Ein kompetenter Arzt schildert die Entwicklung des Kindes im Mutterleib

Rezension von Cordula Mohr

Buchdaten: Neun Monate bis zur Geburt: Fakten und Bilder – Autor: Michael Kiworr. Bernardus-Verlag. 194 Seiten. Broschur. 14,80 €. ISBN: 978-3-8107-0251-7

Das handliche und schön gestaltete Buch „Neun Monate bis zur Geburt“ von Dr. med. Michael Kiworr ist außerordentlich gut, interessant und anschaulich geschrieben. Der Autor und Familienvater ist als Oberarzt einer Klinik in Baden-Württemberg tätig. 

Zu den Seiten 1 – 50:

Das Buch beginnt mit einem verständlichen Vorwort des Gynäkologen, das dem Leser verdeutlicht, warum er einen lebensbejahenden Wortschatz gewählt hat und für welche Zielgruppen  – besonders Mediziner, werdende Eltern, Schwangerschafts-Berater  –   er dieses Buch schrieb.

Es beginnt mit der Zeit der Befruchtung und all dem, was in den ersten Tagen danach geschieht. Faszinierend, dass sich der Stoffwechsel schon verändert und bereits Hormone in den ersten Tagen nach der Empfängnis ausgestoßen werden. Somit wird dem Leser klar, ab wann eine Schwangerschaft besteht.

Zudem erklärt der Autor deutlich, warum im Jahre 1965 von Gynäkologenverbänden zunächst in den USA, dann auch hierzulande gefordert wurde, das menschliche Leben nicht mehr ab der Empfängnis, sondern erst ab dem Zeitpunkt der Nidation  – der Einnistung des bereits befruchteten Eies in die Gebärmutter –  beginnen zu lassen.

Damals begann die Verbreitung der „Pille“ bzw. einer lukrativen Verhütungsindustrie, die sich etwas einfallen lassen musste, um moralisch nicht in Misskredit gebracht zu werden, denn vor allem die gestagenbetonten Anti-Baby-Pillen verhindern als Zweitwirkung die Nidation, wirken also potentiell frühabtreibend. Bei der „Spirale“ handelt es sich dabei sogar  –  noch schlimmer  –  um den einzigen Wirkmechanismus. (Näheres dazu im Kiworr-Buch ab S. 48.)

In den grau gerahmten Seiten schildert der Verfasser, welche Gefahren in den jeweiligen Lebensphasen auf das ungeborene Kind einwirken können – sowohl natürliche Gefahren wie auch gewisse Bedrohungen, welche die Medizin z.B. durch Eingriffe und Manipulationen verursacht. 

Aufschlussreich ist auch der Hinweis von Dr. Kiworr, dass die PID (Pränatale Diagnostik) Analysefehler aufweisen kann  –  und somit die entsprechenden Embryonen nicht in den Mutterleib transferiert werden. Untersuchungen aus den Niederlanden zeigen neurologische (gehirnorganische) Schäden von Kindern, bei denen eine PID durchgeführt wurde.

Zu den Seiten 50 – 107:

In den grün gerahmten Seiten kann der Leser erfahren, was bei der Ernährung in der Schwangerschaft wichtig ist, besonders interessant für die werdende Mutter. Erwähnt wird auch, welche Tests sie durchführen lassen kann, um eine Infektion auszuschließen.

Interessant zu lesen ist auch der 14. bis 21. Lebenstag: 3. Woche.

Das Herz schlägt und der embryonale Körper beginnt mit einer offensichtlichen Formbildung. Es gibt den Nachweis der einzigartigen Krümmung aufgrund des Neuralrohres, was nur bei einem menschlichen Embryo besteht.

Hierbei räumt der Mediziner mit den veralteten Ansichten auf, Tier und Mensch würden sich im Mutterleib eine Zeit lang in gleicher bzw. ähnlicher Weise entwickeln oder der menschliche Embryo habe zunächst Kiemen. Diese und andere Irrtümer aus vergangenen Zeiten (die vor allem der Evolutionist Haeckel vertreten hatte) werden ausgeräumt.

Hinsichtlich der folgenden Schwangerschaftswochen beschreibt der Autor die rasante Ausbildung aller Körperfunktionen. Hier beeindrucken vor allen die einmaligen Bilder des Buches: Hände, Füsse Ohr, Blutgefäße, die Geschlechtsmerkmale entwickeln sich.

Auf Seite 91 kommen erneut die „grauen“ Seiten, also die Gefahren, ein natürliches Risiko ist z.B. die Fehlgeburt. Mangelnder Impfschutz, Medikamenteneinnahme der Mutter und vieles mehr kann hierbei ursächlich sein. Es folgen wieder einzigartig schöne Fotos aus dem Mutterleib, die zur Betrachtung einladen.

Der Zeitraum bis zur 12. Woche gehört zu den gefährlichsten im Leben des Ungeborenen, berichtet der Autor, weil sich das Kind quasi in einem rechtlich schutzlosen Raum befindet. Abtreibungen werden meist in dieser Phase durchgeführt.

