Warnung eines Konvertiten vor schwarmgeistigen Irrwegen des Glaubens

Volker J. Jordan berichtet aus seinem Denken und Leben

Der junge Historiker Volker Joseph Jordan (siehe Foto) berichtet in seinem Buch „Endlich zuhause!“ von charismatischen Strömungen in der Christenheit und erläutert seine kritische Haltung hierzu.

Der Konvertit aus Niedersachsen war in seiner evangelischen Phase selber zeitweise in pfingstlichen Kreisen aktiv, löste sich aber allmählich davonimm012_11A - Kopie

„Meine Zweifel an den charismatisch-pfingstlichen Phänomenen wurden immer stärker. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, daß ich in meiner Zeit in Braunschweig auch „in Zungen“ redete. Diese „Gabe“ „empfing“ ich in einem Mensa-Gebetskreis, in dem eine Griechin speziell dafür betete, wenngleich nicht unter Handauflegung. Später, als ich es als falsch erkannte, distanzierte ich mich selbstverständlich davon und praktizierte es nicht mehr.“ (S.119)

Dabei erwiesen sich klassische protestantische Pfingstgemeinden als relativ gemäßigt im Vergleich zu enthusiastischen Phänomenen in der jüngeren „Charismatischen Bewegung“:

„Die mit dem Torontosegen verbundenen, extrem-ekstatischen Vorgänge traten bei den gemäßigten Pfingstlern nicht auf, man hätte sie auch entschieden abgelehnt. Erst 1994, zwei Jahre, nachdem ich die Pfingstbewegung verlassen hatte, kamen diese Phänomene hierzulande vermehrt  zum Vorschein.

Es gab weder das Rückwärtskippen noch das „Brüllen im Geist“ oder das „Heilige Lachen“, geschweige denn noch schlimmere Entgleisungen, die ich nicht beim Namen nennen möchte. Da war man deutlich nüchterner. Allerdings traten das Zungensingen, das Zungenreden und Weissagungen auf.“ (S.120)

Aus seinem reichen Erfahrungsschatz mit charismatischen Gruppen berichtet Jordan z.B. das folgende Erlebnis:

„Damals gab es in Braunschweig auch ein Frühstückstreffen („Chapter“) der „Geschäftsleute des vollen Evangeliums“. Schon allein der Name wirkt ja nicht gerade vertrauenerweckend.

Dort sprach ein schottischer Prediger; er berichtete von seinen Erlebnissen bei einem katholischen Frauentreffen. Bei diesem sei er vom „Geist“ aufgefordert worden, Purzelbäume zwischen den Stuhlreihen der dort Versammelten zu schlagen – und er rief dabei zum Schluß nur noch aus: „Jucki, Jucki!“  – Seither war er bei uns Mitfahrern  als „Jucki, Jucki“ bekannt.

Nach dem Vortrag wurden alle Teilnehmer mit Krankheiten oder Gebrechen aufgefordert, nach vorne zu kommen und sich vom Redner die Hände auflegen zu lassen. Reihenweise fielen die Menschen nach hinten; das „Ruhen im Geist“ kam dort also häufig vor, wie ich mit eigenen Augen sah.

Jene Baptistin, die bereits erwähnte Tante Hilde, ging ebenfalls nach vorne, hatte sich aber zuvor unter die Deckung des Blutes Jesu gestellt. „Jucki, Jucki“ ging an ihr vorüber und legte ihr nicht die Hände auf. – Ich selbst hatte nach dieser Veranstaltung Depressionen, es ging mir nicht gut.Jordan_10-100

Allerdings sind diese „Geschäftsleute des vollen Evangeliums“ keine klassische pfingstlerische, sondern eher eine neuere charismatische und bewußt „ökumenisch“ ausgerichtete  Gruppierung, in der sowohl Protestanten, Pfingstler wie auch Katholiken mitwirken.

