Medienexperten kritisieren beflissene Hofberichterstattung des TV wg. Coronakrise

„System-Journalismus“ statt kritischem Blick

Wie das Deutschlandradio am 26. März berichtet, wächst die Kritik an der staatsbeflissenen Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens über das Coronavirus.

Medienwissenschaftler Prof. Dr. Otfried Jarren aus Zürich bemängelt einen zunehmenden „Systemjournalismus“ in Deutschland. Vor allem der Norddeutsche Rundfunk falle ihm durch eine „besondere Form der Hofberichterstattung“ auf.

Es fehlten „alle Unterscheidungen, die zu treffen und nach denen zu fragen wäre: Wer hat welche Expertise? Wer tritt in welcher Rolle auf?“

Auch Medienjournalisten äußern sich skeptisch über diese Gleichförmigkeit. Andrej Reisin schrieb im Portal Übermedien, auch in Krisenzeiten sei es nicht die Aufgabe von Presse, Funk und Fernsehen , den verlängerten Arm der Regierung zu spielen.

Im Deutschlandfunk forderte Vera Linß, die Themen Überwachung und Datenschutz stärker in den Fokus zu nehmen. Auch sie kritisierte, vielfach werde die Krisenstrategie der Bundesregierung weitgehend kritiklos „als eine Art Service-Journalismus“ übermittelt.

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Medienexperten kritisieren Programm und Finanzgebaren des öffentlich-rechtlichen TVs

Anläßlich der Klage gegen den ZDF-Staatsvertrag vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe haben führende deutsche Medienwissenschaftler scharfe Kritik an Aufsichtswesen, Programmgestaltung und Finanzgebaren von ARD und ZDF geübt.

„An die heilige Kuh der Aufsicht öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten wagt sich keiner heran, da haben zu viele die Finger drin“, sagte Gabriele Goderbauer-Marchner, Professorin für Print- und Internet-Journalismus an der Universität der Bundeswehr München, gegenüber der  Tageszeitung „Die Welt“. pc_pi

„Es würde einen Mut erfordern, den ich heute noch nicht sehe, die vorhandene Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens in moderne Strukturen des 21. Jahrhundert zu überführen. Es fehlt zum Beispiel an dem Mut, kleinere Sender zu schließen bzw. in größere Einheiten zu integrieren“, so die langjähriges Jurorin beim Bayerischen Fernsehpreis.

Zur Kontroverse um die fortlaufende Programmvermehrung, speziell die Diskussion um einen weiteren Jugendkanal von ARD und ZDF, sagte die Medienexpertin:

„Warum brauchen wir den Kinderkanal? Ich meine angesichts der fragwürdigen Qualität des Programms, aber auch in Hinblick auf die Skandale um die Geschäftsführung des Senders, dass man ihn auch einfach schließen könnte.“

Henk Erik Meier, Professor der Sozialwissenschaft an der Uni Münster, kritisierte die veränderten Prioritäten von ARD und ZDF:

„Über die Jahre haben die öffentlichen-rechtlichen Sender in Deutschland ganz massiv Programmmittel umgeschichtet: Weg von Kultur- und Informationsprogrammbestandteilen hin zu Spielfilm- und Sportangeboten“, erklärte der langjährige Mitarbeiter der Kommission für die Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) der „Welt“.

Namentlich eines dieser Spartenprogramm, der Kinderkanal, erfülle sicherlich nicht in allen Programmanteilen den erhobenen, hohen Qualitätsanspruch. „Hier wird einfach kommerzielle Massenware gezeigt“, sagte Prof. Meier.

Quelle: dts-Nachrichtenagentur