Medjugorje zwischen Zuckerbrot und Peitsche

Von Felizitas Küble

In der Erscheinungsszene gibt es einige typische Merkmale, die mit leichten Veränderungen immer wieder zu beobachten sind:

So sind fast alle „Botschaften“ von Zuckerbrot und Peitsche geprägt: Einerseits süßliche Worte und Verheißungen für die Erscheinungsfrommen, andererseits Drohungen bis hin zu Strafgerichten für die Skeptiker bzw. jene, die dieser oder jener Privatoffenbarung nicht nachlaufen – oder auch allgemein hinsichtlich des Laufs der Welt.

Dabei sind die Schwerpunkte verschieden gesetzt: Während etwa in Medjugorje reichlich Zuckerbrot (in Form gefühlsseliger Anmutungen) verteilt wird, setzen andere Erscheinungen (etwa früher in Heroldsbach oder San Damiano, Garabandal etc) stärker auf Panikmache und/oder Weltuntergangsankündigungen.

Neuerdings ist die Situation in Medjugorje gemischter, vielleicht stimmungsmäßig bedingt durch die Corona-Krise. In den jüngeren Botschaften rückt neben dem unvermeidlichen Zuckerbrot die „Peitsche“ stärker ins Zentrum der angeblichen Himmelsoffenbarungen seitens der Madonna.

In der sog. „Monatsbotschaft“ vom 25. März hieß es: „Meine lieben Kinder, lasst zu, dass Gott zu eurem Herzen spricht, denn Satan herrscht und will eurer Leben und die Erde zerstören.“

Es ist lange her, nämlich am 25. Januar 1991 (zu Beginn des 2. Golfkriegs), als die Erscheinugsmaria ähnlich sprach: „Satan ist stark und möchte nicht nur Menschenleben zerstören, sondern auch die Natur und den Planeten, auf dem ihr lebt.“

Das klingt nicht schön in den Ohren, ist aber trotzdem theologischer Unsinn, denn Satan hat überhaupt keine Möglichkeit, die Erde zu „zerstören“, da er nicht ihr Schöpfer und zudem nicht allmächtig ist. Vielmehr sorgt GOTT selber dafür, daß die „Gestalt dieser Welt vergehen“ wird, wie die Heilige Schrift mehrfach betont. Das scheint sich noch nicht bis nach Medjugorje herumgesprochen zu haben.

Passenderweise gibt es aber auch Tröstliches in der jüngsten Monats-Botschaft vom 25. September 2020 zu erfahren: „Alles, was ihr tut, soll zur Ehre Gottes sein und dann wird der Himmel euer Herz mit Freude erfüllen und ihr werdet fühlen, dass Gott euch liebt und mich sendet, um euch und die Erde, auf der ihr lebt, zu retten.

Das ist derselbe Unsinn wie vorhin, nur spiegelverkehrt: Weder kann Satan die Welt zerstören (selbst wenn er es wollte), noch ist uns angekündigt worden, daß Gott die Welt, auf der wir leben, „retten“ will – vielmehr wird sie einst zu Ende sein, doch Gottes Reich bleibt bestehen. Christus selbst sagte, daß das Firmament („Himmel“) und unser Planet nicht ewig existieren werden, aber sehr wohl sein Wort: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“

Zudem kommt es nicht darauf an, ob wir den Frieden Gottes in unserem Herzen „fühlen„, sondern daß wir daran glauben. Echter Glaube ist aber mehr als ein Gefühl, er geht vor allem vom Verstand und von unserem freien Willen aus, das Emotionale kann gerne dazukommen, ist aber nicht das Fundament.

BILD: Das kritische Buch „Der Medjugorje-Betrug“ (570 Seiten!) ist bei uns statt für 19,80 für nur 15,80 Euro erhältlich

Natürlich sind die Medjugorje-Jünger von den jüngsten Friedensschalmeien überaus angetan. In der neuesten Medjugorje-Zeitschrift „Oase des Friedens“ wird die erwähnte Weltrettungsbotschaft vor lauter Begeisterung gleich dreimal hintereinander zitiert (S. 3,4 und 5).

Ganz auf dieser Wellenlänge befindet sich auch die Grußbotschaft des Medjugorje-Sehers Ivan anläßlich der entsprechenden Veranstaltung im Wiener Stephansdom mit Kardinal Schönborn. Ivan Dragicevic ermutigt die Versammelten mit folgenden Worten, die er aus einer Medju-Botschaft zitiert: „Durch euch wird der Friede in die Welt kommen und fließen.“ (S. 8)

Der Visionär äußert also nicht etwa nur einen solchen Wunsch, sondern kündigt den Weltfrieden an („er wird kommen…“).

Mit solch einer klaren Ansage widerspricht Ivan bzw. seine Erscheinungs-„Maria“ allerdings der Heiligen Schrift, die von einem Friedensreich auf Erden nichts weiß, sondern im Gegenteil einen zunehmenden Glaubensabfall ankündigt, der dem Kommen des Antichristen vorausgehen werde.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Pater Bernhard Vosicky: Exorzist und „Heiler“?

Von Felizitas Küble

Das Erzbistum Wien wird seit Jahrzehnten von Kardinal Christoph  Schönborn (siehe Foto) geleitet, der außerhalb seiner Diözese in „frommen“ Kreisen vor allem als begeisterter Anhänger der „Marienerscheinungen“ von Medjugorje bekannt ist, die seit fast vierzig Jahren andauern, wobei drei der sechs Seher/innen  – eigenen Angaben zufolge –  immer noch tägliche (!) Botschaften der Madonna erhalten.

Jährlich veranstaltet Erzbischof Schönborn im Herbst eine große Medjugorje-Jubelfeier im Wiener Stephansdom, meist mit Live-Auftritt einer Person aus der Medju-Seherschar, wobei es bisweilen direkt an Ort und Stelle zu einer „Erscheinung“ kommt.

Kein Wunder bei solch „aufregenden“ Vorgängen, daß neugierige oder auch visionsbewegte Schäflein gleich in Scharen kommen, voriges Jahr immerhin über 3000 Gläubige (und Abergläubige).

Laut Kathpress-Medienbericht befand sich unter den Gästen auch Maximilian Heim, Abt des namhaften Ziensterzienser-Stift Heiligenkreuz im Wienerwald (Niederösterreich).

Mehrere Mönche des dortigen Klosters treten seit langem für Medjugorje ein, darunter der bekannte Pater und Professor Karl Wallner OCist (siehe hierzu unser Bericht von 2012: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/12/pater-karl-wallner-und-die-fruchte-von-medjugorje/).

Zur Medjugorje-Veranstaltung im Stephansdom am 19. September 2019 kam zudem sein Mitbruder Bernhard Vošicky, der dort vor den Besuchern über seine eigene Tumorheilung gesprochen hat

Der vielgereiste Ordensmann ist im charismatischen Spektrum  kein Unbekannter. 

