Die sudanesische Christin ist frei – aber die islamische Scharia bleibt

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) begrüßt den Freispruch der wegen angeblichem Abfall vom Islam zum Tode verurteilten Sudanesin Meriam Yahia Ibrahim Ishag durch ein sudanesisches Berufungsgericht. IGFM_SchariaDies sei ein „Erfolg der Öffentlichkeit über ein totgeschwiegenes Unrecht“.

Gleichzeitig kritisiert die IGFM, dass Todesurteile wegen „Abfall vom Islam“ oder „Beleidigung des Islam“ jederzeit im Sudan und in Partnerländern des Westens wie z.B. Saudi-Arabien oder Pakistan weiter möglich sind.

Ein Menschenleben sei nun gerettet, das Grundproblem werde aber von Europa und den USA bewußt verdrängt, so die IGFM.

„Todesurteil entspricht dem islamischen Strafrecht“

Das Todesurteil gegen die 27-jährige Sudanesin ist nicht das Produkt einer extremistischen Taliban-Ideologie. Nach Angaben der IGFM entsprach es vielmehr exakt den Regelungen des klassischen islamischen Strafrechts.

Zahlreiche Regierungen würden mit Verweis auf religiöse Rechtsnormen tagtäglich auf völkerrechtlich bindende Menschenrechtsverträge verstoßen.

„Solange Europa schweigend hinnimmt, dass Frauen und Minderheiten elementare Rechte verweigert werden, weil die Scharia ihren Rechten und ihrem Leben übergeordnet wird, solange  bleibt der Freispruch von Meriam Ibrahim die glückliche Wendung eines einzelnen Schicksals in einem Meer von Unrecht“, erklärte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

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Nord-Sudan: IGFM setzt sich für die Rettung einer christlichen Familienmutter ein

Meriam Yahia Ibrahim Ishag (geboren am 3. November 1987) stammt aus einem kleinen Ort im Westen des Sudan. Sie ist die Tochter einer äthiopisch-orthodoxen Mutter und eines sudanesischen Muslim.

Ihr Vater verließ die Familie, als sie sechs Jahre alt war. Ihre Mutter erzog sie christlich und zog später in die sudanesische Hauptstadt Khartoum, wo sie 2011 verstarb. 

Meriam (Maria) Ibrahim ist seit 2012 mit Daniel Wani verheiratet (siehe Foto).

Er stammt aus dem Südsudan, ist Christ und sudanesischer und US-Staatsbürger. Das Ehepaar hat einen Sohn (Martin Wani), der bei der Verurteilung der Mutter 20 Monate alt war. Mariam war zu diesem Zeitpunkt im achten Monat schwanger.

Urteil: 100 Peitschenhiebe und Hinrichtung

Nach der im Sudan geltenden Scharia  –  dem islamischen Rechtssystem  –  wird jede Person als Muslim betrachtet, sobald ein Elternteil muslimisch ist. Die eigene Überzeugung gilt dabei als irrelevant. Muslimischen Frauen ist es außerdem verboten, ihren Ehepartner frei zu wählen: Ihr Mann muss Muslim sein.

Meriam Ibrahim wurde am 17. Februar 2014 verhaftet, nachdem ein angeblicher Verwandter ihre Ehe mit einem Christen anzeigte. Die Ehe wird von den Behörden als nichtig betrachtet.

Meriam wurde umgehend wegen “außerehelichem Verkehr” nach Art. 146 und “Apostasie” (Abfall vom Islam) nach Art. 126 des sudanesischen Strafgesetzbuchs angeklagt. Die Behörden zogen den Pass ihres Mannes ein und verweigern ihm, seine Frau zu sehen.

Abbas al Khalifa, Richter am Gericht von El Haj Yousif, Khartoum, gab ihr am 12. Mai 2014 eine dreitägige Frist zur “Reue”, um sich dem Islam zuzuwenden. Mehrere islamische Religionsvertreter drängten sie zu diesem Schritt. RTEmagicC_logo_Homepage_quad_gif

Am 15. Mai erklärte Meriam Ibrahim im Gericht: “Ich bin eine Christin und habe niemals Apostasie begangen”.

Das Gericht verurteilte sie daraufhin zum Tod durch den Strang. Die Vollstreckung ist aufgeschoben, bis zwei Jahre nach der Geburt ihres zweiten Kindes (dem Ende der Stillzeit). Sie ist außerdem wegen “außerehelichem Verkehr” zu 100 Peitschenhieben verurteilt worden.

Meriam Ibrahim wird mit ihrem kleinen Sohn im Frauengefängnis von Omdurman (im Großraum Khartoum) gefangen gehalten. Ihr Ehemann darf sich nicht um das Kind kümmern, da er Christ ist und die Behörden die Kinder als Muslime betrachten.

Meriam Ibrahim ist während der Haft körperlich und psychisch misshandlet worden. Medizinische Versorgung und Vorsorgeuntersuchungen für ihre bevorstehende Niederkunft werden ihr verweigert.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) setzt sich für die Rettung der von Peitschenhieben und Hinrichtung bedrohten Christin ein – Aktionstips siehe hier:

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