Kardinal Schönborn wirbt weiter kräftig für Medjugorje

Obwohl der Wiener Erzbischof  bereits vor über zwei Jahren vom Papst dringend ermahnt wurde, sich mit seinen Empfehlungen für den kirchlich nicht anerkannten „Erscheinungsort“ Medjugorje zurückzuhalten, wobei Schönborn sich sogar beim zuständigen Ortsbischof Peric entschuldigen mußte (siehe hier:  http://www.pressinfocom.com/1/Kardinal-Schoenborn-entschuldigt-sich-bei_511283.html ), rührt der Kardinal ungerührt weiter die Werbetrommel für Medju.

Hierfür zwei aktuelle Beispiele:

1.

In der jüngsten Medju-Zeitschrift Oase des Friedens (Nr. 7/2012) findet sich auf S. 9 eine ganzseitige Reklame für ein „Friedensgebet im Wiener Stephansdom“ am 29. September dieses Jahres.

Dagegen wäre nichts einzuwenden, stände diese Feier nicht  –  alle Jahre wieder  –  ganz im Zeichen von Medju. –  Auf der Werbeseite schwebt über dem Stephansdom gleich passend die „Gospa“ von Medjugorje, wie die Erscheinungsmadonna dort gerne genannt wird.

Auch diesmal wird Christoph Kardinal  Schönborn wieder persönlich dabei sein, wenn Medju-Seher Ivan Dragicevic und „zahlreiche Zeugen der Ereignisse von Medjugorje“ (laut Ankündigung) dort ihren großen Auftritt haben.

Dabei ist allein für den „geistlichen Impuls“ des Visionärs eine Stunde eingeplant  –  in Wirklichkeit besteht dieser  sog. „Impuls“ seit Jahren aus einer angeblichen Erscheinung, die Herr Dragicevic direkt an Ort und Stelle „erleben“ wird: immer pünktlich zur rechten Zeit natürlich.

Auch die „Johannesgemeinschaft“ des Malteser-Ritterordens empfiehlt ausdrücklich diese Medju-Feier im Stephansdom.

Eine ähnliche Werbung findet sich in der Webpräsenz dieser Zeitschrift: http://www.oasedesfriedens.at/index.php?option=com_content&view=article&id=216:die-gospa-zeigt-uns-einen-weg-aus-der-rezession&catid=31:allgemein

2.

In derselben Zeitschrift wird auf der gegenüberliegenden Seite ein neuer Bildband von Christoph Hurnaus über Medju angepriesen. Titel: „Medjugorje – Hoffnung für die Welt.“  

Einer der Mitautoren dieses Jubelbandes ist Erzbischof Schönborn.  – Außerdem sind Pater Karl Wallner (Stift Heiligenkreuz) und Buchautor Paul Badde mit von der Partie; überdies natürlich etliche „Seher“ von Medju.


Pater Karl Wallner und die „Früchte“ von Medjugorje

Von Felizitas Küble

Der bekannte Heiligenkreuzer Zisterzienser-Pater Karl Wallner veröffentlichte am 18.2.2010 eine Stellungnahme zu Privatoffenbarungen und Medjugorje in der katholischen Zeitung „Tagespost“ (Würzburg).Maira

In seiner Einführung betont er zunächst sehr klar und gut begründet, daß und warum die katholische Kirche sich gegenüber „Erscheinungen“, Visionen und ähnlichen außerordentlichen Vorgängen vorsichtig bis skeptisch verhält. Tatsächlich beträgt der Anteil der von der Kirche anerkannten „Erscheinungen“ nicht einmal 1%, was ihre kritische Haltung dokumentiert.

Pater Wallner bleibt aber nicht bei diesen allgemeinen Ausführungen stehen, sondern leitet dann zum Thema Medjugorje über, berichtet von seinen pastoralen Erfahrungen dort, die er als positiv erlebte – und äußert sich sodann zu den  – wie er meint – guten Früchten dieser Erscheinungsstätte in Bosnien-Herzegowina, wo angeblich seit über 30 Jahren die „Gospa“ erscheint, wie die Gottesmutter dort genannt wird.