In ihrem Buch „Unterwegs mit Jesus“ berichtet die deutsch-indische Nonne Margaritha Valappila, daß Pater Vosicky gemeinsam mit ihr Exerzitien im Seminarzentrum von Bad Soden-Salmünster hielt, wobei dieses ihr schwarmgeistig geprägtes „Haus Raphael“ kirchlich nicht anerkannt ist: Das Bistum Fulda hat sich im Amtsblatt längst ausdrücklich davon distanziert, weshalb das Exerzitienhaus sich nicht als „katholisch“ bezeichnen darf.

Aber dabei wächst offenbar zusammen, was zusammengehört, denn beide – die Ordensschwester in Hessen und der Ordensbruder im Wienerwald – verstehen sich gleichsam als „Heiler“, natürlich nicht im spiritistischen bzw. esoterischen Sinne, sondern im Auftrag des Himmels und mithilfe des Heiligen Geistes, wie dabei treuherzig versichert wird.

Vor fünf Jahren brachte der Kloster-eigene Be&Be-Verlag eine begeisterte Lebensbeschreibung von und über Pater Bernhard Vosicky heraus.

Das Buch mit dem TitelNur die Liebe heilt: Erzählungen über das Wirken Gottes in meinem Leben“ beruht auf Interviews, die der Konvertit und Theologe Hinrich E. Bues mit dem „Heilungspriester“ geführt hat. Auch Dr. Bues steht der katholischen Charismatischen Erneuerung nahe.

Schon das Vorwort von Pater Karl Wallner liest sich teils wie eine vorzeitige Heiligsprechung.

Immerhin fehlt Pater Bernhard nicht an der hierfür erforderlichen „Demut“, denn das Editorial verrät uns über das Zustandekommen der Biographie: „Natürlich hat sich Pater Bernhard geziert wie eine Primadonna  – nein, wie ein demütiger Mönch.“

Daß Pater Bernhard „gescheit ist“ und aus einem „weiten Schatz des Wissens schöpft“, wollen wir dem Autor gerne glauben, zumal der Angepriesene auch als Professor für Liturgie in Heiligenkreuz tätig ist.

Merkwürdiger klingt es freilich, wenn es auf S. 11 weiter heißt, P. Bernhard sei „vor allem ein Heiler“.

Ein Heiler also? – „Das ist seine Berufung. Er hat die Gabe des Lösens….Er lebt in einer Aura der Heilung“, bekräftigt Pater Wallner, früher ebenfalls Dozent in der Heiligenkreuzer Hochschule, inzwischen Direktor von „Missio“ in Österreich.

Nach zwei weiteren Seiten des Lobens versichert der Verfasser: „Nein, dieses Buch wird keine Heiligsprechung von Pater Bernhard.“

Es ist aber von einer Seligsprechung nicht weit entfernt:

Auf S. 14 schreibt Pater Wallner weiter, auch Dr. Bues sei in den „Bannkreis“ (!) der „Faszinationskraft“ von Pater Bernhard geraten.

Abschließend bezeichnet Wallner ihn als „phänomenalen Mitbruder“. Das Buch erzähle davon, daß Gott durch Pater Bernhard „heilend und heiligend“ in diese Welt ausstrahlen wolle.

Was mag es nun bedeuten, wenn ein Priester „vor allem ein Heiler“ ist?

Typisch charismatisch steht hier nicht das Heil im Vordergrund, sondern die sog. Heilung, zumal „Heilung und Befreiung“ sich als Lieblingsvokabeln in dieser Szene etabliert haben.

Noch merkwürdiger erscheint Wallners Erklärung: „Er hat die Gabe des Lösens.“ – Damit ist natürlich nicht die sakramentale Lossprechung bei der Beichte gemeint, weil diese Vollmacht schon durch die Priesterweihe verliehen wird.

Es geht vielmehr um das in der Schwärmerszene vielgepriesene „Binden und Lösen“ von angeblich okkulten Belastungen und Bindungen etc, die mit einer Spruchformel „abgetrennt“ (!) werden.

Womit wir bereits beim springenden Punkt wären – dem Exorzismus nämlich.

Auf S. 160 schreibt Pater Bernhard über dazu: „Mit diesem Sakrament der Heiligen Weihe ist dann auch die exorzistische Weihe gegeben. Dies bedeutet, daß jeder Priester auch den Exorzismus beten darf.“

Das darf er damit noch keineswegs, weshalb sein nächster Satz dem vorhergehenden widerspricht:

„Das Gebet über Personen, von denen angenommen wird, dass sie besessen sind, bedarf allerdings einer bischöflichen Erlaubnis“ – und zwar einer schriftlichen, wie er hätte präzisieren sollen. Zudem muß es der für ihn zuständige Ortsbischof (nicht irgendein Bischof) sein.

Ihm selber sei, so heißt es weiter, diese „Erlaubnis erteilt“ worden, also hat Pater Bernhard sie von Erzbischof Schönborn erhalten.

Kritisch wird es freilich, wenn der amtliche kirchliche Exorzismus (der nur unter strengen Auflagen erteilt werden darf) mit jenem „Befreiungsdienst“ verwechselt oder vermengt wird, wie er in charismatischen Kreisen ausgeübt wird, teils auch von Laien. 

Selbst wenn Priester sich diesem „Befreiungsdienst“ verschrieben haben, um die hohen Hürden eines bischöflich gestatteten Exorzismus zu umgehen, begeben sie sich auf eine höchst problematische Ebene.

Pater Bernhard Vosicky empfiehlt für exorzierenden Geistlichen gewisse „Schulungen“ mit solchen Priestern, die schon länger in diesem „Befreiungsdienst“ stehen. Glücklicherweise sei in den letzten Jahrzehnten die Zahl der „gut ausgebildeten Geistlichen“ gestiegen, so daß sich in Deutschland und Österreich inzwischen ein „großes Team für den Heilungs- und Befreiungsdienst entfaltet“ habe (S. 163).

Die Zahl bischöflich ernannter Exorzisten hält sich zumindest hierzulande in sehr engen Grenzen.

Das „große Team“ der Heiler und Befreier bezieht sich auf den charismatischen „Befreiungsdienst“, der jedoch eine äußerst problematische Angelegenheit darstellt:

1. Da es sich dabei nicht um einen amtlichen und formalen Exorzismus handelt, ist eine bischöfliche Erlaubnis nicht erforderlich. Somit entfällt auch die dort integrierte Bedingung, vor einem Exorzismus erst einen Arzt bzw. Psychologen zu kontaktieren, um abzuklären, ob eine Besessenheit oder vielmehr eine psychische Erkrankung vorliegt (es kann auch beides zugleich der Fall sein).  

2. Bei den Betroffenen, dem in der Charismatikerszene ein „Befreiungsgebet“ angeraten oder gar aufgedrängt wird, entsteht so oder so der Eindruck, er sei vom Teufel besessen oder zumindest „umsessen“, ob nun ein Exorzismus oder ein „Befreiungsgebet“ stattfindet (wenngleich vom Ablauf/Ritus her einige Unterschiede vorhanden sind). Das kann zu erheblichen seelischen und geistlichen Schäden und Verunsicherungen führen, zumal gerade in Schwärmerkreisen schnell eine „dämonische Belastung“ herbeigeredet wird – manchmal sogar im Kontext einer sog. „Vorfahrensschuld“, von der man sich „lossagen“ müsse etc.

