Bistum Augsburg: Kritische Prüfung von Pfr. Anthony Pullokaran und „Team“

Von Felizitas Küble

Der Kirchort St. Martin in Illerberg gehört zur Gesamtpfarrei Vöhringen im bayerischen Bistum Augsburg. Nun wird mancher denken: Wer kennt schon Illerberg? 

Weit gefehlt, denn in katholisch-charismatischen Kreisen ist diese Gemeinde überaus bekannt, schließlich wirkt dort seit Jahrzehnten ein „Heilungspriester“, wie man solche Geistliche gerne verheißungsvoll nennt.

Immerhin sind „Heilung“ und „Befreiung“ seit jeher zwei typische Zauberworte im schwärmerischen Spektrum.

Am „schönsten“ ist es doch, wenn zum Charismatischen das erscheinungsbewegte Element dazukommt – so auch bei Pfarrer Anthony Pullokaran aus Illerberg, denn er ist ein eifriger Anhänger von Medjugorje, weshalb seine Seminare gerne in Medjugorje-Zeitschriften beworben werden.

Aber auch das selbsternannte (kirchlich nicht anerkannte!) Exerzitienzentrum „Haus Raphael“ in Bad Soden-Salmünster arbeitet seit Jahrzehnten gut und gerne mit Pfr. Pullokaran zusammen.

Wen wunderts? Die Leiterin dieses charismatischen Hauses, eine Nonne namens Margaritha Valappila, stammt ebenso aus Kerala in Süd-Indien wie Pfr. Pullokaran, der bereits seit 1993 in Illerberg als Pfarrer tätig ist.

BILD: Buch „Jesus lebt heute“ von Sr. Valappila mit Kitsch-Titelbild

Die indische Region Kerala ist bereits seit den 70er Jahren stark von Pfingstbewegten aus den USA „heimgesucht“ worden; meist waren es zwar protestantische Freikirchler, die aber mit ihrer Charismatik vermehrt und verkehrt in katholische Gemeinden und Ordensgemeinschaften eindringen konnten.

Seit über 20 Jahren erhalte ich in zunehmendem Ausmaß Besuche und Anrufe von Geschädigten aus der charismatischen und esoterischen Szene. Auch heute sprach ich mit zwei Aussteigerinnen (einer katholischen und einer evangelischen Frau).

Durch diese Insider-Kontakte erhalte ich öfter konkrete Auskunft aus dem Innenleben der „Charismatischen Erneuerung“, darunter Hinweise über psychischen Druck und geistlichen Missbrauch in sog. „Heilungsseminaren“.

Kürzlich wies mich eine Betroffene darauf hin, daß es seitens des Bistums Augsburg eine kritische Überprüfung der Pullokaran-Exerzitien gäbe. Ich bin der Sache nachgegangen, wobei die Information  bestätigt wurde – siehe hier: https://www.pg-voehringen.de/pfarreien/st-martin-illerberg/exerzitien

Auf dieser Homepage der Pfarrgemeinde Vöhringen-Illerberg wird sogar von Pfarrer Pullokaran selbst erklärt, die „Verantwortlichen des Bistums Augsburg“ hätten seit Mitte November 2019 „Kontakt“ mit ihm und „seinem Team“ aufgenommen.

Man wolle „einige offene Fragen klären“, heißt es weiter. Wer die kirchlich-diplomatische Sprachwelt versteht (zumal hier „in eigener Sache“), der weiß, was dieser Satz zu bedeuten hat. Vermutlich handelt es sich um eine Art Visitation oder einen ähnlichen Überprüfungsvorgang.

Er und sein ehrenamtlicher Mitarbeiteranhang – von ihm“Team“ genannt – werden von Seiten des bischöflichen Ordinariats auf eine „Fortbildung“ geschickt, wobei während dieser Zeit  – außer für Ende Januar 2020 –  keine Exerzitien in Illerberg stattfinden dürfen.

Weiter unten heißt es, bei den von Pfr. Pullokaran und seinem Laienkreis angebotenen Exerzitien gehe es „insbesondere um lebensgeschichtliche Verletzungen“, die in das „Licht der Liebe Gottes gestellt“ würden. Ach wie schön!

Leider wird nicht verraten, ob dazu auch die sogenannte, in charismatischen Kreisen so beliebte „Heilung der Vorfahrensschuld“ gehört. Nachdem kirchliche Amtsträger auf das Wort „Vorfahrensschuld“ mit Recht allergisch reagieren, haben sich Schwärmerbewegte einen anderen Ausdruck einfallen lassen , so daß man mittlerweile meist vertuschend von der „Heilung des Stammbaums“ oder einer „Familienheilung“ spricht….