Deutlich zeigt uns der Paragraphendschungel der SChKG, welche Widersprüche der Gesetzgeber in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen hat. Besonders das Beratungssystem ist eine „Farce“ des Abtreibungs-Paragraphen. Man gewinnt den Eindruck, der Staat wollte es allen Seiten gleichzeitig recht machen, den Lebensrechtlern ebenso wie den Abtreibungsbefürwortern; jedem ist etwas zuteil geworden  –  was aber auf Kosten der Klarheit geht.

Michael Kiworr erwähnt die Zahlen und Fristen, der eine Frau im Konfliktfall ausgesetzt ist. Er schreibt deutlich, wie wichtig eine angemessene Beratung ist. Zudem will er Mut machen zur Adoption bei schweren Konfliktsituationen. Sein Motto: Bei der Adoption darf das Kind leben!

Er geht auch auf das körperliche und emotionale Leid der ungeborenen Kinder im Tötungsfall ein. Eine Abtreibung geschieht ohne Schmerzlinderung für das betroffene Baby.

Die folgenden Lebenswochen des ungeborenen Kindes schildert Dr. Kiworr als besonders schön für Mutter und Kind. Wunderbare Bilder aus dem Mutterleib unterstreichen diese Zeit. Ich finde, auf diesen Seiten sind besonders faszinierende Fotos zu sehen.

Der Embryo wächst schnell und der Autor beschreibt detailgenau, wie sich alles weiterentwickelt. Das Kind hört bereits und schlägt gleichsam Purzelbäume im Zustand einer Art von Schwerelosigkeit.

Auf den Seiten 121 werden die Gefahren der Pränataldiagnostik erörtert. Michael Kiworr schildert einfühlsam die Sorgen und Nöte der Eltern, wenn diese ein krankes oder behindertes Kind erwarten. So manche Eltern sagen: „Hätte ich es doch vorher nicht gewusst.“

Somit gibt es  – und Dr. Kiworr bestätigt es  –  ein Recht auf Nichtwissen. Eine 100% Sicherheit besteht auch bei der Diagnostik nicht. Zudem kann nicht alles therapiert werden.

Er beschreibt genau die verschiedenen Untersuchungsmethoden der Pränataldiagnostik und gibt in seinem Buch Entscheidungshilfen, sich für das Lebensrecht zu entscheiden, indem er das behinderte Kind als eine Art Lebensbereicherung darstellt.

Dr. Kiworr setzt immer wieder auf ein gutes Beratungsteam; einige Pro-Life-Beratungsstellen werden im Anhang des Buches mit Internet-Adressen angegeben; zudem bietet das Buch eine gute Literaturauswahl.

Auf den letzten Seiten schildert der Autor den Endspurt bis zur Geburt: Über-lebensfähig!  – Es ist bewegend zu erfahren, wie sich nun alles beim Kind für ein Leben außerhalb des Mutterleibes vorbereitet. Mit erstaunlichen Zahlen wird der Leser mitgenommen in das schnelle Wachstum. Durch die Senkwehen bekommt das Kind sozusagen den kleinen Stresstest im Mutterleib, um ein paar Wochen später das Licht der Welt zu erblicken.

Leider kann es noch zu Spätabtreibungen kommen, wenn die sogenannte „medizinische Indikation“ vorliegt (gesundheitliche bzw. seelische Schäden für Mutter und/oder Kind.) Einerseits besteht das Risiko einer Frühgeburt, andererseits die Gefahr einer furchterregenden Spätabtreibung.

Fazit: Es ist ein erfreulich informatives Buch, das die Leser auf den neusten Stand der Untersuchungsmethoden bringt; zudem zeigt es sehr eindrucksvolle Bilder und bietet lebensbejahende Aussagen von Dr. Kiworr.

Eine kleine Kritik sei angemerkt: Obwohl der Autor anfangs deutlich über seine Wortwahl zugunsten des Lebens schreibt, musste ich feststellen, dass sich dies nicht immer konsequent im Buch fortsetzt; so heißt es z. B. auf Seite 126: „Oder aber die Eltern entscheiden sich gegen das Kind mit dieser Erkrankung, gegen die Fortführung der Schwangerschaft und brechen diese ab.“

Meiner Meinung nach sollte der Ausdruck „Abbruch“ einer Schwangerschaft grundsätzlich vermieden werden, denn dieser Begriff suggeriert dem Leser, man könne die Schwangerschaft später wieder aufnehmen; sie wird aber nicht nur „abgebrochen“, sondern endgültig beendet und das Kind getötet.

Ich wünsche dem Autor eine weite Verbreitung dieses fundierten Buches. Wir werden es gern an unseren Lebensrechts-Infoständen in Rheine bereitlegen.

Erstveröffentlichung dieser Besprechung in der Zeitschrift „Theologisches“ (Dez. 2017)


Hirtenwort von Bischof Gregor M. Hanke (Eichstätt) zum Advent 2014 im Wortlaut

Liebe Schwestern und Brüder!bildma1

Vorfreude auf die Geburt
Ein Ehepaar, das ein Kind erwartet, bereitet sich auf das Ereignis vor. Die schwangere Frau nimmt auf ärztliche Empfehlungen so mancherlei Verzicht auf sich. Die Kliniktasche steht lange vor dem Entbindungstermin griffbereit gepackt. Es ist die Freude, die alles leitet. Auch Verwandte und Freunde sind voller Erwartung.