Bei mir melden sich seit Jahrzehnten immer mehr Menschen (darunter auch Personen aus der „Seelsorge“ von Pater Vosicky), die sich durch derartige Praktiken – wozu auch eine angebliche „Seelenschau“ gehört –  psychisch und teils auch psychosomatisch beeinträchtigt fühlen.

Vielfach werden Gläubige in diesem Spektrum mit sogenannten „besonders starken“ (!) Gebeten überrascht und überrannt, wobei sie nicht so recht wissen, wie ihnen geschieht, wenn sie nur „normale Fürbittgebete“ wünschten.

Die Situation wird gewiß nicht dadurch besser, daß man sie z.B. mit lateinischen Formeln konfrontiert, von denen die Betreffenden nicht wissen, ob es sich um eine Art Fern-Exorzismus, ein eigenwilliges „Heilungsgebet“ oder nur um einen üblichen kirchlichen Segen gehandelt hat. Von Aussteigerseite erfuhr ich, Priester hätten ihnen auf ihre Rückfrage hin die Auskunft darüber verweigert, was ihre Verunsicherung noch erhöhte.

Es existiert in der charismatischen Bewegung ein breites Feld seelsorglicher Übergriffe, man kann teils sogar von geistlichem Missbrauch sprechen. 

Leider ist die Biographie von und über Pater Bernhard Vosicky nicht geeignet, die gerade heutzutage so notwendige „Unterscheidung der Geister“ zu erleichtern, sie biblisch und kirchlich zu begründen und zu vertiefen. Vielmehr begünstigt es schwarmgeistige und irreführender Tendenzen innerhalb der Kirche.

HIER der zweite Teil der Rezension dieses Buches: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/05/kardinal-schonborn-entschuldigt-sich-bei-bischof-peric/

Zum Thema charismatisches „Binden und Lösen“ siehe auch hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/07/24/seelsorge-auf-abwegen-pfr-franck-und-das-charismatische-binden-und-loesen/

 


Seelsorge auf Abwegen: Pfr. Albert Franck und das charismatische „Binden und Lösen“

Von Felizitas Küble

Der Priester Albert Franck leitet in Luxemburg die „Charismatische Erneuerung“ (CE). Dieser halbamtliche Teil der katholischen Pfingstbewegten umgibt sich nach außen mit einem relativ gemäßigten Mäntelchen, ist aber in ihrer Substanz schwarmgeistig geprägt  –  einschließlich der in dieser Szene üblichen Phänomene (Fixierung auf Prophetie, Zeichen und Wunder, Rückwärtsfallen in Trance, „Heilung und Befreiung“ etc).

Pfarrer Franck betreibt seit längerem im  katholischen Privatrundfunk „Radio Horeb“ seine Seelsorgsstunden – meist an einem Samstagnachmittag.

Auf der Homepage seiner CE-Luxemburg wird der nächste Termin „Gebete um Heilung mit Pfarrer A. Franck“ für morgen angekündigt: Samstag, 25. Juli von 15 bis 16 Uhr: https://www.aubergededieu.lu/de/radio_horeb.html

Dabei scheint der Geistliche in diesen „Sprechstunden“ zwischen den Anrufen von gläubigen Ratsuchenden plötzlich höhere Einsprechungen bzw. besondere Ahnungen  zu erhalten oder bezieht sich auf kürzlich erlebte visionäre Eindrücke. Wenn Anrufer/innen von ihren Ängsten oder Depressionen erzählen, erklärt Pfr. Franck mitunter an Ort und Stelle, sie seien jetzt davon „gelöst“ und „freigesetzt“.

In diesem typisch charismatischen Sinne und Unsinne sind auch einige seiner schriftlichen Stellungnahmen abgehalten.

BILD: Buchtitel „Briefe an Dich“ von Pfr. Albert Franck

Der zweitletzte Absatz dieses Schreibens ist aufschlußreich: https://www.horeb.org/fileadmin/eigene_dateien/Neue_Seite/Downloads/Inhalte__Hab_keine_Angst_/Brief_von_Albert_Franck.pdf

Darin berichtet der Geistliche z.B. von einer Eingebung (oder Vision?), die er von oben erhalten haben will:
„Wo sind die Menschen“, sagt der Herr, ,,die stehenbleiben, erste Hilfe tun, eine Unterkunft besorgen, die Tür öffnen zu einem neuen Anfang?… Wo sind die Menschen, die an die vordere Schiffseite gehen, und Stürmen und Wellen Stille gebieten; die selbst dem Teufel und den Dämonen gebieten ,Verschwinde! Genug ist genug‘? Wo sind die Menschen, die den Kranken und Behinderten sagen ,Steh auf und geh‘?

Solche euphorischen Verstiegenheiten kennt man aus diesem Spektrum zur Genüge  – aber hier geht Pfr. Franck sogar soweit, reihenweise nach Christen zu rufen, die mit Exorzieren und Heilungswundern loslegen.

Dabei wendet er sich allgemein an Gläubige – und nicht etwa speziell an Priester (aber auch diese könnten Kranken nicht einfach sagen: Steh auf! – und ohne bischöfliche Erlaubnis dürfen sie zudem keinen einzigen Exorzismus vornehmen).

Hier werden also vermessentliche und irrgeistige Erwartungen im Kirchenvolk geweckt, was zu fatalen Enttäuschungen führen kann.

Gerade das unbiblische und unkirchliche „Binden und Lösen“ oder auch „Freisetzen“, das in der protestantischen Pfingstbewegung seit langem stark verbreitet ist, aber von katholischen Charismatikern zunehmend „kopiert“ wird, ist seelsorglich und theologisch höchst bedenklich.

Seit Jahrzehnten melden sich bei mir immer mehr Geschädigte (heute auch wieder zwei Betroffene!), die durch derartige Praktiken geistlich und seelisch (manchmal auch psychosomatisch und physisch) beeinträchtigt und in Verwirrung gestürzt worden sind.

Dies ist nichts anderes als geistlicher Missbrauch und seelsorgliche Manipulation!

Bisweilen ging es den Betreffenden zwar nach solchen Pseudo-Exorzismen („Befreiungsgebeten“) kurzfristig scheinbar besser, doch danach folgt der Fall ins Bodenlose, in Depressionen, Angstzustände und tiefgreifende Verunsicherungen. 

Wenn sich Aussteiger bei charismatischen Leitern darüber beschweren, bekommen sie nicht selten zu hören, das läge an ihrem mangelndem „Glauben“, sie sollten nicht soviel „grübeln“  – oder es wird ihnen gleich ein weiteres Befreiungsgebet aufgedrängt und ihrer Angst „befohlen“, zu  „weichen“ usw.