Nach jener Veranstaltung war ich von der Charismatischen Bewegung erst einmal gründlich bedient. Später gehörte ich zwar noch den Pfingstlern an, doch meinte ich, sie seien etwas ganz anderes. Nach einer Weile wurde mir aber deutlich, daß viele Phänomene in beiden Bewegungen praktisch identisch sind, wenngleich konservative, eher von den Anliegen der Heiligungsbewegung geprägte Pfingstler nicht annähernd den gleichen Enthusiasmus an den Tag legen wie die Charismatiker.“ (S.120 – 122)

Die Mahnung der „Berliner Erklärung“

Positiv äußert sich der Konvertit zur „Berliner Erklärung“ von 1909, in der sich evangelikale Persönlichkeiten und Gruppen deutlich von der damals aufkommenden Pfingstbewegung distanzierten:

„In Deutschland hatte die „Berliner Erklärung“ führender Vertreter des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und der Evangelischen Allianz vom 15. September 1909 für eine nachhaltige Klärung und Trennung zwischen Evangelikalen und Pfingstlern gesorgt. Darin hieß es zur Beurteilung der sich als ein „neues Pfingsten“ ausgebenden Bewegung sehr deutlich:

Die sogenannte Pfingstbewegung ist nicht von oben, sondern von unten. Sie hat viele Erscheinungen mit dem Spiritismus gemein. Es wirken in ihr Dämonen, welche, von Satan mit List geleitet, Lüge und Wahrheit vermengen, um die Kinder Gottes zu verführen. In vielen Fällen haben sich die sogenannten  Geistbegabten nachträglich als besessen erwiesen. […]

Der Geist in dieser Bewegung bringt geistige und körperliche Machtwirkungen hervor. Und dennoch ist es ein falscher Geist. Er hat sich als ein solcher entlarvt. Die häßlichen Erscheinungen wie Hinstürzen, Gesichtszuckungen, Zittern, Schreien, widerliches lautes Lachen usw. treten auch diesmal in Versammlungen auf.

Wir lassen dahingestellt, wie viel  davon dämonisch, wie viel hysterisch oder seelisch ist, gottgewirkt sind solche Erscheinungen nicht.“  (S.123)

Katholisch-charismatische Strömungen geben sich zum Teil sehr kirchlich und scheinen sich um ein gemäßigt wirkendes Erscheinungsbild zu bemühen; hierzu stellt Jordan fest:

„Auf den ersten Blick scheinen die gemäßigten Kreise in der Charismatischen Bewegung innerhalb der katholischen Kirche etwas nüchterner und vor allem den Schätzen der katholischen Kirche (Beichte, hl. Kommunion, eucharistische Anbetung) enger verbunden zu sein.

Es bleiben aber erhebliche Bedenken hinsichtlich etlicher Phänomene und möglicher spiritueller sowie theologischer Akzentverlagerungen bestehen.

Was man sich vor allem immer wieder vor Augen führen muß, ist die Tatsache, daß die Charismatische Bewegung aus der PAXPfingstbewegung hervorgegangen ist. Nach dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts mit seinen turbulenten Erweckungsversammlungen und ihren mancherlei Entgleisungen bildeten die Pfingstler ihre eigenen Denominationen und spalteten sich einige Male, blieben aber weitestgehend unter sich, ohne daß ihnen eine größere Breitenwirkung vergönnt gewesen wäre.“ (S.122)

Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts änderte sich die Situation insofern, als die charismatische Bewegung  – vorher ein rein protestantisches Phänomen  – erstmals Eingang in katholische Kreise fand; hierzu berichtet der Konvertit Jordan folgendes:

„Erst seit den 60er Jahren zielte die von vornherein überkonfessionell ausgerichtete Charismatische Bewegung, angestoßen durch Wegbereiter wie Dr. David du Plessis (1905–1986), der als „Mister Pentecost“ bekannt wurde, nicht mehr auf die Bildung neuer charismatischer Gemeinden ab, sondern auf die Verbreitung charismatischer Lehren, Praktiken und Erfahrungen in den großen Landes- und Volkskirchen.