Mit dem ersten Advent am nächsten Sonntag beginnt auch für uns die Zeit dieser freudigen Erwartung. Dann bereiten wir uns auf das Fest der Geburt des Herrn vor. Gott wird Mensch in Jesus Christus!

Menschwerdung Gottes ist bleibende Einladung
Die Menschwerdung Gottes ist nicht einfach Vergangenheit, sondern bleibende Einladung Gottes an uns hier und heute, seinen Weg der Menschwerdung einzuschlagen. Das Zweite Vatikanische Konzil erklärt in der Konstitution über die Kirche in der Welt die Bedeutung der Menschwerdung des Gottessohnes für unser Menschsein:  011_7A

Denn er, der Sohn Gottes, hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt. (…) Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf.(1)

Menschsein als Personsein in der Krise
Der Blick auf den Mensch gewordenen Gottessohn und seinen Weg als Mensch tut not für den Weg meiner Menschwerdung. Es scheint, als sei sich der Mensch von heute selbst zur Frage geworden, als sei die Anerkennung des Menschen als Person mit Würde in die Krise geraten.

Weltweite Krise der Menschseins
Trotz Fortschritt, Wissensmehrung und eines global gewachsenen Bewusstseins der Zusammengehörigkeit der Menschheit wird die Menschenwürde in vielen Bereichen der Welt mit Füßen getreten. Ökonomische und machtpolitische Interessen oder auch eine fanatisierte Religion werden sich zum Selbstzweck. Der Mensch in seiner Würde bleibt auf der Strecke. baby_hand_abtreibg_cdl11_a4357ad790

Wir erleben dies gegenwärtig dramatisch an den Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen. Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, Minderheiten sind bedroht. Denken wir vor allem an Syrien und den Irak, wo gerade unsere christlichen Schwestern und Brüder Bedrängnisse bis hin zur Verfolgung erleiden.

Doch auch in unserer Umgebung zeigt sich die Krise des Menschseins:

Krise der Menschenwürde: Debatte um den assistierten Suizid
Wir stehen mitten in der Debatte um den assistierten Suizid. Hier wird mit den Ängsten vor unerträglichen Schmerzen, der finanziellen Belastung der Angehörigen und der Einsamkeit argumentiert, um letztlich die Beihilfe zum Selbstmord zu legalisieren.

Auch wer „religiös unmusikalisch“ ist und daher die in der Gottebenbildlichkeit wurzelnde Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens nicht mehr nachzuvollziehen vermag, kann die darin liegende Gefahr erkennen. Die gesetzliche Erlaubnis einer Tötung auf Verlangen könnte dazu führen, dass kranke Menschen subtil oder offen dazu gedrängt werden, endlich sterben zu wollen.

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: E. Gründler

Diese Tendenz ist bereits jetzt deutlich erkennbar, wenn immer unverblümter darauf hingewiesen wird, wie hoch die Kosten für die Pflege Sterbender sind. In Wirklichkeit ist die Palliativmedizin mittlerweile schon so weit fortgeschritten, dass sie auf die vorhandenen Ängste reagieren kann, ohne Beihilfe zum Suizid zu leisten: Auch in schweren Fällen können die Ärzte ein Sterben ohne Schmerzen gewährleisten.(2)

Identitätskrise des Menschen: Theorie des Genderismus
Auch auf einem zweiten Feld zeigt sich die Krise des Menschseins. Die Ideen des Genderismus stellen sich gegen unser biblisch-christliches Menschenbild. Dieses Theoriegebäude postuliert, Mann und Frau seien in allen Lebensbereichen auswechselbar. Es seien primär Erziehung und kulturelle Bedingungen, welche die Geschlechterrollen von Mann und Frau prägen. Diese gelte es als kulturelle Klischees zu überwinden.

Unter dem sanft klingenden Begriff Geschlechtervielfalt verbreiten manche, es gebe überhaupt kein objektives Geschlecht als Mann und Frau. Stattdessen propagieren sie eine Geschlechtervielfalt mit weiteren geschlechtlichen Identitäten. Der Einzelne könne sich sein Geschlecht selbst auswählen.BILD0222

Diese Sicht auf den Menschen verwundert in einer Zeit, in der sich viele für die Bewahrung der Schöpfung engagieren. Sie übernehmen die Anwaltschaft für den Erhalt des ökologischen Gleichgewichtes, was nur zu begrüßen ist. Denn sie sind überzeugt, dass die in der Schöpfung vorgegebene Ordnungsstruktur dem Wohle dient.

Hingegen herrscht bei vielen in der Gesellschaft Desorientierung und Verwirrung, wenn es um die Natur des Menschen und die Bedeutung der menschlichen Person geht.