Immer wieder aufschlußreich ist die Tatsache, daß zwar ständig von „Heilung“ und „Befreiung“ die Rede ist, doch mit den wirklich psychisch Kranken will man durchaus nichts zu tun haben. Sollen also die Gesunden „geheilt“ werden?

Ähnlich wie bei „Haus Raphael“ heißt es auch in Illerberg (siehe obigen Link):
„Bitte beachten sie, dass Exerzitien nicht besucht werden können von Menschen mit Psychosen, Suchterkrankungen, schweren Depressionen, Suizidabsichten.“ 
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Von einem Valappila-Geschädigten (Haus Raphael in Hessen) weiß ich, daß er von dieser Ordensfrau schwer kritisiert wurde, weil er an ihrem Einkehrtag teilnahm, obwohl er depressiv war. Er hatte doch tatsächlich das wohlklingende Wort von der „Heilung“ für voll genommen….
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Zurück zu Pfarrer Anthony Pullokaran, den manche aus der Enthusiastenbewegung auch einfach (aber nicht ganz korrekt) „Pater Anthony“ nennen. Er reist mit seiner Laienschar aus 12 bis 15 Personen oft weite Strecken zu Seminaren, wobei sein weder theologisch noch psychologisch qualifizierten „Team“ Referate hält und „Seelsorgsgespräche“ anbietet.
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Auch im fernen Tirol hat die „Charismatische Erneuerung“ – kurz CE genannt  – für Pullokaran-Einkehrtage geworben: https://www.cetirol.org/veranstaltungen/archiv/

Passenderweise hielt er dort in Weissenbach mit seinem Team „Exerzitien für innere Heilung„.

Die Tiroler CE empfiehlt außerdem auf ihrer Webseite die so beliebten Seminare für die „Heilung des Stammbaums„, womit die charismatische Welt wieder einmal rund ist!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Ich empfehle das kritische Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfr. Rudo Franken

Von Cordula Mohr

Ich habe seit geraumer Zei feststellen müssen, dass Medjugorje-Freunde sich in Gemeinden und Ordenshäusern immer mehr Gehör verschaffen und Räume bekommen für ihre charismatischen Gebetsabende. 

Traurig auch, dass selbst bodenständige Gläubige  – vielleicht teils aus Neugier oder Effekthascherrei  – diesen angeblichen Erscheinungsort in Bosnien-Herzegowina besuchen.

Somit dachte ich mir, dass es wieder an der Zeit sei, selber noch einmal zu lesen und zu bedenken, was mich vor über zehn Jahren so eindeutig von meiner Hinneigung zu Medjugorje abgebracht hat und wodurch mein nüchterner Glaube eingeläutet wurde.

Viele vermeintlichen Besonderheiten von Medjugorje finden wir ähnlich auch an anderen „Erscheinungsstätten“, die kirchlich nicht anerkannt sind.

Ich las also erneut in dem interessant geschriebenen Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfarrer Rudo Franken, einem holländischen Priester, das in mehreren Auflagen und Verlagen erschien, die erweiterte Auflage im gediegenen Augsburger Dominus-Verlag, den der katholische Theologe Dr. Peter Düren leitet.

Auffällig an den angeblichen Erscheinungen ist, dass anfangs zwei Seher/innen wieder abgesprungen sind und stattdessen andere Visionäre dazukamen, was ich recht seltsam finde. Zusätzlich gibt es dann noch die sog. Seher der „zweiten Generation“, die später folgten.

Und anscheinend hat diese „Madonna“ keinen bestimmten Ort, an dem sie erscheint, wie das etwa in Lourdes der Fall war, sondern sie folgt den Jungen und Mädchen „hinterher“, je nachdem, wo diese sich gerade befinden; so ist sie z.B. der Vicka auf einer Zugreise erschienen. Passenderweise spricht Vicka gern von einem „Plaudern“ mit der (angeblichen) Gottesmutter.

Aus der Beweisführung dieses Buches geht klar hervor: Von Anfang an wurde nicht die volle Wahrheit gesagt. Die visionären Mädchen und Jungen, die vom Kaplan der Pfarrei bei den ersten Befragungen unter Eid gesetzt wurden, haben sich mehrfach durchgeschwindelt.

