Zum Rücktrittsangebot von Kardinal Marx: Peter Hahne kritisiert eitles Demutsgetue

Von Felizitas Küble

Der Bestseller-Autor und evangelische Theologe Peter Hahne hat sich heute (8. Juni) auf dem Nachrichtenportal „Kath.net“ mit dem Noch-Erzbischof von München befaßt.

Das auf den ersten Blick überraschende Rücktrittsangebot von Kardinal Marx an den Papst bewertet der ehem. ZDF-Moderator (siehe Foto) dabei hinsichtlich der Beweggründe äußerst skeptisch.

Der Münchner Oberhirte sei mal wieder „gewichtig dahergekommen“, so Hahne: „Selbstverliebt, selbstgefällig  und larmoyant.“ – Zu den Kennzeichen seiner Amtszeit gehörten Eitelkeit und herrisches Auftreten, schreibt der Verfasser weiter.

Auf der Pressekonferenz habe Marx keinerlei eigene Schuld eingestanden, sondern „nur Allgemeinplätze“ geboten, „fromm ummantelt“, kritisiert der Autor sodann. Nicht ohne Grund habe die Tageszeitung „Die Welt“ die Selbstinszenierung des Erzbischofs mit der Überschrift „Das Demutsmanöver“ betitelt.

Marxens Vorgehen habe wenig mit „biblischer Kirche“, aber viel mit „verschlagener Diplomatie“ zu tun, moniert Hahne weiter:

Unter dem Strich sollte jeder die wahre Botschaft hören (und die Medien fielen sämtlich darauf rein): der böse Woelki bleibt und klebt an seinem Stuhle. Doch der reine Reinhard poliert sich noch ein Opfer-Image: seht her, ich bin der bessere, der einzige klerikale Gutmensch unter all den Vertuschern, Verkalkten, Verbohrten.

Der reformfreudige Kirchenmann habe „kein Wort vom eigenen Vertuschen“ zu seiner Trierer Zeit als Bischof geäußert, erst recht nichts zum „Verschluss der Mißbrauchsakten in München“ gesagt.

Hahne erläutert dazu:

„BILD hat recht, wenn es jetzt zum Rücktrittsschreiben heißt: „Das klingt edel. Aber nach BILD-Informationen könnte Marx mit diesem Schritt auch einer für ihn peinlichen Enthüllung zuvorkommen. Denn im Herbst wird das nächste Vertuschenungs-Gutachten vorgestellt. Diesmal im Mittelpunkt: das Erzbistum München.“

Auch in der FAZ – so zitiert Hahne einen dortigen Leitartikel – sei die Rede davon, der „Machtmensch Marx“ habe bereits „verdächtig viel Einfluß abgegeben“, z.B. keine weitere Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz. In diesem Mann, „der machtvolle Ämter sammelte wie andere Jagdtrophäen…..verschränkten sich individuelles Scheitern und kollektives Unvermögen“, so die Frankfurter Allgemeine zur Rücktritts-Causa.

Ablehnend äußert sich Hahne auch zum „synodalen Irr- und Holzweg“, denn dieser habe als „Beifall heischender Umweg rund um den Kern des Katholizismus“ letztlich zum Ziel, „noch mehr Gläubige zum Austritt zu treiben“, statt sich daran zu erinnern, daß der evangelischen „Vorbild-Kirche“ die Schäfchen „ebenfalls in Scharen davonlaufen.“

Abschließend schreibt Peter Hahne:

„Ist also die Kirche an einem „toten Punkt“ angekommen, wie Marx meint? Oder nicht vielmehr der Analytiker selbst? Und da spricht das peinliche Foto von Karl und Reinhard vielsagende Bände: die beiden Marxens in Trier…Und wer den Begriff „christliches Abendland“ als „ausgrenzend“ interpretiert, kann als Bischof ohnehin nicht ernst genommen werden. Der Papst sollte dem Rücktritts-Wunsch dankbar entsprechen.

.


Elternverein NRW übt scharfe Kritik an kirchlichem Positionspapier zur Prävention

In einem offenen Brief an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz kritisiert der Elternverein NRW scharf das im Frühjahr veröffentlichte „Positionspapier zur Prävention sexualisierter Gewalt und sexueller Bildung an Minderjährigen und schutz- und hilfebedürftige Erwachsenen“.

Der Elternverein appelliert an die Deutsche Bischofskonferenz als oberste Verantwortliche, dieses befremdliche Papier umgehend zu überarbeiten:

„Dies Konzept schützt nicht vor Missbrauch, es öffnet eher den Weg dazu“, erklärt die Vorsitzende Andrea Heck dazu.

Man rufe die deutschen Bischöfe dazu auf, für eine ganzheitliche, entwicklungssensible und die Schamgrenzen der Kinder achtende Pädagogik in katholischen Einrichtungen einzutreten: „Das sollte die Aufgabe der Kirche sein“.

Die ausführliche Pressemitteilung des Elternvereins lesen Sie hier

Quelle: http://www.elternverein-nrw.de/aktuelles/


Umfrage zur Missbrauchsdebatte: Steht die katholische Kirche zu einseitig im Blickfeld?

Mehr Protestanten als Katholiken bestätigen dies

Vier von zehn Deutschen (39 Prozent) sind der Ansicht, dass die Debatte über Missbrauch in Deutschland zu einseitig auf die katholische Kirche bezogen wird. Dagegen sind 33 Prozent der Befragten gegenteiliger Ansicht; 22 Prozent geben an, nicht zu wissen, wie sie dies einschätzen sollen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Erfurter Meinungsforschungsinstituts INSA, die im Auftrag der „Tagespost“ durchgeführt wurde.

Die Aussage, zu der die Teilnehmer Stellung beziehen sollten, lautete: „Die Debatte über Missbrauch wird in Deutschland zu einseitig auf die katholische Kirche gerichtet.

