Warum die kath. Kirche an den Grundfesten ihrer Sexualethik weiter festhalten sollte

Persönlicher Bekehrungsbericht von Dr. Markus Büning

Anlass dieses Zeugnisses ist die nun immer stärker auftretende Perfidie, die Sexualmoral der Kirche in ihren Grundfesten, insbesondere was die moraltheologische Einordnung homosexueller Akte als schwere Sünde anbelangt, zur Disposition stellen zu wollen.

So können wir im sogenannten 7-Punkte-Papier der erst jüngst zu Ende gegangenen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) folgendes lesen:

Bei der nun anstehenden Aufarbeitung des Missbrauchs dürfe es „keine Tabuthemen geben“, sagte Kardinal Reinhard Marx. Auch „Fragen nach der zölibatären Lebensform der Priester und nach verschiedenen Aspekten der katholischen Sexualmoral“ müssten transparent diskutiert werden.

Das Forschungskonsortium um den Mannheimer Professor Harald Dreßing hatte diese Punkte als wichtige Faktoren des sexuellen Missbrauchs im Bereich der Kirche benannt..[1]

Was mit „verschiedenen Aspekten“ – wieder so eine Nebelkerze im ach so typischen Pastoralsprech unserer verworrenen Zeit – gemeint sein könnte, ist klar: Es geht ganz offenkundig um die Liberalisierung der Homosexualität in der Moraltheologie und damit einhergehend in der kirchlichen Disziplin.

So heißt es in der Missbrauchsstudie der DBK zu dieser Thematik: 

„Homosexualität ist kein Risikofaktor für sexuellen Missbrauch. Die Studienergebnisse machen es aber notwendig, sich damit zu beschäftigen, welche Bedeutung den spezifischen Vorstellungen der katholischen Sexualmoral zu Homosexualität im Kontext des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zukommt. Die grundsätzlich ablehnende Haltung der katholischen Kirche zur Weihe homosexueller Männer ist dringend zu überdenken.

Von der Kirche in diesem Zusammenhang verwendete idiosynkratische Terminologien wie jene einer ‚tief verwurzelten homosexuellen Neigung‘ entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage. Anstelle solcher Haltungen ist eine offene und toleranzfördernde Atmosphäre zu schaffen. Erkenntnisse der modernen Sexualmedizin müssen dabei stärkere Berücksichtigung finden.“[2]

Im Gefolge dessen sprach Herr Odendahl dieses Unterfangen bereits ganz unverblümt unter Bezugnahme auf den Missbrauchsbericht der DBK auf dem Portal katholisch.de aus.[3]

Man glaube doch bitte nicht, dass diesem leicht durchschaubaren Unterwandern der kirchlichen Lehre bischöflicherseits ein Widerspruch erfolgte. Nein, Odendahl ist ganz offenkundig die Vorhut der Schlachtreihen, die nun den Katechismus der Katholischen Kirche, insbesondere die Nummern 2357-2359 (Keuschheit und Homosexualität), schleifen wollen. Eine mutige Laiin aus Münster war es, die dieses Schauspiel sofort durchschaute.[4]

Als ein Mensch, der selbst Opfer eines Missbrauches geworden ist, kann ich über diese schäbige Art der Instrumentalisierung des Themas mich nur wundern, ja mehr noch: Es verletzt mich wiederum aufs Neue!

Nun soll also die schwere Sünde hoffähig gemacht werden, um die Verbrechen des Missbrauches zu bekämpfen. Diese „Afterlogik“ erschließt sich mir nicht, ja ich finde das geradezu beschämend und als erneuten Akt, die betroffenen Menschen zu verletzen.

Ebenso alarmierend ist die gegenwärtige Debatte um den Theologieprofessor Wucherpfennig, der meint, im Gefolge der neuen Agenda von Papst Franziskus, die Homosexualität gänzlich anders bewerten zu müssen, wie Schrift und Tradition es bisher aus guten Gründen immer getan haben.

Viele Theologen, ja sogar Bischöfe erklären diesem Theologen gegenüber ihre uneingeschränkte Solidarität. Die Dreistigkeit ihrer Argumentation ist geradezu atemberaubend. So meint eine Theologin aus Kassel, dass die ganze Schrift keinerlei Zeugnis enthalte, die die Homosexualität verurteile.[5]

Geradezu abenteuerlich sind die Einlassungen des Mainzer Bischofs Kohlgraf zum Thema: „Eine exegetische Anfrage“ an Aussagen des biblischen Römerbriefs zur Legitimität von Homosexualität sei dem Neutestamentler Wucherpfennig „jetzt zum Problem geworden“, so Kohlgraf. Er selbst könne nicht sagen, ob die Deutung des Jesuiten richtig sei. Doch er setze sich für Möglichkeit zur Debatte ein, da sie bei der „Reifung der Erkenntnis in der Kirche helfen“ könne.

Denn wenn jede Bibelstelle „direkt wörtlich geoffenbarte unveränderliche Wahrheit wäre, müssten wir aktuell Ehebrecher, Gotteslästerer, Wahrsager, ungehorsame Söhne und Töchter und Menschen, die am Sabbat ihr Auto waschen, steinigen“. Religiöse Bildung und theologische Forschung seien notwendig, „um das Verständnis der Heiligen Schrift zu retten und sie gegebenenfalls nicht der Lächerlichkeit preiszugeben“, so Kohlgraf, der vor seiner Wahl zum Mainzer Bischof im Jahr 2017 selbst Theologieprofessor war.[6]

Diese Argumentation wird bereits dadurch Lügen gestraft, dass die Bibel das Autowaschen gar nicht im Blick hatte, weil es ja bekanntlich zu biblischen Zeiten gar keine Autos gab. All dies ist nur noch als erbärmlich zu bezeichnen. Hier wird versucht, an Stellschrauben zu drehen, die der gesamten Tradition der katholischen Moraltheologie, ja dem Naturrecht und letztlich auch den Vernunftgründen zuwider laufen.

Ich selber sehe mich vor dem Hintergrund dieser neu aufkommenden Tendenz, die Sünde gut heißen zu wollen, gezwungen, von meiner Sündengeschichte zu erzählen. Nur so kann glaubwürdig deutlich werden, wie falsch diese sündenverharmlosende Tendenz ist. Hätte ich mich auf solche Stimmen als junger Mensch verlassen, wäre mein Leben völlig vom rechten Weg abgekommen. 