So gingen sie vor der ersten Erscheinung eben nicht zu den Schafen, um diese zu suchen, sondern sie wollen Zigaretten rauchen – und dies gegen das ausdrückliche Wort der Eltern. Das stellte sich später nach Aussage einer Seherin heraus; auch beim amtlichen Gespräch mit Bischof Zanic konnten die Gruppe das nicht mehr leugnen.

In dem Buch sind viele Tonbandaufnahmen nachzulesen und man merkt deutlich, wie gründlich sich Pfarrer Franken (siehe Foto) mit Medjugorje und den Ereignissen befasst hat. Dabei werden einige „Botschaften“ auch theologisch in Frage gestellt. Mittlerweile wird es nach bald 40 Jahren immer absurder mit diesen „Offenbarungen“.

Für mich aufschlussreich ist auch der Test, der bei einer „Erscheinung“ vorgenommen wurde. Vicka und die anderen Seher/innen behaupteten nämlich, immer in einen Trancezustand zu geraten, wenn sie „Maria“ sehen.

Bei einer dieser Erscheinungen wurde ein Fingertest durchgeführt: Vicka zuckte erkennbar zurück, als ihr die beiden Finger vors Auge kamen. Nachher sah man sie mit Pater Vego gestikulierend im Gespräch, wohl um sich „abzusprechen“, wie man die peinliche Situation erklären soll. Danach gab sie bekannt, dass der Madonna das Jesuskind aus den Armen gefallen sei; sie habe es auffangen wollen. Bei dieser faulen Ausrede vergaß sie aber, daß sie sich bei einem solchen (ohnehin unsinnigen) Auffangen nach vorne und nicht nach hinten bewegt hätte.

Ein weiterer Punkt unter zahlreichen Ungereimtheiten: 

Etliche Seher/innen hatten vor dem Bischof mehrmals in Briefen sowie persönlich ausgesagt, die ungehorsamen Franziskaner Vego und Prusina nicht zu kennen.
Dabei waren ihnen diese Patres sehr wohl bekannt. Angeblich hat sich die Erscheinungsdame für die zwei Priester ausgesprochen, obwohl sie kirchliche Strafen erhielten, teils wegen unsittlichem Lebenswandel. Der für Medjugorje damals zuständige Bischof Zanic hatte nicht zuletzt durch diese Lügen sein anfängliches Vertrauen in die Medjugorje-Seher gänzlich verloren.

Es lässt tief blicken, wenn eine der Visionärinnen berichtet, einmal sei ihr nicht die angekündigte Madonna erschienen, sondern eine als „Maria“ verkleidete Gestalt, die sich plötzlich zum Teufel veränderte, worüber sie natürlich sehr erschrak.

Auffällig ist, wie sich die katholisch-charismatische Bewegung von Anfang an positiv über Medjugorje äußerte und sich vielfach dort sogar niederließ, teils bis heute (z.B. die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“).

Diese Beispiele aus dem fundierten Buch, die sich beliebig vermehren ließen, haben mir erneut deutlich gemacht, dass man bestimmt nicht nach Medjugorje zu reisen braucht, um seinen Glauben zu stärken und zu beleben. Wir haben in Deutschland genügend bewährte und kirchlich anerkannte Wallfahrtsorte von Kevelaer am Niederrhein bis Altötting in Südbayern.

BUCH-Daten: Rudo Franken. Eine Reise nach Medjugorje. Bedenken hinsichtlich der Erscheinungen. Mit Beiträgen von Mark Waterinckx und Manfred Hauke. – 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2011. 320 Seiten. Paperback. ISBN 978-3-940879-15-8. Preis 19,80 €.

Bestellungen bei uns oder direkt hier beim Dominus-Verlag: https://shop.strato.de/epages/61306125.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61306125/Products/%22061%20Eine%20Reise%20nach%20Medjugorje%22


Holland: Seherin Hille Kok aus Volendam propagiert die „Maria vom Wasser“

Von Felizitas Küble

Bereits seit 1990 erhält die niederländische Visionärin Hille Kok  – eigenen Angaben zufolge  – höhere Einsprechungen und Erscheinungen von Jesus und Maria.

Die himmlische Mutter hat sich angeblich einen neuen Ehrentitel ausgedacht und möchte jetzt als „Maria vom Wasser“ angerufen werden. Ihr Outfit ist dem der Medjugorje-Madonna zum Verwechseln ähnlich (siehe 2. Bild).