Von den katholischen Befragten stimmen 42 Prozent der Aussage zu. 28 Prozent teilen diese Haltung nicht; 25 Prozent der Katholiken antworteten mit „weiß nicht“.

Protestanten sind etwas häufiger der Meinung (44 Prozent), dass die Debatte über Missbrauch in Deutschland zu einseitig auf die katholische Kirche gerichtet werde. 35 Prozent sind gegenteiliger Ansicht.

Freikirchliche Befragte stimmen der Aussage am häufigsten zu (54 Prozent); nur 21 Prozent lehnen sie ab.

Bei den Konfessionslosen ist der Anteil derjenigen, die die Aussage ablehnen (38 Prozent), etwas höher als der Anteil derjenigen, die zustimmen (37 Prozent).

Quelle: Pressemeldung der DT – hier ihre Webpräsenz: www.die-tagespost.de.


Zur Aufarbeitung des Missbrauchs: Warum die Kirche strenger als der Staat ist

Von Dr. Josef Bordat

Oft begegnet einem der Vorwurf, die Kirche arbeite den sexuellen Missbrauch in ihren Einrichtungen, wie er vor allem im 20. Jahrhundert in erschreckendem Ausmaß stattfand, nicht oder nicht angemessen auf – häufig wird dieser Vorwurf genau dann erhoben, wenn mal wieder ein neues Gutachten präsentiert wird, wie am Donnerstag in Köln.

Dagegen stehen die Fakten.

Seit 2010, als das Thema zu einem öffentlichen wurde, gab es mehrere Gutachten mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielsetzungen zur Aufarbeitung der Vergangenheit sowie eine Verschärfung der kirchenrechtlichen Lage zur Prävention von Missbrauch in der Zukunft.

Für die MHG-Studie („Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“) aus 2018 wurden im Bearbeitungszeitraum von 2014 bis 2017 fast 40.000 Personalakten untersucht.

Auf diözesaner Ebene gibt es neben dem strafrechtlichen Gutachten der Kanzlei Gercke Wollschläger zum Erzbistum Köln (2021) auch ein Rechtsgutachten der Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl zum Erzbistum München und Freising („Sexuelle und sonstige körperliche Übergriffe durch Priester, Diakone und sonstige pastorale Mitarbeiter im Verantwortungsbereich der Erzdiözese München und Freising in der Zeit von 1945 bis 2009. Bestandsaufnahme – Bewertung – Konsequenz“ ), das bereits 2010 vorgelegt wurde, sowie ein seit 2019 laufendes Aufarbeitungsprojekt im Bistum Limburg unter Supervision der Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller („Betroffene hören – Missbrauch verhindern“).

Das RECHT schützt die JUGEND

Ferner wurden die seit 2002 bestehenden Leitlinien zur Prävention von sexualisierter Gewalt und Missbrauch 2010 verschärft.

Die normativen Grundlagen dafür, dass Missbrauch in Einrichtungen der Katholischen Kirche verfolgt wird, ist damit gegeben, sogar in weit größerem Maße als in weltlichen Institutionen oder in nicht-institutionellen Kontexten.

Denn: Während eine generelle Anzeigepflicht im Hinblick auf Sexualstraftaten gegenüber der Polizei oder Staatsanwaltschaft im weltlichen Recht grundsätzlich nicht existiert, führte die Deutsche Bischofskonferenz diese 2010 ein.

Das Kölner Gutachten dazu:

„Auch im Kirchenrecht war eine Anzeigepflicht gegenüber den Strafverfolgungsbehörden lange unbekannt. Erst in den Leitlinien 2010 wurde eine Pflicht zur Anzeige eines Sachverhalts an die Strafverfolgungsbehörden verbindlich aufgenommen. Es konnte danach nur noch dann von einer Anzeige abgesehen werden, wenn eine solche Anzeige dem Willen des Opfers eindeutig zuwiderlief“ (S. 279).

Das heißt: Die Kirche verlangt seit 2010 mehr als der Staat, die Wahrscheinlichkeit einer Anzeige im Verdachtsfall ist aufgrund der unterschiedlichen Rechtsgrundsätze in der Kirche höher als überall anderswo.

FORTSETZUNG des Beitrags von Dr. Bordat hier: https://jobosblog.wordpress.com/2021/03/20/aufarbeitung-des-missbrauchs-tut-die-kirche-genug/

Jetzt ist dieses Buch des Philosophen Dr. Bordat erschienen: Würde, Freiheit, Selbstbestimmung. Konzepte der Lebensrechtsdebatte auf dem Prüfstand


Causa Missbrauch: „Dokument“ gegen Niederbronner Nonnen ist eine Fälschung

Die Niederbronner Schwestern und das Bistum Speyer wollen die Missbrauchsvorwürfe rund um das Kinderheim in der Speyerer Engelsgasse gemeinsam aufarbeiten.

Ein Mann, der in den 60er- und 70er Jahren in dem Heim in der Speyerer Engelsgasse lebte, hatte im Dezember öffentlich gemacht, Heimkinder seien in „Sex-Partys“ damals systematisch und gegen Bezahlung von Geistlichen und Politikern missbraucht worden.

Untermauern sollte das eine Kopie, die aus einem Kassenbuch des Kinderheims von 1965 stammen sollte, worin mehrere Namen…mit Zahlungen verzeichnet waren.

Ein Schriftgutachten hat jetzt bewiesen: die Seite aus dem Kassenbuch ist eine Fälschung, die verwendete Schrift eine Computerschrift, die es erst seit 2004 gibt.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.wochenblatt-reporter.de/speyer/c-lokales/seite-aus-dem-kassenbuch-war-eine-faelschung_a274737


Falsche Weichenstellung: Eine „andere Kirche“ ist das Ziel des Synodalen Weges

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Wer in der Geschichte der Menschheit den „roten Faden“ sucht, wird mit einer Fülle unterschiedlichster Ereignisse konfrontiert. Es fehlt ein Navi.

