Vergleich von „Ruhen im Geist“ und Shaktipat: eine „Geisttaufe“ auf hinduistisch

Von Felizitas Küble

Seit gut dreißig Jahren befasse ich mich kritisch mit charismatischen Ansichten und Phänomenen, vor allem mit dem weit verbreiteten „Ruhen im Geist“, das im amerikanischen Raum als „Slain in the Spirit“ bezeichnet wird: Erschlagen(sein) im Geist. 

Dieser Ausdruck trifft den Sachverhalt besser als die deutsche Übersetzung „Ruhen im Geist“, denn die Betreffenden fallen bei diesem Geschehnis meist „wie erschlagen“ in Trance nach hinten, manchmal auch vorwärts oder seitlich bzw. sie sacken in sich zusammen. Deshalb bezeichne ich diesen Vorgang anschaulicher als „Hammersegen“.

Jedenfalls können sich die Betroffenen gleichsam wie ohnmächtig eine Zeitlang nicht mehr bewegen oder sie geraten in Ekstase, sprechen mit unverständlichen Lauten und es kommt zum „Toronto-Segen“, also solchen Manifestationen wie dem „Lachen im Geist“ (zwanghaftes Gelächter), Weinen oder Zittern im Geist, sie schütteln sich ständig usw.

Dieser Vorgang geschieht in der Regel direkt nach der Handauflegung oder sonstigen Segenshandlung eines charismatischen „Heilungspredigers“, Star-Evangelisten usw.

„Geist-Ausgießung“ oder Energie-Übertragung?

Von pfingstlerischer Seite wird das „Ruhen im Geist“ als eine Geisttaufe bzw. Ausgießung des Hl. Geistes gedeutet und als Zeichen dafür verstanden, daß der Gläubige nun einen spirituellen „Durchbruch“ erlebt hat, der ihn für die außergewöhnlichen „Geistesgaben“ öffnet und mit Geist-Erfahrungen erfüllt.

Das Interessante ist freilich, daß es genau diese körperlich-seelischen Erscheinungsformen auch in fremden Religionen gibt, z.B. im Schamanismus, im Spiritismus, im Voodoo-Kult und vor allem im Hinduismus. Damit wollen wir uns nun etwas näher befassen:

In der Yoga-Tradition wird dabei von Shaktipat gesprochen, was übersetzt in etwa „Kraftladung“ bedeutet – und gemeint ist damit „das Herabsteigen göttlicher Energie“ – so schreibt es z.B. diese hinduistische Webseite: https://wiki.yoga-vidya.de/Shaktipata

Weiter heißt es: „Beispielsweise durch den Segen eines Meisters kann die göttliche Energie, die Shakti im Schüler aktiv werden.“

Diese kosmische Energie wird auch Kundalini genannt und gerne als Schlange (auf dem Rücken bzw. der Wirbelsäule) dargestellt. Das Wort Kundalini kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „gewunden, gerollt“.

Angeblich ruht diese Energie nach alter Hindu-Lehre wie eine zusammengerollte Schlange im Kreuzbein eines jeden Menschen; sie kann durch Yoga-Erfahrungen, Mantras, Visionen oder enthusiastische Glücksgefühle nach oben erwachen.

Durch die Segnung eines Guru wird nun seine „spirituelle“ Kundalini-Erfahrung auf den Schüler übertragen bzw. in diesem selbst erweckt und verstärkt.

Dazu schreibt die erwähnte Yoga-Webseite: „Oft wird Shaktipat auch als Übertragen der Energie vom Guru auf den Schüler bezeichnet…Wichtig für Shaktipat ist es, sich voll auf die Energie eines Meisters einzustimmen. Dies kann durch Opfergaben, Meditation oder auch Seva passiern.“

Auf diesem Blog eines Yoga-Lehrers  – http://www.tantra-tradition.de/10.html  – heißt es dazu:

„Nicht zuletzt besitzt ein tantrischer Guru die Fähigkeit, bestimmte Energien direkt zu übertragen und die Kanäle des Schülers für bestimmte Energiephänomene zu öffnen, wenn dieser dazu bereit ist…Dieses Phänomen nennt man Shaktipat“.

In der aufschlußreichen Biographie „Der Tod eines Guru“ (siehe Foto) berichtet ein hoher Hindu-Meister über seine Bekehrung zum Christentum.

Rabindranath R. Maharaj beschreibt darin aus seiner eigenen Erfahrungswelt, wie die Anhänger eines „erleuchteten“ Meisters in Trance auf den Rücken hingeworfen werden bzw. umsinken, wenn dieser ihnen die Hände auflegt, ihre Stirn berührt oder durch sonstige Gesten seine „Energie“ überträgt.