1936 wurde ihm durch den bekannten britischen Heilungsprediger Smith Wigglesworth (1859–1947) in Johannesburg angekündigt, er werde den pfingstlerischen Impuls weltweit in die traditionellen Kirchen tragen, die von einer Erweckung heimgesucht würden, die alles Dagewesene weit übertreffe.

Seit Anfang der 60er Jahre hatte er Kontakte zur katholischen Kirche und war seit 1964 auf Einladung Augustin Kardinal Beas SJ hin Beobachter bei der dritten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils. Viele Bischöfe und Theologen seien zu ihm gekommen, und er habe sehen können, wie der Geist Gottes wirke. Später war D. du Plessis federführend im theologischen Dialog der Pfingstbewegung mit der katholischen Kirche aktiv.“  (S. 127/128)

Jordan schildert sodann das breitere Eindringen schwarmgeistiger Tendenzen innerhalb der katholischen Kirche Ende der 60er Jahre:

 „Am 17. Februar 1967 nahm die Charismatische Bewegung innerhalb der katholischen Kirche ihren Anfang an der Duquesne-University in Pittsburgh, wo Studenten charismatische Protestanten gebeten hatten, ihnen die Hände aufzulegen und sie angeblich von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt wurden, z. T. in Zungen redeten und sangen.

Sodann wurde die „Erweckung“ von Pittsburgh zur befreundeten Universität Notre Dame in South Bend (Indiana) getragen, von wo sie sich sehr schnell in die ganzen Vereinigten Staaten und Kanada ausbreitete.  

VOLKER JORDAN

VOLKER JORDAN

In den darauffolgenden Jahren fanden – mit stetig wachsender Beteiligung von Geistlichen und Bischöfen – mehrere Konferenzen der Charismatischen Erneuerung statt; der 3. Internationale Kongreß der katholisch-charismatischen Bewegung wurde sogar in Rom abgehalten, wobei der belgische Kardinal Suenens mit zwölf Bischöfen und 750 Priestern in Gegenwart Papst Pauls VI. die hl. Messe im Petersdom zelebrierte, ein Ereignis, das als der „erste charismatische Gottesdienst im Petersdom“ in die Geschichte eingehen sollte. Schätzungen zufolge geht man davon aus, daß weltweit rund 90 Millionen Katholiken zur Charismatischen Bewegung zu rechnen sind.“ (S.128/129)

Anfang der 70er Jahre wurden katholisch-charismatische Gruppierungen auch in Deutschland aktiv; hierzu berichtet der Autor:

Auch in Deutschland faßte die Bewegung unter Katholiken seit 1972 Fuß. Hier setzte sich die Bezeichnung „Katholische Charismatische Gemeindeerneuerung“ (CGE) durch. Sie umfaßt heute zahlreiche Gebetskreise, unterschiedliche „neue geistliche Gemeinschaften“ wie die „Gemeinschaft Emmanuel“, die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, die „Gemeinschaft Geist und Sendung“ oder die „Gemeinschaft Neuer Weg“, aber auch mehrere charismatische Evangelisations- und Exerzitienzentren.

Einen weiteren wichtigen Faktor stellen charismatische Heilungsexerzitien dar, die von einzelnen oder mehreren Priestern und/oder Laien gepredigt werden, unter anderem von indischen Priestern aus dem Bundesstaat Kerala.

Von den Charismatikern immer wieder betont wird die ökumenische Komponente ihrer Bewegung; der Frankfurter Jesuit Norbert Baumert stellt in einem Grundsatzartikel heraus, der Heilige Geist sei weder katholisch noch evangelisch noch pfingstlerisch; ebenso wenig dürfe man die Charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche losgelöst von der Pfingstbewegung, aus der sie mit dem vielfachen Erleben der Geisttaufe und der Charismen in den 60er Jahren entstanden und hervorgegangen sei, betrachten.