Gott schuf den Menschen als Mann und Frau
Am Beginn der Heiligen Schrift lesen wir: Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. (…) Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte. Es war sehr gut. (Gen 1, 27.31)

Lassen wir uns als Getaufte in unserem Zeugnis für das Menschsein nicht entmutigen. Machen wir uns Gottes Wort und die Wegbegleitung der Kirche zu eigen. Der heilige Papst Johannes Paul II. hat uns als kostbares Vermächtnis die Botschaft von der Schönheit des Menschseins hinterlassen, das der Schöpfer als Mannsein und Frausein gewollt hat.DSC05485

In seinen als „Theologie des Leibes“ bekanntgewordenen Katechesen deutet er die Schöpfungsordnung als Ausdruck der Liebe des Schöpfers, denn der Mensch ist um seiner selbst willen von Gott gewollt und geliebt.

Die leibliche Unterschiedlichkeit offenbart bereits, dass Mann und Frau aufeinander verwiesen sind. Diese gegenseitige Verwiesenheit wiederum lässt erkennen, dass wir zum Menschsein in Fülle die Gemeinschaft mit einem personalen Gegenüber benötigen. Die höchste Form dieser personalen Gemeinschaft ist die gegenseitige Hingabe, das wechselseitige Sich-Verschenken von Mann und Frau im Liebesbund der Ehe.(3)

Die gegenseitige Hingabe ist gleichzeitig natürlich auch ein wechselseitiges Empfangen und Annehmen des anderen. Wenn der jeweilige Partner dabei um seiner selbst willen angenommen wird, dann findet er sich selbst durch seine Hingabe. Aus dieser Selbstfindung heraus ist er wiederum in der Lage, sich selbst erneut und tiefer zu verschenken: Die Selbsthingabe wird zur neuen Quelle des Gebens.(4)

Von der Krippe strahlt das Licht des wahren Menschseins
Liebe Schwestern und Brüder, Weihnachten rührt auch heute viele Menschen an. Der tiefste Grund liegt doch darin, weil Gott in der Menschwerdung des Sohnes diese Ordnung der Liebe bestätigt und erneuert hat. Von der Krippe und aus dem Leben Jesu strahlt das Licht des wahren Menschseins. Offensichtlich spüren das selbst noch viele, die nicht mehr tief in der religiösen Praxis verwurzelt sind.DSC_0062

Lassen wir uns von Christus einladen auf seinen Weg der Menschwerdung, um selbst Mensch zu werden. Wir Getaufte können so dafür Zeugnis geben, wie erfüllend der Weg der Menschwerdung nach Gottes Schöpfungsordnung und im Geiste Jesu ist.

Begegnung als Schlüssel zu Menschwerdung
Der Schlüssel zu unserer eigenen Menschwerdung liegt in der Begegnung. Erst im Du des Gegenübers erkenne ich mich selbst und kann zu dem Menschen werden, der Gottes Plan von mir entspricht. In der Reaktion des anderen spiegelt sich sozusagen mein Ich, das ich sonst nicht zu sehen vermag. Deswegen kommt es wesentlich auf die Begegnung an.

Drei Ausformungen der menschlichen Begegnung können auf unserem Weg zur Menschwerdung eine besondere Rolle spielen. In gewisser Weise können sie auch als Antwort auf die oben skizzierten drei Symptome der Krise des Personseins verstanden werden.

Menschwerdung in der Gastfreundschaft
Schon das Gespräch mit Familienmitgliedern und Freunden, für das ich mir Zeit nehme, ist eine solche Begegnung, die zur Formung meines Ichs, zu meiner eigenen Menschwerdung beitragen kann. header_buch

Aufgrund der Wechselseitigkeit der Begegnung gilt dasselbe natürlich für den, der mir begegnet. Dort, wo wir Gastfreundschaft üben und den Fremden in christlicher Nächstenliebe aufnehmen, kommt ein zusätzlicher Aspekt hinzu. In der Begegnung mit dem Fremden können mir Elemente offenbar werden, die im Austausch mit mir schon bekannten Menschen verborgen bleiben. Die Gastfreundschaft etwa gegenüber Flüchtlingen als Schritt der eigenen Menschwerdung kann so auch eine erste Antwort auf die Unmenschlichkeit in der Welt sein, die sich in Verfolgung und Unterdrückung äußert.

Menschwerdung in der Freundschaft
Eine zweite Weise der personalen Begegnung ist die Freundschaft. Das wesentliche Merkmal der Freundschaft als menschlicher Begegnung ist die personale Bindung an ein Du.

Gerade die Freundschaft mit Christus gibt uns die Kraft für eine solche tiefe personale Verbundenheit. In der Freundschaft lernen wir, uns selbst zu überschreiten und über unser Drängen nach Selbstverwirklichung hinauszugehen. Die Annahme des Freundes um seiner selbst willen macht den Kern der Freundschaft aus. Echte und dauerhafte Freundschaften sind auch ein Heilmittel gegen den Wunsch nach legalem Suizid, der im Grunde ja nichts anderes als ein Ruf der Verzweiflung ist.

Menschwerdung in der Ehe
IMG_1468 - KopieDie gegenseitige Annahme des anderen um seiner selbst willen findet seine höchste Ausformung in der gelingenden Ehe.