Hier spricht auch ein Mensch, der nicht nur Opfer, sondern auch Täter ist, ein großer Sünder, der der Barmherzigkeit Gottes besonders bedarf. Nein, keine Sorge: Ich habe keine Kinder oder Jugendlichen missbraucht. Nein, ich habe diesbezüglich auch keinerlei Empfindungen gehabt.

Aber ich bin in meinem Leben auf dem Gebiet der Sexualmoral sehr tief gefallen und habe mich vor Gott, der Kirche und den Menschen über einen langen Zeitraum schuldig gemacht. Während meiner Zeit im Theologenkonvikt, als ich mich auf den Weg machte, Priester zu werden, habe ich homosexuelle Erfahrungen mit einigen Studienkollegen, die ebenfalls Priesteramtskandidaten waren, gemacht.

Völlig verunsichert über meine sexuelle Identität bin ich in einen Strudel geraten, den ich zuvor nicht für möglich gehalten hatte. Als Schüler hatte ich Freundinnen. Ich träumte von schönen Frauen und hatte Sehnsucht nach ihnen. Aber, da war ein Problem: Ich hatte zugleich den inneren tiefen Drang, Priester werden zu wollen. Frauen musste ich mir fortan aus dem Kopf schlagen. Aber es blieb das Verlangen nach körperlicher Nähe und Zuwendung. Das konnte ich nicht verdrängen. Es war immer da.

Das Motivbündel zum Priesterwerden war breit gefächert. Es gab lautere, aber auch unlautere Motive. Nun bin ich dann diesen Weg ins Theologenkonvikt gegangen. Und dann überwältigte mich diese schlimme Sünde der ausgelebten Homosexualität.

Keine Angst, ich werde hier keinen „zwangsouten“. Das ist nicht mein Stil und entspricht auch nicht der Fairness. Ich werde auch keine Prozentzahlen mutmaßen. Soviel muss allerdings schon gesagt werden, es war kein singuläres Problem.

Ich hätte spätestens nach der ersten Erfahrung die Konsequenz ziehen und den Weg zum Priestertum abbrechen müssen. Doch meine Ratgeber, Priester, Freunde und auch Eltern, denen ich mich öffnete, rieten mir, durchzuhalten. Frei nach dem Motto: „Wird schon wieder! Du bist noch jung, das kann passieren. Wirst schon da raus kommen!“

Nein, auch das war im nachhinein ein großer Fehler. Denn in meiner Seele ist etwas passiert, was ich als schiere Deformierung meiner selbst empfand. Dann war ich ganz glücklich, als ich mich während des Studiums wieder in eine junge Frau verliebte und mit dieser dann  –  heimlich  –  eine Beziehung begann. Diese Heimlichtuerei war schrecklich.

Nun war ich innerlich wie erlöst, weil ich mich wieder einer Frau öffnen konnte. Und ich wollte nun wirklich meine Kandidatenlaufbahn abbrechen. Aber nein, auch nun riet man mir: „Halte durch! Mach mit der Frau Schluss und geh weiter Deinen Weg!“ – Darauf hätte ich nicht hören dürfen. Wieder ein großer Fehler von mir! 

In Münster konnte und wollte ich nicht mehr weitermachen. Nach der Admissio [7] und dem Diplom nahm ich zunächst eine Promotion in Theologie in Angriff, um Zeit zu gewinnen. Dann sah ich den einzigen Ausweg, weiter Priester werden zu können im Eintritt in einen Orden, einen strengen Orden, so dachte ich. Da wird es wohl besser sein und solche Dinge nicht mehr passieren…

Auch das war natürlich nicht richtig! Aber auch diesen Fehler habe ich gemacht und versuchte es dann noch einmal neu in einem Zisterzienserkloster, welches inzwischen aufgelöst ist. Vom Regen in die Traufe! Mehr sage ich dazu nicht. Was folgte: Der Ordensaustritt als Novize, noch rechtzeitig vor den zeitlichen Gelübden. Endlich ein konsequenter und richtiger Schritt!

Was blieb? Das totale Durcheinander meiner Gefühlswelt! Hin- und hergerissen in Sachen Sexualität! Ich wusste nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Und nun glaube man bitte nicht, dass ich kirchlicherseits Hilfe bekam. Ich nahm mein Jurastudium auf mich und befand mich in großer seelischer Not.

Meinen Eltern gegenüber konnte ich mich öffnen. Das war eine große Gnadenstunde. Ich werde ihnen nie vergessen, mit welch großer Liebe sie mir damals begegnet sind. Mein Vater war entsetzt und verärgert über meine Hilflosigkeit und die Art und Weise, wie die Kirche mich mit diesem Dilemma nun völlig allein ließ. War ja nur noch ein Abgesprungener!

Er wandte sich damals telefonisch an einen unserer Familie gut bekannten Bischof, der im Rufe der Heiligkeit inzwischen längst verstorben ist. Dieser Bischof rief mich daraufhin an und vermittelte mir einen älteren Priester als Beichtvater, dem ich mich mit dieser Problematik öffnen könne. Er sagte mir, dass er mir mit seiner reichen Erfahrung sicher helfen könnte.

Gesagt, getan und ich wandte mich an diesen Priester. Alles, wirklich alles habe ich ihm erzählt. Ich habe mich geöffnet, um einen Reinigungsprozess zu beginnen. Und was passierte dann? Man glaubt es kaum:

Dieser alte Priester erzählte mir von der Schönheit des männlichen Körpers. Ich müsse lernen, dieses Gefühl in mir zu akzeptieren. Und dann sein Angebot: Es wäre gut, wenn wir mal zusammen schwimmen gehen würden. So eine ganzheitliche Erfahrung könne für mich nur hilfreich sein.

Geht’s noch? Da war sie dann wieder. Eine neue Missbrauchserfahrung, die ich allerdings nicht beim zuständigen Ordinariat zur Anzeige gebracht habe, weil ich schon erwachsen war. Aber moralisch ist die Sache doch ein Hammer – oder nicht?  

Ich glaube allerdings, dass der empfehlende Bischof von diesen Lüsten des alten Priesters keine Ahnung hatte. Jedenfalls konnte ich darüber dann auch zunächst überhaupt nicht reden. Zuviel ist eben zuviel! So ein traumatisches Erlebnis verdrängt man über Jahrzehnte, weil man sonst damit gar nicht leben kann. Wieder ein weiterer Raum in der Seele, wo „Mist“ gebunkert werden muss.

