Causa Medjugorje: Die jüngste „Himmelsbotschaft“ an die Seherin Mirjana

„Verschwendet keine Zeit, indem ihr zuviel nachdenkt“

In der katholischen Pfarrei Medjugorje in Bosnien-Herzegowina soll  – einer Schar von männlichen und weiblichen Sehern zufolge  –  bereits seit dem 24. Juni 1981 die Gottesmutter als „Königin des Friedens“ erscheinen – und dies bei einigen der Visionäre sogar täglich. 884bb991a79922716df25fc4342f10d8_XL

Die zuständigen Oberhirten des Bistums Mostar (erst Bischof Zanic, danach sein Amtsnachfolger Bischof Peric) lehnen die  „Offenbarungen“ des Himmels bzw. die mittlerweile über 40.000 Erscheinungen strikt ab.

Zu den Sehern, denen angeblich „Botschaften“ der Madonna anvertraut werden, gehört auch die Familienmutter Mirjana Dragicevic-Soldo; sie soll zehn Geheimnisse von ihr erhalten haben.

Jeweils am zweiten Tag eines Monats erlebt sie  – eigenen Angaben zufolge – eine Erscheinung der „Gospa“, wie die selige Jungfrau Maria in jener Gegend bisweilen genannt wird. Diese sog. „Privatbotschaft“ wird per Medjugorje-Newsletter verbreitet.

Wir dokumentieren hier die jüngsten Aussagen der „Gospa“ vom 2. August 2015 im vollständigen Wortlaut (das Hervorheben einiger Äußerungen durch Linien erfolgt durch uns):

 „Liebe Kinder! Ich, als Mutter, die ihre Kinder liebt, sehe, wie schwer die Zeit ist, die ihr lebt. Ich sehe euer Leid, aber ihr sollt wissen, dass ihr nicht allein seid. Mein Sohn ist mit euch. Er ist überall. Er ist unsichtbar, aber ihr könnt Ihn sehen, wenn ihr Ihn lebt. DSC06228

Er ist das Licht, das eure Seele erleuchtet und den Frieden gibt. Er ist die Kirche, die ihr lieben sollt und für die ihr immer beten und kämpfen sollt – aber nicht nur mit Worten, sondern mit Werken der Liebe. Meine Kinder, wirkt, damit alle meinen Sohn erkennen, wirkt, damit Er geliebt werden kann, denn die Wahrheit ist in meinem Sohn, geboren von Gott – dem Sohn Gottes.

Verschwendet keine Zeit, indem ihr zu viel nachdenkt; ihr werdet euch von der Wahrheit entfernen.

Nehmt mit einfachem Herzen Sein Wort an und lebt es. Wenn ihr Sein Wort lebt, werdet ihr beten. Wenn ihr Sein Wort lebt, werdet ihr mit barmherziger Liebe lieben, ihr werdet einander lieben. Je mehr ihr liebt, je weiter werdet ihr vom Tod entfernt sein. Für diejenigen, die das Wort meines Sohnes leben werden und die lieben, wird der Tod Leben sein. Ich danke euch. Betet, dass Ihr meinen Sohn in euren Hirten sehen könnt. Betet, dass ihr Ihn in ihnen umarmen könnt.“

Hierzu einige Hinweise:

1.Es heißt in der Botschaft: „Er (Jesus) ist die Kirche.“  –  Christus ist das Haupt der Kirche, die Gläubigen sind die Glieder dieses geheimnisvollen Leibes; in Wort und Sakrament wirkt der Erlöser auch nach seiner Himmelfahrt weiter in der Welt für das Heil der Menschen. mtcarmelpic1

2. Die Aussage, Christus sei „geboren von Gott“ ist zumindest mißverständlich, wenn nicht sogar irreführend. Christus selber ist ja GOTT, die zweite Person der göttlichen Dreieinigkeit. Es muß also richtig heißen: Christus ist „geboren vom Vater“, wie es auch das CREDO (Glaubensbekenntnis) lehrt: „Aus dem Vater geboren vor aller Zeit…“  

3. Was soll die Warnung vor „zu viel Nachdenken„, weil dies angeblich „Zeitverschwendung“ sei, verbunden mit der Mahnung, sich sonst von der „Wahrheit“ zu entfernen?  –  Soll hier womöglich einem kritischen Nachdenken hinsichtlich der Echtheit jener Erscheinungen vorgebeugt werden?