Dazu gibt es ein über die Maßen sinniges Gebet, das der Seherin – einer inzwischen älteren Dame –  geoffenbart wurde, will man ihrer Homepage glauben.

Wir zitieren es zur allgemeinen Heiterkeit Information hier gerne vollständig: 

Oh reine süße Maria,
Maria vom Wasser.
In Dich bitte ich um Gnade
und bringe das Opfer das gefragt wird.
Lass mich in meinem Leid,
Dich bringen über das Wasser.
Beschütze uns vor dem Wasser,
Das sich durchdringt von Freude
aber auch von Schmerz.

Lieber JESUS :
bring uns das Wasser des Lebens
In Überfluss.
Aber… beschütze uns vor der Höhe
und der Zerstörung vom Wasser.
Amen.

Nebenstehende kleine Statuette verkauft Seherin Kok in ihrem Online-Laden nebst einer Unzahl weiterer „Andachtsgegenstände“ aus ihrem Erscheinungs-Sortiment. Dazu gehört auch obige Postkarte mit einer ihrer Jesus-Visionen.

Nun wissen Kenner der Szene, daß das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ in solchen Fällen fast so sicher ist wie das Amen in der Kirche. Mit anderen Worten: Neben viel Kitsch und Schmuse-Madonnen werden zugleich Panik-Botschaften und göttliche Strafgerichte präsentiert.

Warum sollte es in Volendam anders sein?!

Unter dem Titel „Die finstere Welt – der Krieg ist nah“ werden wir entsprechend ins Bild gesetzt: http://www.volendam-hillekok.nl/messages/de/185.pdf

Doch wo die Gefahr lauert, ist das Rettende auch – ganz nahe nämlich, denn abschließend heißt es, daß der himmlische Vater die „stillen Tränen“ der Anhänger sieht, die vor seinem Thron zu „Perlen“ werden.

Na dann – bleibt uns vielleicht die Apokalypse doch noch erspart….

 

 


Rom: Bischof und Exorzist Gemma bezeichnete Medjugorje als Lug und Trug

Am Montag, den 2. September, starb in Rom der 88-jährige Bischof Andrea Gemma, der sich seit über 10 Jahren mehrfach kritisch über die umstrittenen Erscheinungen von Medjugorje geäußert hat. Der emeritierte Oberhirte von Isernia-Venafro wirkte gleichzeitig als Exorzist – eine Kombination, die in der Weltkirche selten vorkommt. 

Der Medjugorie-freundliche Journalist David Murgia veröffentlichte gestern auf IlSegnoDiGiona.it Bischof Gemmas letztes Interview, das in Rom aufgenommen wurde. Auf Medjugorie angesprochen, reagierte Gemma eindeutig und bezeichnete das Phänomen als „nicht wahr“ und als „große Lüge“.

BILD: Das 570 Seiten starke Buch „Der Medjugorje-Betrug“ ist bei uns zum Sonderpreis von nur 14,80 € statt 19,80 € erhältlich

Bereits vor 11 Jahren hatte er sich ähnlich  – sogar noch kategorischer – geäußert, worüber sogar das Medjugorje-schwärmerische Nachrichtenportal „Kath.net“ berichtete:

„Der 77-jährige Andrea Gemma, Bischof und ehemaliger italienischer Exorzist, hat in einem italienischen Magazin schwere Angriffe gegen den Marienwallfahrtsort Medjugorje gestartet und behauptet, dass die Erscheinungen „vom Teufel“ seien.

Gemma meinte: „In Medjugorje geschieht alles im Bereich des Geldes: Pilgerreisen, Übernachtungsstätten und billiger  Schmuck. Diese ganze Schande ist das Werk des Teufels. Es ist ein Skandal.“ 


Wenn Askese den Hochmut begünstigt: Man kann auch „nach unten“ fasten

Fastendünkel bei Pharisäern, Sekten und Erscheinungen

In der überlieferten, traditionellen Messe wurde am heutigen Sonntag das Evangelium vom selbstverliebten Pharisäer und dem reumütigen Zöllner im Tempel vorgelesen.

Der von sich selbst überzeugte Gesetzeslehrer listet beim Gebet seine religiösen Leistungen und Werke auf und dankt dem Allmächtigen, daß er nicht so sei wie „die anderen“. Zu den guten Taten des Pharisäers gehörte es auch, „zweimal pro Woche zu fasten“, wie das Lukasevangelium erzählt.