Zurück zu Pfarrer Franck und seinen charismatischen Anwandlungen, erkennbar z.B. auch in diesem Rundbrief: http://begeistert.info/erneuerung/wp-content/uploads/2017/05/K-ANDACHT-A-brief-April-2019.pdf

Darin heißt es (Hervorhebungen von mir):

„So haben wir auch Deiner gedacht im März bei der Wallfahrt nach Medjugorje…. Gott lässt Deine Situation nicht, wie sie ist, er verwandelt Deine Umstände, Dein Leben, Deine Familie, Deine Arbeit, Deine Gesundheit. Er ist stärker als die Finsternis, stärker als Krankheit und Behinderung, als Teufel und Dämonen, als Stein, Grab und Tod. Bei Gott ist nichts unmöglich!“

Auch das paßt  – neben der Anfälligkeit für Medjugorje-„Erscheinungen“  –  in die bekannte schwarmgeistige Mentalität: Nach „Krankheit/Behinderung“ werden gleich „Teufel und Dämonen“ erwähnt – und somit ein äußerst problematischer Zusammenhang hergestellt.

Sodann schreibt Pfr. Franck weiter an seine Leser:
„Wir erwarten einen Strom von Freude und Liebe, von Barmherzigkeit und Bekehrung, von Heilung und Befreiung in der Gegenwart unseres Heilandes… Es werden Tage der Rettung, der Erlösung, Tage der Heilung und Befreiung, Tage des neuen Anfangs in Glauben, Gebet und Eucharistie sein.“

Hier werden erneut sehr hohe Erwartungen geweckt – und was geschieht, wenn diese enttäuscht werden? Wer kümmert sich dann um die Desillusionierten?

Danach folgt erneut eine enthusiastische Ansage von angeblichen Verheißungen Gottes, auf die man sich proklamatorisch berufen solle: 

„Glaube wie Abraham: „Was Gott versprochen hat, das kann er tun“.
Glaube wie Maria: „Was Gott versprochen hat, das kann er tun“.
Glaube wie Petrus und Paulus: „Was Gott versprochen hat, das kann er tun“.“

Was hat Gott denn diesen heiligen Persönlichkeiten konkret „versprochen“?! Das teilt uns Pfarrer Franck keineswegs mit.

Zum Schluß wird dieses Gebet empfohlen:
„….Komm und führe mich, heile und befreie mich, reinige mich durch dein heiliges Blut von jeder Sünde und Schuld; heile mich durch deine Kraft von jeder Krankheit und Behinderung.

Geschädigte Menschen, deren Hoffnungen nach derartigen Zusagen enttäuscht wurden, melden sich seit Jahrzehnten bei mir; mit einigen von ihnen stehe ich seit vielen Jahren im Kontakt. Oft dauert es sehr lange, bis die Betroffenen die (un)geistlichen Folgen solch verstiegener Praktiken überwinden können, wenn es ihnen denn überhaupt gelingt.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM ehrenamtlich betreibt


Die „Familie des Vaters“ von Dr. Prenner und das Verdrängen unseres Erlösers

Von Felizitas Küble

Im Christentum und vor allem in der katholischen Kirche gibt es eine große Vielfalt von Frömmigkeitsformen, Vorlieben und Schwerpunkten. 

So betonen die einen stärker Gott-Vater als den Schöpfer, viele andere – etwa bibelgläubige Evangelikale – stellen Christus in das Zentrum ihres Glaubens – und manche Gläubige wenden sich besonders gerne an den Heiligen Geist, was nicht nur für Charismatiker gilt, sondern z.B. auch der orthodox-ostkirchlichen Mentalität recht nahekommt.

So weit – so gut, denn im Hause Gottes gibt es viele Wohnungen – und auch die verschiedensten Ausrichtungen.

Das ist alles in Ordnung, solange die theologischen Gewichte nicht allzu bedenklich verschoben werden.

Dieser „schräge“ Eindruck entsteht aber bei der Initiative „Familie des Vaters“, die der österreiche Techniker Dr. Gottfried Prenner gemeinsam mit Aloisia Grabner 2016 in Pinkafeld gegründet hat. Diese geistliche Gemeinschaft aus dem Burgenland vereint Männern und Frauen,Priester, Familien und Alleinstehende unter ihrem Dach.

Der Laienmissionar Dr. Prenner ist ein Medjugorje-Bekehrter seit Jahrzehnten (er sprach mehrfach auf Medju-Jugendfestivals), studierte Theologie und reist vielfach mit Vorträgen durch die Lande – auch über Europa hinaus, vorwiegend in charismatischen Gruppen. 

Hier wird eine Selbstdarstellung seines Werkes präsentiert: http://www.pfarrepinkafeld.at/pfarre/1123/pfarrlebengruppen/geistlichegemeinschaften/article/2600.html

Das MottoGott ist unser Vater. Wir sind seine Familie“ ist zunächst nicht zu beanstanden. Etwas merkwürdiger klingt dann allerdings die vereinseigene Begründung hierfür: Aus dieser Vision heraus leben die Mitglieder in einer vertrauten Beziehung zum Vater, der uns alle liebt und für uns alle sorgt.“

Warum wird hier allein Gott-Vater erwähnt – und der Sohn „vergessen“ (der Hl. Geist sowieso auch noch)?

Unter dem Motto „Unsere Aufgaben“ heißt es weiter: „Durch Vorträge und Seminare bringen wir die Liebe des Vaters zu den Menschen. In der Anbetung beten wir mit Jesus zum Vater für die Rettung der Welt.“

Christen beten für die „Rettung der Welt“ nicht allein „zum Vater“, sondern auch zu Christus selbst – mindestens aber „durch Christus“ zum Vater.

Hier wird Jesus aber auf unsere geschöpfliche Ebene heruntergeholt, wenn es heißt, daß wir „mit Jesus“ zum Vater beten. Das könnte man so wohl hinsichtlich Maria sagen, denn die selige Jungfrau ist mit uns als Geschöpf in der Anbetung Gottes vereint – wohlgemerkt: angebetet werden alle drei göttlichen Personen der heiligen Dreieinigkeit!

Bei der Werbung für ein „Glaubensseminar“ für Dr. Prenner (siehe hier: https://www.arche-barmherzigkeit.at/die-arche-feiert-geburtstag) lesen wir Folgendes:

„Wenn du dich einlässt, findest du in Gott Vater das Glück und die Freude….Beim Vater findest du Erfüllung, Sicherheit, Freude und Geborgenheit.

Erneut auch hier kein Wort von Christus!

Abschließend heißt es: „Ein Seminar als Angebot, über Gott Vater mehr zu erfahren, über seine Liebe zu mir. Er hat einen Plan mit mir, er weiß, wohin mein Leben geht.“

Auch GOTT-SOHN hat einen Plan (genau denselben!) und weiß, wohin unser Leben geht, ebenso der Heilige Geist.

Im Grunde konzentriert sich in dieser „Familie des Vaters“ – wie schon der Name anzeigt – alles auf den Schöpfergott und das in einem Ausmaß, daß Christus eindeutig zu kurz kommt.