4. Sodann wird zum Gebet für die „Hirten“ aufgerufen, auf daß man in ihnen Christus „umarmen“ könnte. Auf der einen Seite verweigern alle Medjugorje-„Seher“ seit Jahrzehnten den kirchlichen Gehorsam, indem sie die ablehnenden Stellungnahmen ihrer zuständigen Oberhirten (erst Bischof Zanic, danach Bischof Peric) ignorieren bzw. links liegenlassen.  – Auf der anderen Seite werden „Umarmungs“-Aufforderungen zum Besten gegeben. Soll damit vielleicht der dauerhafte Ungehorsam verschleiert werden?

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das gemeinnützige Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt. 

 

 


Medjugorje: Was die Gospa der „Seherin“ Mirjana heute mitgeteilt hat

Mirjana Dragicevic-Soldo gehört zu jenen Visionären von Medjugorje, denen angeblich seit über 30 Jahren die Madonna erscheint, die in der dortigen Region gerne als „Gospa“ bezeichnet wird.

Die besagte Seherin erhielt eineinhalb Jahre lang tägliche „Erscheinungen“ sowie zehn „Geheimnisse“, die ihr hierbei anvertraut wurden; danach gab sich die Gospa jährlich ein Stelldichein an Mirjanas Geburtstag, dem 18. März; doch seit dem 2. August 1987 hört die visionäre Familienmutter angeblich am zweiten Tag jedes Monats die Stimme der seligen Jungfrau Maria. 

Die heutige sog.  „Privatbotschaft“ an Mirjana wurde wie immer durch den offiziösen Medjugorje-Newsletter bekanntgegeben. Hier zunächst der volle Wortlaut, danach folgen unsere Einwände:

Privatbotschaft der Muttergottes vom 2. Oktober 2012 an die Seherin Mirjana:

„Liebe Kinder! Ich rufe euch und komme unter euch, weil ich euch brauche. Ich brauche Apostel reinen Herzens.

Ich bete, aber betet auch ihr, dass euch der Heilige Geist befähigt und führt, dass Er euch erleuchtet und mit Liebe und Demut erfüllt.

Betet, dass Er euch mit Gnade und Barmherzigkeit erfüllt. Erst dann werdet ihr mich verstehen, meine Kinder.

Erst dann werdet ihr meinen Schmerz wegen jener  verstehen, die die Liebe Gottes nicht kennen gelernt haben. Dann werdet ihr mir helfen können. Ihr werdet meine Lichtträger der Liebe Gottes sein.

Ihr werdet jenen den Weg beleuchten, denen Augen geschenkt wurden, die aber nicht sehen wollen.

Ich wünsche, dass alle meine Kinder meinen Sohn sehen. Ich wünsche, dass alle meine Kinder Sein Königreich erleben.

Von neuem rufe ich euch auf und bitte, dass ihr für jene betet, die mein Sohn gerufen hat. Ich danke euch.“

In dieser vermeintlich himmlischen Mitteilung besteht fast jeder Satz  – obgleich er sich auf den ersten Blick durchaus brav und harmlos anhört  –  aus theologischem oder pädagogischem Unsinn:

1.  Die Gospa bezeichnet die Seher als „Apostel reinen Herzens“, die sie „braucht“.  – Dieser Einstieg ist eine fromm-tönende Schmeichelei und durchaus geeignet, die Selbstgefälligkeit der Angesprochenen anzuspornen: Wer möchte sich nicht gerne als „Apostel“ –  noch dazu gar „reinen Herzens“  – ansprechen lassen? 