Das war im damaligen Volk Israel durchaus eine „stramme Leistung“, eine besondere Askese (Verzichtsübung, „Abtötung“), denn die Juden sind nur verpflichtet, anläßlich einiger hoher Festtage zu fasten, vor allem am Versöhnungstag, dem höchsten Feiertag.

Folglich haben die Pharisäer weitaus mehr gefastet, als es „das Gesetz verlangt“ – und genau dies erfüllte den frommen Schriftgelehrten im Tempel mit Stolz.

Dieses Beispiel hat Christus seinen damaligen Zuhörern nicht ohne Grund warnend vor Augen gestellt.

Dabei geht es gewiß nicht um eine grundsätzliche Kritik an einem freiwilligen Fasten, das über die „geforderte Norm“ hinausgeht. Vielmehr werden wir ermahnt, uns nicht in einen religiösen Leistungswahn zu versteigen, der zu einer unterschwelligen Verbitterung führen kann – und dazu, daß unsere asketischen Bemühungen im Hochmut enden.

Damit würde man letztlich nicht „nach oben“ fasten, sondern gleichsam „nach unten“…

Die katholische Kirche hat durch ihre gemäßigte Haltung zum Fasten stets jedem Fanatismus und aller Verstiegenheit vorbeugen wollen. Es gibt nur zwei „gebotene“ (verpflichtende) Fasttage im ganzen Jahr, nämlich Aschermittwoch und Karfreitag (aber nicht bei „Wasser und Brot“).

Das kirchliche Freitagsgebot (lediglich kein Fleisch essen bzw. sonst ein Opfer bringen) ist kein eigentliches Fasten im strengen Sinn.

Es fällt auf, daß verschiedene häretische Gruppen und Sekten sowie Schwarmgeister im Laufe der Kirchengeschichte häufig besonders striktes Fasten und sonstige asketische Übungen verlangten, man denke z.B. an die Montanisten, Donatisten, Katharer, Geißler, „Inspirierte“, Skopzen (in Rußland) etc.

Wichtiger als eine ausgeprägte Askese sind aber gute Werke, Einhaltung der göttlichen Gebote, Taten der Barmherzigkeit und Nächstenliebe, wie der Prophet Jesaja im Alten Testament betont: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts lösen, die Stricke des Jochs entfernen, die Versklavten freilassen, jedes Joch zerbrechen.“ (Jes. 58,6)

MEDJUGORJE und das Fasten bei Wasser und Brot

Einen seltsam asketischen Schwerpunkt setzen auch manche Erscheinungen wie etwa Medjugorje. Dort wurde von Anfang an eine merkwürdige Überbetonung des Fastens proklamiert.

Hierbei fordert die „Marienerscheinung“ am Mittwoch und Freitag zu einem „strengen Fasten“ bei Wasser und Brot auf (vgl. z.B. die „Botschaft“ vom 14.8.1984) – also auch zweimal pro Woche (wie einst die Pharisäer).

Dieser Punkt gehört zu den „fünf Steinen“ bzw. Hauptbotschaften von Medjugorje. So heißt es z.B. bei „Totus tuus“ (einer Medjugorje-Jugendbewegung) wörtlich unter dem Titel „Die Botschaften“:

In ihren Botschaften ruft sie uns auf,…mittwochs und freitags bei Brot und Wasser zu fasten. (Quelle: http://www.totus-tuus.de/site/medjugorje/die-botschaften-von-medjugorje/)

Einer Medjugorje-Seherin der „2. Generation“ namens Helena sagte die vermeintliche Madonna: „Ich will, daß ihr zweimal in der Woche bei Wasser und Brot fastet.“  (Quelle: Pater Vlasic in „Téqui“, S. 25).

Selbst eingefleischte Fans bringt diese Anforderung bisweilen um ihre Arbeitsfähigkeit und gute Laune.

So weiß Pfarrer Dirk Grothues zu berichten: „Ich selber habe vor einigen Jahren versucht, mittwochs und freitags bei Brot und Wasser zu fasten. Es ist mir erbärmlich bekommen. Mir wurde schlecht und ich konnte meine Arbeit nicht mehr tun.“ (Aus dem Buch Der Himmel fängt schon an, Oros-Verlag, S. 104)

Ähnlich schreibt Pater Andreas Hönisch, Gründer der „Kath. Pfadfinderschaft Europas“ (er war erst Anhänger, später ein Kritiker von Medjugorje):