Diese gemeinsame Herkunft von Pfingstbewegung und Charismatischer Bewegung ist m. E. der Schlüssel zu ihrer angemessenen Einschätzung und Beurteilung.“ (S.129/130)

Dabei bietet die katholisch-charismatische Szene selbstverständlich in vielerlei Hinsicht eine andere äußere und lehrmäßige Prägung als jene innerhalb des Protestantismus:

„Natürlich bestehen aus historisch bedingten dogmatischen und konfessionellen Gründen gewaltige Unterschiede z. B. zwischen klassischen Pfingstlern, lutherischen, reformierten und katholischen Charismatikern.

Andererseits stellt man schnell fest, daß die allenthalben bevorzugte, sogenannte Lobpreismusik und die zu beobachtenden, augenfälligen enthusiastischen Phänomene wie Geistestaufen, Zungen- bzw. Sprachenreden und -gesang, Prophetien, „Worte der Erkenntnis“, angebliche Wunder, Heilungs- und Befreiungsdienst mit Dämonenaustreibungen, Zucken oder das „Ruhen im Geist“ in allen Zweigen der pfingstlich-charismatischen Bewegung mit unterschiedlicher Häufigkeit auftreten.

Es ist allem Anschein nach in der Tat ein und derselbe Geist, der hinter den besonderen enthusiastischen Vorgängen in jenen Kreisen steht. Ist dies aber wirklich der Heilige Geist, die dritte Person der heiligen Dreifaltigkeit, der Geist Jesu Christi, oder vielmehr ein Schwarm- bzw. Irrgeist?header_buch

Die vor endzeitlicher Verführung warnenden Worte der Heiligen Schrift, das ausgesprochen negative Urteil führender kirchlicher Experten wie Konrad Algermissen über die Pfingstbewegung, die klaren, besonnenen Einschätzungen der Verfasser der „Berliner Erklärung“ sowie eigene Erlebnisse und Erfahrungen mit pfingstlich-charismatischen Kreisen unterschiedlicher Konfession lassen mich in dieser wichtigen Frage, in der es sehr auf die richtige „Unterscheidung der Geister“ ankommt, eine äußerst kritische Haltung einnehmen und veranlassen mich dazu, eindringlich vor einem Besuch charismatischer Veranstaltungen auch innerhalb der katholischen Kirche zu warnen, bei dem man sich in irgendeiner Weise für den dort wirksamen „Geist“ öffnet.“ (S.130/131)

Hinsichtlich des Erwartungsdrucks, der auf vielen Charismatikern lastet, die stark auf eine vermeintliche „Geisttaufe“ und äußergewöhnliche religiöse Erlebnisse fixiert sind, schreibt Jordan:

„Das läuft gleichsam auf ein „Zweiklassen-Christentum“ hinaus, das die Geistgetauften und die zwar Wiedergeborenen, aber nicht Geistgetauften umfaßt. Als äußeres Zeichen der Geistestaufe gilt bis heute unter den klassischen Pfingstlern generell das Zungenreden, wobei nicht alle Charismatiker diese Gabe behalten.

Bei Pfingstlern begegnet man dem Phänomen, daß Gläubige jahre- oder gar jahrzehntelang auf ihre „Geistestaufe“ warten und sich bis dahin ein Stück weit als minderwertige Christen vorkommen. Wirksame Abhilfe vermag da im Grunde nur das katholische Verständnis vom Geistempfang in der hl. Taufe und der besonderen Salbung mit dem hl. Geist im Sakrament der hl. Firmung zu verschaffen.“ (S. 137)

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Mai/Juni 2013)

In „Theologisches“ erschien in derselben Ausgabe diese Besprechung des Jordan-Buches: https://charismatismus.wordpress.com/2013/06/20/das-jordan-buch-bietet-eine-ganz-andere-konversionsgeschichte/

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Überlegungen zum Interview-Buch „Endlich zuhause“ von Volker Jordan

Spannend und lebensnah: Jordans Weg zur Kirche

Wenn immer wir Menschen zu staunen beginnen, entsteht grundlegend folgende Frage: Warum existiert überhaupt etwas; warum gibt es kein absolutes Nichts?  –  Daraus folgt die weitere Frage: Was bin ich  – und warum bin ich?