Durch die ständige Medjugorje-Werbung samt Hinweisen auf die Botschaften der angeblichen „Erscheinungen“ steht auch Maria erheblich zu stark im Zentrum dieser Frömmigkeit.

Gott-Vater und die Madonna – und das war es dann eigentlich im wesentlichen?!

In dieser geistlichen Gemeinschaft scheint theologisch einiges aus dem Ruder gelaufen zu sein!

Ja, Medjugorje-Bekehrung schützt vor Torheit nicht – dafür ist Dr. Prenner wahrlich nicht das einzige Beispiel – einmal abgesehen davon, daß unser Glaube sowieso nicht auf Privatoffenbarungen gründet, sondern auf der Heiligen Schrift und der apostolischen Tradition, also auf der göttlichen Offenbarung, wie sie die Kirche uns verkündet.


Trevignano Romano: Corona-„Botschaften“ bewegen das fromme Spektrum

Von Felizitas Küble

Die neuesten Visionen aus Trevignano Romano bei Rom verunsichern und erregen derzeit das erscheinungsbewegte katholische „Lager“. Auch das charismatische Portal „Kath.net“ hat sich mit diesen Himmelskundgaben bereits wohlwollend befaßt – kein Geringerer als der Historiker Michael Hesemann präsentierte positiv die dortigen „Botschaften“ von oben, die scheinbar wie der Topf auf den Deckel zur derzeitigen Corona-Krise passen.

Die außerordentlichen Phänomene begannen mit einer Pilgerfahrt des Ehepaars Gisella und Gianni nach Medjugorje, die dort viele „Zeichen und Wunder“ erlebt haben wollen.

Es gab danach „blutige Tränen“ an einer dort gekauften Madonnenfigur, sodann „Tränenwunder“ bei einem Faustyna-Jesus, ab Juni 2016 folgten Marienerscheinungen. (Original-Fanseite bzw. Internetpräsenz hier: https://www.lareginadelrosario.com/)

Autor Hesemann erinnerte z.B. an folgende Botschaft vom 10.10.2016 an das erwähnte Ehepaar: „Bete, dass eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt, ausgerottet werden kann.“

Der Bezug zu Corona ist freilich an den Haaren herbeigezogen, denn die meisten Infizierten werden sehr wohl geheilt, sogar die Mehrzahl der konkret Erkrankten.

Es läßt sich in diesem Spektrum alles steigern, denn inzwischen gibt es sogar Offenbarungen direkt von „Jesus“. Am 8. April erklärte das Erscheinungsphänomen der Ehefrau:

„Heute war der Tag, an dem ich von Judas mit einem Kuss verraten wurde. Als ich durch die Stadt ging, blickten die Pharisäer mit Stolz und Arroganz auf mich herab. Meine Kirche verrät mich auch heute noch, indem sie mich oberflächlich ansieht. Selbst große Theologen verbarrikadieren die Kirchen, indem sie meine Herde zerstreuen.

Meine Tochter, das ist die Geschichte des Karwochenendes und dieser Zeiten; bald wird die Warnung auf euch zukommen, die Euch die Wahl gibt, mich oder Satan zu lieben. Danach werden Feuerbälle auf die Erde herabfallen, und das wird die schlimmste Zeit für Euch sein, denn alle möglichen Katastrophen werden kommen.

Meine Mutter wird Euch beschützen, indem sie Euch unter ihren gesegneten Mantel nimmt, fürchtet Euch nicht. Ich segne Euch alle im Namen des Vaters, in meinem Namen und im Namen des Heiligen Geistes, Amen.“

Soviel Unfug auf einmal findet man selten in wenigen Sätzen:

1. Es ist ausgeschlossen, daß der wahre Christus behauptet:Meine Kirche verrät mich auch heute noch, indem sie mich oberflächlich ansieht“ – Das hat „die“ Kirche nie getan und wird es nie tun, sondern immer nur einzelne Vertreter derselben. Die Kirche als Heilsinstanz ist vom HERRN selbst gegründet, ER ist ihr Haupt, also kann „seine“ Kirche IHN nie in ihrer Gesamtheit „verraten“ – zudem ist die Begründung, die Kirche würde IHN „oberflächlich ansehen“, nichtssagend und banal.

2.  Typisch für diese Szenerie folgt nun die Ankündigung der sog. „Warnung“ – eine alte Irrlehre, die seit Jahrzehnten immer wieder neu aufgewärmt wird und die nicht zuletzt auf die „Erscheinungen“ von Garabandal zurückgeht (kirchlich nicht anerkannt). Infos über den Unsinn der Warnung findet man im CHRISTLICHEN FORUM zuhauf (Stichwort eingeben).

3. Daß danach „Feuerbälle auf die Erde herabfallen“, steht nicht in der Heiligen Schrift (natürlich auch nichts vom Phänomen der „Warnung“), so daß man dies als übliche Schauerbotschafts-Story ansehen kann.

4. Warum sollte Christus als GOTT zum Schutz der Gläubigen auf seine Mutter verweisen, obwohl sie doch sein Geschöpf ist – und ER ihr HERR, die Madonna also gleichsam unter seinem Schutz steht. Natürlich kann die Gottesmutter gut und gerne als „Schutzmantelmadonna“ verehrt werden – aber Christus selbst als oberster Schutzherr hat es nicht nötig, auf ein von IHM geschaffenes Geschöpf zu verweisen, wenn ER schon angeblich selber spricht (was aber hier ohnehin nicht der Fall ist).

Damit nicht genug, wurde vor zwei Tagen  – am 18. April  –  ganz frisch folgende Marienbotschaft aus Trevignano Romano gemeldet:

„Liebe Kinder, kämpft für eure Freiheit, Ihr werdet bald von bösen Diktatoren in die Sklaverei geführt werden. Vorsicht vor Impfstoffen und allen damit verbundenen Verpflichtungen, denn sie werden nicht von Gott kommen, sondern von Satan, der euer Leben und euren Geist beherrschen will…Meine Engel und Erzengel werden immer bei euch sein, seid nicht lau.“

Diese „Erscheinung“ hat wohl die neuesten „Alternativmeldungen“ aus dem Internet gelesen. Dabei benötigen wir keine „Offenbarungen“ von oben, um mit dem bloßen Verstand zu erkennen, daß die Corona-Krise von einigen politische Eliten dazu (aus)genutzt wird, um eine wachsende Kontrolle über die Bürger einzuführen und Freiheitsrechte über das gebotene Maß hinaus zu beschneiden.

Entsprechende kritische Beiträge finden sich seit vielen Wochen hier im CF.

Allerdings ist eine pauschale Ablehnung von Impfstoffen verfehlt, denn der mögliche Mißbrauch einer Sache (Vereinnahmung von Impfungen für eine nachfolgende Digitalisierung zur Kontrolle der Bürger) spricht nicht gegen die Sache selbst. Es muß hier also differenziert werden, statt nur Panik zu schüren.