Es gibt eine andere Betrachtungsweise, die allerdings nur religiösen Menschen weiterhilft: Die Geschichte ist die Auseinandersetzung um den Menschen zwischen Gott und seinem Widersacher.

BILD: Prof. Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“

In den Dienst des Widersachers stellen sich auch solche, die nicht an seine Existenz glauben. Sie lehnen Gott ab, weil sie die absolute Autonomie für sich beanspruchen.

Wer die Lehre des menschgewordenen Gottes und seiner Kirche annimmt, kann trotz aller Widerstände und Verfolgung beruhigt bleiben. Weil der Kirche vom HERRN zugesagt ist, dass „die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen“ werden. Mit diesem Navi kann man in die Zukunft fahren. Auch heute erfahren wir den Kampf gegen die Kirche.

Der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer hat die Berichterstattung über den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche als „Hysterisierung“ bezeichnet. Er spricht von einer „Generalabrechnung“ mit der Kirche. Hier wird das eigentliche Ziel deutlich. Es ist die „Diskreditierung“ der Kirche als „Institution“.

Niemand braucht sie mehr ernst zu nehmen, was sie in ihrer Lehre sagt. Die Kirche wird noch eine Stufe unter die Diktatur des Relativismus, wonach alle Meinungen gleichberechtigt sind, weil es die Wahrheit nicht gibt, herabgedrückt. Sie kann sich dann nur mehr in der Gesellschaft äußern, wenn sie sich das neue Credo diktieren lässt.

Die „sprunghafte Feindseligkeit“ funktioniert nur, wenn herausragende Repräsentanten als „vorgestrig“ (Benedikt XVI.) oder moralisch angeschlagen (Kardinal Woelki) vorgeführt werden – und die Kirche sich nicht mehr wehrt.

Fischer erinnert daran „dass es massenhaften (sexuellen) Missbrauch im Sport, in Schulen oder mit psychotherapeutischen Praxen und vielen anderen Strukturen gab und gibt.“

Wenn es tatsächlich um das Wohl von Kindern und Jugendlichen ginge, müsste die Kirche, im Interesse der gefährdeten Kinder und der unbescholtenen Priester und Mönche – neben der Aufarbeitung in den eigenen Reihen – auf die geschätzten 97% der Missbrauchsfälle, hinweisen.

Gleiches gilt für eine blasphemische Darstellung von Christus, dem Sohne Gottes. Der Chefredakteur von Idea schreibt dazu: „Wenn es um Mohamed ginge, würden wohl inzwischen Schüsse fallen, Häuser in Brand gesetzt werden“… „Von Kirchen war nichts zu hören.“

Der Kabarettist Jürgen Becker bekam am Rosenmontag in der Kölner Kirche St. Agnes, in einer als „Gottesdienst“ bezeichneten Veranstaltung „ganz offiziell“ eine Bühne, auf der er über die katholische Kirche wettern, Kardinal Woelki herabsetzen und Kardinal Meisner als „Hassprediger“ bezeichnen konnte.

Hauptzelebrant der Veranstaltung war der ehemalige Generalvikar des Erzbistums Köln. Diese Veranstaltung hat sicher das Ansehen der Kirche nicht erhöht.

Für den ehemaligen Bundesrichter Thomas Fischer ist die „Zeit-Taktung der Empörung, der Skandalisierung inzwischen dermaßen Eng geworden, dass die Öffentlichkeit und die Medien, die diese Öffentlichkeit beherrschen, mit ihren Nachrichten kaum mehr Zeit haben, länger als zwei Wochen warten bis endlich irgendwas abgeschlossen ist. Alles müsse stets so aussehen, als ob es gerade zwangsläufig auf einen Höhepunkt hinliefe und etwas ganz Spektakuläres passieren müsste“.

Der „Synodale Prozess“ wurde vorgeblich einberufen, um die Glaubwürdigkeit der Kirche bei den Katholiken und der Gesellschaft zurück zu gewinnen.

Der weltweite Skandal der sexuellen Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen hat sich auch in der Kirche eingenistet. Priester, Ordensleute und sogar Bischöfe sind daran beteiligt. Das verschafft den Kirchengegnern die Möglichkeit, der Kirche die Glaubwürdigkeit abzusprechen, um sie zu schwächen.

Der Regensburger Bischof Voderholzer äußert: „Verlorenes Vertrauen wieder zu erlangen, wird nur gelingen, wenn wir darauf hinweisen, dass die katholische Kirche die erste und bislang noch immer einzige Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland ist, die sich diesem großen gesellschaftlichen Problem in ihren eigenen Reihen schonungslos stellt“.

Die Agenda, um das „System aufzubrechen“ liegt seit langem vor: Kirchliche Hierarchie, Priesterbild, Abschaffung des Zölibats, Änderung der kirchlichen Sexualmoral, Neubewertung der Homosexualität, Frauenpriestertun etc. Diese Forderungen kommen aus dem Inneren der Kirche, von Theologen, Priestern, aus katholischen Laienverbänden (ZdK, BDKJ, katholische Frauenverbände).

Aber auch in dieser Situation gibt es Hirten, die den Weg in die Zukunft weisen, ohne sich vor der Verantwortung für die sexuellen Missbrauchsfälle vor ihrer Zeit zu drücken, z.B. Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto unten). Er sagt:

„Erneuerung der Kirche ist nicht von einer Anpassung an Zeitgeist diktierte Vorstellung oder durch Verbilligung der biblischen Botschaft zu erwarten. Die Geschichte zeigt, dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums… aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung, sowie aus einer radikalen Christusnachfolge erwachsen sind“.