Die personale Bindung der Freundschaft findet sich in der Ehe zwischen Mann und Frau noch einmal exklusiv auf einen einzigen Partner hin ausgerichtet. Durch ihre wechselseitige Hingabe und gleichzeitige Annahme des anderen um seiner selbst willen fördern sich die Partner in ihrer Selbstfindung und Menschwerdung.

Die Ehepartner, die in gegenseitiger Liebe und Hingabe leben, stärken sich nicht nur gegenseitig, sondern geben in der umsichgreifenden Identitätskrise des Menschen zugleich auch denen Orientierung, die noch auf der Suche sind nach dem Menschsein in Fülle.

Sie alle, die Sie als Weggemeinschaften zur Krippe hin unterwegs sind, als Familie, Freundeskreise, Gemeinschaften, Pfarreien und Verbände, segne der Dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Eichstätt, am Gedenktag der hl. Elisabeth von Thüringen, dem 19. November 2014

Ihr Gregor Maria Hanke OSB
Bischof von Eichstätt


(1) Gaudium et spes 22.
(2) Vgl. Gisela Klinkhammer, Mit großer Sorgfalt und klinischer Erfahrung, in: Deutsches Ärzteblatt 111 (38) , 19. September 2014, 1552f.
(3) Vgl. Theology of the Body (TOB) 14,4; zitiert nach: Johannes Paul II., Die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan. Eine Theologie des Leibes (herausgegeben v. Norbert und Renate Martin), 2. überarbeitete Auflage Kisslegg 2008, 161.
(4) Vgl. TOB 17,6.

Quelle: http://www.bistum-eichstaett.de/bischof/wortlaut/hirtenwort-adventsszeit-2014/


Korrektur an einem Sonder-Rosenkranz: Die Gottheit Christi wurde nicht geopfert

Von Felizitas Küble

Keine Frage: Der beste Rosenkranz ist nach wie vor der herkömmliche, klassische Rosenkranz, wie er dem katholischen Kirchenvolk seit Jahrhunderten bekannt und vertraut ist.   media-443490-2

Dieses Gebet vertieft uns durch Vater-Unser, Credo (Glaubensbekenntnis) und das betrachtende „Ave Maria“ mit dem Gruß des Engels vor allem in die Stationen des Lebens, Leidens und der Auferstehung Christi, wie sie in der Heiligen Schrift bezeugt werden.

Daher ist dieser klassische Rosenkranz eine kompakte „Kurzfassung des Glaubens“, weil er wesentliche Heilsgeheimnisse nahebringt und betend vertieft.

Freilich gibt es seit Jahrzehnten dutzende verschiedener „Extra-Rosenkränze“, die entweder auf Ideen frommer Seelen oder auf Visionen bzw. „übernatürliche Einsprechungen“ zurückgehen. Diese Sonder-Rosenkränze verdrängen leider in der Gebetspraxis vieler Katholiken immer stärker den überlieferten kirchlichen Rosenkranz.

Diese speziellen Rosenkränze sind oft kürzer als der herkömmliche (was durchaus auch ein Grund für ihre weite Verbreitung sein kann)  – und nicht selten enthalten diese Gebete theologisch mißverständliche bis irreführende Formulierungen.

Hierzu ein Beispiel, nämlich der sog. „Rosenkranz vom einladenden Herzen„. (Quelle siehe hier: http://www.herz-jesu-freitag.de/gebete/gebete-zum-heiligsten-herzen-jesu/rosenkranz-zum-goettlichen-herzen-jesu/rosenkranz-vom-einladenden-herzen-jesu.php) 

Die merkwürdige Anrufung „Komm Herr Jesus mit deinem Einladenden Herzen und nimm alle deine Gnadengeschenke in mir entgegen“ kann man noch „durchgehen“ lassen, obwohl sich der Sinn dieser Aussage wohl nicht ohne weiteres christuserschließt.

Bei den großen Perlen dieses Sonder-Rosenkranzes heißt es dann wörtlich:

„Ewiger Vater, ich opfere dir auf das einladende Herz deines geliebten Sohnes, seinen Leib, sein Blut, seine Seele und seine Gottheit für unsere Sünden und die Sünden der ganzen Welt.“

„Warnungs“-Botschaften mit ähnlichem „Gebet“

Ähnlich lesen wir in einer Anrufung aus der Serie der irrgeistigen Botschaften „Die Warnung“ einer anonym bleibenden, kirchlich abgelehnten irischen „Seherin“, die sich selber „Maria von der göttlichen Barmherzigkeit“ nennt:

Ich opfere dir auf den Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit deines innig geliebten Sohnes zur Sühne für die Sünden der Welt und für die Rettung all deiner Kinder.“  (Quelle: http://www.dasbuchderwahrheit.de/download/siegel_8x.pdf)

Diese Formeln orientieren sich weitgehend an der entsprechenden Anrufung des Barmherzigkeits-Rosenkranzes der polnischen Sr. Faustyna Kowalska.

Zunächst vorweg: Christus ist selbstverständlich in seiner gesamten Person unser Opferlamm, unser Erlöser  – und zwar als Gottmensch („ganzer Christus“). Auch seinem göttlichen Wesen nach hat ER diesem Opfer zugestimmt und eben wegen seines Gottseins enthält dieses Heilsopfer einen unendlichen Wert.