Sodann fragt man sich, wie diese Marienerscheinung denn gerazu anmaßend verkünden kann: „Meine Engel und Erzengel….“ – Die Engelwelt wurde von GOTT erschaffen, es handelt sich um seine Engel – und auch die Mutter des HERRN ist ein Geschöpf ähnlich der Engel – und selbst keine Schöpferin. 

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Leuchtende Madonnenstatue in Medjugorje?

Von Felizitas Küble

Die wundersüchtige Dreistigkeit im kirchlich nicht anerkannten Erscheinungsort Medjugorje (Bosnien-Herzegowina) wirkt schon einzigartig. 

Als Beispiel mag die sensationelle Geschichte um eine angebliche „Leucht-Madonna“ gelten, die vor allem von der Hauptseherin Vicka  – in deren Elternhaus jene Statue sich befand – durch etliche Interviews verbreitet wurde.

Obwohl jenes Mirakel vom Oktober 2013 längst wissenschaftlich als Betrug widerlegt wurde, hindert dies das offizielle Medjugorje-Portal nicht daran, sie bis heute weiter wie ein echtes Wunder zu präsentieren – man lese und staune: https://www.medjugorje.de/medjugorje/phaenomene/leuchtende-statue/

Dort heißt es wörtlich:

„In Medjugorje berichteten am 23. September 2013 Augenzeugen über ein Leuchten einer Muttergottes Statue im Elternhaus der Seherin Vicka Ivankovic-Mijatovic…Immer mehr Interessierte fanden sich ein, um mit eigenen Augen zu sehen, was sie über das Geschehen erfahren haben.

Schon bald konnte das „Rätsel“ um die wundersame Statue gelüftet werden, wie unser CHRISTLICHES FORUM damals bereits Anfang November 2013 berichtete:

„Im September 2013 stellte sich heraus, dass eine im Dunklen leuchtende Marienstatue aus dem Besitz der Seherin Vicka Ivanković-Mijatović mit Leuchtfarbe bestrichen worden war. Der kroatische Chemiker Pavle Močilac identifizierte die Substanz als Farbe auf der Grundlage von Strontiumaluminat. In den Tagen zuvor hatte das vermeintliche Wunder mehr als 15.000 Gläubige angezogen.“   (Quelle: https://charismatismus.wordpress.com/2013/11/08/medjugorje-wunder-statue-erweist-sich-als-dreister-schwindel/)

Übrigens sind die monatlichen Medjugorje-Erscheinungen an die Visonärin Mirjana angesichts der Corona-Krise kürzlich abrupt beendeet worden – angeblich von der Madonna selbst. – Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/03/19/hat-die-madonna-jetzt-angst-vor-corona/

 


„Kath.net“ über Corona und Erscheinungen…

Von Felizitas Küble

Das charismatische und erscheinungsbewegte Nachrichtenportal „Kath.net“ würde seinen selbstgesetzten Auftrag verfehlen, wenn es nicht zur derzeitigen Pandemie auch einige „passende“ Botschaften zu bieten hätte, mögen auch die präsentierten Zusammenhänge reichlich an den Haaren herbeigezogen sein.

Kein Geringerer als der katholische Buchautor und Historiker Michael Hesemann, der für seine „mystischen“ Neigungen bekannt ist, nimmt sich am heutigen 31. März dieses Themas an – und zwar unter dem Titel „Marienerscheinungen und die Corona-Krise“: https://www.kath.net/news/71173

Seine Ausführungen über die kirchlich nicht anerkannten Privatoffenbarungen von Garabandal können wir momentan vernachlässigen, zumal hier keine Corona-Seuche angekündigt wurde. 

Am Schluß befaßt sich der Autor mit den Visionen von TREVIGNANO ROMANO bei Rom:

Das Ehepaar Gisella und Gianni erlebte nach einer Pilgerfahrt nach Medjugorje viele „Zeichen und Wunder“ – wen wunderts?

Es gab angeblich „blutige Tränen“ an einer dort gekauften Madonnenfigur, sodann „Tränenwunder“ bei einem Faustyna-Jesus, ab Juni 2016 folgten Marienerscheinungen. 

Hesemann schreibt: „Ein Sonnenwunder und diverse Zeichen am Himmel, die u.a. auch fotografiert und gefilmt wurden, scheinen ihren übernatürlichen Ursprung zu bestätigen.“

Wundersame Sonnenphänomene soll es in Medjugorje ebenfalls zuhauf gegeben haben, übrigens auch in Heroldsbach und Montichiari (kirchlich ebenfalls nicht anerkannte Erscheinungsstätten).

Der Verfasser verweist auf eine Trevignano-Botschaft vom 18.6.2016: „Pestilenz, Elend und Seuchen werden Rom befallen, was Tod und Verzweiflung geben wird.“

Warum ist hier nur von der italienischen Hauptstadt die Rede, zumal diese durchaus nicht das Zentrum der Corona-Pandemie ist?

Am 10.10.2016 heißt es in den „Offenbarungen“ an das erwähnte Ehepaar: „Bete, dass eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt, ausgerottet werden kann.“

Bekanntlich werden die meisten Corona-Infizierten sehr wohl geheilt – auch die Mehrzahl der konkret Erkrankten.

Am 17.1.2017 verkündete die angebliche Madonnenerscheinung folgendes: „Bald werdet ihr gezwungen sein, wieder in euren Häusern zu beten. Haltet euch am täglichen Gebet des Heiligen Rosenkranzes fest, der der einzige Schild ist, der euch vor dem Bösen schützen wird.

Warum sollte das Rosenkranzgebet   – das gewiß empfehlenswert ist – das „einzige“ Schild sein, das uns „vor dem Bösen schützt“?

Was ist mit dem Vaterunser? Dem Angelus? Den 150 Psalmen? Der Bibellektüre? Der geistlichen Kommunion?

Wenn der Rosenkranz, den es erst seit dem 15. Jahrhundert gibt, das „einzige Schild“ ist, womit haben sich dann die Christen davor 1500 Jahre lang vor dem Bösen „geschützt“?

Am 20.7.2019 lautet die Botschaft von oben, nun sei die „Zeit der Gerechtigkeit“ gekommen: „Ihr werdet Feuerbälle vom Himmel kommen sehen, die Erde wird nicht aufhören zu zittern, alte und begrabene Krankheiten werden zurückkehren und neue Krankheiten werden sich ausbreiten.“

Hesemann schreibt sodann:

„Die deutlichste Ankündigung aber erfolgte, und das ist dokumentiert, am 28.9.2019, als die Erscheinung verkünden ließ: „Bete für China, denn von dort werden neue Krankheiten kommen. Alles ist bereit, die Luft mit unbekannten Bakterien zu verschmutzen.“

Erstens geht es bei Corona nicht um „unbekannte Bakterien“, zweitens kamen aus China auch schon vorher „neue Krankheiten“ (Näheres dazu etwa in dem 2019 erschienenen Buch von Dr. med. Edith Breburda mit dem Titel „Gentopia“).