Es ist klar, dass Bischöfe von einer solchen Statur für Kirchenveränderer ein Dorn im Auge sind, weil sie den Weg zu einer „anderen Kirche“ blockieren.

Die deutschen Bischöfe haben am 25. September 2019 das Statut des „Synodalen Prozesses“ beschlossen.12 Bischöfe stimmten dagegen. Einer enthielt sich der Stimme.

Erzbischof Woelki und Bischof Voderholzer hatten zuvor dem „Ständigen Rat“ der Diözesanbischöfe einen „Alternativentwurf“ vorgelegt, dessen Ziel die Ausrichtung auf Neuevangelisierung, katechetische Berufung der Laien, oder, um es mit den Worten von Papst Franziskus zu sagen, der „Primat der Evangelisierung“ war.

Die Diözesanbischöfe lehnten jedoch den „Alternativentwurf“ am 19. August 2019 mit der deutlichen Mehrheit von 21 Stimmen, bei drei Enthaltungen und drei Jastimmen ab.

Wie Bischof Voderholzer in seiner „Persönlichen Erklärung“ nach der Abstimmung in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am 25. September 2019 darlegt, geht die inhaltliche Ausrichtung der vier Foren „an der Realität der Glaubenskrise in unserem Land“ vorbei. Es werden die „wahren Probleme nicht angegangen“. Es gebe „kein Forum Evangelisierung“.

Beim Thema „Laien“ geht es „von vornherein nur um Partizipation, statt um eine Theologie einer in Taufe und Firmung gründenden Sendung in alle weltlichen Lebensbereiche hinein“ (Weltcharakter der Laien). Der Verdacht einer „Instrumentalisierung des Missbrauchs“ sei nicht “ausgeräumt“.

Vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 fand die erste Zusammenkunft der Mitglieder des „Synodalen Prozesses“ statt. Dort wurden mit der Geschäftsordnung die Weichen für den Ablauf des zweijährigen „Synodalen Weges“ gelegt. Auf dieser Grundlage werden die vier Foren beraten und abgestimmt werden.

Bei der Weichenstellung wurde deutlich, dass die Mehrheit der Synodenteilnehmer die Synode als Vehikel versteht, um ihre „Reformvorschläge“ durchzusetzen. Bei einem solchen Verständnis geht es dann nur mehr darum, wie in der Politik, Mehrheiten zu organisieren. In der Vorbereitung zum ersten Treffen ist durch die Auswahl der Teilnehmer die Basis für die gewünschten Mehrheiten gelegt worden.

Die Bischöfe von Köln, Regensburg, Passau, Eichstätt und Görlitz, die sich an die Lehre der Kirche halten, mussten eine erste Abstimmungsniederlage hinnehmen. Sie hatten vorgeschlagen, dass Vorlagen die einmütige Zustimmung der anwesenden Mitglieder des Synodalforums erfordern. Bei „Einmütigkeit“ dürfe es höchstens drei Gegenstimmen geben. Dieser Antrag wurde mit 26 gegen 181 Stimmen abgeschmettert. Das waren 87% (!) der stimmberechtigten Mitglieder.

Die Synodalversammlung legte fest, dass die absolute Mehrheit für die Beschlussfassung genüge. Die lehramtstreuen Bischöfe hatten auch vorgeschlagen, dass ein Beschluss nicht gültig werden kann, wenn „Widerspruch zwischen der Textvorlage und der Lehre der Kirche vorliegt“. Auch dies wurde abgelehnt.

Auf dem Weg zum zweiten Synodentreffen

…gibt es coronabedingt neue Dialogformen, z.B. „digital synodal“. Das ist eine Veranstaltungsreihe des Bundes der deutschen Katholischen Jugend (BdKJ). Sie soll einen Einblick in eines der Synodalforen geben.

Dorothea Schmidt schildert in der Tagespost (25.6.20) den Ablauf des ersten „digital synodal“ für das Synodalforum „Leben in gelingenden Beziehungen“. Im Mittelpunkt stand die Veränderung der kirchlichen Morallehre durch „eine neue Deutung der menschlichen Sexualität“. Das angestrebte Ziel ist die „polyvalente Sexualität“.

Um dies zu erreichen sollen die „lehramtlichen Schranken für Sexualität“ gesprengt werden. Dieser Aufgabe stellten sich die familienpolitische Sprecherin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) Birgit Mock und der Aachener Bischof Helmut Dieser als Redner. Dieser konstatierte, dass die „Meinungen“ so kontrovers waren, wie die „verschiedenen Grundüberzeugungen im Forum vorhanden sind, so dass zwischen ihnen eine Vermittlung kaum möglich“ sei.

Ein Dialog zwischen den beiden „Lagern“ kam kaum zustande. Den selbsternannten „Reformern“ ging es um die Anpassung an den Zeitgeist, den lehramtstreuen Bewahrern um ein tieferes Verständnis der menschlichen Sexualität, wie sie beispielsweise in der „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. vorliegt. Sie wurde als das „traditionell-katholische“ von den „Reformern“ abgelehnt.

Der Kernpunkt des Dissens liegt in der Streitfrage: „Hat Sexualität zwei Sinngehalte, nämlich, Liebe zwischen Mann und Frau und Fruchtbarkeit, oder ist Sexualität polyvalent? Bischof Dieser beklagte, die Kirche „sei in punkto Sexualmoral nicht auf dem heutigen Stand“, was er ändern wolle. Die Kirche müsse in säkulare Milieus aufbrechen.