Die echte Gottesmutter würde aber niemals den Hochmut der Menschen derart listig und scheinheilig hochkitzeln, ist sie doch selbst die wahrhaft demütige „Magd des HERRN“.

2. Im nächsten Satz findet sich die Aufforderung, zum Heiligen Geist zu beten, damit er die Seher mit „Demut“ erfüllt  –  das widerspricht allerdings der vorhergehenden Ansprache, die geradezu zum Gegenteil animierte.  

Zudem fragt man sich, warum die Visionäre denn nach sage und schreibe 3 Jahrzehnten „Botschaften des Himmels“ immer noch nicht mit „Demut“ erfüllt sind….?!  – Man könnte ironisch antworten: Kein Wunder, wenn diese „Gospa“ ihnen ständig Honig um den Bart schmiert.

3. Die „Kinder“ sollen zudem dafür beten, daß der Hl. Geist sie mit „Gnade und Barmherzigkeit“ erfülle, weil sie „erst dann“ die Madonna  „verstehen“ würden.   – War dies also über 30 Jahre lang durchaus nicht der Fall? Wozu dann  überhaupt diese weit über 40.000 Erscheinungen?!

4. Sodann spricht die angebliche Madonna von ihrem  „Schmerz wegen jener, die die Liebe Gottes nicht kennen gelernt haben„:

Die Trauer des Himmels über jene, die diese Liebe durchaus „kennengelernt“, aber gleichwohl abgewiesen haben, dürfte doch viel größer sein!  – Unwissenden kann nämlich geholfen werden, hartnäckig Abgefallene sind hingegen ein echtes Problem für die Seelsorge!

5. Außerdem verheißt die Gospa ihrer Seherschar: „Ihr werdet jenen den Weg beleuchten, denen Augen geschenkt wurden, die aber nicht sehen wollen.“    Schon wieder eine unlogische Aussage, denn wenn jemand nicht sehen „will“, ist alle „Beleuchtung“ des Weges natürlich vergeblich.

6. Der theologische Unfug wird noch gesteigert mit folgendem Satz:Ich wünsche, dass alle meine Kinder meinen Sohn sehen. Ich wünsche, dass alle meine Kinder Sein Königreich erleben.“ 

Wir leben hier auf Erden aber „im Glauben, nicht im Schauen“  –  wie Paulus unseren irdischen Pilgerweg auf den Punkt bringt.  – Wenn wir freilich einst mit Gottes Gnade unser himmlisches Ziel erreichen dürfen, werden wir nicht allein Christus sehen, sondern den dreieinigen Gott in seiner  ewigen Herrlichkeit. 

Was bedeutet überdies der Gospa-Wunsch, ihre „Kinder“ (wer immer das sein mag:  allein die Seher oder alle Mariengläubigen?) mögen Christi „Königreich erleben“? Welches „Königreich“?  –  Das jenseitige Himmelreich oder schon ein angeblich irdisches „Königreich auf Erden“?  –  Der Ausdruck „erleben“ ist ebenfalls vieldeutig und unangemessen, denn im Reiche Gottes dürfen wir Gottes Herrlichkeit schauen und anbeten; von „Königreich erleben“ schwärmen zwar manche Charismatiker recht gerne, doch ist in der Hl. Schrift hiervon nirgends die Rede.

7. Sodann folgt abschließend die Aufforderung, „für jene zu beten, die mein Sohn gerufen hat„.

Christus hat  nicht nur „jene“, sondern  a l l e  Menschen zum Heil „gerufen“, wie dies dem sogenannten „allgemeinen Heilswillen Gottes“ entspricht.  Ob die Menschen diesem Ruf des Ewigen folgen, steht auf einem anderen Blatt und in der Verantwortung der Menschen.

Wir sehen also, fast jeder Satz aus dieser „Botschaft“ ist theologisch unsinnig bis widersinnig, daher kann diese Privatoffenbarung nicht „von oben“ sein.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Foto: Dr. Bernd F. Pelz