„Es war in dieser Anfangszeit von Medjugorje, dass ich auch begann, zweimal in der Woche bei Wasser und Brot zu fasten. Ich mußte diese Praxis nach einiger Zeit aufgeben, weil ich es gesundheitlich nicht mehr schaffte.“  (Quelle: https://charismatismus.wordpress.com/2011/07/07/medjugorje-mein-eigener-weg/)

In unserem Christoferuswerk hatten wir in den 90er Jahren eine Medjugorje-Neubekehrte als Praktikantin. Die fromme Frau klebte nicht nur gerne die neuesten „Botschaften des Himmels“ an alle möglichen Wände, Schränke und sonstigen Ecken unseres Hauses, sondern hielt sich auch strikt an ihr Fasten am Mittwoch und Freitag bei Wasser und Brot. Allerdings war ihre Stimmung an diesen Tagen verständlicherweise nicht die beste.

Mehrfach erlebte ich zudem am nächsten Tag, wie sie mir vormittags den halben Kühlschrank leergegessen hatte, so daß ich – als ich gerade mit dem Kochen beginnen wollte – erst einmal einkaufen mußte, weil die Fleischportionen „verschwunden“ waren.

Ob das wohl ein sinnvolles Fasten ist?

Wenigstens hat die Praktikantin aber die anderen Mitarbeiter mit ihrem Fasten-Spleen in Ruhe gelassen.

Das kann auch anders ausgehen, wie mir eine Leserin des CHRISTLICHEN FORUM vor einiger Zeit anschaulich geschildert hat:

Sie durfte bei einer Freundin eine an sich recht schöne Ferienzeit auf dem Lande verbringen – soweit prima. Allerdings handelte es sich bei der Gastgeberin um eine überzeugte Medjugorje-Anhängerin. Die Folge: Am Mittwoch und Freitag war Schmalhans Küchenmeister und unserer Leserin wurde der Urlaub dadurch schon ein bißchen versalzen.

Noch ganz anders wurde ihr zumute, als die Freundin an einem Fastentag ihre Autofahrt abrupt beenden und an den Straßenrand ausweichen mußte, weil sie vor Schwäche nicht mehr weiterkam.

Wer also mehr fastet, als die Kirche verlangt, kann dies gerne tun, doch sollte er andere Gläubige damit nicht behelligen oder ungebeten „mitfasten“ lassen. Zudem muß sich jeder Asket vor (un)geistlichem Hochmut hüten: er darf sich nicht einbilden, deshalb „besser“ zu sein als die anderen Katholiken.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Aufreger in Österreich über Ex-Kanzler Kurz, Prediger Fitzgerald und den Awakening-Event

Von Felizitas Küble

Der österreichischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz trat kürzlich auf der pfingstlerischen Awakening-Europe-Konferenz in der Wiener Stadthalle auf und sprach dort ein Grußwort, was dann in der Alpenrepublik für reichlichen Pressewirbel sorgte.  

Auf der charismatischen Mega-Veranstaltung mit 10.000 Teilnehmern hatte vor ihm bereits Kardinal Christoph Schönborn gepredigt und Segensworte gesprochen. Der Wiener Oberhirte steht den umstrittenen Medjugorje-Erscheinungen ebenso nahe wie den Pfingstbewegten.

Dasselbe gilt für die Nachrichtenseite „Kath.net“, die derartige Phänomene gerne mit großer Begeisterung präsentiert.

Nun hat deren Leiter Roland Noe zweifellos recht, wenn er feststellt, daß der linke Presse-Shitstorm gegen den ÖVP-Politiker Kurz nicht nur überzogen, sondern abwegig ist.

Dem Ex-Kanzler wurde vorgehalten, er betreibe Wahlkampf auf einem frommen Podium und „vereinnahme“ dabei Gebet und Christentum. Aber mit derselben Logik könnte man auch die zahlreichen Auftritte von Politikern auf Kirchen- und Katholikentagen beanstanden.

Doch bekanntlich gilt in rotgrünen Medien die Devise: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

Soweit alles klar. Nun das große ABER, denn „Kath.net“ beschränkt sich nicht darauf, Ex-Kanzler Kurz gegen unfaire Angriffe in Schutz zu nehmen.

Vielmehr nutzt man gerne die Gelegenheit, um den extrem-charismatischen Starprediger Ben Fitzgerald anzuhimmeln, nachdem dieser für Kurz gebetet und ihn  –  übrigens ungefragt  –  „gesegnet“ hatte (Kurz war darüber sichtlich perplex!).