Langer Rede kurzer Sinn: Die von Heesemann naiv zitierten Botschaften sind entweder allgemein gehalten oder sie treffen nicht ins Schwarze. Er hätte sich seinen Artikel also sparen können.


Hat die „Madonna“ jetzt Angst vor Corona?

Medjugorje: Botschaften an Mirjana abrupt beendet

Wie verschiedene katholische Nachrichtenmedien  – darunter CNA – berichten, hat eine der Seherinnen von Medjugorje namens Mirjana Dragicevic-Soldo am 18. März bekannt gegeben, keine Erscheinungen der „Gospa“ (Titel der Gottesmutter auf kroatisch) mehr zu erhalten.

Das habe ihr die heilige Maria an Mirjanas Geburtstag selber kundgetan. Die Visionärin habe sich – so heißt es weiter  – nach dieser Mitteilung weinend in ihr Haus zurückgezogen. Vermutlich hatte sie sich ihr „Wiegenfest“ anders vorgestellt.

Auf eine Begründung dafür, daß die angebliche Madonna jedes weitere Stelldichein verweigert, hat die 55-Jährige verzichtet.

Somit ist unklar, ob es sich angesichts der Corona-Krise um eine himmlische Notbremse handelt (damit das Erscheinungsphantom selbst kein Ansteckungsrisiko eingeht) oder ob Frau Mirjana durch diese überraschende „Botschaft“, keine Botschaften mehr zu erhalten, ihre eigene Sicherheit gewährleisten möchte, indem sie weniger Publikumsverkehr erfährt.

Auch fragt man sich, warum die „Gospa“ ihren Fanclub in Medjugorje ausgerechnet jetzt in schwerer Zeit „allein“ läßt – und überdies: Warum hat die Erscheinungsdame denn die Virus-Krise nicht vorausgesagt? Stattdessen begnügt „sie“ sich seit Jahrzehnten mit Blabla-Kundgaben.

Bereits seit 1987 erhält diese Seherin  – eigenen Angaben zufolge  – an jedem zweiten Tag eines Monats eine Botschaft des Himmels. Bereits seit 1983 erscheine ihr Maria zudem jährlich an ihrem Geburtstag, dem 18. März.

Die angeblichen Marienerscheinungen von Medjugorje, die am 24. Juni 1981 begonnen haben sollen, sind kirchlich nicht anerkannt. Das Urteil der vatikanischen Untersuchungskommission ist bislang nicht veröffentlicht. Der Papst hat sich mehrfach kritisch zu den Phänomenen geäußert.

 


Medjugorje: Charismatisches „Totus Tuus“ erwartet eine „neue Gnadendekade“

Von Felizitas Küble

Seit dem 24. Juni 1981 soll es in Medjugorje (Bosnien-Herzegowina) zu regelmäßigen Marienerscheinungen gekommen sein, die bei einigen Visionären bis heute anhalten. Sechs Kinder und Jugendliche – damals zwischen 10 und 17 Jahre alt – sprachen damals von täglichen Besuchen der „Gospa“ (Madonna, Gottesmutter).

Der zuständige Bischof Zanic äußerte sich zunächst positiv über die Phänomene, wurde aber immer kritischer, nachdem er Lebenswandel und Lügen der Seherschar genauer unter die Lupe nahm und eine Untersuchungskommission einrichtete. Auch sein Nachfolger Peric hat sich bis heute eindeutig ablehnend gegenüber den „Offenbarungen“ von Medjugorje positioniert.

Die Erscheinungs-Maria stellt sich ihren Seher/innen als „Königin des Friedens“ vor, wobei sich ihre Kundgaben endlos im Kreise drehen und fast immer aus Banalitäten bestehen. 

Neuestes Beispiel hierfür ist die Medju-Botschaft vom 25. Februar dieses Jahres:

Liebe Kinder! In dieser Zeit der Gnade möchte ich eure Gesichter im Gebet verwandelt sehen. Ihr seid so überschwemmt von irdischen Sorgen und ihr spürt nicht, dass der Frühling vor der Tür steht. Meine lieben Kinder, ihr seid zur Buße und zum Gebet aufgerufen. So wie die Natur in der Stille um neues Leben kämpft, seid auch ihr aufgerufen, euch im Gebet Gott zu öffnen, in dem ihr den Frieden und die Wärme der Frühlingssonne in euren Herzen finden werdet. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid.

Statt dass diese „Gospa“ das Corona-Virus vorausgesagt und damit Menschenleben gerettet hätte, statt dass sie wenigstens im Frühstadium der Epidemie wirksame Maßnahmen empfohlen hätte, bleibt dieses Erscheinungsphantom bei ihrem Frühlingssonnen-Geplapper, wofür es bestimmt keiner himmlischen Offenbarungen bedarf.

Diese Schwarmgeistereien werden noch getoppt durch den neuesten Einfall von „Totus Tuus“.

Diese aus der Medjugorje-Verehrung entstandene Jugendgruppierung versteht sich ausdrücklich als charismatisch und praktiziert bei euphorischen Veranstaltungen fleißig den „Hammersegen“, also das tranceartige „Ruhen im Geist“ bzw. Rückwärtskippen, das ursprünglich aus der protestantischen Pfingstler-Szene stammt. (Deren Selbstdarstellung siehe hier: http://www.totus-tuus.de/site/totus-tuus/spiritualitat/charismatisch/)

In ihrem Monatsrundbrief vom Februar 2020 ruft die in Rheinbreitbach ansässige Organisation nichts weniger als eine „neue Gnadendekade“ aus.

Da die Gospa schon fast vierzig Jahre in Medjugorje erscheine, heißt es in dem Schreiben, erhoffe man sich vom „gerade begonnenen Jahrzehnte“ eine „weitere Gnadendekade“, also quasi fortgesetzten „Gnadenfluß“ von oben durch die Erscheinungen usw.

In der Stellungnahme heißt es weiter: „Den Wert ihrer Botschaften werden wir vermutlich erst im Nachhinein so richtig begreifen“.

Mir scheint, daß bei soviel überflüssigem Blabla nach keine Nachbetrachtungen zu substantiellen Erkenntnissen führen.

Danach wird zu weiteren Medju-Wallfahrten eingeladen, natürlich auch zum unvermeidlichen charismatischen „Lobpreis“, auf daß man „der Muttergottes erneut die Möglichkeit“ gebe, „uns an der Hand zu nehmen“.

Anscheinend brauchen diese jungen Gläubigen hierfür eigens Wunder, Zeichen und Erscheinungen!

Daß es bei soviel Schwärmertum auch zu geistlichem Missbrauch in den eigenen Reihen kommt, erstaunt Kenner dieses Spektrums überhaupt nicht. Auch ich kenne seit Jahren Betroffene und Aussteiger. Im Bistum Münster läuft wegen spiritueller Übergriffe in Totus-tuus-Reihen seit Jahren eine kirchliche Untersuchung bzw. Visitation.