Bischof Dieser ging es besonders um die Frage, können „Partnerschaften gesegnet werden, die nicht in eine Ehe münden oder außerhalb der Ehe gelebt werden“. Er wäre zufrieden „dass es keine Sünde ist, was da gelebt wird, sondern ein Versuch… Identität zu leben und die Liebe mit anderen Menschen zu teilen“. Eine solche Segnung mit Druck durchzusetzen, schließt Dieser nicht aus.

Frau Maria Palmer berichtet in der gleichen Ausgabe der Tagespost (25.6.2020) über das „digital synodal“, indem der BdKJ über „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ diskutiert. Das Gespräch wurde von Katharina Norpoth, Bundesvorsitzende des BdKJ geleitet. Bischof Bode und Prof. Dorothea Sattler brachten die Statements.

Die Kernfrage war: „Wie gehen wir damit um, dass die Lehre der Kirche nicht mehr mit der Wirklichkeit vieler Menschen übereinstimmt“. Die Verbindlichkeit der Lehrtexte sei sinnvoll, so Bode, aber Lehrtexte müssten auch „zeitgebunden“ sein. Wenn sie die Gesellschaft nicht mehr versteht, sei Modifizierung anzustreben.

Online-Konferenz

Die Mehrheit hatte sich gegen eine Online-Versammlung ausgesprochen. Das Präsidium des „Synodalen Prozesses“ berief sie trotzdem ein. Die beiden Präsidenten zeigten den unbedingten Willen zu Entscheidungen zu kommen. Über Entscheidungen soll ein Druck auf die Weltkirche ausgeübt werden.

„Nach dem zweitägigen unverbindlichen Austausch beim Digitalforum des ‚Digitalen Weges‘, sollen schon bei der nächsten Begegnung im Herbst 2021 klare Aussagen an Rom und Beschlüsse folgen“. Die Foren: „Macht- und Gewaltenteilung“, „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“, „Leben in gelingenden Beziehungen“ haben schon einen Textentwurf vorgelegt. Das Forum „Priesterliche Lebensform“ bereitet einen Text vor. (Tagespost, 11.2.2021)

Was die Synodalen im Herbst 2021 auf dem Weg in eine „andere Kirche“ erwartet, soll anhand der Forderungen von Forum 1 „Macht- und Gewaltenteilung in der Kirche“ am vorliegenden Text „Notwendige Schritte auf dem Weg zur Reform kirchlicher Machtstrukturen“ erläutert werden.

Das Papier untergräbt „jede Bejahung des Kirche seins“ (Tagespost, 25.2.2021) und versucht seine Grundthese einzuhämmern: „Sexualisierte Gewalt von Klerikern (hat) … auch systemische Ursachen“. Die geltende innerkirchliche Machtordnung habe „kriminelle und übergriffige Handlungen begünstigt und deren interne Bekämpfung erschwert“. Deswegen sei die „effektive Reform innerkirchlicher Machtverhältnisse“ der einzige Weg, um die „Sendung der Kirche in der Welt von heute zu verwirklichen“.

Der Text von Forum 1 instrumentalisiert, wie schon Bischof Voderholzer am Anfang des „Synodalen Weges“ vermutet hatte, den sexuellen Missbrauch, um das Ziel „eine andere Kirche zu schaffen“ zu erreichen. Dieses Ziel wird mit der Forderung nach „Inkulturation in eine demokratisch geprägte freiheitlich – rechtsstaatliche Gesellschaft“ deutlich angesprochen.

Ein weiterer Satz taucht ebenfalls immer wieder auf, was nicht mehr verstanden und nachvollzogen werden könne, muss geändert werden. Im Papier des Forum 1 heißt es: Die moderne Gesellschaft könne „kirchliche Ordnung von Macht nicht mehr verstehen und nachvollziehen“. Weil die Kirchenverfassung der demokratischen Umgestaltung im Wege steht, wird sie als „missbrauchsfördernd“ moralisch abqualifiziert und „durchschaut“. Nicht persönliche Schuld wird angeprangert, sondern nur „strukturelle Schuld“.

Der „Synodale Weg“ hat das Kirchenrecht nicht auf seiner Seite. Dieser Umstand wird ausgehebelt mit dem Satz „gegenwärtig sieht das Kirchenrecht vor, dass nur Bischöfe Entscheidungsrecht auf Synoden haben. Diese Engführung gilt es zu überwinden… die Synodalität ist mehr als die Kollegialität der Bischöfe“. Synoden sollen künftig „nicht nur beraten, sondern auch entscheiden“.

Dieses Modell soll auf Pfarreien, Diözesen, Bischofskonferenzen „bis hin zur weltkirchlichen Ebene“ ausgeweitet werden. Künftig sollen demokratisch-legitimierten Räten „auch legislative Aufgaben zukommen, die der Bischof mit ihnen gewährleistet“. Dafür müssen „qualifizierte Mehrheiten festgeschrieben“ werden, mit denen das „Vetorecht des Bischofs überstimmt werden kann“. „Wem ein Leitungsamt in der katholischen Kirche übertragen wird, muss dazu vom Kirchenvolk gewählt werden… Wer ein Amt antritt, wird auf Zeit berufen“. „So wird dem Bischofsamt eine völlig neue Bedeutung gegeben“ (Tagespost, 25.2.2021, S. 11).

Der „Synodale Prozess“ deckt die Krise der katholischen Kirche in Deutschland schonungslos auf. Das Konradsblatt (Nr. 25, 21.6.2020), die Kirchenzeitung der Erzdiözese Freiburg, zitiert die FAZ. Dort heißt es …

“Der ‚Synodale Weg‘ mit seinen Themen Macht, Frauen und Sexualmoral (wird) nun endgültig zur Arena, in der es für die katholische Kirche… um alles oder nichts geht“. Kurienerzbischof Georg Gänswein spricht von einer „wahrhaft endzeitlichen Krise, in der sich die katholische Kirche inzwischen seit langem befindet“.

