet, erklärte Cordula Mohr hierzu Die regionale Verbandsvorsitzende fügte hinzu, sie sei bewegt über vielfache Erlebnisberichte, die sie direkt am Stand von Frauen über ihre Schwangerschaftserfahrungen erhielt.

Demnach wurden Betroffene nicht selten von Angehörigen oder Freunden zu einer Abtreibung gedrängt, ließen sich aber nicht beirren und schenkten ihrem Kind das Leben. Als ergreifend empfand die 50-Jährige auch die Äußerung einer Mutter, als sich das dritte Kind angemeldet hätte, sei die Situation, auch die Wohnverhältnisse, problematisch gewesen, aber sie und ihr Mann hätten „innerlich und äußerlich Platz geschaffen für das Kind“.

Immer wieder wurde von Passanten beklagt, dass die meisten behinderten Babys nicht mehr das Licht der Welt erblicken dürfen. Vor allem erfahrene Sonderpädagogen berichteten teils unter Tränen über die Liebenswürdigkeit von Kindern mit Down-Syndrom. Eine Welt, in der behinderte Menschen keine Chance bekämen, sei kalt und unmenschlich, war das Resultat dieser Gespräche.

Als auffallend stark erwies sich das Interesse von Männern und besonders von Vätern an den Embryonen-Modellen; viele kündigten an, die kleinen Plastik-Embryos ihren Kindern zuhause zu zeigen. Auch die „Silberfüße“  – ein Anstecker mit den winzigen Füßlein eines ungeborenen Babys im 3.  Monat  –  sorgte für rege Anteilnahme.

Ein älterer Herr berichtete, dass Abtreibung in der Nachkriegszeit kein Thema gewesen sei; die Familien und Verwandten hätten zusammengehalten, so dass die ungeborenen Kinder trotz erheblicher Nöte und Sorgen auf die Welt kommen durften.

Frauen stecken vor allem die Handzettel mit der Telefonnummer von VITA-L ein, einer kostenlosen Beratungshotline der ALfA, die auch bei Ärzten und Apotheken in Rheine ausliegt.

Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, dass Schwangere in Konfliktsituationen sich bei VITA-L melden und Ermutigung sowie praktische Unterstützung zugesprochen bekommen. Insgesamt wurde die Infostand-Aktion von den Lebensrechtlerinnen der ALfA als grosser Erfolg gewertet.

Erstveröffentlichung dieses Berichts unserer Autorin Cordula Mohr in den „Westfälischen Nachrichten“ vom 6.9.2017

 


Vanessa: Ein Kind sagt JA zu seinem Kind

Von Cordula Mohr
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Anfang September 2014 erhielt ich einen Anruf von Mechthild Brüning, meiner Stellvertreterin im Vorsitz der ALfA (Aktion Lebensrecht für alle) im Regionalverband Rheine.

Sie hatte am Abend zuvor von der ALfA in München eine telefonische Bitte um Mithilfe bekommen. Dort war der Anruf einer Mutter eingegangen, deren erst 14-jährige Tochter schwanger wurde, sich aber tapfer für das Austragen des Kindes entschieden hat. Die Eltern selbst bemerkten die Schwangerschaft erst in der 22. Woche. Nun baten sie um Unterstützung in dieser schwierigen Situation.

Zunächst suchten die Eltern und ihre kindliche Tochter Vanessa jemanden, der mit ihnen den Weg geht, den die Familie sich ausgesucht hat, nämlich das Baby im Elternhaus großzuziehen. Behörden und Kliniken empfahlen der Familie im Gespräch häufig die Adoption. Man konnte sich dort kaum vorstellen, daß eine derart junge Mutter mit einem Kleinkind zurechtkommt.

Leider stand eine drohende Arbeitslosigkeit des Familienvaters im Raum. Somit wurden auch die Geldsorgen von Vanessas Eltern größer.