Da dieser Hinweis auf die „Früchte“ ein echter Dauerbrenner ist und den Kritikern immer wieder  – meist als erstes Argument  –  entgegengehalten wird, zitieren wir hier zunächst den entsprechenden Abschnitt aus Pater Wallners Artikel: media-372515-2

„Ich habe es als nüchterner Theologe bewusst vermieden, bei „Erscheinungen“ dabei zu sein oder den Sehern auch nur allzu nahe zu kommen. Meine Fragestellung an Medjugorje war immer: Geht es hier um eine Sakro-Show, also um das bloß der Erscheinungshaft-Übernatürliche, oder geht es hier um den Kern, um das Wesenhaft-Übernatürliche?

Meine Einsicht ist klar: Was ich in Medjugorje erlebt habe, sind keine faulen Früchte. Alles führt hin zur Eucharistie, zur Beichte, zum Gebet, zu einem Leben aus den Sakramenten, zur Treue gegenüber dem kirchlichen Lehramt.“

Hierzu stellen wir fest:

1. Die zuständigen Oberhirten von Mostar (sei es der jetzige Bischof Peric oder sein Vorgänger Zanic) wissen über die „Früchtchen“ von Medjugorje ganz anderes zu berichten (einschließlich zB. der „Seherinnen“ Vicka und Marija) , wobei Bischof Zanic bereits Mitte der 80er Jahre eine gründlich erarbeitete Dokumentation verfaßte, die uns vorliegt.

Selbst wenn nur 10% von dem stimmen würde, was dort an Fakten aufgeführt wird, wäre es schon haarsträubend genug – doch wir gehen davon aus, daß der Bischof alles zutreffend darstellt, zumal er seine Kritikpunkte genau belegt hat. Nachdem wir damals vor 25 Jahren diese Ausarbeitung gelesen haben, fühlten wir uns in unserer wachsenden Skepsis durch diese bischöfliche Stellungnahme bestätigt.

Dazu kommt, daß wir hier in unserem KOMM-MiT-Verlag und Christoferuswerk in Münster im Laufe der Jahrzehnte sehr viele höchst unerfreuliche Erfahrungen mit „Medju-Bekehrten“ machen mußten (von unreifer Schwärmerei und verbissenem Fanatismus bis hin zum handfesten Betrug), so daß wir beim Wort „Früchte“ eher an Früchtchen und Sumpfblüten denken als an gute Auswirkungen oder gar die Gaben des Hl. Geistes…

2. Selbst wenn Pater Wallners Aufzählung der wohlklingenden Medju-Früchte unwidersprochen stehenbleiben könnte, so wären diese Früchte noch lange kein Beweis für die Echtheit dieser Privatoffenbarung, denn bei solch einer simplen „Logik“ müßte die Kirche ja praktisch alle angeblichen „Erscheinungen“ anerkennen (wovon sie weit entfernt ist), da doch wohl an allen Erscheinungsstätten viel gebetet, gebeichtet und in die Kirche gegangen wird.

Dazu kommt, daß es in Medju nun schon seit über 30 Jahre Erscheinungen geben soll, bei einigen „Sehern“ sogar täglich, wobei es natürlich auf Wundersüchtige bzw. Sensationslustige oder einfach recht neugierige Personen schon sehr faszinierend wirkt, sich an einem Ort aufzuhalten, an dem die himmlische „Madonna“ Tag für Tag ein Stelldichein  liefert.

Die katholische Kirche ist aber viel nüchterner als Pater Karl Wallner, denn sie weiß seit 2000 Jahren, daß „fromme Früchte“ allein noch lange kein Beweis für die übernatürlich-himmlische Herkunft einer Privatoffenbarung darstellen.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Jugendverlags und des Christoferuswerks in Münster