Nun hatte ich auf gut Deutsch gesagt „die Schnauze voll“ von allem, was katholisch ist. Ich konnte es in dieser Kirche nicht mehr aushalten. Um meinem Glauben nicht ganz an den Nagel hängen zu müssen, wurde ich während meiner Referendarzeit dann auch evangelisch.

Es blieb aber meine innere Zerrissenheit und ich fasste in mir den Entschluss, dass ich aufgrund meiner homosexuellen Erlebnisse nicht mehr für eine Frau zumutbar bin. Ich wollte auf gar keinen Fall eine Frau „benutzen“, um mein Leben neu in den Griff zu bekommen. Das Thema Ehe und Familie war abgeschrieben. Das Thema Priestertum war abgeschrieben. Vieles in meinem Leben erschien mir sinnlos zu sein. Mein Ausweg: Ich stürzte mich in die Arbeit, die mir allerdings auch viel bedeutete.

Doch dann kam, ganz unerwartet die Wende. Ich stand schon im Beruf des Verwaltungsjuristen und machte als Protestant Tage der Einkehr im Kloster Helfta in Ostdeutschland. 

Und dort passierte dann das, was ich heute als Wunder von Helfta bezeichne. Ich lernte dort in der Gruppe sie kennen, meine Susanne, die seit zehn Jahren meine Ehefrau ist. Ich war recht schnell in sie verliebt. Wir gingen miteinander spazieren und unterhielten uns.

Das großartige Gefühl, wieder eine Frau wirklich lieben zu können, wurde in mir immer stärker. Und nun wandte ich mich an Maria, die Mutter Jesu. In der Klosterkirche ist ein kleines Marienfenster, vor dem man sich auf Augenhöhe hinsetzen kann. Vor jeder Vesper in diesen Tagen habe ich dann eine Stunde gesessen und Maria mein Anliegen vorgetragen: „Maria, ich bin zwar nicht mehr Mitglied der katholischen Kirche, aber ich bin doch immer noch dein Kind! Bitte hilf mir jetzt und zeige mir den Weg, wie ich dieser Frau meine Liebe eröffnen kann.“

Und dann ging alles wie von selbst. Im Mai des nächsten Jahres waren wir schon verheiratet. Vor der Eheschließung habe ich meiner Frau meine ganze Vorgeschichte offen gelegt. Das war eine schwere Stunde, aber sie war nötig. Ich hätte sonst das Jawort nicht geben können.

Nach der Eröffnung meiner Geschichte lächelte sie mich nur liebevoll an und sagte: „Na und? Glaubst Du etwa, dass ich Dich jetzt weniger liebe, nein ganz im Gegenteil!“ –  Und genau diese gegenseitige Offenheit und Ehrlichkeit ist es, welches als Fundament unsere Beziehung bis heute trägt.  

Und nun das Ende der Geschichte: Durch Susanne wurde ich endlich wieder Mensch, ein ganzer Mensch. Zum ersten Mal konnte und durfte ich die menschliche Sexualität als etwas wirklich Gutes erfahren. Warum? Weil sie in der Ehe zwischen Mann und Frau  –  und nur dort  – ganzheitlich und schöpfungsgemäß in Treue gelebt werden kann. Das ist nicht nur trockene Theologie, nein, das ist zutiefst meine beglückende Lebenserfahrung, die ich offenkundig aufgrund der Hilfe Mariens machen durfte und immer noch machen darf.

Und durch diese Lebenswende fand ich auch wieder den Weg zur Kirche zurück. Danke Susanne! Danke, liebe Gottesmutter!

Und was muss ich nun erleben: Bischöfe, die dem Zeitgeist verfallen sind und ganz offenkundig nicht mehr die Unterscheidung der Geister besitzen. Ihnen ruf ich zu: Bekehrt Euch!

Ja, als Bekehrter ruf ich Euch dies zu: Bekehrt Euch! Lasst ab von allen schlüpfrigen Wegen, die Lehre von der gottgewollten Sexualität zu verwässern und zu verfälschen. Nutzt bloß nicht die Vertuschungsverbrechen in Euren Reihen dazu, nun eine Legitimation für die Aufweichung der Sexualmoral zu treffen. Wenn ihr das tut, seid ihr auf dem Weg des Unheils, weil ihr Gottes gute Schöpfungsordnung durch Eure zeitgeistige Verkündigung verletzt.

Schon vor Jahrzehnten hat ein tapferer Bischof gegen all das seine Stimme erhoben, was Ihr heute meint, anrichten zu müssen. Ich spreche von Erzbischof Albino Luciani, der heute auf den Tag genau vor vierzig Jahren als Papst Johannes Paul I. verstarb. Er war wie ein Meteor in dunkler Nacht, der nur kurz aufleuchten durfte in der damals bereits herrschenden Finsternis unserer Kirche.

Prophetisch sind die Aussagen zu Fragen des schon damals aufkommenden moralischen Relativismus, der die naturrechtliche Ordnung durch teleologische Winkelzüge zerstören will. Er sah die Dinge ganz klar. Ein beredtes Zeugnis für diese Haltung finden wir in seinen wunderbaren Briefen an berühmte Personen der Welt- und Kirchengeschichte, hier in seinem Brief an den hl. Evangelisten Lukas, in dem er die Not der Bischöfe so beschreibt:

„Gesetze und Normen werden als eine Sache betrachtet, die man als Unterdrückung und Entfremdung ablehnen muss. Man empfindet sogar Freude dabei, wenn man über die Gesetze spotten kann. Das einzige, was heute verboten ist, sagt man, sei das verbieten. […] Selbst in kirchlichen Kreisen, wo ein Gesetz nach dem anderen abgeschafft wird, wendet man in leichtfertiger und unachtsamer Weise das ‚Quantum potes tantum aude‘ (‚Gehe, soweit du kannst‘) an.

Man verbreitet Meinungsumfragen, die mehr oder weniger wissenschaftlich sind und die alle mit dem gleichen Schlusssatz enden: ‚Liebe Leute, Ihr seid in der gegenwärtigen Situation unglücklich; wenn Ihr glücklich sein wollt, müsst Ihr alles ändern und die Strukturen auf den Kopf stellen. Man bringt dann auch noch die Psychologie ins Spiel, die Wissenschaft, die die menschlichen Fakten erklärt. Die Ehebrecher, die Sadisten und Homosexuellen werden von den Tiefenpsychologen fast immer entschuldigt: die Schuld liegt bei den Eltern, die ihre zarten und engelhaften Sprösslinge nicht immer so geliebt haben, wie sie hätten sollen. Eine ganze Literaturgattung scheint als Losungswort zu haben: ‚Immer auf den Vater!‘ Der Vater ist für fast alles verantwortlich.