Noe schreibt dazu überschwänglich: „Ein Gebet von Ben Fitzgerald, der so eine radikale Bekehrung zu Christus erlebt hat und als Vollzeitmitarbeiter das Evangelium auf der ganzen Welt verkündet, ist ein besonderes Gevor_600x600schenk.“

Nun ist dieser evangelische Pfingstler aus Melbourne einer der Mitbegründer von „Awakening Europe“, was übersetzt „Europa wacht auf“ bedeutet. Fitzgerald gehört zur euphorischen Bethel-Gemeinde und damit zu jenen Erweckungspredigern, die eine künftige „Rettung“ unseres Kontinents nicht nur erhoffen, sondern prophetisch als sichere Zukuftsmusik anpreisen.

Natürlich zählt auch der katholische Charismatiker Dr. Johannes Hartl vom ökumenischen Gebetshaus Augsburg zu den Unterstützern dieser Bewegung, wobei Fitzgerald als bereits Starprediger bei der MEHR-Konferenz von Dr. Hartl auftrat: https://charismatismus.wordpress.com/2017/01/10/erweckungsprediger-ben-fitzgerald-sprach-auf-der-charismatischen-mehr-konferenz/

Vom Drogen-Trip zum Enthusiasmus

Ins Leben gerufen wurden die Awakening-Kongresse von zwei Pfingstlern, die vor ihrer „Geist-Bekehrung“ rauschgiftsüchtig waren (durchaus kein Zufall, sondern ein häufig anzutreffendes Phänomen).

Inwieweit solche Personen vom Drogen-Trip zum „Heilig-Geist-Trip“ wechseln, also von einer Form der Euphorie zu einer anderen, sei dahingestellt. Fitzgerald war vor seiner „Bekehrung“ im Jahre 2002 als Drogendealer „tätig“.

Der zweite Awakening-Gründer ist Todd White. Beide Herren berufen sich auf besondere himmlische Eingebungen und Visionen, wonach in Europa eine neue Art Heilsgeschichte anbrechen wird, eine großartige „Erweckung“ – also genau das, was Charismatikerkreise von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer wieder neu „prophezeien“, ohne sich dabei von der wirklichen Situation (nämlich einem zunehmenden Glaubensabfall) im geringsten beeindrucken zu lassen.

Die ausgezeichnet informative „Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ (EZW) äußerte sich kritisch über die vermessenen Heilungsansagen von Todd White: https://charismatismus.wordpress.com/2016/11/05/evangelischer-sektenbeauftragter-warnt-vor-charismatischen-holy-spirit-nights/

Auf seiner Facebook-Seite wirbt Fitzgerald für die „Evangelisationsschule“ des extrem-charismatischen Starpredigers Reinhard Bonnke, der sich selber wegen seiner Missionserfolge vor allem in Afrika gerne als „Mähdrescher Gottes“ bezeichnet.

Die EZW schreibt in ihrem Artikel zudem über Fitzgerald, er verbreite die typisch schwarmgeistige Erweckungslehre, wonach es noch vor der Wiederkunft Christi weltweit zu einer „Rettungswelle“ komme, die Christenheit einen herrlichen Aufschwung nehme und auch Fernstehende in großer Zahl zum Glauben finden.

Während gemäßigte Pfingstprediger für solch eine „Erweckung“ beten und Vorarbeit durch „Zeichen und Wunder“ leisten wollen, glauben ultra-charismatische Kreise, dieser wunderbare Zustand sei bereits eingetreten und nehme nun volle Fahrt auf.

Laut EZW-Bericht erklärte Fitzgerald, „Erweckung sei nicht allein das, wofür gebetet und worauf gewartet werde, vielmehr habe sie bereits begonnen.“ Es werde eine „Welle der Errettung über ganz Europa“ kommen, „die nicht mehr verebbt“.

Auch bei den Herren Fitzgerald und White geht es  – wie fast immer bei den Pfingstbewegten – zudem um das „Wohlstands-Evangelium“, wobei den Anhängern nicht selten mit aufdringlichen Appellen gleichsam der letzte Groschen aus der Tasche herausgelockt wird.

Auch bei dieser Konferenz in Wien gab es einen „Business Day“ mit den passenden Stichworten: „Geschäfte, Unternehmungen, Reichtum für Jesus“.

Dabei wird in diesen Kreisen ein luxuriöses Wohlleben als „Segen“ von oben dargestellt und Reichtum als eine Art Lohn des Himmels für die Geistbewegten auf Erden.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Spiritueller Missbrauch in der charismatischen Jugend-Gemeinschaft „Totus Tuus“?