Wir haben hierüber bereits im Frühjahr 2019 berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2019/05/29/spiritueller-missbrauch-in-der-charismatischen-jugend-gemeinschaft-totus-tuus/

 


Meine Beobachtungen in Medjugorje

„Ich erlebte eine gigantische Geldmaschinerie“

Dieser Brief stammt von einer langjährigen Leserin aus Süddeutschland, deren Name und Anschrift mir bekannt ist.

Aus meiner Erfahrung mit „Aussteigern“ – sei es aus der Esoterik, Charismatik oder Falschmystik  –  weiß ich, wie allergisch bis fanatisch ihr bisheriges Umfeld oftmals reagiert, wenn deutlich wird, daß sie auf einen nüchternen Glauben „umgestiegen“ sind, der keiner „Erscheinungen“ und sonstiger „wundersamer“ Ereignisse bedarf. 

Auch die Verfasserin dieses Schreibens kennt diese Problematik. Hier folgt ihr anschaulicher Bericht:

Sie sprechen mir vollkommen aus der Seele mit Ihren kritischen Beiträgen, Ihrer Aufklärung über „Botschaften“, Seher usw. Die Medjugorje-Hysterie ist auch eine Wundersucht.

Mir wurde schon oft gesagt, dass eine Wallfahrt dorthin alles im Leben zum Guten ändern würde, so daß wir Probleme überwinden, die uns zu schaffen machen.

Ich war 2009 im September eine Woche dort und habe vieles mitbekommen: Die hl. Messen, Rosenkranz und eucharistische Anbetungen sind soweit in Ordnung.

Aber ich erlebte eine gigantische Geldmaschinerie – und das hat mich abgestoßen. Jeden Tag werden die Pilgergruppen, die einen Pilgerführer zwangsweise mitnehmen müssen, mindestens zweimal zur „Tränke“ geführt. Das heißt, sie besuchen eine klösterliche Gemeinschaft, ein Kinderdorf, ein Zentrum für Drogensüchtige etc. Überall gibt es zuerst einen Vortrag und dann werden Spenden eingesammelt.

Mich stören die vielen Geschäfte hingegen nicht. Da kann man reingehen oder auch nicht.

Sodann gibt es in Medjugorje Veranstaltungen in einer größeren Halle, wobei die Seher anwesend sind und zu den Leuten sprechen. Alles wird in verschiedene Sprachen übersetzt. Ich mußte außerhalb der Halle im Freien mit meiner Gruppe zuhören. Aber ich war nicht aufmerksam, weil ich diese „Marienbotschaften“ überhaupt nicht als wahr ansehen kann. Diese banalen Aussagen sind sicher nicht  himmlischen Ursprungs. Davor muß man die Madonna in Schutz nehmen. Aber das darf man bei Medjugorje-Gläubigen nie erwähnen. Sie verhalten sich oft sofort aggressiv und feindselig. Darin erkenne ich dann eine Spur der „anderen Firma“…

Besonders empfindlich reagieren Medjugorje-Pilger, wenn man den Lebenswandel der Seher/innen anspricht. Die hl. Katharina Labouré, Bernadette von Lourdes und die Kinder von Fatima lebten zurückgezogen, hatten es teilweise sehr schwer im Leben, wurden keine bejubelten Stars und gingen ins Kloster. 

Besonnene Gläubige unter den Pilgern antworten mir dann immer, dass das spezielle Apostolat der Medjugorje-Seher eben die Familie wäre und sie darum geheiratet hätten. Andere reagieren richtig wütend, weil sie diesen Punkt als Zeichen einer Infragestellung erkennen.

Es soll dort angeblich Heilungen geben, aber warum werden diese nicht wie in Lourdes ärztlich genau untersucht? Diese „Wunder“ werden erzählt, ohne daß eine kirchliche Anerkennung erfolgte. 

An einem Nachmittag unter freiem Himmel konnte man in Medjugorje Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel sehen, die sich kreuzten. Diese Kreuze wurden dann wie wild fotografiert und ich wurde auch darauf aufmerksam gemacht. Dabei gewann ich den Eindruck, dass man wirklich fieberhaft nach Zeichen und „Wundern“ sucht.

Das Publikum ist sonst nicht primitiv, ungebildet oder unkritisch. Aber bei Medjugorje sind sie verblendet. Ich kenne viele fromme Katholiken, denen die verschiedenen „Privatoffenbarungen“ wichtiger sind als das Wort Gottes.

In den vergangenen Tagen habe ich mich gefragt, hätte die „Gospa“ – wie man die Medjugorje-Madonna nennt –  nicht konkret diese Corona-Seuche vorhersagen müssen ? Man hörte nichts über eine weltumfassende Epidemie, die überall große wirtschaftliche Not verursacht. Das ist doch erstaunlich. Keine dieser „Botschaften“ warnte die Menschen. Das wäre doch die Gelegenheit gewesen, vom Himmel her die schon längst fällige Echtheits-Bestätigung zu liefern.

Solche Erscheinungen kommen aber auch ohne Medjugorje-Seher überall vor. Ich kenne allein drei Frauen, die mir berichteten, dass sie unsichtbare Stigmen tragen, also die Wundmale Jesu. Sie erwarteten dann von mir wohl eine ehrfürchtige Reaktion, weil sie mich in ihr „Geheimnis“ eingeweiht haben. Ich habe sie alle enttäuscht.

Viele „träumen“ auch Erscheinungen und fühlen sich dann auch aus der normalen Masse der Sterblichen etwas herausgehoben. Allen diese „Erwählten“ konnte ich einen gewissen Stolz nicht absprechen.

Ich habe vor ein paar Jahren in Schramberg den „preisgekrönten“ Film Mary‘s Land gesehen. Hinter mir waren hysterische  – oder wie Sie zu schreiben pflegen: schwarmgeistige – Damen, die den langweiligen Film immer wieder mit ihren Jubelausbrüchen garnierten, während ich vor Langeweile eingenickt bin. Jetzt wurde wieder so ein Film gedreht, zu dem ich trotz vieler Einladungen nicht gegangen bin. Zu Hause schläft es sich besser.

Das Problem Medjugorje ist groß. Millionen gehen jährlich dorthin. Der Vatikan und die Bischöfe getrauen sich nicht, ein Machtwort zu sprechen. Würde ein solches erfolgen und dem Spuk ein Ende bereiten, so würde eine riesige Geldmaschine trockengelegt werden.

An unserem letzten Tag sprach noch eine Seherin der sogenannten „zweiten Generation“ im Hotel. Sie erhalte, so hieß es, innere Einsprechungen von oben. Es ging dabei eigentlich wieder ums Spenden. Das ist der allgegenwärtige Mechanismus dort.

Mein Beichtvater empfiehlt mir immer, wie Sie richtig schreiben, dem Willen Gottes zu gehorchen. Aber Kreuztragen wollen viele nicht mehr; sie sehen das als Strafe Gottes an.
Ohne Kreuztragen gäbe es keine Heiligen, das sage ich immer. Dadurch geschehen wirkliche Wunder in der Seele.