Eine andere Literaturgattung möchte alle Gesetze abschaffen. Sie verlangt die unbegrenzte Geburtenregelung, die Freigabe der Abtreibung nach dem Willen der Mutter, Scheidung wie beliebt, voreheliche Beziehungen, Homosexualität, freien Drogenmissbrauch. Es ist eine Sturmflut, eine Art Wirbelsturm, der auf uns zukommt, lieber heiliger Lukas. Was kann ein armer Bischof dagegen tun? “[8]

Das sind prophetische Worte, geschrieben im Jahr 1974!

Man könnte meinen, er beschreibt unsere durch Genderismus und Libertinismus verdorbene Gesellschaft, die selbst bei vielen Kirchenoberen inzwischen ansatzweise an Akzeptanz gewonnen hat. Ja, die Sturmflut ist über uns hereingebrochen, doch nur wenige wollen oder scheinen es zu merken.

Ihr Bischöfe, lasst Euch doch bitte wieder anzünden von der Glut, die diesen heiligmäßigen Bischof und Papst ganz offensichtlich durchdrang. Hört auf seine Prophetie und werdet endlich wieder selber zu Propheten unserer Zeit!

Ich bin froh und dankbar, dass ich nun auch in der Lage bin, diese Geschichte meiner Schuld offen zu legen. Ich tue dies sicher nicht leichten Herzens. Aber ich kann dies auch tun, weil ich eben eines nicht bin: erpressbar!

Meine Familie weiß eben Bescheid. Und ich möchte dadurch einen jeden, der sich wegen seiner Schuld aufgegeben hat, mitgeben: Bekehrung ist immer, wirklich immer möglich!

Wende Dich an Maria, die allzeit Reine! Sie wird Dir sicher helfen, Dein Leben wieder zurück in die Spur ihres göttlichen Sohnes und Erlösers zu versetzen.

Ich hoffe und bete dafür, dass die Kirche befreit wird von den vielen verdorbenen Klerikern, die nun versuchen, den Weg des Irrtums zu gehen und dadurch viele Menschen in Versuchung bringen, ihr Seelenheil aufs Spiel zu setzen.

Anmerkungen:

[1] Siehe den Bericht in der Tagespost https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/online/Deutsche-Bischoefe-verpflichten-sich-zur-Aufarbeitung;art4691,192301.
[2] MHG-Studie, S. 17: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2018/MHG-Studie-gesamt.pdf. Damit ist klar, wohin der DBK-Zug nun droht zu rollen, in den Abgrund.
[3] Vgl. https://www.katholisch.de/aktuelles/standpunkt/auch-priester-mussen-uber-ihre-sexualitat-reden-konnen.
[4] Vgl. https://charismatismus.wordpress.com/2018/09/26/homosexualitaet-missbrauch-und-paederastie-sollen-aus-taetern-jetzt-opfer-gemacht-werden/
[5] Vgl. https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/an-keiner-stelle-verurteilt-die-bibel-homosexualitat. Siehe hierzu die klare Bewertung von F. Küble auf https://charismatismus.wordpress.com/2018/10/18/theologin-muellner-zur-causa-wucherpfenning-der-streit-um-bibel-und-homosexualitaet/
[6] Vgl. https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/kohlgraf-fordert-wissenschaftlich-begrundete-bibelauslegung.
[7] Das ist die offizielle Annahme der Weihekandidaten durch den Bischof zum Ende des Studiums.
[8] Albino Luciani, Ihr ergebener Albino Luciani. Briefe an Persönlichkeiten, 4. Aufl., München 1979, S. 199 f.

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Wenn die Mißbrauchskrise für das Drängen nach „Reformen“ mißbraucht wird

Von Felizitas Küble

Wenn jemand meint, die katholische Kirche solle diese oder jene Änderung in Lehre bzw. Praxis vornehmen, so ist es ihm unbenommen, seine Forderungen aufzustellen.

Unseriös wird es allerdings, wenn hierbei suggiert wird, ohne die Einführung zeitgeistig angepaßter „Reformen“ werde die Kirche quasi den Bach runtergehen oder gleich ganz untergehen. Damit soll eine gewisse Panik erzeugt werden, um eigenen Forderungen mehr Durchschlagskraft zu verleihen.   

Noch unfairer ist allerdings die Anwendung der „Mißbrauchs-Keule“, denn damit werden die Opfer sexueller Übergriffe für die eigene Reform-Agenda vereinnahmt – der Mißbrauch wird gleichsam mißbraucht.

Ein aktuelles Beispiel hierfür lieferte unlängst der Kirchenhistoriker und katholische Priester Dr. Hubert Wolf:

Der Geschichtsprofessor aus Münster referierte in Amelsbüren, worüber die „Westfälischen Nachrichten“ am 21.9. unter dem Titel „Wolf spricht von der letzten Chance“ berichteten.

Historiker Wolf: Kirche als „unglaubwürdiger Laden“ unzumutbar

Dabei kamen die diverse Forderungen Wolfs nach Abschaffung des Pflichtzölibats und der Einführung von Diakoninnen zur Sprache.

Dabei hat sogar der liberale ZdK-Präsident Dr. Thomas Sternberg kürzlich klargestellt, dass das ehelose Leben keineswegs die Ursache für Missbrauchstaten ist, weshalb er jeden kausalen Zusammenhang deutlich als „grotesk“ bezeichnete. (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/10/02/sogar-zdk-praesident-sternberg-stellt-klar-kein-zusammenhang-von-zoelibat-und-missbrauch/)

Laut WN-Artikel hat Professor Wolf „angesichts einer existenzbedrohenden Krise“ erklärt: „Entweder es gibt jetzt eine Reform oder es ist vorbei.“  – Damit nicht genug, behauptet der Geistliche, es sei keinem Katholiken weiterhin zuzumuten, „in einem so unglaubwürdigen Laden zu bleiben“.