Aus unserem irdischen Dasein erhalten wir keine endgültige und befriedigende Antwort. So entstanden die Religionen, die aus einer nicht faßbaren, übernatürlichen Wirklichkeit eine tragfähige Antwort erhoffen.  Volker Jordan, Endlich zuhause

Für den gläubigen Christen  ist Jesus Christus die Antwort des Ewigen, das menschgewordene Wort Gottes.   

Die Tragödie der Christenheit besteht in den nicht mehr überschaubaren Konfessionen und Denominationen. Der junge Historiker und Konvertit Volker Jordan ist überzeugt: Das kann nicht der Wille Gottes sein, betet doch Jesus selbst:

„Alle sollen eins sein. Wie du Vater in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie eins sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17, 21).

Volker Joseph Jordan  (1972 – 2o13) gehörte bis ein Jahr nach seiner Konfirmation der evangelisch-lutherischen Kirche an, verließ diese dann und begann eine staunenerregende Suche nach einer Kirche, die für ihn  die wahre Stiftung Christi sein sollte. 

Durch gründliche fortlaufende Studien brachte er einerseits die notwendige geistige Ausrüstung  mit, zum anderen brachte er seine unvoreingenommene Offenheit  in jede kirchliche Gemeinschaft ein,  die er kennenlernen konnte. 

Immer war es derselbe Jordan, geprägt von seiner konservativen Grundeinstellung und einem konsequent denkenden, wachen Verstand.

Ein vorrangiges Kriterium seiner Wertungen war die Schlüssigkeit  von Lehre und ihre  Umsetzung in das christliche Leben. Das „sola-scriptura“ -Prinzip („Allein die Bibel“) konnte  er bald  nicht mehr  akzeptieren, weil es theologisch  und  kirchengeschichtlich nicht begründbar  ist und zudem selbst in der Praxis der protestantischen Konfessionen gar nicht umgesetzt werden konnte.   imm037_35A

Durch Jordans Begegnungen, Gespräche und praktische Teilhabe am  Glaubensleben der von ihm aufgesuchten christlichen Konfessionen und Gemeinschaften sowie durch  – von einer unbändigen Wahrheitssuche bedingte  –  kritische Auseinandersetzung  mit den jeweiligen Theologien erhält der  Leser einen bemerkenswerten Einblick in die Vielfalt und Unterschiedlichkeit dessen, was unter christliche Kirchen heute erfahrbar ist. 

Auf dem Umweg über die Orthodoxie findet Jordan (siehe Foto) schließlich zur  römisch-katholischen  Kirche.

Was sind entscheidende Kriterien für seinen Schritt? :

1. Das organische und ganzheitliche  Denken nach dem Grundsatz: Die Gnade setzt die  Natur voraus und vollendet sie.

2. Die Bedeutung der Sakramente (Hereinbrechen des Göttlichen  in unsere Welt).  

3. Das tiefe Verstehen der hl. Eucharistie als Opfer und Mahl, getragen von dem nur im Glauben faßbarem Geheimnis der Realpräsenz des gekreuzigten ujnd auferstanden Christus. (Die recht ausführliche Darstellung der so unterschiedlichen Verstehensweise des Abendmahls bei Lutheranern und Calvinisten/Zwinglianern in Gegenüberstellung zur katholischen Lehre kann für manchen Katholiken zur stärkeren Wertschätzung des eigenen Glaubens führen).

In der katholischen Kirche  findet Volker Jordan sowohl die mütterliche (Maria) wie auch die väterliche Komponente (den Papst) repräsentiert.

Wohltuend ist auch seine kritische und zugleich sachliche, ruhige Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Medjugorje“.

Dadurch, daß die Glaubensschritte dieses radikal suchenden jungen Menschen in  Dialogform (mit Felizitas Küble als theologisch versierter Gesprächspartnerin) dargelegt wird, erfahren wir Jordans geistliche Entwicklung als spannend und lebensnah. 