Unter dem Wort „Shakti-Pat“ wird in dem Buch erklärt: „Bezeichnet die Berührung des Guru, gewöhnlich seiner rechten Hand an der Stirn des Anbetenden, die übernatürliche Wirkungen hat…Durch Verabreichung des Shakti Pat wird der Guru zum Kanal der Urkraft, der kosmischen Kraft, welcher das ganze Universum zugrunde liegt…Die übernatürliche Wirkung des Shakti durch die Berührung des Guru kann den Anbetenden zu Boden werfen, oder er kann ein helles Licht wahrnehmen und eine innere Erleuchtung oder eine sonstige mystische oder psychische Erfahrung machen.“

Der evangelische Autor Dr. Kurt Koch berichtet, daß dieser Ex-Guru Maharaj nach seiner Bekehrung an einer charismatischen Veranstaltung in London teilnahm: Alle ca. zweihundert Presonen fielen nach der „Segnung“ um, nur einer blieb stehen – er selber!  (Quelle siehe letzter Abschnitt hier: http://www.schriftenmission.de/index.php?id=436)

Es mag für manche verblüffend sein, wie zum Verwechseln ähnlich diese beiden Phänome aussehen und wirken:

Sei es im Hinduismus das spiritistisch anmutende Shaktipat oder in der Charismatischen Bewegung das Ruhen im Geist, der „Hammersegen“, das „Erschlagenwerden im Geist“ – angeblich eine spirituelle Erfahrung.

Wer den Vergleich auch rein praktisch beoachten will, der kann unter diesem Stichwort googeln: DE 0:00 / 0:14 Live recording of INTENSE SHAKTIPAT TRANSMISSION

So gelangt man zu diversen Shaktipat-Videos: Schon das erste Youtube-Beispiel zeigt „Fälle“ von Guru-Anhängern, die bei einer Handauflegung bzw. „Segnung“ ihres Meisters umfallen, in Trance geraten, vor Ekstase zittern und beben, teils liegend, teils sitzend, teils in merkwürdigen Verrenkungen.

Der Toronto-Segen: Shaktipat auf charismatisch

Gleichartiges geschieht beim charismatischen Rückwärtsfallen bzw. dem „Toronto-Segen“ (der Name bezieht sich auf Toronto in Kanada, weil es dort bei einer charismatischen „Erweckung“ zu schwarmgeistigen Manifestionen kam).

Zum Thema Toronto-Segen heißt es auf Wikipedia hinsichtlich der „beobachteten Reaktionen“, es seien u.a. „folgende Phänomene“ verstärkt aufgetreten:

„Umfallen, was als Ruhen im Geist gedeutet wird  –  Lachen oder Weinen, das dem Heiligen Geist zugeschrieben wird; euphorische Zustände  – Zungenreden – Zittern – Schütteln  – außergewöhnliche Bewegungen und Laute unterschiedlicher Art, z. B. Tierlaute  –  lautes Schreien, das als Ausfahren böser Geister gedeutet wird – Ohnmachten –  lähmungsähnliche Erscheinungen.“

Weitere hilfreiche Infos lesen Sie hier  – verfaßt von einer evangelische Anti-Sekten-Stelle: http://www.relinfo.ch/toronto/info.html

Schon bei den ersten kollektiv-charismatischen Erfahrungen in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts (beginnend in evangelischen Gemeinschaften in Kassel) wurden genau diese Phänomene beschrieben; die Tumulte damals führten dazu, daß sogar die Polizei eingreifen und für Ruhe sorgen mußte.

Dies war der Startschuß für die hiesige Pfingstbewegung, die sich dann immer weiter ausbreitete und heute weltweit viele hundert Millionen Menschen erfaßt. 

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Esoterische Umarmung: Amsterdam, Medjugorje und die „Meister der Weisheit“

Von Felizitas Küble

Der Philosoph und Esoteriker Dr. Heinz Kuhberg aus Nordenau (Sauerland), der sich als „Katholik und Christ“ bezeichnet, schildert begeistert die „globale Wunderlogik“, die er seit Jahrzehnten beobachtet und in diesem 250 Seiten umfassenden Buch zusammenträgt, das im Jahr 2001 im Silberschnur-Verlag erschienen ist. titelbiild

„Die Zeichen mehren sich“, so lautet der bezeichnende Titel, der auf dem Cover ein wundersames „Lichtkreuz“ zeigt, das weltweit immer häufiger bemerkt werde, wie der Verfasser beschreibt.

Der Autor ist Anhänger einer gnostischen Jesus(irr)lehre, wie sie in einigen apokryphen Schriften aus den ersten christlichen Jahrhunderten grundgelegt wurde. (Apokryphen wurden von der Kirche bewußt nicht in den biblischen Kanon aufgenommen, gehören also nicht zur Sammlung neutestamentlicher Schriften.)

Laut jener Gnosis ist Jesus nicht wahrhaftig „ins  Fleisch gekommen“, sondern er lebte auf Erden als Geistwesen  –  nur mit einem Schein-Leib bzw. astralen (feinstofflichen) Körper umhüllt. (Diese häretische Auffassung nennt man kirchlicherseits den „Doketismus“.)  Zu eben diesem Doketismus bekennt sich der Verfasser ausdrücklich (S. 206 – 207).

Dr. Kuhberg listet über hunderten von Seiten die zunehmenden Zeichen und Wunder auf, die sich häufig als „Jesus-Visionen“ oder „Marienerscheinungen“ manifestieren würden.