Wenn ein Priester seine eigene Kirche als „unglaubwürdigen Laden“ verunglimpft, hat dies mit sachlicher Kritik oder diskutablen „Reformwünschen“ nichts mehr zu tun. Zudem darf von einem Historiker eine seriöse Argumentation statt solcher mehr als salopper Sprüche erwartet werden.

Zeitgeistige Formen des Klerikalismus heute

Dazu paßt dann die Forderung nach „Abschied vom Klerikalismus“, wobei sich Prof. Wolf hierbei auf Bischof Felix Genn von Münster (siehe Foto) beruft, der bereits zuvor einen sogenannten „Klerikalismus“ als Ursache der Mißbrauchskrise vorstellte. Damit wird jedoch von den eigentlichen Problemen abgelenkt.

Zudem besteht der tatsächliche Klerikalismus gerade darin, sich über die Lehre Christi hinwegzusetzen und an der eigenen theologischen Spielwiese zu basteln. Das ist kein Dienst an der Kirche, sondern Anbiederung an den Zeitgeist und die Suche (oder gar Sucht?) nach dem Beifall der Welt (und der Medien).

Näheres hierzu hat Dr. Markus Büning bereits erläutert: https://charismatismus.wordpress.com/2018/09/08/nicht-der-klerikalismus-ist-das-problem-sondern-oberhirtliche-ablenkungsmanoever/

Wenn Prof. Wolf sodann meint, ohne die von ihm verlangten Reformen sei es mit der Kirche „vorbei“, so vergißt er wohl, daß die Kirche eine Stiftung Christi ist, der durch seine Botschaft und seine Sakramente weiterwirkt in der Geschichte, was auch in Zukunft so bleiben wird. Der Garant für die Fortdauer der Kirche ist unser HERR selbst.

 


Führende Experten widerlegen einen „Zusammenhang“ von Zölibat und Missbrauch

Von Felizitas Küble

In der erneut aufgeflammten Debatte über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche wird der Zölibat vielfach direkt oder indirekt als Ursache für pädosexuelle Verfehlungen angesehen; zumindest wird die priesterliche Ehelosigkeit mit Hinweis auf diverse Vorfälle infrage gestellt, teils auch von Kirchenvertretern.

Diese Würdenträger sollten den Fokus stattdessen auf die mangelnde Wahrnehmung der bischöflichen Aufsichtspflicht richten.

BILD: Katholische Priester bei der Feier einer hl. Messe

Die Frage steht gleichwohl im Raum: Gibt es ein Ursache-Wirkung-Verhältnis oder besteht zumindest ein konkreter Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den entsetzlichen Vorfällen von Kinderschändungen durch Kleriker?

Von fachlicher Seite – zumal von Gerichtspsychiatern  –  wird dieser Kontext schon seit längerem bestritten; hierzu einige Beispiele:

Dr. Norbert Leygraf, Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen, erklärte am 23. August 2010 gegenüber dem „Deutschlandradio“, niemand werde durch den Zölibat pädosexuell geprägt, zumal diese Neigung bereits während der Pubertät entstehe, das Zölibatsversprechen hingegen erst viel später erfolge.

Daher sei es „nicht sonderlich einleuchtend“, überhaupt einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch herzustellen.

Dr. Leygraf widersprach zudem der Auffassung, dass abnorme Formen der Sexualität unter kath. Priestern überdurchschnittlich stark vertreten seien: „Irgendwelche Studien, die belegen würden, dass sie besonders häufig Leute mit einer abnormen Sexualität wären, gibt es nicht.“

(Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/das-sind-ja-ueberwiegend-altfaelle.1008.de.html?dram:article_id=163438)

Evangelischer Forensiker: Zölibat keine Ursache für Missbrauch

Der bekannte Forensiker Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber erklärte bereits  zu Beginn der öffentlichen Missbrauchsdebatte im Februar 2010, dass katholische Priester gerade wegen ihrer geistigen Grundhaltung weitgehend davor geschützt seien, zu Missbrauchstätern zu werden.

Der evangelische Kriminal-Psychiater Kröber ist Mitherausgeber des Standardwerkes „Handbuch der Forensischen Psychiatrie“ und Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin. Seinen Studien zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein kath. Priester zum Missbrauchs-Täter wird, 36 mal geringer als bei Männern, die nicht zölibatär leben.

BILD: Kardinal Müller weiht einen jungen Mann zum Priester

In einem Artikel der Tageszeitung „Die Welt“ vom 3.4.2010 heißt es, die Lebensform Zölibat habe „mit dem Missbrauch von Kindern nichts zu tun.“ Als Beleg wird Professor Kröber zitiert: „Statistisch gesehen wird man eher vom Küssen schwanger, als vom Zölibat pädophil.“ 

(Quelle: https://www.welt.de/debatte/article7038687/Der-Zoelibat-ist-eine-Liebesbeziehung.html)

Ähnlich argumentiert der katholische Publizist und Psychotherapeut Manfred Lütz, Direktor eines Psychiatrischen Krankenhauses in Köln, in der FAZ vom 11.2.2010:

„Den Zölibat in diesem Zusammenhang (Kindesmissbrauch) zu nennen, ist besonders verantwortungslos. Auf einer Tagung 2003 in Rom erklärten die international führenden Experten – alle nicht katholisch – es gebe keinerlei Zusammenhang dieses Phänomens mit dem Zölibat.“

Bei der erwähnten Tagung handelte es sich um einen kompetenten Fachkongress: er dauerte eine Woche und versammelte international führende Forensische Psychiater, Mediziner und Sexualwissenschaftler zum Thema Missbrauch.

Prof. Nedopil: Beherrschung reduziert das Verlangen

Auch Prof. Dr. Norbert Nedopil wies im März 2010 in diversen Talksendungen die weitverbreiteten Unterstellungen gegen den Zölibat zurück. Der Leiter der Abteilung für Forensische Psychiatrie der Universität München (LMU) erklärte, die religiös begründete, freiwillige Ehelosigkeit senke das Risiko, zum Sexualtäter zu werden: „Wenn man Sexualität einschränkt, dann sinkt auch das Verlangen danach.“

Prof. Dr. Christian Pfeiffer nimmt den Zölibat ebenfalls gegen den Vorwurf der Begünstigung pädosexueller Taten in Schutz: Der evangelische Kriminologe und frühere SPD-Justizminister von Niedersachsen ist Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

In einem Gastbeitrag für die linksliberale „Süddeutsche Zeitung“ stellte er klar, dass der statistische Anteil der Priester an den Missbrauchsfällen exakt 0,1 % beträge, also 1 Promille. Obwohl es überall Dunkelziffern gibt, rechnet er bei Priestern „für alle Fälle“ eine dreifach so hohe Dunkelziffer wie sonst, was dann 0,3% ergäbe, folglich drei Promille.