Joseph Ratzinger sieht die sich anbahnende Krise seit 1958 („Die neuen Heiden in der Kirche“ Hochland I/59). Jetzt bricht sie mit aller Gewalt im Inneren der Kirche aus. Die sexuellen Missbrauchsfälle verdecken die eigentliche Ursache: Sie heißt fehlende Bereitschaft zum Wort Jesu und zur Lehre der Kirche.

George Weigel, ein kompetenter Beobachter sagt in seinem Beitrag in der Tagespost vom 11.3.21 …“Die Kirche in Deutschland scheint immer weiter vom Glauben abzufallen: ein Leugnen der Wahrheiten des katholischen Glaubens lässt ein dräuendes Schismal befürchten“…

Die Krise trifft die Kirche in einer geistigen Befindlichkeit, die Kardinal Sarah als „eine Art Depression, eine Ermattung, ein geistiger Überdruss, ein gewisses Schwinden der inneren Lebensfreude, eine Entmutigung und eine Erschlaffung der Seele“ diagnostiziert.

Der Kirchenhistoriker Kardinal Brandmüller will die Katholiken aufrichten („Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen). Er zählt ähnliche Fälle aus der Geschichte auf, wo es nach einem tiefen Niedergang zu neuer Blüte kam. Er erinnert an Bischof Bonifatius, den Apostel der Deutschen. Als er im achten Jahrhundert in Deutschland sein Reformwerk begann, fand er in weiten Teilen eine verschlampte und verkommene Kirche vor. Mit trunksüchtigen Bischöfen, die im Konkubinat lebten. Die Unwissenheit vieler Priester war unbeschreiblich.

Als der über 80jährige Bonifatius zu seiner letzten Missionsreise nach Friesland aufbrach, wo er bei Dokkum erschlagen wurde, hinterließ er eine wohlgeordnete und wieder aufblühende Kirche. (vgl. Der Fels, 6/2019, S. 179)

Weil die Homosexualität bei den Missbrauchsfällen eine besondere Rolle spielt, erinnert Brandmüller an eine ähnliche Situation im 11. Jahrhundert… Auch diese Krise wurde überwunden. (vgl. Der Fels, 6/2019, S. 179)

Kardinal Brandmüller erinnert an die Wende zum 19. Jahrhundert. Ausgehend von Frankreich kam es zu einem „vorher kaum zu erwartenden Aufbruch des religiösen Lebens… es entstanden zahlreiche Ordensgemeinschaften – allein unter dem Pontifikat Pius IX. (1846-1878) waren es mehr als hundert (!) – die sich der Glaubensvermittlung, Erziehung, Krankenpflege und der außereuropäischen Mission widmeten. Auch das Mönchtum erlebte einen neuen Frühling.

Eine beeindruckende Entwicklung in einem Europa, dessen führende Schichten von unerhörtem Fortschritt in Wissenschaft und Industrie, aber auch von den materialistischen, atheistischen Strömungen der Philosophie geradezu benommen waren“ (kath.net).

Natürlich geschahen solche Neuaufbrüche nicht von selber. Viele Schritte von Reformern in der Kirche führten dazu. Das ist heute nicht anders!

.


Warum die Initiative „Maria 2.0“ den Namen der Gottesmutter missbraucht

Von Pfarrvikar Dr. Achim Dittrich

Maria, die Mutter des Herrn, besitzt eine einzigartige Stellung im Christusereignis und im Leben der Kirche. Die Vorhersage: „Selig werden mich preisen alle Geschlechter!“ (Lk 1,48b) ist eingetroffen.

Was allerdings die Aktion „Maria 2.0“ seit 2019 betreibt, kann man nicht anders denn als „Missdeutung“, ja als „Missbrauch“ der Gottesmutter werten.

Maria ist kein Computerprogramm, sondern eine Person, die man nicht nach Belieben „updaten“ kann. Wenn man die Worte und das Verhalten Mariens, wie sie die Evangelien von Lukas und Johannes zeigen, programmatisch auffasst, dann ergibt sich ein ganz anderes Bild als das, was diese Aktion vorträgt.

Maria hat nicht für eigene Macht gestritten, sondern hat sich selbstlos Gott überantwortet: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach Deinem Wort“ (Lk 1,38).

Denn Gott stürzt die Mächtigen vom Thron, und er hat auf die „Niedrigkeit seiner Magd“ geschaut. Das von Gott eingeforderte Ja-Wort Mariens wendet das Unheil und öffnet der Menschwerdung des Logos den personalen Raum in der Welt.

Dabei ist es heilsgeschichtliches Faktum, dass Jesus Christus als Mann in die Welt kommt, der natürlich von einer Frau geboren wird – beide Geschlechter sind in die Inkarnation einbezogen, wie schon Augustinus festgestellt hat.

Maria fügt sich in die neuartige Aufgabe und muss schließlich ihre traditionellen Mutterrechte aufgeben, wie ihr Jesus bei der Hochzeit von Kana verdeutlicht (Joh 2). Die jungfräuliche Gottesmutter geht mit auf dem schwierigen Weg Jesu, bis unter das Kreuz und darüber hinaus.

An Pfingsten stellt sie die Herzmitte der neuen Kirche dar, als Lehrerin des Gebetes und der Offenheit für Gottes Geist. Maria will keine Priesterin sein, aber sie ist das Urbild der bräutlichen Kirche!

Das biblische Zeugnis bietet keine Grundlage dafür, aus ihr eine Gallionsfigur für weltliche Emanzipationsforderungen in der Kirche zu machen. Sie ist vielmehr „Braut des Heiligen Geistes“, die die Kirche lehrt, wie Gottes Wort zu hören ist, wie man sich vom Geist bestimmen lässt.