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Geistlicher Missbrauch bei Totus Tuus?“ berichtet die neue Juni-Ausgabe der „Herder-Korrespondenz“ aus Freiburg über Beschwerden von Aussteigern wegen sektenähnlicher Strukturen und religiösem Fanatismus bei dieser Bewegung. Auch das „Neue Ruhr-Wort“ berichtet aktuell darüber.

Die Jugend-Initiative „Totus Tuus“ gehört zu den sog. „Neuen geistlichen Gemeinschaften“, ist eng mit Medjugorje verbunden und versteht sich als „charismatisch“ und „marianisch“. Man fühlt sich dabei besonders der „Neu-Evangelisierung“ verpflichtet.

Solidarisch ist diese Gruppierung auch mit dem charismatisch-ökumenischen „Gebetshaus Augsburg“ und dem von dort initiierten „Mission Manifest“.

BILD: Medjugorje ist das Ziel der meisten Totus-tuus-Wallfahrten

Die Gemeinschaft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die 1997 entstand, veranstaltet seit Jahrzehnten Pilgerfahrten zum Erscheinungsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina.

Da die dortigen Phänomene kirchlich nicht anerkannt sind, tröstet man sich gerne mit dem Hinweis bzw. der Ausflucht, die Anerkennung der Marienerscheinungen sei gleichsam durch das „Gottesvolk“ vonstatten gegangen – wie eine Art Abstimmung mit den Füßen. Damit wird das kirchliche Hirtenamt in diesem Punkt letztlich durch die eigene Anhängerschar verdrängt.

Wir haben uns bereits zur Entstehungszeit unseres CHRISTLICHEN FORUM im Sommer 2011 skeptisch mit „Totus tuus“ befaßt: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/21/%e2%80%9etotus-tuus%e2%80%9c-feiert-medju-jubilaum-in-heroldsbach/

Zuvor hatte ich ausführliche Telefonate und Gespräche mit Totus-Mitgliedern geführt und (vergeblich) versucht, sie von ihrer Erscheinungsfixiertheit abzubringen und Schwärmer-Phänomene wie das sog. „Ruhen im Geist“ (charismat. „Hammersegen“, Rückwärtskippen in Trance) kritisch zu durchleuchten. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/05/30/wie-eine-charismatikerin-die-geisttaufe-bei-alan-ames-und-totus-tuus-erlebte/)  

Laut Herder-Korrespondenz werfen ehemalige Mitglieder dieser Gemeinschaft nunmehr vor, bereits als Jugendliche von ihren Familien isoliert und seelisch-spirituell unter Druck gesetzt worden zu sein. Auch von „blindem Gehorsam“ und religiösem Leistungsdruck ist die Rede.

BILD: Der Paulus-Dom von Münster, in dem die Gruppe „Totus Tuus“ jahrelang ihre Gebetsabende im Beisein des Bischofs gestaltete.

„Totus Tuus“ (das lateinische Wort heißt übersetzt „Ganz Dein“ und bezieht sich auf Maria) ist auch in der Diözese Münster aktiv und kirchlich anerkannt.

Die Gemeinschaft schreibt dazu auf ihrer Webseite: „Aus einer lockeren Gruppe ist ganz langsam eine verbindliche Gemeinschaft gewachsen, die an Ostern 2004 als eine private Vereinigung von Gläubigen diözesanen Rechts durch den damaligen Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, kirchlich anerkannt wurde.“

Die Gruppe durfte z.B. allgemeine Gebetsabende und Jugend-Andachten im Paulus-Dom mitgestalten, an denen der Bischof mehrfach persönlich teilnahm. Als Geistlicher Beirat fungierte Weihbischof Christoph Hegge, der früher allgemein für die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ zuständig war.

Seit einiger Zeit läuft nun aufgrund der Vorwürfe ehemaliger Mitglieder eine amtliche kirchliche Visitation der Gruppe im hiesigen Bistum, die nächstes Jahr abgeschlossen sein soll. (Näheres hier: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/aussteiger-werfen-gruppe-totus-tuus-geistlichen-missbrauch-vor/)

HINWEIS: Wir warnen seit Jahrzehnten vor dem pastoralen (seelsorglich-geistlichen) Missbrauch durch schwärmerisch-fanatische Gemeinschaften.  – Hier finden Sie weitere 27 Artikel (Erlebnisberichte, Analysen, Rezensionen) zu genau dieser Thematik: https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/