Auch dieser Experte stellt fest, dass selbst bei hochgerechneter Dunkelziffer der Priester-Anteil im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt sehr gering sei, ein Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch daher nicht erkennbar.

(Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-drei-promille-aller-taeter-1.24359)

„Zartbitter“-Chefin: Anti-Zölibats-Debatte kontraproduktiv

Neben Gerichtspsychiatern haben sich auch Fachleute aus dem Beratungsspektrum zu dieser strittigen Frage zu Wort gemeldet.

Das Problem von Missbrauchstätern in eigenen Reihen betrifft nach Meinung der Kölner Expertin Ursula Enders beide großen Kirchen in Deutschland in gleich starker Weise:

„Die evangelische Kirche hat sich lange Zeit in Sicherheit gewiegt und geglaubt, `bei uns doch nicht, das liegt ja am Zölibat`“ sagte die Therapeutin bei der Fachtagung „Missbrauch in Institutionen“ Anfang Juni 2012 in Hamburg. Das sei jedoch ein Mythos: „Missbrauch hat mit Zölibat wenig zu tun“, so die Leiterin von „Zartbitter“, einer Einrichtung gegen sexuellen Missbrauch in Köln. 

Enders betonte, ihrer Beobachtung zufolge komme das Problem in der evangelischen Kirche nicht seltener vor. Nachdem diese lange die Augen vor dem Thema verschlossen habe, würden jetzt verstärkt Fälle in protestantischen Einrichtungen bekannt. 

Die Kirchen seien vom Thema sexualisierte Gewalt nicht stärker betroffen als etwa Sportvereine, Schulen oder das familiäre Umfeld, sagte die Expertin.

Zu den Risikofaktoren zähle, dass Täter häufig die Maske des sozial Engagierten trügen. Gerade in sozialen Einrichtungen gebe es den Typus des „Dauerjugendlichen“, erklärte Enders: „Das ist niemals gut für Kinder.“ Diesen Typus habe sie vor allem in evangelischen Kirchengemeinden erlebt.

(Quelle: https://www.kath.ch/newsd/deutsche-therapeutin-missbrauch-hat-wenig-mit-zoelibat-zu-tun/)

Ergänzend dazu folgen Äußerungen von Ursula Enders aus ihrer diesbezüglichen Stellungnahme vom 15. März 2010 speziell zum Dauerbrenner Zölibat:

„So kritisch man dem Zölibat gegenüberstehen mag, die breite Erfahrung von Zartbitter entlarvt die Reduzierung der Täterschaft auf zölibatäre katholische Priester als Mythos, der zu einer grundlegenden Vernachlässigung eines ausreichenden Schutzes von Mädchen und Jungen vor sexuellen Grenzverletzungen führen kann.

Eine allzu einseitige Diskussion über das Zölibat lenkt ab von dem großen Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe, Sportvereinen, kommerziellen Angeboten für Kinder und Jugendliche (Ballett, Ferienreisen, Musikunterricht).

Folglich ist die mit großer Heftigkeit geführte aktuelle Diskussion über das Zölibat im Sinne des Kinderschutzes kontraproduktiv.

Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften (zum Beispiel der evangelischen Kirche, den Zeugen Jehovas, dem Islam) verkünden häufig mit einem trügerischen Seufzer der Erleichterung: „Bei uns sind die Geistlichen verheiratet und unsere Kinder somit vor Missbrauch durch Geistliche sicher“.  – Derart „naive“ Gläubige werden nicht selten mit der bitteren Realität konfrontiert, dass ein vermeintlich ungefährlicher, heterosexuell lebender Geistlicher oder Laienhelfer Mädchen und/oder Jungen missbraucht hat!

Die Beratungsarbeit von Zartbitter Köln in den letzten 25 Jahren hat deutlich gemacht, dass auch der Missbrauch innerhalb kirchlicher Institutionen vorrangig von heterosexuell lebenden Tätern und Täterinnen verübt wird, die sich in kirchlichen Institutionen als Gemeindereferenten, Diakone, Gruppenleiterinnen, Jugendbetreuer, jugendlichen Messdienerführer, Koch auf Ferienfreizeiten etc. engagieren.“

(Quelle: http://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/Fachinformationen/6510_mythos_zoelibat.php)

Fakten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Im Jahre 2012 wurde in Medien berichtet, laut polizeilicher Kriminalstatistik hätten in Deutschland die Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern wieder deutlich zugenommen.

Allgemein stieg damals die Zahl der registrierten Sexualdelikte um 5%, der Besitz von Kinderpornografie sogar um dramatische 23%.

Dazu schrieb die Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ (Nr. 42/2012, Seite 2):

„Während die Kirchen das Thema in den vergangenen Jahren stark aufgegriffen haben und die Fälle, die fast alle aus der Vergangenheit stammen, aufarbeiten, ändert sich in der „weltlichen“ Bevölkerung am sexuellen Missbrauchsverhalten offenbar gar nichts. Das aufklärerische Vorbild der sonst so viel gescholtenen Kirche und die damit medial aufgebauschte Debatte haben auf das allgemeine gesellschaftliche Verhalten da offenbar überhaupt keinen reinigenden Einfluss.“

Zum Thema „aufgebauschte“ Debatte gehört auch der ständige Vorwurf gegen den Zölibat in vielen Medien.

Interessanterweise hat hierzu die staatliche „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“  –  die ansonsten nicht gerade für „konservative“ Äußerungen bekannt ist – Stellung bezogen.

Unter dem Titel „Sexueller Missbrauch in Fallzahlen der Kriminalstatistik“ wird in einem Internet-Bericht klargestellt, dass der Zölibat weder direkt noch indirekt als Ursache für sexuelle Übergriffe anzusehen sei.