Allerdings hat Jesus dieses Opfer durch seine leidensfähige menschliche Natur vollzogen bzw. dargebracht: Christus wurde in seinem Menschsein gekreuzigt. DSC06228

Christi Gottsein an sich kann nicht „geopfert“ werden. Wie sollte man Gott die Gottheit opfern? Welchen logischen und theo-logischen Sinn ergäbe dies?

Die Gottheit Jesu kann gar nicht Gegenstand des Opfers sein, denn opfern heißt, so schreibt der bewährte „Grüne Katechismus“, Gott eine „sichtbare Gabe darbringen“, um ihn als den höchsten HERRN zu ehren (S. 58).

Darum ist der ewige Sohn Gottes Mensch geworden, damit ER sich dem himmlischen Vater zum Opfer darbringen konnte für die Erlösung der Welt  –  und sein Leib ist die Opfergabe.

Daher spricht unser HERR in Joh 6,51: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch  –  ich gebe es hin für das Leben der Welt.“

Daß Christi Heilstat im Opfer seines Leibes bestand, bestätigt der hl. Petrus, denn in 1 Pt 3,18 heißt es: „…dem Fleisch nach wurde ER getötet, dem Geist nach lebendig gemacht.“  –  Ähnlich schreibt der Apostel in 1 Pt 4,1: „Da nun Christus für uns im Fleisch gelitten hat…“

In Kol 1,22 schreibt Paulus, Christus hat euch durch den Tod seines sterblichen Leibes versöhnt, um euch heilig, untadelig und schuldlos vor sich treten zu lassen.“ 

Im Brief an die Hebräer heißt es, daß wir „durch die Opfergabe des Leibes Christi ein für allemal geheiligt“ sind (Hebr 10,10).

Zudem schreibt der Verfasser: Wir haben also die Zuversicht, Brüder, durch das Blut Jesu in das Heiligtum einzutreten. ER hat uns den neuen und lebendigen Weg erschlossen durch den Vorhang hindurch, das heißt durch sein Fleisch. (Hebr. 10,20)

Was natürlich nichts daran ändert, daß Jesu Heilstat gleichwohl in Wert und Bedeutung insofern ein „göttliches“ Opfer darstellt , insofern Christus eben GOTT(-Mensch) ist und der „Träger“ der Person Christi seine Gottheit ist (welche schon vor seiner Menschwerdung ewig existiert). Unser Heiland ist auch in seiner himmlischen Herrlichkeit Gott und Mensch zugleich (mit seinem verklärten Auferstehungsleib).

Christus in seiner PERSON ist unteilbar („ungetrennt“), wie die Kirche lehrt. Zugleich verkündet sie aber: Die beiden NATUREN unseres Erlösers (die menschliche und die göttliche) sind zugleich „unvermischt“. Wenngleich sie in seiner PERSON untrennbar verbunden sind, so sind die NATUREN als solche „unvermischt“, also voneinander zu unterscheiden.

Aber konkret „geopfert“ hat ER nicht seine Gottheit bzw. göttliche Natur, zumal sie nicht leidensfähig ist und ihrem Wesen nach nicht sterben kann. Der Sohn Gottes ist vielmehr Mensch geworden vor allem deshalb, um auf diese Weise sein Opfer vollziehen zu können.

„ER aber meinte den Tempel seines Leibes“

Erinnern wir uns an die in Joh 2,13 ff berichtete Tempelreinigung und dem dann folgenden Streitgespräch, bei dem Christus sagte: „Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.“  – Als Widerspruch erfolgte, heißt es im NT: „Er aber meinte den Tempel seines Leibes.“ polskaweb

Für die Apostel war diese Aussage sehr einprägsam und wichtig, denn Johannes berichtet weiter: „Als ER von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.“

Eindeutig sind auch Jesu Worte bei Abendmahl: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“   – „Das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird.“  – Unser HERR hat aber nicht gesagt: „Dies ist meine Gottheit, die für euch geopfert wird.“

Der Grundgedanke eines religiösen Opfers ist der kultische Verzicht auf eine Gabe zugunsten des Ewigen, der Ritus der Darbringung, gleichsam die „Vernichtung“ (wie Christus sagte: Die „Zerstörung“ seines Leibes, des wahren Tempels)  – doch Jesu Gottheit konnte und kann nicht zerstört werden; allein sein menschlicher Leib war also „opferfähig“.

Der Leib des HERRN konnte leiden und sterben

Im „Compendium der christlichen Lehre“, einem Katechismus des hl. Papst Pius X., heißt es in der deutschen Ausgabe auf S. 22 unter Punkt 47 auf die Frage „Ist Jesus Christus als Gott oder als Mensch gestorben?“:

„Jesus Christus ist als Mensch gestorben, denn als Gott konnte er weder leiden noch sterben.“chrkn

Im bewährten „Grundriß der Dogmatik“ von Ludwig Ott heißt es auf S. 273: „Christus war nach seiner menschlichen Natur zugleich Opferpriester und Opfergabe.“ 

Auf S. 257 wird im „Ott“ auf das Laterankonzil und das Konzil von Florenz hingewiesen, die jeweils die Leidensfähigkeit der menschlichen Natur Christi betonten  –  und dies auch gegen den Doketismus klarstellten, welcher irrlehrte, Jesus habe lediglich einen Scheinleib gehabt.