Die „Meister der Weisheit“ vereinigen die Religionen

Dabei ist er sich zusammen mit dem von ihm vielgelobten britischen Esoteriker Benjamin Creme darüber einig, daß es sich bei diesen Phänomenen in Wahrheit um das Kommen von „Meistern der Weisheit“ handelt, welche als „Lehrer der Menschheit“ auftreten, um ein globales „Friedensreich“ einzuläuten und alle Religionen unter „Maitreya“ zu vereinigen. madonna-medj

Jener „Matreja“ wird als eine Art friedensstiftender Allerwelts-Messias angepriesen, in welchem das Gute aus allen Religionen vereint sei. Dieser „Christus“ sei wie einst der sog. „Meister Jesus“ kein Gott, aber eine überirdische „Wesenheit“.  Soweit dieser typisch esoterische Irrglaube.

BILD: Vielgerühmtes „Wunderfoto“ aus dem Fankreis von Medjugorje  –  Näheres dazu HIER)

Aber nun wird es aufschlußreich:

Der Autor erläutert an zahlreichen Stellen seines Buches, daß die wichtigsten himmlischen „Meister“ folgende drei sind:
1. der „Jesus-Meister“ (im Sinne der oben erwähnten Gnosis)
2. Maitreya – der Allround-Messias für unsere Zeit
3. Zudem jener Meister, „der einst die Mutter Jesu war
(vgl. z.B. S. 233).  Auf diesen Ex-Maria-Lehrer werden die weltweiten Marienerscheinungen zurückgeführt und als wunderbare Manifestation jenes „Menschheitslehrers“ beschrieben.

Dabei erwähnt der Verfasser die Zeitschrift „Share“ des Esoterikers Creme sehr häufig – und er fügt hinzu, daß in diesem seit 1982 erscheinenden Blatt nur solche Wunder-Berichte aufgelistet werden, in denen „die drei Meister ihre „Visitenkarte“ gezeigt haben“. (S. 233).

Der gnostische Meister, „der einst Maria war“

Jener Meister, der „einst die Mutter Jesu war“, erinnert freilich sogleich an die „Erscheinungen“ der sogenannten „Frau aller Völker“ in Amsterdam, die sich dort eben als jene vorstellte, die „einst Maria war“.

Die von der Amsterdam-Vision verlangte Anrufung zur „Frau aller Völker“ enthält jenen Satz („die einst Maria war“), den der Vatikan jedoch kirchlich verboten bzw. umformuliert hat („die selige Jungfrau Maria“).

Mindestens ebenso aufschlußreich sind allerdings die Bezüge zu Medjugorje, das in diesem Buch ebenfalls mehrfach positiv erwähnt wird.

Esoteriker Peterson „tief beeindruckt“ von Medjugorjemedia-372515-2

So heißt es auf S. 158 über Wayne Peterson, einen US-amerikanischen Diplomaten, dem sowohl der Maria-Meister wie auch „Maitreya“ erschienen seien, daß er sich zu einer Fahrt nach Medjugorje entschlossen habe, nachdem er von den dortigen Marienerscheinungen hörte:

„Was er dort erlebte, beeindruckte ihn tief. Aber erstaunt war er, als er mehrere Personen traf, die über Maitreya Bescheid wußten. Das war noch vor 1988. Und sie sagten ihm: Wenn Sie wissen, daß Maitreya der Christus ist, kennen Sie das letzte Geheimnis. Er traf auch eine Person, der die Maria eine Vision gegeben hatte. Und Maria sagte ihr, sie solle das Geheimnis über Maitreya noch für sich behalten.“

Ähnlich heißt es auf S. 208 erneut über Medjugorje als einem „Ort zahlreicher Marienwunder“: „Und dort erfuhr er: „Wenn Sie wissen, dass Maitreya der Christus ist, dann kennen Sie das letzte Geheimnis.“

Bereits vier Jahre nach dem Beginn der Medjugorje-Erscheinungen wurden die dortigen Ereignisse in „Share International“ von Benjamin Creme unter dem Titel „The Madonna von Medjugorje“ positiv gewürdigt: http://www.diewunderseite.de/marienerscheinungen/madonna_of_medjugorje.htm

So  kommt zusammen, was zusammengehört!

PS: Wie beliebt diverse Marienerscheinungen, vor allem aber Medjugorje, gerade bei Esoterikern sind, zeigt zB. diese Verkaufsseite mit „heiligem Wasser“ aus Medju, das als Glasfläschchen für sage und schreibe 90 Schweizer Franken verkauft wird: http://www.esoterik-versand.ch/amulett-heiliges-wasser-medjugorje-p-9348.html

Auch auf diesem esoterischen Blog (der sich mit „katholischen“ Inhalten bzw. Charismatischem und Wundergläubigem vermischt) wird für Medjugorje geworben, das Wasser von dort als „Licht-Wasser“ und „Gnaden-Wasser“ bezeichnet, ihm wundersame Wirkungen zugesprochen und die dortigen „Botschaften“ empfohlen: http://www.licht-farben.ch/sichtbares-unsichtbares.htm