Im Kapitel „Risikofaktor Zölibat?“ heißt es darin, in der Öffentlichkeit sei „der Eindruck entstanden, dass katholische Kinder, die in ihren Kirchengemeinden beispielsweise als Ministranten tätig sind, ein besonders hohes Risiko haben könnten, Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester zu werden. Verschiedentlich wurde die These aufgestellt, der Zölibat sei mitverantwortlich für einen sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester und Ordensangehörige.“

Die erwähnte Ausarbeitung kommt nun auf die Fakten zu sprechen:

„Die bisher bekannt gewordenen Fakten scheinen allerdings nicht dafür zu sprechen, dass diese Einschätzungen zutreffen. So hat der „Spiegel“ Anfang Februar 2000 bei allen 27 Diözesen Deutschlands nachgefragt, wie viele Priester oder kirchlich angestellte Laien in ihrem jeweiligen Amtsgebiet seit 1995 als Tatverdächtige oder Verurteilte dieses Deliktes registriert worden sind. 24 Diözesen haben geantwortet. Stellt man die dort ermittelten Zahlen den polizeilich ermittelten Tatverdächtigen des sexuellen Kindesmissbrauchs für die Jahre 1995-2009 gegenüber, so entfiele auf die katholischen Priester ein Anteil von 0,1%.“

In der betreffenden Fußnote wird zudem angemerkt:

„Wenn man die dort benannten sieben Laien streicht, ergeben sich 117 verdächtige Priester – im Durchschnitt pro Bistum also 4,9. Unterstellt man ferner für die drei fehlenden Bistümer sicherheitshalber jeweils eine doppelt so große Zahl, also 30 weitere Personen, errechnet sich eine Gesamtzahl von 147 Priestern, die in den 15 Jahren bundesweit von der Polizei als Tatverdächtige registriert worden sind. Dem steht gegenüber, dass in Deutschland zwischen 1995 und 2008 die Zahl der polizeilich erfassten Tatverdächtigen des sexuellen Kindesmissbrauchs insgesamt 128.946 betrug. Rechnet man für 2009 den Durchschnittswert dieser 14 Jahre hinzu, ergibt sich für die 15 Jahre eine Gesamtzahl von rund 138.000.“

Außerdem stellt diese Analyse klar, dass die Theorie, wonach zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch ein Zusammenhang bestände, auch rein psychologisch gesehen nicht haltbar sei, weil die pädophile Prägung  – also die sexuelle Orientierung an Kindern – weitaus früher ansetzt als eine im Erwachsenenalter erfolgte Entscheidung für den Zölibat. Hierzu heißt es:

„Zweifel ergeben sich ferner an der These, dass katholische Priester durch den Zölibat ein deutlich erhöhtes Risiko hätten, Täter des Missbrauchs zu werden. Gegen diese Annahme spricht zunächst, dass es sich bei einem Teil der Täter um pädophile Männer handeln müsste, also um Personen, deren sexuelle Präferenz sich zeitlebens auf Kinder richtet. Bei ihnen kann die spätere Entscheidung, als Priester eine Keuschheitsverpflichtung einzugehen, ihre sexuelle Grundorientierung also nicht befördert haben.“

(Quelle: http://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=1348)

Feministische Historikerin verteidigt den Zölibat

Die weitverbreitete Vorstellung von einem angeblichen Zusammenhang von Zölibat und Missbrauch erhielt zudem Widerspruch von feministischer Seite. So wendet sich die amerikanische Historikerin Dagmar Herzog, Autorin der wissenschaftlichen Studie „Die Politisierung der Lust“, ausdrücklich gegen die Verdächtigung dieser Lebensweise. index

Das „Deutschlandradio“ führte am 14. März 2010 ein ausführliches Gespräch über „Pädophilie und Pädagogik“ mit der Autorin aus New York, die in ihren Forschungen vor allem den Umgang mit Missbrauchsverbrechen in den USA und Irland untersuchte.

Frau Prof. Herzog wurde in dem Interview gefragt, was sie von der Ansicht des Hamburger Weihbischofs Jaschke halte, wonach der Zölibat eine Anziehungskraft für sexuell Fehlgeleitete ausübe.

Die Antwort der Historikerin: „Ich finde, daß das falsch ist.“ –  Es gäbe schließlich zahllose Männer, die mit dem Zölibat gut klarkämen.

Sexuelle Übergriffe kämen zudem auch in Familien und im linken Spektrum vor, wobei sie an die Odenwaldschule erinnerte: Dort habe man sich sogar bewußt die antiken Zeiten Griechenlands mit ihrem Päderastentum bzw. der sog. „Knabenliebe“ zum Vorbild genommen.

Die Geschichtswissenschaftlerin widersprach überdies jener vulgärpsychologischen „Dampfkessel-Theorie“, die besagt, eine Unterdrückung sexueller Triebe führe zu Fehlformen, krankhafter Sexualität, Machtrausch und Aggressionen  –  eine These, die nicht zuletzt auf Wilhelm Reich zurückgeht, einen Vordenker der „sexuellen Befreiung“.

Dagmar Herzog weist diese These zurück, denn sie sei falsch und gerade durch die NS-Diktatur widerlegt: Damals habe eine  –  im Vergleich zur Zeit davor – größere sexuelle Freizügigkeit geherrscht, gleichzeitig gab es aber auch eine Zunahme an Machtgier und Aggressionen. Die Sexual-„Moral“ der Nazis sei insgesamt nicht konservativ, sondern liberal gewesen.

Hierüber verfasste die feministische Autorin 2005 eine faktenreiche Studie mit dem Titel „Die Politisierung der Lust“ (Siedler-Verlag), worin sie analysiert, dass die NS-Zeit zu einer „Fortschreibung, Ausweitung und Intensivierung der bereits vorhandenen liberalisierenden Tendenzen“ führte. So haben die kirchenfeindlichen Nationalsozialisten z. B. die Strafbarkeit des Ehebruchs reduziert und voreheliche Sexualität propagiert.

Diese Stellungnahmen von Expertenseite  – seien es Psychiater, Historiker, Forensiker oder Therapeuten  –  widerlegen die in vielen Medien und bisweilen auch in kirchlichen Kreisen aufgestellte These, der Zölibat sei eine oder gar die maßgebliche Ursache für Missbrauch bzw. es bestehe ein erkennbarer Kontext zwischen beiden Aspekten.