Im Catechismus romanus bzw. „Römischen Katechismus“ (jahrhundertelang  d e r  Leitkatechismus für die Weltkirche) heißt es im 1. Teil, 5. Hauptstück (4. Artikel) unter dem Titel „Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben“ im 2. Absatz wörtlich:

„Denn wenn auch die menschliche Natur mit der göttlichen Person vereinigt war, so fühlte sie [die menschliche Natur] trotz dieser Vereinigung um nichts weniger die Bitterkeit des Leidens, als wenn jene Vereinigung nicht bestanden hätte, da in der einen Person Jesu Christi die Eigentümlichkeiten jeder Natur, der göttlichen und der menschlichen, gewahrt bleiben und daher, was leidensfähig und sterblich war, leidensfähig und sterblich verblieb; wohingegen das, was leidensunfähig und unsterblich war, was wir als die Eigenschaften der göttlichen Natur erkennen, seine Eigentümlichkeiten beibehielt.“

Im 13. Abschnitt stellt der  –  auf dem Konzil von Trient initiierte   –  Römische Katechismus klar: „Denn Christus ließ die menschliche Natur, welche er angenommen hatte, alle Peinen empfinden, gerade so, als ob er Mensch, nicht auch zugleich Gott gewesen wäre.“

Im „Lehrbuch der Dogmatik“ wird auf  S. 228 f. erläutert, daß der ganze Gott-Mensch Christus zwar unser Erlöser und Heiland ist, unser „Opferlamm“, aber leiden und sterben konnte ER allein in seinem Menschsein (Quelle siehe HIER).

„Christus hatte einen leidensfähigen Körper“

In der bewährten, 1936 erschienenen Laiendogmatik „Die Lehre der Kirche“ von Prof. Dr. Johannes P. Junglas lesen wir auf S. 127: 

„Christus hatte einen leidensfähigen Körper, sonst hätte er uns nicht durch Leiden und Sterben erlösen können… Es ist ohne weiteres klar, daß Christus die menschliche Natur angenommen hat, um uns zu erlösen.“ 0018

Zudem heißt es in der messianischen Prophetie des AT vom „leidenden Gottesknecht“ (Jesaja 53,4): „ER hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich genommen.“

Leidensfähig war freilich allein die menschliche Natur des HERRN; sie war sozusagen „Werkzeug“ der Erlösung. Deshalb sprechen Bibel und Liturgie davon, daß Christus „seinen Leib und sein Blut“ als Opfer darbrachte bzw. zur Sühne dahinhingab. Die Opfergabe war sein menschliches Leben, das er dahingab.

In diesem Sinne heißt es in einer Stellungnahme von Papst Leo I. hinsichtlich der göttlichen und menschlichen Natur Christi:

„Um die Schuld (…) zu tilgen, einte sich die unverletzliche Natur mit der leidensfähigen Natur, damit (…) ein und derselbe „Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus “ (1 Tim 2,5) aufgrund des einen sterben und des anderen nicht sterben könne….Der leidensunfähige Gott war sich nicht zu schade, leidensfähiger Mensch zu sein…“ (zitiert aus der Dogmensammlung „Denzinger“, S. 136 f.)

„ER hat sein eigenes Menschsein geopfert“

Der Hl. Hippolyt von Rom (3. Jahrh.), Priester und Märtyrer, schrieb in „Die Widerlegung aller Häresien, 10,33-34“ Folgendes über die menschliche Natur Christi:

„Um es recht verständlich zu machen, dass er sich nicht von uns unterscheidet, wollte er Müdigkeit ertragen und Hunger erfahren (Joh 4,6); er sperrte sich nicht dagegen, Durst zu leiden, suchte im Schlaf Erholung, verweigerte sich dem Leiden nicht, unterwarf sich dem Tod und sprach in aller Deutlichkeit von seiner Auferstehung. In alledem hat er sein eigenes Menschsein als Erstlingsgabe geopfert“.abtei-ettal-startseite_01

Nicht die Gottheit Christi, sondern der menschliche Leib des HERRN wurde auf Golgotha geopfert; daran erinnern auch die Priesterworte nach der Konsekration bzw. hl. Wandlung im 4. Hochgebet: „So bringen wir dir Seinen Leib und Sein Blut dar, das Opfer, das dir wohlgefällt und der ganzen Welt Heil bringt.“

Das Konzil von Trient erklärte außerdem in bezug auf das heilige Abendmahl unseres HERRN, daß Christus dort vorweg „seinen Leib und sein Blut“ dargebracht hat (von einer Opferung seiner „Gottheit“ ist auch hier nicht die Rede):

„So sagte Christus von sich, dass ER in Ewigkeit zum Priester bestellt sei nach der Ordnung des Melchisedech; ER brachte Gott dem Vater seinen Leib und sein Blut dar unter den Gestalten von Brot und Wein, reichte ihn den Aposteln, die er damals zu Priestern des Neuen Bundes bestellte…“ (DS 1740).