Neben den notwendigen Literaturangaben ist ein sehr ausführliches Stichwortverzeichnis positiv hervorzuheben.

Dieses lehrreiche Interviewbuch „Endlich zuhause“ ist jedem zu empfehlen, vor allem jenen, die ihren eigenen Glauben vertiefen möchten. Es ist im Augsburger Dominus-Verlag erschienen.

Der Autor ist pensionierter Studienrat und unserer Redaktion persönlich bekannt


„Endlich zuhause“: Dieses Buch bietet eine „ganz andere“ Konversionsgeschichte

Rezension von Reinhard Dörner

Volker Joseph JordanVolker Jordan, Endlich zuhause
Endlich zuhause. Mein Weg zur Kirche.
Felizitas Küble im Gespräch mit einem Konvertiten
Dominus-Verlag, Augsburg 2013
ISBN 978-3-940879-29-5
352 S., € 14,80

Dies ist eine ganz andere Konversionsgeschichte als etwa die von Scott Hahn, Erik M. Mørstad oder dem sel. John Henry Card. Newman. Die leicht zu lesende und deshalb einladende äußere Form des Interviews läßt den Leser die geistig-psychologische Entwicklung des Konvertierten nachempfinden  –  er kann sich in die Gedankenwelt von Volker Jordan hineinversetzen.

Dies ist keine intellektuelle Abhandlung. Wer aber meint, daß dem Inhalt der intellektuelle Anstrich fehlt oder abhanden gekommen ist, unterliegt einem folgenschweren Fehl- oder besser Vorurteil.

Die intellektuelle Bandbreite dieses Autors kommt in dem ausführlichen bibliographischen Anhang in voller Breite zur Geltung: Eigene Veröffentlichungen, hervorragende Übersetzungen korrespondieren mit vertiefenden Literaturempfehlungen.

Angesichts dieser Empfehlungen ergibt sich sehr eindrucksvoll, welchen Weg des Suchens dieser begnadete Mensch hinter sich bringen mußte, ja mußte, weil er in seiner besonderen Situation ein exemplarisches Schicksal seines Lebens bewältigt hat, das seinesgleichen sucht.

Das Besondere dieses Schicksals ist das nahezu Endlose des Suchens, das im endgültigen Anschluß an die Kirche doch noch seine Erfüllung fand. Und so heißt der Untertitel zu Recht: “Mein Weg zur Kirche”; denn es gibt nur “eine” Kirche, die Jesus Christus gegründet hat, wie er selbst betont.

Einer der wichtigen Gründe, die ihn zur Konversion veranlaßt haben, ist die Unüberschaubarkeit und Uneinheitlichkeit der christlichen Glaubensgemeinschaften, in denen sich eben nicht die Una Sancta darstellt, sondern eine eher “individualistische […] Grundhaltung” (S. 20)*.  – Daher ist für ihn klar: “Es geht nicht an, daß sich eine Gruppe nach der anderen bildet und daß jeder Gründer selbst hierfür der Maßstab ist.” (56)*

Die Interviewerin geht sehr geschickt von den vier Grundkennzeichen der Kirche aus: Einheit, Heiligkeit, Katholizität, Apostolizität.

Jordan sieht darin “ein Zusammenspiel” (16)* für seine Entscheidung zur Konversion, nachdem er eine regelrechte Wanderschaft  –  oder war es eine Irrfahrt?  –   durch ca. 14 christliche Konfessionen mit teilweise Gastmitgliedschaften durchgemacht hatte.

Auf Jordan kamen wie für alle Konvertiten wichtige Fragen zu, wie es denn z.B. mit dem Fegefeuer stehe oder mit der Heiligenverehrung etc.

Volker Jordan

Volker Jordan

Hier zeigt sich die ungeheure Belesenheit dieses Suchers des rechten Glaubens: Von der Hl. Schrift über die Kirchenväter, die Konvertitenliteratur ist ihm alles vertraut, so daß er mit apologetischer Treffsicherheit die ‘Knackpunkte’ der Unterscheidung darzustellen vermag.