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift „Theologisches“ vom Oktober 2018

Weiteres Info hierzu: https://charismatismus.wordpress.com/2018/10/02/sogar-zdk-praesident-sternberg-stellt-klar-kein-zusammenhang-von-zoelibat-und-missbrauch/


Kardinal Müller zur Mißbrauchskrise: Homosexuelle Taten sind die Hauptursache

Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto) erklärte in einem Interview mit dem katholischen TV-Sender ETWN, das Problem des Mißbrauchs in der Kirche sei nicht durch Klerikalismus oder Pädophilie verursacht, sondern durch eine aggressiv ausgeübte Homosexualität, von denen Jugendliche oder junge Erwachsene als Opfer betroffen seien:

„Die überwiegende Mehrheit der Opfer von Missbräuchen durch Kleriker sind keine Kinder, sondern Teenager und ältere Menschen. Jeder Angriff gegen das sechste Gebot ist eine Todsünde. 80 Prozent und mehr der Opfer sind Jungen im Alter von 14 Jahren und älter; es sind homosexuelle Anschläge, keine pädophilen. Es geht nicht um Kinder, sondern um Teenager und ältere Menschen.“

Hinsicht der Jugendsynode im Vatikan meinte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, eine Bischofssynode besitze keine kirchliche Lehrautorität, denn sie sei kein allgemeines Konzil. Er fügte hinzu: „Der Papst kann auch nicht die Grundverfassung der Kirche verändern.“

Quelle für die Zitate: http://www.kath.net/news/65397


Irland: Pfarrer Tim Hazelwood wurde zu Unrecht des Mißbrauchs bezichtigt

Wie Sarah Mac Donald auf dem englischsprachigen Portal „CatholicIrland.net“ berichtet, wurde der katholische Pfarrer von Killeagh in der Grafschaft Cork fälschlich des Kindesmißbrauchs beschuldigt.

In einem Interview mit „Independent.ie“ erklärte jener Pater Tim Hazelwood (siehe Foto), er habe in jenen für ihn so schlimmen Jahren unter falschem Verdacht keine Unterstützung von amtlicher kirchlicher Seite erhalten, was ihn seelisch sehr belastet habe.

Er sei vorverurteilt worden – und jene sieben Jahre bis zur Klärung der lügenhaften Vorwürfe seien für ihn psychisch die „Hölle“ gewesen; er habe seine Nachtruhe oft nur noch mit Schlaftabletten gefunden.

Die Causa begann im Jahre 2009, als ihm mitgeteilt wurde, es läge beim bischöflichen Ordinariat eine anoymne (!) Beschwerde gegen ihn vor. Der Ankläger schickte dem Geistlichen anonyme Drohbriefe.

Als ihm klar wurde, welche Person es war, reichte der Pater einen Strafantrag bei Gericht ein, der aber nicht weiter bearbeitet wurde.

Daher entschied er sich für einen Zivilprozeß vor dem Obersten Gerichtshof. Dort gab der Ankläger nach sieben Jahren endlich zu, ihn falsch bezichtigt zu haben.

HINWEIS: Ähnlich erging es dem US-amerikanischen Kardinal Bernardin: https://charismatismus.wordpress.com/2018/08/28/falsche-anklagen-gegen-kardinal-bernardin-und-das-geschenk-des-friedens/


Ein Missbrauchsopfer hält der Kirche die Treue

Unser bewährter Gast-Autor Dr. Markus Büning hat ein bewegendes und nachdenkliches Buch unter dem Titel „Dreimal ausgeliefet, aber ich bleibe dennoch!“ verfaßt und im Christiana-Verlag herausgebracht. 

Der Theologe und Jurist hat damit ein – so der Untertitel –  „Plädoyer eines Missbrauchopfers für die Erneuerung der Kirche“  verfaßt.

In dieser persönlichen Streitschrift deckt er schonungslos einen dreifachen Missbrauch in der Kirche auf: den sexuellen Missbrauch, den liturgischen Missbrauch und den Kanzel- und Lehrmissbrauch.

Engagiert plädiert Büning für eine Reinigung und Erneuerung der Kirche im Geiste des Glaubens. Er beklagt Vertuschung und Tatenlosigkeit durch die Bischöfe und fordert Offenlegung aller Missstände und konsequentes Handeln der Verantwortlichen.

Im zweiten Teil erklärt der Verfasser anhand von vier biblischen Impulsen, warum er trotz allem weiter in der katholischen Kirche bleibt.

Das Geleitwort zu dieser Publikation stammt von Bernhard Müller, dem Chefredakteur des katholischen PUR-Magazins, einer Monatszeitschrift aus dem Fe-Verlag, der mit dem Christiana-Verlag verbunden ist. Außerdem ist er Mitherausgeber des Vatican-Magazins.

Das lesenswerte Buch kostet nur 5 Euro kann hier direkt bestellt werden: https://www.fe-medien.de/dreimal-ausgeliefert


Sogar ZdK-Präsident Sternberg stellt klar: Kein Zusammenhang von Zölibat und Mißbrauch

Generalverdacht gegen Singles „geradezu grotesk und unsinnig“

In den Debatten der letzten Wochen ist der Zölibat der katholischen Priester erneut infrage gestellt worden.

Obwohl der reform-katholische Präsident des liberalen ZdK (Zentralkomitee der Dt. Katholiken), Prof. Dr. Thomas Sternberg, kein Anhänger des Pflicht-Zölibats ist und sogar mehrfach seine Abschaffung vorschlug, weist er Behauptungen zurück, es bestände ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der ehelosen Lebensweise und Mißbrauchstaten.

Gegenüber dem DBK-Portal „Katholisch.de“erklärt er: „Ich halte den Kurzschluss, dass ein Leben als Single dazu führt, dass man Kinder missbraucht, für geradezu grotesk und unsinnig.“  – Er verweist darauf, daß sexuelle Übergriffe ein „gesamtgesellschaftliches“ Problem seien.

Tatsächlich wäre eine solche „Logik“, wonach das ehelose Leben eine wesentliche Ursache für Mißbrauch sei, nicht nur unwissenschaftlich, sondern diskriminierend für Ledige bzw. Singles, seien es Männer oder Frauen. 

Trotzdem will der Berliner Erzbischof Heiner Koch „mögliche Zusammenhänge zwischen Zölibat und sexuellem Missbrauch an Minderjährigen“ in Zukunft stärker überprüfen, wie der Bayerische Rundfunk kürzlich meldete.

Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf will die reguläre Ehelosigkeit für katholische Priester angesichts der Mißbrauchskrise „überdenken“. 

Offenbar dient die DBK-Studie über sexuelle Übergriffe von Geistlichen diesen Bischöfen als  V o r w a n d , um den Zölibat zu kippen.

Weitere Infos hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/15/fuhrende-experten-widerlegen-zusammenhang-von-zolibat-und-misbrauch/