Ich sprach mit der Mutter und bestärkte sie in dem Gefühl und Bewußtsein, auf dem richtigen Weg zu sein. Ich sprach ihr zu, wie großartig es sei, dass Vanessa ihr Baby im Elternhaus großziehen darf. Dies sei sicher besser als eine Adoption, die immer nur eine Notlösung sein könne.images (2)

Die Familie freute sich über diese Ermutigung – und trotz aller Schwierigkeiten auch über den neuen Erdenbürger, der unterwegs war.

Vanessa hatte ihre Schwangerschaft zunächst geheimhalten wollen, um den Eltern keine Sorgen zu bereiten, zumal angesichts der drohenden Arbeitslosigkeit und einem Burnout des Vaters. Ich erklärte der Mutter, dass wir seitens der ALfA finanziell helfen können. Beim zweiten Gespräch stellte sich heraus, dass es mittlerweile zum Rechtsstreit mit dem Arbeitgeber von Vanessas Vater gekommen ist.

Weiter erfuhr ich, daß es der kindlichen Schwangeren recht gut geht, obwohl sie von einigen jüngeren Mitschülern hinterrücks beleidigt wurde. Als die Schulleitung davon erfuhr hat, man sehr klar und gut reagiert und den Betreffenden mit Abmahnung gedroht. In ihrer eigenen Klasse wurde Vanessa aber allgemein akzeptiert. Die Mitschüler sprachen Ihr Mut zu und sagten: „Du wirst es schaffen!“

Da die finanzielle Lage von Vanessas Eltern schwierig war, habe ich ihr mündlich eine Patenschaft der ALfA zugesagt, worüber die Freude groß war.

Am 11. November des vorigen Jahres fuhr ich zu dieser Familie, um den Patenschaftsantrag auszufüllen. Vanessa war zuhause, weil sie den Praktikumsplatz im Kindergarten wegen ihrer Schwangerschaft nicht antreten konnte. Somit hatten wir genügend Zeit für ein gutes Gespräch. Außerdem traf ich ihre Mutter und ihre jüngere Schwester aA.L.Content_Was_wir_wollenn.

Vanessa erzählte mir, daß sie sich von ihrem Freund, einem Jungen aus ihrer Klasse, zum Sex gedrängt gefühlt habe. Mittlerweile trennte sich Vanessa von ihm. Das Jugendamt wird wohl einen Kontakt zum Kindsvater herstellen. Die Familie von Vanessa überlässt dies den Behörden. Von sich aus möchten auch die Eltern keinen Kontakt zu dem Jungen aufnehmen.

Vanessa will auf jeden Fall ihre Schule gerne zu einem guten Ende bringen und ihre Eltern unterstützen sie in diesem Vorhaben.

Ich selbst bin beeindruckt von dem festen Zusammenhalt dieser Familie. Vanessa benötigt natürlich noch sehr ihre Mutter, um ihrer eigenen Mutterrolle gewachsen zu sein. Die ALfA hat eine Patenschaft übernommen und unterstützt die kindliche Mutter und ihr Baby monatlich mit einer finanziellen Zuwendung. Eine Einmalzahlung für die Erstausstattung erfolgte ebenfalls.

Am 12. Januar dieses Jahres, genau an dem errechneten Termin, hat der kleine Lukas gesund und auf dem natürlichen Geburtsweg das Licht der Welt erblickt. Unser Regionalverband Rheine und die ganze ALfA freut sich, dieser ungewöhnlich jungen und außergewöhnlich tapferen Mutter geholfen zu haben und sie auch weiterhin zu unterstützen.

Unsere Autorin Cordula Mohr ist Familienmutter (drei Kinder) und Regionalvorsitzende der ALfA in Rheine sowie Mitglied des Landesvorstands NRW der CDL (Christdemokraten für das Leben); dieser Beitrag erschien auch im aktuellen „Lebenszeichen“ der ALfA.