Die Frage nach Maria, der Mutter Gottes, stellt sich ihm wie jedem Konvertiten. Im Protestantismus “identifiziert [man] jegliche Betonung Mariens sofort mit der katholischen Kirche und schweigt daher […] weitgehend von ihr (102)* oder weist anhand von Schriftstellen nach, daß Maria von “der Sündhaftigkeit aller Menschen” nicht ausgenommen (ebd.) sei.

Obwohl Jordan es nicht ausspricht, sieht er sich vermutlich als besonderes Werkzeug Mariens. Er wurde am 16. Juli 1972 getauft, also am Fest Mariens vom Berge Karmel. Das wußten seine Eltern nicht, und auch er selbst hat es erst womöglich im Zuge seiner Konversion erfahren. (103 f.)*

Daß Volker Jordans Glaube auf seine Echtheit hin geprüft wurde, erhellt aus der Tatsache, daß der unheilbar an Krebs Erkrankte bekennt: “Wir können überzeugt sein, daß Gott uns keine größeren Leiden auferlegt, als wir zu tragen vermögen. Das ist auch bisher meine persönliche Erfahrung.” (106)*

Dieses Zeugnis muß so manchen ‘gläubigen’ Katholiken beschämen, der mit Gott hadert, warum gerade ihn ein schweres Leiden treffe.

Volker Jordan interessiert sich auch für den Umgang mit Andersdenkenden. So stellt er fest, daß sich z.B. der “Hexenaberglaube in reformatorisch geprägten Ländern wesentlich länger” hielt und “dort deutlich mehr ‘Hexen’ hingerichtet” wurden (173)*.  –  Dies ist das Urteil eines Mannes, der Historie studiert hat.

Bei den reichhaltigen Erfahrungen seiner ‘Pilgerschaft’ ist es bemerkenswert, daß er die in der orthodoxen Kirche gepflogene “biblisch-patristische Tradition” (185)* hervorhebt, ein Aspekt, der in der katholischen Kirche  –  leider  –  weniger bedeutet.

Weiter hebt er den Wert der zölibatären Lebensweise der Priester gegen den verheirateten Status der orthodoxen Priester und “die fehlende dogmatische Übereinstimmung und kirchliche Einheit mit der römisch-katholischen Kirche unter dem Nachfolger Petri” hervor. (186 f.)*

Insgesamt verfestigte sich in ihm der Eindruck, “man wolle zwar einen […] Kulturverein pflegen und bewahren, dabei aber auf elementare Merkmale des Kircheseins […] verzichten” (190)*.

Volker Joseph Jordan, eine beeindruckende Persönlichkeit!

Als Gesamturteil ist festzuhalten: Ein Buch, das ganz aus dem Rahmen üblicher Konvertitenliteratur herausfällt, aber wegen seiner im Interview vollzogenen Information unglaublich wertvoll ist. Selbst schwierige Passagen werden nachgefragt und erklärt, ansonsten ist die Sprache klar, verbindlich, erhellend.

Zum Aufbau wäre nachzutragen: Es hätte dem Interview nicht geschadet, wenn man thematische Einheiten gebildet hätte, was zugegebenermaßen bei einem so umfangreichen Interview nicht einfach gewesen wäre.

Hervorzuheben ist die großartige Leistung der diversen Anhänge, dort besonders zu erwähnen das Stichwortverzeichnis, das die fehlende inhaltliche Gliederung voll kompensiert.

*Die Zahlen in Klammern weisen auf die Seitenzahlen des Buches hin.

Reinhard Dörner ist Vorsitzender des ZpV (Zusammenschluß papsttreuer Vereinigungen) und des Kardinal-von-Galen-Kreises

ERSTVERÖFFENTLICHUNG dieser Buchbesprechung auf KATHNEWS: http://www.kathnews.de/endlich-zuhause-mein-weg-zur-kirche