Die Aktion „Maria 2.0“ will nicht reformieren, sondern substantiell verändern – Dekonstruktion der Kirche ist das Ziel! Mit öffentlichem Druck soll die durch die Missbrauchskrise verunsicherte Kirche umgebaut werden.

Dabei ist es tatsächlich schmerzhaft, wenn Christen, wenn Priester derart versagen und schuldig werden. Aber diese Verletzung erfährt auch die heilige Kirche, durch die Sünder in ihren Reihen. Keine Neuorganisation der Kirche kann verhindern, dass Menschen in ihr versagen; kein Strukturwandel kann die Gefahr der Sünde bannen!

BILD: Protest-Plakat von Maria 2.0 mit einer Marienikone und ihrem zugeklebten Mund

Die in den „Sieben Thesen“ geforderte Preisgabe der katholischen Sexualmoral erscheint mir als widersinnig – sie kann Missbrauch nicht verhindern, sondern würde im Gegenteil Promiskuität und weitere sexuelle Verwahrlosung fördern. Die diesbezüglichen Forderungen von „Maria 2.0“ stellen nichts anderes als eine Kapitulation gegenüber dem verirrten Zeitgeist dar, der vom christlichen Menschenbild nichts als hohle Freiheitsparolen übriggelassen hat.

Maria steht für Selbstlosigkeit, Keuschheit und Demut – ausgerechnet sie als Aushängeschild für solche Willkür nehmen zu wollen, ist eine Unverschämtheit. Maria kann nur weinen über die Verirrung namens „Autonome Sexualität“. Gott ist unser Herr, wir haben Seiner Schöpfungsordnung zu entsprechen.

Die geforderte Dekonstruktion der katholischen Sexualmoral folgt der Einflüsterung des Widersachers, dass wir selbstherrlich und willkürlich Gottes Gebote missachten dürften. „Dein Wille geschehe!“ beten wir im Vaterunser, nicht treuloser Eigenwille, der sich der gesellschaftlichen Dekadenz ergibt und das wertvolle Erbe der Kirche geringschätzt.

Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist ein großes Geschenk an die Kirche, an die Menschheit. Viel Segen ging und geht von gottgeweihten und zölibatären Menschen aus. Und dieser Evangelische Rat wird frei gewählt, von Priestern ebenso wie von Ordensleuten oder Geweihten Jungfrauen.

BILD: Priesterweihe im Dom zu Regensburg durch Kardinal Müller

Dem priesterlichen Amt ist er mehr als angemessen und darf nicht preisgegeben werden, da er ein lebendiges Zeugnis für Christus und unsere ewige Bestimmung bedeutet. Die Jungfrau Maria ist auch Urbild dieser geistlichen Lebensform!

Und schließlich die leidige Machtfrage – Maria und die vielen Frauen in der Jüngerschaft Jesu sowie in der Urkirche, sie strebten nicht nach Macht und Amt, obwohl das im Hinblick auf die römische Kultur durchaus vorstellbar und im Rahmen der unkonventionellen Abspaltung vom patriarchalen Judentum wohl auch möglich gewesen wäre.

Alle Macht in der Kirche kommt von Gott, als Vollmacht, die er verleiht. Die missbräuchliche Anwendung dieser heiligen Autorität ist ein menschliches Grundproblem, unabhängig vom Geschlecht der handelnden Person.

Den Frauen kann und soll alles in der Kirche offenstehen, was nicht mit der sakramentalen Christus-Repräsentation zu tun hat – diese aber ist von Gott selbst an das männliche Geschlecht gebunden worden. Christus selbst hat der Kirche ihre apostolische Verfassung geben, hat zwölf Männer mit der heilswirksamen Vergegenwärtigung seines Evangeliums und Opfertodes beauftragt; der Heilige Geist hat die Kirche schon im ersten Jahrhundert entsprechend ausgeformt.

„Maria 2.0“ gibt mit ihrem zweiten Logo: eine die Kirche küssenden Frau, vor, das ignatianische „Fühlen mit der Kirche“ zu vertreten, doch die Beteiligten missachten tatsächlich das, was Papst Franziskus in seinem Brandbrief an die deutschen Katholiken im Juni 2019 eingefordert hat: „Glauben in und mit der Kirche!“

Die emanzipatorische Aktion möchte die Kirche dem unchristlichen Zeitgeist anpassen, mit dem unangebrachten Verweis auf Menschenwürde und Missbrauchsbekämpfung. In Wirklichkeit will sie eine andere Kirche!

Mit dem „Thesenanschlag“ nimmt sich „Maria 2.0“ die Kirchenspaltung des 16. Jahrhunderts zum Vorbild – ausgerechnet die „Reformation“, in deren Bekenntnissen die jungfräuliche Gottesmutter bald ihren angestammten Platz verloren hatte. Es schmerzt, dass ausgerechnet Maria herhalten muss, um solch zerstörerische Parolen vorzutragen.

Die „Sieben Thesen“ stellen keinen innerkirchlichen Aufruf dar, sondern sind Forderungen einer abgeirrten Pressure-Group, die jedes Verständnis für die apostolische Kirche verloren hat.

Es ist an der Zeit, dass alle Bischöfe wieder eine rote Linie ziehen und das Katholische klar benennen. Wer sich auf Maria berufen möchte, der soll beherzigen, was die „Mutter der Kirche“ schon bei der Hochzeit von Kana empfohlen hat: „Was Er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5).  

Unser Autor Dr. Achim Dittrich ist Pfarrvikar in Weiden; Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der kath. „Tagespost“ aus Würzburg


Zu den Vorwürfen gegen Benedikt XVI.

Stellungnahme des „Forum Deutscher Katholiken“:

Die Angriffe gegen die katholische Kirche richten sich gegen herausragende Repräsentanten. Sie werden moralisch abqualifiziert und instrumentalisiert, mit dem Ziel eine „andere Kirche“ zu schaffen.