Der große Heilige und Kirchenlehrer Thomas von Aquin hat sich ausführlich mit dem Menschsein Christi als dem „Heilsorgan der Gottheit“ befaßt: Christi menschlicher Leib ist Werkzeug bzw. Instrument des Erlösungshandeln Gottes.

Die beiden Naturen in der Person Christi (die göttliche und die menschliche) sind weder getrent noch vermischt. Die Kirche betonte das „ungetrennt“ gegenüber den Nestorianern, welche die beiden Naturen Christi gleichsam „auseinanderdividieren“ wollten – und gegen die Irrlehren der Monophysiten verkündete das Lehramt,  daß beide Naturen in Christus unvermischt sind, also sehr wohl in ihrer jeweiligen Eigentümlichkeit zu beachten. (Vgl. hierzu die kirchliche Kritik an Sergius und Honorius).

Christus war unverletztlich in seiner Gottheit, aber sterblich in seiner Menschheit, seinem Menschsein (so erklärte es die 6. Kirchensynode von Toledo).

Die 11. Synode von Toledo (675 n. Chr.) verkündete in ihrem ausführlichen Glaubensbekenntnis: „Trotzdem hat Christus, ohne daß seine Gottheit versehrt worden wäre, für unsere Vergehen das Leiden ausgehalten…und übernahm den wahren Tod des Fleisches.“

Auch im Credo der Lateransynode (649 n. Chr.) heißt es über unseren Erlöser, er sei „leidensfähig im Fleisch und leidensunfähig in der Gottheit„.

Und Papst Pelagius I. erklärte in seinem Brief „Humani generis“ an König Childebert I. vom 3.2.557: „ER hat, so bekennen wir, unter Pontius Pilatus aus freiem Willen für unser Heil gelitten im Fleisch, wurde gekreuzigt im Fleisch, ist gestorben im Fleisch…“

Professor Georg May über das Heilsopfer

Lassen wir hierzu außerdem den Apostolischen Protonotar Prof. Dr. Georg May zu Wort kommen. Der bekannte Kirchenrechtler erklärt in einer Predigt (siehe HIER):

„Im religiösen Sinne ist Opfer die innere Hin­gabe und die äußere Weggabe von etwas, um Gott zu ehren.(…) 027_24

Im Römer­brief heißt es: „Diesen Chris­tus hat Gott hingestellt als Sühnemittel durch den Glauben in seinem Blute.“   –  Hier ist alles zusammengefaßt an Opfertheologie. (…)

Christus selbst sprach von seinem Opfer, indem er von „Hingabe des Lebens“ und „Blutvergießen“ gesprochen hat. An einer dich­ten Stelle im Markusevangelium heißt es: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele.“

Er war der Opferpriester nach seiner menschlichen Natur. Er war auch die Opfergabe. Seinen wunderbaren Leib hat er zum Opfer gegeben.

Soweit Professor May. Erinnert sei zudem an die Worte unseres HERRN bei seinem letzten Abendmahl: „Das ist mein Leib, der hingegeben wird für euch. Das ist das Blut meines Bundes, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden für die vielen.“  

Wir vereinigen uns mit Christi Opfer

Was nun solche „Aufopferungsgebete“ wie das eingangs zitierte betrifft, so sind sie ohnehin mißverständlich („Ich opfere dir auf…“), zumal in den Formulierungen nicht auf die hl. Messe Bezug genommen wird, in welcher das Kreuzesopfer unseres HERRN auf sakramentale Weise zur Gegenwart wird.

Für das Kirchenvolk bzw. den einzelnen Gläubigen sollte zumindest dieser theologische Zusammenhang (hl. Messe und Priestertum) geklärt sein, wobei der Priester die Eucharistie stellvertretend bzw. „in persona Christi“ (an Christi Statt) zelebriert. Der eigentliche Opferpriester ist aber Christus selbst, der Priester ist gleichsam sein Werkzeug, er ist amtlicher Diener des Sakramentes. Der einzelne Katholik kann aber nicht „in persona Christi“ handeln.

Zudem stellt sich die Frage: Können wir als Glieder des Kirchenvolkes Christus dem ewigen Vater „opfern“, zumal Christus nicht unser „Eigentum“ ist, über das wir verfügen könnten? Wir können uns aber selber dem Höchsten gleichsam als Opfer darbringen, als geistiges Opfer (nicht als sakramentales), zB. durch die Nachfolge Christi, Einhaltung der göttlichen Gebote, Fasten usw.

Wir sollten uns also geistlich mit dem Opfer Christi vereinigen. Dies geschieht vor allem durch die rechte Mitfeier der hl. Messe, in welcher das Kreuzesopfer des HERRN auf sakramentale Weise zur Gegenwart wird und uns seine geistlichen Früchte zuteil werden.

ERGÄNZENDER Beitrag der „Ankerperlenfrau“: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/falsche-anleitung-zum-rosenkranzbeten/