Diese Attacken zeigen nicht das Niveau einer geistigen Auseinandersetzung. Dies geschieht in Medien und Büchern, z.B. in dem von Doris Reisinger und dem Filmregisseur Christoph Röhl verfassten Neuerscheinung: „Nur die Wahrheit rettet. Der Missbrauch in der katholischen Kirche und das System Ratzinger“.

Dort heißt es: „Welche Rolle spielte dieser Mann, der über ein viertel Jahrhundert die katholische Kirche entscheidend prägte, in ihrem Versagen in der Missbrauchskrise“ – “Wer sich mit Ratzingers Rolle befasst, muss die Behauptung von seinem Einsatz gegen Missbrauch wider alle Widerstände fallen lassen. Es bleibt davon nichts übrig.“

Die Autoren Reisinger/Röhl werfen ihm vor, dass er sich „nachweislich jahrelang nicht ernsthaft“ um die Missbrauchskrise gekümmert habe, „auch dann nicht, wenn Fälle direkt auf seinem Schreibtisch landeten“ (Augsburger Allgemeine Zeitung 2.3.2021, S. 12).

Dazu erklärt Professor Markus Graulich, Untersekretär des päpstlichen Rates für Glaubenstexte:

„Joseph Ratzinger (war) eine Schlüsselfigur bei der innerkirchlichen Verfolgung und Bestrafung sexuellen Missbrauchs. Heutige Errungenschaften auf diesem Gebiet verdanken sich wesentlich der Vorarbeit des Kurienkardinals und späteren Papstes Benedikt XVI.“

„Seit Mitte der 1980er Jahre“ hat sich Ratzinger „als Präfekt mit dem Missbrauch in der Kirche befasst … Schon damals habe er das Ziel verfolgt, das … kirchliche Strafrecht weiter zu entwickeln. So habe Ratzinger darauf gedrängt, kirchliche Straftäter auch ohne Prozess aus dem Klerikerstand entfernen zu können … Auch habe er dafür gesorgt, dass die innerkirchliche Verfolgung solcher Straftaten der Glaubenskongregation übertragen worden sei bis hin zur Anklage von Kardinälen und Bischöfen wegen Missbrauchsfällen.“ (Die Tagespost vom 18.2.2021)

Das Ziel dieser Kampagne gegen Kardinal Ratzinger/Benedikt XVI. ist sehr durchsichtig. Das „Forum Deutscher Katholiken“ spricht Benedikt XVI. sein ungeteiltes Vertrauen aus und dankt ihm für sein Bemühen, die sexuellen Missbrauchsfälle aufzudecken.


Pfeiffer: Marx-Kritik an Woelki ist „verlogen“

Der Kriminologe Prof. Dr. Christian Pfeiffer hält die Kritik am Kölner Kardinal Woelki für „verlogen“. Er denke dabei besonders an den Münchner Kardinal Reinhard Marx (siehe Foto). Dieser hatte es als „verheerend“ bezeichnet, dass Woelki ein Gutachten zum Umgang von kath. Geistlichen mit Missbrauchsvorwürfen unter Verschluss hält.

„Das ist ein so verlogener Umgang mit Woelki“, kritisierte der ehem. SPD-Justizminister von Niedersachsen:
„Wenn jetzt Marx über Woelki herfällt, dann ist das im Glashaus sitzen und mit Steinen werfen, weil er dasselbe getan hat. Marx ist der Hauptschuldige dafür, dass wir zehn Jahre nach Entdeckung des Missbrauchsthemas immer noch keine Transparenz haben“.

2013 hatte die Bischofskonferenz einen Aufarbeitungsvertrag mit Pfeiffers Kriminologischen Forschungsinstitut gekündigt. Der Streit hatte sich an der Veröffentlichung kircheninterner Dokumente entzündet.

Quelle und vollständige Nachricht hier: https://web.de/magazine/regio/nordrhein-westfalen/kriminologe-pfeiffer-kritik-kardinal-woelki-verlogen-35572374

Foto: Laura Mohr


Jurist beklagt „Hysterie“ in der Causa Woelki

Der frühere Vorsitzende Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs, Thomas Fischer, kritisiert die „Hysterisierung“ in der Debatte um Missbrauchsgutachten im Erzbistum Köln. „Alles ist überaufgeregt“, sagte er in einem Interview des Kölner Domradios am Donnerstag.

Zwar habe es in der katholischen Kirche „wie auch in anderen Glaubensgemeinschaften und Organisationen massive und strafrechtlich zu verfolgende missbräuchliche Strukturen gegeben“, so Fischer. Eine „Vielzahl von Taten“ müsse aufgearbeitet werden – nicht nur strafrechtlich, sondern auch „moralisch und verantwortungsmäßig“.

BILD: „Das Recht schützt die Jugend“

Allerdings scheine derzeit „in der Öffentlichkeit teilweise eine Generalabrechnung mit der katholischen Kirche stattzufinden“, sagte der Jurist. Ihn wundere „diese große Aufregung und Empörung“, auch wenn er ein kirchlich „Außenstehender“ sei.

Fischer wörtlich: „Das hat für mich einen gewissen Sündenbock-Charakter. Man sucht sich einen raus, der sich nicht besonders geschickt und sehr defensiv verteidigt: ein scheinbar großer Bösewicht, und der anderen Seite lauter Ohnmächtige und Opfervertreter. Da bietet es sich natürlich an zu denken: So sind sie halt, die Kleriker, jetzt wird alles wieder vertuscht. Und das finde ich weit übertrieben.“

Quelle und Fortsetzung der Nachricht hier: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2021-02/koeln-erzbistum-missbrauch-gutachten-fischer-woelki-debatte.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE